Ausgabe 
15.4.1908 Erstes Blatt
 
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aufgehoben.

B16/4

031121

J. Ikorneck.

Giessen, 15. April 1908.

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^trilltr' ^aser linü Bisquithasen und Pariser Kopfsalat

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Kränchen.

Ktmkui'simfahttn.

Das Kon(ursverfahren über das Vermögen der Friedrich Kühne Witwe in Gießen wirb nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch

Brandstiftung anzunehmen, doch beruht diese Annahme mr auf Kombinationen, die bisher keinerlei tatsächliche Be­tätigung erfahren haben.

Leute nachmittag wurden aus dem Landwehrkanal die Leichen einer ungefähr 35 jährigen Frau und eines 4045 Zahre alten Mannes gezogen.

sandten Fragebogens an alle angemeivcten Meß-Einkäufer kosten­frei verbreitet. Interessenten, die den jefct ausgesandten Fragebogen für die Michaelis-Messe 1908 und die Qster-Vvrmesse 1909 nicht erhalten haben sollten, wird empfohlen, sich beim Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig baldigst zu melden und durch rechtzeitige Ausfertigung des Formulars ein Buch im voraus zu sichern.

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Bei scharfem Wind zündeten sie aus einem (reihen Felde ein Feuer an, um Lumpen zu trockenen. Ter Wind fegte den brennenden Haufen fort und fetzte Hunderte von ölgetränkten Stücken Papier und Baumwolle in Brand. Diese wurden gegen eine große Sumpen- fabriE getrieben, die sofort in Flammen aufging; von da sprang daS Feuer auf eine andere Fabrik über. Noch ehe Feueralarm gegeben werden konnte, stand fast die ganze Stadt in Flammen. 87 Personen werden vermißt, eine Anzahl von ihnen ist jedenfalls verbrannt.

Ein Reichsmuseum für Bienenzucht. Auf Anregung des Bienenzüchters Pfarrer Gerstung in Oßmann­stedt in Thüringen wird in Weimar ein Bienenmnseum vorbereitet, das alle Gegenstände vereinigen fotT, die mit der Bienenzucht von den frühesten Zeiten menschlicher Kultur bis auf die Neuzeit in ursächlichem Zusammenhänge stehen. Man findet da zahlreiche zur Bienenzucht gehörige Geräte, Typen der verschiedenen Bienenwohnungen, von den ältesten pcimitlv- ften ,Klotzbeuten" bis zu den modernstenBienenpalästen" mit beweglichem Wabenbau, eine Sammlung verschiedener Wachsarten, zahlreiche Abnormitäten im Wachsbau und interes­sante Präparate japanischer, chinesischer und afrikanischer Bie- nenarten. Alles, was zur Behandlungdes BienS", wie die modernen Imker mit einem Sammelnamen das fleißige Bie­nenvolk bezeichnen, gehört, eine Sammlung der einschlägigen Literatur über Bienenzucht und Abbildungen ist hier zusam- mengebracht. Die BezeichnungMuseum" klingt allerdings etwas zu stolz für die kleinen Räume, in denen die Samm­lung provisorisch untergebracht worden ist. Das Reichsbie- nenzilchtmuseum ist dem städtischen naturhistorischen Museum in .der Weise angegliedert, daß alle ihm zugewendeten Gegen­stände in das Eigentum der Stadt übergehen und der städti­schen Verwaltung unterstehen.

Kleine Tageschrouik.

Bei dem Bahnbau der Strecke Bleicherode-HerSfeld ereignete sich heute em schwerer Unglücksfall, indem die proviso­rische Holzbrücke, die über die Chauss ee bei Craja führt, einslürzte. Zivei Tote und vier Schwerverletzte wurden inner den Trümmern hervorgezogen.

In der Rhön herrschte am 13. d. M. heftiger Schneefall. BiS ins Tal hinab liegt 20 cm Neuschnee.

»In Venedig wurde der reiche Rechtsanwalt und SportS- mann Munari von seiner Haushälterin erdolcht; bann tötete sich bie Mörderin selbst, indem sie Leuchtgas emannete.

In Paris, wurde der Graf Lau et von seiner Gattin erschossen. Es scheint, daß der Graf, der nach Aus­sage seiner Gattin seit längerer Zeit an Verfolgungswahn litt, sich in einem Anfall von geistiger Umnachtung auf ferne Frau stürzte, die ihn dann in der Notwehr erschoß. Die Gräfin ist schwer verletzt.

Univerfität$*nad?ridytctu

Marburg. Wie wir hören, hat der Privatdozent Lic. theol. Jßilbelm Heitinü11er in Göttingen einen Ruf als orbent- jcher Professor ber neutestamentlichen Exegese an die Universität (Marburg erhalten; er soll dort Professor Dr. theol. Johannes Beiß ersetzen, der nach Heidelberg übersiedelt.

Ter Professor der inneren Medizin und pathologischen Histologie m bei medizinischen Fakultät zu Paris und ehemalige Senator Lornill ist in Mentone int Alter von 71 Jahren gestorben.

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Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Das Offizielle Leipziger Meß-Adreßbuch, dessen letzte Auflage über 3500 Aussteller von keramischen, Metall-, Hol^- und Lederwaren, Kurz-, Galanterie- und Spielwaren, In­strumenten, Apparaten und den verschiedensten andern Artikeln verzeichnet, wird vor jeder Messe auf Grund eines jährlich ver-

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Märkte.

-th. Gießen, 15. Älpril. Auf dem gestrigen Rindvieh- mar k t betrug der Auftrieb ca. 850 Stück Großvieh und 150 Kälber. Ter Handel in Milchware war überaus belebt, bet dem kleinen Vorrat und da auch die Fettviehmärkte wieder emo steigende Kon­junktur aufweijen, zog der Preis für frischmelkende Kühe wieder etwas an. Schwere Tiere, die am Markt knapp waren und start begehrt wurden, erzielten sogar sehr hohe Preise. Ebenso waren junge Fahrkühe spärlich bei guter Nachfrage am 'Markt rind miißteit aut bezahlt werden. Ter Handel m Fetwieh war der beoor- Iiehenden Festtage wegen ebenfalls recht lebhaft, doch konnte nur der Bedarf an Rindern gedeckt werben, da fette Kühe nicht zum Verkauf standen. Der Handel in Gangochjen war ohne Bedeutung, da es an solchen fehlte. Wegen der noch tühlen 'Witterung, bei der das Grünfutter ausgeblieben, war auch kein Handel in Jungvieh zu machen, doch erwartet ber Handel darin mit dem Eintreten günstigeren Wetter§ in diesem Frühjahre ein gutes Geschäft. Ter Markt in Kälbern war wiederum nicht schlecht, weil der Ofterbebarf vor der Tür steht; nur dadurch war es möglich, gute Preise zu erzielen. Es wurden bezahlt für Milchkühe das Stück 1. Qualität 500-550 Alk., 2. Qual. 400-470 Mk., 3. Qual. 325-375 Alk. Fette Rmder ging der Zentner Schlachtgewicht ab: 1. Qualität 7072 Mk., 2. Qual. 6769 Alk., Kälber würben gehandelt der Zentner Schlachtgewicht: 1. Qual. 7275 Mk., 2. Qual. 64»9 Alk., 3. Qual. 5661 Alk. Ter Auftrieb wurde fast in allen Vieh- gatlungen glatt abgeseht.

fc. Frankfurt a. M., 14. Avril. Auf dem gestrigen. Hauptviehmarkt gingen die S ch W e i n e p r e i s e bei flottem Geschäft gegen die Preise am 6. April ds. Is. um 12 Pfennige für das Pfund Schlachtgewicht in die Höhe. Mag die Hausse etwas bedingt werden durch die bevorstehenden Osterfeiertage, so fragt man sich doch, wie ist der Preis, der gestern hier bezahlt wurde, vereinbar mit den Preisen, die die Hänoler in vergangener Woche den Züchtern bezahlt haben. Wie aus Oberhessen und dem Taunus berichtet wird, erhalten die Landwirte z. Zt. für vollfleischige Schweine der feineren Rassen im Alter bis 114 Jahren, also für prima Qualität, für das Pfund Schlachtgewicht 52 Psg. (Lebendgewicht 39 1/2 Pfg), wäh­rend gestern am Markt bezahlt wurde pro Pfund Schweine 1. Qualität Schlachtgewicht 61 Psg. (Lebendgewicht 48 Psg.), 2. Qual. 60 Psg. (Lebendgew. 47 y2 Pfg.), 3. Qual. 52 Psg. Ver­gleicht man die Preise mit denen, die am HauptmarLte in der Charwoche im vergangenen Jahre am 25. März 1907 ge­zahlt wurden, zu einer Zeit, in der eine Fleischknappheit tat­sächlich bestand, so ergibt sich, daß zurzeit die Preise höher sind/ wie damals. Am 25. März 1907 kosteten Schweine 1. Qual, das Pfund Schlachtgewicht 5758 Pfg. (Lebendgewicht 45 Pfg.), 2. Qual. 5556 Pfg. (Lebendgew. 431/2 Pfg-), 3. Quält- tät 5052 B

Gießener Wetterdienst.

Boranssichtliche Witterung für Hoffen am Donnerstag beit 16. April: Fortdauer der heiteren trockenen Witterung. Warrn. Nördliche bis östliche Winde.

Danksagung.

Allen denen, welche unserem unvergesslichen Vater, Schwiegervater und Grossvater

Herrn Kanzleirat Wilhelm Denrath

die letzte Ehre erwiesen, ihre Teilnahme durch Wort und Blumenspenden bekundet haben, insbesondere dem Herrn Pfarrer Ausfeld für seine trostreichen und dem Herrn Oberbürgermeister namens des 'Stadtverordneten-Kollegiums und der städtischen Beamtenschaft gesprochenen anerkennenden und ehrenden Worte, sagen herzlichen Dank.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen

Louis Frech, Louise Frech geb. Demuth und Kinder

Statischer Arbeitsuchseis Gieße«.

Garteustraße 2, Zimmer 2.

Es können eingestellt werden:

a. bei hiesigen Arbeitgebern:

1 Anstreicher. 1 Buchbinder, 1 Bauschlosser, 1 Wagner, 2 Haus- burschen, 1 Ausläufer, 1 Pm-frau, 5 Kauffrauen, 2 Laufmäbchen, 1 Haushälterin, 1 Kindermädchen, 3 Dienstmädchen, 1 Tabarent- ripperin.

Lehrlinge: 1 Buchbinder gegen Vergütung, 2 Drucker, 1 Fär­ber, 1 Mechaniker, 1 Tapezierer gegen Vergütung, 1 Schuh­macher, 1 Glaser, 1 Lehrmädchen, 1 Schreiner, 1 Stukkateur.

b. bei auswärtigen Arbeitgebern:

1 jüngerer Schmied, 1 Schreiner, 3 Wagner, 3 jüngere Schnei­der, 5 Ziegeleiarbeiter, 1 Sattler und Polsterer, 3 landwirtsch. Arbeiter, 2 Dienstmädchen, 1 Haushälterin.

Lehrlinge: 1 Schreiner, 1 Bäcker, 2 Schlosser, 2 Schmiede, 1 Sattler.

Es suchen Arbeit: _ B15/«

1 Hausdiener, 1 Kutscher, 1 Tapezierer u. Polsterer,.! Schlößer, 1 Schreiner, 1 Weißbinder, 2 Hausburschen, 6 Arbeiter, 2 Lauf­frauen, IRaherin, ILauimädchen, 1 Haushälterin,!Hausmädchen.

Lehrlinge: 1 Mechaniker.

Geschäftsumfang der Versicherunasgefelllchaften. Nach 8 81 d. B. A. G. werden die Kosten des Kaiserlichen AuinchtsantteS für Privatversicherung ungefähr zur Hälsw von den seiner Aufsicht unterstellten Unternehmungen getragen. Die alliährllche Gebühren­erhebung erfolgt im Verhältnis zur Prämieneinnahme der einzelnen Gesellschaften aus den im Deutschen Reich lausenden Derncherungen abzüglich der an die Bersicherten zurückgewährten GMUnnantetle. 1901 machte diese Prämieneinnahme 554, 1906 <u3 Millionen Mark aus, zeigt also eine sehr erhebliche Steigerung. Trotzdem über 1000 Versicherungsiinternehmungen beteiligt sind, entfällt doch mehr alö der zehnte Teil der gebührenpflichtigen Pramieneinnahme auf eine einzige Gesellschaft, die Bietvria, die auch gleichzeitig von allen deutschen Gesellschaften die größte Pramicnenuiabme aus bem Airsland hat. Die Vic10 ria repräsentiert also nach diesem Maßstab gemessen den zehnten Teil der deutsche,i privaten Ape- euranz. Es ist daher kein Wunder, daß man ihr auf Schritt und Tritt begegnet, laufen doch bei den beiden Victoria-Gesellschaften zusammen über <- . Millionen Policen. 07*

VriginaL-DrahSmezdringe«.

Lissabon, 15. April. Ministerpräsident Amaral er- llärte in einem Jnterwiew, fein einziges Programm für die neue Kammer sei, kein bestimmtes Programm aufzustdlen, vielmehr streng verfassungsmäßig mit den Parteien zu legierens gute Verhältnisse mit dem Auslande aufrecht zu erhalten ,unb die Ruhe im Innern zu sichern.

Petersburg, 15. April. Die Vorlage über die Erbau­ung der Amurbahn wurde gestern mit 203 gegen 101 Stim­men in erster Lesung angenommen.

Washington, 15. April. Präsident Roosevelt ließ gestern dem Kongreß eine Botschaft zugehen, worin er die schleunige Genehmigung des Baues non vier neuen Schlacht­schiffen verlangt. Der Präsident beruft^sich für seine For­derung auf den Mißerfolg der Abrüstungs-Idee auf der Haager Konferenz, nach dem sich der Ursprüngliche Plan, jährlich nur ein Schlachtschiff zu bauen, unmöglich aufrecht erhalten lasse.

Lergeimg m AellWLgsarbcitcu.

Die Quellfasfungsarbellen für die Anlage dec Wasser­leitung der Gemeinde Odenhausen bestehend in Herstellung von ca. 90 Ifb. m Sickerrohrleitung und einer Sarnmel- kammer aus Stampfbeton sollen öffentlich vergeben werden. Zeichnungen und Angebotsunterlagen liegen auf dem Amts­zimmer des Unterzeichneten zur Einsicht offen und können letztere gegen Erstattung der Abschriftskosten daselbst bezogen werden. Angebote sind bis zum 1. Mai d. I., vormittags 10 Uhr verschlossen und poflfcei bei dem Unterzeichneten emzuceichen. Freie Auswahl bleibt Vorbehalten,

Gießen, den 11. April 1908. B15/4

Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

I. V.: Kalbfleisch.

MsWeralur.

Illustrierte Musikgeschichte

von Emil Nau mann, vollständig umgearbeitet U. bis auf die Gegen­wart fortgefiihrt. Herausgegeben von Tr. Engen Schmitz, 2. Auflage (vollständig in 30 Liefernnaen ä 50 Psg. Union Deutsche Verlags- Gesellschaft in Stuttgart, Berlin, Leipzig). Unter den populären illustrierten Werken über Musikgeschichte nimmt das vorliegende Werk einen hervorragenden Platz ein. Es ist gründlich und voll­ständig. In der Einleitung wird Zunächst die Musik der Griechen, dann auch die der Aegypter, Hebräer und anderer Kulturvölker des Altertums und der exotischen Länder behandelt. An der Hand zahlreicher Illustrationen und eines knappen und leichtverständlichen Texies gewinnt man hier einen ausgezeichneten Einblick in den Werdegang der Musik. Am interessantesten ist das Kapitel über die griechisch e Musik, dem auch zwei längere Musikbeispiele beige- fügt sind. Auch die Notenschrift der Griechen wird durch Beispiele erläutert. Die Musik des 1. bis 19. Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung behandelt das erste Buch. Es geht von der ein­stimmigen geistlichen Musik des Mittelalters aus, zeigt an vielen Beispielen, in welcher primitiven Weise man damals Noten angab In einem weiteren Kapitel werden bann auch die Anfänge der polyphonen Tonmusik behandelt. Das zweite Buch behandelt schon die Blütezeit der polyphonen Vokalmusik im 15. und 16. Jahrhundert, die Niederlande, die Tonschulen JialienS und die Musik in Deutsch­land und England; das nächste Buch behandelt den Beginn der neuzeitlichen Musik, die Entwickliing der Oper und des Oratoriums; den beiden Hauptvertretern des letzteren, Bach und Händel, sind be­sondere Kapitel geroibmet. Das 4. Buch behandelt das Zeitalter der klassischen und romantischen Musik; Gllick, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, bie französische und italienische Oper. Im 5. Buch macht eine Besprechung der modernen Musik bis auf die Gegenwart den Schluß dieses Prachtwerkes, das in anregender und fesselnder Weise das ganze weite Gebiet der Musik in aus­gezeichneter Weise dem Leser erschließt. Möge es tl>m nie an Freunden und Lesern fehlen, die aus diesem Buche Belehrung und tieferes Verständnis für das wuitderbare Wesen der Musik schöpfen

Gießen, den 13. April 1908. Großherzogi. Amtsgericht.

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Kun ft und WLffenfchaft.

Die Stadtverordneten in Offenbach beschäf­tigten sich in ihrer letzten Sitzung (u. a. mit dem Antrag des 'Äauauchchusses, sür die Wiederherstellung des alten Theater- Gebäudes 80000 Mk. zu bewilligen. Die Stadtverordneten-- leriammlung war der Meinung, daß man mit der geforderten tZuinme nrcht auskommen und schließlich doch nur ein unzuläng­lich ausgebessertes Gebäude haben werde. Man möge deshalb den Uau eines Neineven Theaters ins Auge fassen. Die Stadtver­ordnetenversammlung besck-loß, die Vorlage an den Bauausschuß rurückzuveriveisen und ihm aufzugeben, nochmals einen Kosten- wranschlag für den Umoau nne auch für die Errichtung eines kleineren Theaters vorzulegen.

Kleine Chr 0 nrt aus Kunst und Wissenschaft. Tas Befinden des großen Dichter-Grafen Leo Tolstoi hat sich lieuerdings verschlimmert. Augenscheinlich liegt eine Darm­er k r a n k ung vor.________________________________________________

Vermischte».

Ein neuer Journalistenstreik. Man schreibt uns cmS Berlin, 14. April: Im Festsaale des Neuen Schauspiel­hauses versammelten sich gestern abend etwa 200 Mitglieder Der Berliner Journalisten- und Schriftstellervereine, um der Frage näher zu treten, wie ein gemeins ames Vorgehen der Redakteure, Journalisten und Schriftsteller bei bestimmten Ge­legenheiten zu erreichen sei, etwa durch Schaffung eines aus Vertretern aller Berufsvereine gebildeten Zentralkomitees oder durch Einsetzung eines Zentralausschusses, in dem alle Verbände vertreten sind. Die Versammlung nahm eine Ent- ichließung an, in der die anwesenden Korporationen sämtlich ihre Entrüstung aussprechen über bie standesunwür- Dtgc Haltung derRhein. Wests. Ztg." gegenüber bem streik der Tribünenjournalisten des Deutschen Reichstages, vor allem aber gegenüber ihrem Berliner Redakteur Harnst ch, und iüe Erwartung, daß alle Berufskollegen: Redakteure, Journalisten, schriftsteller, Korrespondenz-Herausgeber und Einzelberichterstatter oie weitere Mitarbeit für dieRhein.-Wests. Ztg." einstellen.

* Der entführte Polizist, Atan schreibt uns aus Äöttingen: Ein heiteres Intermezzo haben die Bewohner eines Städtchens in der Näl)e von Göttingen einem lustigen Berliner Automobilisten zu verdanken. Dieser erschien dort mit seinem luxuriös ausgestatteten Automobil, das er vor das einzige Lafehaus des Städtchens lenkte, um sich hier nach Möglichkeit ,u amüsieren. Er ließ sichHerr Graf" titulieren und wußte bald einen fröhlichen Zecherkrecs um sich zu scharen, zumal er oaS Geld mit vollen Händen um sich wavs. Schließlich wurde dk städtische Kapelle herbeigeholt, die bis Mitternacht konzertieren wußte. Die Likörslaschen usw. wurden erschöpft, si'daß der Inhaber us Cafes in einer Nachbarwirrsä>aft Nachschub holen mußte.

dem ungewohnten Getöse, das die lustige Gesellschaft voll- uhrte, konnten die Nachbarn nicht einschlasen und erstatteten polizeiliche Anzeige. Bald erschien denn auch der Hüter der Lronung, um Feierabend zu bieten. Jedoch wurde auch er ver­blaßt, einige Tropfenauf die Lampe zu gießen", und nach uitjcr Zeit man weiß nicht recht wie saß er mit dem _,Öerm Grafen" im Automobil, das im flotten Tempo dem Öaniidn entgegensauste. Der Bürgermeister des seines Hüters «raubten Sräbtchens telephonierte stberall hin, um den Polizisten russindia zu machen. Dieser aber fuhr im anderen Ntorgen im prächtigen Landauer wieder seiner Heimat zu. Unterwegs '.reignete sich noci) ein Malheur: die Pferde wurden scheu, gingen )urd) und der Wagen fiel in einen Graben, wobei die Deiclffel yrad). Nach Reparierung des Schadens fuhr der Landauer mit Polizisten im Städtchen ein. Dcv Bürgermeister sah vom S'euftcr feiner Wohnung denEinzug" mit an. Wie die Be­grüßung aussiel, davon schweigt.des Säugers Hbflichkeit. Das ccDönfte bei der Sache aber ist, daß der Graf gar kein Graf, sondern ein Berliner Schauspieler gewesen fein soll, ber <t'jf diese Weise seinem Assen einmal wieder Zucker gab.

' S ch i f f s u n f äl l e. Ter norwegische DampferSalerno" >fl beim Einlaufen in den Haien von Bari (Italien) gestrandet ob erhielt ein großes Leck. 9)lan versucht die Bergung der Ladtmg. - Der Hamburger FischdampferFritz", Kapitän Rteßen, der seit Februar überfällig war, ist, wie nunmehr feststeht, in der Nordsee nit der ganzen Besatzuttg u rt t e r g e g a 11 g e 11.

* Der Brand 00 n Chelsea. In Boston sind bereits 10000 Tollar zu Gunsten der Hinterbliebenen der Opfer der Brand- kctastrophe vott Chelsea gezeichnet worden. Von deit zahlreichen Lerletzten, die sich tu den Krankenhäusern befinden, schtveben nur 'i in Lebensgefahr. Drei Leichen sind aufgefunden worden. Dte Letrolenm-Behälter östlich der Stadt breitnett noch. Sämtliche Silber, bie ihre Eltern verloren haben, sind der Stadt überwiesen torben. Tie Lumpensammler haben die Feuersbrunst verursacht.