Ausgabe 
14.12.1908 Erstes Blatt
 
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I^yen und QUZWahlLN Tenn und nicht ohne vorherige Prüfung M kaufen braucht. Wiele der auswärtigen Offerenten haben Lie cmgebotenen Bücher überhaupt nicht auf eigenem Lager, sondern beziehen sie erst, nachdem eine Bestellung vorkiegt. -Größere Vorsicht ist noch zu enrp fehlen, bei dem ErvLrb ver­ramschter Artikel, die in hochtönenden Phrasen als äußerst wertvoll und spottb-illig zugleich hingestellt werden. Han­delt es sich um vom Verleger herabgesetzte Bücher, so liefert Sie der einheimische Buchhändler genau zu den angekündig- iten Preisen. Kommt dagegen wertloses Zeug in Betracht, »o dürfen die Bücherkäufer das Vertrauen zu ihren hiesigen Lieferanten haben, daß sie es nicht an der nötigen Warnung ffehlen lassen. Auf jeden Fall bewahrt sich das Publikum »am besten vor jedem Schaden, wenn cs diese Angebote igno­riert und derartige Ladenhüter nicht kauft. Es dürfte sich unbedingt empfehlen, ftet* erst den einheimischen Buch­händler zu befragen, denn ein Bezug von auswärts bietet, wie wiederholt gesagt werden mag, bei der Gemeingüttig- feit aller Preise für den ganzen Buchhandel absolut keinerlei Vorteile.

** Eine humoristische Woche verspricht das Kine- ftmttogLaphentheater om Seltcrsmeg mit dem neuen Programm feinen Freunden. Uüd wer die urkomischen Szenen des denkmal- steherrden Bauern ^Leicht Geld zu verdüium." iuü) desPfiffig-eir Schusters" mit deni Los an der Stubentür gesehen hat, wird diese Bezeichnung wohl billigen. Mit seinem Humor sind die Bilder: Das leicht entzündbare Herz" undDie Kindergesellschast" dav- gestellt, während die empfindsame Seite den Vien scheu in dem hochdramatischen KriegsbildDie Sünberin" und dem Wild-West- tDramaDre Tochter des Tavernenbesitzers" zur Geltung bmmt. fSeenumnsleben ist schön dargestellt durch die Bilder vom Bord beS bekannten SchulschiffesGroßherzogin Elisabeth", undTer Neine Zauberer" vvllführt die «erstaunlichsten Kunststücke. Nicht M unterschätzen ist, daß die meisten Szenen im Auslände auf- ^Qwmnrerr sind, und matt dabei fremdes Land und Leute fernten lernt, der Besuch also nach jeder Richtung eine Ausbeute bietet.

* Die Maul- und Klauenseuche ist ausge­lb rochen in Krintsch, Kreis Neumarkt (Regierungsbezirk ^Breslau), am 11. Dezember; ferner in Linderhausen Kreis Schwelm (Regierungsbezirk Arnsberg), unter Handels- vieh, ebenfalls am 11. Dezenlber.

= Grünberg, 11. Dez. Der Bezirks z uch tvercin Gießen für Vogelsberger Vieh hielt gestern im Hotel pirsch seine Generalversammlung mit vorausgeheiwer Äusschußsitzung unter dem Vorsitz des Regrcrungsrats Dr. Merck ab. In der Ausschußsitzung wurde lediglich die vorliegende Rech- Eng für 1907 Rj. durch die Ausschußmitglieder Mtbürgermeister eiling-Hettchelheim Mnt> Bürgermeister Aff-Lanter geprüft. Die schließende Generalversamutlnng wurde durch den Vorsitzenden unter besonderer Begrüßung des Sekretärs des Landwirtschafts- fkanuncr-Ausschusses für Oberhessen, Herrn Schwarz, eröffnet. Er bemerkte, daß man diesmal früher geäußerten Wütrschen ent­sprechend, Grünberg als Ort der Generalversammlung gewählt habe, um den Mitgliedern von Grünberg und der Umgebung Gelegenheit zu geben, sich an einer solchen Versammlung reckst zahlreich be­teiligen zu Hörnten. Leider müsse er aber feststellen, daß das Interesse der Vereinsmitglieder aus hiesiger Gegend zu wünschen Übrig lasse, denn der Besuch der Versammlung hätte weit größer sein müssen. Er hoffe, daß in dieser Beziehung in Zukunft eine Besserung eintreten werde. Hierauf teilt er das Ergebnis der Rechnung mit, wonach die Eimrahmen 499 M. 37 Pfg., die Aus­gaben 498 M. 88 Pfg. betragen unb das Kapitalvermögen gegen das Vorjahr um 227,88 M. höher, also auf 1669 M. 96 Pfg. an­gewachsen ist. Auf Antrag der Rechnungsrevisoren wird denr /Rechner Schupp Gutlaftung erteilt. Nach dem Jahresbericht ^haben im abgelaufenen Geschäftsjahre zwei Ausschußsitzmrgen und eine Generalversammlung stattgefunden. Die Zahl der Mitglieder beträgt 390, welche sich auf 10 Ortszuchtvereine und viele Einzel- Wütglieder verteilen. In Zugang ist der neu gegründete OM- per ein zu Leihgestern mit 29 Mitgliedern gekommen. Die übrigen Ortsvereine bestehen in Ällendorf (Lahn), Beltershain-Göbelnrod- xQueckborn, Großen-Linden, Grünberg, Heuchelheim, Lauter, Stein­bach, Stockhausen-Weickartshain und Watzenborn-Steinberg. Ucber jxe Körung der Vogelsberger Tiere, die die Landwirt sch aftskammer auf Grund der bcstcherrderr Grundsätze in Leihgestern nicht vor­nehmen wollte, weil daselbst die Zucht der Simmentaler Rasse die vorwiegendste sei, wurde nach längerer Debatte ein Ausweg zu 8-unsten der Leihgesterner Vereinsmitglieder gefunden. In das Herdbuch wurden eingetragen 52 neue Tiere, dessen Besitzer mit dem Eintrag die Mitglüdschaft des Vereins ertoorben haben. Es fanden im dem Geschäftsjahr in Großen-Linden und Grünberg " Ortsfchanen statt, bei welchen Preise in Höhe von 425 M. zur Verteilung gekommen sind. Auch beteiligte sich der Verein an der Düsseldorfer Ausstellung uni) erntete dabei großen Erfolg. Es wurden insgesamt 800 M. für Preise erzielt. In 1907 wurden Lurch den Landwtttschaftskammer-Ausfchuß innerhalb des Ver- «einsbezirks 14 Bullen unh 61 weibliche Tiere angekort. Bei der allgemeinen Faselschau wurden besichtigt im Mrbezirk Gießen 34 Bullen, im Körbezirk Hungen-Lich 1 Bulle und irrt Wrtiezirk Grünberg 20 Bullen. Bezüglich der für das Jahr 1909 für den Bezirk Grünberg vorgesehenen Ortsschau mürbe als Schauort Grün­berg, als Zeitpnntt Ende Mai oder Anfang Juni, als Preis- tzerichlsmitglied Bürgermeister Krämer-Stellrbach, als dessen Stell- 'tertretCT Altbürgermeister Kreiling-Heuchelheim vorgeschlagen. Die Vorschläge wurden eutftimmig angenommen. Sodann erfolgte die Beratung der durch die Landwirtschaftskammer allgemein aufge- ftellten neuen Satzung. Vom Vorsitzenden wurde dieselbe tötgetragen. Nach § 1 erhält der Verein zukünftig den Namen ,KreiZrinderzuchtverein Gießen (Vogelsberger-". Die Paragraphen 2, 3, 4, 6, 19, 20, 21, 23, 24, 25 und 27 wurden angenommen, während die übrigen Paragraphen den seitherigen Verhältnissen entsprechend Abänderungen und Zusätze erlitten. Die jährlichen Beiträge wurden festgesetzt für 1 Herdbuchtür auf 20 Pfg. und für eine Gemeinde auf 5 Äkk. Nachder Beratung der Satzung, die die für die Versammlung vorgesehene Zeit vollständig in Anspruch nahm, schloß der Vorsitzende die Generalversammlung und der angesetzte Vorttag des Sekretärs des Landwirtschafts- karnmer-Ausschusses für Oberhessen, Schwarz, über das Thema: Welche Mittel sind dem Landwirt an die Hand gegeben, um seine Tür zücht rentabler zu betreiben", mußte ausfallen.

O Laubach, 12. Dez. Das Konzert, das gestern abend Direktor Dam Hofer im Solmser Hof mit seinem Ensemble, aus 11 Damen und Herren bestehend, veranstaltete, hatte sich eines zahlreichen Publikums zu erfreuen. Bet herrlichem Stimmenmaterial und präciser Einübung mußten die Chöre einen hohen Genuß bieten. Auch die Solls, Alt: .Frau Damhoftr, Sopran: Frl. Grabner, ernteten reichen Beifall, so daß sich die Solistinnen wie auch die Chorteil­haber zu zahlreichen Einlagen veranlaßt sahen. Ebenso ent­zückend waren die gebotenen Schuhplatlertänze, bte ein echtes Bild aus dem Tyroler Leben boten. Die Künstler, die in Bad Reichenhall (Bayern) beheimatet sind, sind eben aus einer Konzertreise durch die oberhessischen Städtchen begriffen.

Nieder - Ingelheim, 11. Dez. Ein schönes Weihnachtsgeschenk steht der hiesigen Gemeinde in Aus­sicht. Vor einigen Monaten starb hier eine Privatin, die ihre Einkünfte und ihr Vermögen nicht ganz richtig cinge» schätzt hatte. Jetzt müssen die Erben die gesetzlichen Ge­bühren wegen zu niedriger Steuerveranlagung nachbe- Zahlen, betragen außer sirr das Steuerjahr 1908/09 i seit 1903 etwa 2 23 000 Mark für die hiesige Ge- Lneinbe. Die evangelische Gemeinde erhält 12 000 Mark Sachgezahlt, der Staat eine entsprechende Summe, über 00000 Mark.

Gießener Strafkammer.

)( Gicß^Ä, 11. Dez.

Ein netter Schlofkamerad.

Ein Tatzlähner aus Nidda hatte mit bene Arbeiter K. P. P. ans Stöckern. (Sockffen) in einer hiesigen Wirtschaft übernachtet. Ms er morgens erwachte, war P. verschwunden und mit ihm das Portemonnaie seines Schlasüillcgcn und dessen Strümpfe. Ter Dieb, dessen Name man bis dahin nicht kannte, hatte ans Ver­sehen ein Schriftstück zurückgelassen, vwdurch es gelang, ihn bald zu ermitteln. Nach anfänglichem Leugnen gestand er den Dieb­stahl zu; bas Geld in Höhe von 4,50 ALark war fort, wie auch die Strümpfe. Die Verhandlung ergab, daß er auch früher schon Schlafkameraden bestohlen hat und er sich im Rückfall be­findet. Die Staatsanwaltschaft hielt ihn für das Zuchthaus reif, doch das Gericht ließ noch einmal Milde walten und erkannte auf 10 Monate Gefängnis, worauf 3 Wochen Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen sind.

Em Holzbetrug.

Im vorigen Herbst kam der volzhäirbleck K. K. von Mendorf, Kreis Wetzlar, zu einem ZiMmermamr uack> Leckenbach und kaufte für etwa 800 Mark Gruben- und Bauholz. Es tourbe schriftlich vereinbart, daß vor dem Verladen 400 Mark und beim Abfahren des Restes, das noch rückständige Geld bezahlt werden sollte. Der 3immermaun verabfolgte dem K. den Nmmnernschein, damit er sich das Holz im Wälde ansehen könne: den Abfuhrschein hatte er dem Jvrstwart bereits beljänbfgt Trotz des Versprechens, den Nummerschein wieder abfrugebeit, behielt K- diesen und benützte Den Ihnftaub, daß der Forstwart den Abfuhrschein hatte, um das Holz ab fahren zu lassen, ohne Anzahlung geleistet zu Habern Erst als der größte Teil des .Holzes verladen und schon einige Waggon abgegangen waren, erhielt der Zimmernrann Kenntnis von der Abfuhr dcS Holzes. Er wandte sich brieflich an K. wegen des Geldes; dieser depeschierte zurück, daß die Sicherheit unterwegs sei und wiederholle diese Angaben auch später münd­lich. Ter Zimmermann ließ es deshalb zu, daß der Rest des Holzes abging und nach einiger Zeit ging ihm die Sicherheit in Form eures Wechsels zu, den K. ciirzulösen nicht imstande war. Ter Wechsel wurde später verlängert, konnte aber nicht eingelöst werden und der Zimmermann hat den Verlust von 800 Mark zu beklagen, während K. das Holz zur Hälfte des Wertes losschlug. Auf Anzeige des Gesckwdigten verurteilte das Schöffengerickft K. toegcii Betrugs zu 3 Monaten Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft wie auch der Angeklagte fochten das Urteil an. Letzterer be­hauptete, er habe beim Abfahreu des Holzes 400 Mark bei, sich gehabt, cs sei aber zu spät geworden, das Geld noch abzuliefern, 6a die Ab fuhr stelle von dem Wohnort des Verkäufers wett ent­fernt sei. Bei der Mickkuuft habe er das Geld zu einer dring­lichen Angelegenheit benötigt und so sei es gekommen, daß er nicht zahlte. Tie Sttaskmitmer ging auf diese Ausreden nicht ein; sie hielt den Talbeshand des Tictistahls für vorliegend und erkannte, da der Angetlagte rückfällig ist, und wegen eines ähn­lichen HolzdiebstahkS früher schon 'S träfe erlitten hat, auf sechs Vttnmte Gefängnis und sprach dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Eisengießer P. B. von Merken spitz wegen widernatürlicher Unzucht verhandelt. Tas fteisprechende Urteil besagt, daß weder feststeht, daß er sich in unsittlicher Weise an den Tieren vergangen hat, noch daß er die Befähigung besitzt, falls er die Strastar begangen haben sollte, die Strafbarkeit zu erEennen.

Ter gestörte Hagelfeiertag.

Dem Landwirt I. H. E. von Bergheim ging ein Straf­befehl über 1 Mark zu, well er trotz Verbots in der Gemarkung Usenborn ant 27. Juni, bem1 Tage, an voelchenr in dieser Gemeinde der sog. Hagelfeiertag stattftndct und der als rirchlicher Feiertag betrachtet wird, Heu abgefahren hat. Ten Angellagte erhob Wider­sprach unb nrachte geltend, er habe das Verbot nicht respettüren können, da er in einer Notlage gewesen sei. Das Feldgericht erkannte diese Eingaben nicht für richtig an und verwarf seinen Einspruch. Dies gab dem Angeklagteir Anlaß zur Berufung und er machte geltend, das Verbot sei ihm Nicht betannt gewesen. Erst einige Tage nach dem Feiertag habe er erfahren, daß die Bekanntmachung in Bergheim erfolgt sei. Tatsächlich wurde auch festgestellt, daß die Veünmtmachnrtg erst an bem Tage erfolgt ist, an dem der Angeklagte das Heu gemacht hat und zwar zu einer Zell, als der Angeklagte schon von zu Hause fort war. Tas Urteil wurde aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen.

GerbehLK?aaL.

Gießener Schöffengericht vom 11. Dezember 1908.

Eisenbahntransport-Gefährdung. Ter Fuhr- knecht W. P. imd Taglöhner Ehr. St. hier standen unter Anklage, fahrlässigerweise einen Zug der Biebertalbahn in Gefahr versetzt zu haben. Unterm 3.' Juli l. I. vormittags gegen 10y3 Uhr waren die Angeklagten mit dem Auspmnpen Der Senk­grube des Hauses Rodheimer Straße 25 beschäftigt, wobei daö Lattinenfuhrwert bezw. der Wagen auf dem Trottoir und die beiden Pferde auf dem Geleise der Biebertalbahn zu stehen tarnen. Um die gleiche Zeit fuhr ein Zug der Biebertalbahn von der Station Gießen ab, bestehend aus Lokomotive, einem leeren und einem beladenen offenen Wagen: als der 'Führer in der Nähe des Tat­ortes sah, daß die Fahrbahn nicht ftei war, gab er Achtungssignal, darauf ildotsignal unb Stoiitrcbamüf, öffnete den Sandstreuer unb ließ die Handbremse anziehen, aber alles war vergeblich, die Lotomotive erfaßte die beiden auf dem Geleise steheirden Pferde, so daß sie umschlugen unb eine Strecke mllgeschleift wurden. Wäre der Zug ein Meter von dem Standorte der Tiere zum Stehen ge­bracht worden, so hätte dieses Vorkommnis vermieden werden können, wozu noch kommt, daß daS Geleise kurz vorher von einem Sprengwagen bespült wurden, wodurch, infolge der Nässe, das Hallen des Zuges sehr beeinträdjtigt wurde. Das alles war das Werk eines Augenblickes unb so kam es, daß die Angellagten das FassmrgSvermvgen verloren unb int ersten Moment nicht wußten, was sie machen sollten. Deut Angeklagten wäre es, wenn er die Geistesgegenwart nicht verloren hätte, möglich gewesen, die Pferde beiseite zu reißen, zumal der mitangeflagte St. schwerhörig ist und er sich auf diesen infolge mcht verlassen tonnte. Festgestellt wurde, daß der Zug außergewöhnlich rasch gefahren war. Ps. wurde zu zehn Tagen unb St. zu drei Wochen Gefängnis ver­urteilt. Unter Einbeziehung einer früher gegen St. verhängten und iwch zu verbüßenden Strafe von 5 Monaten, wurde gegen diesen eine Gesamtgesangnisstrafe von 5 Monaten zwei Wochen erkannt.

Vergehen gegen das Kinderschutzgesetz. Der Mi Ich Händl er H. A. R. in Steinbach beschäftigte dahier am 8. 3iovember l. I. einen Schuljungen mit Austragen von Milch. Das Gericht verurteilte ihn zu 5 Mark Geldstrafe ev. 1 Tag Hast.

Vergeh engegendieGesiudeordnung. Das Dienst­mädchen F. 2. jetzt in Frankfurt a. M.,verlleß ihre Dienststelle bei einer hiesigen Herrschaft ohne gesetzlichen Grund u. leistete der polizei­lichen Aufforderung, den Dienst wieder anzutreten, keine Folge. Infolge ihres Nichterscheinens zum heutigen Termin, wurde der von ihr erhobene Einspruch gegen den Strafbefehl verworfen unb diese zu beit angesetzten 12 Mark Geldstrafe en. 6 Tage Hast ver­urteilt.

R.B. Darmstadt, 12. Dez. Der Studierende der Technischen Hochschule Georg Reibstein von hier, war heute wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, die sich in der stlachä auf den 30. Oktober bei einer Schlägerei hier zugetragen hatte. Er berüf sich auf Nvllvehr, bezw. hochgradiger, die lieber- legimg^ansrchiießvndL damalige Erregung. Er hatte im Residenz- faffee sich gegenüber bfcr gerade allernsitzenden Frau des als Gjnit awvesendeir Wirtes Niggemnnn, dreist benommen unb der hier- über aufgebrachte Ehemann war nur durch das Dazwischen!reteu Rerbitein mit fünf anocren Zruderllen das Lotal verließ, tat N. mll iioci Be^errern dies ebenfalls unb griff auf der Straße zuerst mtt dxn Händen den Reibstein an, !voraus eine allgemeine Schlä­

gerei erwuchs. Dabei stach Reibstein mit einem Dolchmesser dem! N. Iridjt in ben Rücken und brachte ihm weiter einen gefährlichen Sttch in den Unterleib bei. Durch sofortige Operation im Kranken­haus konnte die Gefahr befeitigt toerben. Tas Gericht nahm lieber- schreitung der Notwehr an, billigte dem Angellagten aber in an- betracht seines erregbaren Charakters und weil eine Gefängnis-, frrafe nicht an- Platze sei, mildernde Umstände zu und Dcrurtclty ihn zu 500 Mark 'Geldstrafe, ev. 50 Tage Gefängnis und zu einer zahlenden Strafe von 500 Mark an Niggemann.

Magdeburg, 11. Dez. Leullrant Erich Fromme! von der 8. Kompagnie des 26. Infanterie-Regiments, der am ver­gangenen Samstag unter dem Verdachte, seine Leute unsllllich behandelt zu haben, in. Untersuchuirgshaft abgeführt wurde, hatte sich bereits heute vor dem Kriegsgericht der 7., Division zu ver­antworten. Tie Verhandlung sand unter Ausschluß der Seffent« lichkeit statt. Auch für die Verkündung des Urteils wurde, entgegen ß 284 der M ilitär-Strafgerichtsordnung die Oeffentlichkert nicht wieder hergestellt. Zur Verhand^ lung waren mehrere Zeugen geladen.

^örseu-Wochcnbericht.

---Frankfurt a. M., 11. Doz.

Wie iunt schon seit Wochen, hatte die Börse auch in, den letzten acht Tagen wieder stark unter dem Mangel an Unter­nehmungslust zu leiben. Konnte im allgemeinen auch etwas festere Gmndstinrmung ,vum Durchbruch kommen, so ist man doch der morgen iroch EeineStocgb enthoben, die nun schon so lange Zeit zur Zurückhalturrg maljuen unb das Geschäft unterbinden. po­litische Lage hat sich noch immer nicht geklärt unb lastet nach wie vor auf Börse. Handel und Industrie. Wohl hält man an der Zuversicht fest, daß die Schwierigkeiten am Balkan eine befriedigende Lösung finden nrerben, aber die Ungewißheit darüber, wie lange dies noch dauern wird, bietet Grund zur Re­serve. Hat bod) selbst die vorzügliche Rede des Fürsten Bülow im Reichstag dem llflangcl an Unternehmungslust nicht abzuhelfen vermoch. Man verkannte zwar nicht, daß der Reichskanzler alle Fragen der auswärtigen Politik, welche feit Worten die Gemütep beschäftigen, in eingehender Weise, unb in beruhigtem Sinne be­handelt hat, man war sich auch klar darüber, daß mehr als der Fürst aussührte, nicht gesagt werden konnte, aber die bedauer­liche Tatsache, daß eine Friedensgarantie auch von dieser tieft- informierten Stelle nicht gegeben werden: konnte, ließ das Ein­gehen größerer Engagements Vorerst doch nicht, angebracht er­scheinen. Wenn trotzdem wieder eine befferc Auffassung der po­litischen Lage an ber Börse sich herausgebildet hat, so kam dafür) hauptsächlich die Hallung der Wiener Börse in Bettacht, die an Zuversicht wieder etwas gewonnen bat Man beobachtet zwar auch dort noch große Zurückhaltung, die sich aber ohne weiteres daraus erklärt, daß, wie mir erst kürzlich ausführten, die po­litischen Beklemmungen zeitlich mit einem ausgesprochenen wirt­schaftlichen Niedergang Zusammentreffen, der noch dazu verschärft wird durch die Boykottbewegung in der Türkei, der man macht­los gegenübersteht, die aber wichtigen Zweigen der österreichischen Industrie schwere und voraussichtlich auf lange Zeit unheilbare Wunden schlagen wird. Ättchtsdestoweniger haben in dieser Woche an der Tvrrau größere Kurssteigerungen stattgefunden, da offen­bar Viele Blaitkoverkäufer zu Tecllingen sich veranlaßt sahen unb auch Mckkäufe seiteirs solcher Kapilalisten vorgeitannncn wurden, die im Einblick auf pvlllisck)e Besorgrrisse sich großen Effeltenbesitzes entledigt hatten. Im Anschluß an Wien hatte sich auch iwch an den übrigen Märkten die Stimmung etivas" gehoben, namentließ in SJ? e iv 1) o r I, wo noch Botschaft des Präsidenten der Sft- Mation besonderen Anlaß zu Rücktäusen gegeben hatte. Wirklich Vertrauensvolle Tendenz haben indessen die Auslairdsmärkte nicht bekundet, umsoweniger, als die,wirtsch-aftlichen Verhält­nisse der cinsclnen Länder viel zu wünschen übrig lassen. Audi in den Vereinigten Staaten will die Ausivärtsbewegung nod) immer nicht rocht voran. Zu den einer ftoundlichcren Gesblltung der Wirtschaftslage vorteilhaften Momenten gehört der flüssige Gelöst and: während im vorigen Jahre die angcffxnmtc Lage des Geldmarktes jeder Belebung hindernd im Wege stand, läßt diesmal das voraussichtlich auch in der nächsten Zeit billig blei - tierrde Geld Anregung für eine stärkere Betätigung der Industrie erhoffen. Viel wrrd für unferc Industrie allerdings auch davon ab hängen, welches Schicksal die Steuer Vorlagen der Re- .gierung haben werden. Tie derzeitige Stagnation tritt an der Börse auf allen Verkehrsgebieten glerchmäßig in die Ersck-einung. Selbst in den bisher so sehr bevorzugten, festverzinslichen Anlage- werten hat das Geschäft erheblich nachgelassen, was allerdings auch auf die Nähe des Jahresschlusses zurückzuftchren sein dürfte. Im gwßen und ganzen hat sich jedoch das llürsniveau etwas er­höht. Privatdiskoillo 23/4 Prozent.

Märkte.

Gießen, 12. Dezember. ü>t art rd er ich t. Auf heutigenr Wochen- mairte kostete: Buller pr. Pfd. 1.201.25 Mk., Hühnereier 1 St., 89 Bsg., lläse pr. St. 68 Pf., llasenlatte 2 St. 66 Psg., Erbsen p. Pid. 1824 Pfg., Linselr p. Pfd. 2540 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk^ Hahne pr. Stück 0,801,80 Pik., Gan e pr. Pfd. 6070 Pf., Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Mk., Lchsensteijch pr. Pfd. 7684 Pfg., lluh- und 9!indfleisch pr. Pfund 6080 Pfg^ Schweülefleisch pr. Pfund 8090 Psg., Cchlveinesleisch, gesalzen, pr. Pjd. 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 7078 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6080 Pfg. llartosfeln pr. 100 Kg. 5.506.00 Mk., Zlviebeln pr. Ztr. 6,008,00 2)ik., Diilch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 1015 Psg., per Zentner Mk. 2.503.00.Aepfel per Ztr. 810 2)ik., Birnen per Ztr. 1015 Mk. Nüsse 100 Stück 4000 Pfg., per Ztr. 000 Mk. Marktzeit von 82 Uhr.

Mvchliche Uad?rid?teau

Evangelische Gemeinde.

Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr, int Lukassaale: Bibelstunde. Pfarrer Bechtolsheimer.

Teßefosiäsclfi® &ursfoeceiciiite

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Hank für Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börse 3>£°/0 Reichsanleihe . . 94.50 3% do. . . 85.30 3>j0/e Konsols .... 94.40 3-6 do. .... 85.10 8)6°/, Hessen 92.85 3J60/o Oberhessen . . . 92.00 4% Uesterr Goldrente. 97 80 4ff,-6 Oesterr. .Silberrente 97.70 4% Ungar Goldrente . . 92.45 4% Italien. Rente . . . 104 20 3-6 Portugiesen Serie I 57 80 3% Portugiesen III 58.3c- 4%°l9 russ.Staatsanl. 1905 97.20 4^°/0 japau. Staatsanleihe 92.55 4% Conv. Türken von 1903 92.10 Türkeuiose 141.60 4% Griech. Monopol-Anl. . 48 50 496 äussere Argentinier . 85.60 3°/0 Mexikaner . . . 63.50 4 x/a. ff0 Chinesen .... 97.50

Aktien:

Bochum Guss 219.00 Buderus E. W 111.50 Tendenz: fest.

Berliner Börse, 12.

Cauada EL B. 177.90 Darmstädter Bank . . .. Deutsche Bank .... 240.25 Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank .... 147.80

Tendenz: fest.

, 12. Dezember, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 116.50

Elektriz. Schuckert . . . 118.00 Eschweiler Bergwerk . . 189.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 189.76 Hamburg-Amerik. PaketL 109.^6 Dörpener Bergwerk. . . 192.50 Lamahütte 194.00 Nordd. Lloyd . ... 88.30

Obeischles. Eisen-Industrie 93.50 Berliner llandelsges. . . 169.30 Darmstädter Bank . . . 128.70 Deutsche Bank .... 240.50 Deutsch-Asiat Bank . . 132 20 Diskonto-KommandiU . . 179.30 Dresdner Bank .... 147.55 Kreditaktien 195.50 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn 109.25 Gotthardbahn Lombard. Eisenbahn . . 19.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144 20 Prince-Henri-Eisenbahn . 123.00

Dezember. Aufaugskurse.

Harpencr Bergwerk. . ..

Laurahiitte 194.50

Lombarden E. B. ...

Nordd. Lloyd .... 88.70

Türkenlose .....