Ausgabe 
19.10.1908 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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gestreikte vmeumieidencn izerrciobare tüt cHcrrenIackctts Wette 5-ii M. e und -Lammcte «etter 3-6 3)t ahl.

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Ter Dalai Lama kaltgestellt?

Tie chinesische Regierung beabsichtigt, einem Telegramm aus Peking zufolge, den Lalat Lama aller Zwilvollmachlen zu ent- lleiden und seine Autorität lediglich aus das religiöse Gebiet inner­halb Tibets und der Mongolei zu beschränken.

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Verschiedene Audienzen.

Der Kaiser hat, irie die dkordd. Mlg. Zlg. mitteUt, dieser Tage eine Reihe diplomatischer Vertreter teils ui Antritts-, teils in AbschiedsaudienL empfangen. Zunächst ersolgte die feierliche Anttitlsaudienz deS neuen japanischen Botschafters Ba- ron Ehinda. Der Botschafter hielt in engliscl^r Sprache eine Ansprache. Nichts sei naliirlicher, als das; so glückliche Beziehungen ^Mischen lmi beiden Landern bestehen sollen, deren ivahre Jn- terfticn wesentlich wechselseitig und von einander abhängig sind, und deren Bestrebungen durch edle uend selbstlose Beweggründe geleitet ivcrden. Der Kaiser erwiderte, er sei sehr erfreut, einen neuen Abgesandten des Kaisers von Japan zu begrüben. Die Beziehungen Japans und Deutschlands seien stets vortrefflich und aufrickpig ircundschaitlich. Tas bnveise der Besuch fapanlscher Schiffe in Kiel und die Ausnahme deutscher Säufst m lapanischev Häfen. Auch die Sendung des Prinzen Kuni zur deuti'üien Armee begrüße er mit Tank als Zriä-en der vertrauensvollen Freund- schast dcs Kaisers von Japan. Der neue türkische Bot­schafter, GeneralOsmanNizamPascha, drückte eben- falls deni Kaiser die Versicherung aus, daß er den Auftrag seines kaiserlichen .Herrn habe und cs sich zu einer besonders ange­nehmen Pflicht maäien werde, die traditionellen sehr freund- säiastlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland auf oas sorgsamste weiter pflegen. Der Kaiser erwiderte dem türkischen Botschafter in deutscher Sprache etwa folgendes: Er freue sich, in ihm einen Bekannten wiedevzusehen, begrüße in chm aber vor allein (?tn Vertreter einer altbefreundcten Großmacht. Gr wäre zu seinem Befremden in letzter Zeit wiederholt der An­sicht begegnet, als ob seine Gesinnungen der Türkei gegenüber sich neuerdings geändert hätten. Gegen derartige Unterstellungen lege er nachdrücklich Verwahrung ein. Der Botschafter könne sich für vergewissert l-alten, daß die aufrichtig freundschaftlichen Ge­sinnungen für die Türkei, die er hege und denen er bereits in Damaskus Ausdruck gegeben habe, auch jetzt unverändert feft iiständen. Als treuer Freund des ottomanischen Volkes und wines erhal'encn Herrschers erneuere er heute gleichzeitig den Wunsch, daß der konstitutionellen Türkei Glück und Segen bo ichieden sein Möge. (Ls fanden dann noch die Empfänge des hessischen Gesandten v. Neidhardt, der nach dreißig- j übrig er Tätigkeit in Berlin von seinem Amte zurücktritt, sowie des neuen hessischen Gesandten Fr ei Herrn von Gagern statt, ferner die Abschiedsaudienz des brasilianischen Gebuchten da Costa Motta. *

Aktive Zahnärzte für die Armee.

Ter neue soeben 'eiliggestellte Mililavetat (ordert, wie die Internat. Pol. Korresp." erfährt, u. o. auch größere Alittel zur Emsteüung atliver Aiüitärzahnärzte bei einzelnen TruppenleUen, nachdem sich diese Einrichtung in Südwestakrika bewährt hat.

Hauptversammlung des Lahnianal-Vereinr.

(Original Beriet dis Gießener Anzeigers.)

th. Limburg, 18. Oktober.

Heute nachmittag tagte im Restaurant zur Alten Post Hier­selbst die Hauptversammlung des Lahnkanal-Vereins, die aus allen Teilen des Lahngebietes, besonders aus den in Frage kom­menden Lahnstädten, gut besucht war. Als Vertreter der Großh. Hess. Wasserbau-Verwaltung wohnte Baurat Weirich-Tarmstadt den Beratungen bei. Von Gießen waren anwesend als Ver­treter der Provinz Geheimerat Dr. Breidert, für die Stadt Ober­bürgermeister Mecum, für die Handelskammer deren Mitglieder Kommerzienrat Heichelheim und Max Friedberger sowie, Syndikus Dr. Zeidtler. Der Vorsitzende, General-Direktor Kaiser-Wetz­lar, eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis, daß in der Hauptsache geschäftliche Angelegenheiten cd nötig gemacht hätten, die Mitglieder zu einer Versammlung zu berufen. Er wolle fest­stellen, daß die Bestrebungen des Vereins bei der preußischen Staatsregierung bisher volles Verständnis gefunden haben uni> daß, obwohl ine technischen Vorarbeiten zur Kanalisierung der Lahn und die wirtschaftlichen Erhebmmen zur Verwirklichung des Projekts noch im Gange seien, der Verein hoffen könne, daß seine Zwecke demnächst weiter gefördert würden. Nicht die augen­blicklichen Verhältnitse im Handel unh Industrie dürfen bei Ab­wägung der Verhältnisse maßgebend sein, sondern man müsse damit rechnen, daß nach einer absteigenden Konjunktur wieder eine Besserung der Verhältnisse eintreten muß und die Herstellung eines Schisfahrtsweges lahnabwärts zu schaffen sei, welcher Not­wendigkeit sich die Regierung nicht verschließen dürfe. Hierauf fand eine Neuwahl des Vorstandes statt, bei der durch Zuruf die seitherigen Mitglieder wieder gewählt wurden. (Dem Vor­stand gehören von Gießen an Geheimerat Dr. Breidert, Ober- lüirgermeister Mecum und Kommerzienrat Koch.) Zum Vor­sitzenden wurde wieder General-Direktor Kaiser-Wetzlar, als dessen Stellvertreter Bürgermeister Herten-Limburg und als Schrift- führer Syndikus Dr. Metschke-Wetzlar neu gewählt.

Der Letztere erstattete Bericht, wie sich die Verhältnisse seit 1904, in nzeldjem Jahre die letzte Hauptversammlung des Vereins war, gestaltet haben. Die wasser-wirtschaftliche Vor­lage 1905 wurde Gesetz, ohne daß hierbei Lahn, Mosel und Saar berücksichtigt wurden. Durch eine AbmackMng der Abgeordneten aus den drei Flußgebieten veranlaßt, wurde aber eine Resolution der Abgeordneten Cahensly von beiden Häusern des Landtages angenommen, die die preußische Regierung um Prüfung der Frage der Kanalisation auch der Lahn ersucht und gegebenen­falls eine Vorlage nach dieser Richtung vorbrachte. Der Erfolg dieser Resolution blieb nicht aus: Es sand eine Bereisung der Lahn durch eine staatliche Kommission statt. Der Verein ftellte bei der preußischen Regierung den Antrag, die Ausarbeitung eines Lahnkanalprojekts auf Staatskosten zu übernehmen, welchem An- ttage entsprochen wurde. Ende des verflossenen Jahres wurde das Projekt bei der Wasserbau-Inspektion Diez fertig gestellt. Die Sänften belaufen sich bei 300 Tonnen Schiffen auf 30 Mill., bei 400 Tonnen Schiffen aus 34 Mül. Mr. Der Verein bot sich darauf über die wirtschaftliche Seite der Frage Erhebungen anzustellen und wurde auch damit betraut. Der Berichterstatter gab nun ein umfassendes Zahlenmaterial. Im Jahr werden mindestens den Wasserweg benutzen 5 Mül. Tonnen Güter, da­runter wenigstens 1307 700 Tons Eisenstein im Werte von 6 805 000 Mk. (1907 betrug die Gesamt-Eisenstein-Förderung int Lahngebiet 2 540000 Tonnen im Werte von ca. 21 Mill. Mk.). Um die Gütermengen auf der Lahn bewältigen.u können würden 330 Kähne ju je 300 Ton: ' . ähiglcit nötig sein. Das gesamte

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Die öismardfeier in der Walhalla.

Die feierliche Enthüllung feer Büste des Fürsten Bismarck in der Walhalla zu Regensburg hat gestern unter ungemein zahl­reicher Beteiligung aller nationalen Kreise Bayerns unb weit über dessen Grenzen hinaus stattgefunden. Bereits am vorgestrigen abend fand eine festtick>e Beleuchtung des Bwmarckplatzes und der großen Jwntäne statt, während der die Kapelle des 11. Kgl. Boyerisck)en Infanterie-Regiments eine Serenade veranstaltete. Hieran schloß sich eine Festausführung des Kleist'schenPrinz Frisch von Homburg" im hiesigen Stadttheater.

Die festgebendc Stadt hatte zu Ehren ihres, großen Ehren­bürgers festlichen Schmuck angelegt. Schwarz-weiß-rote und blau- meine Fahnen wehen von den Türmen und Dächern, unb blau- weiß, in den bayerischen Land es färben, die ja auch die Farben Bismarcks sind, flaggt jetzt, in den späten Vormittags stunden auch der Himmel. Prächtig nehmen sich in den altertümlichen Straßen die O^estalten des Landvolks aus, namentlich die Männer in ihrer feierlich-ernsten und doch anheimelnden Tracht, dem langschößigen Gehrock und den bunten Westen, alle den dorisck?en Tempelbau auf dem Festhügel zum Ziel, der bald von Menschenmassen um­lagert ist. Im Innern der Halle, die vorläufig noch verschlossen gehalten wird, steht die Büste Bismarcks, mit einem weißen Seiden- tuchc verhüllt, auf einer Estrade neben der Kaiser Wilhelms »es Großen, und zwar als einzige neben dieser. Um 11 Uljr betraten in feierlichem Zuge, von Hochrufen des Publikums be­grüßt, die Ehrengäste die Halle, denen sich die übrigen zuge- (adenen Gäste anschlossen.

Der Festakt in der Walhalla selbst wurde cingeleitet durch em von Gesangvereinen ans Regensburg vorgetragenes Lied. Hierauf hielt Ministerpräsident Freiherr von Podewils eine Ansprache: während dieser Ansprache ereignete sich ein aufsehen­erregender Zwischenfall. Der Enkel Bismarcks stürzte plötzlich bewußtlos vor die Büste seines Großvaters zu Boden. Der Reiä-sbanzler, der unmitteioar hinter ihm stand, unb eine Reihe anderer Herren eilten sofort herbei und trugen ihn ans der Wal- Ijalla. Ministerpräsident von Podewils mußte seine Rede einige Minuten lang unterbrochen. "Nach der Rede des Ministerpräsi- benten Frciherrn von Podewils ergriff der Reichskanzler das Wort:

Eure Exzellenzen! Meine Herren! An dieser weihevollen Stätte kann kein Deutscher stehen, ohne im tiefften Herzen er­griffen zu werden von den gewaltigen Erinnerungen, welche um die hier vereinigten Denttnäler der edelsten Geister unseres Volks- ttims schweben. Deutscher tritt wie der hohe Erbauer es hoffte und woran Eure Exzellenzen soeben erinnerte der Deutsche heraus aus dieser Halle. Uitb wenn künftig der Besuckwr das Auge auf dem nun enthüllten Abbild Ottos von Bismarck ruhen lassen wird, auf dem Bild des Deutschesten aller Deutschen, so roirb ihm zum Bewußtsein tommen, wie das Werk König Lud­wigs I. sich in gleick)em Maße innerlich vollendet hat, wie unferm Volke das höchste Gut, die nationale Einheit, mrückgewounen wurde. Daß hier dem Fürsten Bismarck als dem Vollender der deutschen Einheit ein Denkmal errichtet weren konnte, ist ein .Höhepunkt in der Geschick/.e dieses Baues, die ihr Ziel findet in der Erfüllung der nationalen Ttännie König LuwigS.

Lassen Sie uns einen Augenblick bei jener trüben Zeit ver­weilen, wo den Kronprinzen Ludwig zum erstenmal der Plan der Walhalla beschästigle, den er als König , so herrlich ver­wirklicht hat. Er waren er hat es selbst gesagt die Tage Austerlitz, Ihm und Jena, die Zeit unserer Selbstzerfleischung und tiefsten Erniedrigung. Dem Genius unseres Volles schienen die Schwingen für immer zerbrochen, und ein Schwärmer hieß, wer Noch an eine Zukunft des bentfäjen Namens glaubte. Ms ein Schwärmer mag auch der königliche Jüngling Vielen erschienen sein, der gerade in diesen Tagen den unerschütterlichen Glauben an eine nationale Wiedergeburt und Einigung des deutschen Volles nicht aufgab. Sein Hoffen wurde erfüllt, vornehmlich durch den Mann, dem heute das Denknial geweiht wird, erfüllt durch ge- mcinfame Tat der deutschen Stämme, des ruhmvollen bayerischen Stammes nickst zuletzt. Und es war auch ein geschichtlicher Akt von tiefer symbolischer Bedeutung, daß ein Sohn König Luings, daß der verehrungswürige Regent des Königreichs Bayern e5 gewesen ist, durch dessen Hände jener für die Kaiserfrage ent­scheidende Bries in Versailles an König Wilhelm I. gelangte. Dieser Schicksalsfügungen uns zu erinnern, werden wir heute besonders ausgefordert, wo wir Seiner Königlichen Hoheü dem Prinzregenten ehrfurckstsvollen Tank darbringen für die Errich­tung dieses Denkmals, für die hochherzige Wahrung deS Dermächt- nisses seines verewigten Herrn Vaters. Und wenden wir nun den Blick zu dem Bilde des prüften BiSmarck, so wird auch die Erinnerung an die treue Sorgfalt wach, welche der erste Kanzler des Deutsck-en Reiches seinen Beziehungen zu Bayern und zum bayerischen Konigshaust zuwandte. Er war stolz darauf, daß seine Ahnen vom itaifer Ludwig und dessen Nachfolgern in der Mark Brandenburg ausgezeichnet worden waren. Und wie hohe Bedeutung er dem schönen Verhältnis des Vertrauens brimatz, in dem er zu König Ludwig II. stand, das hat er noch in seinen Gedanken und Erinnerungen" bekundet, wo niemanb ohne Be­wegung die Briefe lesen wird, die er au den verewigten König schrieb und von ihm empfing. ES spricht in diesen Briefen Neben der Bewehrung für das bayerische Königshaus auch jene weise Schätzung des nationalen Wertes der deutschen Fürstenhäuser, die Fürst BiSmarck einmal im Reichstag in den Worten nieder­legte :Mein Vertrauen darüber, txrß unsere Einheit auch in Zukunft gesichert sei, bgculjt heutzutage auf den Dynastien" das Vertrauen in den nationalen Sinn der Dynastien, dem die sorgsame Achtung ihrer Rechte entspricht. Kein Kanzler des Deutschen Reiches wird sich hier jemals von den Bahnen ent­fernens dürfen, die Fürst Bismarck vorgeschrieben hat, und mir persönlich ist es ein Bedürfnis, Zeugnis dafür abzulegen, daß ich die Achtung vor diesen Rechten als gleichbedeutend betrachte mit der Achtung vor den föderativen Grundlagen des Reiches. Die deutschen Dynastten und die deutschen Stämme, durch gleiche Vaterlandsliebe und gemeinsame nationale Gesinnung in unlös­licher Einheit miteinander verbunden, sie können doch sicher sein, daß die Ansprüche der Gesamtheit niemals das Opfer chrer Eigen­art verlangen, mit deren Verschivinden das Deutsche Reich um ein wesentliches Gut verarmen würde, jene Eigenart, die sich erst reckst äu entfalten vermag im Schirm und Frieden des Deutschen Reichs, wie es der Dichter besingt:

Eins nach außen, schwertaewalttg. Um ein hoch Panier geschart. Doch im Innern vielgestaltig. Jeder Stamm nach feuer Art.

Meine Herren! Es ist eine denkwürdige Stunde, wo an dieser durch den Patriotismus und den :..inft|inn des bayerischen Herrscherhauses geschaffenen S tai 's ersten R i äs-

kantzlers eingeweiht wird. Und es sind Gefühle tiefer Dankbar­keit, mit Denen mir rufen: Gott schütze und erhalte das Hans | Wittelsbach!

Nachdem Fürst voll Bülow seine Rede beendet hatte, legte er vor der Büste des ersten Reichskanzlers einen Lorbeerkranz nieder; Freiherr von Podewils folgte mit einem Lorbeerkoanz des Prinzregenten und einem solchen der Staatsregierung. Der Präsident der fotmaner der Reichsräte, Fürst zu Lstvenstein, die beiden Vizepräsidenten der Kammer der M'geordneten, der öürjt von Thirrn und Taxis, die Bürgermeister von München, Augs- . Lnirg, Regensburg und anderen Städten, sowie verschiedene wirt- sckMstlichL und polüische Bereinigungen und studenttsche Corpo- cationen legten ebenfalls Kränze nieder. 9rachdem die Nieder­legung der Kranzspenden beendet war, teilte Freiherr von Podc- ivils mit, daß sich der junge Fürst von Bismarck in der freien Lust wieder vollkommen erholt habe und daß nur die Anstrengung der Reise und die Aufregung des Tages das Unwohlsein ver­schuldet zu haben scheinen. Bor der Walhalla hatten inzwisck)en zahlreiche Verehrer des Altteick^anzlerSdie sämtlichen Ballusttaten besetzt. Fanfaren und Festgesang des Regensburger Liederkranz ertönten, als die Festsrste aus der Walhalla traten. Hrer hielt Hofrat Dr. Hutter eine längere Ansprackie. Darauf hinweisend, daß die Büsten des alten Kaisers und Bismarcks nunmehr für immer in der Walhalla vereint feien, betonte der Redner Bis­marcks Bild bedeute für uns eine Frage, oo mir sein Werk treu behütet haben und eine Mahnung, daß wir einaebenf seien der Pflicksten gegen unser gemeinsames Vaterland. Die 5ttancheiten unserer Zeit, NiaterialiSmus, Egoismus und M starke Betonung unserer Sonderinteressen, so führte der Redner aus, müßten wir mit dem Bismarckschen Idealismus krrrieren. An seiner Größe müssen wir großer werden in der Erfassung der sich steigenden Aufgaben und in rückhaltloser Hingabe an die Gemcinfanckeit. Bi-marcks müssen wir wert und würdig fein; dann können mir nickst untergeben. Redner hob weiter hervor, daß die Danke^ schuld gegen BiSmarck nur durch vaterländische Taten abgetragen werden könne. Für ganz Deutsckstand hätten heute die hier Ver­sammelten vor der Düste Bismarcks den fcicrMjen Schwur ab­gelegt, daß wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in feiner Not uns trennen und Gefahr. Dr. Hutt.r , schloß: Mtt diesem Sck^vur möge erbrausen das Lied, das unser Gelöbnis, all' unser Mollen und Schaffen für die geliebte Heimat enthalte: Deutschland, Deutsckstand über alles! Als das Lied verklungen war, wurde die Rückkehr noch Regensburg angetreten, wo die Ehrengäste das Rathaus besichtigten und em Frühstück einnahmen. stück einnahmen.

Der Ohirmachtsanfall des jungen Fürsten von Bismarck scheint leider ernster Natur zu sein. Der Fürst, der während des Nachmittags im Hause des Verwalters der Wal- Ijalla untergebracht worden war^hatte mehrmals Erbrechen. Abends wurde Leo Fürst in eine.ii in einen ürankmwagen umgcioaubeiten Post-automobil nach dem Palais des Regierungsräsidenten über» sührt-_____,

Die Eröffnung der preußischen Landjäger.

Morgen, am 20. OKober, an einem selten frühen Zeit­punkte, wird der preußische Landtag äu seiner Wintertagung zusarnrnentreten, und der Kaiser selbst wird den Landtag mit einer Thronrede eröffnen. Bekanntlich war der im Juni d. I. neugewühlte Landtag schon bald nach der Wähl zusammengetreten/ aber das geschah damals sang- und klang­los und lediglich aus dem Grunde, um den gesetzlichen Vor­schriften Genüge zu leisten. Die eigentliche Eröffnung des Landtages sindet also erst morgen statt. Unter den Arbeiten, die dem neuen Landtage obliegen, nimmt die große Veamten- be'soldungsfrage die erste Stelle ein. ES handelt sich hierbei darum, 120 Millionen Mark aufKubringen, was um so fckpoieriger ist, als es sich nicht um einen einmaligen Be­darf handelt, sondern die Erl-öhung des Etats um diese Summe eine ständige sein wird. Die Vorlage an und für sich wird bei keiner einzigen Partei auf Widerstand stoßen, weil allgemein die Ueberzenguna herrscht, daß im Hinblick auf die Teuerung im Lande unbedingt den Beamten eine Ge­haltserhöhung zukommen müsse, es frage sich nur, wie weit diese Erhöhung gchen soll. Daß in der Hauptsache nur die mittleren und unteren Beamten einbezogen werden, dagegen wird sich ivohl faurn Opposition erheben, aber es ist wohl möglich, daß auch höhere Beamte und zwar recht reichlich bedacht werden sollen, eine Forderung, die bei ihrer schon jetzt durchaus genügenden Besoldung im Hinblick auf die notwendige Sparsamkeit im Etat doch Be­denken Hervorrufen muß, so unangenehm es auch für die davon Betroffenen fein mag. Für eine solche Riefensumme Deckung zu finden, ist keine leichte Aufgabe, uub so dürste, wie der Fmanzminifter v. Rheinbaben bereits im Vorjahre im Abgeordnetenhause angekündigt hat, kaum etwas anderes übrig bleiben, als zu einer Erhöhung der Einkom- mensteuerquote zu greisen. Hiergegen wird sich im allgemeinen wenig sagen lassen, vorausgesetzt, daß nur die höheren Einkommen herangezogen werden, während der Mutelstand und die minderbemittelten Schichten nicht noch von einer neuen schweren Last betroffen werden. Näheres über die Pläne wird man ja am Mittwoch hören, wo Finanzminister v. Rheinbaben die Vorlage im Abgeordneten­hause mit einer längeren Darlegung einbringen imrb. Jeden­falls aber wird der Jdegierungsentwurf eine sehr eingehende Prüfung durch die Volksvertretung erfahren, zumal man durch andere Vorlagen vorläufig nicht gestört sein Ivird.

Es steht außer Frage, daß auch der Fall Schücking zur Spracl-e gebracht werden wird, und es kann bei dieser Gelegenheit zu einer großen Debatte über den Uutersckchcd zwischen der Blockpolitik im Reich e und in Preußen kommen, wobei von seilen der Linken manch scharfer Pfeil gegen den Fürsten Bülow in seiner Eigen­schaft als preußischer Ministerpräsident abgesandt werden dürfte. Das (jHcidye wird wohl der Fall sein bei einer von den Frei,innigen angekurrdiglen Interpcllatiou über die Reform des Wahlrea-ts, mit der man nach Ansicht der Linken im Schoße der Regierung nach dem Aus­fall der Wahlen keine sonderliche Eile zeigt. Diese Debatten verspwchen sehr viel Interessantes zu bringen und werden jedenfalls nacht ohne Einfluß auf die zukünftige Gestaltung der Blockpolitik im Reiche sein.

Nr. 24« Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 1». Oktober 1908

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