Ausgabe 
19.2.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

BMni Giessen.

. Februar ds. IS, iskenbali

Räumen des Ltmi i LierbaÜe, LckibubeiU Erbietungen, Sn&|| i)t Toilette.MaskaD Worten werden nre 1. Äorsivenden mV iinfiitoino von ©äitae rigc Anmeldung ümK cht gestattet. GÄmM ^W.veiMnstmaM iie 26 unö Fmt W\x. 4. ISinlQbun? icn m genügender 6 . jerfügung. ,

Ter Poritmld-

e Berlin, Passage, ges und gwhles jnjcheS uenc^aM der Welt.

M des öeuti®. MD »lati Sir. SZadeij< ü*$S* Neapel ?

-

Peh,n..... uei^.

Cbraap 1908- »illsll

, ^Qitf)etuinbp|n WnUrten äsfiir, * »S.*Ä

*« '-'tonrn». '®S! -ag dc? °^ nur n\ ng,0K8en

.Angebote unter» Heuer Anzeiger A iflP^pnm *. *»« Aunerod?

u am Sonntag aber1 Eremkleiiujilbe^ Henmu Auiickn-

Wmfi.

1 ^cn tvcbtuot: n ratis ^reisoerteilllü;! .Preise sind in meine' rilemgasse8,ausgcstA ergebenst ein p; i« Hofmann,

Fff

TuuH et,»ile ö$

w»8*^

GW.

8»nWl>w

LllM

Msang d

W-lsi-L

Kssä-

nsä

Die heutige Nummer umfuht 12 Leiten.

Einzelstaaten beanstandeten Wunsch nach Erhöhung der Gebührnisse und Reiseentschädigung für Zeugen und Sach­verständigen zum Vortrag brachte, kamen heute mit grö­ßeren Reden nur zwei sächsische Richter, der Konservative Dr. Wagner und der Nationalliberale Tr. Heinze zum Wort. Besonders der letztere fesselte trotz der späten Stunde das Haus mit seiner großzügigen Erörterung der Mißstände in unserer Rechtspflege. Besondere Au,merisamkeit fand die reimütige Anerkennung, die er für die Berechtigung der ozialen Kritik der Rechtsprechung hatte. Indem er auch )as Vorhandensein einer Klassenjustiz in einem gewissen Umfange zugab, wand er der Soziatdemokratie eine Waffe aus der Hand; um so wirkungsvoller konnte er die Ueber- treibung in ihren Anschuldigungen zurüctwcisen.

Die Lage der hessischen LchreibgeMen.

Im Hinblick auf die Teuerungsverhältnisse hat man sich auch in Hessen dazu verstehen müßen, den kleineren und mittleren Beamten, den Volksschullehrern und Lehre­rinnen eine entsprechende Ausbesserung ihrer Bezüge zu gewähren. Hand in Hand damit ging auch die Verbesse­rung der Vergütungen für das Heer der Schreibgehilsen sowohl im vorigen, wie im laufenden Jahr; im neuen Staatsvoranschlag sind allein bei den Land- und Amts­gerichten intl. der Staats- lind Amlsanwaltschaften für Vermehrung des Schrciopersonals und Erhöhung der Ber- gütungssrufen rund 51000 Mark mehr eingestellt worden. Daß aber trotzdem die Lage unserer Schreibgehilsen keines­wegs günstig oder auch nur Halbwegs zufriedenstellend genannt werden kann, ist bekannt und es war daher ein dankenslverteS Beginnen des Finanzausschusses unserer zweiten Kammer, daß er sich gelegentlich der jüngsten ge­meinsamen Vorberatung des neuen Staatshaushaltsetats eingehend mit der Frage des Scl)reibwesens und der finan­ziellen Lage der Funktionäre im Schre.ibdienst beschäftigte.

Rach dem von der Regierung dem Ausschuß voraeleg- ten statistischen Material beträgt die Gesamtzahl der Schreib­gehilfen in Hessen zurzeit 847 Personen, von denen das Finanzministerium 885 Personen (darunter 172 im Alter von 1420 Jahren, 102 von 2125 und 65 von 2630 Jahren), das Ministerium des Innern 120 Personen (dar­unter 29 von 1420, 46 von 2125 und 27 von 2630 Jahren) und das Justizministerium ?12 Personen (darunter 42 von 1420, 125 von 2125 und 75 von 2650 Jahren) beschäftigt. Nach dem Alter geordnet sind in Hessen 243 Schreibgehilfen im Alter von 14-00 Jahren, 273 im Alter von 2125 Jahren, 167 von 2630 Jahren, 66 von 3135 Jahren, 41 von 3640 Jahren, 16 von 4145 Jähren, 15 von 4650 Jahren und noch 26 im höheren Alter tätig. Für diese 847 Schreibgehilfen nun ist im Jahre 1908 ein Gesamtaufwand von 896221 Mark erforderlich, so daß also durchschnittlich auf jeden Schreiber eine Vergütung von etwas über 1000 Mark kommen würde. Nun hat nach einer allerdings nicht genauen Berechnung der Gesamt­aufwand für Schreibhilfe kosten im Elatsjahr 1900/01 nur 508 700 Mark betragen; die Ausgabe dafür ist demnach in den letzten sieben Jahren in einem die Beamtengehülter weit übersteigenden Maße in die Höhö gegangen und doch weisen auch jetzt noch die unteren und mittleren Lllters- klassen der Ähreibgehilsen nur sehr dürftige Bezüge auf. Nach der von der Negierung vorgelegten Tabelle bezogen die Schreibgehilfen für das Jahr 1907 bis zum vollendeten 16. Lebensjahr 150 Mark, bis zum' vollendeten 17. Lebens­jahr 300 Mark, bis zum 18. 600 Mark, dann weiter 675, 750, 825, 900, 950, 1000 Mark und vom 25. Jahr ab 1050 und dann jährlich 50 Mark mehr, bis zum 32. Jahr 13OO Mark, bis 35. Jahr 14OO Mark, bis 38. Jahr 1500 Mark, bis 41. Jahr 1600 Mark, bis 44. Jahr 1700 Mark und von da ab 1800 Mark pro Jahr.

Der Finanzausschuß hat bei seinen Erörterungen mP der Regierung die Dürftigkeit der Bezahlung der Schreib- gchilfen namentlich in den unteren Altersstufen hervor- gehobcn und dabei die Frage angeregt, ob nicht eine Ver­besserung der Vergütungen ohne Erhöhung der gewiß schon recht respektablen Gesamtsumme durch eine Verminde­rung des Personals erreicht werden könnte, was vielleicht am besten durch eine aus ge d e h n t e r e Ve r w e n d un g von Schreibmaschinen zu ermöglichen wäre. Regie­rungsseitig wurde aber daraus entgegnet, daß auf den größeren Bureaus eine Anzahl von Lehrlingen zur An­leitung im Schreibfach notwendig sei. Tie Regierung sei übrigens seit Jahren bestrebt gewesen, eine Vermehrung der Schreibmaschinen herbeizuführen, und es seien auch zurzeit schon 40 Schreibmaschinen beim Justizwesen im Gebrauch, nämlich 29 bei den größeren Amtsgerichten, 9 bei den Staatsanwaltschaften und 2 im Justizministerium. Bei vielen schriftlichen Arbeiten, besonders bei Verwen- duna von Formularien usw. seien sie aber nicht zu ver­wenden, auch bringe in Bureaus tnit starkem Publikum- Verkehr die Beirutzung der Schreibmaschine Mißlichkeiten mit sich.

Zur Frage der Gestattung von Privatarbei­ten für die Schreibgehilfen erklärte die Regierung, daß ein strenger Ausschluß von Privatarbeiten keineswegs be­stehe. Die beiden diesbezüglichen Erlasse datierten aus )en Jahren 1883 und 1885 und setzten die Art der zuge­lassenen Privatarbeiten näher fest; Privatarbeiten seien darnach insoweit erlaubt, als durch Uebernahme solcher Arbeiten die Erfüllung der Dienstpflichten nicht leide. Im Ausschuß wurde dagegen noch betont, daß es weder der Stellung der Schreibgehilfen zuträglich, noch auch den Pflichten des Staates entsprechend sei, wenn die Gehilfen wesentlich auf Nebeneinnahmen verwiesen würden. Der Ausschuß hält aber doch dafür, daß für die Ausführung von Privatarbeiten ein etwas größerer Spielraum gewährt und sie überall mit Erlaubnis der vorgesetzten zugelasfen werden könnten, soweit das dienstliche Interesse nicht leidet und sonstige Bedenken nicht entgegenstehen. Im übrigen sprach der Ausschuß einmütig den Wunsch aus, die Regie-

Nr. 42 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Mittwoch IN. FebrlmrLNos

Der Siebener Anzeiger Ä _

erscheuu täglich, außer Mfäfä&sr sEy "Wfy DezugSpreiSr

Sonntags. - Beilagen: 'v monatlich 75Pf., viertel-

Dicrmal wöchentlich MM W jÄk A jährlich DU. 2.20: durch

B=8g®tCfiCitct zliKCtöcr wirtschaftliche Zeitfragen W" H H w Sy M HL Wh/ HBy Zeckenpreis: lokal 15Pf^

sternlprech - Anschlüsse: N gl auswärts 20 Pfennig.

für öte Redaktion 112, v «7 Verantwortlich

MN General-Anzeiger für Gberheffen WW

«otatkonrdruck und Verlag der vrühfschen llniv.Guch- und Steindruckerei. 8. Lange. Nedattion, Lrpediiion und Druckerei- Schu'stratze 7. ^li"?öG.?e6®?Cbe«

'_____ __________ ____________________________________________ ' Anzeigenteil: H. Beck.

rung möge über den Gegensatz zwischen dem starken An­wachsen der Schreibkosten im Ganzen und der Dürftigkeit der Schreibgehälter im Einzelnen nachdenken und im näch­sten Etat Vorschläge für eine Besserung der Verhältnisse machen.

Aus Sta-t ittt& Land.

Gießen, 19. Febr. 1908.

Aus dem städtischen Verwaltungsbericht für 1906. VH.

Tie Stadt müdchens chule zählte 23 Klassen wie im Vor- fahre. Tas Lel/rpersonal bestand aus 14 definitiv angesteltten uiw 9 ä^hrcrmnen darunter 3 definitiv augestclüen. Die Schül'-rzahl betrug am Anfang b.s Schuljahres 12ö0 gegen 1200 im Vr,rjal7r. Tovon waren 1141 evangelisch, 86 katholisch und 3 israelitisch. Entlassen wurden nach crsi'Ulter Schulpflicht 152, von denen 99 alle Krassen durchlaufen hatten. Ter 5)tlssklajsL wurden 15 Mädchen und 12 Knaben überwiesen, gegen 12 bezw. 9 im Vorjahr. Ter Handarbeitsunterricht wurde von 7 Lehrerinnen erteilt. In der 1. Klasse ist der Haushaltungsunterrickü als obligatorischer Unterrick/tsgegenstand eingeführt, er umfaßt in wöchentlich 34 Stunden Kochen, Nahruugsmittellehre, einfacha hai.slv.rtfchastliche Vuchchnrung und Reinigung der Gebrauchs­gegenstände und Küche. Außerdem ist der Lehrplan für Natur­lehre und Naturbeschreibung dem haus.'virtsch. Unterricht möglichst angepaßt lvvcovu. Warmes Frühstück erhielten 271 Mädchen. Tas Schulbad wurde von den mindern der sechs oberen Klassen benutzt. . Ter Aiäda>nhort stand unter Aussickü zweier Handarbeitslehrer­innen, er ivurde durchschnittlich von 37 Kindern besucht. Tie Blumenpslege durch Schulkinder wurde dadurch fortgesetzt, daß im Juni an die 238 Schülerinnen der zwei oberen Klassen 2 b.s 3 Blumenstöcke übergeben wurden, loährcud im November die Ausstellung mit entsprechender Preisvertcilung stattfand.

Tie Gewährung freier Lehrmittel an 485 Knaben und 492 Mädchen, deren Eltern mit einem Einkommen von weniger als 900 Mk. zur Steuer veranlagt sind, hat einen Aufwand von 3898,07 Mk. gegen 2951,87 Mk. im Vorjahr verursacht.

Ter Zuschuß de r S t a d t k a s s e zu den gesamten Kosten der Volksschule (ohne Fortbildungsschule, Knaben- und Mädchen­hort, Stottcrer-Unterrickst, Haushaltüngsschule, Hand-sertigkeitsun- terricht und freie LehrmÄtel- beträgt 147148,48 Mk. gegen 146 915,16 Mk. im Vorjahr, ohne die Verzinsung und Abschreibung der Baukapitalien.

Die s ch u l ä r z t l i ch e 'U e b e r w a ch u n g begann wieder mit der Einschulung der kleinen Schulanfänger. An diese Untersuchung schloß sich im Juni eine Sehprüfung sämtlicher Schulkinder und anfangs Oktober die jährliche Hauptuntersuchung sämtliche Schul­ender. Ter Reinlichkeitszustand war im großen und ganzen bcsriedigend, insvcs. ist die Zahl der mit Läusen behafteten Kinder im Rückgang begriffen. In der Knabenschule sind die Läuse ganz verschwunden. Weitere Einrichtungen, die sich bewährt haben, sind die Abhaltung regelmäßiger Sprechstunden, die Einführung des sog. Wunschheftes und die Klassenbcsuche durch den Schularzt. Für die Zahnpflege der Schulkinder wurde in der Person be§ Zahnarztes Metz ein besonderer Schulzahnarzt bestellt, dessen Tätigkeit jetzt schon recht erfolgreich war. Es wurden 719 (30°/o) Volks,chulkinder in 1172 Sitzungen behandelt. In 801 Fällen wurden Zähne gezogen, 606 Zähne wurden gefüllt und 43 Nerv­tötungen, 30 Zahnwurzelfüllungen, fowie 94 Zahnreinigungen und 77 sonstige zahnärztliche Behandlungen vorgenommen. Zum erfvenmal war cs durch die Stiftung des Rentners Ludwig Bücking möglich, 15 besonders bedürftige Schulmädchen zu ihrer Erholung auss Land nach Weitershain zu schicken. Ter Erfolg war fehr gut.

*

** Tageskalender für Mittwoch, 19. Febr.: Volks­oorstellung im Stadttheater:Lutnpaeivagabundus.E Anfang 8 Uhr.

** Genehmigte Schenkungen für die Landes- Universität. S. K. H. der Großherzog hat die der LaTides- universitär aus Anlaß ihres dreiqundertjährigen Be­stehens zugedachten, nachstehend aufgeführven Schenkungen aus Grund des Artikels 12 des Gesetzes, die AuÄüyrmrg des Bürger­lichen Gesetzbuck)eS betreffend, vom 17. Juli 1899 genehmigt: 1. Landständisck-e Jubiläumsstiftung, Kapital 30 000 M., 2. Ju­biläumsstiftung der Provinz Oberhessen, Kapital 20 000 M. 3. Stipendium der Stadt Gießen, SVe prozcntige Jahreszinsen von 20 000 M., 4. Jubiläumsstiftung der Gießener Kausmanufchaft, Kapital 18 581 M., 5. Kommerzienrat Siegmund-Heichclhcim- Stipendiunv, Kapital 15 000 M., G. Zuwendungen einzeliier für den allgemeinen Stipendienfonds, Summe rund 15 000 M., 7. Karl Fricdrich-Heimburger-Stiftung, Kapital 10 000 M., 8. Stif­tung der Stadt Tarmstadt für den allgemeinen Stipendienfonds, Summe 10000 M^, 9. Stiftung des Ritterscl-aftlichen Kausunger Stistungsfvnds in Tarmstadt für den allgemeinen Stipendienfonds, Summe 10000 M.

** FreiherrvonBufeck t- Am Montag nachmittag wurde auf dem hiesigen Friedhöfe der k. f. Rittmeister a. D. Otto Freiherr von Buseck-Buseck bestattet. Ge­boren am 17. Nov. 1829 zu Alten-Buseck, war der Vek- torbene, nachdem er seine Vorbildung zu Gießen emp- angen hatte, beim Garde-Chevauxlegers-Regl. zu Darm- tadt eingetreten. Er machte als Kadett den badischen Feldzug mit, worin er sich auszcichnete und zum Offi­zier ernannt wurde. 1856 trat er in die kaiserlich-öster­reichische Armee über und wurde den Radetzki-.Husaren zu- geteilt. Den Feldzug von 1866 machte er als Adjutant des Feldmarschall-Leutnants Freiherrn v. Koller mit. Im Korps Gablenz stehend focht er bei Trauten au und König- grätz. Nach dem Feldzuge begleitete er den F^eldmarschall- Leutnant Fweiherru v. Stoller nach Böhmen, (dessen Statt­halterschaft dieser übernommen hatte) ebenfalls in der Eigenschaft eines Äldjulanten. Im Jahre 1875 quittierte Otto Frhr. v. Buseck den österreichischen Dienst und zog sich nach Baden-Baden zurück, sodann nach einem kürzeren Auf­enthalte in Karlsruhe nach Gießen, in die Nähe des alten Stammsitzes. Er betrieb eifrig die Familiengeschichte seines Haiiscs und besaß eine schöne Sammlung von Bildern und. Kwiltsachen, die sich hierauf bezogen. Betrauert von allen, die den liebenswürdigen alten Herrn näher konnten, führte ihn ein sanfter Tod am 14. Februar aus diesem Leben weg. R. i. p. Er hinterläßt eine Witwe, mit der er seit vierzig Jahren in glücklichster Ehe lebte, und einen einzigen Sohn, der als Oberleutnant beim 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 61 steht. Ein um mehrere Jahre älterer Bruder lebt noch in unserer Stadt. Ans diesen vier Augen steht nun-

vernburg über die Kolonien.

Staatssekretär D e r n b u r g gab gestern in der Budgel- kommisfion des Reichstages 'bei Beratting des Etats des Reichsrolonialamts einen Ueberb lick über den Etat der Schutzgebiete, mit Ausnahme von Südwest-Afrika. Togo balanziere in Einnahme und Ausgabe ohne einen Reichszuschuß. Kamerun weist eine außer­ordentlich günstige Handelsziffer für 1907 auf, über 34 Millionen. Dies bedeute eine Steigerung von 40 Pro­zent gegen das Jahr 1906. Auch die Zolleinnahmen wür­den den Voranschlag wohl um mehr als eine Million über­steigen. Die Entwickelung des Handels in Ost- afrika sei erfreulich. Der Reichszuschuß habe sich um 33 Prozent verringert und werde dies voraussicht­lich noch mehr tun. Die Hütten steuer auf das ganze Schutzgebiet ausgedehnt könnte bei 10 Millionen Einge­borenen viel mehr bringen. Die Plantagenwirtschaft er» strecke sich bisher auf einen verhältnismäßig kleinen Teil des Schutzgebietes. Bei der günstigen Entwickelung der Südsee-Gebiete lasse sich mit Sicherheit sagen, daß die seinerzeit für die Karolinen ausgegebenen Beträge aus dem Gebiet wieder gewonnen werden. Aus der Insel Nauru befinden sich 40 Millionen Tonnen Phosphate, von denen das Deutsche Reich pro Tvnne 50 Pfg. erhebe. Auch für die Ausbeutung der beträchtlichen Phosphatlager auf der Insel Angaur würden Abgaben erhoben. So biete die Ent­wickelung der Schutzgebiete ein günstiges Bild. Die Kehr­seite fei jedoch, daß mit dem Vordringen der Kolonisation immer größere Reibuugsslächen mit den Eingeborenen ent­winden. Die Reichsverwaltung müsse aber jowoht Hüterin der deutschen Rechts gründ j ätze sein, als auch für die finan­zielle GeftalMng Sorge tragen und endlich auch die Rechte der Eingeborenen berücksichtigen. Der Staatssekretär gab dann eine ausführliche Darstellung seiner Reiseerfah- cungcn in Oftafrika. Staatssekretär Dernburg sagte, Ostafrika lasse sich nur durch eine kräftige und gerechte, bci den Eingeborenen Vertrauen genießende Verwaltung halten. Eine die Neger erhaltende Politik folge also schon aus den tatsächlichen Verhältnissen: mit dem '.Dhitterlaube zusammen bringe der Neger die Hälfte der Einnahmen des Schutzgebietes auf, der weiße Pflanzer nur 2Vo Prozent. &as btt Eingeborenen leisten können, zeige die Entwick­lung eines Handels von acht Millionen in drei Jahren im Seegebiet nach Schafsmrg eines Ab fatzweges. Die Ver­waltung selbst sei reformbedürftig. An der Küste seien zu viel, im'Innern zu wenig Beamte. Das Rechnungswesen sollte vereinfacht werden; die Abrechnung solle statt in Potsdam, im Schutzgebiete erfolgen. Die Inder seien wegen ihrer Bedürfnislosigkeit notwendig, um den fandet weit in das Land hmeinzubringen; für eine große Einwanderung deutscher Ansiedler sei dagegen der Zeit­punkt noch nicht gekommen. Der Vorsitzende der Kom­mission Frhr. v. Gamp dant're dem Staatssekretär für sein Reserat, das den Abgeordneten gedruckt zugehen solle.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 18. Februar.

Kritik der Rechtspflege.

Endli.ch dürfte Herr fträite mit seinen Räten die Au- ildgebank vor dem Tische des Reichstagspräsidenten ver­lassen. Die lange Tauer der diesmaligen Postdebatte staubte ein unseliger Tribünenftammgast als Erklärung iiehmen zu können für das Post multa faecutn! Was ?eute noch bin in die sechste Smnde über postalische Fra- zen gesprochen wurde, war Kleinkram: die Maßregelung mie3 verschuldeten Beamten, eine F-rühstücksverordnung öer Königsberger Oberpostdirektion, der Konflikt der Tele­graph enstang eit mit den Chausseebäumen und dgl. m. Mit ^enn Krätke griff heute u. a. auch sein Unterstaatssekretär vr. Sydow in die Erörterung ein, der über den Bereich ferner Amtsverwaltung eine gewisse Popularität besitzt, als forschender der Berliner Settion des Dcuisch-österreichischcn Ä.penvcreins und der, als im vergangenen Sommer ein f^chsolger für Herrn v. Studt gesucht wurde, und man richtigem Instinkt auf den Unterstaatssekretär >nes Ressorts riet, das den Vorzug besaß, mit den Ange­legenheiten des preußischen Kultusministeriums nichts zu mn zu haben, an Stelle des Herrn Holle aus dem Ar- WsmwiifterimH genannt wurde, weil cüi Kultusminister ^ocy wenigstens fein Vater gewesen sei.

, verr Krätke machte Herrn Nieberding Platz. Der Leiter 866 -Echsjustizamtes benutzte die Gelegenheit zu einer De- nentjerung eines noch gestern erst verbreiteten Gerüchts, i^'^r?^0Aoß^ovelle solle wegen der Kritik, der sie in fluschen Kreisen begegnet, zurückgezogen werden. Der ^letzenllvurf wird im Gegenteil schon in nächster Woche

Reichstage zugehen. Auch sonst ist Herr Nieberding rn unt.^0 gewesen; seine Mitteilung von der Fertig- iiung eines Entwurfs über die Haftung des Reickes -ei t e Handlungen seiner Beamten wirb die Fülle Der 3Cnt E^t zur Besprechung kommenden Fragen we- iipr sn r um einen Punkt vermindern. Wie vielgestaltig ^dandlungsstoff auf dem Gebiete der Justizverwal- ng ist, das ließ schon die große Zahl von Wünschen und ^^3angen ernennen, durch die Herr Nieberding sich erst H nouraiarbeiten muß, ehe auch ihm das Gehalt, aus das finrJrf r e der Berufung in fein Amt einen rechtlichen An- 6?^ ^om Reichstage wieder für ein Jahr bewilligt eS« ^agendgerichte und überseeische Deputation, Selbst- ,und Zeugnisverweigerungsrecht, Gesinderecht o odjoifendiäten, einheitlicher Strafvollzug und manch oere alte Forderung wurden, teils als einseitiges Pro- KfpHffr Clner oinzeluen Fraktion, teils durch stets wieder-

Gemeingut der Parteien geworden, demi matssekretar präsentiert. Außer Herrn Brünstermann, der raeu uremand als vielleicht den Finanzministem der I