Ausgabe 
18.3.1908 Drittes Blatt
 
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Nr. 66 Drittes Blatt

158. Jahrgang

Mittwoch 18. Marz 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener ZamilienblStter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragcn" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhesfe«

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

8 Uhr.

Gastspielabcnd von Danny Gürtler.

Zapfenstreich. Anfang

Kolosseum: 1.

Anfang 8 Uhr.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. März 1908.

LarU)wirtschaftliche Naturkunde.

Im verflossenen Sommer besuchte Lehrer Buß von Großen- D u s e ck müt andern Lehrern des Meises Gießen den von Prof. Tr. Gisevius geleiteten Kursus zur Vorbereitung für den Naturkundlichen Unterricht in der Fortbildungs­schule. Lehver Buß erteilte nun int letzten Winter diese land- wittschastliche Naturiunde in der Fortbildungsschule. Sie wurde am 26. Februar d. I. durch die Kreisschulkommission einer Visi­tation unteozogen, die ein erfreuliches Resultat ergab. Von verschie­denen Seiten dazu ermuntert, unterzog sich. Lehrer Buß der Auf­gabe, den im letzten Winter behandelten Stoff der ganze Stoff ist auf drei Jahre zu verteilen in der geräumigen Gaststube der Brückschen Wirtschaft zum Vortrag zu bringen. An zwei Abenden entwickelte nun der Vortragende auf Grund exakt aus- ^eführter Versuche die Zusammensetzung des Bodens uni) seine Eigenschaften. An einem dritten Abend erfolgte dann nach einem für die Zuhörer recht interessanten Ueberblick über die Entwickelung der Lannnrtsdchaft von den ältester Zeiten bis zur Gegenwart eine entgehende Besprechung der beiden Hauptdünger, des Stallmistes und des Gründüngers. An einem vierten Abend sprach der Redner über Beidünger, nämlich über Kvlk nnd die sogenannten künstlichen Tünger, wobei er nebenbei auf die außerordentlich große Bedeutung des Drainierens hinwies und deren Vorteile aufzählte. Besonders waren es vier Fragen, di« der Vortragende an diesem Abend stellte und in eingehender und verständlicher Weise beantwortete, und die er als das ABC der Landwirte bezeichnete, die künstliche Tünger verwmtdeten: 1. Welches sind die drei Hauptnchrstosse der Pflanzen? 2. Welche Wirkung hat jeder dieser Mhrstosfe? 3. Wodurch kann ein Mangel an Nährstoffen entstehen, und wie stellt der Landwirt diesen Nährstoffmangel fest? 4. Welches sind Stickstoff-, welches Phosphorsäure- und welches Kalidünger? Wie werden diese Düngemittel gewonnen, und in welcher Weise sind sie vom Landwirt zu verwenden? Wenn and) der vorgetragene Stoff zunächst nicht für Leute berechnet ist, die bereits Landwirte smd, sondern für junge Leute, die aus der Schule entlassen sind und erst Landwirte werden wollen, so zeigte doch die musterhafte Aufmerksamkeit der Zuhörer während der ntehr als 1 Stunde dauernden Vorträge, welches Verständnis und Interesse die hiesigen Landwirte der Sache efttgegenbringen. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, Lehrer Buß möge aud) int folgenden Winter den in der Fortbildungsschule verarbeiteten Stoff auf ähnliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen.

*

Tageskalender für Mittwoch, 18. März. Stadt­theater: Beneftzvorstxllung für Oberregisseur B a k of. Der

** Oberlehrer.

'den evang. Pfarrer zu Fürth i. O. Friedr. Kunkel zum Oberlehrer an der Viktoriaschule und dem Lehrerinncnseuunar

*

S. K. H. der Groß Herzog haben

\u Darmstadt ernannt.

* Ordenswesen. Der König von Sachsen hat ge- Äigt, daß der Pianist Wilhelm Backhaus das ihm ver­

te Ritterkreuz 1. Klasse des hefs. Verdienstordens Philipps des Großmütigen annehme und trage.

** Eine neue Heilanstalt und zwar eine, deren Existenzberechtigung gewiß niemand bezweifeln dürfte, wird derWormser Zeitung" zufolge demnächst in Hessen errichtet werden. Das genannte Blatt berichtet in seiner Nr. 132, daßfür die Errichtung einer Lüg en h e ilan statt" im Voranschlag des Prooinziallandtages für die Provinz Rhein­hessen 70000 Mk. eingesetzt werden sollen.

Ein sonderbares Urteil. Das Amtsgericht in Dieburg hat den Redakteur derStarkenburger Provinzial- Zeitung" in eine Geldstrafe von 20 Mk. (nicht 50 Nit.) ge­nommen, weil er in einer ihm zugegangenen kurzen Korre­spondenz die Behauptung aufgestellt hatte, der sozial­demokratische Männergesangverein Nr. II im be­nachbarten Münster habe am Geburtstage des Groß- Herzogs eine Festlichkeit veranstaltet, bei welcher es sich um sie Feier des landesherrlichen Geburtstages gehandelt haben soll'.

"Ein König allerdings ein solcher der Boheme wird, wie man uns vocahnend schreibt, vom 18. 20. März all­abendlich das Gießener Publikum zu Beifallsstürmen hm- reißen. Danny Gürtler, der Liebling des Publikums, tritt im Kolosseum auf. Dian ntilß ihn gesehen, man muß ihn gehört haben, den kraftvollen Mann, der lachenden Mundes seine Ueberzeugung verkündet, um ihn beurteilen zu können. Wohl selten gab es einen so vielseitigem, mit so enormer Energie ausgestatteten Künstler als Danny Gürtler, >cn -roi de Bohemeu.

« Sein 40jähriges Dienstiubilau m feierte am Montag in der Firma Gg.Heinr.S ch i r m e r, hier, derArbciter Eberhard Eckhard aus Wieseck. Zu Ehren dieses TageS waren dem Jubilar Gratulationen und Glückwünsche in großer Anzahl zugegangen und er gedachte dieser Ausmerk- famkeit, indem er seine Mitarbeiter zu einer kleinen tfeier einlud. Sie fand bei Wirt Scharmann, Marburger Straße, statt, und nahm den besten Verlauf. .

O Hungen, 17. März. Der Entwurf des neuen Sommerfahrplans liegt im Druck vor. El: bringt für unsere Strecke GießenNidda zwei willkommene Neuerungen. Der Personenzug 516, in Gießen ab 6.25 Uhr, m Hungen an 7.04 Uhr, welcher bis jetzt nur Werktags verkehrte, w rd täglich gefahren, und der Personenzug 518, ab Gehen 11.13 Uhr, an Hungen 11.49 Uhr, nntb bi« N.dda durch, geführt, wo -r nachts 12.17 Uhr ankommt. Damit ist d° Wunsch eines Theaterzugs ftir die Bewohner der Orte an den Stationen von hier bis Nidda erfüllt (d. h.

Zus au& im nächsten Winterfahrplan beibehallen wird. Red.).

? Bad-Nauheim, 16. Marz. Tas neue Bade- Haus Nr. 9 geht seiner baldigen Vollendung entgegen und soll am 1. Mai mit Beginn der Saison eröffnet werden. Die Arbeiten am inneren Ausbau werden gegenwärtig mit großem Eifer betrieben. Das Badehaus Nr. 9 ist aufs schönste ausgestattet und enthält ca. 55 Badezellen. Das Haus steht direkt vor dem Ernst Ludwig-Sprudel. Die Wandelgänge verbinden die neuen Badehäusec Nr. 8, 9 und 10 miteinander. Bade Haus Nr. 10 steht am weitesten nach dem Park zu. Es ist auch schon im inneren Ausbau begriffen, wird aber erst im Sommer eröffnet werden können.

Beienheim (Wetterau), 16. März. Die Errichtung der 2. Schulstelle findet mit Beginn des neuen Schul­jahres statt. Die Erbauung eines zweiklassigen Schulhauses ist bereits begonnen, es wird erst im Herbst 1909 vollendet sein. Nächsten Sonntag will Pfarrer Wahl einen öffent­lichen Vortragsabend veranstalten und dabei über das Thema sprechenAus Beienheims Vergangenheit". Die Oberklasse der Volksschule wird durch Gesang und Deklamation mit­wirken.

Offenbach, 17. März. Tie von der Stadtverord­netenversammlung den hiesigen Volksschullehrern be­willigte neue Gehaltsskala wurde vom Ministerium des Innern genehmigt. Darnach erreichen die Lehrer hier einen Höchstgehalt von 4100 Mk., einschließlich der Wohnungs. Vergütung. Da namentlich die mittleren Altersstufen ge­bührend berücksichtigt worden sind ein Lehrer mit 13 Dienstjahren bezieht 3200 Mk. so steht Offen bad) mit der Bezahlung seiner Lehrer in Heffcn nunmehr obenan. Die neue Skala ist nach der Fkf. Ztg. in der Hauptsache den Be­mühungen der bürgerlichen Mehrheit zu danken; die sozial­demokratische Partei hatte durch den Stadtverordneten Hamel eine weit ungünstigere Gehaltsordnung vorgelegt.

r~ Nerm Etat für Offtt'f frfä gab der Staatssekretär über die Zentralbahn bereits folgende Erklärung ab: das Studium der Fortsetzung der Zentralbahn in das Innere des Schutzgebiets hat zu dem Ergebnis geführt, daß die Zentralbahn aus der Reibe der rein wirtschaftlich nützlichen Anlagen, für die man den Zeit­punkt wählen kann, in die Reihe der politischen Notwendigkeiteri getreten ist, die im Interesse nicht der Entwicklung, sondern bc: Erhaltung des deutschen Besitzes einen Aufschub nicht crtragli t machen.

Be: Togo gingen die Ansichten der Verbündeten Regie» rungen, vertreten durch den Staatssekretär, und in der Kommis­sion über die Erziehung der Schwarzen zur Arbeit zum Teil auseinander. Auch in Südweftafrika trat in Bezug auf die Behandlung der Eingeborenen, wenn auch der Staatssekretär die Verordnungen als Uebergangsverordnungen bezeichnete, ein Gegensatz hervor, der nicht voll ausgeglichen wurde. Erfreulich ist die Fürsorge für die Schulen in Südweit. Ausgeschieden tourbe aus der Kommission die Frage des A f r r - kandertums, des Burontums. Ich werde in der Spezialdiskussion als Abgeordneter hierzu^ da? Wort nehmen. Diese Frage ist so wichtig, daß sie nicht beiläufig erledigt werden kann. Im letzten Ende liegt für die Zukunft ihr die Schulfrage zu Grunde. ,

Der Berichterstatter gibt sodann einen kurzen Rückblick aus die Militärverwaltung,das Schmerzenskind in unseren Kolonien". Die Ueberzeugung hat sich überall Bahn gebrochen von der Notwendigkeit, diese unproduktiven Ausgaben möglichst herabzumindern, gerade im Interesse der K o l o n i e über­haupt, damit sie nicht immer eine offen blutende Wunde bleibt. Es wurde eine Verminderung der Schutztruppe um 25 Prozent ,mif 3000 Mann beschloßen. Die in der Kommission dafür ein- getreten sind, gingen davon aus, daß es etwas ganz anders sei, ob man die Truppe reduziere während eines Aufstandes, eines Feldzuges, oder nachdem der Frieden geschloffen. Sta es kern Eingriff in die Kommandogewalt, sondern ausschlretzlrch das budgetmäßige Bewilligungsrecht des Reichstages. Daher konnte die Kommission, im vorliegenden Falle mit Zustimmung, sonst aber auch ohne Zustimmung der Kolonialverwaltung den Abstrich machen. Weiter wurde der Versuch gemacht, zunächst bei zwei Kompagnien die unproduktive Militärkraft umzuwandeln m emc produktive, Reiterkompagnien in Eisenbahnkompagnien; nicht nur zur kolonialen Entwicklung wie bei den anderen Kolonien, son­dern in erster Linie zur Verbefferrmg der Reichsfinanzen. Er­spart doch die Bahn Windhuk-Keetmanshoop sahrlich 3 350 000 Mark. Der Staatssekretär hat in Aussicht gestellt, daß im Laufe des Sommers die Arbeiten im Eisenbahnbau tn An­griff genommen und eine Vorlage dem Reichstag zugehen wird. Der Berichterstatter erwähnt dann noch kurz die Molenfrage und zitiert dabei das Horazische Wort: Vis consili expers mok ruit sual

Staatssekretär Dernburg:

Aus dem Vorträge des Referenten haben Sie gesehen, welche Fülle von Gesichtspunkten die Budgetkommiffwn be- schäftigt haben. In nicht weniger als 16 Sitzungen sind alle diese Punkte behandelt worden. Die drei Etats, Togo, Kamerun, Ost- afrika haben nicht weniger wie drei Wochen m Anspruch genom­men. Ick werde es mir deshalb auch hier versagen, auf alle Einzelheiten einzugehen. Es wurde sonst kaum möglich sein, einen Ueberblick zu bekommen. Dagegen bin ich gern bereit, bei ieder einzelnen Position und bei jedem Kapitel dem Hause Rede und Antwort zu stehen, wie ich es bereits in der Kommiffion getan ^a6C23enn der Kolonialetat auch diesmal wieder einen so außer­ordentlichen Umfang angenommen hat, so ist das e ine r fr e u - licheS Zeichen dafür, daß das Jntereffe-der deutschen Nation für sämtliche Fragen des kolonialen Lebens dauernd sich m stei­gender Richtung bewegt und selbst auch Kreise «mf der äußersten Linken des HauseS zu ergreifen beginnt, die sich bisher vollständig ablehnend verhalten haben. Ich habe im vorigen Jahre eine umfängliche Reise nack Ostafrika gemacht, und die Beobachtungen, die ich dort gemacht habe, haben zu einigen programmatischen Erklärungen geführt, die für die Politik von einer gewissen Be­deutung sind. Meine Darlegungen 'N der Komm,iiwn waren damals so umfänglich, daß ich sie ausführlich nicht wiederholen will. Aber ich halte eS für wichttg, ohne auf die Geschichte einzelne Motive näher einzugehen, hier noch einmal festzustellen, was denn eigentlich die Politik bedeutet. ~

Ich will zunächst kurz erwähnen, daß ich von vielen Setten zu diesen programmattschen Darlegungen eine außerordentlich große Zahl von Zustimmung erhalten habe. Ich bin darüber um- somehr erfreut, da die Aufgabe der Kolonialregierung, diese Frage der Nation näherzubringen und die Aufgaben der Beamten dort draußen, deutsches Wesen und deutsches Empfinden den Schwarzen näherzubringen, so außerordentlich schwärmist, daß jede materielle und moralische Unterstützung auf das dankbarste begrüßt werden muß. (Beifall.) Jene programmatischen Satz, waren die folgenden: . -.v

Angestrebt wird eine deutsche Regierung, welche das Der trauen aller in den Kolonien vertretenen Stande und Berufs­arten und Raffen zu erwerben hat, die sich den Sitzen Aufgaben, vorwiegend wirtschaftlicher Natur, welche d,e Entwicklung der Kolonie mit sich bringt, gewachsen zeigt, die sich auch! das Ansehen bewahrt, daß ihren Anordnungen unweigerlich ?yolfle geleistet wird, und die die Kratt hat, sich durchzusetzen. Daraus folgt, daß es eine Regierung sein mutz der Gerechtigkeit und des Wohl- wollens gegen Weiße und Farbige, getragen von Personen, dm die nottmndige wirtschaflliche Vorbildung besitzenund, sich d e notwendige Kenntnis des Landes und der Leute und der wirr schaftlichen Zustände angeeignet haben, und erne ruhige un sp same Verwaltungspraxis durchfuhren, und d,e von der Große Wichtigkeit der Aufgaben überzeugt f^d- dm darin li^c gr v und ertragsreiche Länder materiell zu entwickeln und ihrm wohner auf dem Wege der materiellen Hebung Ares Wohlstände unb ihrer körperlichen Wohlfahrt einer höheren Entwicklung zuzu tübren Das alles ohne Hast und ohne Eifer, langsam, aber ziel- bewilht in der Erkenntnis, daß eine Kolonisation großeren^tile

SÄSSÄÄ«'' 0fsi--°re welch-,»

mn + aurlaub mrückkehrcn, sollen Gelegenheit erbauen, ujrc wirtschaftliche BorbiDung theoretisch und prattisch möglichst zu er- Äm Lmtt stauch Mtig die Sprache Gingen als bisher beherrschen. Und ferner soll auch eine größere Ctabt, lität und eine längere Dauer ihres Aus enthalt und ihrer Amtszeit herbe,geführt werden, weil hierdurch die Kennt, nis von Laiid und Leuten to,rb. Ferner '"utz ang^trcht urrbcn, daß die neu hinausgeschickten Beamten unter ber Leitung erfahrener Beamter in die Verwaltung eingeführt werden ..uch eine anderweitige Besserung der kolonialen Karriere tmrd vor. gesehen werden müssen, eine solche, die sich gebildeten Leuten jeder !'-orbildung eröffnet mit gleichen Chancen und der Möglichkeit der Erreichung auch der höchsten Posten. Dadurch soll die Schaffung

124. Sitzung, Dienstag, 17. März.

Am Tische des Bundesrats: Dernburg, v. Lindequist, Quade, v. Rechenberg, Graf Zech, Dr. Solf u. a.

Haus und Tribünen find stark besetzt.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr

<15 Minuten.

Zunächst findet die in der gestrigen Nachtsitzung beantragte ^namentliche Abstimmung über den Zentrumsanirag be. treffend di« Kriegsteilnehmer statt. Der Antrag will in das Dispositiv des Etats für das Reichsschatzamt folgende Er. klärung t-mfügen: _ , ,

Als hilfsbedürftig gelten Kriegsteilnehmer, deren steuerbare» Einkommen nach den landesrechtlichen Bestimmungen uber_ die all. gemeine Einkommensteuer nicht mehr als 900 Mark betragt.

Bundesstaaten, die keine allgemeine Einkommensteuer chaben, setzt die Landesregierung den entsprechenden Betrag des steuerbaren Einkommens oder Vermögens fest.

Die namentliche Abstimmung ergibt die Ablehnung des Änttags mit 167 gegen 128 Stimmen bei drei Enthaltungen.

Der Kolonialetat.

Es beginnt sodann die zweite Lesung des Etats für das Reickskolonialamt in Verbindung mit der erften Le,ung be§ Ergänzungsetats über die Kolonialbahnen. liegen hierzu drei Resolutionen vor.

Eine Resolutton der Freisinnigen, Dr. Ablaß und Gen.

ersucht den Reichskanzler: . :

1. pie allmähliche Trennung von Justtz und Verwaltung in den Kolonien in die Wege zu leiten,

2. zur Vorbereitung der Kodifizierung des Erngeborenenstras- rechts unter tunlichster Berücksichtigung der ReHsgebrauche der Eingeborenen allgemeine Anweisung über die Anwen, düng des deutschen Straftechts zu erlaffen.

z Eine Zentrumsresolution, Graf Hompesch und Genoffen, ersucht den Reichskanzler, Anordnungen dahin zu treffen, daß

1. die Rechtspflege unter den Eingeborenen mit erhöhten Gararttien umgeben wird; ..

2 in Rechtsangelegenhetten zwischen Eingeborenen und Werken die Rechte der Eingeborenen genügend gewahrt werden;

8. für die Weißen . .

a) in Strafsachen eine Verufungsmstanz tn dem Scyutz. gebiete geschaffen und als Revisionsrnstanz das Reichs­gericht besttmntt wird, .

b) in Zivilsachen eine Berufungs. und Revisronsmstanz im Deutschen Reiche errichtet wird.

Eine weitere Zentrumsresolutton, Graf Hompesch und Ge­noffen, ersucht den Reichskanzler, tunlichst bald dre schärfsten Maß. .nahmen gegen die Einfuhr und den Ausfchank von >A l k o h o l in den Schutzgebieten zu ergreifen.

Berichterstatter Dr. Semler (natl.)

'aibt einen historischen Ueberblick über den bekannten Verlauf der ^^mmissionsverhmrdlungen. Er erklärt, auf chre faÄ'Ä Wreder- aabe zu verzichten, da es nrcht angebracht ser, rn mdirek^r Rede .wicde^ugeben, was man hernach tn dtretter Rede doch ns^ ctntnal au hören bekomme. Dte Bahnfrage tst b^annllich m der Hauptsache in der Kommission noch nicht zur Verhandlung ge. Sr fflmdSterftatter -rwähnt den Wunsch d-r K°-nnissi°n daß die Kolonialverwaltung mrt den ^rr tscha stl r ch en Enteret fenfreifen in der Kolonie doch ia Füh­lung nehmen möge; die ErMung dieses Wunsches hat der 'Staatssekretär zugesagt. Die vorjährigen Wunfche wegen der Vorbildung der Kolonialbeamten sind in ^rf^u^ aeaanaen. Es ist wegen Begründung eines kolonialen Instituts a&ÄÄÄÄ

man aud) mtt Hilfe anderer amtlicher, wisienichaftlicy^ ^nftilure SnWA iTberXac sein wird, unsere Beamten nicht wie bis-

einer Fühlung mit der Kaufmannschaft entgegenzusuhren Be

©iebIunQ§Iotonurt. Audgettommission wurden in der Kolonial. cnW de- Gep^enheit al

sonst protokolliert und zwar die Rreder^rlft den Rednern z Durchsicht unterbreitet: immerhin kann da- nicht als unbedingt

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