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18.1.1908 Drittes Blatt
 
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Nr. 15

Drittes Blatt

58. Jahrgang

Samstag 18. Jamrar 1908

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die .»Giehener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitälS - Buch- und Stemdruckerer.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 61»

Redaktion:S^II2. Test-Ad ru AnzeigerGreßen.

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ie 550 000

Sitzung der Stadtverordneten.

DaS Schulgeld für die

Vor einigen Jahren

(Schluß.)

Gießen, 16. Januar, höhere und erweiterte Mädchens «,ule. .ist für die staatlichen höheren Lehr- des SckMlgeldeS beschlossen worden und

und die Währungsirage, sowie bie Interpellation über die Ostrnarkenpoiitir. Mit der zuletzt genannten Frage beschäf­tigte sich zu derselben Zeit auch das Abgeordnetenhaus, nachdem es einige Tage üen Etatsdebatten sich gewidmet hatte. Tie Enteiguungsvortage wurde angenommen.

Auch bem ns in Hessen rrat in der verflosjenen Woche die W a h l r e ch t s f r a g e wieder einmal für einen kurzen Augenblick in den Voroergrund und man konnte sich von neuem davon überzeugen, daß die Aussichten der hessischen Wahlrechtsvorlage sia) inzwischen keineswegs gebessert haben. Tas letzte Wort in biefer Frage ist freilich noch nicht gesprochen worden, denn die Verhandlungen zwischen den Gesetzgebungsausschüssen sind noch nicht zum Abschluß ge­kommen. Im Landtag beschäftigte man sich mit dem Jagd- gesetzentwurs und einem Gesetzentwurf über die Ergänzung des Bachgesetzes vom 20. Juli 1887. Ein recht bedeutungs­volles Ereignis hat in der abgelausenen Woche unser Gie­ßener Stadtparlament gezeitigt, nämlich die E i n f ü h r u n g der neuen W e r t z u )v a ch s st e u e r. Gießen geht bamit ben übrigen hessischen Städten mit einem guten Beispiele voran.

Auch die letzte Woche hat wiederum mehrere große kolonialpolitische Prozesse gebracht: den Peters- Prozeß, den Puttkamerprozeß und den Beleidigungsprozeß des Zentrumsabg. Roeren gegen den früheren Bezirtsamt- mann Schmidt. Auch diese Verhandlungen haben viel Schmutz aufgewühlt, aber man wird das nicht so sehr zu bedauern brauchen, wenn man dabei die Gewißheit erlangt, daß ähnliche Mißstände, wie diese Prozesse sie aufgcdeckt haben, in Zukunst in unseren Kolonien nicht mehr vorkommen.

Eine neue, recht bedenkliche Wendung ist neuerdings wiederum in der Marokkofrage zu verzeichnen. Nachdem man auf Grund französischer Darstellungen in den letzten Wochen annehmcn mußte, daß die Maa)t des Sultans Mulay Hajid vollständig gebrochen sei und daß seine Rolle alS Prätendent ausgespielt wäre, kam vor mehreren Tagen um so überraschender die Kunde^ daß er in der Hauptstadt Fez von der dortigen Bevölkerung zum recht­mäßigen Sultan proklamiert worden sei, nachdem man seinen Bruder wegen dessen europäer-freundlichen Hal­tung abgesetzt hatte. Damit hat die weitere Entwicklung der Dinge in Marokko abermals eine wenig er­freuliche Wendung genommen, da bereits andere Stämme sich dem Vorgehen der Bevölkerung von Fez an- geschlossen haben und aller Wahrscheinlichkeit nach noch eine ganze Anzahl anderer diesem Beispiele folgen werden. Sultan Abdul Aziz weilt in Rabat, und wer weiß, ob es ihm jemals wieder möglich sein wird, nach der alten Haupt­stadt Fez zurückzuLetzren, jedenjatls dürste ein schwerer innerer Krieg die Folge sein; des,en Ausgang läßt sich natürlich heute rncht übersehen, aber es könnte wohl dahin kommen, daß eine Teilung des marokkanischen Reiches ein­tritt, indem das innere G,ebiet zu dem neuen Sultan schwürt, während die Küstenstriche Bei Abdul Aziz verharren oder auch nicht. Denn Treue kennen die Marokkaner nicht, heute stehen sie zu bem, morgen zu jenem, je nachdem von welcher Seite sie am meisten zu erwarten haben. Abdul Aziz erfreut sich tatsächlich keiner sehr großen Beliebtheit, und vor allem leidet er an einem chronischen Geldmangel. Er hat seinen Vertrauten El Mokri na chParis gesandt, um eine Anleihe aufzunehmen, dürfte aber nach der neuesten Wendung allenthalben geschlossene Türen vorfinden, denn die augenblickliche Gestaltung der Verhältnisse gibt zu schweren Bedenken Anlaß und in den Staatskanzleien, in- londerheit in Paris und Madrid dürste man doch etwas besorgt in die Zukunft sehen, weil aus der veränderten Lage leicht Komplikationen entstehen können.

Herr Pichon hat auf die Mitteilung von der Pro­klamierung des Gegensultans in Fez alsbald die Heimreise nach Paris angetreten, nachdem er noch zuvor eingehende Besprechungen mit bem Kabinettschef Maura sowie bem spanischen Minister des Aeußeren in Madrib gehabt hatte. Sehr bemerkenswert ist auch, baß der Berliner Botschaf­ter C a m b o n sich nach Paris begeben hat, um sich ein­gehend zu informieren und neue Instruktionen zu holen, weil man an der Seine fraglos noch den Standpunkt vertritt, daß man sich gerade mit Deutschland ins Einvernehmen setzen und dessen Zustimmung in erster Linie zu weiteren Aktionen einholen müsse.

Es ist ganz klar, daß einerseits gemeinsame Maßnahmen der Mächte notwendig sein werden, damit nicht in Marokko vollständige Anarchie eintrete, aber auch Frankreich dürfte in bie Lage kommen, zum Schutze seiner eigenen Interessen neue umfangreichere Maßnah­men zu treffen, und um jeben Schein der Hinterhältigkeit zu vermeiben, dürfte man sich wie in den letzten Monaten auch weiterhin in Paris beeilen, die deutsche Regierung aus das Schnellste von allen in Aussicht genommenen Maßregeln vorher in Kenntnis zu setzen; man weiß zur Genüge, welche Gefahren es in sich bergen würde, wenn man, wie zur Zeit Teleasses wieder auf die Idee verfiele, Deutschland gänzlich ausschalten zu wollen. Hierdurch dürfte auch die neueste Wendung der Dinge in Marokko viel an Schärfe verlieren, aber anderseits birgt diese doch noch beträchtliche Gefahren in sich, die es angezeigt erscheinen lassen, die weitere Entwicklung der Ereignisse mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Näheres über die zu ' erwartenden Maßnahmen wird man vielleicht gelegentlich der Marokko: nterpe Nation zu erfahren bekommen, = die in der eben wieder zusammengetretenen Deputierten- i kammer Herr Jaures eingebracht hat.

die Erhöhung einsehen.

Der Vorsitzende weist auf die erhöhten Kosten hin, die die Anstalt durch den Neubau der Stadt verursacht.. Die 550 000 Mark, die der Bau gekostet habe, erfordern für Verzinsung! und Amortisation 22 000 Mk., dazu kommen die Ausgaben für die infolge der erhöhten Frequenz gebildeten neuen Klassen und so weiter, so daß der Mehraufwand gegen früher mit 35 000Mk. nicht zu gering veran,chlagt sei. Durch die Er­höhung des Schulgeldes würden hiervon etwa 8000 Mark ge-

iien Parteien."

Das bedeutet nichts anderes als eine offene Kriegserklä­rung an den Fürsten Bülow, und nicht ohne Besorgnis tjtrb man in nationalen und liberalen Kreisen der wetteren Entwickelung dieser Dinge entgegensehen können. Es laßt Ach eben nicht mehr leugnen, daß der größte Teil des Libe­ralismus, wie der Abg. Dr. Potthoff von der Freisinnigen Bereinigung dieser Tage im Reichstage sagte, dem <z-urften Aülow ein starkes Mißtrauen enigegentragt.

Auch Bei uns in Hessen trat in Der verfloßenen Woche die Lage im übrigen noch nicht geänoert. Mau beschasngce sich zunächst mit ben bekannten Gehaltsan) pruchen der Lanbtungsgehiifen in Krankheitsfällen und überwies ine Vorlage au eine Kommission. Die Viehseuchennovelle, mtt der man sich alSvann beschäftigte, brachte auch majtS toefent* 5ich nen^s. BederHamer war die Debatte über ben Diskont

deckt.

Stadtv. E m m e l i u s spricht sich namentlich im Interesse der gesteigerten Finanzen für die Erhöhung aus und bittet, die «Lache nicht zu vertagen, da sie hierdurch möglicherweise um ein weiteres Jahr verzögert werde, da die Neuaufnahmen schon im Gang seien.

Stadtv. Eichenauer hat schon bei der vorjährigen Be­ratung Bedenken gegen die Erhöhung geäußert und sie da-' mit begründet, daß man den Mädchen nimt die Erlangung einer besseren Schulbildung durch ein zu hohes Schulgeld er­schweren solle. Zahlreiche Frauenberufe verlangen eine gute Vorbildung. Gegen eine mäßige Erhöhung habe er nichts» aber eine solche von über 50 Prozent sei entschieden zu hoch.

Der Vorsitzende begründet die höheren Sätze für die niederen Klassen damit, daß man hierdurch verhindere, die Kinder im Anfang in die höhere Schule zu schicken, um sie dann herauszunchmen. Tas liege sowohl im Interesse der Schule, wie auch der Kinder, denn eine nicht abgeschlossene bessere Bildung sei eher schädlich als nützlich.

Stadtv. Löb er spricht sich für die Erhöhung aus, wäh­rend Stadtv. Eichenauer bittet, wenigstens für die seit­herigen Schülerinnen die jetzigen Sätze bcizubehalten.

Stadtv. Tr. Ebel ist für Vertagung, um auch der Finanz- dcputation die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern.

Nachdem Stadtv. Krumni sich nochmals im Sinne seiner früheren Ausführungen ausgesprochen hat, wird der Ver­tagungsantrag abgelehnt und die Borges chlagcne Er­höhung mit etwa Zweidrittel-Majorität angenommen.

Die Verpachtung der Gemeindejagden.

Berg. Keller führt aus, daß die Verpachtung der Ge- meindejagdbezirke demnächst zu folgen habe. Don den hie­sigen Grundbesitzern besitzen zwei (Komulerzienrat Gail unh Brauereibesitzer Vichler) eigenes Jagdrecht, weil sie im Besitz von mehr als 75 Hektar zusammenhängenbcn Grundstücken sind. Kommerzienrat Gail hat auf sein Jagdreast verzichtet, weshalb bie Jagd auf feinem Grundbesitz mit den übrigen Gemeinde^

Gießen, 18. Januar.

Der 10. Januar 1903 ift in der Geschichte Preußens itnb des Deutschen Reiches ein Tag, Len man sich wird merken müssen, denn die kurze Erklärung, bie der Fürst Bülow an biejem Lage im preußischen Aogeorbnekenhause zur Frage -er preußischen Wahlrechtsreform abgegeben hat, scheint in ber Tat von einschneidender Bedeutung für unsere ganze innere Politik werben zu wollen. Die Wahlrechtsbemonstra- tionen ber Sozialdemokraten, bie infolge biefer Erklärung > Alenkhalben inszeniert würben, sind freilich nach außen hin £>L)ue große Wirkung geblieben. Fragt man nach bemNu^en derartiger Demonstrationen, so bür fle er gleich Null sein, beim ruf solche Weise erreicht man absolut nichts, int Gegen­teil könnte baburch bie Regierung erst recht in ihrer Haltung bestärkt werben. Ersichtlich wollte bie Sozial­demokratie bamit agitatorisch wirken, ob ihr bas aber wirklich gelungen ist, bars billigerweise bezweifelt werden, denn ber Berliner Arbeiterschaft fehlt burchaus bie Rei­zung am politischen Rabau, unb was man in ben Massen iah, waren überwiegenb Arbeitslose, sowie fanatisierte grauen, unb irgendwelcher tiefer gehender Eindruck auf Die Wählerschaft bürfte bamit schwerlich erreicht worben jein. Weit bedenklicher ist die Wirkung, bie bie Erklärung des Fürsten Bülow auf diejenigen liberalen Streife ausgeübt hat, bie bisher aufrichtig unb ehrlich bemüht gewesen sind, im Block mit bem Fürsten Bülow zusammen zu arbeiten zum Dohle des ganzen Reiches. Die freisinnige Lanbtags- jraktton in Preußen fühlt sich burch bie Antwort Bülows mit Recht verletzt, aber sie hat bis jetzt ihre kühle Ruhe be­wahrt unb beschlossen, wegen ber Wahlrechts frage bie 'Blockpolitik im Reichstage vorläufig wenigstens nicht ,'jUm Scheitern zu bringen. Um so bemerkenswerter ist bie Stellungnahme, bie bie Freisinnigen im Reiche zu blesen 'Vorgängen in Preußen bekunden. Der engere Landes- »eusfchuß ber Deutschen Volkspartei in 'Bayern hat Mittwoch abend einstimmig folgende Reso­lution gefaßt, bie auch von bem gleichzeitig tagenden Vorstände des demokratischen Vereins München ebenso ein- fiimmig gebilligt wurde: Die Erklärung des Fürsten Jülow zur Frage ber preußischen Wahl- Reform bebeutet bie schärfste Herausforderung ber links - Liberalen Parteien. Nicht nur bie bescheibeusten Forderungen Les Liberalismus, sondern bie selbstverständliche Voraus­setzung politischer Gewissensfreiheit sind burch bie Verwei­gerung des geheimen Wahlrechts mißachtet worben. Damit eit bas Vertrauen, bas am 5. Dezember 1907 im Reichs­tage auch namens ber vürgertichen Linken bem Reichskanzler auf sein Verlangen ausgesprochen würbe, vollkommen verscherzt; bie Voraussetzungen ber sogen. Alvckpotitik sind weggefallen. Die Würbe unb Las Ansehen ber linksliberalen Parteien erforbern ben «fjenen Bruch. Der engere Lanbesausschuß ber Deutschen Votkspartei in Bayern hat bie Zuversicht zu ben Reichs- ^rgsabgeorbueten ber Partei, baß sie oie nächste Gelegen­heit benutzen werben, um diese Auffassung klar unb scharf MM Ausdruck zu bringen und dem Fürsten Bülow bie noch LUsstehenbe offene Anrwort auf biefe Herausforberung zu erteilen. Er hofft, baß bie linksliberalen Parteien in biefem «entscheidenden Moment einig sein werben. Am 25. Januar fsinbet bi: Lanbesversammlung ber demokratischen Partei Bayerns in Bamberg statt. Bei ber in bie)en Kreisen Herrschenden Stimmung ist es unzweifelhaft, baß man biefer Resolution volle Zustimmung erteilen wirb unb gegen- vows Verhalten energisch Stellung nimmt. Auch ber Aus- Muß bes Landesverbandes ber liberalen Ver­eine Württembergs erläßt einen Aufruf, in bem unter Hinweis auf bie ablehnende Erklärung bes Fürsten Bülow Mm preußischen Wahlrecht u. a. auSgesuhrt wirb, kein Libe- rialer könne ober wolle bie innere Politik Preußens von der iies Reiches trennen. Konservatives Regiment in reufeen bebeute konservatives Regiment im Reiche. Es werben alsbann alle Gesinnungsgeuossen im Itanbe anfgesorbert, gege nbie Erklärung be§ Fürsten IRilow lauten Wiberfpruch zu erheben. Der Aufruf schliefet mit ber Aufforberung, im ganzen Lande sich zu organisieren, liberale Vereine zu gründen und die Heranwachsenden Gene­rationen zu aufrichtig liberaler Gesinnung unb zu ber lieber* ijeugung zu erziehen, baß nur ber Kampf unb nicht bie frei» tiinnige Unterwerfung zu Ergebnissen für ben Liberalismus lüfjren könne. In D a r m ft a b t hat ebenfalls eine zahlreich besuchte Mitglieberversammlung des freisinnigen Vereins racb einer Besprechung ber politischen Lage folgenbe Reso­lution angenommen:Die Versammlung sieht in ber Er- .lürung bes Fürsten Bülow im preußischen Abgeorbneten- "nuse eine nach seinen früheren Erklärungen ganz uner­wartete rücksichtslose 5-erausforberung bes gesamten beut- ichen Liberalismus. Das Vertrauen bes beutschen Libe­ralismus auf eine ?Ritwirkung ber Reichsregierung zur i Ermöglichung einer liberalen Politik ist bamit vollstänoig tteschwunben, unb es entfällt jeder Anlaß für bte bin ks liberalen Fraktionen, bie Politik bes Reichskanzlers fernerhin z u u n t e r st ü tz e n. Die ii Versammlung erwartet beshalb von ben Parteien unserer Dichtung eilte entschlossene liberale Politik ohne jegltch- Rücksicht auf bie Person bes Reichskanzlers unb ui scharfem Gegensatz zu ben reaktionären Bestrebungen ber rechtsstehen-

verschob aber barm die Vornahme der Echöliung dis nach der Ingebrauchnahme des neuen. Schutgebäubes. Weil man nicht innerhalb des Schuljahres mit der Erhöhung iommen wollte, unterließ man sie 1m§ zum Beginn bes neuen, das mit Ostern beginnt. Seither wurden in der höheren Mädchenschule in den drei unteren Klassen je 60 Ml., in ben vier mittleren 84 unb in den drei oberen 108 Mk. erhoben, während bei der erweiterten Mädchenschule in den zwei unteren Klassen 36, in den drei mittleien 48 und in den drei oberen 60 Mk. erhoben wurden. In der lstjheren Mädchenschule werden für ein Kind, ba5 sämtliche 10 Klassen besucht, zusammen nach den jetzigen Sätzen 840 Mk. bezahlt, in Mainz dagegen 876, in Worms 972, in Darmstadt 1008 und in Bingen 1122 Mk. Tas Kuratorium schlägt vor, daß auf den Satz von Tarmstadt gegangen wird. Es würden dann in den sechs unteren Klassen 96 und in den vier oberen 108 Mk. erhoben. Die für die erweiterte! Mädchenschule vorgeschlagenen Sätze find wesentlich geringer erhöht worden, es sollen in den vier unteren Klassen 48 unb in ben vier oberen 60 Mk. erhoben werben.

Stabtv. Krumm spricht sich gegen bie vorgflchlagene Erhöhung aus unb meint, baß man mit solchen Erhöhungen sehr vor­sichtig sei, bamit man nicht die Möglichkeit bes Erwerbs einer besseren Bilbung immer mehr zu einem Privilegium dec ver­mögenden BevöllcrungSklassen mache. Namentlich gelte dies für bie erweiterte Mädchenschule. i

Ter Vorsitzende meint, daß gerabe Stabtv. Krumm früher immer gesagt habe, bie Stabt tue zu wenig für bie Volksschule unb zu viel für bie höheren Schulen. Mit ber jetzigen Vorlage werbe boch bezweckt, mehr aus ben höheren Schulen für bie stäbiischcn Finanzen herauszuholen, was boch sicher im Sinn ber früheren Krummschen Anregungen liege. Auch sei zu beachten, baß bis zu 10 Proz. der Schülerzahl Freistellen gewährt werben könnten Und von biefer Möglichkeit habe man stets in weit­herzigster Weise Gebrauch gemacht.

Ltabtv. Krumm entgegnet, baß seine heutige Stellung­nahme nichts mit seinen aus Besserstellung ber Volksschulen ge­richteten Bestrebungen zu tun habe unb stellt fest, daß er stets für alle Anforderungen für bie höhere Mäbchenschule gestimmt habe. Man sollte auf bicsem Gebiet nicht bas kleine Bingen zum Muster nehmen, sonbern, wenn man durchaus erhöhen wolle, etwa die Sätze von Worms einsühren, also aus 972 Mk. gehen. Was die Freistellen anbelange, so glaube er, baß es nicht jedermanns Sache fei, eine solche zu beanspruchen, namentlich, wenn bie Eltern ein Einkommen von 2000 bis 2400 Mk. hätten, würben sie es vielfach nicht gern tun.

Stabtv. Sann spricht sich für bie Erhöhung aus und meint, daß die Eltern ber Schülerinnen sie willig bezahlen würben, zumal das neue Gebäube ihren Kindern mehr Annehmlichkeiten; unb gesundheitliche Vorzüge biete wie bas frühere. Auch sei zu beachten, baß für mehrere Kinber Ermäßigungen gewährt werben.

Der Vorsitzenbe bemerkt, daß bei den jetzigen niedrigen Sätzen der Andrang zur Schule außerordentlich groß fei, jo daß, wenn es so weiter gehe, bald der vorgesehene Anbau errichtet werben müsse. Wenn bann ber Znbrang sich noch mehr steigere, werbe man in etwa 10 Jahren an bie Errichtung eines weiteren Schulhauses herantreten müssen.

Stadtv. §) an bad) kann nicht einsehen, baß es eine Schande für jemand ist, wenn er sich bei einem Einkommen von 2400 Mk. um eine Freistelle für ein Kind bewirbt.

Stadtv. Grünewald hat den Wunsch, daß man das Ma­terial bei derartig wichtigen Angelegenheiten vorher erhalte, da­mit man sich genügend orientieren könne. Er sei nicht gegen bie Freistellen, aber man solle auch nicht die Leute gerabezu auf bie Freistellen verweisen. Die Tenbenz müsse sein, bie Möglich­keit bes Erwerbs guter Schulkenntnisse burch möglichst, niedrige Schulgeibsätze zu erweitern. Außerbem halte er eine bessere Ab­stufung ber Sätze für bte einzelnen Klassen für nottoeubig.

Oberbürgermeister Mecum meint, baß bie von Stabtv. Grü- netoalb vertretenen Grunbsätze für bie Nichterhebung eines Schul- gelbcs überhaupt sprechen. So lange ber Staat nicht allgemein sämtliche Kosten für seine höheren Schulen trage, könne bie Stabt bies für bie höhere Mäbchenschule auch nicht tun. Das Schulwesen ber Stadt Gießen.habe sich gegen früher wesentlich gebessert und könne ben Vergleich mit anberen Stabten wohl aushalten. _

Stabtv. Schaffstaedt unterstützt bie Anregung bes Stabtv. Grünewalb wegen ber früheren Zugänglichmachung bes Materials unb meint, man solle bie Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung vertagen, damit sich bie Finanzbeputation ebenfalls mit ber Sache befassen könne.

Stabtv. Wallenfels verweist auf die hohen, ständig steigen­den Ausgaben für das Schulwesen und kann keinen Grund gegen

anstallen eine Erhöhung . . . .

es würbe bamalö schon erwogen, auch bas Schulgelb an ber höheren unb erweiterten Mädchenschule entsprechend zu erhöhen.