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Von drei großen Feuersbrünsten ist heute zu melden:
In Berlin geriet gestern (Montag) die alte Garnison- kirche in Flammen. Der Turm und daS Gewölbe bei Kirche sind eingestürzt, die benachbarten Häuser waren bedroht Man nimmt an, daß der Brand auf Kurzschluß zurückzuführen i|i Von den vielen im Hauptschiffe angebrachten Fahnen au? dem Feldzug 1870/71 wurde nur eine gerettet. Di. Kirche brannte völlig aus. Brandstiftung wird nicht vermute! da sämtliche Türen ordnungsmäßig geschloffen und die Fenstei unversehrt waren. Der eben auS Kiel zurückgekehrte Kronprinz verweilte bis nach Mitternacht an der Brandstätte uni besichtigte die Gruftgewölbe. Sofort nach Verlassen stürzt ein Teil der Gewölbe ein. Ein Feuerwehrmann verunglückte durch Absturz von einer Leiter. Diese Kirche, u der neuen Friedrichstraße, ist den Berlinern anS Herz gewachsen. Das Bedauern über ihren Verlust wird deshalb « den breitesten Schichten der Berliner Bevölkerung geteul Gegen 10 Uhr am Abend brach der Dachstuhl zusammen un. um Mitternacht bot die Kirche nur noch ein Bild der Verwüstung. Nur die Umfassungsmauern stehen noch. De. Einsturz des Glockenturmes war bereits kurz nach 9 Ufa erfolgt. Glücklicherweise gelang eS der Feuerwehr die benachbarten Gebäude zu retten.
In Neustadt a. d. Haardt steht die Mosaikplattenfabrik Deidesheimer u. Co., Aktiengesellschaft in Flammen Sowohl die alten Gebäulichkeiten, wie auch der dreistöckig' große Neubau sind verloren. Das Feuer ist durch Euisturi eines Brennofens entstanden. .,
Wie aus Boston (Massachusetts) gemeldet wM wurden in der Vorstadt Chelsea durch einen Bcan. 250 Häuser zerstört. Es wurden 5 Personen tötet, 400 erlitten zum Teil schwere Verletzungen. £Q' Feuer wütet noch fort. Die Trümmer werden jetzt vor 14 Miliz-Kompagnien bewacht, die bereits zwei Plünder
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lO^/z Uhr eintrafen, um die Osterfeiertage auf Schloß Heiliqen- verg zu verleben. Der Erbgroßberzog wird dort die Rückkehr seiner hohen Eltern aus Rußland abwarten.
"Zu dem gestrigen Artikel „Oberhessische Kultur werke* wird uns berichtigend mitgeteilt, daß eine Zusage über das Fallen der Wehre von Geheimerat Dr. Breidert nicht erteilt, sondern nur die Bereitwilligkeit erklärt wurde, hierüber mit den Beteiligten in Verhandlung zu treten. Graf von Oriola hat atisdrücklich erklärt, daß er kein Gegner des Projekts sei, und die von ihm beantragte Resolution wurde nicht einstimmig, sondern mit Stimmenmehrheit angenommen, nachdem sich Stadtverordneter Falck-Friebberg gegen bereit Annahme ausgesprochen und die Befürwortung des Projekts warm empfohlen hatte.
" AuS dem Militär-Wochenblatt. Ernannt: v. Arndt, Hauptm. und Komp.-Chef im Rhem. Jäger- Bat. Nr. 8, unter Beförderung zum überzähl. Major, zum Adjutanten der Großh. Hess. (25.) Division. — Versetzt: als Bats.-Kommandeur: v. Amelunxen, Major und Adjutant der Großh. Heff. (25.) Division, in das 1. Bad. Leib-Gren.-Regt. Nr. 109. — v. Stangen, Hauptm. und Platzmajor in Darmstadt, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt und zur Dienstleistung als Bezirksoffizler beim Landw.-Bezirk Gera kommandiert. — Frhr. Hiller 0. Gaertringen, Hauptm. beim Stabe des 1. Garde-Ngts. zu Fuß, zum Platzmajoc in Darmstadt ernannt. — Verletzt: Zeug-Oberleutnant Lange beim Art.-Depot in Darmstadt zum Art.-Depot in Neu-Breisach, Lt. Röbling bei der 3. Art.-Tepotdireklion zum Art.-Depot in Darmstadt, Feuerwerks-Lt. Ziembinski beim Art.-Depot in Mainz zum Art.-Depot in Koblenz. — Zu Feslungsbau-Hauptleuten ernannt: die FestungSoberbaiiwartc Preine, Haupt und der FeUungsbau-Oberlt. Bresse bei der Fortlsikation Mainz. — Ter Abschied mit Pension bewilligt: v. Branconi, Major z. D. und Bezirksofsizier beim Landwehr-Bezirk 1 Darmstadt, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 5. Thür. Znf.-Regts. Mr. 94 (Großherzog von Sachsen).
** Landw irtschaftskammer. Am Dcontag fand die 2 5. Vorstandsfitzung nick einer Tagesordnung von 25 Punkten statt. U. a. 0t|d)4rtigte man sich mit der demnächstigen Revision des Reichsviehseuchengesetzes. Der Vorstand war sich oarüber einig, bau bte rigorose Bestimmung dieses Gesetzes über die Räude bei Su-afen mit einen Hauptgrund für den starten Rückgang der Schafzucht bildet, sowohl ein nennenswerter Vorteil bis ,etzt nicht erreicht ist, und auch die Krankheit nicht als Seuche im Sinne des Gesetzes angesehen werden kann. Der Vorstand beschloß, bei den maßgebenden Faktoren in einem ausführlichen Gutachten die Abänderung der in Betracht kommenden Bestimmung dieies Gesetzes emzuregen und die Behandlung dieser Krankheit in einem oesondcren Gesetz zu behandeln. Die Vornahme einer land.oirt- scha,tttll)en Studienreise nach der Nheinprovinz, Holland, Belgien oder Hannover und Dänemark ivurde in Betracht gesogen. Ein genauer Reiseplan soll noch ausgestellt werden. Bei der Regierung^ soll eine Beschleunigung des Feldbereinigungsverfahrens ocranlaßt werden, lieber Die kKiiuuib-uig der Mittel zur Förderung der Pferdezucht und ihre Ueberweisung an die Ausschüsse der Provinzen wurde Beschluß gefaßt und die Einkaufs- und Kör- kommission gewählt.
** Stadttheater. Von Oberbürgermeister Troje und dem Magistrat der Stadt Marburg wurde Direktor Hermann S t e i n g 0 e t t e r bei der letzten Vorstellung in Marourg am vergangenen Samstag ein p räch tiger Lvrbeerkranz überreicht in „Anerkennung der Leistungen der Direktion,und der Mitglieder des Städtebundtheaters".
■** Verlängerter Fernsprechdienft in Gießen. Das Telegraphenamt hier ersucht uns, folgendes mitzuteilen: Vom 15. April ab wird bei der Fernsprech- vermittelungsstelle in Gießen zunächst auf die Dauer eines Jahres beschränkter Fernsprechdienst bis Mitternacht eingeführt. Das Nähere ist in den sämtlichen Teilnehmern gelieferten „Bestimmungen über die Benutzung der Fernsprechanschlüsse" unter 18 — Verbindungen zur Nachtzeit — zu ersehen. Auf die Zulässigkeit von Abonnements aus Nachtgespräche int Fernverkehr wird besonders hingewiesen. Orte, mit denen nachts in Verbindung getreten werden kann, sind folgende: Berlin, Kassel, Coblenz, Köln, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, München, Offenbach, Stuttgart, Amsterdam, Basel, Brüssel und Zürich.
** Turnerisches. Am Sonntag, 12. d. Mts. fand in der Turnhalle des Turnvereins Gießen eine Vor- turnerstunde des Gaues Hessen statt, zu der 85 Turnwarte angetreten waren. Gauturnwart Will begrüßte die Turner und forderte zu einer recht zahlreichen Beteiligung seitens der Gauvereine am diesjährigen deutschen Turnfest in Frankfurt a. M. auf, damit sich der Gau Hessen mit seinen als Sonderübungen vorgeschriebenen Stabübungen, als tüchtiges Glied in der deutschen Turnerschaft zeige. Geturnt wurden dann die zum deutschen Turnfest vorgeschrie- beneu Keulen- und die vom Gau vorgeschriebenen Stabübungen. Hieraus wurden die Turner mit der in der deutschen Turnerschast neu eingeführten Hebungswertung vertraut gemacht. Außerdem wurden einige Spiele gezeigt, damit das Spiel immer mehr in den Turnvereinen ein» geführt werde. In der an das Turnen sich anschließenden Beratung des Turnausschusses wurden als volkstümliche Hebungen für das Gauturnfest in Lich Lausen 100 Meter, Stemmen und Weithoch bestimmt, welchen Hebungen noch Weitsprung zur Gauturnfahrt hinzutritt. Die Gauturnfahrt findet am 2 3. A u g u st statt.
** Männer-Turnverein. Die am Samstag abgehaltene Frühjahrs-Mitgliederversammlung crireute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Nach Begrüßung erstattete der 1. Sprecher einen sehr eingehenden Jahresbericht, aus dem zu ersehen war, daß innerhalb des Vorstandes eine sehr große Arbeit zu erledigen war. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Mitgliederzahl tirfi. Zöglinge ca. 400 beträgt Es würde zu weit führen, die Einzelheiten alle aufzuführen. Der 1. Sprecher schloß den Bericht und bat sämtliche Anwesenden, in der seitherigen Weise zum Wohle des Vereins zu arbeiten und brachte aus das Blühen, Wachsen und Gedeihen des Männerturnvereins ein dreifaches Gut Heil aus. Alsdann berichtete der T u r n - wart über den Hallenbesuch, sowie über die gesamte turnerische Arbeit des Vereins. Ans dem Bericht ist hervorzn- hebeu, daß sich der Verein an sämtlichen Veranstaltungen des Gaues beteiligte und daß die durchschnittliche Zahl der anwesenden Turner im Winterhalbjahr in den regelmäßigen Turnstunden 45 betrug. Zum Kassenbericht erhielt der Rechner da§ Wor^. Es bewegten sich die Einnahmen und Ausgaben auf 2554.82 Mk. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Unter Punkt 4 der Tagesoronung wurde ein Mitbegründer und auch seil dieser Zeit Vorstandsmitglied oes Vereins, Turner Peter Margolf, vom Vorstand der Versammlung als Ehreninitglied bärge,Qiagen und einstimmig als solches ernannt. Bemerkt sei noch, daß dies, die erste
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vid verhMnismSßig viele Verlernen, was durchaus Eigenart btt beiden Beleuchtungsmethoden entspricht, Gas und Elektrizität Neben einander benutzen. Dazu kommt, daß Gas für Heizungsund Kvchzwecke immer mehr in Aufnahme kommt, zumal, wenn sich die Kvmmune entschließt, diesen Gebrauch durch Preisermäßigungen zu fördern. Ein gewisser kaufmännischer Gesichtspunkt, der an Stelle des starren Gebührenprinzips zu treten hat, ist hier nicht zu entbehren und hat sich durchaus beivährt.
Etwas anders gestaltet sich die Frage des Straßenbahnbetriebs. Es ist nicht zufällig, daß die Zahl der Städte, die ihre Straßenbahnen kommunalisiert haben, bis vor kurzem noch, eine recht geringe war. Noch vor 10 Jahren gab cs in Deutschland nur 19 Städte mit eigenen Straßenbahnen. Die Hälfte dieser Gemeinden hatte aber den Betrieb an Privatunternehmer verpachtet. In neuerer Zeit hat aber die Kommunalisierung Fortschritte gewacht. Es hängt dies unzweifelhaft mit der Vereinfachung der Technik und dem Aufkommen der Elektrizität als Zugkraft zusammen. Der Pferdebetrieb bedang höhere Risiken. Die animalische Kraft ist teuer, ihre Erhaltung ist von schwankenden Marltoerhaltnissen (Einkaufspreisen und Futterkosten) abhängig und eine Pferdebahn verlangt ein größeres Wartepersonal. Auch ist sie Schneefällen, Terrainschwicrigleiten und bergt gegenüber in einer übleren Lage als die elektrische Bahn. Freilich bringt )er elektrische Betrieb, namentlich in engen Straßen, und bei größerer Schnelligkeit auch größere Haftpflichtgesahren mit sich and stellt erfahrungsgemäß an das Führerpersonal der Wagen rrhöhte Ansprüche an seine Zuverläfsigket. —
Ter ältere Liberalismus war ein grundsätzlicher Gegner der gewerblichen Monopolbetriebe in Staat und Gemeinde. Er war, den öffentlichen Verbänden mangelnde technische und ökonomische Befähigung vor und meinte, sie arbeiteten viel zu teuer, plump, konservativ und bureaukratisch. Diese längst widerlegte Jdceu- bildung gehört heute der Geschichte an. Besonders der großartige deutsche Staatsbahnbetrieb hat bewiesen, daß der Staat sehr wohl nach kaufmännischen Grundsätzen zu arbeiten versteht und sich auch die Fortschritte der Technik ohne Säumigkeit zu eigen machen tarnt. Auch der Vorwurf der Bureaukratie ist übertrieben. Große Privatgesellschaften pflegen ebenfalls bureaukratisch zu sein, und das öffentliche Monopol ist immer noch um Vieles besser als das private. Was aber die soziale Fürsorge für die Angestellten anbetrifft, jo hat die Erfahrung gelehrt, daß sich kein Staat modernen Forderungen auf die Tauer ganz verschließen kann. Vor wenigen Wochen hat das hessische Finanzministerium, offenbar um den fortgesetzten, kurzsichtigen Angriffen auf die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft entgegenzutveten, eine höchst üv tcreifante, leider ziemlich unbeachtet gevlieoene Tentschrift veröffentlicht. Die dort niedevgelegten Zahlen sprechen ganze Bände. Seil dem 1. April 1897, dem Tage des Jntrasttretens der Eisenbahnbetriebs- und Finanzgemeinschaft zwischen Preußen und Hessen, hat sich das hessische Eisenbahnnetz um 46 °/o vergrößert. Beinahe 10 % kommen auf die Hauptbahnen und 240 0/0 (!) auf die Nebenbahnen. Mit letzterer Zahl hat Hessen den Rekord in ganz Europa erreicht. Besonders interessant ist die Entwicklung der Lohnsätze. Der Turchschnittslohn der Hilfskräfte im mittleren Dienste ist von 1131 auf 1739, der der Hilfskräfte im unteren Dienste von 811 Mark auf 1012, der Bahnunterhaltungsarbeitei Don 662 auf 819, der Werkstättenarbeiter von 1020 auf 1211 Mk. gestiegen. Die Steigerungen bewegten sich also zwischen 20 und 40 °o. Von dem finanziellen Effekte der Eisenoahngemeinschafi .st ja oft genug gesprochen worden. Der Reinertrag, der der «lessischen Staatskasse verblieb, ist von 2 3/4 Millionen Mark auf 3,8 Millionen Mark gewachsen. Der Heberschuß wäre natürlich noch erheblich größer, wenn man in Hessen nicht so viel schleckst rentierende Nebenoahncn gebaut hätte, so daß die Kosten für die Zinsen und Tilgung der Eisenbahnschuld in zehn Jahren von 7 Millionen auf lO1/^ Millionen Mk. gestiegen sind. Nur durch bic Eisenbahnüberschüsse, die heute mehr als die ganze Vermögenssteuer ausmachen und 38 Qo der Einkommensteuer gleichkommen, läßt sich seit Jahren unser Budget überhaupt balanzieren. Welche Einnahmen hat denn der hessische Staat früher aus dem Eisenbahnbetriebe gehabt? Sie waren ganz minimale. Das geringere Maß von Selbständigkeit in der landesrechtlichen Eisenbahnhoheit, über das jetzt in her Zweiten Kammer so bewegliche Klage geführt wird, n>ar also wirklich kaum zu teuer erkauft.
Die Eisenbahnverstaatlichung in Deutschland hat die Behauptung, die Zweckverbände des öffentlichen. Rechts feien ökonomisch und technisch den Aktiengesellschaften gegenüber rückständig, durchaus widerlegt. Aehnliche Erfahrungen wie in den Staatsbetrieben hat man auch in den Großstädten gemacht. Die Großstädte tun ftlfo recht daran, wenn sie die Straßenbahnlinien in eigene Regie nehmen. Daß hierbei ein besonders bewegliches Moment in die städtischen Finanzverwaltungen kommt, ist nicht zu bestreiten, fällt aber doch nicht allzu sehr ins Gewicht. Großstädte verfügen auch über die in der Technik vorgebildeten höheren Beamten, die zur Oberleitung so großer Unternehmungen befähigt find. Elek- irischc Bahnen machen die städtischen Kraftzentralen besonders nutzbringend, was bei reinem Lichtoetrieb nicht der Fall sein kann. Das wird jetzt allgemein anerkannt. Besonders empfiehlt sich die Kommunalisierung der Straßenbahnen aber bann, wenn es sich um die Ucbernahme bereits vorhandener, in ihren Kosten und ihren Gewinnen zu übersehenden,Hnternehmungen handelt. Bei Neubauten, Untergrundbahnen, Unterpstästerbahnen, Schwebebahnen verhält sich die Sache allerdings etwas anders. Hier kann man zweifelhaft sein, ob man nicht bei diesen neuartigen Unternehmungen lieber fürs Erste das Risiko auf konzessionierte Privatgesellschaften abwälzr, statt es selbst zu übernehmen. Für kleinere Städte, denen die Schulung in gewerblichen Großbetrieben fehlt, und für die eine Straßenbahn etwas ganz Neues und im Gfiekte Unsicheres und Problematisches ist, empfiehlt es sich nach meiner festen Ueberzeugung auch heute noch, das spelülative Privau- kapital, das an größeres Risiko Lewöhnt ist, als Pionier voraus- zuschicken. Es kommt alles auf das gewählte Konzessionssystom und auf den Jnhatt der Verträge an. Sie müssen eine gewisse Tarsthoheit der Kommune gewährleisten, die Fahrlzeiten seftlegen, Bestimmungen über die Straßenunterhaltungsloften treffen und sür alle aufttetenbcn Streitigkeiten, die ja nicht ousbleioen werden, rasch funktionierende Sck)iedsgerichte vorfeben. Besondere
Schwierig ketten macht der weitere Ausbau der Verkehrslinien. In dieser Beziehung sind Ibie Erfahrungen der Städte München u. Frankfurt a. M. lechrreich. Deren Betrieb, der unsprünglich durch private Trambahngeiellschaiten belgischer Kapitatisten übernommen worden war, war im großen und gauz-en zwar ein sachgemäßer und berrtebigcnber, aber jede Erweiterung des Straßenvahnnetzes und jdie_ Tarifverbesserung mußten Me Gemeindebelwrdeii den Gesell- Xhaften im harten Kampfe abringen und oft durch Gegew» konzessionen erkaufen. In <yrantturt, wo Oberbürgermeister Adickcs seine berühmten Straßendurchbrüche durchsetzte, weigerte sich die TranibahngesMchaft, obgleich gerade sie von diesen 'Maßnahmen den Hanptoovleil halte, und ihr Geichäil glänzend rentierte, zu den Kosten beantragen. Aehnliche -Lchwierigkeiten wie in München und Frankfurt zeigten sich auch in Nürnberg, Düsseldorf und Köln. Tie spätere ilonununalificrung in Tüsseldori gelang verhältnismäßig einiach. Frantinrt hatte ein Kundigungs- cecht. Köln aber brachte besonders schwere finanzielle Opfer, um die Bahnlinien in eigenen Besitz zu bekommen, und auch Nürnberg kam diese Reform fel)t teuer zu stehen. Die Einiührmig des elektrischen Betriebs hat hier überall den ersten Anstoß zur Verstadtlichung gegeben.
Schluß folgt.
21 us Stadt und Land.
Gießen, 11. April 1908,
•• Hohe Reisende. I. K. H. die Prinzessin Heinrich bjjn Preußen, in Begleitung ihres Sohttes, des Prinzen oigiSmunb, sowie des Erbgroßherzogs von Hessen trafen heute morgen 7.54 Uhr von Kiel auf dem hiesigen Bahnhof ein, wo den Herrschaften von dem Bahnhoförestaurateur Herrn E. Niemann ein englisches Frühstück im Salonwagen serviert wurde. Die Herrschaften setzten' ihre Reise /ahrplanmäßig nach Frankfurt fort. Bon dort erfolgt die Weiterreise im Automobil nach Jugenheim, wo sie um
Ernennung zum Ehrenmitglied seit Beneyen des Verein; ist. Margolf dankte mit bewegten Worten für die Ehrung Die Vorstands- und Turnrats-Wahl ergab folgendes Res ui. tat: 1. Sprecher Rechtsanwalt C. Kaufmann, 2. Spreche Karl Schwarz, 1. Schriftführer Earl Lang L, 2. Schriftführer E. Bürk, 1. Turnwart W. Weis, 2 Turnwart C. Schmidt. Rechner O. Meyer, Zeugwart A. Reinig, Gegenrechner F Nennstiel jun., 1. Beisitzer Gg. Todt jun., 2. Beisitzer W Georg. — Die festgesetzten Sommerfestlichkeiten werden beti Mitgliedern noch besonders mitgeteilt. Tie Tagesordnung war erschöpft und da es mittlerweile 2 Uhr geworden war, schloß der 1. Sprecher die Versammlung, dankte für den zahlreichen Besuch und gab der Hoffnung A.lsdruck, daß die gefaßten Beschlüsse zum Wohle des Vereins sein mögen.
** Ein neues Verzeichnis der Fern sprech, stellen in Gießen ist soeben wieder bei Ernst Baiser in del bekannten übersichtlichen Anordnung erschienen. Für alle, die das Verzeichnis seither schon neben'ihrem Ferniprechel hängen hatten, ist es iinentbehrlich geworden, da es das Auf. suchen der Fertisppechnumuierli befter uno rascher ermöglicht wie das amtliche Verzeichnis.
** Zu dem Rieder-Wöll st ädter Vorfall, über den wir gestern berichteten, luiro uns von zuständiger Seite folgendes mitgeteilt: Der betrunkene Treschmaschiuen- arbeitet ging ohne jeden Anlaß mit offenem Messer gegen den Metzger Schmidt vor. Dieser gab ihm zur Abwehr mit der flachen Hand einen Schlag in das Gesicht, wodura der Angreifer auf die Bank zurückfiel. Kurz darauf stürzle der Drefchmaschinenarbeiter kopfüber auf die Erde und war sofort tot. Nach dem Ergebnis der Sektion ist der Tod weder ourch den Schlag des Schmidt, noch auf eine sonstige getoalt- same Handlung zurückzuführen. Eine Verhastuug des Schmidt, der allgemein geachtet und beliebt und ohne jede Schuld an dem Vor,all ist, hat nicht stattaefunden.
F.C. Friedberg i. H., 13. April. Aus allen Teilen bei Gr^ßh.rzo^tams Hessen, besonders aus den Kreisen Friedberg. Gießür und Büdingen, sowie aus Orten des Kreises Hanau, wie Bergen, Hvchstadt, Wachenbuchen ujro. trafen Kundgebungen von Vereinen, Ortsgruppen und einzelnen Personen an den Landtagsabgevrdneien Hir 1 che 1 ein, in denen, trotz des Gießener Strafkammer-Urteils, dem Abgeordneten weiteres Vertrauen -entgcgeiigetraciü, und gesagt wird, daß das Ansehen Hirschtts bei der Landbevölkerung nicht gelitten haoe. Man werde ihm Beweise davon demnächst geuen. Die Landoevölierung haoe twk alledem nach wie vor Achtung vor ihm! (Hirfchel hat nach Blättermeldungen gegen das Strafkammerurteil Revision einge legt. Red.)
fc. Mainz, 12. April. Der 15jährige Kaufmanns« lehrling Karl Dewa ld fälschte einen Scheck auf 4000 Mk. auf den Namen der Firma, bei der er lernte, erhob das (Selb auf der Bank und fuhr in der Richtung nach Hamburg da« von. Der sonst sehr brave Junge scheint durch das Lesen von Näubercomanen zu seinem dummen Streich gereizt worden zu sein. Weit wird er wohl nicht kommen.
)( Ri ar bürg, 12. April. Nachdem am Freitag die vom Staate der Elisabethkirche gestiftete neue Kanzel dem Presbyterium der lutherischen Gemeinde übergeben wurde, konnte diese am heutigen Palmsonntag zum erstenmal benutz! iverden. Das berühmte Gotteshaus ist durch die neue Kanzel, die mit einem Kostenaufwande von 30 000 Ntk. von hervorragenden Künstlern hergestellt wurde, um einen herrlichen Schmuck bereichert.
fc. Marburg, 12.April. Die Nationalliberalen im Kreise Marburg stellen als Landtagskandidaten den Privat« dozenteu an der hiesigen Universität, Regierungsrat Professor Dr. Neissert, auf.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz ist der Kapier des dortiger. Verkehrsvercins, Senning, nach Hnterfchlaguugen in Höhe vor. 2500 Mark flüchtig gegangen. — In Frankenberg wird ein Kornhaus errichtet werden. — In Griedel wurden einem Bahubeamten der Butzbach—Licher Bahn beim Rangieren beide Beine abgefahren. — In Worms gelang es, mehrere Mitglieder einer weit verzweigten F ä l s ch c r b a n d e zu verhaften, die dir Anfertigung von sran-ösifchen Rentcnkupons fabrikmäßig betrieb. Die Fabrik selbst befinbet ftch in London. ___
Gerichtssaat.
Frankfurt a. M., 13. April. Unter Ausschluß der Lei fentlichkeit wurde heute vor der Strafkammer ein Anarchistenprozeß verhandelt und zwar gegen den 27jährigen Fabrikarbeiter Jakob Roth aus Groß-Zimmern und dessen 26 Jahre aÜt Ehefrau Katharina Roth, sowie gegen den 23jährigen Fabrikarbeiter Reinhold Voigt aus Picknitz (Kreis Döbeln), die beschuldig' sind, eine anarchistische Broschüre „Krieg dem Kriege" von dee holländischen Anarchisten Nicuvenhuis, sowie ein Soldatenbrevio verbreitet zu haben. Die Sttaskammcr verurteilte Roth zu einer Strafe von drei Monaten Gefängnis. _ Voigt er hm acht Monate Gefängnis, während die .Ehefrau Roth frei- gesprochen wurde.
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