Rr.89 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 14. April 1908
sSä PltPIIg Jf| AÄrLMLV
es«5 General-Anzeiger für Oberhessen MM
lanahmr von Anzetge« V Mr f 9 V " u. Land" und „Gerichts-
Xxüt‘aa3,'io,än6" Ho<ofiol,s6nl8 und Verlag dervrMschen Univ.-Vuch- und Steindruckerel. R. Lange. RedaMon, Grpeöition und vruckerel: Schulstratze r. Anz°m-m°u°^ H°«eL
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die Kafiekr Tagung der nationalliberalen Zugend.
Ein preußischer Landesverband der Vereine t»er nationalliberalen Jugend wurde am Sonntag in Kassel unter zahlreicher Teilnahme aus allen Gegen- < ben Preußens und unter Anwesenheit der Abgeordneten Wassermann, Geh. Rat Friedberg, Schröder und der Spitzen l der Kasseler Parteiorganisation gegründet. Zum Vorsitzenden wurde der Vorsitzende des Rerchsverbandes W. Fischer ’ gewählt. Aus die Begrüßung der Parteiführer durch den Borsitzenden erwiderte Abg. Bassermann in einer groß- ■iigigen Rede, in der er auf die hocherfreulichen Erfolge der Zlockvolitik int Reiche hinwies und den Zusammenhang | der Reichs-Blockpolitik mit der preußischen Politik betonte. Em Referat des Rechtsanwalts Rehe-Köln über die preuß. L'ahlrechtsfrage leitete die politischen Verhandlungen des : Bertretertages ein. Ein st immigwurdebe schlossen:
„Für die bevorstehenden Landtagswahlen stellt sich der preußische Landesverband der nationalliberalen Jugend auf den Boden der Entschließung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei vom 1. März 1908 und begrüßt dieselbe als eine geeignete Grundlage zur preußischen Wahlreform."
Im Verlauf der Verhandlungen wurde der Hoffnung Äusdruck gegeben, daß alle liberalen Parteien einmütig Schulter an Schulter den Wahlkamps führen werden. Ein non Dr. Poensgen vorgelegter Wahlaufruf wurde angenommen. Es heißt darin u. a.: „Darum verlangen wir i tüte moderne Volksvertretung: Direktes, geheimes Wahl- k verfahren, Abschaffung des heutigen Dreiklassenwahlsystems, L gerechtere Wahlkreiseinteilung. Das ist au chheute schon zu erreichen, wenn nur das deutsche Bürgertum sich bei den lammenden Landtagswahlen aus seine Pflichten besinnt, ltin neues, liberales Wahlrecht ist die unerläßliche Voraus- jepung sür die Reformen, deren unser preußischer Staat so nrmgend bedarf: Eine vertiefte und erweiterte Volksbildung in Stadt und Land durch gut ausgebildete und gut besoldete Lehrkräfte unter fachmännischer Aufsicht, Hinwegräumung der konfessionellen Schranken zwischen den Kindern eines volles, freie Bahn für die Weiterentwicklung unabhängiger Wissenschaft und Kunst, Durchdringung aller Verwaltungs- Migc mit modernenl und praktischem Geist: Vereinheitlichung des Pottzeirechtec unter Abschaffung veralteter Be- inmmungcn, Schutz des Bürgers gegep polizeiliche Willkür iinö unnötige Belästigung, Vereinfachung und Erleichterung des Rechtsweges gegen Verwalttangsmaßnahmen, Ausbau der Selbstverwaltung und Anteilnahme des Mittelstandes ntich an der Verwaltung der Kreise und Provinzen, Ve- jchleunigung der Rechtspflege. Größeres Verständnis für tie Bedürfnisse von Handel und Industrie, Berücksichtigung nuch der kleineren Landwirte, Förderung des Verlars zu Wasser und zu Lande, einheitliche Beamtengesetz- geoung, ausreichende Besoldung und gute Vorbildung der Ramien. Fürsorge sür Arbeitcrstand und Mtt.etstund durch volkstümliche Verwaltung und durch Ausbau der sozialen Hqetzgebung des Reichs durch die preußische. Die Erfüllung dieser voltsireundlichen Forderungen in Preußen ermöglicht iine Fortsetzung der nationalen Politik im Reiche. Der glorreiche Ausschwilng des nationalen Bürgeri^Ttts bei den lehten Reichstagswahlen verlangt als notwendige Ergänzung den Sieg des Liberalismus in Preußen.
Deutsches Reich.
Koloniales. Hauptm. Domini k, der bekanntlich in den parlamentarischen Kvlonialdebatten der lebten Jahre im Anschluß an scharfe Angriffe des Mgevrdneten Bebel eine Rolle gespielt hat, ist durch Erlaß des Gouverneurs von Kamerun, Dr. Seitz, -um Bezirksamtmann von Jaunde ernannt worden. — Dem Berl. Lolalanz. zufolge legte der zur Dienstentlassung verurteilte Konsul Eschke gegen den Spruch der Potsdamer Dis- ziplinarkammer Berufung an den Disziplinarhof in Leipzig ein.
— Im Herzogtum Braunschweig soll das jetzige W a h l s y st e m burch ein Mehr st immenrecht auf Grund der Klasseneinteilung der Urwähler ersetzt werden.
Rustand.
Fürst Bülow in Rom. Gestern vormittag hatte Fürst Bülow eine einstündige Audienz beim König, der den Reick)s- kanzler überaus herzlich aufnahm. Am Nachniittag hatte der Kanzler eine neue Unterredung mit Tittoni.
Die ewig treue Schilb wache des Zaren. Aus einem dem Für st en Nikolaus von Montenegro in St. Pet.rsburg gegebenen offiziellen Tiner, nn dem neoen den Ministern mehrere Großiürsten teilnahmen, bekräi.igte dec Fürst der schwarzen Berge das Bündnis mit Rußland und nannte s i ch die ewig- treue Schild wache der Interessen Rußlands und des Slawentums auf dem Balkan.
Der Lemberger Mord.
Die Ermordung d.s Statthalters von Galizien hat ein grelles Schlaglicht auf die eigenartigen Verhältnisse in diesem polnisclien Landesteile Oesterreül)s geworfen. In Galizien, wo die Polen die politische ^ad^ haben, sind sie die ärgsten Bedrücker der Freiheit anderer Völker, namentlich dec Ruthenen. Der Mörder des Grafen Powcki fühlt sich daher als Rächer >eines Vvlksstammes, gegen den bei den letzten Wahlen schreiende Ungerechtigkeiten verübt worden seien, wofür er den Statthalter als Repräsentanten bicses Regttrungssystems zur Rschensaiajt gezogen habe. Bczeich- nend ist die Antwort, die der Mörder, der Student Siczynski, gab, als ihm ein Polizeikommissär im Verl>ör sagte, daß die Ermordung des Statthalters keine Aendernng des Systems bringen werde, bann werde sich ein zweiter Ruthene finden, der den nächsten Statthalter ebenfalls aus dem Wege räumen wird. Er habe den Statthalter nur ermordet, um andere zu warnen.
Bezeichnend ist auch, was die Mutter des Viörders vor dem Polizcitornmiisar aussagte: „Ich will die Wa hrh ei t« sagen, ich war es, die meinem Sohn diesen Gedanken eingab und ihn dazu betvog, mit dein Hinweise, daß es nur diesen einen Ausweg gebe, der Unterdrückung des ruthenische Vo lkes ein Ende zu machen. Außw der Mnrter txc Attentäters Siezynski ।ind nunmehr auch seine b e i d e n S ch w e st e r n verhaftet worden. Außerdem hat dtt Polizei bei Personen, die mit dem Attentäter engeren Verkehr hatten, sowie bei zahlreichen ruthenischen Studenten Haussuchungen vorgenom.nen, bie aber resultatlos verlaufen sind. Der Dbman der Ru- thenen im Abgeoronelenhause, Riomanczuk, erklärte, er kenne Sic- zynski nicht, er l)abe aber dessen Vater gekannt, der ein sehr eifriger national-r.tthenisckfer Agitator war. Ec wisse, daß die ganze Familie sehr exaltiert sei.
Wie von einer dem ermordeten Grafen Potocki nahestehenden Seite ocriidjcrt wird, hat der Graf in dec letzten Zeit wiederholt seinen Besorgnissen über ein UebergreHcit gefährlicher Bewegungen aus Rußland nach Galizien Ausdruck gegeben.
Bis in die Nacht hinein waren gestern Tausende vor der Statt- haltcrei angesammelt. Alle Theater und Vergnügungswkale Lembergs waren geschlossen, in allen Kasinos herrschte eine unbeschreibliche Bestürzung. Es wurde die Meinung geäußert, man habe derartige Gewalttaten ruthenischer Fanatiker voraussehen müssen. — Die polnischen Studcnte n.haben in Lemberg Versammlungen abgchalten, in denen geradezu zu Gewalttatengegen
Bad-Nauheimer Brief.
IV.
(Schluß.)
Am 5. April wurde der Einzug des Frühlings auch schon Trompeiengeschmettcr begrüßt. Das Waldhaus unter alten/schönen Eichen hatte den Betrieb eröffnet. Da fairen denn die ersten Kaffeegäste unter den noch unbclaubten Junten und die Stadtmusikanten hatten leichtes Spiel, tät lenzesfrohen Gemüter zu befriedigen, auch wenn mau facht eben den strengsten künstlerischen Maßftab an ihre mfachen Melodien anlegen durfte.
Unter den Veilchen, die der Frühling im Verborgenen fafgehen läßt, hat am 8. April sich nun auch dasjenige er- falonen, auf das der Verfasser eines eingeschobcnen Bad- ^tuheimer Briefes in diesem Blatte neulich aufmerksam wulste; ich denke an die Einweihung des christlichen „Eleo - v vrenh o sp ize s". In einer Ansprache führte Kirchen- fat D. Schlosser in entsprechend feierlicher Weise die- !-'ben Gedanken noch einmal aus, die der genannte Brief da- mls schon aussprach, nur daß er außerdem die Fürsorge !uc bas Wohl des bedienenden Personals noch besonders betonte. Der große, sreundlichc Bau ist mit allem ausgestattet, der moderne Kurgast an Bequemlichkeiten beanfpruchen «nn: elektrisches Licht, Zentralheizung, Lift, Badeeinrrch- tung usw. Wenn die Gunst des Schicksals so über ihm waltet ® e am Einweihungstage die des blauen Frühlingshimmels, bann sieht er einer erfreulichen Zukunft entgegen, denn durch ->e Fenster flutete goldener Sonnenschein und erhöhte den behaglichen, einladenden Eindruck der geschmackvoll ausge- Utteten Zimmer. Wenige Schritte vom 5zause liegt der W, und durch die kahlen Aesre der Bäume schimmerte der dickte Spiegel des großen Teiches herüber. Eine Bibel in le-bem Zimmer erinnert den Besucher an den besonderen Geist far Hauses. Von der Konkurrenz gegenüber den anderen ^tels und Pensionen wurde unter den Besichtigern auch dLS eine oder andere Wort laut. Man braucht aber da wohl nicht ängstlich zu sein. Ettoas anderes wie ein ^rfremdenbetrieb wäre doch auch so wie so nicht in das &bäube gekommen. Unb wenn die für unsere Verhältnisse M mäßigen Preise von 5 dis 8 Mark täglich bet voller j=m{ion auch viele anziehen, so wird doch auch andererseits besondere Charakter des Hauses den Kreis der Besucher
wieder einschränken. Auf jeden Fall aber hat ein edler Gedanke wohl das Recht, sich auch Raum zu schaffen neben andern, und von manckiem Vorzüge des neuen Hauses möchte man wohl wünschen, oaß es vorbildlich wirkte auf andere. Ein Beispiel: Die Teilnehmer der Feier waren zu einem „Frühstück", das in Wirklichkeit freilich ein vollständiges Diner war, eing'eladen, und schon bei dieser einen Gelegenheit ließ sich verspüren, wie gut der Weg fall des Trinkgeldes auf das Verhältnis zwischen Gast unb Bedienung wirkt. Wie viel angenehmer wirkt jede Freundlichkeit, wenn man sicher sein darf, daß sie nicht bloßem Geschäftsinteresse ent- jpriligt. Und sicher wird der Gast auch den Kellnern unwillkürlich anders gegenüberstehen, wenn der nicht besonders von ihm ausgelohnt wird. Wie viele lucrben es ferner dankbar empfinden, daß hier ihr menschlicher Wert nicht nachderTrinkfestigkeitbeurteilt wird. Das war schon den an der Feier beteiligten Abstinenten ein erfreulicher Eindruck. Kirchenrat i). Schlosser gedachte während des Essens des Großherzoglichen Paares. Die Großherzogin hatte auch in einem Telegramm dem Hospiz, das ihren Namen trägt, ihre besten Wünsche gesandtt Die Verdienste, die Kirchenrat I). Schlosser um oa» Zustandekommen des Werkes hat, hob Konsistorlalrat Jäger aus Wiesbaden hervor. Wenn er in seiner Rede einfließen ließ, daß der christliche Charakter des Hauses vielleicht noch mehr als in den ungezwungenen Hausandachten zum Ausdrua kommen möchte, so ist demgegenüber aber doch auch die Gesayr nicht zu verkennen, daß ein zu starkes und zu häufig wiederholtes äußeres Betonen leicht die gegenteilige Wirkung hat als die gewünschte. Es ist boaj wohl da» Wichtige uno Entscheidende, nach welchen Grundsätzen und in welchem Geiste der Betrieb geleitet wird. Die Vorzüge, die der erholungsuchende Kranke in der ganzen Art, wie er behandelt wird, empsindet, die sind jedenfalls das beste Zeugnis für die Besonderheit des Hospizes im Vergleich zu auocren Hotelvetrieven. Mit einem warmbegründeten Hoch auf unser schönes Bad Nauheim schloß Oberstaatsanwalt Theobald die Reche der Redner. Sein Wunsch, daß hinter unserer gewaltig fortschreitenden materiellen Kultur die geistige und ethische nicht Zurückbleiben möge, sprach woyl den tieferen Sinn der tzospiz- gründung, ebenso aber auch die Gedanken jedes ernsten und teilnehmenden Menschen aus, der die Blüte unseres Bades mitanzuschauen die Freude hat. Dr. S t r e ck e r.
die Ruthenen aufgeforbert wurde. Kein Ruthene bür le mehr bie Lemberger Universität betreten. Die Stubenten zogen bann vor das vutheniiche Bercinshaus und zertrümmerten bie Fenster.
Ein solches Verleiten ber Polen ist nun allerbings wenig geeignet, bie Ruthenen zu beruhigen, unb man befürchtet daher, wohl nicht mit Unrecht, baß weitere Attentate folgen könnten. Das wäre allerbings aufs höchste zu bedauern, denn, wie man auch bie von ben herrschenden Polen gegenüber ben Ruthenen in Galizien beobachtete Haltung beurteilen mag, unter allen Um» ftänben wirb die Mordtat als verwerfliches Kampfmittel bezeichnet werben müssen. Der Mocb aus politischen Motiven ist genau so zu verdammen, wie jebe andere Mocbtat, unb irgend welches Mitleid für den Täter ist daher in feiner Weise am Pmtze. Lieber» dies pflegt durch derartige Greueltaten absolut nichts erreicht zu werben, höchstens nur bas Gegenteil von dem Gewollten. Immer. hin ist es nicht ohne Interesse, baß es gerabe die Polen sind, die derartig ihre Herrschaft anderen in ihrer Mitte wohnenden Bölker- ftämmen gegenüber mißbrauchen. Im Laufe der preußifchen Maßnahmen in den Ostmarlen tat man nirgends entrüsteter über die Vergewaltigung der polnischen Stammesbrüder als, in Galizien, und mit Recht wurde bei der Debatte itter die jüngste Ostmarkenvorlage im preuüiiajen Landtage aus bicje Verhältnisse hingewiesen. Tie Ruthenen sinb ein überaus genüg)amer und fleißiger Volksstamm, und cs ist fdjon oft angeregt worben, diese statt ber polnischen Saisonarbeit.r nacy Teut,^land heranzuziehen; bie Abneigung ber Polen gegen bie Ruthenen resultiert wohl auch aus bicsen Charakterunterschäeben.
Die elektrische Ztravenllahn in Gietzen. /
Von Professor Dr. M. B i e r m e r.
Nachdem bie Stadt Gießen bas langersehnte Stabttheater bekommen bat, bas große Kanalisationswerk feiner Vollenbnng entgegensieht, ist bie dringlichste lommunalpolilische Aufgabe ber Bau einet elektrischen Straßenbahn. Unser Omniousverlehr ist gänzlich veraltet, unzurcichend unb arbeitet mit steigendem Defizit. An einen Ersatz dcs Omnibusverrehrs durch eine Pferdebahn ist nicht zu denken. Aufstrebende Städte, bie ihr Verkehrswesen verbessern wollen, benken yeutzutage nur noch an elektrische Bahnen, zumal, wenn sie, wie Gießen, bereits ein leistungsfähiges stäblisches ElektrszitätSwerk besitzen. Tec Zug der Zett geht ferner dahin, die Straßenbahnen in städtische Regie zu nehnten, bezw. bereits vorhandene Linien, die von Privatgesellsckraflen betrieben werden, zu tvmmunaliiicrm. Man begründet dieses Vorgehen damit, daß man sagt, die Kommune sei bcj'.c in der Lage, den Betrieb zum allgemeinen Vesten zu verwalten, die Tarife zweckmäßig zu gestalten und, was das Personal anbetrisst, für dieses sozialpolitische Fürsorge walten zu Imsen. Tie finan’jeUen Gesichtspunkte treten hier mehr in den Hintergrund, man ist schon zufrieden, iveurt die BettkWöülcc?chuji'c hinreichc'., um das Anlagekapital zu verzinsen, und rationell zu amoniiicren. Wuhrend man früher GaS- und Wasserwerke, Straßenbahnen und dergleichen im Hinblick auf die erheblichen Anlagetosten und das gwße Risiko dem Privatkapital übettaifen und damit vielfach lokale Rionopottsten mit weitgehenden Privilegien grvßgezogen hat, schattet man heute das private Unternehmertum aus diesen Gebieten ganz aus. G»s- nnb Wasser.vcrke fiito zudem, wie die Erfahrung lehrt, recht ein» rvagliche Finanzguellen ber Kommunen ooer iönnen es wenigstens sein. Fast Überall behanbelt man bie städtischen zentralen Lickst-^ Kraft- unb Wasserveriörgungsanftalten erwecbswirtschaitlich und erwart damit Steuern, zumal ja die indirekte Besteuerung in den deupchen Kommunen oetchsgesetzlich stark beengt ist. Die Gefahr, daß diese kommunalen Monopotbrtrieve gewerblicher Art schwankende Einnahmen, die der Stabilität des städtischen Haushalts iviocrsprechen, bringen, ist nicht groß. Mit zunehmender Be- völtirung unb Wvhlhabcnhett, größerem Komfort unb Modernisierung bes ganzen Leberts wachsen vielmehr bie Überschüsse ziemlich stetig, unb viel bemerkt ist bie Erscheinung, daß Elektrizitätswerke, als bie höhcve Form ber Lichtversorgungsanstalten, den äkttrcn GaSiocrken teinen Abbruch tun, weil in bie Reihe der Gasvervraucher von unten her neue Personengruppen einrücken
Z. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Im Schauspielhause gab es wieber einmal eine Uraufführung; aber biesmal war es kein i^rchwank, unb auch kein „hie- liger" war ber Verfasser, fonbern es war ein ernstes Drama, bas man vielleicht gar eine Tragödie hätte nennen können, und es war überhaupt kein Verfasser, sondern eine Verfasserin. Das Stück heißt „Die Meistert n", die Versgsserin ist Frau Johanna Wolff aus Hamburg. Die Gestaittn des Dramas find Siim größten Teil mit eignen Augen gesehen und mit dichterischem Können gezeichnet. Die oramatische Technik steht zwar noch nicht auf der Höhe, und namentlich die ersten beiden Akte sind arm an an dramatischen Komentaren und einigermaßen schleppend, aber die Kunst, sich möglichst knapp zu geben uno mit wenigen, aber ä-arakterFtifchen Strichen auszukommen, beherrscht die Verfasserin schon in crfurunlichem Maße. Die Charakteristik ist im Allgemeinen inöioWudl, aber l-isweilen greift die Verfasserin auch roohl zur Theaterjchablvne ober läßt uns bie Früchte ihrer Lektüre kosten. Jmmcrhm ist „Die Meij^erui" eine sehr respektable Talentprobe unb oer Beifall war sehr berechtigt, viel mehr als das stellenweise auftretenbe Zischen. Das Thema bes Stückes ist der Gegensatz zwischen ber „Meisterin", ber ehrenfesten, aus hartem Holze gestl-nitzten Wittoe eines Uhrmaä-ermeisters, und ihrer leichtlebigen Sc^viegertochler, bie Musiianoen- und Vagantenblut in ben Ädcm hat und sich, in ber Ehe mit dem braven Uhrmacher, wie verliebt er auch ui jtc ist, sehr wenig wohl fühlt. Ein Techrel- meostel mit dem flotten Gesellen ihres Viannes, einem tanz,rohen Wiener, bringt den Kvnslikt zum Ausoruch. Die Linien der Haupthandlung sind leider nicht energisch unb nichi klar genug gezogen, unb man sieht nur Epi,oben an einandevgereiht, statt einer einhettlich aufgebauieii, trastvoll gesteigerten Handlung. Ter entscheidende Zusammenprali der Heiden Frauen ist dagegen ebenso bühnenwirksam wie levens.oahr. DaS Stück endet ttagisch: infolge bir Aujregnng, bie |ic in dem Streit mit der Schwleger- niuiLr gehabt hat, ormgt bie junge Frau ihr Äinb zu früh zur Weit unb sttröt an ben Folgen. Heuer ihrer Leiche reicht die Mutter bem oohne bie Hand in ber späten Erkenntnis, baß ihrem Leben unb ihrer Wettan,chauung eines gefehlt hat: sie hat nie zu lachen Dirutuibeii, uno sie hat das Laa>en der anderen nicht versianben. Aber gerade dttses Meotiv ist leider md>i innerlich verarbeitet, sondern wirkt mehr äußerlich ais Etikette. — Ge- ipieU wurde unter Dr. Zames inegie redjt gut, namentlich von den Damen Klinkhammer und I r m a n und ben Harren Hellmar unb Lengbachi Die Versaiserin wurde oft gerufen.
— Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft. Ein B i s m a r ck - D e n k >n a l von Pele. Behrens soll auf dein Bookholzberge bei Delmenhorst tu Oldenburg erstehen.


