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Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten.
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nun energischer und bedachtsamer gewesen ivare. Daß von
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Forderungen stoßen immerfort die schönsten Parteiforde- rungen über den Hausen.
Nichts arckeres lehrt uns auch der Streit, der in den letzten Wochen im sozialdemokratischen Lager herrschte und jetzt in Nürnberg auf dem sozialdemokratischen Parteitag einen so temperamentvollen Ausdruck gefunden hat. Nicht anders ist auch schließlich das sonderbare Verhalten des Zentrums bei der Reichstagsersatzwahl in Speyer-Ludwigshafen zu verstehen. Man kann sich mit Recht darüber entrüsten, daß das Zentrum dort lieber dem Sozialdemokraten zum Siege verhalfen hat, als dem Grafen Posadowsch, aber man wird doch nicht im Ernste behaupten dürfen, daß das Zentrum damit seine Parteianschauung zugunsten der Sozialdemokratie geändert lstibe. Man kann das Verhalten des Zentrums, das ja bei den Landtags- Wahlen in Germersheim den Dank der Genossen ernten wird, ein häßliches Wahlgeschäft nennen, aber beruht im Grunde genommen nicht alle erfolgreiche Politik auf solchen Geschäften? Eine reine Machtpolitik vermag sich heutigen Tages nirgends mehr dauernd durchzusetzen; auf dem friedlichen Wege der Verhandlungen und der Verträge erreicht man sein Ziel weit besser.
Solcl)e Erwägungen sind es auch gewesen, die die Interparlamentarische Union ins Leben gerufen haben, deren Konferenz gegenwärtig in Berlin tagt. Welche hohe Bedeutung man dieser Konferenz beimißt, läßt sich schon daraus ersehen, daß sogar der deutsche Reichskanzler dort das Wort ergriffen hat. Der Reichskanzler wies hierbei auf die segensreiche Wirksamkeit der internationalen Schiedsgerichte und der Handelsverträge hin, die ja schließlich auch nur ein Werk der Interparlamentarischen Union sind. Fürst Bülow glaubte in seiner Rede das Bestreben der heutigen Zeit rechtfertigen zu müssen, das internationale Streitigkeiten auf friedlichem Wege schlichten will. So neu ist noch der Gedanke, Streitigkeiten der Staaten untereinander durch friedliche Abkommen aus der Welt zu schaffen, daß der Reichskanzler gleichsam entschuldigend ausführte, Friedensliebe bedeute nicht Mangel an Vaterlandsliebe. Nein, gewiß nicht, und das deutsche Volk, das bisher ehrlich und aufrichtig bemüht gewesen ist, den Frieden aufrecht zu erhalten, verdient es sicherlich nicht, des Mangels an Patriotismus geziehen zu werden.
Im Auslande hat die Versicherung Bülows von der ernsten Friedensliebe der Deutschen großen Eindruck gemacht, und sie wird vielleicht auch auf die fernere Entwickelung der Marokkoangelegenheit nicht ganz ohne Einfluß bleiben. Bisher hört man es immer und immer wieder, das Deutsche Reich habe mit seinem Vorschläge, Muley Hafid bedingungslos als Sultan anzu- erckennen, nur den Frieden in Marokko stören rooften. Man behauptete ja sogar, daß das Bestreben Deutschlands nur darauf hinauSginge, festen Fuß in Marokko zu fassen. Inzwischen haben Frankreich und Spanien eine Note über
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Apolitische Lve eben schau.
Gießen, 19. September.
Die Nähe der hessischen Landtagswahlen kündigt sich immer deutlicher an. Die Liste der Kandidaten rn den einzelnen Wahlkreisen ist zwar noch nicht ganz -ertig, aber das Bestreben, sie endlich fertigzuftellen, zeigt ich allenthalben. Auch einzelne Parteien, wie Zentrum inb Nationalliberale, sind mit ihren Wahlaufrufen schon mf den Plan getreten. Auf der nationalliberalen Landes- Versammlung in Darmstadt äußerten sich die Herren Osann, Älässing und Stresemann am vorigen Sonntage recht ein gehend über die Hauptfragen, die das politiscl-e Leben in Hessen und ün Reiche beherrschen, insbesondere über das Wahlrecht. Neues brachten die drei Redner ja eigentlich Nicht, tonnten es auch nicht bringen. Für sie galt es nur, 2urz vor den Wahlen noch einmal den Standpunkt der «atioualliberalen Partei in den einzelnen politischen Fragen zu fixieren. Den Gegnern der Nationalliberalen l)at das natürlich erwünschte Gelegenheit gegeben, in sattsam be- lannter Weise die Haltung der Nationalliberalen zu kriti- pteren und zu verdammen. Neues hat man auch von üiefer Seite nicht vorzubringen vermocht, und die Ansichten über die hessische Wahlrechtsvorlage und über den Wert oder Unwert der nationalliberalen Verständigungsversuche scheinen nach wie vor weit auseinander zu gehen. Was ■ uf der einen Seite als Preisgabe wichtiger Volksrechte verschrieen wird, das bezeichnet die andere Seite als einzig ; möglichen Weg, um zum direkten Wahlrechte in Hessen jii gelangen. Es zeigt sich auch in diesem Falle wieder, i nie wenig positiven Wert eigentlich alles Hin- und Her- ebatticren in politischen Fragen hat. Man überzeugt . jemand. Das Wahre oder Falsche einer Weltanschauung Haßt sich auf dem Wege bloßer Dialektik nicht darlegen. in jeder sieht und hört in allem mir das, was er sehen i mb hören möchte. Schlimmer als diese Unredlichkeit gegen s ich selbst ist jene andere, die den Gegner aus taktischen ' Gründen herabzusetzen sucht. So verdächtigt man nun ldic Nationalliberalen, weil sie in einigen Wahlkreisen mit dem Zentrum gehen, als ob nicht auch eine jede andere Partei die ihr günstigste Konstellation auszunützen bereit ix’äre. In einem jeden Wahlkreise gestalten sich die Verhältnisse anders, weil nicht nur die Bediirfnisse der Wähler, | andern auch die Machtverhältnisse der einzelnen Parteien »erschieden sind. Das innerste Wesen einer Partei wird teurd) solche Gelegenheitskompromisse doch nidjt verändert. Tas weiß mhn auch in jeder Partei ganz genau, und wenn man die Geschichte der einzelnen Parteien und ihre Wahlkampfe betrachtet, dann stößt man auf die seltsamsten Kom- b inationen. Mit reinem Theoretisieren ist es hier also iricht getan; das wirkliche Leben und seine sehr realen
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mit viel Zartgefühl und liebender Sorgfalt recht glücklich' verwertet hat. Auch das gut erfaßte Bauernbild Vor dem Wetter möchte ich hervorheben. Ein sehr beachtenswertes Bild, das stark an französisd)e Schulung erinnert, ist dass farbeirreid)C Am Fenster von Anna Beyer in Darmstadt, bei dem besonders die Behandlung der Lichter vons eigenartigem Reiz und einer graziösen Nonchalance ist, die ein sehr starkes Talent verraten und nodj viel erwarten lassen.
toidjer und flott in der Zeichnung sind auch die; fressenden Hasen des Karlsruher E. Eimer und daS allerliebste Blumen pflücken von Richard Hölscher in Darmstadt, von dessen weiteren Bildern ick) noch Ziehende Schatten, Wanderung und Die Korb- träger in erwähne. Ein anmutiges Bild ist auch der? Markt bei Nacht von Rud. Poe schm an n in Dresden; und Früh sonne im Wald von E. Selzam in Utting, dessen Selbstbildnis ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf.
Als vortrefflicher Ntaler weiblicher Akte ist der Weimarer Ludwig von Hofmann schon lange bekannt und gewürdigt, und seine besondere Vorliebe für badende Weiber; kommt auch hier zur (Geltung. Sein Nymphen bad ist von erstaunlicher Wirkung, doch scheint mir die Komposition des Dtittelgrundes nicht einwandsfrei zu fein, besonders die Gestalt, die an dem Baume steht, verbindet sich mit diesem zu einiger Unklarheit. Auch die Farbengebung des Bildes erinnert zu sehr an Freskomalerei, um als Oelbild vollkommen zu sein. Weit bedeutender sind die Tänze, 6 Wandbilder des Künstlers, dessen liebstes Motiv die Schönheit des Körpers, der edle Kultus des nackten Menschen ist. Und gerade darin leistet Hofmann ja sein bo denkendstes. Die Art, wie er den warmen Ton der straffen Haut zu geben weiß, wie er feine Gestalten hinstellt, wie jede Muskel und jeder Mrv lebt, das ist seine eigentlichste Kunst, in der ertast unerreicht ist.
Bon ganz anderer Art ist der Impressionist Schmoll von (Äsenwert h, der eigentlich nur Gefühlswerte in Farben gibt, die ein eingehendes Versenken erfordern, wenn man sie verstehen, wenn man ihnen gerecht werden will; denn er gibt nur Stimmungen, die der Beschauer in sich beleben muß, wenn er rum Verständnis kommen will. Am gelungen sten von seinen ausgestellten Bildern ist wohl dep Spaziergang, das ungemein wirkungsvolle Bildchen Das werße Kleid und dann Abendfriede Dicht neben dem Spaziergang hängen brei Bilder, die sich scharf von ihrer Umgebung abfvndern; Bilder, an denen die mellten achtlos vorubergehen, oder achselzuckend rasch darüber Hirn,
gewisser Seite die Ausstellung in Bausch und Bogen gelobt wird, verrät nicht nur einen merkwürdigen Tiefstand im künstlerischen Urteilen, sondern auch einen ungesunden Par- tikularismus, wenn nicht gar mehr. In Wirklichkeit aber wird die ganze Gemäldeausstelluna nur von einigen wenigen längst bekannten Künstlern gehalten, wie von Bantzer, Bracht, O. H. Engel, Harburger, H. Heim, L. v. Hofmann und einigen anderen, von denen mir der junge G. Alt he im als Der weitaus bedeutendste erscheint. Kein zweites Bild der Ausstellung hat mir einen derartigen Eindruck hinterlassen, wie sein kleines Nachtbild, das man merkwürdig schlecht untergebracht hat. Die Mehrzahl der Besucher wird ed wohl übersehen, umso mehr als es trotz seines seinen, märchenhaften Stimmungsreizes von zu entschiedener Eigenart ist, um bei dem flüchtigen Besucher, der nur „gesehen haben" will, Verständnis zu finden. Auch seine Mondnacht im Vogelsberg ist ein wertvolles Bild. Altheims Farbensinn ist so sensitiv-vornehm und so fein abgewogen, daß ihm darin feiner der übrigen Aussteller gleichtommt, am wenigsten der neuerdings zu Unrecht DirigentIjnite Beithan aus Sprendlingen, der mit sehr zweiselhastem Erfolg Bantzer nacheifert.
Im Gegenfatz zu dem stimmungsvollen Lyriker Altheim steht der markige, kraftvolle Dresdener Professor B a n tz e r, dessen H e s s i s ch e n B a u e r n t a n z und Hoch- zeits sch maus mit chren leuchtenden, fast grellen Farven schon seit Zähren bekannt und geschätzt sind. Der Bauerntanz mit feinem verhaltenen Rhythmus, unter dem es glüht und lebt von Freude und Leidenschaft und dem doch ein gelinder Zug von sentimentalem Ernst nicht fremd ist, dieser Bauerntanz scheint mir das wertvollste von Bantzers ausgestellten Werien zu sein. Wohl ist das große, scharf komponierte Bild, das Hessische Dauern darstellt, von einer bewunderungswürdigen Beobad)tung, einer meisterhaften Charakterisierung, aber es ist im Grunde doch nur eine große Studie, ein Bild, das man wohl mit Recht bewundert, aber seinen Bauewuanz m. E. nicht ganz erreicht, obwohl es von anderen höher bewerte! nxirb. Ich nerreirne babei ganz unb gar rncht feine wuchtige Größe, aber ich glaube nicht, baß es ben Höhepunkt im -schaffen bes Künstlers barstellt. Bedeutend ist sein Frauenbild- nis, bas von ganz hervorragender Behandlung ist.
Ein recht gutes Bild, das die ihm in so reichem Maße erwiesene Beachtung vollauf verdient, ist das enq^uibfante, vorzüglich gearbeitete Bild des Müncheners Melchior Kern, Mutter und Kind, in dem der Künstler das Jahr- tausende alte Motiv der Mutterliebe, als deren Ausdruck wir ja auch die zahllosen Madonnenbilder anzusehen haben.
Die freie ttunst auf der Landesausstellung, ii.
Die M alerei.
Das Manöver des 18. Armeekorps, u.
Die Schlacht am Galgenberg. Biedenkopf, 17. Sept.
Nachdem gestern noch einmal ein Rasttag unseren jetzt sehr angestrengten Soldaten Gelegenheit gab, sich auf neue Anstrengungen vorzubereiten, fingen beule im Divisions- verbande die großen llebungen an. Es lieht kriegerisch aus im Hinterlande. An allen Haustüren kleben die Zetiel, die Zahl und Art der Einquartierung anzeigcn. Früher machte man sich diese Arbeit leidster. Da nahni der Fourier ein Stück Kreide und malte die Zahl an die Haustüre. Zetzt wird ein Zettel angellebt, aus dem u ad) Rmig und Stand die Gäste säuberlid) ausgezeichnet sind.
Die 9tod)t war noch nicht dem Tage gewichen, als inr Norden bei Laasphe und Biedenkopf und im bilden bei Manderbach und Harterod die Hörner zum Sainmeln riefen. Im Norden sammelte sich die blaue Partei, im Süden stua Role. Die Blauen unter Generalmajor v. Francois, sind die Infanterie-Regimenter Nr. 115, 116 und 168, das Dragoner-Regiment Nr. 24 und die 25 er Feldarlillcrie; i)u? Roten unter Generalmajor v. Tietlein setzten sich aus den 117 em, 118 ern, den 24. Dragonern und der Feldartillerie Nr. 63 zusammen. Für den Tag hatte Oberst v. Huticrr die Führung von Blau, Oberst v. Schlutterbach die von Not übernommen.
Mr folgen zunächst ben Bewegungen der roten Abteilung. Diese sammelte sich vorwärts Breidenbach und trat von hier aus den Vormarsch in südwestlicher Zkichtung an. Nack) der rechten Flanke holten Patrouillen bis über Hessel-i bach, links bis über Dautphe aus. Die Ausllärung war um so schwieriger, je unsichtiger die Luft und fe durch-
Blatt 158.Jahrgang Samstag 19. September 1908
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Mesentlid) reidchaltiger als die feine Sammlung der PSastiten ist die Gemäldeausstellung, aber neben manchem ; jitbcutenben Bildwerk, das gleicherweise Künstler und Aus- ■ stillung ehrt, ist gar manches mitgegangen, tvaS besser im ■ st illeu Winkel der Werkstätte geblieben wäre Es soll da- B iinit nicht gesagt sein, daß diese Bilder überhaupt wertlos || t»iren — für ben Bllbner mögen sie immerhin einen ge- [I iveissen EntwialungSwert haben - aber bei der übergroßen I Luzahl der ausgestellten Tafelbilder wäre eine strengere I Auswahl durchaus am Platze gewesen, und selbst dann, ' :wnn man von bem besdstänkten Jia um absehen will. Mau ■ iDiire bainit aud) den Besuchern entgegen gekommen und Hütte ihnen viel Zeit erspart, beim nicht jeber ist in Der stitcklichcil Lage, sich tagelang in der Ausstellung anfzio- heilten, um in ein richtiges Verhältnis zu ihr zu kommen, inb and) nidjt jedem ist es gegeben, sofort mit scharfem Mick das Wesentliche und Wen gebende von dem Unwesen t- luhen und Belanglosen zu trennen. Don den ausgestellten : HO Bildern aber hätte mindestens die Hälfte, wenn nickst nichr, mhig fortbleiben können, beim es darf nicht der t ->ed einer Ausstellung sein, möglichst vieles zu bringen, : um ein paar Eitel leiten großzuziehen, lvas im Darmstadt, ofelleidit unbeabsichtigt, aber doch offensichtlich ge,d)ehen Hin. Dazu kommt noch, daß manche vollständig unzulang- !ihen Bilder, wie die fünfzehn Riesengemalde dev
Idvnerd Karl Küstner mit ihrer anmaßenden Handfertig feit weit besseren Werken den 'Raum wegnehmen, wahrend ji.h wirklid) künstlerisd)e Leistungen, ttne Die des ^arm- lubterö G Altheim z. B., mit einem ganz bescheidenen Lünkelcheii begnügen müssen, lleberhaupt laßt die Platz- D*rteilung sehr zu wünschen übrig, und ich kann nicht em- jc^en, warnni nun nicht kurzerhand den minderwertigen Tmd ab gewiesen hat, ivo man dod) genau nber Die ve- icüränkten Raumverhältnisse untcrrid)tet war. So i)t Der ■ ernte Eindruck zugleid) der schlechteste, denn es verrat außer ! ösm schon gerügten Mißständen auch eine auffällige Uuftcher- b*it und Unfertig feit, die man, wie bei vielem anberen, ; loo aud) vorzugsweise bei dem Arbeiterdorf wohltuend ver- ! nutzte. Wie ist dagegen in den Mumen für die freie Küiift 1 viieles beengt und gezwängt, wie macht sich das BanauM- : tum so dreist und anmaßend breit und welch seine, wertvolle Sammlung hätte man zustande bringen können, menn nun — ich will nicht sagen verständiger — lonbern incnn
-iner Sendung ifc" euren Blunieukostd it, Wirsing und M i wird billig verte" ___________ÜllW!.- örennhi! Igeichnilleiies Schice:
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die Marokkofrage den Mächten überreicht, und man wird nun demnächst erfahren, wie diese sich zu ben red)t ül'cr- triebenen Forberungen Frankreichs stellen. ES ist nicht ohne weiteres anzunehmen, daß die Mächte alle Wünsche Frankreichs erfüllen werden.
Die Entscheidung auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Nürnberg über die unbotmäßigen süddeutschen Genossen ist so gefallen, iuie man von Anfang an erwarten mußte: die sübbeillschen Budgetbewilliger wurden überstimmt, nachdem man sich drei Tage lang weidlich gezankt hatte. Es waren wahre Schimpflage, die wieder einmal offenbart haben, daß auch in der Partei der Gleichheit und Brüderlichkeit Haß und Feindschaft herrsd)en. Trotzdem wird es aud) dieses Mal schwerlich zur Spaltung kommen, und wenn auch, nxis hätte die bürgerliche Welt dadurch gewonnen? Unser vielspältiges politisd-es Parteileben wäre um eine Fraktion bcreid)ert, der Sozialismus hätte eine Nuance mehr. Aber dazu wird es, wie gesagt, wohl kaum noch kommen. Man ist überstimmt worden, aber man wird sich wohl hüten, hieraus die Konsequenzen zu ziehen, schon mit Rücksicht auf den gemeinsamen Todfeind, die bürgerliche Gesellschaft.
E. A.
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