Ausgabe 
18.6.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 141

DieSiebener Zamilienblätter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« frage»" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

RedaktioniS^H^, Tel.-Adr.: AnzeigerDießem

Zweites Blatt 1S8. Jahrgang Donnerstag 18. Jnm 1908

«rfchetnt tSgNch mit Ausnahme des Sonntag«. A A ^.A Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

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General-Anzeiger für Oberhejsen

j)olitische Lagesscha«.

Genossenschaftswesen.

Der Verband süddeutscher Konsumvereine, welchen die meisten Vereine in Bayern, Württemberg, Baden, Groß. Herzogtum Hessen, Hessen-Nassau und dem Reichslande an­gehören, berichtet für das abgelaufene Jahr in feinem 42 ten Geschäftsjahr: Dem Verbände gehörten Ende 1907: 208 Vereine (1906: 180) mit 176 022 Mitglieder (1906: 147 171) an. Im Laufe des Berichtsjahres war aus dem Großherzog, tum Hessen neu beigetreten Rod he im v. d. H. Aus Hessen gehören dem Verbände jetzt an: 26 Vereine mit 15218 Mitgliedern (1906: 12 075) hiervon entfallen aus selbständige Gewerbetreibende und Landwirte: 617, auf Beamte, Be­dienstete und freien Berufen; 1445, auf solche, die gegen Ge­halt oder Lohn beschäftigt find: 100 200. Dec Gesamtum­satz betrug 48 003 747 Mk. (1906: 40166 926). Der Brutto­ertrag ergab 7 810 111 Mk. (1906: 6 679510); für Hessen: 510 488 (1906: 406 508). Die Geschäftskosten betrugen ins­gesamt: 3377 698; für Hessen: 290 708 (1906: 197 933 M.) An Steuern wurden insgesamt gezahlt: 420 076 Mk. in Hessen: 385 Mk. (1906: 165). Die Klcinerübrigungen be­trugen insgesamt 3 432 413 Mk. (3 259 376); für Hessen: 219 780 (1906: 206 575). Die Aktiven wie Passiven bilan­zieren mit 19 212 923 Mk. (1906: 15 976 760).

Finnland auf dem Wege zum russischen Gouvernement.

Aus HelsingforS schreibt man der Nuss. Korresp. unter dem 10. Juni: Nun fühlen wir schon das schwere Joch der jetzigen russische,: Regierung in vollem Maße. Nicht auf dem Wege durch Duma und Reichsrat, sondern in der Ordnung von Art. 10 und 11 der Grundsätze ift das neue Gesetz für Finnland rechtskräftig geworden. Von allen Feinden des Großfürstentums und reaktionäreu Elementen des russischen Reiches seit lange propagiert und ersehnt, greift es in die bisherige konstitutionell-autonome Staatsordnung des viel­geprüften Landes in einschneidender Weise ein. Von jetzt ab kann jede Maßnahme, die vom finnischen Senat, vom Land­tage, von den Petitionen der finnischen Bürgerschaft in Vor­schlag gebracht wird, vom russischen Ministerpräsidenten be­anstandet werden; der Vorwand von derGemeinsamkeit der Neichsintecessen" schafft unbegrenzte Möglichkriten. Um die Rechte des Monarchen handelt es sich ganz und gar nicht, ob er sie nun als russischer Zar oder als finnischer Großfürst auSüben mag, aber das Fürstentum ist bereits bis zu einem gewissen Grad dem Gesamtreiche unterstellt worden. Eines der wesentlichsten Attribute der finnischen Konstitutionen war der direkte Vortrag des finnischen Staatssekretärs beim Zaren; nun hat man diesem Zustand ein Ende gemacht und, wie hie Feinde Finnlands frohlockend sich ausdrückten, Finnland zu rinemrussischen Gouvernement" degradiert. Durch einen bureaukratischen Fcderzug wird wiederum das traditionelle verhalten gegen Finnland aufgehoben. Die neue Ordnung entfernt sich meUemueit von der durch den UkaS von 1801 gewährleisteten und noch mehr von dem Zarenmanifest vom 22. Oktober 1905. War die finnische Frage eine Zeit lang zur Freude aller Kulturträger gelöst, so taucht sie jetzt als drohendes Gespenst empor.

hessische Erste Kammer.

Darmstadt, 17. Quni.

Am Ministerttsch: Finanzminister Gnauth, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, Ministerialräle Tr. B e ck e r und S ü f f e r 1, später Minister Braun.

Vie Zrühlmgsseier der hessischen Nirchengesang- vereine.

Aus Speycr wird uns geschrieben:

Ter Ausflug mer Hess. Kirchengesangvereine fand am Sonntag dem 14. Juni statt. Eine gemeinsame Frühlings­feier wollten hier 15 hessische Kirchenchöre in der herr­lichen Gedächtniskirche abhalten. Die Zahl der Festteil­nehmer erreichte die .Höhe von 530 Sängerinnen und Sängern und etwa 400 inaktiven Mitgliedern.

In der Gedächtniskirche erklärte Professor D. Gümbel den gewaltigen Bau. Nach einer zur Einnahme des Mittags­mahles bestimmten Pause nahm der Festgottesdienst seinen Anfang. Mit der Psingstsonate von Herzog setzte die Orgel mächtig ein. Oberlehrer Budcnbender als Organist wußte ihr herrliche Klangwirkungen zu entlocken. Der Gesamt­chor stand unter der Leitung des Gymnasiallehrers Mohr- Bensheim. Neben ihm wirkte noch mit der Kirchenchor von Speyer unter der Führung des Hauptlehrers Keßler. Aus hunderten von Kehlen in kunstvollen Tonsätzen von Schulz, Schmidlin, Arnold Mendelssohn u. a. schallten uns entgegen die alten Frühlings- und Sommerlieder von Matth. Claudius:Wir pflügen und wir streuen", von Paul Ger­hardt:Geh aus, mein Herz und suche Freud", von Luther: Die beste Zeit im Jahr ist mein", von v. Schenkendorff: Ostern, Ostern, Frühlingswehen", von B. Schmolck: Schmückt das Fest mit Maien". Auch Volkslieder ly^rcn unter den Darbietungen des Chors, das von dem Gerhardt- komponisten Mergner in Töne gesetzte:Der Mare, der Mare bringt uns der Blümlein viel" und das Volkslied:Schönster Herr Jesu" in seinem ergreifenden Piano.

Zuletzt kleidete das, was uns rn dieser Feierstunde innerlich bewegte, in Gedanken und Worte Professor D. Dr. Julius Smend-Straßburg. . . o, .

Man schloß die Ferer mit dem gcmermamen Liede: Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit; Lob' rhn mit Schalle, dank ihm, o Christenheit!"

An die Frühlingsfeier schloß srch eine Besichtigung des Tomes. Eine Nachversammlung im Freren bildete rm Wechsel von musikalischen Darbietungen und Ansprachen einen würdigen Abschluß der Feier.^ Tekan Hoffmann richtete Worte der Begrüßung an dre §estgaste und dankte fiir die Anregungen, die die Speyerer Gemenrde durch dre hessischen Kirchenchöre empfangen habe. Als Bertr^er oes hessischen Oberkonsistoriums und des evangelischen Krrchen- gesangvererns Mr Hessen sprach, Prälat L-. Mrrng-

Präsident Graf Görtz, gen. v. Schlitz eröffnet die Sitzung um IO1/. Uhr und qebenrt zunächst des Ablebens des Mitgliedes Grafen Arthur zu E r b a ch - C r b a ch. Bei den warmherzigen Worten des Nachrufs hat sich das Haas von den Plätzen erhoben.

Der Präsident gibt dann _ die Mitteilung des Staatsininiste- riums bekannt, daß der Gro ßh erzog am nächsten SamStag den 3 3. L a n v t a g persönlich schließen würde. Darauf tritt die Kammer in die Tagesordnung ein und genehmigt ohne Debatte mehrere von der Zweiten Kammer angenommenen Rech- mmasablagen rc., auch die Negiermigsvorlage, belr. die Ver­änderung der Räume der Erst en' Kammer, ,vosür 17 100 Mk. bewilligt werden. Eine längere Debatte entivicfelt sich bei Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. die

Fiirsorgckasfe

für die Beamten und Bediensteten der Landgemeinden und weiteren Komnumalverba'nde.

Präsident Lipp old macht in der Debatte juristische Bedenken darüber gellend, daß in dem Gesetzentwurf in den Bestimmungen, die über den Verlust der Pension eines Kassemiiitgliedes handeln, einmal von demeigenen Verschulden" des Betreffenden und an anderer Stelle vonnicht ohne eigenes Verschulden" re. gesprochen werde. Tas könne leicht zu Unklarheiten führen.

. Minister des Innern von B r a u n bittet, bei der jetzigen drängenden Zeit von einer loeiteren Verfolgung der vom Vor­redner gegebenen Anregimg Abstand 511 nehmen Stach einigen weiteren unwesentlichen Bemerkungen wird der Gesetzentwurf und) den Beschlüssen der zweiten Kammer angenommen, desgleichen der Gesetzentwurf, belr. die Slrafanteile zur Belohnung des Aussichts- personals.

Ohne Debatte nimmt das Haus den Gesetzentwurf über die Abändertmg des H a n d e l s k a m m e r g e f e tz e s, die Acnderung des Gesetzes über die W 0 h n n ti g s f ü r s 0 r g e für Minder­bemittelte und einige andere Vorlagen an.

Bei Beraümg der Regierungsvorlage, betr. die Herstellung mehrerer Nebenbahnen, macht Abg. Frhr. von H e y l längere Ausführungen unter Hin- iveis ans die diesbezüglichen Verhandlungen in dec Zweiten Kammer. Der Finanzmiilister habe bei dieser Gelegenheit nicht verschwiegen, daß eventuell eine Steuererhöhnng notwendig werden würde. Ter Anöfchuß habe aber trotzdem der Nebenbahiivorlage zugestimmt, weil sie für die betreffenden Landestelle uon großer wirtichaftlicher Bedeutung sei. Ter Redner bespricht dann em- gehend die Broschüre des früheren Eisenbahiidtrektors Grooß, die in Verbindung mit den Debatten in der andern Kammer wohl den Erfolg Haden würde, bei den andern süddeutschen ©tonten Preußen gegenüber Bedenken zu erwecken. A>i dem Koiikurrenzkampf gegen die Hessische Ludwigsbahn habe and) die Mam-Neckarbahn Anteil gehabt und somit habe damals Baden, ebeilso wie Hessen, Preußen zugestiulmt. Der Redner führt diesen Gedanken nod) weiter aus und belont, er habe sich mit Befriedigung davon überzeugt, daß die Eiseilbahngenleinschaft 1 in ihren Einrichtungen und and) bez. der Gehaltsaufbesserung hervorragendes leiste. 9)lon dürfe wohl erwarten, daß die Aiigriffe gegen sie and) eine gebührende Ant­wort finden iverden.

Bankdirektor P a r k u § hebt hervor, die Verhältnisse bez. der Hessischen Llldwigsbahn.seien früher gar nicht so übler Natur ge* wesen, wie es jetzt vielfach dargestellt werde.

Das Halis summt daralii dem Gesetzentipßef und einer vom Ausschuß beantragten Resollitioii zu, die dahin lautet, die Regierung au ersuchen, in Berücksichtigung der Interessen der G e 111 e i n b e R imba ch dahin zu wirken, daß cnliuebcr der Personen- und Güterbahnhoi 311 Oueck ein Stück weiter nördlich oder der Per­sonen« lind Güterbahllhof von Ober-Wegfllrth ein Stück weiter süd­lich nn Rimbach verlegt wird. Tem Beschluß der Z,veilen Kanuiier bezüglich der ©cmeinbe isselsbach trat die Kammer bei. Be­züglich der Negiermigsvorlage, betr. die W 0 h n u n g s f ü c s 0 r ge für Unbemittelte wünscht Frhr. v. Hehl eine stärkere Heran­ziehung der LandeSkreditkasse.

Tas Haus stinnnt darauf diesem Gesetzentwurf, ferner der Ab­änderung des Bad)gesetzes, luobei einige Abänderungen beschlossen iverden imd den übrigen Gegenständen nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer zu.

Nachdem Minister Braun dem Hause nod) eine Einladung zum Bestich der Landesausstellung für Freitag nachmittag über­mittelt, ivird die Sitzung abgebrochen und auf Freitag vorniittag 10 Uhr vertagt.

Darmstadt. Oberlonsistorialrat D. Ney-Speyer begrüßte die Kirchenchöre von Hessen im Namen des pfälzischen Ober- konfistoriums. Detan Bayer-Groß-Gerau faßte nod) ein­mal zum Schluß den Eindruck der Feier zusammen und sprach den Dank der hessischen Kirchengesangvereine für die empfangene Gastfreundschaft in Speyer aus.

Der Kaiser als Imperator. Walter Schotts im Auftrage des Kaisers modellierte Jmperatorcnstattte findet in einem großen Oelbilde des Professors Gustav Eberlein ein Seitenstück, das Wilhelm II. ebenfalls im Imperatorenkostüm darstellt. Das im Zeitgeschmack des Barock gehaltene, überlebensgroße Bild zeigt den Kaiser, an­getan mit wallendem Kriegsmantel, goldener Rüstung und Beinschienen, hoch zu Roß inmitten einer heroischen Land­schaft. Tas Haupt ist unbehelmt; die Rechte hält den Feldherrnstab.

Bon der Gebhardt-Feier in Düsseldorf. Man schreibt uns aus Düsseldorf: In schlichter, doch würdiger Weise haben Bürgerschaft und Künstler, chaft den 7 0. Geburtstag von Professor Eduard von Gebhardt gefeiert. Lichtbildervorsührungen, die einen umfassenden Einblick in das reiche Leben Gebhardts gestatteten, und die Festrede des Professors Dr. Kraeger schlugen das Buch seines Lebens vor ihm auf. Da saß er nun, der Meister, und hörte erstaunt und erfreut zu, was sie ihm, so gut sie's vermochten, ans dem offenen Buche vorlasen. Als den Heliand in Farben" feierten sie ihn mit den Worten des Doktordiploms der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Straßburg, die ihn zum Doctor theo- logiae hon. c. ernannt hat, weil es ihn, roie vor tausend Jahren denHeliand"-Sachsen zu seinen Liedern, so unfern Meister zu seinen Bildern drängte, um ihnen, wie derHeliand" es getan, statt orientalisch oder italienisch deutsch zu reden über das, was ihn in Leben und Lehre künstlerisd) erregt hatte.

Die berühmte Opernsängerin Erika Wedekind wird der Hofoper zu Dresden, wie wir bereits kurz meldeten, nur noch bis zum nächsten Jahre angehören. In ihrem Willen liegt es nicht, die Dresdner Oper zu ver­lassen. Sie führt dort ein glückliches Familienleben mit ihrem Gaipeil, dem Eisenbahnftnanzrat Dr. Oschwald, einem Schweizer von Geburt, dessen Anstellung im sächs. Staats­dienste jie vor Jahren £U erwirken vermochte. Erika Wedekind, die Schwester von Frank und von Donald Wede­kind, dem kürzlich durch Selbstmord, Ms, dM LebM Ge-

hessische oweite Kammer.

Darmstadt, 17. Juni.

Am Regierungstifch: Staatsmiitister E w a l d, Minister des: Innern Braun, iiub mehrere Ministerialräte.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest Vizepräsident .Köh­ler ein Schreiben des Großh. Staatsministeriuins, worin dasselbe) dem Hause die Mitteilung macht, daß der Gwßher-og beschlossensi hat, den 3 3. Landtag am Samstag, den 2 0. Juni,! vormittags 1212 Uhr im G r 0 ß h. S ch l 0 s f e p c r f ö n 11 ch zu schließen.

Nach Eintritt in die Tagesordnung wird die Regierungs.s Vorlage, belr. die

Beränsstrung Malischen Geländes in Rockenberg, dem Aussd-ußanlrag entsprechend, genehmigt. Auch die Regie-! rungsvorlage, die Nachweisungen über die Einnahmen und Aus­gaben an Domanial- und Staatsoermögen usw. für die Finanz- Periode 1903/0-1 ivird debattelos genehmigt.

Das Haus fetzt daraus die gestern nbgebrod>ene Debatte uoeri die Anträge Köhler und Ulrich, belr.

die Ansfiihrnngkbestimmnugen zum NeichsvereinSgesetz fort. Minister des Innern Braun nimmt zuerst das Wart' und wendet >ich zunächst gegen die Ausfüllungen des Abg. Ulrich.- Wenn bcrielbe gestern bezweifelte, daß eine telefonische Amnel-i düng einer Versammlung a:s genügend erachtet werde, so eiv kläre er diesen Zweifel für unbegründet, ließet die Form der 21 n/ zeige sei im. 8 u nichts näheres bestimmt, es könne demnad) alfof jede Form der Anzeige zur Anwendung komnten. Es ivcrde in den Ausiuhrungsbcstimmungen besonders gesagt, daß eine münd­liche Anzeige genüge und dazu rechne er auch die telefonische, i Ferner fei auch die Befürchtung Ulrichs unbegründet, daß eine Versammlung infolge einer verspäteten Anmeldung ixi Auflösung verfallen könnte. Es iverde im Gesetz ausdrücklich festgest.ckt,I daß eine nicht erfolgte Anmeldung an sich kein Grund zur Auf--! lösung der Versammlung sei. Tie weitere Aeußerung Ulridts,; daß über die Ansicht des Ministers die Entfckieionng des Richters stehe, sei ja wohl richtig, aber der an diese Tatsache geknüpfte Vorwurf treffe weniger den Minister oder den Richter, sondern das Gesetz selbst, weil es nicht alle Einzelheiten gemigenb behandelt! habe. Dafür seien nun aber die Ausführungsoestimmnngen er-f lassen worden; im übrigen könne auch niemand dem Minister das; Recht nehmen, seine Ausiichtsorgane mit entsprechenden Weisungen zu versehen. Dementsprechend würden auch die unteren Organe, löie die Gendarmen, entsprechende Anweisungen erl-alten. Der Wunsch des Abg. Ulrich, neben den Ausführungsbestimmnugen auch noch ein Aussühvungs gesek zu erlassen, würbe tritt dem Reichsvereinsgesetz unvereinbar fein.

Abg. Dr. Osann iegt dar, daß sich die allgemeine Erlvarttingtt die Aussührungsbestimmungen wurden überall im Reiche einheil-' lich geregelt werden, leider nicht erfüllt habe. Diese Aussührungs^ bestimmungen feien in den Einzelstaaien sehr verschieden lallen und nicht einmal in den süddeutschen Staaten wurde eines Einheitlichkeit erreicht. Es werde sich außer dem Juristen wohl überhaupt niemand durch die zahllosen Bestimmungen und Verordn mxngen hindurchfinden und von den Gendarmen und auch voirj den Bürgermeistern werde man das erst recht nickst verlangen können.! Auch er, Redner, hätte eS für besser gehalten, wenn man sich! auch in Hessen mit der Anmeldung bei der OrtSpolizeibehörde gnügt hätte. Jetzt sei die Anmeldung von Bersammlungcn fehy umständlich. Der Redner führte für diese Behauptung eine Reihe von Einzelfällen aus den Ausführungsbestimmungeu näher an. Redner bebauen ferner, daß daS Auchchreiben des Ministeriums nur in der Darmstädter Zeitung publiziert worden sei: das fei völlig ungenügend gewesen. Trotz dieser und anderer Mißver-f hältnisse meint der Redner zum Schluß, dürfe man aber auch, offen anerkennen, daß daS Reichsgefctz auch' mancherlei Gutes hinsichtlich der freihettlich.n gesetzlichen Ausgestaltung gebracht habest Minister des Innern Braun wendet sich gegen einzelne Vorwürfe des Vorredners und bemerkt, auch dessen Bemängelung, der vielen Bestimmungen treffe wiederum das Gesetz selber. Tiej Regierung habe gerade deshalb, weit das Gesetz so schwierig und umiangreich sei, sehr aussührliche Bestimmungen darüber erlassen! uns fine große Anzahl offen gelassener Fragen beantworten müssen.! Die Regierung sei fick, allerdings darüber klar gewesen, daß sie damit manck-em politischen Redner das Konzept vorweg genommen und seine weisen Ratschläge überflüssig gemacht habe. Die Ver­hältnisse würden sich viel ungünstiger gestalten müssen, wenn die genauen AuSführungSbestimmungen nicht erlassen worden würenst schiedenen, ist die Tochter eines 1888 in Hannover verstör-' denen Arztes. Im Jahre 1891 bezog sie das Dresdner: Konservatorium. Als sie int März 1894, also nach kaum dreijährigem Studium, in einem Dresdner Wohltätigleits­konzert oie große Szene aus BellinisNorma" sang, er­regte sie sofort die Aufmerksamkeit des Intendanten! Grafen Seebach und des Generalmusiidircktors von Schuchs Ein Probegastspiel in denLustigen Weibern Don Windsor'^ führte zu ihrer Anstellung an der Hofbühne, der sie feitoenti angehört.

München. Das am 11. Juni erschienene Heft der! Illustrierten Zeitung" (Nr. 3389) istMünchen und der' Ausstellung München 1908" gewidmet. Der Oberbürger­meister der bayerischen Hauptstadt, Dr. W. von Borsch,« spricht in einem ausführlichen Artikel über die Ausstellung, Frhr. v. Pechmann überNeue Wege der Kunst aus devj Ausstellung", Prof. Max Littmaun und Georg Fuchs über' das Künstlertheater, Braungart über dieMünchener Herbst­festspiele, E. W. Bredt charakterisiert München als Kunst­stadt, Schauinburg-München als Feststadt, Georg Jakob Wolf München als Kunstwerk. Emma Haushoser-Mcrk schildert' die echten Münchner", Carry Brachvogeldie Münchnerin"/ Dr. Michael Georg Conraddie Münchner Arbeiterseele", Wilhelm Michel binMünchner Fasching", Kurt Aram die, Sck)wabinger Boheme". Rüttenauer macht uns mit der Münchener Landschaft bekannt, Tr. Dessauer mit Münchens Stellung zum Alpinismus. Dazu kommen Gedichte und Erzählungen erster Münchener Schriftsteller wie Max Beru- stetn, Max Halbe, Georg Hirschfeld, Marie Jauitschek, Wil­helm Jensen, Konrad Dreher, Ernst von Possart, Edgar Steiger, Josef Ruederer u. a. Erwähnenswert ist auch ein Artikel von Willy Rath überJugend und Simpli- zissimus". Diesem reidjen textlichen Inhalt stellt sich ein zum Teil farbig reproduziertes Bildermaterial würdig an die Seite. Samberger, Hermann Kaulbach, Seitz, Defregger, Stuck, A. v. Keller, Fritz August v. Kaulbach, Marr, llyde, Petersen, Hildebrand, Willroider, Zumbusch, Eichler, Frhr. v. Habermann, Hans v. Bartels, Erler, Püttner, Tiez, Nie- merschmid, Erler-Samaden, Zügel, Schramm Zittau, Nez- nicef, Gulbrausson, Thöny, Rudolf Wilke, Th. Th. Heine sind durch charakteristische Werke vertreten. Ferner sind noch die Illustrationen der Ausstellung selbst z-> erwähnen: uno der in der üblichen Weise ausgestaitele. aktuelle Teil' des HeftLss , . -