Ausgabe 
17.10.1908 Zweites Blatt
 
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f&tngcbcnbe ltnterffi$ung her Freisinnige:' bett naffonnftibcralcu Uandidaten .öcgiigenftacbt zu tvählen, nachdem es die freisinnige Partei mit Rücksicht auf den Umstand, das; man beit Nationat- liberalcti bezüglich ihres Eintretens für einen freisinnigen Kandi­daten nicht ganz traute, abgclehnr habe, als gemeinsamen .standt- daten Dr. Gutfleifch aufzustellen. Bei der letzten Wahl habe man Heyligenftaedl wiederum bedingungslos unterstützt. Tie Nie­derlage von 1884 sei dadurch verursacht worden, daß damals die freisinnige Gießener Bürgerschaft auch im Lairdtag emen frei­sinnigen Abgeordneten hätte haben wollen und sich auch gewählt hätten. Deshalb hätten damals die Nationalliberalen den frei­sinnigen Abgeordneten hätte haben wollen, uns auch gewählt stelzten Landtagswahl habe man eine gleichmäßig zusammengesetzte ,fr'isinnig-nationalliberale Wahlmännerliste gehabt mit einem neu­tralen Wahlmann. Das hätte für den Fall einer Ersatzwahl verhängnisvoll werden können. Deshalb begrüße er es fast mit Freuden, daß die nationalliberale Partei ein gemeinsames Vor- gchen abgelehnt habe. Ec Hube das Vertrauen zur Gießener Bürgerschaft, daß sie auch heute noch wie früher überwiegend freisinnig gesinnt sei. Man werde sich bei der Aufstellung der Wahlmännerliste nicht auf freisinnige Kreise beschränken, aber eine in der Mehrzahl freisinnige Liste und im übrigen Manner von liberaler Gesinnung auf stellen, die sich für die Wahl Dr. Gutfleischs verpflichten. Er halte die Wahl Dr. Gutfleischs für gesichert, aber es gelte jetzt, die Mehrheit für ihn möglichst groß zu ge­stalten. (Lebh. Beifall.),, . .

Auf Vorschlag des Schreinermeisters E. &. Muller wird Iber Vorstand mit der weiteren Wahlvorbereitung beauftragt.

Von lebhaftem Beifall begrüßt, erschien sodann Geh. Justtzrat Dr. G u t f l e i s ch im Versammlungsraum. Er ergriff alsbald das Wort, um seinen Dank für das durch die Begrüßung und die Wiederaufstellung ausgesprochene Vertrauen anszusprechen. Was in der letzten Zeit geschehen sei, sei für ihn nicht unerwartet gekommen. Nach den Ereignissen der letzten 9Jtonate, namentlich dem Zusammengehen der Nattonalliberalen mit dem Zentrum im Landtag sei der Riß zu erwarten gewesen. Es hätte nicht so zu kommen brauchen, denn die Entwicklung der letzten Jahre chatte eher die Parteien zusammenführen müssen. Namentlich von dem Gießener Nalfwnalliberalen Verein, der stets auf ferne Sell^ .ftänbigfeit hin gewiesen habe, hätte er es nicht erwartet, daß er diese Entwicklung nritmachen werde. Es sei irnninehr ver­schiedentlich gesagt worden, der Beschluß der nattonalliberalen Partei gelte der Partei und nickst seiner Person, und man werde ihn wählen. Da könne er nur sagen, daß er nicht von der frei­sinnigen Partei zu trennen sei. Er gehöre ihr seit langen Jahren an und sehe immer mehr ein, daß die freisinnigen Grundsätze die richtigen seien. Deshalb werde er an ihr nach wie vor fest­halten, wenn er auch damit die Gunst anderer Parteien verliere. i(Lebh. Beifall.)

Von dem natlib. Vorstandsmitglied, von dein' tiriti gestern eine 'Zuschrift veröffentlichten, erhielten wir eine weitere Zuschrift, von deren Abdruck wir absehen müssen, weil sie tatsächlich Unrich­tiges enthält. Zur Klarstellung der Verhältnisse bei der letzten Reichstagswahl geben wir im nachstehenden den damaligen Be­schluß der freisinnigen Parteiversammlung wieder, der das ein» Fige existierende Beweisstück in dieser Beziehung ist:

Nach allen diesen Erwägungen können aber wir Freisinnigen uns nicht entschließen, mit Rücksicht auf außerhalb des Wahl­kreises geschehene bedauerliche Vorkommnisse, auf welche die hie­sigen Parteien keinerlei Einfluß auszuüben vermögen, der da­hier nach langen Verhandlungen seinerzeit mühsam erzielten Eini­gung der Liberalen durch Aufstellung eines eigenen Kandidaten ein Ende zu bereiten und dadurch unter Umständen eine Stich­wahl zwischen Antisemiten und Sozialdemokraten herbeizuführen, womit der Wahlkreis für den Liberalismus verloren wäre. Die freisinnige Partei beschließt demnach, ohne sich damit für die Zukunft zu binden, mit den Nationalliberalen für die Wieder- ivahl des seitherigen Abgeordneten K v m m e r z i e n r a t L. Hey - ligenstaedt in Gießen einzutreten. Derselbe hat, wenn wir auch seinerzeit seine Abstimmung bei den Steuervorlagen nicht überall gebilligt haben, im übrigen durch jein Wirken int Reichs­tag, durch seine ganze Persönlichkeit, sowie seine Leistungen im sozialen Leben, insbesondere jn der Gemeindeverwaltung und in gemeinnützigen Vereinen sich das Verttauen auch der freisinnigen Wähler unseres Wahlkreises erworben und gibt uns Garantie dafür, daß er im Reichstage die liberalen Interessen, bas Wohl des Wahlkreises und damit auch die Wohlfahrt des Reiches för­dern wird.

Die Freisinnigen des 1. Hessischen Reichstagswahlkreises aber geben sich dec Hoffnung hin, daß ihr Beispiel in anderen Wahl­kreisen Nachahmung finden und speziell in Den übrigen hessischen Wahlkreisen in absehbarer Zeit unter Außerachtlassung aller neben­sächlichen Streitigkeiten die im Interesse der friedlichen und frei- heitlichcn Enlwicllung unseres engeren und weiteren Vaterlandes unbedingt notwendige Einigung der Liberalen aller Parteirichtungen eintreten möge.

Wahlbezirk Grünbcrg-Gicßen.

Man schreibt uns:

Die Annahme, Bürgemeister Sann von Weitershain fei als Kandidat der freisinnigen Partei aufgestellt worden, ist nickst zutreffend. Bürgermeister Sann, ein in seinem Heimatsorte hoch­angesehener und int Landtagswalstkreis Grünberg sehr bekannter und geschätzter Mann von unabhängiger Gesinnung, ist parteilos. Er wird zwar von der freisinnigen Partei unterstützt, wird sieh aber int Falle seiner Wahl ihr ebensowenig anschließen, wie 'irgendeiner anderen Partei. Seiner ganzen Gesinnung nach ist er vor allem als der Mann des kleinen Bauernstandes, so wie er in dem Bezirk überwiegt, zu bezeichnen, da er in den Prin­zipien des Bundes der Landwirte, namentlich in zollpolitischer Hinsicht, lein Heil für unsern hessischen Bauernstand erblicken kann. Auch der ländliche Handwerlersland, dem er angehört, würde in ihm im 3alle seiner Wahl einen eifrigen Vorkämpfer feiner Interessen finden, an dem cs int hessischen Landtag bis jetzt ganz fehlt. Herr Sann ist Anhänger des direkten Wahl­rechts und würde als Abgeordneter dafür eintreten, aber keine Konzession an die Erste Kammer machen.

Eine Erklärung K o r e l l s.

Auf die auch in unser Blatt übergegangene NottzWahl- nta xije?" derDarmft. Ztg." hat Pfarrer Kor ell folgende Erklärung abgegeben:

Die ,,Darmft. Ztg." greift mich in ihrer Nr. 241 wegen eines Artikels an, den ich in dieHilfe" geschrieben habe, und in dem ich ein Urteil über das politische Verhalten der National- liberalen in dec Zweiten Kammer abgebe. Sie verlangt von mir, nachdem sie die Leistungen dieser Partei aufgezählt hat, den Beweis für meine Ansicht. Was habe ich gesagt?

Die Linie hat es dem Notionalliberalisrnus unmöglich ge­macht, der Regierung allzuviel Schwierigkeiten zu machen."

Dafür verlangt dieDarmft. Ztg." den Wahrheitsbeweis. Was aber sagt diese Zeitung im gleichen Artikel selbst?

Was die übrigen erledigten Gesetzentwürfe anlangt, so ist feftzustellen, daß die nationalliberale Partei in keinem Falle allzuviel Schwierigkeiten gemacht hat."

Das sage ich ja auch: ich begründe es aber damit, daß ich behaupte: Die Nationalliberalen konnten diese Schwierigkeiten nicht machen, weil das unter der wachsamen Kontrolle der Linken nickst möglich war, sie wären sofort aufgedeckt worden. Die Darmft. Ztg." ist wohl der Meinung, die Sck)wierigkeiten seien von selbst ans Liebe zum Liberalismus unterblieben. Demgegen­über verweise ich nur auf die Tatsache, daß die nationalliberale Partei umfiel, sobald sie aus der Kontrolle der Zweiten Kammer heraus war. Der cinipanbfccie Zeuge dafür ist dieWormser Ztg.". Diese bescheinigt schmunzelnd der Parteileitung, daß sie jetzt ganz von ihrem früheren Standpunkt in der Wahlrechtsftage, Gemeindefteuerresorm u. a. abgekommen sei und den des Freih. v. Hehl und derWorms. Ztg." anerkannt habe. (Artikel zum nationalliberalen Wahlaufruf.) In,der Tat geht aus dem Wahl­aufruf hervor, daß sie eine ©emeinbefteuerrefonn, wie sie ihr bereits zugestimmt hatten, nicht mehr machen würden. T .-ckichu kann man doch nicht bat tun, wie an diesen buben Resotmgesetzen, daß die Nationalliberalen die Farbe wechseln, sobald jic aus oein

demokratischen Einfluß der Zweiten' Kammer unter den der Un­verantwortlichen in der Partei geraten. Damit glaube ich ein übriges getan und den Beweis, b. h. die Begründung tur meine ausgesprochene Ansicht, die ich voll aufrecht erhalte, gegeben zu haben.

Aus Stafct und Land.

Gießen, 17. Oktober 1908.

" Tageskalender. Stadttheater: Samstag nach, mittag 3'/, Uhr Schülervorstellung: .Maria Stuart." Sonntag nachmittag 3*/t Uhr: ,Jm weißen Röß'l", abends 71/» Uhr: ,-tie Dame von Maxim."

Kolosseum: Täglich Vorstellung. .

Kinematographen- Theater: Programmwechiel: Das deutsche Turnfest in Frankfurt. . .

Kaiserpanorama: Programmwechsel: Gardasee.

An tage musik (Bolkskonzert) findet am Sonntag mittag 12 Uhr in der Süd-Anlage mit folgendem Spielplan statt: 1. Krönungsmarsch aus der Oper ^Die Fotkunger" von Kretschmer; 2. Venus-Walzer von Lincke; 3. Finale aus der OperRienzi von Wagner; 4. Kaiser-Musketiere! Marsch von Strauße.

- Die Berliner Gesandtschaft Hessens. Am Freitag abend um 7 Uhr empfing der Kaiser den bisherigen hessischen Gesandten Dr. v. Neid Hardt cin AbschiedZaudienz und den neuernannten hessischen Gesandten Frhrn. v. Gagern in Audienz.

" Die Prüfung als Ob er-Postschaffner haben bestanden die Postschaffner Philipp Römer, W. Kern, Karl Nohn und Schwarz. Als OberleitungLanfseher: der Leitungsaufseher 1. Klaffe Christoph Becker.

* Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung im Turn- hauS am Brand ist von morgen Sonntag an wieder geöffnet. Die diesmalige Ausstellung umfaßt über 100 Bilder, unter denen sich eine Anzahl Werke von bekannten hervorragenden Künstlern befinden. Ein Besuch dieser Aus­stellung wird recht lohnenSivert sein, da sie für jeden Kunst­liebhaber einiges aufzuweisen hat; Genres, Interieurs, Städte­bilder, Landschaften, Porträts und Blumenstücke. Geöffnet ist die Ausstellung täglich mit Ausnahme des Samstags von 11 bis 1 Uhr, an Sonntagen von 11 bis 3 Uhr un­unterbrochen und Mittwochs noch von 3 bis 5 Uhr nach­mittags.

* Jn der gestrigen Generalversammlung deS freisinnigen Vereins erstattete nachdem der erste Punkt der Tagesordnung, die LandtagSwahl, erledigt war (die Leser finden den Bericht hierüber an anderer Stelle) der Schriftführer Stadto. Fabrikant Eichenauer den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Tätigkeit erstreckte sich auf die Vorbereitung der Stadtverordnetenwahl, die Inangriffnahme der Landagitation und die Veranstaltung regelmäßiger Versammlungen in Gemeinschaft mit dem national­sozialen Verein. Bei der Stadtverordnetenwahl wurde ein Angehöriger der Partei infolge einer besonderen Agitation gegen ihn nicht gewählt, doch wurde erfreulicheriveise statt seiner in der Person des Nechtsanwalts Grünewald cin treuer Anhänger der freisinnigen Volkspartei gewählt. Der Verein gehört nach wie vor der freisinnigen Volkspartei an, während die Landesorganisation feiner der drei linkslcheralen Organi­sationen angehört. Mit einem kurzen Rückblick auf die Reichspolitik und die Tätigkeit der linksliberalen Fraktions- gemeinschaft schloß der mit Beifall aufgenommene Bericht. Stadtv. Dr. Ebel forderte ebenso wie der Vorsitzende Justizrat Dietz zu eifrigem Besuch der Parteiversamm­lungen auf. Dem Vorstand wurde für seine mühevolle Tätig­keit der Dank des Vereins durch Erheben von den Sitzen ausgesprochen. Rach Erledigung des vom Stadtv. Leib er­statteten Kassenberichts wurde die Vorstandswahl vor­genommen. Es wurden durch Zuruf in den Vorstand be­rufen die Herren Justizrat Dietz, Stadtv. Schneidermeister Leib, Stadtverordneter Fabrikant Eichenauer, Stadtveroid- netcr Kaufmann Habenicht, Stadtverordneter Kaufmann Th. Haubach, Stadtv. Geh. Justizrat Dr. Gutfleifch, Rechts­anwalt Dr. Jung, Kommerzienrat Beigeordn. Georgi, Fabrikant Barnaß, Schlossermeisler Martin Dörr, Fabrikant Ludivig Hanau, Stadtv. Kommerzienrat Schaffslädt, Stadtv. Direktor Loos, Rentner Wilh. Herbert, Stadtv. Spenglermeister Karl Aug. Faber, Stadtv. Rentner H. E. Jughardt, Kommerzien­rat Fabrikant Koch, Kaufmann Karl Schlüter, Uhrmacher Otto Schmidt, Fabrikant Karl Georgi, Fabrikant Hermann Klingspor, Kaufmann Hch. Jughardt jun., Reallehrer Grimm, Stadtv. Oberbibliothekar Dr. Ebel, Stadtv. Rentner Löber und Kaufmann Max Friedberger. Mit der Aufforderung zur eifrigen Mitarbeit für die Sache des Vereins schloß nach 11 Uhr der Vorsitzende die ruhig und sachlich verlaufene Versammlung.

** Stadt-Theater. Der Sonntag bringt zwei Vor­stellungen bei kleinen Preisen. Am Nachmittag V24 Uhr gelangt der beliebte Schwank ,Jm weißen Röß'l" zur Aufführung, der am vergangenen Sonntag mit unserem neuen Komiker Herrn Max Kronert als »Giesecke* wahre Heiterkeitsstürme entfesselte. Auch die neue Ausstattung des Stückes, z. B. der Dampfer mit den Vergnügungsreisenden gefiel sehr. Sonntag abend wird der übermütige Schwank Die Dame von Maxim" aufgeführt. Jn der Haupt­rolle der .Crevette^ hat unsere neue, so rasch beliebt ge­worbene Soubrette Frl. Lore Scholz Gelegenheit zu glänzen.

* Unsere Regiments-Kapelle konzertierte am ver­gangenen Sonntag in Bad-Rauheim zum 7.Riale in dieser Saison, was beredt für die Beliebtheit der Kapelle und ihres rührigen Dirigenten, dcS Musikdirektors Krauß e spricht. Der Beifall, den die Kapelle im Laufe des Sommers gefunden hat, ver­anlaßte die Kurdirektion, sie auch für den Winter zu enga­gieren. Wir weisen darauf hin, daß die Kapelle morgen unter Leitung des Musikdirektors Krauße im Philosophenwald konzertiert, was nach der langen Pause sicher mit Freuden begrüßt werden wird.

* Stenographie. Morgen Sonntag, den 18. ds., hält der Bezirk Gießen im heff.-naffauischen (Main-Rhein- Gau) Verband Gabelsberger'scher Stenographen seine Herbst-Vertreter-Versammlung in dem nahen Heuchelheim ab. Der Versammlung geht ein Wett- schreiben voraus. Nach Beendigung der Tagung ist ein ge­selliges Zusammensein auf den, .Windhoff vorgesehen und hat es der Gabelsberger Stenographenverein Heuchelheim übernommen, für die nötige Unterhaltung Sorge zu tragen.

* * Aus dem GS i e ferner Geschäfts leb en. Es i|t ein erfreuliches Zeichen für Die Rührigkeit unserer Ge­schäftsleute, daß wir fortgesetzt über größere Umbauten

von Geschäftshäusern zu berichten haben. So eröffnet Wte die Firma Jakob Hcilbronne r ihr Geichaffsyaus wieder, das einem Umbau unterzogen und durch einen Anbau be­deutend vergrößert wurde. Das Ecke der Markt,trave und Rrttcrgasse gelegene Haus nimmt sich in seinem modernen Warenhausstil schon von außen recht vorietthaff aus. Wer das Innere betritt, wird überrascht sein über die praktische Raumausnutzung; in drei Stockwerken, die mit a.cunps- heirung und elektrischem Licht ausgestattet sind, sind ab­teilungsweise sämtliche, Waren untergebracht, die,uran in großstädtischen Geschäftshäusern zu finden gewohnt ist. Allen sicherheitspolizeilichen Vorschriften ist selbstverständlich Ge­nüge geschehen und überall sind ytotausgänge für die rasche Räumung des Hauses in Fällen der Gefahr vorhanden. Der Umbau wurde vom Baugeschäft Becker ausgesührt. Ein weiterer bemerkenswerter Geschäftshausumbau wurde von Metzgermeister Adolf Möhl vorgeiiommen. Dein in der Bahnhofstraße gelegenes Haus enthält nunmehr einen statt­lichen neuzeitlichen Metzgerladen, der in Hellen Farben ge­halten ist und in seiner ganzen Art allen hygienischen An­forderungen entspricht, die man gerade an ein Geschäft der Nahrungsmittelbranche stellen darf. Auch die Kühlanlage, Wurstküche usw. sind sehr zweckentsprechend eingerichtet. Der Umbau des Möhlschen Hauses erfolgte nach Plänen des Architekten Hammann.

* Die Feld bereinigung macht in der ganzen Pro- vinz Ober Hessen große Fortschritte, nicht nur in der Wetterau, sondern auch im Vogelsberg. Die Kultur - In­spektion Gießen allein beginnt nächstes Jahr 36 Feld­bereinigungen. Dazu kommen noch zahlreiche Projekte der Kultur-Inspektion Friedberg.

Die Maul- und Klauenseuche ist au§. gebrochen aus dem Schlachtviehmarkt zu Metz am 15. Okt.

Kaninchen-AuS st ellung. Auf den Ehrenpreis für die beste Gesamtleistung der ausstellenden Vereine hat der Kaninchenzucht-Verein Gießen zu Gunsten des Kaninchen- zucht-Vereins Hersfeld verzichtet. Den ersten Ehrenpreis für beste Gesamtleistung der ausstellenden Einzelzüchter erhielt Martin Schwall - Gießen, den zweiten H. Ebert-Gelnhausen.

O Klein-Linden, 16. Okt. Der Turnverein hielt kürzlich seine Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage zeigte ein recht günstiges Bild. Bei der Vorstandswahl wurden wiedergewält der seitherige Vor­sitzende 21. Brandenburger, der Rechner Will, der Schrift­führer Fey, zuni 1. Turnwart wurde gewählt Fr. Jung, zum 2. Turnwart H. Reuschling, zum Zeugwart Andermann, als Beisitzer I. Frey und W. Ufer.

Dorf-Gill, 15. Okt. Die Feldbereinigungs. arbeiten in unserer Gemarkung gehen jetzt ihrem Ende entgegen. Die Ueberweismig der neuen Grundstücke ist am 1. Oktober erfolgt und zur allgemeinen Zufriedenheit der Beteiligten ausgefallen. Die umsichtige und treffliche 2(rbcit der ausführenden Behörde findet allerseits vollste Aner­kennung. Selbst die seitherigen Gegner der Jeldbereinigungs- sache haben ihre irrige Ansicht geändert, und hat das er­langte Resultat auch bei ihnen vollen Beifall gefunden. ES ist also wiederum der Beweis geliefert für den Vorteil und praktischen Wert und somit für die Notwendigkeit der Feld- bereinigustg, und dies dürfte ein Ansporn sein für die Ge­meinden, die sich für die Sache noch nicht entschlossen haben.

* * Kleine M i 11 c i t h n o . . v c) | e u und d c n Nachbarstaaten. Die Gemeinde E ck e n h e i m hat gestern die Eingemeindung in Frankiurt beschlossen. Das gleiche ist von G i n n h e i m zu berichten. Nunmehr haben sämtliche Gemeinden des Landkreises Frank'urt mit Ausnahme von Schwanheim der Eingemeindung zugcstimmt.

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s Marburg, 16. Okt. Die Strafkammer verurteilte heute den im vorigen Jahre wegen Unterschlagung im Amte zu l,$ Jahren Gefängnis verurteilten Kaufmann und Rendanten V o m h o f, weil er auch die F o r st k a s s e und den K o n s u m - verein in gleicher Weise geschädigt hatte, zu einer Gesamt­strafe von zwei Jahren und drei MonatenGefäng- n i s. Zu vier 3)i o n a t c n Gefängnis wurde ein 1 4 -- jähriger Junge aus Werda verurteilt, der seinen Eltern durchgegangen ivar und hier in Marburg einen Diebstahl be­gangen und Schwindeleien gemacht hatte.

Rom, 16. Okt. Vor dem Gericht in Florenz wurde ein Prozeß des Grafen Guido L y n a r gegen dessen entlassenen Diener verhandelt. Ter Diener soll angeblich einen Erpressungs­versuch gegen den Grasen unternommen haben. Der Kammer­diener, dessen Opfer Graf Lynar angeblich gewesen sein will, und gegen den der Staatsanwalt zehn 'Ulonate beantragte, wurde srei- gesproche n.

Lustschiffahrt.

Von den vermißtenBallonen der Berliner Wettfahrten ift nach einem Telegramm ans London der BallonPlaue n" gestern von dem FischerdampferRubu" in Hüll eingebracht. Der Ballon war am Mittwoch in der Nordsee aufgefischt worden. Die Insassen, Hacksletter und Scheiterer, waren sehr erschöpft. Jin Lkrankenhause benrühten sich die Aerzte besonders um Herrn Scheiterer, der einige Verletzungen erlitten hat. Später be- Oaben sich die beiden Herren ins Hotel. Der Kapitän der ,Auby" teilte mit, daß die Gondel desPlauen" schon im> Wasser schleifte, während die Fahrer nit Netzwerk waren. Bei dem Versuche, die Gondel zu erreichen, wäre das Rettungsboot beinahe gekentert. Erst nach zweimaligem Versuche gelang die Rettung.^ Beide Herren erklärten, sie hätten schon alle Hoff­nung aufgegeben und alles aus der Gondel geworfen gehabt. Gm ui Oste r w anne (Rheinland-Westfalen) aufgegebenes Tele­gramm des "Hergesell" besagt:Hergesell" 9 Uhr vormib» tags. Hohe 2100 Meter. Richtttng und Ort unbesttmmt, an­scheinend Nahe der Küste. Förffch. Das von Dorfbewohnern gcsimdene Telegramm läßt nicht erkennen, an welchem Tage es ausgegeben worden ist. Jedenfalls ist cs sckwn zwei oder drei L.age alt Außerdem soll der BallonHergesell" bei Beirum, einer osttriesischen ^nsel, gesichtet worden sein, ßeutnant Fürtsch i\t em Sohn des Senatspräsidenten Förtsch beim Reichsgericht in ^.rnpzig. Er wollte sich am nächsten Sonntag verloben.

Bei p-lugproben in A l d e r s h o t stürzte der englische Armee- Aeroplan auy einer Hohe von 20 Fuß zur Erde urü> wurde zer - trummeit. Oberst Eady, der Erfinder, kam unverletzt davon.

i/er nächste Aufstieg des Grasen Zeppelin wird am 20. Okt erfolgen, ^ne Dauerfahrt soll, sofern keine unvorhergesehenener- Ereignisse emtreteii, am 25. Okt. erfolgen.

-Bennett-Wettfahrtder ~ u,v veröffentlichen die Berliner Blätter folgende

,,^ran%c" Twidding (Dänemark) 425, Wwgboldsbuhr (Aurich) 423,Le Condor" (Tondern) 361' 384,Jsle de France" (Garding)

»'dt^eld (Dttmarschen- 353,Cognac" Neufeld -'Brise d Automne" (Garding) 351, Aelos"

K"^us,eldorf (Mulsum) 345,L'Utopie" Altem Sandstedt (Weser) 339,Valencia" 312,Brittama (Lüneburger Heide) 300,Basiliola" doAoo ^hh rr"^fpbCr 28x6, r/Montanez" (Spanien) bei Meißen- - /England) bei Schricke 113,Ville de Bruzel- 2 ffilo^äen) 32'Conqueror" (Amerika) Friedenau