Ausgabe 
17.3.1908 Zweites Blatt
 
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Abg. Graf Oriola (natl.) meinte, durch den Zentrums- fantrag sollten mrr Schwierigkeiten zwischen der Regierung und den Parteien hervorgerufen werden.

Nach weiterer Debatte und persönlichen Bemerkungen wurde die Resolution Oriola der Budgetkommission überwiesen. Die Abstimmung über den Antrag des Zentrums wurde bis morgen ausgesetzt und dann der Rest des Etats bewilligt.

Um 12i/i Uhr stellte sich Beschlußunfähigkeit heraus.

Aus SLa-L und Land.

Gießen, 17. März 1908.

Steuerpersonalien. S. K. H. dcr Großherzog .haben den Steueckommissär des Steuerkommissariats Hungen Gg. HooS zu Hungen in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Friedberg versetzt.

* * Erledigt sind die Steuerkommissärstelle zu Hungen und eine Hauptsteueramts-Assistentenstelle bei dem Haupt­steueramt Mainz.

Landes Universität. S. K. H. der Großherzog haben den Finanzaspiranten Emil Kinkel aus Gießen zum Verwalter bei der Augenklinik (nicht der Frauenklinik, rote es gestern infolge eines telephonischen Hörfehlers hieß) der Landesuniversität ernannt.

* Die 2 4. Vorstandssitzung der Landw irt- schaftskammer fand gestern statt. Zunächst wurden die Berakungsgegenstände für die nächste Hauptversammlung be­sprochen. Weiter wurde beschlossen, Remunerationen an Be­amte der Landwirtschaftskannner künftig nicht mehr zu zahlen. >Ein Gesuch um Gewährung von Mitteln zur Abhaltung eines Buchführungskursus zu Alsfeld wird zurückgestellt, ebenso ein Gesuch um Ausbildung von Laiengeburtshelfern bis nach den Verhandlungen in der Zweiten Kammer. Die'Negierung soll weiter ersucht werden, für die Invalidenversicherung aus­ländischer Arbeiter entsprechende Mittel bereitzustcllen.

**'Kulckurinspektion. Mit Ermächtigung des Großh. Ministeriums des Innern ist der Ingenieur Steinbach bei > der Kulturinspektion Darmstadt mit der Lersehung der Stelle -eines Kulturingenieurs 'bei der Kulturinspektion Gießen beauf- tragt .worden.

Die Rechtssch utz stelle für Frauen und Mädchen, die Anfang dieses Jahres hier eröffnet wurde, verdient immer mehr bekannt und in Anspruch genommen zu werden. Sie hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon recht Segensreiches geleistet, sei es, daß sie in Fällen, in denen die Versicherungsansprüche zweifelhaft waren, den Rat suchenden Frauen zum Erfolg verhalf, sei es, daß sie in Streitfällen zwischen Herrschaft und Dienstboten vermittelnd eingriff und einen beide Parteien befriedigenden Vergleich zu­stande brachte, oder welches nun die mancherlei Fragen sein mögen, in denen die Frau sich am liebsten an die Frau um Mat wendet. Immer ist die Tätigkeit der Rechtsschutzstelle eine vermittelnde, ausgleichende gewesen, und es ist Frauen und Mädchen nur zu empfehlen, die Rechtsschutzstelle, die llhren Rat völlig unentgeltlich erteilt, in Zwelfelsfätten zu i befragen.

** Gastwirtsciusstell u n g. Das Großh. Ministerium hat für die hiesige Gastwirtsausstellung eine silberne und zwei bronzene Staats-Medaillen zu Prämiierungszwecken bewilligt. Die Preismedaille, die die Ausstellungsleitung verteilt, ist von der hiesigen Stempelfabrik Kreuter u. Co. angefertigt worden. .Die 42 Millimeter große Medaille trägt auf der Vorderseite ba5 Wappen von Gießen mit der UmschriftGastwirtschaftsgewerbe- und Kochkunstausstellung" und auf der Rückseite das Bild der fürstlichen Protektorin mit der Umschrift: Emma Fürstin zu Solms-Lich, Protektorin. Die Medaille wird nach der Zeichnung ein schönes 'Stück des Gießener Kunstgewerbes werden. Auch die von der Stadt gestifteten Preise werben in Form dieser Medaille gegeben werden und zwar in Gold.

** Aus dem Bureau des StadttHeaters. Auf die morgige Benefizvorstellung, die BeyerleinsZ a p f e n ft r c i ch" für den Oberregisseur unserer Bühne Hermann Bakof bringt, fei hingewiesen. Als Künstler hat er Proben seltener Charak­terisier ungskunst abgelegt, da er heterogenste Rollen mit gleichem Erfolge darstellte. Es fei erinnert an seinen Oernulf (Nor­dische Heerfahrt), feinen Stauffacher, feinen Lear, seinen Verrina, andererseits wieder an Leistungen wie int ,,Andern", inZwei Wappen", inHusarenfieber", in den ,^Lustigen Weibern" u. a. mehr. Seine Bedeutung als Regisseur erhellt am besten, wenn auf zwei Regieleistungen der letzten Woche hingewiesen wird, Ivir erinnern nur an die Inszenierungen vonWildente" undGypes". Unser Publikum wird dem Künstler der auch noch nächstes Jahr unserm Ensemble erhalten bleibt zweifellos am kommenden Mittwoch durch zahlreichen Besuch seinen Dank abftatten.

** Im Kolosseum ist ein neues Programnr zu sehen, oas wiederum recht viel gutes bringt und einen Besuch wohl verdient. Namentlich die Gymnastik ist diesmal sehr reichlich und inmfjiueg in guten Nummern vertreten. Als komische Akro­baten produzieren sich die Gebrüder Wille, von denen der eine als Saltoschläger großartiges leistet, bei seinem Salto aus etwa^sechs Meter Höhe Cann man in der Tat das Gruseln lernen. Sehr hübsch sind die athletisch-akrobatischen Spiele der beiden Giwvds, ein .Herr und eine Damie, die in eleganter Ausführung die verschiedenartigsten von Gewandtheit unb Kraft Sengenden Kunststücke ausführen. Bei ihrem zweiten Auftreten als Hallwegh und Miß Bella führen sie am Nickel­apparat tadellose Arbeit vor. Tie drei Schwestern Deike bieten einen interessanten Trahtseilakt, bei dem jede der sehr vorteilhaft aussehenden Damen gutes leistet und int Zusammen­wirken hübsche Bilder weiblicher Anmut und Beweglichkeit zu sehen sind. Auch die Teikes zeigen eine zweite Nummer, ein akrobatisches Potpourri, das diesen Namen vollauf verdient. Den gesanglichen Teil des Programms eröffnete Frl. B a- retta, eine fesche und dabei höchst dezent nuftretenbe Wiener Soubrette, die reckt gut singt und namentlich in ihrer Bravour­nummer, bet der ihr ein kostümiertes Hündchen als Schuh­plattler assistiert, lebhaften und wohlverdienten Beifall fand. !Ein leibhaftiger Leutnant gibt dann allerlei Leutnantserfahrungen zum Besten, aber es ist ein nachgemachter. Frl. von Elb an sieht in der Uniform so hübsch und liebreizend aus, daß wohl jeder gern unter ihrem yiknnmmtbo stehen möchte. Der Gesangskomiker Ludwig Clermont fang im Schweiße seines . Angesichts (buchstäblich zu nehmen- mit deutlicl-em Vortrag geist­reiche und flache Sentenzen mit gleichem Eifer, wobei er viel­fach aktuelle Vvrkommnisse recht hübsch topierte. Eine Cha- -rakter-Tarstellerin, Frl. Aliee Markert, warf ihre aus dem Volksleben gegriffenen Gesänge und (als Streichholziule> Streich­hölzer den Zuschauern an den Köpf, was beides viel Heiterkeit erregte. Eilte zweite Wiener Soubrette, Frl. Lina I s e l h, bot ebenfalls anmutige Proben ihres Könnens und wenn sie nicht so viel Beifall fand, wie sie eigentlich verdiente, so war dies wohl der infolge oes langen Prograutms eingetretenen Ermü­dung des Publikums zuzuschreiben. Eine heitere Abwechslung in dem Programm bildete die komisch und flott gespielte Pantomime der M o k a s ch l Y - T r u p p e :Ein fideles Gefäng­nis".

Kaiser-Panorama. Das Programm dieser Woche enthält einen neuen, ledern Gebildeten willkommenen 3n[tus

von Griechen! and, der dem Besucher nicht nur die moderne Residenzstadt Athen, sondern auch die Stätten einer ehemaligen hochentwickelten klassischen Kultur in den Jahr­tausende alten gewaltigen Bauwerken und 9vuinen vor Augen führt. Von ehemaliger Pracht und Herrlichkeit zeugen be­sonders die Akropolis, der Theseustempel, das Denkmal der LysikrateS, die Ruinen vom Bacchus-Theater usw. Im Vordergrund der Serie steht Korfu, das alte Kerkyra, ein herrliches Fleckchen Erde; solch unvergleichlich schöne Pano­ramen, bei denen Meer und Kustenlandschaften sich zu ent­zückenden Bildern vereinigen, müssen jeden Beschauer be­friedigen. Die kunstsinnige Kaiserin Elisabeth von Oester­reich hat bei der Stadt Korfu ein Schloß im althellenischen Palaststile erbauen und mit geradezu verblüffender Pracht ausstatten lassen. Im Heine-Tempel setzte sie dem Dichter Heine das erste Denkmal auf europäischem Boden. Den Besuch dieser Woche können wir jedem, und besonders auch der Jugend empfehlen.

Butzbach. Der Stadtverordnete Dipl.-Jng. Th. Heyd in Darmstadt, ein geborener Butzbacher, ist von der Kgl. Technischen Hochschule in Stuttgart zum Doktor- Ingenieur promoviert worden. Die praktisch und wissen­schaftlich hervorragende Bedeutung der eingereichten Disser­tation veranlaßte diese Hochschule zum erstenmale, die Doktor­würde mit dem PrädikatMit Auszeichnung bestanden" zu verleihen.

in. Friedberg, 16. März. Zur Massendiebstahls- affäre v. d. Lehr wird berichtet: Der Dieb wurde, trotz­dem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, infolge polizeilicher Ermittelungen neuerdings wieder verhaftet. Bei der jetzt nochmals gehaltenen Haussuchung stellte sich heraus, daß viele gestohlene Gegenstände nach dem ersteir Januar gestohlen sein müssen, da die Firma laut Fakturen nachgewiesen hat, daß sie sie erst Anfang Januar zugesandt bekam, während L. schon am 27. Sept, aus dem Dienst getreten war. Auf Vorhalt gestand er auch ein, nachträglich noc,) Waren gestohlen zu haben, aber nur bei Tag, was ganz unmöglich ist. L. ist soweit des schweren Diebstahls mittels nächtlichen Einbruchs überwiesen.

? H u n g en, 15. März. 2(m Freitag abend fand aus Ver­anlassung des hiesigen Gemeinnützigen Vereins im Saale des Gast­hausesZur Traube" ein Vortrag mit Lichtbildern über das Thema:Die Kunst unserer Heimat" flott. Bildhauer Dr. T. Greiner aus Darmstadt sprach nahezu 1V3 Stunden zu den ihm mit Spannung folgenden zahlreichen Zuhörern. Er betonte, wie gerade unser Hcssenlaud sich mit Stolz als Träger edlen Kunst­sinns bezeichnen könne und wie sehr unser Großherzog mit der Gründung einer Küustlerkolonie und damit, daß er sein Volk zur Kunst erziehen wolle, das Richtige getroffen habe. Tie Kunst sei das Wichtigste, was ein Volk, dessen Blühen und Gedeihen gesichert werden soll, besitzen müsse, nicht allein in bildender, sondern auch in materieller Beziehung. Er schilderte in anschaulicher Weise, wre große Männer, z. B. Schiller und Goethe, dem Volke außer dem bildenden Wert, der ihren, großen Werten entsprossen, aiich eine dauernde, nie versiegende Quelle in finanzieller Hinsicht geschaffen haben. Weiterhin beleuchtete er, wie gauz kleine Völker, die in politischer Beziehung gauz unbedeutend waren, sich durch ihr kunst- finulges Schaffen unsterblich gemacht und sich ein dauerndes Denk- mctl in der Geschichte gesetzt haben. Wie dagegen große Völker, die den ganzen Erdball durch ihren Haiidel re. beherrschten, aber nicht die Kunst als höchstes Ziel un Auge hatten, rühmlos uuter- gingen, so daß nian nichts von ihnen weiß, als daß sie eben existiert yaben. Die den Vortrag begleiteubcit klaren Lichtbilder (alte, schmticke Bauerichätiser, Knnstwerke der Malerei und Bildhauerei, Holzschuitzereten re.) waren von großartiger Wirknng und erhielten durch die erlätileruden interessanten 'JluSlegimgett des Redners ein künstlerisches Gepräge. Zum Schlliß richtete er an die Anwesen­den die Bitte, doch ja die Sinn ft als höchstes Ziel in ihrem Herzen zu pflegen und sie dein Volke tiicht verloren gehen zii lassen. Tie beste Gelegenheit dazil sei burcl) den Beitritt zu der Vereinigung zttr Förderung der Künste in Hessen" gegeben, und jeder könne sein gut Teil zur Hebuug beitragen. Durch lebhatten Beifall häuften tue Erschleueuen dem Reduer für seinen inter­essanten belehrenden Vortrag.

§ Burkhards, 15. März. Ende voriger Woche fand in einzelnen Distrikten hiesiger Forstwartet eine Holz­ner st e i g e r u n g statt, die überaus stark besucht war und bei der hohe Preise erzielt wurden. Buchen-Scheitholz 1. Kl. kostete durchschnittlich 8 Mk., Prügelholz 1. Klasse 7 Mk., Stammreiser 2,20 Mk., Stockholz 3 Mk.

? Herchenhaiu, 15. März. Infolge Wegzuges unseres seitherigen Geistlichen Wolf nach Jugenheim i. Rh. wurden die diesjährigen Konfirmanden au§ den drei Orten des Kirchspiels schon heilte konfirmiert. Eine Konfirmandin aus Sichenhausen erhielt erst im Psarrhause die hl. Taufe.

Offenbach, 16. März. Der Stadtkaffenrendant Grebe gestand am Samstag, daß er im Lause der Jahre fortgesetzt Beträge aus der ihm anvertrauten Kasse entwendet und für sic.) verbraucht habe. Der junge Grebe bestreitet jede Schuld an den Unterschlagungen seines Vaters. Es liegt auf der Hand, daß über die Höhe der unterschlagenen Summe noch keine genaue Angabe zu machen ist, da Grebe über die Betrüge, die er entwendet hat, natürlich nicht Buch führte. Eine Feststellung der ent­wendeten Summe kann erst nach dem Abschluß der Bücherrevision erfolgen, die zurzeit stattfindet.

-s- Warburg r. W., 16. März. In dem nahen Ossendorf wurde eine weibliche Leiche aus dcr Dieniel gelänget. Sie war gut gekleidet und läßt daraiif schließen, daß die Verstorbene den besseren Ständen angehört hat. Die Leibwäsche war gezeichnet A. R. Rr. 60, der Hut trug den Rainen einer Büdinger Firma, woraus man schließt, daß die Verlebte vielleicht ein Opfer des Büdinger Bank­krachs sei. Mehrere Leute wollen Tags vorher im Felde einen Herrn mit Schnurrbart uni) Brille mit der betreffenden Person gesehen haben.

ll. Hanau, 16. März. Gutem Vernehmen nach wird der König von England im Laufe dieses Frühjahrs dem Landgrafen von Hessin auf Schloß Philippsruhe bei Hanau einen Bestich abjtatten.

LLssiverZiLäLs-NachriÄ-ten.

In Tübingen ist der ordenlliche Professor der physiolo­gischen Chemie, Gustav v. Hüfner, gestorben.

Der außerordeiitllche Professor für Pathologie au der Uni- versität Heidelberg, Tr. Lchwalke, hat die au ihn ergangene Berufung aus den Lehrstuhl des Professors Thierfelder als ordent­lichen Professor der Universität Rostock und als Direktor des pathologischen Institutes angenommen.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Jii bem Kunsijctton von Hirz in Gießen ist das Geinalde- Beelhoveu" von Balestrier i nur noch einige Tage ausgestellt. Die Akademie der Wiffeufchafteu zu Paris erhielt die Mitteilung, daß dem uordaineritanischeu Asirouom Loivel durch Spektralunter» luchuugeu das Vorhaudenseiii von Wasserdämpfen oberhalb des Marc. feflzustellen gelang, was bisher nur Hypothese ivar. HebbelsGyges uud seinRing" ivuröe öie)er Tage wieder­holt aui der intimen Piaueubühne des Züricher Stadtiheaters aufgeiührt. Diec. ijt allgemein als eine Tal empfunden worden. In öidci Szeiieubilberu von höchster Einsacbheit (Uonigshalle und Fraueugemach) spielte sich die Tragödie in SV, Stuiibeii ohne jede

Unterbrechung ab unb übte all! das Publikum, das bei der zweiten Vorstellung das Haus bis auf den letzten Platz füllte, eine außer. ordentliche Wirkung aus.

GerLehtsßcSÄLl

Berlin, 16. Mörz. Das Kammergericht ordnete auf die Beschwerde des Oberstaatsanwalts das Hauptverfahren gegc]1 Rechtsanwalt Karl Liebknecht im ehrengerichtliche-! Verfahren an. '

Geborene: Herrn Georg Enders und Frau in Alsfeld eine Tochter.

Verlobte: Fräulein Hilda Gambach in Friedberg mit Herrn Karl Klar in Mannheim.

Gestorbene: Frau Henriette Nos in Lauterbach. §ett Heinrich Simon in Alsfeld. Fräulein Margarete Elisabete Stoll in Butzbacb. Herr Heinrich K. Köst in Nieder-Wöllstadt. $rflu Mathilde Köcke m Darmstadt. Marre Freifrau v. Wittgenslei i in Darmstadt. Herr Medizinalrat Tr. Eduard Metzler li Darmstadt. Herr Friedrich Stegmayer in Darmstadt. Fräulein Amalie Bernhardt in Marburg. Frau Slatharina Elisabeth LckZ m Marburg. Herr Fritz Atzbach in Garbenheim. Fr^ Henriette Schäfer Ww. in Wetzlar. Frau Katharina Sand in Wetzlar. Herr Peter Dietz II. in Bonbaden. Fräulein Irina Bender in Wetter.

Hande!.

** Neue Reichsbank st elle. Am 23. März d. Js. witib in Friedrichshafen (Bodensee) eine von der Reichsbankslele in Ulm (Donau) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasfenein.- richtung und beichränktein Giroverkehr eröffnet werden.

* Aufhebung einer sürjtlichen Verlobung i« Sicht. Erst vor einigen Wochen wurde die Verlobung der fßruu zesfiu Beatrice von Sachs en -Köburg-Gotha mit bin Prinzen Alfonso von Orleans, Jnfanten von Spanien, be. könnt gegeben. Tie 23 jährige Prinzessin Beatrice, jüngste Tochter der Herzogin-Witwe Marie von Kvburg und Schwester der jetzige Gvoßfürsttn Cyrlll von Rußland, der Prinzessin Ferdinand von Rumänien und der Erbprinzessin zu Hohenlohe-Langenburg, lernte beit um zwei Jahre jüngeren Prinzen, der durch feine Atutter em Vetter des Königs Alfons XIII. ist, in Madrid kennen, als in die Königin Viktoria, ihre Cousine, besuchte. Jetzt meldet ein eng> lifches Blatt, das gute Fühlung z-um Hofe unterhält, diese Helrit werde nicht zustande kommen. Es stehe ihr ein unüberwindliches Hindernis entgegen.

* Eine interessante Verlobung. Ter neue ko» mandierende General des 17. Armeekorps, General der Kävalleiil v. Mackensen, der niederdeutsche Bauernsohn, hat sich mit Leonie von der Osten, der ältesten Tochter des Grafen von der Osten-Jannewitz, verlobt. Ter Vater der Braut ist Majorois- besitzer auf Gr.-Jannewitz im Kreise Lauenburg in Pommern, in der Gegend, in der sich die vorjährigen Manöver der 36. Tivisio n abspielten. Als damaliger Kommandeur dieser Tivisiou hat Ex. zcllenz v. Mackensen im vergangenen Herbst einige Tage in Gr,. Jannewitz in Quartier gelegen und hierbei seine jetzige Brau! kennen gelernt. General v. Mackensen steht im 59., seine Braul im 28. Lebensjahre. General v. Mackensen, der seit zweieinhalb Jahren Witwer ist, war in erster Ehe mit einer Tochter des ehe. maligen Oberpväsidenten der Provinz Ostpreußen v. Horn vir. mählt. Aus dieser Ehe stammen drei Söhne und eine Tochter.

* Ehepaare auf der Eisenbahn. Die uorwegisLx Eisenbahnverwallung hat eine praktische u. ch st n a ch a h meus- werte Neuerung eingeführt, welche beweist, daß die Ehefrau bau Ehemann auch manchmal billig zu stehen kommen Fann. 28enn nämlich Mann und Frau gemeinsam eine Reise unternehmen, sc braucht sür die Fahrkarte der Frau nur die Hälsic desgewöhnlicheuFahrpreises entrichtet zu werden. Tic norm. Eheleute werben sich also in Zukunft auf der Reise, ua dieses Vorteils teilhaftig werden zu Hörnten, mit ihrem Ehekontrakt ausrüsten müssen. (Wie wärs denn, wenn man den norwcg. VerkehrsMinister einmal zur Reorganisation der deutsch:i Eisenbahnsahrpreise auf ein Jahr nach Berlin beriest! D. Red.)

* Tie Duellforderung eines Rechtsanwalts. Ter Rechtsanwalt und Notar Moczynski aus Bromberg war roeg: J Herausforderung zum Zweikampf und Körperverletzung zu brun Wochen Festungshaft und zwei fDtonaten Gefängnis verurteilt wo» den. Moczynski ist jetzt insoweit begnadigt worden, als an Stellt der Gefängnisstrafe eine Festungshaft von gleicher Tauer tritt Der Notar hatte einen Rentier gefordert, und als dieser niet reagierte, ihm aus der Stra'e einen Hieb mit einem Stock üto den Kopf versetzt.

* Zarin uudZ ar i n". Eiu Pariser Blatt meldete biejm Tage als sensationelle Neuigkeit, daß die Zaviu inkognito a' Rapallo eiugetrosfeu fei; mau dürfe daraus schließen, daß lie Kaiserin schwer krank sei und sich an der italienischen Küste crhoü2 wolle. Tags darauf meldete das Blatt, sich etwas schamhaft kv richtigend, daß nicht die Zarin, sondern der DampferSarit:1 in Rapallo aii-jetoinmen fei. (TaS erinnert mutatis mutandis an einen vor mehreren Jahren in einem rheinischen Blatte a> schieneneu Bericht über die Beerdigung eines katholischen Gei5>; liehen. Es hieß dort:Im Leichenzuge wurde weiterhin die trudislade getragen." Tas Blatt wußte nicht, daß die GertrubÄ lade nicht so etwas wie eine Bundeslade, sondern ein Verein ist, kt sich aus frommen Leuten zusammensetzt. D. Red.)

* Was z u einem Wolkenkratzer gehört. Eins ds | fünfzig Stock hohen Geschäflsgebäude, die in Newyork jetzt ua j Bau find, eriorbert folgende Materialien: 24 000 Tonnen Sttti! für dasGerippe" des Gebäudes; 37 000 Tonnen GußmönA i sür die Korridore; foviel Steine, daß sie, aneinandergelegt, um Newyork uack) Tenver reidjen würden; 4500 Tonnen Terrakotta faa die Verzierung; genügend Glas, um drei Straßenblocks damit bedecken; für Heizung und Wasserleitung Röhren, die von Neo> York nach Albany reichen würden; genügend Drähte sür ccrs Telegrapheniinie von Newyork nach Philadelphia und über 30M j Glühlampen.

* Kathederblüte. Professor Schußlich (während civ-L Vortrages):Tie Verbrecher, welche nach Cayenne deportictt werden, meine Herren, sterben infolge des mörderischen Klun-^ j falt alle, bevor fic ihre lebenslängliche Freiheitsstrafe abgebiK haben."

Kleine Tageschronik.

In Münster oraci- während einer Theater-Vorst«^' lung im Arbeiterhaufe Feuer in der Garderobe aus. I entstand eine furchtbare Panik unter den annähernd 2000 Sw suchcrn. Trotz des Gedränges wurde niemand verletzt.

In Berlin schnitt die 26jährige Frau des Hausoienc^ Beyer nach einem Streit mit Der Schwiegermutter in cinar Ansalle von Verzweiflung ihrem 10 Monate alten Mädchi^ mit einer Schere den Hals durch, warf das Kind Al­bern Fenster auf die Straße und sprang dann selbst hinunlM. Mutter und Üinb erlitten den Tod.

Um seine getrennt von ihm lebende Frau und sc>UL drei Kinder zu verbrennen, begoß der Hafenarbeiu2 Bat in Hamburg nachts Tür und Treppe der Wohnirjy seiner Frau mit Peirollurn unb zündete es an. Hausbewohr^l retteten Frau nno Kinder int letzten Augenblick. Bak ipuiXX aus dem Bette heraus verhaftet unb legte ein volles .GeitäÜS Nls ab.