Ausgabe 
16.11.1908 Zweites Blatt
 
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ilr 19u8, VWb eingezogem 'M acht Tage in da ehers offen.

-gemeinde Gießen.

nT- lOr.Sgcineinbe Gießen i für 1909 liegen des unterzeichneten |tcn offen.

ßgemeinbe Gießen.

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Nr.S7O Zweites Blatt

15S. Jahrgang

Montag 16. November 1908

Erlcheiw tS-llch mit Ausnahme deS Sonntag».

DteStehener $amillenbiatter** werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich be,gelegt, das Kretsblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Dierondvlrtschaftttcheti Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Glehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Rotationsdruck und Verlag der Drü bliche» Unwersiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Eleven.

Redaktion, Erveditwn und Druckerei: Schul- straße 7. EroediNon und Verlag: es$ä) &L Redaktion: 112. Teü-AdruAnzeigertSreßen.

ventschrift der Regierung zur Relchrfinanzresorm.

Nach der Nvrdd. Allg. Ztg. sind jetzt dem Reichstage »on dem bereits in der Slllgemcinen Begründung zum Entwürfe eines Gesetzes bett. Aenderungcn im Finanzw^fen angekündigtcn Denkschriftenband die beiden umsangreichsten Teile I und II zu­gegangen. Band I behandelt die histprijcl>e Entwicklung und den gegenwärtigen Ausbau des deutschen Länanzwesens aus 840 Seiten, Band II die F-inanzen der wichtigsten fremden Länder, nämlid} ton Frankreich, Großbritannien und Irland, Italien, Japan, Oesterreich, Rußland, der. Schweiz und den Vereinigten Staaten txm Amerika.

Die geschichtliche Entwicklung der deutschen Reichsfinanzen wird auf Lien ersten 120 Seiten in einer Bearbeitung bärgelegt, die wiederholt ausgcspro<l>encn Wünschten der F-inanzwirtsa-ast und der jjuihi)d)n Politiker entspricht, indem sic grundsätzlich aus den in unserem Etat erscheinenden DrutwKifsern den Netiobedars und die Ätettocinnahmen herauslöst.

Es wird sodann das, vielfachen Umwandlungen unterworfene, finanzielle Verhältnis zwisa>en Reich und Einzelstaaten bargeiegt. Weiter wird die Entwicklung der Schulden von der Neichsgrün- düng am Jahr für Jahr verfolgt und dabei die einzelnen Lc- wiUiß2ngan, die einzelnen Emissionen, ihr Nomiiralbetrag, ihr Zinsfuß, ihr Begebungspreis, ihr Emissionskurs, ihr Nettorapital- erlös, der durch, chnitUich erzielte PrcrS und Realzins sowie der Sclmldbestand am Ende jedes Jahres in tabellarischer Form wic- dergcgcben. Daneben werden die langftistigen verzinslichen Sck-otz- anwelfungen, sowie die gesamten schveoenden Schulden, insbe- solidere bte Entwicklung der kurzfristigen Schapanweisungen, vor­geführt.

Im zweiten, weit umfangreicheren Teil bc5 I. Bandes ,ver- bat sodann die Finanzperhältnisse sämtlicher uffen{lieber ilör- versckzaslen in der Gegenwart und zum Teil auch in der historischen Entwicklung dargelegt.

S-dann sind für jeden der Dundesstaaten die Gesetze über die staatliche und Kommunale Besteuerung auszugsweise meihooijch zujammengestellt; damit wird es zum ersten Male möglich, ein genaues Bild der überaus versc icdenen Steuersysteme in Deutsch­land zu erhalten. An diese Darstellung der Gesetze schliesst sich an eine Finanzstutistik von yieidj uiu> Bundesstaaten und zwar üuer die bcnird vorliegende von 1901/1903 hinaus erweitert auf die Jahre ILLI, 1891 und soweit angängig bas Rcchnungssahr 1907, sowie die Voranschläge von 1908. An diese einzeistaauia-e Sta- tistik schliesst sich die umfangreiche Mitteilung der Ergebnisse der Kommunalijtischen Erhevungen. An die Darstellung der kom­munalen Fiiianzwirtschaft schließt sich die Wiedergabe der Jtesultatc der Kirchensteuer-Enquete.

Die Drnksäwift l)at sich nicht darauf beschränkt, die Erträge der öffentlick)en Abgaben zur Darstellung zu bringen, sondern stellt in weitgehendem Matze die Belastung dar, rotltuc die Ab­gaben für den einzelnen Steuerzahler bedeuten. In einer um­fangreichen Statistik wird dargelegt, wie grotz die Belastung auf den oerjck.iedencn Einkommenftufen bei 47u Gemeinden mit staat­lichen, kommunalen und kirchlichen Einkommensteuern ist. Mit ter Zusammenstellung und Veröffentlichung dieser Erhebung wird zum ersten Male einem oft ausgesprochenen Wunsche der politischen und. wissenschaftlichen Erörterung Genüge getan. Der Denk­schriften oand 1 schließt ab mit einer Darstellung derjenigen Slus- sälle, welche die Gemeinden infolge der Aushebung ter Oktrois durch die Bestimmung des Zolitarisgesetzcs vom 25. Dezember 1902 für die Zeit von 1910 ab erleiden werden.

'.Rad) denselben Grundsätzen, wie die deutschen Finanzen, ist nun ferner im Neichsschatzamt von den Finanzen des Auslandes ein Bild entworfen worden. Auch hier sind überall neben den staatlick-en Verhältnissen, soweit irgend möglich, die tbmniunale Finanzwirtschast in den Kreis der Betrachtung einbezogen worden.

Das übrige Material über die Entwickelung des Wohlstandes in Deutschland und die Zusammeuhuige zwischen denl öffent­lichen Schuldenwescn und dem Uapiialmarrt sollen dem Reichs­tage demnächst zu gehen. Alle diese Veröffentlichungen sollen der bevorstehenden finanzpolitischen Diskussion im Reick-stage die er­wünschte Unterlage geben.

Deutßches llcicb*

Pr inzreg ent Luitpold von Bayern ist leicht er­krankt. Zu ernsten Besorgnissen liegt jedock) kein Anlaß vor.

Die beiden Vorsitzenden des bayerischen

Gießener Aonzertvereirr«

11.

Erster Orchester-Abend.

Bei Henri Marteau erinnert eigentlich nur der Name an den Franzosen. Sein blondes Aeußere und fein Spiel erscheinen uns urdeutsch, und es ist wohl auch mehr als ein eigenartiger Zufall, der diesen Franzosen in die deutsche Neichshauptstadt geführt und ihn zum königlich preußi­schen Akademieprosessor gemacht hat. Sein innerstes Wesen ist, von der deutschen Mutter her, deutsch, und darum wohl können wir in ihm einen so einzigartigen Interpreten BachS bewundern, des deulschesten aller deutschen Musiker. Marteau geht mit tiefgründigem Ernste an seinen Kompv- nisten heran, er ergründet iyn logisch, verstandesgemäß und versucht es in erster Linie, die innersten Adstchteu der jeweiligen Komposition so klar und deutlich wie nur möglich zum Ausdruck zu bringen. Seine musikalische Ge­wissenhastigkeit verbietet es ihm, irgend etwas eigenes in sein Spiel hineinzulegen, was der Empfindung dc§ Kom­ponisten nicht entspräche. Bei ihm ist die ausgearbeiteistc und staunenswerteste Technik und sein eminent musikalisch- ästhetischer Sinn rastlos int Dwüste der künstlerischen Idee, die ihm aus dem Werke des Meisters entgegenj^ringt Wir bewundern darum die saubere Subtilität seiner Kunst und lieben an ihm die Ehrfurcht, mit der er selbst den großen Meistern der deutschen Musik gegenüber steht und mit der er sie uns mitgenießen läßt. Das aber ist baä Größte, was ein so vollendeter Meister seines Instruments, wie Marteau, dem Zuhörer bieten kann, daß er uns alle Schön beiten eines musikalischen Kunstwerks rein und unverfälscht hören läßt. Wir Gießener haben ja schon mehrmals ba-> Glück gehabt, diese seine Art kennen zu lernen und wir bewundern sie und erfreuen uns dieser wahrhaft seltenen Kunst, je öfter wir Marteau hören.

In dem gestern gespielten Konzen für Violine und Orchester (op. 77 in v-dur) von Brahms mußte schon dem mus italischen Laien die gewaltige Gedachtme'arbeit impo­nieren, mit der Marteau dieses schwierige Werk bewältigte. ^> es aber noch unendlich viel mehr war, als bloße Ge- MchtniSarbeit, daß es ein tiefes Eindringen, ja ein völliges Lurchdringen die,er grandiosen musitalischen Schopsung bar, dieser Eindruck prägte sich einem schon bald naa) -en ersten Latten ein. Wie entfesselte Litailengewaiten über fluteten du; Lomvellen des. Beachmschen Meisierw^tes

Flottenvereins v. Braun und Oberstleutnant v. Spies haben ihren Rücktritt erklärt.

Bei der L a n d t a g S e r s a tzw a hl für den Wahl- kreis Kaiserslautern wurde lautPfalz. Presse" der Lehrer a. D. Hoffmann (Soz.) mit 5755 Stimmen gewählt. Der Werkmeister Wolf (liberal) erhielt 3467 Stimmen.

Schücking. Wie dieB. Z. am Montag" erfnljrt, wird Bürgermeister Dr. Schücking gegen daS auf 500 Mk. Geld­strafe lautende Urteil des Schleswig, chen Bezirks-AussclMsses daS Rechtsmittel der Berufung cinlegcn.

Todesfälle. Ter Kommandeur der 66. Infanterie-Bri­gade, Generalmajor Salz mann, ist infolge von Herzschwäche in Metz gestorben. Der erste Delegierte Großbritanniens für die Berliner Urheberrechtskonferenz Sir Henry Bergne ist gestern früh einer Lungenentzündung erleg.n. General­major a. D. Philipp v. Frank ist gestern vormcktag im Alter von 10 2 Jahren in Berlin gestorben.

Ausland.

DaS neue österreichische Kabinett. Der Kaiser hat die Vorschläge des Freih. v. Bienerlh bezüglich der Bildung des neuen Kabine,ts genehmigt. Das Präsidium übernah.u Bie- nerth. Zum Minister deS Innern wurde der Sekliousck>ef Geh. Rat v. Hürdtel, zum Minister der Landesverteidigung der frühere Landesverteidigungs-Minister Feldmarschall -Leutnant v. Georgi ernannt. Die Leitung der übrigen Mmistericn wurde den rangältesten Sektionsche s übertragen. Außerdem wurde zum Minister ohne Portefeuille als pvlni,cher Laudcsminister Abra- hamovicz, als t|djed)ifdjar Landsmanniuinister der Vizepräsident des Abgeordnctenhau,cS Zacek, als beutfdjer Landsmaunmünster der deutsch-agrarlsche Abgeordnete Schrciuer ernannt.

Politischer Klatsch. Wie das Reuterscl^ Bureau zu dem Artikel desVaderland" aus bester Quelle erfährt, ist weder beim Ausbruch des russisch-japan.stz-en Krieges, noch sonst im Laufe des Jahres 1904 ein Brief des deutschen Kaisers Gegen­stand einer Unterhaltung zwischen der Königin von Holland und dem Dr. Kuypcr gewesen. Alle daran gclnüpftcn Kominentare, und ganz besonders, soweit sie diese Angclegeuh-.it mit dem Nord- seeabtommeu in Zusammenhang bringen, an welchen Znfami- en- hang in diplomatischen Kreisen übrigens niemand geglaubt hat, sind demnach ohne jeden Wert.

Zunahme der Verbrechen in Frankreich. Im Zusammenhänge mit der Beratung des Gesetzes über die Abschas- sung der Todesstrafe in Frankreich wwd heroorgel-obcn, daß die Verbrechen in Frankreich in den letzten 5 Jahren in erschreckender Weise zugcnommen ljaben. In den letz-en 6 Jahren hat sich die Zahl der Morde nahezu verdoppelt. Unter diesen Umständen glaubt man, daß die Kammer die Abschaffung dec Todesstrafe nicht bestätigen wird.

Rücktritt des russischen Unterrichtsministers. Petersburger Blättermeldungen zufolge hat der Unterriastsminister Kaufmann seine Demission gegeben infolge eines kaiserlichen Ukasses, der ohne Anfrage des Ministers erschien, und durch ben die Studentinnen ermächtigt wurden, ihre S:u- dien aus den Universitäten zu beenden. Der UlaS bedeutet einen öffentlichen Tadel sür den Unterrichtsminister, der die Studentinnen in diesem Jahre von der Universität aus­geschlossen hat. Der Kabinettschef bemüht sich, einen Ausgleich herbe ^zu führen.

Millionen-Defraudation en. ZeitungS-Telegram- men aus Petersburg zufolge sind in die Muliouen-Tefrau- dations-Afsäre auf der kaiserlichen NewSff-Werst über 2 2 0 9)t a » rine-Offiziere,darunter8aktiveAdmirale,ver- wickelt. Nur ein Teil der Beschuldigten ist bisher dem Sraats- anwalt zur Strafverfolgung übergeben worden.

Prinz Ludwig von Battenberg. Wie dieDarm­städter Zeitung" mittcilt, ist Prinz Ludwig von Dattenberg, seither zweiter Ches des englischen Mittelmeergeschwaders, zum Höchst- kommandierenden der Atlantischen Flocke mit dem Sitze in Gib­raltar ernannt worden.

Präsidentenwahl in Kuba. Die allgemeinen Wahlen endeten mit dem Siege der Liberalen. General JosS Miguel Gomez wurde zum Präsidenten, Dr. Alfredo Zayas zum Vizepräsidenten von Kuba gewählt.

Ans Sia&t und Land.

Gießen, 16. Äiovember 1908.

Vom Großherzoglichen Hose. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind am Samstag abend von Tarmstadt noch Kiel obgereift. Prinz Ludwig von Battenberg, seither 2. Chef deS englischen Mitlel- meer-Ge,chivaders, ist zum Comnjander-m-Chiet (Höchst- kommand 7) der atlantischen Flotte mit dem Sitz in Gibraltar ernannt worden.

** Der Verkaufstag der Frau Groß­herzogin, der am Samstag nachmittag bis 9 Uhr abends im Re.ioeiizschloß zu Dar m sra d t stattsand, dürfte zum Besten der armen Lungenkranken und Tuberkulösen einen reichlichen pekuniären Erfolg erzielt haben. Die Idee Hatto trotz deS Widerspruchs, der von einer Anzahl Geschäfts­leute dagegen erhoben worden war, beim Publikum lebhaften Anklang gefunden, denn der Zudrang zu den Bazarräumen war so stark, daß der Verkehr längere Zeit sehr beengt war und die mit Gepäckstücken aller Art beladenen Besucher Mühe hatten, vorwärts zu kommen. An den verschiedenen Vertuufsstänoen, die meist mit Prunk und Geschick aufgebaut waren, beteiligten sich außer der Großherzogin und dem Großherzog auch Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinzessin Ludwig von Battenberg mit ihrer Tochter Luise, Prinzessin F-riedrich Karl von H.s.en, Prinz und Prinzessin F-ranz Joses von Dattenberg, Fürst uno.Fürstin zu Solins- tzohensolms-Lich. Fürst und ßürjiiu Jsenburg-Birstein, Prinz und Prinzessin Leopold zu Jfenburg-Dirstein und die beiden Prinzessinnen zu Solms-Draunscls, sowie die Damen der obersten .Hofchargen und Würden.rager. Die Damen hatten durchweg schinuae Phautasielostüme im Stile der tunst- lerisch ansgestatleten Zelte und Berkaufsftände angelegt, alles war mit Girlanden, weiß lackierten Gitterlauben re. verziert. An den Verkaufsständen konnte man Kunst- und Ziergegenstände aller Art erhalten, besonders weibliche )muckiachen, prächtige Stickereien, seidene Tücher, Pompa­dours, Etuis, Scksalen, Vasen, Nippessachen, Blumen, ge­stickte Westen und als Spezialität künstlerische Hutnadeln nach Entwürfen des GrotzherzogS. Viel getauft wurden aueg die zahlreichen Stücke der Kaiserin von Rußland, die an einem prächtig dekorierten Verkaussstand beionders aus- geboten waren; an anderer Stelle wurden sogar in schmucken KäsigenWinterhärte" Zieroögel, z. B. Wellensittiche, das Paar zu 8 Mk., ans der Kolonie Jagdschloß Kranichstein, verkauf. Bei der liebenswürdigen Anpreisung der Gegen­stände durch die schmucken Vertäuferinnen wurde natürlich sehr viel getauft, und eine äuperft lebhafte Frequenz fanden auch die mannigfachen Erfrischungsräume, woselbst auch eine besondere Viellieochenbudc mit Verlosung auigestellt war. Es herrschte bis zum Schluß der Veranstaltung ein. äußerst reges Leben.

Fe stessen an Großherzogs Geburtstag. Wii alljährlich findet auch in diesem Jahre zur Feier des Ge- burtsl ges S. K. H. des Großherzogs Pffttlvoch, ben 25. d. MtS., nachmittags 21/» Uhr im großen Saale dcs Geseltschaftshauses cm Festcsstn statt. Listen zum Einzeichnen hierzu liegen nn Bureau deS Großh. Krelsamts Gießen, der Großh. Bürgermeisterei Gleßen und nn Gesellschafts- Hause, Sonnensiraße, offen.

** Eine Sitzung des Provinzial-Aus- s chu sses findet am Samstag, 21. d. M., vorm. 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des 3otß. Kunz in Romrod um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirt­schaft. 2. Klage des Ortsarmenoerbandes Gettenau gegen ben Orcksarmenverband Heuchelheim wegen Unterstützung der Konr. Herzberger Wwe. 3. Gesuch des Johs. Scyroth zu Düdelsheim um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirt­schaft.

bie Zuhörer. Man luylte ,ich in Urweltrie,en jäh hinein­geschleudert und aus dem Wogen und Wallen dieser Fluten heraus führte einen bann der ffchere, süße, gleißende Geigen­ton an der Spitze dieser tosenden, brausenden Tonmassen wieder zurück zur Erde, ins Leben und Menschendasem. Diese Musik war ein Erlebnis, ein überwältigendes Ereignis, das in die geheimsten Tiefen des eigenen Innern hinab­reicht. Man vergißt zu atmen, man vergißt, daß man lebt, man fühlt sich nur noch im Genießen unausfprechlich Schönen.

Wie ein erquickender Regen nach einer furchtbaren Ge­witterschwüle wirkte die auf Brahms folgende liebliche Mo- zartsche Symphonie in Mur. Die Spannung laßt nach, oiese sanften Töne umfangen den Zuhörer mit ihren ein» schmeichelnden Rhythmen. Mozart wirkt nach Brahms wie eine Erlösung. Dann gibt» noch einmal eine gewaltige Anspannung für die Sinne bei Bachs Sonate M. 1 in G-moIl für Bwline solo. Marteau entlocEr feinem Jnstru- mente Töne, die nahezu über alles Begreifen gehen, aber Bach spricht in dieser Komposition eigentlich mehr zum Verstände als zum Gemüte.

5iachdem Marteau fein meisterliches Spiel beendet hatte, durchbrauste ein freudiger Applaus ben Raum; man ries den Meister immer und wieder hervor und war beglückt, daß er sich noch zu einer Zugaoe entschloß. Mati) dem Brahmsschen Konzert wurde Herrn Maneau ein prachtvoller Lorbeerkranz überreicht.

Eingeleitet wurde das Konzert mit Beethovens Ouver­türe zu Fidelio (op. 72 in L-dur), geschlossen mit Mendel- fohns Ouvertüre (op 21) zum Sommernachtstraum. Die Der flaute Synrphoniekavelle des Zoologischen Gartens aus aus Frankfurt a. M. erledigte sich unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Prof. Traut mann feiner Ausgabe aufs beste.n.

Stadt thea ter. Mit ungemein lebhaftem Erfolg wurde gestern abend das bekannte LustspielKean" auf- geführt. Die Regie arbeitete nicht immer mit wünschens- werter Genauigkeit; vor allem herrschte im ersten Auszuge anfangs bedauuliche Unordnung. Das Spiel war iin allge­meinen recht anerkennenswert. Erich Wein gärtner zeigte sich als jican sehr vorteilhaft und geroanbr, wobei rhm vor allen- feine vorzügliche Sprache zu einem un­gewöhnlichen Lc-julge verhaii. Max Kronert verkörperte uukL dem wpcrMrsigen, sowniLeA Humor,

der ihn be^onoerö schätzenswert uno selten macht. Sehr nett und sinnig war Torte Maifarth als Seiltänzer Pistol, Anni R ö b e r als Anna Tandy und Claire Albrecht als Helena ließen nichts zu wünichen übrig. Hermann Ba kof war als trotteliger Graf wieder sehr gut, und auch Clemens R 0 d e n als Prinz von Wales und Rolf Ziegler als Lord Melvill genügten vollauf.

Ein bisher unbekanntes Scherzgedicht R i ch a r d Wagners, an den Besitzer deS Ho'el de Pruste in Leipzig gerichlel und auS dem Jahre 1871 stammend, findet sich in einem Bersleigerungsc'aialoge wertvoller Antogravheu, den die ffirma I. H. Stargardt in '-derlm foeven erichemen läßt. Wenn Wagner seine Vaterstadt Leipzig befuchte, pflegte er stets in dein genannten (vaslhote gu wohnen und ans Dankbarkeit widmete erfeinem sreunütichen Wirt, Herrn Louis Kraft", folgende Verfe^ Der Worte viele sind gemacht,

Doch selten wird die Tat vollbracht: Was ein Hotel zum Eden Ichasjt, DaS sind nicht Worte, sondern Straft

In meiner lieben Vaterstadt, Mas hab' ich dort vom -Magistrat? Ter mir hier Wohn' und Wonne schafft Das ist der edle Wirt, Herr Krall.

Von ihm, der mich so schön empfing. Fortan mein rühmend Lied erllmg. Des Königtums, der Künstlerjchaft Sinnreicher Wirt, es lebe Krall. »

Hole! de Pruste. Leipzig, 22. April 1671.

Richard Wagner.

Dem Text ist eine leicht sangbare Melodie beigegeben, in .scitlich^narichariigem Charakter',in dankbarer uevendigkeü" überschrieben und emsiimmig. Es ici noch hinzugeiügt, daß Uragner sich damals an einem wichtigen Wendepunkt seines Lebens be'ano. Als er nn Frühjahr 1871 nn Hotel de Pruste m Leipzig abjneg, be and er jich aus der Reise von Bayreuth nach Berlin, um dort die Gründling von Patronatsvereinen zu besprechen, >vo- durch er die yenipiele 111 Bayreuth finanziell sichern ivoUte.

"7, c lu ie,lt)Q'tigteit und Schillern re ts. Ein Straßburger Zerleger hatte, so erzählt man derTäglichen Nnnd- ichau , das in ,einem Berlag eischienene Drama 'eims iur die ostentUche Meinung noch nicht abgettempelten Autors der Lchlllerpreis - Komnnssion emgereicht, rote das nach den iüc öcn Wettbewerb gütigen Vorschriften gestattet ist. Mit der Dlotu hn? \!!U ö? 1 Ll e ,r p l"e 15 111 d) 1 -" erka n n t worden sei,'

tjat nun der in Berlin wohnende Verfasser dieser Tage daS ge^chn^i't^E ^"^"dmtnislertum zuruckerhaltcn, {aber miauf- k. , Rob eloreis für Wissenschaft Die Stock­holmer Akademie der Wisienschasteu hat vejchlosteu^ deustüobelprech