Nr. 115 Zweites Blatt 158. Jahrgang
Samstag 16. Mai 1908
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ..Stetzener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqelegt, das ..«retsblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeitfragen- erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhchen
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerel.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 61.
Redaktion! r?. ^Ll-vfdruAnzeigerGießen.
Deutsches Reich.
Kriegsminister von Einem ist in Berlin ein- | Mtroffen und hat die Dienstgeschäfte wieder übernommen.
Der deutsche Städtetag tritt am 6. Juli d. I. i unter dein Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner in I! München zusammen.
Koloniales. Wie die „Deutsche Post" erfährt, hat iur Gouverneur von Südwestasrika den Hauptmann Franke in das Ovamboland entsandt, um auf friedlichem Wege P b-tn deutschen Einfluß zu erweitern und zu verstärken.
Die angebliche M o u a r cb e n b e g e g n n n g auf den Zalearen. Die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm duf den Salearen eine Zusammenkunft mit König Alfons von Spa- | ii>en haben werde, wie der Pariser „Figaro" wissen wollte, entspricht der „Täglichen Rundschau" zufolge nicht den ^itsachen.
Der Rechtsstreit des Hagener Vereins für k Feuerbestattung gegen die dortige Polizeiverwaltung .st vor dem Oberverlvaltungsgericht jetzt zur Verhandlung gekommen. Die Polizei hatte gegen die Absicht des Vereins, bte Einäscherung von Leichen vorzunehmen, ein Verbot er- Ilcrssen. Das Oberverwaltungsgericht hat die dagegen ein» I gelegte Beschwerde zurückgewiesen, also die Leichen-Verbren- niing als für Preußen nicht zulässig erklärt. Die Feuer- beftottung kann nunmehr nur ans dem Wege der Gesetzgebung zur Einführung gelangen.
Der Kaiser und der Zar. Die „Magd. Ztg." hatte aus Petersburg gemeldet, daß in dortigen Hofkreisen perlaute, auch im kommenden Sommer werde eine Zu- stmmeukunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren statt- lirben. — Wie das „B. T." hört, ist an Berliner amtlicher Stelle bisher von einer solchen Absicht der beiden Monarchen ■ noch nichts bekannt.
Anstand.
Die Abgesandten Muley Hafids in Paris. Die vier Abgesandten Muley Hafids wurden gestern vormittag im Ministerium'des Aeußern zu Paris vorstellig und erlangten, vom Minister empfangen zu werden. Der Minister lehnte es ab, sie zu empfangen oder empfangen zu. lassen. Die Abgesandten zogen sich zurück, ohne ein Schriftstück zu hinterlassen. Die Abgesandten Muley Hafids würben auch im Elysee vorstellig, wo sie gleichfalls nicht mtpfangen wurden.
In CHarb in wurden 200 Chinesen, darunter liefe reiche Kaufleute, während einer Theatervorstellung verhaftet und ins Gefängnis abgeführt. Der Polizei- : meister erklärte, daß die Verhafteten ohne Pässe seien. An j ben chinesischen Gesandten in Petersburg wurde eine Be- chZerde eingereicht.
Chinefische Rebellen. „Newyork Herald" be- j lichtet aus Shanghai: Die Zahl der Aufständischen umfaßt I; l'j 000 Mann; diese stehen unter dem Befehl von Studenten, I iie in Japan studiert haben. Die Rebellen besitzen Artillerie | itcb haben ihre Bewegung seit langem vorbereiten können, & )a die Provinz Punnan, wo die Unruhen ausgebrochen rmi), nur 5000 schlechtgedrillte kaiserliche Soldaten besitzt. Litt Verbindungen mit Menglse, einer Kopsstation der fran- Wßischen Eisenbahn, sind abgeschnitten und die Einnahme .'2i Stadt durch die Rebellen wird stündlich erwartet. Die finger Regierung kann erst in drei bis vier Monaten Ver- iaifungen an Ort und Stelle bringen.
Deutsche I n st r u k t e u r e für Brasilien. „New !>rk Herald" berichtet aus Rio de Janeiro: Der brasilia- r üphe Kriegsminister hat beschlossen, deutsche In st r u k- :e iir e an Stelle der französischen für die brasilianische ■t nee einzustellen.
Die amerikanische Artillerie. Der bisherige f'l besehlshaber des atlant. Geschwaders, Admiral Evansi, der n San Francisco eingetrofsen ist, erklärte in einem Inter
view, die Veröffentlichung der Listen über die Treffer bei den Schießübungen der Kreuzer werde in der ganzen Welt Aufsehen erregen, da sie alle Rekorde der bisherigen amerikanischen sowie der englischen, französischen, japanischen und deutschen Artillerie weit übertreffen. Der Admiral erklärte sich für eine bedeutende Vermehrung der amerikanischen Flotte. Einen Krieg mit Japan halte er für unwahrscheinlich, da die Amerikaner zuviel Geduld hätten und die Japaner zuviel gesunden Menschenverstand besäßen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 16. Mai 1908.
** Tageskalender. Konzertverein: Sonntag vormittag 11 Uhr Kammermnsik-Matinöe in der neuen Aula.
Kolosseum: SamStag Programmmechsel.
Kine matographen- Theater: Samstag Programmwechsel.
Anlage musik (Dolkskonzert) um 12 Uhr in der Süd- Anlage. Spielplan: l. Introduktion aus der Oper .Traviata", von Verdi; 2. Valse bleue, von MargiS; 3. Czardas, von Michiels; 4. Hoch das Kaiser-Regiment! Marsch von Hüttenberger.
•* Parlamentarisches. Der IV. Ausschuß trat am Freitag zusammen, um eine Reihe von Berichten über Gegenstände, die in den letzten Sitzungen beraten worden waren, entgegen zu nehmen. Die Berichte, darunter auch die Vorstellung der Darmstädter Hofmusiker betr. wurden genehmigt. Die Beratungen werden heute fortgesetzt.
•• Promotion. Wie wir erfahren ist der Direktor der medizinischen Veterinärklinik hiesiger Universität Professor Dr. ©meiner von der medizinischen Fakultät der Universität München summa cum laude zum Doctor m edicinae promoviert worden.
•• Licht-Luft-Bad. In erfreulicher Schnelligkeit hat Bürgermeisterei und Stadtverordneten-Versammlung die erforderliche Zustinnnung zur Errichtung eines Licht-Luft-Bades auf den städtischen, an Badeanstaltsbesitzer Müller verpachteten Wiesen erteilt. Noch vor Pfingsten dürfen wir erwarten, daß die erste Anlage hergestellt ist und dem Betriebe übergeben werden kann. Der Vorstand hat daher beschlossen, schleunigst ans Werk zu gehen, und was ganz besonderer Hervorhebung wert ist, das Fr a u e n - Licht-Luft-Bad wird sofort mit errichtet. Zwar sind dazu noch nicht alle Mittel bereit, ober die Anteilnahme der weitesten Kreise dürfte für Aufbringung des fehlenden Betrages wohl in Kürze sorgen, und so dürfen wir hoffen, daß diesen Sommer ein dauerndes Unternehmen ins Leben tritt, das vielen Generationen zur Erhaltung des wertvollsten Lebensgutes, der Gesundheit, dienen möge. Beiträge sind jederzeit willkommen; bei der Bank für Handel und Industrie hat die Gesellschaft ein Konto eröffnet, auf das jederzeit Einzahlungen gemacht werden können und willkommen sind.
** Freidenker -V ereinigung Gießen. Man schreibt uns: Die Vereinigung begrüßt den bevorstehenden Vortrag des Pfarrers Korell und bittet Mitglieder und Nahestehende, ihn zu besuchen. Sie hat aber ferner beschlossen, noch vor dem Tage der liberalen Versammlung einen öffentlichen Vortrag abzuhalten. Derselbe wird im Saale des „Einhorn" stattfinden und zwar Mi.twoch, 20. Mai abends 9 Uhr. (Näheres demnächst im Anzeigenteil.) Es ist der Vereinigung gelungen, als Redner Herrn Professor Dr. W. Kinkel, Gießen zu gewinnen, der sich das Thema gestellt hat: „Freiheitliche Kulturideale". Der Stoff steht im engsten Zusammenhang mit der Erneuerung und Verjüngung der liberalen Parteien und dürfte deren Interesse im weitesten Umfange begegnen.
•• Kun st verein. In der Gemälde-Ausstellung nm Brand sind zu den seit Sonntag ausgestellten Bildern des Berliner Malers Meinhard Jacoby weitere 5 Bilder hin- zugekomnien, sodaß die Ausstellung von diesem Künstler nunmehr 8 Bilder allfzuweisen hat. Die gegenwärtige Ausstellung verbleibt nur noch kurze Zeit.
** Grünt die Eiche vor der Esche, hält bet) Sommer große Wäsche!" In der Regel streckt der Eichwalb feine knorrigen Äste noch kahl gen Himmel, wenn ber übrige Laubwalb schon tagelang im schönsten Grün prangt. Diesmal ist's anders. Das feuchtwarmc Tropeu- wettcr ber ersten Maihälfte läßt ihn jetzt schon, kurz nach ber Rotbuche, fein zartes, krauses Blattwert entfalten. Die Esche ist noch zurück und kommt in geschützter Lage langsam nach. Sollte sich also obige Bauernregel bewahrheiten, bann bürste uns ber kommenbe Sommer noch gründlich ivascheu. Doch: Bange machen, gilt nicht! Wir wollen hoffen, baß bie in genannter Redensart angefüiibigte große Wäsche eigentlich schon erfolgt ist, so baß mir uns recht balb bei Hellem Sonnenschein an der herrlichen Vegetation erfreuen können, bie ber nasse Wonnemonat in seltener Ueppigkeit schuf.
•• Alice-Frauenverein für Krankenpflege* Wie aus einer Bekanntmachung im Inseratenteil hervorgeht- lcißt der Alice-Frauenverein wie in früheren Jahren so auch dieses Jahr Vorträge für Frauen und Mädchen über, die Pflege Verwundeter und Kranken halten. Die Vorträge finden Donnerstag? von x/25 bis ^6 Uhr im Zeichensaale der Stadtmädchenschule, Schillerstraße 8, statt und sind unentgeltlich. Beginn am 4. Juni d. I., 5J/2 Uhr nachmittags. Der Kursus wird für alle Teilnehmerinnen von großem Nutzen fein, da sie das hier Gelernte im täglichen Leben vielfach verwenden können. Im Interesse des guten Zweckes, den der Alice-Frauenverein verfolgt, ist zu wünschen, daß die Vorträge recht gut besucht sein werden. Anmeldungen werden von der Oberlehrerin der Aliceschule, Frl. Möser, und Frau Kaufmann Fuhr, Sonnenstraße, entgegengenommen.
•* Der Verband der Krankenkassen und der ®e* meinben als Träger der Krankenversicherung hält am Sonntags den 31. in Zwingenberg die 5te I nstruktions stunde, ab, wobei die wichtigsten Bestimmungen ber Unfall-, beri Krankenversicherungsgesetze, bie Rechte und Pflichten ber Aussichtsinstanzen 2c. besprochen werben.
** „D a bleibe, wer Lust hat, mit Sorges zu Haus". Die mehr unb mehr sich verbreitende Wanderlust veranlaßt auchmorgen wieder mehrere Gießener Vereine, zu Ausflügen. Tie Sektion Gießen des Deutsch-Oester-^ reichischen Alpenvereins unternimmt (ab heute mittag) eine; l^tägigc Wanderung in den Vogelsberg, während der Zweigverein Gießen des Vogelsberger Höhenllubs Dorsbach- unb Mühlbachtal, Nassau und Schloß Schaumburg besucht. Der „Lieberkranz" enblich unternimmt am Mittag einen Familienausflug nach Weilburg.
** Ein bemerkenswertes Doppeljubiläum kann Fabrikant Friebrich Krogrnann hier begehen. Es; sind jetzt gerade 25 Jahre, daß er seine Kafsenschrantfabrik: unb Fahrrabhandlung betreibt und gleichzeitig wurde ber < 20 0 0. Kassenschrant in seiner Fabrik fertiggestellt. Der „Jubiläurns"-Kassenschrank ist im Schaufenster der Firma ausgestellt.
Pakete während der Pfingstzeit. Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Poslpaketadresse ist für die Zeit vom 31. Mai. bis einschl. 7. Juni weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dein Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können: auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer Postpaketabreffe versanbt werben.
ausgenommen. Die Komik des 2300 Jahre alten Stückes" hatte nichts von ihrer Wirkung eingebüßt, und sein Grundgedanke, der Streit des Idealismus mit dem Realismus, griff so tief in bie Gegenwart hinein, wie sie es zur Zeit der Erstaufführung in Athen getan. Inszenierung unb Darstellung waren vorzüglich. — Das Ltadlverordnetenkoue- gium, sowie Bürgermeister Dr. Glassiug unb mehrere Bei- georbnete besichtigten dieser Tage die Bauten der bestimmt am 23. M a i norm. 11 Uhr zu eröffnenden Ausstellung, sowie im Atelier des Bildhauers I o b st Darmstadts neuesten Denl'malsschmuck, bas neue Liebigbenkmal, für ba§\ bie Stabt einen Bauzuschuß von 3000 Akk. bewilligt hat. Zur Besichtigung stand ein kleineres, vollständiges Modell des Denkmals, sowie ein Maßmodell der Hauptfigur desselben zur Verfügung. Die Hauptfigur, eine Symbolisierung der Wissenschaft, vermittelt den Gesamteindruck des Denkmals. Sie steht auf einer quabratförmigen, mit nicberer Ballustrabe umgrenzten Steinplatte, bereu vier Ecken niedere: kugelgekrönte Säulen mit diskretem Reliefschmuck, den Ao- schluß der Einfafsung bildend, einnehmen. Auf der Mitte- der Steinplatte erhebt sich wuchtig und monumenral ein zweifach gegliederter, sich nach oben abgegrenzt verjüngender Sockel, der bildhauerisch fein ausgearbeitet ist: Die untere Hälfte des Sockels zeigt an den Ecken figürlichen Schmuck. Zwei Seiten des Sockels werden von figürlichen Reliefs eingenommen, die die Agrikulturchemie und oen Ackerbau symbolisieren, die Rückwand soll eine Inschrift aufnehmen, deren Text noch festzusetzen ist, die Vorderseite trägt nur den Namen Justus von Liebig in moderner Schrift. Die oben abgestufte Hälfte des Sockels trägt vorn das Reliesbildnis Liebigs, von einem Lorbeerkranz umrahmt, von dem ausgehend Lorbeergewinde, die von vier, die Ecken des Sockels bildenden Knabengestalten gehalten werden, den oberen Abschluß des Sockels umrahmen. Tie übrigen drei Seiten tragen bie Wappen ber Geburtsstabt Liebigs,. Darmstadt, der Städte, in denen er namentlich wirkte, Gießen und M ü n ch e n. Gekrönt wird das ganze durch eine Allegorie der Wissenschaft. Diese, eine überlebensgroße, sitzende weibliche Figur, die in der erhobenen' Linken eine Schale hält, von der eine Feuerflamme auf» lodert, ist vom Künstler in strengen Formen, aber in freier, ungezwungener Bewegung komponiert.
Hessische Landesausstellung Darmstadt 1908.
Ausstellung hessischer und nachbarlicher Grabmal- leschäfte, arrangiert von Dr. W. von Grolman-Wies- iaüen. Kleine Friedhofsabteilungen, von Künstlern einge- |littet, haben schon mehrere der Sommerausstellungen der ■’-bten Jahre gebracht, eine durchgreifende Besserung unserer roftlofen Zustände des Grabmaiwesens kann aber nur er- leicht werden, wenn es gelingt, bie den Grabmalhanbel be- iirschenden Steinmetzfrrmen vor den Friedhöfen wieder 'mstlerischer Arbeit zuzuführen, da immer nur wenige sich liieeft an den Künstler wenden werden. Im allgemeinen ist :nan sich nicht klar darüber gewesen, daß die Frage der ncift auf dem Friedhof int wesentlichen eine Materialfrage '!. Nur die Einführung des Granits, dessen übertriebene oo-rte jede künstlerische Formgebung unmöglich macht, gibt üe Erklärung, warum das Grabmal gerade in den letzten j Zähren immer tiefer sank, obwohl Architektur und Plastik ’dngft in aufsteigende Bahnen eingetreten waren. UeberaU, bv'hin wir kommen, empfängt uns dieselbe monotone Reihe chlvarz polierter Obelisken, die frisch gewichsten Oefen ntcht '-n.chnlich sind. Durch diese Politur sollte der Mangel an fOTim verdeckt werden, wobei man übersah, daß der polierte tain im Freien ganz unkünstlerisch wirkt, weil er niemals ’•<£) der Natur einfügt, sondern durch feine viel ju fatte fflnbe und die spiegelblanken Flächen frostig und nüchtern ’Ux den weichen Tönen und Linien der Umgebung heraus- ÜIBL Es muß zugegeben werden, daß der früher fast allein ' lidräuchliche Sandsteiit der Verwitterung und unschönem Üoosansatz allzu leicht anheimfiel. Aber für ihn ist fit den jch'reichen Kalksteinarten ein unserem Kltma völlig gewachsener, an Schönheit weit überlegener Ersatz gegeben. ;-iqt minder glücklich tritt an die Stelle des un,oltden und • kenDig wirkenden italienischen Marmor der mannltch kraf- Wg« und tadellos wetterbeständige weiße „Laaser". Dte
-stellung zeigt, welch reiche Abwechselung tn dtesen kleinen möglich ist und wie unendlich wohltätig bie Hefier- Htt der Hellen Farben den Ernst des Friedhofs freundlich
mildern vermag. Möge das Unternehmen bin Zeug- iS des wiedererwachenden Idealismus in den Kreisen .der ^lainmetzen — dazu beitragen, auch die Kreise für eine di-ibige Ausschmückung ihrer Grabstätten zu interessieren, £n?n Zeit unb Ruhe oder Gelegenheit fehlt, sich direkt mit «n Künstlern in Verbindung zu setzen!
Die Kollektiv -Aus st ellung des Ern st- Ludwig-Vereins unter Leitung seines Generalsekretärs, des Großh. Landeswohnungsinspektors, umfaßt die aus sechs Heimstätten (2 Zweifamilienhäuser, Doppelhaus für 2 Familien, 3 Einfamilienhäuser) bestehende Kleinwohnungskolonie, ferner Modelle, Pläne und Schaubilder von schönen, bereits in Hessen ausgeführten Häusern für Minderbemittelte, sowie von Entwürfen, die in dem 1905 von dem Verein veranstalteten Wettbewerb zur Erlangung mustergültiger Pläne zu Häusern mit kleinen Wohnungen preisgekrönt, angekauft ober in sonstiger Weise ausgezeichnet sind. Bei der Errichtung ber Kleinwohnungskolonie biente ein Programm als Grundlage, auf welches sich sämtliche Beteiligten geeinigt haben. Danach ist Zweck des Unternehmens die Lieferung des praktischen Nachweises, baß auch beim Bau kleiner Häuser unb bereu innerer Einrichtung künstlerischem Empfinben ohne besonbere Kosten Rechnung getragen werben kann; gleichzeitig soll es zur weiteren Ausbreitung der Woh- nungsfürsorgebestrebungen beitragen. Die Kosten für die Häuser und Möbel usw. müssen so bemessen werden, daß sie für weniger bemittelte Personen erschwingbar sind, und zwar dürfen die Baukosten betragen für das Einfamilienhaus höchstens 4000 Mk., für das Zweifamilienhaus höchstens 7200 Mk. Die Herstellungskosten der Möbel für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche, nebst sonstigen Einrich- tungsgegenftändcn, wie Matratzen und Bettzeug, Küchengeschirr, Gardinen, Läufer oder Teppich dürfen die Summe von 1000 Mk. nicht übersteigen. Die Hersteller der Möbel sind verpflichtet, zu den von ihnen zu bezeichnenden und in den Häusern aufzulegenden Einheitspreisen, die sich innerhalb der Festsetzungen des Programms zu halten haben, jede in der Ausstellung etwa gemachte Bestellung auszuführen. Die Anlage erhebt mithin sowohl vom sozialen, als auch vom volkswirtschaftlichen und künstlerischen Standpunkte aus Anspruch auf besondere Beachtung.
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— Aus Darmstadt, 14. Mai, schreibt man uns: Die Aufführung von Aristophanes Komödie „Die Frösche" auf unserer Hofbühne hat sich zu einem Ereignis gestaltet, das auch, für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Das Lustspiel, in der Einrichtung unseres Regisseurs Herrn Hackers für die moderne Bühne, wurde von oem zahlreich erschienenen Publikum mit großem Beifall


