werden. Tas Anpflanzen und die Unterhaltung geschieht ebenfalls durch den Botanischen Garten.
Für Kanal- und Straße nreinigung sind mehrere Gerätanschaffungen notwendig, die freihändig erfolgen sollen. Tie Lieferung von zwei Schlammabsuhrwagen mit je 11/2 Kubikmeter Fassungsvermögen bekommt die Firma Brink in Kassel für 1570 Mk. übertragen, die Lieferung der Piassawabesen die Firma E. F. Winter hier'zu 1.50 Mk. das Stück, die Lieferung von Schlauchen für die Kanalspülung eine Firma in Nippes für 625 Mk. und die Lieferung der Gerätschaften für eine dritte Kanalveinigungskolonne, die 1500 Mk. erfordern wird, soll ebenfalls freihändig erfolgen.
Für die Feuerwehr sind zwei Schlauchhaspelwagen notwendig, die von einer Fabrik in Biberach für 275 Mk. bezogen werden sollen.
Die Lieferung von Zementrinnsteinen für den Flutgraben im Neustädter Feld erfolgte durch Sack und JugHardt, was unter Bewilligung des bis jetzt ausgegebenen Betrages von 1307.61 Mark genehmigt wird. Auch die freihändige Vergebung der nodj erforderlichen Steine wird gutgeheißen.
Verschiedenes.
Für den Betrieb des Anschlußgeleis es der Bannt n ge r s ch e n Fabrik ist der Erlaß einer besonderen Polizeiverordnung erforderlich. Der vom Polizeiamt vorgelegte Entwurf, der dem bezgl. des Gleises zum Ferniewcrk gleicht, wird nicht beanstandet.
Einige Kaufverträge mit L. Huhn, Adolf Noll, Urban und K. Huhn, bei denen es sich um kleinere Objekte handelt, werden genehmigt. Bei dem Vertrag mit Urban, der von der Stadt 3,2 Quadratmeter Gelände erwerben muß, weil er beim Bauen die Grenzen nicht einhielt, und städtisches Gelände bebaute, beanstandete Stadtv. W i n n den angesetzten Einheitspreis von 30 Mk. für den Quadratmeter, während daneben an K. Huhn zu 20 Mk. verkauft wurde.
Tie Versammlung hielt jedoch den Preis mit Rücksicht aus die Umstände aufrecht.
Ter Aufseher der Fu hrw er ks'w a ge an der Mar- gare t h e n hüt tc ist gestorben und man erwog, ob man die nur wenig benutzte Wäge — sie brachte in der letzten Zeit jährlich Meistens weniger als 200 Mk. ein — nicht eingehen lassen solle. Da es jedoch möglich ist, den Betrieb unter Beschränkung aus die Arbeitsstunden durch den Vorarbeiter auf der Margarethenhütte versehen zu lassen, soll die Wäge weiter benutzt werden.
Ein früher abgelehntes Gesuch der Firma Gebr. Kahl um Verpachtung eines weiteren Teils des Hochwafserdamms bei der Kläranlage wird nunmehr genehmigt, da die Firma auf das Befahren des Dammes mit Fuhrwerk verzichtet hat, und auch sonst jede Sicherheit hinsichtlich der Schonung des Dammes bietet. Tie Anerkennlingsgebühr, die die.Firma dafür zu zahlen hat, erhöht sich von 30 auf 60 Mk.
Als Vorsitzender des Gewerbegerichts wird Oberbürgermeister Mecum aus drei Jahre wiedergewählt.
Dem Verein sür Licht-, Lnft-iund Sonnenbäder wird die Einrichtung bezw. Einfriedigung! 1 eines Sonnenbades an der Lahn gestattet unter der Bedingung, daß das später in die Straße sallende Gelände nicht mit eiitgefriedigt wird. Stadtv. Löber unterstützte das Gesuch mit warmen Worten.
Stadtv. Jug Hardt verliest einige Stellen aus einer im Südwestoerein ani 14. April beschlossenen Resolution- in ibenen der Stadtverwaltung fortgesetzte Vernachlässigung des West- und Südwestviertels vorgeworsen wird. Er weist diese Behauptung als gänzlich unbegriindet zurück und spricht sein Bedauern aus, daß die in der damaligen Versammlung anwesenden Stadt- vewrdneten nicht widersprock)en hätten.
Ter Vorsitzende schließt sich Stadtv. Jughardt an mit dem Bemerken, daß die Interessenten jeden Viertels über angebliche Vernachlässigung klagten.
Stadtv. Winn bemerkt, daß auf feinen Widerspruch hin die ursprünglich noch viel schärfer lautende Resolution gemildert wurde und er nicht dafür gestimmt habe.
Stadtv. Löber bittet eindringlich unter Hinweis auf den dortigen gänzlich unbefriedigenden Zustand um bessere Herstellung der Nord-Anlage.
Ter Vorsitzende hält die Klagen nicht Mr unberechtigt und sagt Abhilfe zu.
Stadtv. Brück regt art, an dem der Stadt gehörigen Semm- lerschen HauS die Läden zuzulassen, damit der nicht schöne Einblick vermieden werde.
Stadtv. Winn fragt nach dem Stand der Enteignung der NollschenHofreite in der Mühlgasse. Ter Vorsitzende bemerkt dazu, daß die Sache demnächst den Kreisausschuß beschäftigen werde.
Stadtv. Simon regt an, den Stadtverordneten zu Jnfor- mationszwecken Stadtpläne zur Verfügung zu stellen.
Stadtv. Winn bringt zur Sprache, in der Stadt gehe das Gerücht, er habe in der Verkehrskommission für eine Pferdebahn gesprochen. T-ies sei unrichtig. Er habe Oberbürgermeister Mecum lediglich gefragt, ob es möglich sei, wenn jetzt die Schienen für die elektrische Bahn gelegt würden, einstweilen und bis zur Ermöglichung des elektrischen Betriebs in den Schienen eine Pferdebahn laufen zu lassen. Das habe der Oberbürgermeister verneint, womit für ihn «Redner, die ssache erledigt gewesen sei. Der Vorsitzende bestätigt diese Darstellung.
Tie nächste Sitzung findet voraussichtlich in drei Wochen statt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. Mai 1908.
*• Einigkeit macht st a r k. Vor einigen Tagen gerieten einige Leute in einem hiesigen Geschäftsbetrieb abends nach Feierabend in einen Disput und Schlägerei. Einer machte vom Messer Gebrauch und verletzte zwei andere nicht unerheblich. Der eine erhielt einen Stich in den Rücken, der anscheinend die Lunge verletzt hat. Er liegt noch zu Bett in ärztlicher Behandlung.
Verhaftet wurde gestern hier der von der Kgl. Staatsanwaltschaft Hannover wegen Rückfalldiebstahls und von dec Herzogl. Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugs steckbrieflich verfolgte Kuhschweizer Andreas S ei ff er! aus Storchenest. Ferner wurde ein hier wohnhafter Kutscher wegen Ausschwindelns und Unterschlagung zweier Fahrräder festgenommen.
-s- Lauterbbach 14. Mai. Die Arbeiten an dem Turnhallneubau gehen allmählich zu Ende. Dieser Tage wurde mit der letzten, der Legung des Parkettbodens begonnen, sodaß nun Aussicht auf baldige Einweihung besteht. Die Kosten des Baues belaufen sich außer dem Bauplatz auf ca. 80 000 Mk.
** Herbstein 14.Mai. Der Schad en, der benverschiedenen Feuerwehren bet dem großen Brande an ihren Gerätschaften erwachsen ist, beläuft sich zusammen auf ca. 1300 Mk.
— Büdingen, 13. Mai. Rach einem Beschluß des hiesigen Zweigvereins soll die Wa n d e r v ersa rnrn l u n g des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, verbunden mit Ausstellung und Honigmarkt, am 16. und 17. August d. I. in unserem Städtchen abgehalten werden. Als 93er» sauimllmgslokal ist der Saal des „Hotel Fürstenhost' in Aussicht genommen; die auszustellenden Objekte finden auf der anliegenden Hegelbahn sowie im Garten Aufstellung.
□ Bleichenbach, 15. Mai. Dem Kirchendiener Heinrich Heß VI. wurde von Sr. K. H. dem Großherzog das Allgemeine Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste verliehen. Seit 36 Jahren versah Heß das Am des Kirchendieners mit Liebe und Treue und mußte jetzt
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag den 16. Mai: Zunächst noch trüb und Regensalle. Spater Aufheiter 9 und wärmer. Aussicht auf trockenes heiteres Welter^^^^^^
Original-Drahtmelöringen.
Wiesbaden, 15. Mai. Heute vormittag 'and die Enthüllung des vom Kaiser gestisleten Denkmals $341ne 1 •
von Oranten in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin 1 - S t r a ß b n r g , 15. Mai. Als Nachfolger d es taais- sekretärs von Köller ist der Uitterstaatssekrelar j ' Zorn von Bulach in Aussicht genommon.
Wien, 15. Mai. Hier verlautet, daß P r 0 s e s s 0 r W ay r mund nach seiner Rückkehr nicht nur die innerhalb des w Rahmens des Kirchenrechts liegenden Kollegien lesen, sonder das K i r ch e n r e ch t s - S e m l n a r behalten wird. , ,
Rom, 15. Mai. H e u t c b e g a n n vor de n Ge sch reuen in Neapel der Prozeß des Bildhaiiers Elssar der vor drei Jahren aus Eifersucht seine Frau tötete. ■.
Rom, 15. Mai. Im Bahnhof von Erup 0 l 1 , g .
Eisenbahn-Zusammenstoß, wobei 2 Personen g 15 verletzt wurden. „..molenbe
Petersburg, 15. Mai. Der in Petersburg anw I Vizepräsident des deutschen Reichstages, Geheimrat -p wohnte gestern der Sitzung der Duma bei. Men
New-York, 15. Mai. T>e Schiffahrts-Gesellschaften licue sür April eine Abnahme von ca. 6°/0 in der Be > 0 r 0 von Kajüten-Passagier en 1. Kl. fest, dagegen ) Zahl der Passagiere in der 2. und 3. Klasse zugenommen.
krankheitshalber vorn Amte, das sein Vater ebenfalls lange Jahre versehen, scheiden. Im Pfarrhause geschah die Ueber- reichung der Auszeichnung durch Kreisamtmann Dr. Lößlein- Büdingen vor dem versammelten Kirchenoorstand.
sd. Darmstadt, 15. Mai. (Tel.) Der Großherzog wird die Ausstellung am 23. Mai um 11 Uhr vormittags persönlich eröffnen. — Der Schlitz er Konflikt lvird demnächst auch die Zweite Kammer beschäftigen. Abg. Dr. Osann hat, wie uns aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, in der Zweiten Kammer eine Anfrage an die Regierung gerichtet, worin diese um Mitteilung darüber gebeten wird, ob und welche Schritte sie zum Schutze der Gemeinde Schlitz in ihrem Konflikte mit dem Grafen v. Görtz getan hat. — Das Reichsgericht hat die Revision des Fuhrmanns Gumbert in Mitteldick, der wegen Totschlags seiner Frau verurteilt worden war, verworfen.
X. Offenbach a. M., 14. Mai. Die Stadtverovdnetenver- ämmlung stellte in ihrer heutigen Sitzung den S t e u e r ausschlag für das Rechnungsjahr 1908 auf 15 4,8% fest, mithin rund 31 % mehr als im Vorjahre. Die Sozialdemokraten timmten dagegen. Nach der Meinung ihres Wortführers hätte zur Verminderung des Steuerznschlags die Einsetzung von Beträgen einer Wertzuwachsstmer und Besitzwechselabgabe beigetragen. Auch die Abschreibungen bei dem Elekttizitätswerk seien zu hoch Stadtv. F e i st m a n n entgegnete, daß über die beantragten Steuerarten noch keine Vorlage eingegangen sei, die Unterlagen also fehlten, um den Voranschlag dahingehend einzurichten. Auch wurde bestritten, daß die Abschreibungen zu hoch seien, die r£an dicl- mehr als noch zu niedrig bezeichnen lönne. Eine längere Debatte entwickelte sich noch darüber, ob sich die Einführung einer Best tz w e ch f e l a b g a b e und einer Wertzuwachs st euer empfehle oder nicht. Stadtv. Boehm sprach für die Wertzuwachs- teuer, während er der Besitzwechselabgabe nicht sympathisch gegen- überstand. Stadtv. Ulrich plaidiert für die Einführung beider Steuerarten.
sj Marburg, 14. Mai. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß die an die Regierung gerichtete Eingabe, die Bahn durch das Wohratal nicht nach Kirchhain, sondern nach Marburg zu führen, ablehnend beschieden worden sei, weil die Linie zu teuer würde. — In der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität bestand gestern Frl. Hertwig ihr Examen als Dr. p hil. cum 1 aude.__
Gerrchtskaal.
K. B. Dar m stadt, 14. Mai. Das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte heute den Gefreiten Konrad Paul von Groß- Eichen in Lberhessen, der in der 5. Eskadron des Drag.-Regts. ‘24 seit mehreren Jahren dient, wegen unternommener Verleitung jum Meineid, Diebstahls und Unterschlagung, trotz Leugnens, zu 1 Jahr 6 Atonalen Zuchthaus, 3jährigen Ehrverlust und Ausstoßung ans dein Heere. P. hatte als Stubenältester mehreren jüngeren Kameraden Wichszeug, sowie 5 Mk. gestohlen und einen anderen veranlaßt, ihm 2 Alk. 80 Psg. an den Wachtmeister zu übergeben, die er für sich behielt. Als die Untersuchung wegen der Diebstähle im Gang war, versuchte er umsonst, einen Kameraden zu einer falschen Aussage zu bestimmen, indem er ihm zuredete, die Dreijährigen müßten znsammenhallen. Er wieder- holte dies auch auf dessen Bemerkung, er könne doch keinen Meineid leisten.
F.E. Frankfurt a.M., 14. Mai- Ter Gardist Willi Reis aus Nieder-Florstadt (Kreis Friedberg) vom. 115. Infanterie-Regiment macht seinen Vorgesetzten viel zu schaffen. Ausschweifendes Leben und Vernachlässigung im Dienst haben ihm zahlreiche Disziplinarstrafen eingetragen. Aber sie haben nichts gefruchtet, deshalb muß ec jetzt auf die Festung wandern, Am 9. Tezember v. I., einem Sonntage, sollte er aus Befehl des Kvmpagniechefs am Nachmittag stündlich beim Unteroffizier vom Dienst antreten. Tas tat er> nur teilweise. Am folgenden Morgen beim Exerzieren zeigte es sich, daß er den Befehl, eine Gmnmi- schnur an der Achselklappe anzunähen,- nicht befolgt hatte. Als ihn sein Korporalschaftsführer zur Rede stellte, log er ihm vor, er habe kein Geld gehabt, um eine Schnuv zu kaufen. Arn selben Tage verletzte er wiederholt die Achtung vor versammelter Mann- sck-aft, indem ec sagte, er werde behandelt wie ein Verbrecher, er lasse es sich nicht mehr gefallen und werde sich beim Oberst beschweren; wenn er abgehe, werde man es schon sehen und was dergleichen Redensarten mehr waren. Am 25. Januar d. I. fand bei Mörfelden eine große Felddieustübung statt. Bei einem Sturmangriff mußte seine Kompagnie einen 1\2 Meter breiten Graben überspringen. Alles sprang hinüber, nur Reis nicht. Auf 'den wiederholten Befehl, den Graben zu nehmen, erklärte er, ich springe nicht hinüber. Tann ging er ein Stück am Graben entlang, bis zu einer Stelle, wo er seichter wurde, fühlte hier vorsichtig mit dem Gewehrkolben hinein, um die Wassertiefe festzustellen, und watete dann hindurch. Als die Kompagnie zurückgehen mußte, wiederholte sich das Schauspiel. Alles sprang über den Graben,-Reis aber spazierte 150 Meter weit weg und ging über einen Steg. Vor dem Kriegsgericht der 25. Tivision, das am 14. April gegen ihn verhandelte, erklärte er, er habe nicht springen können, weil er Hühneraugen an zwei Zehen habe. Tas hat auch feine Richtigkeit. Aber die Verletzung einer Dienstpflicht aus Furcht vor einer persönlichen Gefahr ist ebenso zu bestrafen, wie die Verletzung aus Vorsatz, sagt das Gesetz. Tes- hald wurden Reis für diesen Fall von Ungehorsam drei Monate Gefängnis zudiktiert. Diese strafe und die Einzclsttasen für die anderen Vergehen wurden zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis zusammengezogen. Tas Oberkriegsgericht verwarf die Berufung dcS Angeklagten gegen dieses Urteil. Vor dem Oberkriegsgericht behauptete Reis, die Achtungsverletzungen habe er in der Aufregung über seinen Korporalschaftsführer begangen, der ihn ungerecht behandett habe. Ter Sergeant bekundete, er habe den Reis auf Befehl des Kvmpagniechefs „ftreng anfassen" müssen.
Berlin, 14. Mai. Vor der Straskarnrner am Landgericht II haben sich heute der Schrifsteller und litterarische Leiter des Verlags „Vita", Kurt Münzer, der Inhaber des Verlags „Harmonie", I a d a f s 0 h n, der Zeichner L i e b i s ch und der Drucker I m tu i s ch wegen Vergehens gegen den § 184 zu verantworten. Es handelt sich um ein von Kurt Münzer verfaßtes Buch „das verlorene Lied", das von der Anklagebehörde für unzüchtig gehalten wird. Der Angeklagte Münzer wurde zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Karlsruhe, 14. Mai. In der heutigen Vormittags - Verhandlung im Beleidigungsprozeß Molitor mußte die Verhandlung vorzeitig abgebrochen werden, da Olga Molttor in eine Ohnmacht verfiel. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte dec Vorsitzende, der Arzt habe ihm mitgeteilt, daß eine Wiederholung des Ohnmachtsanfalles zu befürchten fei, wenn nicht eine längere Pause eintritt. Ter Vorsitzende ließ mit Rücksicht darauf vorzeitig die Mittagspause eintreten. Er fügte gleichzeitig den Wunsch zu, daß die Zeugen sich so kurz wie möglich fassen möchten, da ja schon so viel gesprochen sei, daß neues wohl nicht mehr zu erwarten sei.
Rnttst und Wissenschaft.
Die historische Kommission für das Groß- Herzoginrn Hessen tagte n. b. Durmst. Ztg. am 11. l. Mts. unter dem Vorsitz des Ministers Dr. Brau n. Anwesend waren Geh. Hosrat Prof. Dr. Behaghel-Gießen, Pfarrer D. Dr. DiehsiDarmstadt, Haus- und Staatsarchivar Dr. Dieterich-Darmstadt, Prof. Dr. Haller-Gießen, Geh. Hofrat Dr. H aup t -Gießen, Oberlandesgerichtsprasideitt Dr. Lippold-Darmstadt, Prof. Dr. R a ch f a h l - Gießen, Geh. Justizrat Dr. Schmidt- Gießen, Direktor der Hofbibltothek Dr. Schmidt-Darmstadt, Prof. Weckerling-Worms. Entschul
digt fehlten Prof. Dr. Falk-Klein-Winternhcim, Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Krüger-Gießen, Archivdirektor Dr. Freiherr Schenk zu Schweinsbcrg-Darmstadt und Prof. Dr. Schrohe- Mainz. Auf Antrag des Geh. Hofrat Prof. Dr. Behagbel und Genossen stellte die Kommission den allgemeinen Arbeitsplan fest. Hiernach kommen zunächst folgende Werke in Betracht: Die Herausgabe von Quellen und zwar des Codex Laureshamensis, eines Codex diplomaticus Mogun- tinus, der Protokolle des Mainzer Domkapitels des 15. bis einschließlich der ersten H>ülfte des 17. Jahrhunderts, der S7tatuten der Universität Gießen, der Hessischen Weis- tümer, der Briefe und Akten zur Geschichte Hessens unter Ludewig I. Weiter sollen als 9rachschlckgewerke und Darstellungen herausgegeben werden: eine Hessische Bibliographie, eine Hessische Biographie, ein" Hessisches Ortsnamenwörterbuch, eine Hassia saerju — Die dritte Gruppe gilt den historischen Karten. Von diesen Arbeiten sollen zunächst und gleichzeitig in Angriff genommen werden: 1. die Herausgabe des Codex Laureshamensis. In den Ausschuß hierfür wurden gewählt die Mitglieder Behaghel, Dieterich, Falk und Freiherr Schenk zu Schweinsberg. Zum Leiter wurden Freiherr Schenk zu Schweinsberg, zu Bearbeitern des Werks Dieterich und Freiherr Schenk zu Schweinsberg ernannt. 2. Die Herausgabe eines Codex diplomaticus Moguntinus. Ten Ausschuß hierfür bilden Haller, Schmidt-Gießen und Schrohe. Zum Letter und Bearbeiter wurde Prof. Haller bestellt. 3. Der Ausschuß für eine Hessische Bibliographie soll bestehen aus Diehl, Haupt und Schmidt-Darmstadt. Leiter soll sein Schmidt-Darmstadt und Bearbeiter Oberbibliothelar Dr. Voltz-Tarmstadt. 4. In den Ausschuß für eine Hessische Biographie wurden gewählt Diehl, Haupt, Krüger, Freiherr Schenk zu Schwemsbecg und Schmidt-Tarmitadt. Letter soll Haupt sein. Ein einzelner Bearbeiter kommt nicht in Betracht. 5. Die Herausgabe der Protokolle des Mainzer Domkapitels bis zur 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts soll ein Ausschuß vorbereiten, der sich zusammensetzt aus Dieterich, Falt und Rachfahl. Zum Leiter wird Dieterich, zum Bearbeiter Lic. Hermann- Darmstadt ernannt. 6. In den Ausschuß für Herausgabe der Statuten der Landes-Universität Gießen werden gewählt Diehl, Haupt und Schnudt-Gießen. Als Leiter wird Haupt und zum Bearbeiter Oberlehrer Tr. Becker-Gießen bestellt. — Wegen Inangriffnahme der übrigen Arbeiten sollen in der nächsten Kommissionssitzung Vorberichte erstattet werden und zwar für die Hessischen Weis- tÜrner durch Schmidt-Gießen, für die Briefe und Akten zur Geschichte Ludewigs I. durch Rachfahl und Freiherr Schenk zu Schweinsberg, für das Hessische Ortsnainenwörterbuch durch Behaghel und Dieterich, für Hassia sacra von Tiehl und Falk, für die historischen Karten Haupt und Weckerling. Allgemein wurde dem Wunsche Ausdruck verliehen, daß bald mit den Veröffentlichungen begonnen werden soll. Als sachverständiger Beirat für die Geschäftsleitung wurde Staatsarchivar Tr. Dieterich bestellt.
Z. Aus Frankfurt a. Ai. wird uns untenn 14. ds. Mts. geschrieben: Gestern gab es im Schauspielhause wieder eine Uraufführung : „Die Große n und i) t e Kleine n", drei Akte von Aioritz Goldschmidt. Ter Dichter, der bisher wesentlich mit Balladen und Epigrammen Ijeroorgetreten ist, Hal den Schrill auf die Bühne mit gutem Erfolg getan. Wenn and) fein Drama — das aus drei selbständigen, aber durch den Fortgang der Handlung doch zu einer Einheit verbundenen Stücken besteht — in vielem mehr den geistreichen Eauseur als den Dramatiker verrät, so fesselt es doch vom ersten Augenblick an, und im letzten Akt, bezw. im letzten Stück, erhebt es sich auch zu echt dramalischei Wirkung. Die Handlung, die frei erfunden ist, verläuft sehr einfach und ohne Verwickelungen. Sie ist auch mehr Nebenfache. Tie Hauptsache ist dem Dichter, einen interessanten Gegensatz zu zeigen: verschiedelie Menschentypen in ihrem Verhallen zu derselben Lage. Im ersten den gebietenden Herzog (das Stück heißt „Der Gebieter"), im zweiten den armseligen Krämer Gelotto (das Stück heißt „Tic Hörner Gelottos"), im dritten die Herzogin (nach ihr führt das Stück den Namen). Ter Herzog erfährt, daß feine Gattin ihm untreu fei: alle Welt spricht davon, — ivte soll er sich dazu verhalten, er, der das Gerede der Alenge stolz verachtet? Auch G^elotte ist in gleicher Lage: der Herzog ivill das Gerede gewaltsam durch seinen stolzen Willen umerörüden, Gewtte will feige tun, als höre er es nicht. Dieser Gegensatz ist mit sehr viel Geist und Witz durchgeführt, stiach all der feinen Ironie der ersten beiden Akte waren dann die schivereir tragifcheu Acceiite des dritten um so wirkungsvoller. Gespielt tuurbe oürchweg sehr gut. Tel Dichter wurde oft gerufen.
Kleine Tageschrvurk.
B a u m e i ft e r Sehring wurde gestern Abend 7'/, llhr ge« gen Hinterlegung einer Kaution von 80 000 Alk. in Görlitz au5 der Haft entlassen.
E i n U n gl ü cks fall hat sich auf Zeche Bruchstraße in Langendreer ereignet. Durch eine Explosion auf Schacht 3 erlitten fünf Arbeiter teils schwere, teils leichtere Verbrennungen und mußten
ins Krankenhaus gebracht werden.
Zum K 0 n t tz e r Al 0 r d. Der in Burg bei Magdeburg bc« dienstete Knecht Richter aus Könitz, der sich durch Aenße« rungen über die noch nicht aufgeklärte Ermordung des Gymnastaiten Winter in Könitz verdächtig gemacht hatte, wiirde auf dem Amtsgericht ücanommen. Ebenso fand bereits eine Zeugenvernehmung statt.
Ter Tornado in den amerikatiischen Südstaaten hat annähernd 100 Tote gefordert. Die Stadt Gillis (Luisiana) i|t vollständig zerstört. In Cratidall (Texas) wurden 50 Häuser demoliert.
In Oberndorf bei Wörgt brach gestern früh aus mwe« faimter Ursache Feue r ans, daß bei dem herrschenden -vm rasche Verbreitung fand. Bis zttm Mittag waren die Kirche unc sechs Häuser niebergebrannt. _ , r .
Die verhaftete Wirtschafterin Minna: Doll t Leipzig gestand, den Buchhändler (Siegler gemeinschastucy m dem verhafteten Buchdrucker Schmidt vergiftet zu haben.
Für die K a i s e r p r e 1 s f a h r t W i e n ° B e r l i n des oe - scheu und österreichischetl sreiwilügen Ailtomobil--Korps habcit deutsche Kaiser, Kaiser Franz Josef und Prinz Heinrich Ehrenpre l


