Ausgabe 
17.7.1908 Erstes Blatt
 
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Deutsches Reich

Sicherem Vernehmen nach ist der prinzipielle Wider

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an die liroebition > erbeten/^J^:

ZTE» efunden ^°atdroschc aus da - nach dem Kriedhgs » Marbvrgcchr^ Lohn-t'uhren~ angenommen _ Rodbeimcrstr.1v

uns aus Frankfurt: Der alte Peterskirchhof, der, mitten in der Stadt, zwischen Schäfergasse und Friedberger Landstraße, gelegen, seit vielen Jahrzehnten nicht mehr als Begräbnisstätte benutzt wird, birgt den ewigen Ruheort der Frau Rat Goethe. Umgeben von Tageslärm liegt die Grabstätte doch idyllisch an der Osttnauer des Kirchhöfleins. Ueber allen Wipfeln ist Ruh? Run will aber der Magisttat diesem geweihten Fleckchen Erde seine Wcltabgeschiedenheit nehmen. Frankfurts durchbruchlusttger Oberbürgermeister will um Frau Ajas Grab einen Schulhof, umtost von dem Lärm übermütiger, pietätloser Jugend, legen. In unmittelbarer Nähe von vier der meistbefahrenen Trambahn­linien soll eine Schule errichtet werden, die einen großen Teil des Peterskirchhofes wegnimmt. Dies sollte nicht zugelassen werden. . . .

Lustige Witwen"-Hutnadel. Aus London wird uns berichtet: Der Triumphzug des ,Lustigen Witwen"-Hutes, der die Kopie der eleganten Damen mit einem duftigen Riesenberg von Blumen, Federn und Spitzen bekrönt hat, hat jetzt noch eine neue ergänzende Mode zu Tage gefördert: die .Lustige Wi1wen"-Hut- nadel. Sie bietet die erwünschte Gelegenheit, oie Federn oder Blumenmassen zu vergrößern und auf diese Weise dem Hutgebilde noch das an Schnuick und Pracht anzufügen, was auf dem breiten Rande sonst keinen Platz mehr gesunden hätte. Statt der kleinen bescheidenen Knöpfe, die die alten Hutnadeln trugen, laufen die neuen aus in Straußenfedern, in große Rosen von leuchtenden Farben, in Vogelköpfen oder gar in ganzen Vögeln. Auch kunst­voll aus Sammet gefertigte Fruchtimitationen, Apfelsinen unb. Pfirsiche werden von eleganten Damen bevorzugt, und erfahrene Londoner Modefachlelite prophezeien schon heute das Auftauchen von Tannenzapfen und ganzen Melonen an den breitrandigen üppigen Hüten. Die Hutnadeln müssen natürlich mit der dominierenden Farbe des Hutes in harmonischer Beziehung stehen; meist stimmen sie mit der Tönung der Federn und Bänder überein, aber es fehlt auch nicht an Modefreudigen, die die neue Hutnadel dazu benutzen, pifante Farbenkontraste hervorzubringen und den helleren Tönen des Hutganzen in der kokett aufgesteckten Hutnadel einen energischen dunkleren Farbenakzent entgegenzusetzen.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Die Bibliothek des Berliner Pandektisten Heinrich Wern­burg ist in den Besitz der japanischen Regierung über­gegangen. Diese beabsichtigt, sie einer der Universitäten des Landes zu überweisen.

hältnisse bei Casablanca. _ .,

In wunderlichem Gegensatz hierzu steht folgende Paryer Mel- gung:

Der Sonderberichterstatter desTemps" in Casablanca hatte eine Unterredung mit d'Amade, welcher unter anderem gesagt habe, daß die Bevölkerung von Azemur von der Zu­rückziehung der französischen Truppen peinlich überrascht sei. Die Notabeln der Stad: hätten ihn gebeten, zu bleiben, da seine Anwesenheit eine Bürgschaft für die Ord­nung und Wohlfahrt wäre. Nach der Räumung von Azemur errichtete d'Amade einen MilitärPosten in Sidi-Ali- Beker, am rechten Ufer des Urner Rebiaflusses, etwa sechs Kilometer von der Stadt. Dieser Militärpvsten wurde mit Ar­tillerie und allem sonst Erforderlichem versehen, um die Unter­werfung der am Urner Rebia wohnhaften Stämme, die durch den Abmarsch der französischen Truppen aus Azemur in Frage gestellt worden war, so weit als möglich zu sichern."

Von anderer Seite kommt die Meldung, daß die ehemaligen deutschen Offiziere von Tschudi und Wolff ihre Teilnahme an öent Zuge des Sultans verweigerten.

vorn an der Stirn befindlichen bienenwabenartigen Form. Ganz ähnlich erfolgt die Abkühlung beim Zeppelinschen Luftschiff. Um diesen Kühler wieder möglichst einem stark abkühlenden Luftzug auszusetzen, bringt man hinter ihn einen niehrflügligen Ventilator an. Dieser war der Störenfried beim Antritt der Zeppelinschen Dauerfahrt, indem einer seiner Flügel abbrach. Wie man also sieht, liegt hier ein vollständig unbedeutender Material- \ e hl er vor, der mit den Zeppelinschen Konstruktionen selbst eigentlich in gar keinem Zusammenhang

De beim zweiten Versuch eines Aufstieges vorgesallenen De- fekt kann man eigentlich nur alsForce Majeure bezeichnen. Wenn man überhaupt jemanbem hierbei einen Vorwurf machen will, so läßt sich nur sagen, daß das Personal, das Zeppelin zur Verfügung steht, noch nicht genügend mit der Bemeisteruiig der bedeutenden Kräfte, die bei Ballons von solchen Dimensionen in Wirkung treten können, vertraut sind. *

Angesichts des Mißgeschicks des genialen Mannes spöttelt man hier und da überKirchweihsttrnrnung" und rät, doch nicht wieder Vorschußlorbeem auszuteilen, von denen wir noch aus den Zeiten Waldersees genug haben müßten. Die Vergleiche scheinen uns nicht glücklick) gewählt. Als Graf Waldersee vor sieben Jahren mit dem Feldherrnstabe in der Hand auszog und sich von Bahnstation zu Bahnstation feiern lich, da war noch kein Stück seiner Arbett geleistet. Das Asbesthaus, das wohlverpackt aus dem Ozean schwamm, war so ziemlich das einzige, was in der Welt der Materie von dem künftigen Ober­befehlshaber vorhanden war. Beim Grafen Zeppelin steht es doch wesentlich anders. Schlacken und Fehler mögen seinem Werk noch genugsam anhasten; in der Hauptsache aber, so meint ja auch in Vorstehendem ein Fachmann, ist es doch getan. Selbst wenn ihm just irgend etwas Menschliches passierte und er end­gültig verhindert würde, die geplante große Fahrt auszuführen, bliebe er den größten Erfindern der Menschheit zu« zuzählen. Grund genug also, daß seine engeren Heimat­genossen, daß alle, die in größerer ober geringerer Entfernung durch lange Jahre die Zeugen seines Mühens, Mißlingens und wiederum neuen Mühens waren, ihm jetzt durch wohlgemeinte Huldigungen kundzutun wünschen: Wir halten zu dir; denn du bist unser.

Das Grab von Goethes Mutter. Mau scheibt

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ttcL-Lem. Eckendes <1 Frankfurt a. M. (I,

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Giessen.

ag den 19. Juli 19(" ilien-Ausflug nach

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vom Bahnhof Sie?' mchmittagö. AnkMi c

um llhr- Lon bi Ich mit Mstk nach dn Hohen Berg, iterhaltung, ouOj; er, ist beüens geiorgt lünstiger Witterung ür- lichten in einem'SM'1 ironcn-Buicckilatt. recht zahlreiche W cd gebeten. '

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Sektion Giesst: o.iOe.AA jffltos,

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Weilburg- [v- Ws irerbleibenM^.^ nim. Verein

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, Gesangs Herren! Dame» LProsr^

Diesem Ansuchen sind, wie jetzt die Zentralstelle für Volkswohlsahrt mitteilt, bereits verschiedene Bundesstaaten uachgekommen. In Bayern und Württemberg haben die angeregten Fragen schon in den vergangenen Jahren den Gegenstand eingehender Erwägungen auch in den Land- ----- - , . ... a ... o f

tagen gebildet. Mit einem Erlasse des Ministers Holler stand des Staatssekretärs des Reichspostamtes

politische Lagesschau.

Die Franzosen in Marokko.

Von zuverlässiger Seite" geht denBcrl. N. N." aus Casa­blanca folgender Kabelbericht zu: .

T' Amade handelt noch immer gegen die In­struktionen der französischen Regierung, nach denen er die Grenzen des Schaujagebietes nicht überschreiten und im Thronstreit zwischen Abdul Asis und Mulay Hafid neutral bleiben soll. Tie französischen Truppen lagern zurzeit außer­halb des Schaujagebietes auf dem Boden der Dukalastämme jen­seits des Flusses Unter Rebia etwa 90 Kilometer südwestlich von Casablanca. In dem franz. Lager bei Bisneka 25 Kilometer südwestlich Rabat erhalten französische Soldaten, die Abdul Aps auf seinem Marsch begleiten sollen, maurische Kleidung. Tie Stämme des Hinterlandes von Azemur und Mazagan, durch bereit Gebiet Abdul Asis auf dem Wege nach Marrakesch ziehen muß, beschlossen, jeder neuen Einmischung der Franzosen in die inneren Ängelegeltheuen Marokkos außerhalb des ochauja- gebietes mit Waffengewalt zu begegnen. Falls Abdul Asis in der Tat mit Hilfe französischer Truppen den Urner Rebia überschrcuen und in den Süden Marokkos einbringen sollte, sind schwere Kämpfe, unter denen der deutsche Handel in Casa­blanca, Mazagan, Sasi und 9ftugai»r erheblich leiden wurde, nicht zu vermeiden. Die Deutschen Casablancas wünschen sehn­lich die Wiederherstellung geordneter Zustande in Casablanca und Umgegend, um in Ruhe ihre geschäftliche Tätigkeit, die jetzt schweren Sckaden erleidet, ausüben zu können. Sie sehen aber infolge des Vorgehens T'Amades noch kein Ende der unruhigen 23ct>

zu einem Reichsverbande aufgegeben. Es soll gestattet werden, daß die BezirkSvertreter zu einer gemcmiamen Be sprcchung der Standesfragen zusammenkommen dürfen.

Der bayerischen Abgeordnetenkammer und dem baye­rischen Landwirtschaftsrat ist heute auch der bayerische christliche Bauernverein gefolgt und hat gegen den Plan einer Elektrizitatssteuer eine Protest-Reso-

tution angenommen.

Ausland.

In Malmö ging am Donnerstag die Trauer-Prozes­sion für den ermordeten englischen Arbeiter vor sich. Tie übrigen von dem Attentat betroffenen englischen Arbeiter, die an dem Wunsche, nach England zurückzukehren, fest­halten, wurden unter starkem Polizeischutz an Bord eines Dampfers gebracht. Gestern wurde das jung-sozialisttsche Organ Nyafolkviljcm beschlagnahmt. Ter Chefredakteur und der Herausgeber wurden verhaftet.

Der itaL Unterrichtsminister Rava hat die Absetzung verschiedener Beamten wegen Unregelmäßigkeiten verfügt. Weitere Maßregelungen schuldiger Beamten stehen bevor. Ferner hat der Untersuchungsausschuß ernste -schuld- motive gegen'den früheren Minister Baecelli auf- gedeckt. Baecelli hat sich ähnlicher Vergeudungen schuldig gemacht, wie sie dem Exminister Nasi zum Vorwurf gemacht worden sind. Tas BlattAvanti" verlangt, daß gegen Baecelli dieselbe Prozedur wie gegen Nasi angewendet werden soll.

DieGazetta di Torino" veröffentlicht ein Interview mit einem römischen Prälaten, daraus geht hervor, daß eine Aussöhnung zwischen dem Papste Pius X. und dem Kardinal Rampolla stattgefunden und der Papst die Bedingungetl des Kardinals angenommen hat. Tie Bedingungen betreffen erstens Verweigerung jeder Kon­zession für italienische Katholiken, welche eine Aussöhnung mit der italienischen Monarchie anstreben; zweitens Er­öffnung von Unterhandlungen mit Oesterreich, um dieses zu veranlassen, Verzicht auf sein Vetorecht bei Papstwahlen zu leisten; drittens Rückkehr zur Politik Leos XIII. Der Prälat fügte hinzu, daß Aenderungen in der inneren Ver­waltung des Vatikans folgen werden.

DieJtalie" meldet als eine Folge der vatikanischen Gerichtsreform die Einführung von vatikanischem Stempelpapier zu einer Lira den Bogen. Da jede Diözese beständig Hunderte von Angelegenheiten mit dem heil. Stuhl zu erledigen hat, so wird der Verbrauch des Stempelpapiers der päpstlichen Kasse bedeutende Einkünfte erschließen. Auch für Gesuche um eine Audienz beim Papst soll vermutlich das künftige Stempelpapier zur Verwendung gelangen.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Mann, welcher auf dem französischen DampferSidon" auf den Flügeladjutanten des Sultans S a d i k P a f ch a ein Atten­tat verübte, versuchte bei seiner Festnahme den Dampfer in Brand zu setzen, doch wurde eine größere Gefahr be­seitigt.

DieMobilisierungder kleinasiatischen Rediffs für Mazedonien umfaßt 28 Bataillone. Außerdem ist das Marineministerium beauftragt, vier oder fünf Kanonenboote zur Küstenbewachung nach Saloniki zu senden.

Durch Bombardement ist fast ein ganzes Stadtviertel der pers. Stadt T ä b r i s z e r st ö r t worden. Die Horden Rahim Chans bestehen aus Halbwilden, die von neuem rauben und plündern. Am Donnerstag begann das Bombardement von neuem. Die revolutionäre Bewegung hat alle persischen Provinzen erfaßt. In Teheran rauben Truppen aus Mangel an Proviant mit

Beleidigung gegen H.; neroo nehme ich hier. iQbr zuruck. Ps, D.

vom 16. Juni hat jetzt auch die preußische Regierung diel gegen die O rgan i s a t i o n der Postu nte rbe amten Regierungspräsidenten aufaefordert, diesen Fragen Beach- - ----'ott aeftattct

tung zu schenken und durch die Kreisärzte im Benehmen mit einzelnen Gemeindevorstehern, Geistlichen, Aerzten, Lehrern, Hebammen, Gemeindeschwestern und L^ndpflegennuen die Frage der Säuglingsernährung im allgemeinen, der Still­häufigkeit, der Ursachen des Nichtsrillens, der Ernährungs­weise der Kinder durch Tiermilch und bei Elchmangel durch Ersatzstoffe im besonderen festzustellen und über die Mängel der Ernährung auf dem Platten Lande auch die Aerztekam« mem und die provinzialen Medizinalkollegien zu hören.

Von Hessen ist in dieser Auslassung der genannten Zentralstelle nicht die Rede. Bei der starken ländlichen Bevölkerung unseres Landes aber und ihrer außerordent­lichen Bedeutung für unser gesamtes Staatswesen ist es durchaus nötig, daß auch hier etwas geschieht und auch für unser Land Unterlagen geschaffen werden sowohl zur Beurteilung der Ursachen der Säuglingssterblichkeit in den einzelnen Kreisen als auch namentlich Einblicke in die Er­nährungsverhältnisse auf dem Lande gewonnen werden. Es handelt sich hier um eine Frage von höchster sozialhygieni- scher Bedeutung, um einen Teil der großen sozialen Frage!

Technische Erklärung bes Zeppelinschen Mißgeschickes.

Von Oberingenieur Ernst Valentin, Schriftführer der Flugtechnischen Geselljchaft in Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Der Grund, der den Grafen Zeppelin am 15. d. M. zur Um­kehr veranlaßte, war das Versagen eines zur Motorkühlung ge­hörigen Ventilators, an dem ein Flügel abbrach. Mit der Kon- lcuktion des Luftschiffes selbst oder der zu seinem Antrieb benützten Taimlermotoren Hal dieser in technischer Beziehung ganz unwesent- lid)e Zwischenfall nichts zu tun. Er gehört vielmehr zu denjenigen Umständen, die in den ersten Wochen bei einem neuen Automobil- ivagen, Motorboot oder Motorluftfchiff nicht zu den Seltenheiten gehören. Kleinere Materialsehler oder Nachlässigkeiten bei der Diontage, wie sie die Franzosen bezeichnenderweise Ja miss au point" nennen, werden so lange unvermeidlich fein, als man sich bei der Auswahl des Materials auf Menschen verlassen muß und als die Montage hier auch von Menschenhand erfolgt- Es irrt eben der Mensch, so lange er strebt. , .

Es zeugt übrigens von dem technischen Verständnis Zeppelins unb seiner Ingenieure, daß sie trotz der geringen Bedeutung, die der Bruch des Venttlatorflügels auf den Betrieb des Motors aus­übt, nicht iveiter gefahren sind. Es wäre andernfalls möglich ge­meßen, daß der Motor sich bei der verlängerten Dauerfahrt über­hitzt unb Schaben genommen hätte. Tie Fiinktion des Ventilators ist etwa folgende: Die Daimlermotore werden dadurch m Um- drehung versetzt, daß in einem oder mehreren geschlossenen Zy- linöern die benützten Gase komprimiert und ziir Entzündung ge­bracht werden. Durch tue dabei entstehende Explosion wird bann ein Kolben in bem Zylinder bewegt, der die Kurbelwelle in Rotation versetzt, wie dies bei den Dampfmaschinen durch den Dampf geschieht. Bei der Explosion der Benzingase entsteht eine außerordentlich hohe Temperatur, die sich dem Zylinder, den Kolben und den andern Maschinenteilen mit teilt.te Er­hitzung dieser Teile würde, loenn man sie ungehindert geschehen ließe, derartig stark werden, daß die Maschine sich bald heitzlaufen und festfressen würde. Es ist daher nötig, die Zylinder durch einen dauernd in Bewegung befindlichen Wasserstrom zu umspülen, -ta inan aber ans dem Lnftschisf kein fließendes Wasser zur Ver ugung hat, muß das heiße aus dein Zylinder kommende Waßer abbekuhll iverden, ehe es ivieder in den Zylinder eintritt, ^eje Abkühlung hübet in einem Wasserkühler statt, von der bei den Automobilen

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Unterernährung aus dem Lande?

Die Streitfrage, ob der Landbewohner oder der Stadt­bewohner kräftiger, gesünder und leistungsfähiger sei, ist 1 uralt und viel erörtert, aber doch noch nicht völlig erschöpft. 3n neuerer Zeit sind sogar gegen die bisher als eine, un­erschütterliche Tatsache htngenommene Behauptung, daß die ländliche Bevölkerung sich durchschnittlich gesuitd und aus­kömmlich ernährt, und in dieser Hinsicht um vieles besser gestellt sei als gewisse Bevölkernngsschichten in der Groß­stadt, Bedenken geltend gemacht worden.

Bereits vor einigen Jahren hat Dr. Grotjahn in einer Arbeit:lieber Wandlungen in der Volksemährung" von einer Verschiebung der einschlägigen Verhältnisse zu Un- aunsten der Landbevölkerung gesprochen. Er hat ausgeführt, daß durch die Entwickelung der Industrie, durch das An­wachsen der Städte einerseits, durch die Verbesserung der Berkehrsanstalten, durch die Vervollkommnung in der Be­handlung gewisser, dem Verderben leicht ausgesetzter land- wirtsck)a ft sicher Erzeugnisse, durch die Erweiterung des länd­lichen Genossenschaftswesens andererseits, viele dieser Pro­butte einen höheren Marktwert erhielten, als ihnen noch oor kurzem zukam. Gewisse landwirtschaftliche Erzeugnisse, die früher im eigenen Hausbedarf aufgebraucht wurden, weil sie eben nicht besser verwertet werden formten, stellten nun mit einem Male einen nicht zu unterschätzenden Bar­geldwert dar. Das begriff der Landmann sehr rasch, und die Folge war, daß er den Verbrauch dieser Erzeugnisse im eigenen Hause zusehends mehr einschränkte, um soviel iDie möglich davon auf den Stadtmarkt zu bringen unb das blinkende Metall dafür einzuheimsen.

Diese eigenartige volkswirtschaftliche Wandlung hatte die Zentralstelle für Volkswohlfahrt unb den Deutschen Ver­ein für ländliche Wohlfahrtspflege veranlaßt, an die Bundesregierungen eine Eingabe zu richten, in der auf die etwaige Unterernährung auf dem Lande, als auf eine vorn sozialhygienifchen Standpunkte aus bedenkliche Erschei­nung hingewiesen wurde. Die Denkschrift führt aus, daß die Zunahme der Milchkühe nicht mit der Verbrauchszunahme der Milch in den Städten Schritt gehalten hat. Es ist be­rechnet worden, daß zwischen 1890 und 1900 die Zahl der Nilchkühe in Deutschland von 8 700 000 auf 9 300 000 an» gewachsen, während der Milchverbrauch in den Städten von 2870 auf 5130 Millionen Liter in die Höhe geschnellt ist. hiernach ist dann ferner herausgerechnet worden, daß sich in derselben Zeitspanne der ländliche Milchverbrauch von 115 Litern auf den Kopf jährlich bis auf 54 Liter herab­gemindert haben muß. Das ist allerdings eine Sache von ernsthafter Bedeutung. Die Unterernährung vieler städtr- >'cyer Voltsschichten hat leider in der Not, in unzureichender Arbeit ober auch in unzureichender Löhnung ihren Grund. Anders liegt die Sache auf dem Lande; hier treibt der gesteigerte Marktwert der Milch zur Nahrungseinschränkung unb vielleicht auch zu einer Unterernährung. Die Zentral­stelle für Volkswohlsahrt wie der Deutsche Verein für länd­liche Wohlfahrtspflege richteten daher an die einzelnen Bun­desregierungen das Ersuchen, überall Erhebungen über diese Wandlung in der Ernährung der ländlichen Bevölkerung an­stellen zu lassen. Es sollte fernerhin der Nückeinsluß dieser Unterernährung auf die Mutterschafts- und Säuglings-Für- iorge ermittelt werden. Denn davon hange nicht zum wenig­sten die Erhaltung der deutschen Volks- und Wehrkraft zu­sammen.

Nr. 166 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 17. Juli 1808

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