bat Feldschutz vor unb regte die Anschaffung eines städtischen Uhus zur Krähenvertitgung an. — Tie von dem Kuratorium der Anstalt angeregte Erhöhung des Schulgeldes der höherer: und erweiterten Mädchenschule (erstere ziemlich erheblich — auf die Sätze der höheren Krrabenanstalten — letztere weniger bedeutend) fand die Billigung der Mehrheit. Wir unsererseits schließen iut5 lieber der Ansicht der Minderheit an, die die Möglichkeit einer besseren Fraucnbildung nicht den -minder wohlhabenden Schichten der Bevölkerung durch 7)öheres Schulgeld erschwert wissen wollte. Gern soll dabei anerkannt werden, daß hier inbezug auf Gewährung von Freistellen weitherziges Entgegenkommen geübt wird und es keine Schairde ist, — wie Stadtv. Haubach mit Recht ausführte — eine solche zu beanspruchen. Doch ithamit kann eine Erhöhung höchstens gc- mildert werden, aber sie kann nicht von denen, die eilte solche Vergünstigung nicht in Anspruch nehmen wollen oder können, als Wohltc empfunden werden. Gefallen hat uns dabei der von Stadtv. Schaffstaedt ausgesprochene Wunsch, daß solche Vorlagen den Mitgliedern des Kollegiums früher zugestellt werden möchten. Unser Wunsch geht allerdings noch weiter, man sollte solche Vorlagen auch der Presse nicht vorenthalten, einmal zu ihrer Information, zmn anderen zur vorherigen Verständigung des Publikums, denn auch dem geduldigen Steuerzahler sollte man das Recht geben, sich.über Angelegenheiten, die schließlich doch seinen Geldbeutel angehen, sich zu äußern, bevor sie beschlossen sind. — Taß die Versammlung die vom Kreisveterinäramt in Anregung gebrachte vollständige Verlegung des S ch l a ch t h o f s nicht gutheißen werde, war vorauszusehen. 500 000 Mk. — so viel würde die Verlegung kosten — sind kein Pappenstiel und auch anderwärts liegen Viehmarktplatz und Schlachthof friedlich nebeneinander, ohne daß es deshalb gleich zu Seuchenverbreitungen kommt. Tarin hat das Kreisveterinäramt allerdings recht: der Gießener Viehmarlt besitzt als Zucht- viehmarkt große Bedeutung und es muß alles getan werden, um ihm diese Bedeutung zu erhalten. — Tann wurde wieder einmal über die beinahe sagen- haft gewordene Kanal-Gebührenordnung verhandelt, diesmal anscheinend zunt letztenmal. Wie wir schon vor einigen Tagen mittcilen konnten, hat das Ministerium die letztbeschlossene Gebührenordnung zwar grundsätzlich genehmigt, aber der Rückwirkung bis zunt 1. April 1907 die Genehmigung versagt. Tie Versammlung nahm die dadurch erforderlich gewordene Abänderung des Statuts einstimmig an, ebenso einige weniger wichtige Abänderungen, so daß an der baldigen endgiltigen Genehmigung nicht zu zweifeln ist. — Tann kant das Ereignis des Tages, die Wertzuwachs st euer. Gießen macht damit als erste unter allen hessischen Städten und Landganeinden von über 3000 Einwohnern von dem neuen Gesetz Gebrauch, eine Tatsache, die alle fortschrittlichen Kreise unserer Bevölkerung mit Befriedigung erfüllen wird. Tie von der Versammlung angenommate Steuaabstufung geht nicht bis zu den möglichen Höchstsätzen des Entwurfs, sie beginnt mit 10 Prozent des Wertzuwachses bei einer Watsteigerung von 10 bis weniger als 15 Prozent und steigt bis zu 30 Prozent bei 200 und mehr Prozent Watzuwachs. Ta das Gesetz keine rückwirkatde Kraft hat, also ast die Watsteigaungen, die nach dem Inkrafttreten des Statuts erzielt werden, für die Besteuerung in Betracht kommen, darf man in den asten Jahren, wie Stadtv. Tr. Gutfleisch mit Recht hervorhob, keinen großen Ertrag aus da Steuer atoarietL, Grundsätzlich gegen das Statut sprach sich nur Stadtv. Troß aus, während die Stadtvv. Haubach, Tr. Bzprma, Grünewald, Krumm, Dr,. Gutfleisch und Tr, Ebel
sich mehr oder roeniga warm dafür aussprachen, wenn auch nicht alle aus demselben Gedankengang heraus. Es kam dabei zu einem, sagen wir einmal: sehr lebhaften Meinungsaustausch zwischen Prof. Tr. Biamer eina- und den Bodenreformern anderaseits, der sie aber dann nicht abhielt, einmütig dem Entwurf zuzustimmen. Hoffentlich bringt er unserer guten Stadt Gießen den erwarteten Vorteil. — Es schlug mittlerweile 8 Uhr, eine für hiesige Stadtratssitzungen unerhört späte Stunde, weshalb man rasch noch die nötigsten Gegatstände erledigte und dann dem geftan besonders wohlverdienten Abendessen entgegen ging.
OerächtstzaÄL.
^.Frankfurt a. M., 17. Jan. Tas Schwurgericht verhandelte gegen die 30jährige Ehefrau Luise Merker, geb. Engelter, wegen Mordes. Sie halle am 31. August, kurz nach ihrer Verheiratung, ihren 2jährigen Knaben, von dessen Existenz ihr Alaun nichts wußte, nut einem Taschentuch erwürgt und die Leiche im Keller vergraben. Tas Verbrechen miube Ende November vorigen Jahres dadurch entdeckt, daß sich die Pflegemutter nach dem Verbleibe des Kindes erkundigte. Tie Angeklagte ist geständig, da sie aber bei der Verhandlung vollständig gleich- gilüg und gefühllos bleibt, beschließt das Gericht, sie zunächst aut ihren G e i st e s z u st a n d u n t e r j u ch e n zu lassen.
W. Frankfurt a. Al., 17. Jan. Tas Schwurgericht verurteilte den Zinngießer Finsterer und den Tapezierer Vritling wegen Fal j ch münzerei zu drei Jahren Zuchthaus. Sie batten im Zuchlhauje Eberbach den französischen Fasichmünzer Lagrange kennen gelernt, der ihnen nad) der Entlassung Gips- iormen niiferugte, in welchen sie dann nach der Entlassung Ein- und Zweimarkstücke auS Zinn gossen. Sie setzten aber nur ctiva 2U Stück durch einen Hausierer und eine Kellnerin ab. Ter Hausierer erhielt dafür ein Jahr Gefängnis, die Kellnerin sechs Wochen Getängnis.
Leipzig, 12. Jan. Tas Reichsgericht verwarf gestern die Revision des RedakleurS S i m o n j o n vom „Flensburger Avis", der vom Altonaer Landgericht wegen Beleidigung der ehemaligen schleswig-holsteinischen Offiziere zil 4 Monaten Ge- 'ängnis verurteilt worden war. Tie Straikammer in Flensburg erkannte in derselben Sache auf 9 'Monate Gefängnis.
Erfurt, 15. Jan. Tas Schwurgericht verurteilte den Land- wirtsjohn Ritdolf Löscher locgeii Mordversuch zu 10 Jahren Zuchthaus. Er hatte feine Geliebte, die sich in guter Hoffnung befand, in einen tiefen Brunnen geworfen.
LittgejanSt.
(Für Form und Inhalt alter unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Es dürfte in weiteren Kreisen des Bürgertums wohl nicht bekannt sein, daß Frauen oder Agenten, denen der Totendienst zusteht, behördlicherseits streng anempfohlen wurde, bei Beschaffung eines Sarges zuerst bei dem Schreiner anzusragen, der stündiger Meister der betr. Familie ist. Trotzdem bekommen die Särge vielfach Leute zu liefern, die wie die Hyänen der Schlachtfelder stets auf der Lauer stehen und abwarten, bis der itranfe in den letzten Zügen liegt, um bann mit erheuchelter Teilnahme über die durch den Todesfall meistens kopflos gewordenen Anverwandten herzusallen, um sich die Lieferung des Sarges zu sichern. Es ist vorgekommcn, daß der liebe Tote mit zwei Särgen beglückt wurde. Ter Hausmeister hat jetzt, außa daß er einen Kunden verloren hat, dem er aber wirklich nachtrauert, noch bas beschämenbe bittere Gefühl: „Zu ben Flickereien bist du gut genug, uitd hier wirb da Sarg von irgend jemand geliefert, wegen dessen da Tote, wenn er es wüßte, sich vielleicht noch im Grabe umbrehen würde." Auch ist es schon öfters vorgekommen, baß trotz des Wunsches der Angehörigen, den Sarg bei ihrem langjährigen Meister zu bestellen, er doch von einem anderen geliefert wurde. Ein großer Teil der hiesigen iLchreinermeister besitzt mehr oder weniger Särge, und gegebenenfalls hilft einer bem anderen aus, wenn irgend ein Sarg nicht zusagen sollte. Tie, sehr oft angewandte Redensart „Ta Schreiner (Haus- meister) hat so keine schönen und billigen Särge, wie mein Lieferant" ist also unwahr. Wie weit nun solche Leute für ihre'
Menschenfreundlichkeit Honorar bekommen, wollen wir hier nichi erörtern, jedenfalls geschieht es auf Kosten der Hinterbliebenen^ Um nun diesem Unwesen, die Spitze zu bieten, haben die vereinigten Schreiner Gießens beschlossen, eilt großes, einer Stadt wie Gießen würdiges Sarglager zu eröffnen, das so ausgestattet wird, daß es den bescheidensten sowohl als auch den weitgehendsten An-> sprächen gerecht wird, ohne lästige Zwischenträger, und bietet die Person des Schreinermeisters Haas, bei dein sich das Lager befindet, die beste Gewähr, daß alle diesbezüglichen Vor- und Nebenarbeiten in anständigster Weise ausgesührt werden.
Hoffen wir, daß diese Zeilen dazu diäten, das Publikum, über diese Mißstände aufzuklären, und es dem neuen durch Selbsthilfe hervorgerufenen Untanehmen die Unterstützung nicht versagt. In erster Linie bitten wir aber den Hausmeister gütigst berücksichtigen zu wollen.
Gießen, den 13. Januar 1908.
Freie Gießener Schreinervereinigung.
Die Marktpreise für Biel) und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brorpreise
am 13 Januar 1908.______________
Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. 'JJL
Zleifchpreise in Gießen
Schsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 78—81 Mk.
12 Kg.Schlachtgew. 92—95 Pf.
7, „ „ 62-63 „
7. Kg. 82-88 Pfg.
V, „ 70-80 „
V- „ 70-84 r
Getreidepreise in M a n n h e i m
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 22.15-23.15 Dif.
Roggen 100 Kg. 20.95—21.40 T)if.
Weitzvrot 2 Kg. 62 Pig.
Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pig.
Teiefomscfäe des Giessener Anzeigers, mitge und Indusli Frstjikturler ESört»< 3j^°/0 Eeichsanleihe . . 93.55 "6% do. . . 82.20 d>$0/0 Konsols .... 93.70 6% do 82.30 ■^°/0 Hessen 92 10 °/0 überliessen . . . 92.00 4% Uesterr Goldrente. . 97.40 4l/6 ?o Uesterr. Silberrente 98.60 4;0 Ungar. Goldrente . . 93 50 4% Italien. Heute . . . 103.70 3-6 Portugiesen Serie I 63.00
3% Portugiesen „ 111 63.90
4 >2 °/0 russ.ätaatsanl. 1905 94 55 40 Japan. Staatsanleihe 88.20 1 y0 Uonv. Türken von 1903 95.10 Türkenlose 143 4o 1% Grieeh. Monopol-An l. . 49.90 1 % äussere Argentinier . 85.80 3% Mexikaner .... 63.20 4zsu/0 Chinesen . . . . 95.80
Aktien:
Bochum Guss 198 CO Buderus K W 114.00 'lendeuz: schwächer.
Berliner Mörse, 17
Canada E. B 158.10 Darmstädter Bank . . . —. - Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 60.50 Dresdner Bank . . . 137.80
Tendenz: schwächer.
teilt von der Bank für Handel io, (41 essen.
i, 17. Januar, 1.15 Uhr.
Elektnz. Lahmeyer . . . 124.80 Elektriz. Schuckcrt . . . 106 50 Eschweiler Bergwerk . . 209 90 Gelsenkirchen Bergwerk 187 00 Hamburg-Amerik. Paket!. 117.40 Harpener Bergwerk. . . 201.60 Laurahütte ..... 216.00 2sordd. Lloyd .... 105.10 Obeischles. Eisen-Industrie 99.75 Berliner Handelsges. . . 157.00 Darmstädter Bank . . . 126.80 Deutsche Bank .... 231.00 Deutsch-Asiat. Bank . . 138 50 Diskonto-Kommandit. . . 172.00 Dresdner Bank .... 138 10 Kreditaktien 20O.20 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahu 88.80 Gotthard bahn —
Lombard. Eisenbahn . . 27 90 uesterr. ätaatsounn . . . 145.20 l'nuee-Hcun-Eisenbahu . 118.60
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Harpener Bergwerk. . . 201 4G Laurahütte ■ — .»oinbarden E. B. ... — Nordd. Lloyd 105.40 t ürkenlose 144.00
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