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15.5.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Freitag 15. Mai 1908

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Mai 1908.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung unserer Stadtväter, die dritte inner­halb 14 Tagen, wurde mit einer bemerkenswerten Mitteilung eröffnet, die ein neues hocherfreuliches Zeichen bürger­lichen G cme in sin ns bedeutet. Die Firma Heylig en - staedt hat der Stadt für den Stadteriveiterungsfonds ein 27 259 Quadratmeter großes Geländestück oberhalb der schönen Aussicht verkauft und zwar zu dem außerordentlich billigen Preis von einer Mark für den Quadratmeter. Wenn man bedenkt, daß in der dortigen Gegend schon mehrfach Verkäufe zu etwa dreifachem Preise abgeschlossen worden sind, wird man den Dank begreiflich flnden, den unser Stadt­oberhaupt dem Beigeordneten Heyligenstaedt öffentlich aus­sprach. Der Gießener Vieh markt, bezw. die Art und Weise der Abwehrmaßregeln gegen Seuchengefahren haben die Versammlung schon mehrfach beschäftigt. So auch vor mehreren Wochen und im Anschluß an die damalige Debatte wurde heute ein Brief des Ministeriums verlesen, in dem gefragt war, ob ein in einein Bericht des Gieß. Anz. enthaltene Bemerkung darüber auf Wahrheit beruhe. Es ist kauin anzunehmen, daß die auf das Schreiben einstimmig be­schlossene Antwort das besondere Wohlgefallen der Frager erregen wird und die Versammlung stimmte dem Stadtv. Dr. Biermer durchaus bei, als er in entschiedener Weise für das Recht der Stadtverordneten eintrat, Regierungsmaßnahmen zu kritisieren, auch mit Worten der Ironie. Im übrigen be­schäftigte sich die Versammlung mit kleineren Angelegenheiten, so daß verhältnismäßig früh zur nichtöffentlichen Sitzung über­gegangen werden konnte. Die nächste Sitzung findet voraus­sichtlich erst in drei Wochen statt.

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gemäß nach erfolgter Inbetriebnahme des Kanals noch steigern, wenn erst die dann in Aussicht genommenen industriellen Anlagen in der Nähe dieser Stadt fertiggestcllt sind. Die Kosten der Schiffbarmachung für die etwa 142 km lange Strecke von der Lahnmündung bis Gießen sind auf ca. 20 Mill. Mk. berechnet worden, von denen etwa 4 Mitt, auf Hessen entfallen würden."

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melbet die .Nordbavrische Zeitung" aus Grund amtlicher Er­kundigung : Das Ermtttelungs = Bersahren der M ü n ch e n e r Staatsau mall schast gegen den Fürsten Eulenburg wegen v ersuch terV erl ci tung der Ai ü n ch en erZe ug en zum Ai e i n e i d geht gesondert von dem Berliner Berkahren seinen Gang. Es wird in zwei Briefen des Fürsten an den Zeugen Ernst Anstiftung zum Meineid erblickt. Tie Münchener Verhandlung gegen Eulenburg wird erst nach der Berliner stattfinden. Dein Fürsten Eulenburg ging cs gestern übrigens ziemlich schlecht. Er hat plötzlich, wie schon einige Male vorher, einen Schwäche- a n s a l t bekommen, der so bedenklich ivar, daß ihn die Aerzte schon in früher Morgenstunde besuchen mußten. Fürst Eulenburg hat früher gegen Schlaflosigkeit große Mengen Morphium genommen. Berliner Blättermeldungen bringen beit Schwächcansall des Fürsten Eulenburg mit einer e r n e u t e n H a u 8 s u ch u n g i m S ch l o s s e Liebenberg in Verbindung. Die Gerichtskonunission erschien um 7 Uhr morgens in der Eharitü, um den Schlüssel zmn Schreib­tisch des Fürsten zu erbitten, lieber den frühen Besuch und dessen Ursache geriet der Fürst in große Erregung, ivas den bereits ge­meldeten Schwächeanlall zur Folge gehabt haben sott. Ter Fürst gab wiederholt seinem Unwillen über die Durchsuchung seiner Korrespondenz Ausdruck. Er erklärte, er habe den politischen Teil seiner Brie'e längst entfernen lassen.

Ausland.

LosvonRom. InGries wurde gestern nach einer Meldung aus Bozen die erste evangelische Kirche feierlich eröffnet.

Die französisch-britische Ausstellung in London ist gestern durch den Prinzen und die Prinzessin von Wales feierlich eröffnet worden.

König Eduard hat die süddeutschen Bürger­meister, die als Gäste der brit. Munizipal-Gesellschast London besuchen, zu einem Imbiß nach Schloß Windsor ein geladen. Im Buckingham-Palast wird er sie emp­fangen. Nach dem Empfang der Gäste im Oberhause durch den Premierminister wird am Moniag Sir John Gorst bei dem Empfangs-Bankett den Vorsitz führen.

In dieser Beziehung Ivar die Leonore Sanvitalc von Marianne Wulf das direkte Gegenteil. £ier war jede Pose, jede Bewegung auf ihre ästhetische Wirkung hin genau vorbedacht, und doch erschien alles so natürlich und unge­künstelt an ihr. Die Darstellung war nach jeder Richtung hin fesselnd. Neben dieser prächtigen Leonore verblaßte die zweite Leonore, die von Mari) Urban dargestellt wurde, ein wenig, und doch war auch sie, für sich betrachtet, eine Leistung von großer Einheitlichkeit. Sehr ergreifend kam in dieser Rolle die bittere Resignation zum Ausdruck, die verhaltene Sehnsucht nach Glück und Liebe. Bor allein sprach Mary Urban ihre Berse sehr deutlich. Herr Frie­drich vom Kgl. ^Heater in Kassel stellte den Fürsten mit vornehmer Würde dar. Ein echter Weltmann und Mann der Tat war der Antonio des Herrn B a y r h a m m c r. Er bemühte sich mit gutem Erfolg, das Zwiespältige in der Eha- rakterzeichnung seines Helden zu verwischen. Tie Szene mit Leonore Sanvitale und dann später die Szene mit Tasso zeigten ihn in schöner, reiner Abgeklärtheit und weltge-

sehr schwer sein, beides zu vereinigen, realistische Darstellung voll Leben und Wirklichkeit und Poesie des gesprochenen Wortes, aber daß beides möglich ist, zeigte Herr Kirch. Bei den übrigen Mitwirkenden war es nicht immer der Fall. Ob es nun gerade notwendig ist, den klaffenden Riß, der zwischen den beiden ersten und den übrigen Akten in der Dichtung nun einmal vorhanden ist, mit solcher Deut­lichkeit zu unterstreichen, wie es Herr Kirch gestern tat, dar­über kann man verschiedener Meinung sein. Es sind wohl beide Auffassungen berechtigt. Wer sich möglichst getreu an die Dichtung halten will, wird den Tasso nicht anders aeben, als es Herr Kirch getan. Wer eine einheitlichere Wirkung erzielen will, wird versuchen, diesen Riß zu über­brücken. Schwieriger für die Darstellung und undankbarer ist ohns Zweifel die Auffassung, wie sie das Spiel des Herrn Kirch verriet. Der Tasso der beiden ersten Akte ist weichlich und nebelhaft, wie Goethe es selbst einmal gesagt bat. Die große Kunst des Charakterisierens, die zeigte Herr Kirch in reichstem Maße wohl in den folgenden Akten. Ter sprunghafte Wechsel aus einer Stimmung in die andere, aus dem Zustande höchster Begeisterung in die tiefster Ver­zweiflung war bei seinem Tasso namentlich zum Schluß von packendster Wirkung. Auf schöne Posen legt Herr Kirch keinen Wert. Einzelne feine Posen wirrten direkr unschön, so sehr beherrschte ihn die Wahrheit der Situation, so sehr lebte er in seiner Rolle.

Nr. 114

Der Siegener Anzeiger rrscheml täglich, außer Sonntags. - Beilagen: ptermal wöchentlich StrhenerHamtlienblätter; iroeimal wöchentl.Areir- dlaNfürdenttreis Siehe» «Dienstag und Freitag); iroeimal monotl. Lanü- vtrtschastliche Seitfragen ^entsprech * Anschlüsse r tut di« Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Vdrehe iür Depeschenr

«uzetger Gießen.

Innahmt oon Anzeigen Gr die Tagesnummer

I vormittags 10 Uhr.

Der Verein für die bergbaulichen Interessen

im Oberbergamtsbezirt Dortmund, der im Herbste d. I. auf em 50 jähriges Bestehen zurückblickt, veröffentlicht soeben lernen Jahresbericht. Zur allgemeinen Lage des Jahres 1907 hebt der Bericht hervor, daß daS abgelausene Jahr in Inner größeren Hälfte die Fortsetzung der guten Konjunktur bei JahreS 1906 brachte. Allerdings ließ schon in den Monaten Juni und Juli der frische Zug nach, der das Jahr 1906 während seiner ganzen Dauer ausgezeichnet hatte. Es irnt ein Stillstand ein, der vornehmlich in einem geringem vertrauen zur Feststigkeit des Geldmarktes begründet war. rie schweren Erschütterungen, die den amerikanischen Wirt- ichcftslürper bereits im Monat März getroffen hatten und jpie später zu einer vollständigen Panik auswuchsen, konnten, iei der überragenden wirtschaftlichen Bedeutung Amerikas

»licht ohne nachteiligen Einfluß auf die deutschen Verhältnisse bleiben. Die Furcht vor der Möglichkeit ähnlicher Krisen schrie so auch bei uns das Ende der Hochkonjunktur herbei. ,W«m/ so heißt es dann weiter im Bericht,mit dem |Abflauen der Konjunktur nicht jener rapide Sturz, wie wir chm früher so häufig erleben mußten, eintrat, wenn sich nicht

h He wilde Panik, der rücksichtslose Kampf einstellte, wie wir R auch jetzt wieder in Amerika erlebt haben, wo in wenigen

Ewigen über 500000 Menschen brotlos wurden, sondern die Konjunktur schonungsvoll für alle Betriebe und die in ihnen lüchäftigten Arbeiter langsam abebbte, so ist das allein dem

Sitten unserer Syndikate und Kartelle, insbesondere dem Whemisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat zu verdanken. Dann rar es aber namentlich die Verlängerung des Stahlwerks-

; Verbandes auf 5 Jahre, die eine gewisse Spannung über» canb. Ferner brachte die Verständigung zivischen der Luxem- urgischen Roheisen-Zentrale und dem Düsseldorfer Roheisen- condikat, die vorläufige Verlängerung des Walzdraht-Verbandes, te Gründung der oberschlesischen Stahlwerks-Gesellschaft und süßlich die Erneuerung der Schiffsbau-Stahlvereinigung große sttigkeit in den Markt. Von besonderem Interesse für iiiZ Gießener ist in dem Bericht der Abschnitt über die Wahnkanalisation. Dort heißt es:Das Projekt der Wahnkanalisation nimmt erfreulicherweise immer festere kfa an. Das auf Veranlassung der Regierung von der ^Ijerbauinspektion ausgearbeitete Projekt ist jetzt fertiggestellt p der Regierung vorgelegt. Eine Ende des Berichts- jihvcs dem Ministerium zugegangene, vom Kanalverein aus- toübeitete Denkschrift, die sich eingehend mit der wirtschaft- i-hea Bedeutung und der Rentabilität der Lahnkanalisierung bshäftigt, kommt zu auffallend günstigen Ergebnissen. So l iramentlich trotz geringer Uferlänge ein besonderes Interesse te Großherzogiums Hessen ausgerechnet worden, das sich ttnehmlich in Gießen zu konzentrieren scheint. Wie die kizaben in der darüber ausgearbeiteten Denkschrift besagen, -l Gießen schon jetzt in der Lage sein, 570000 t lahnab- Aris verfrachten zu können; diese Mengen werden sich natur-

Deut?ches Resch.

Aus Anlaß der Kundgebung des deutschen Reichstages zu Ehren des 60 j ä h r i g e n Regierungs- Jubiläums Kaiser Franz Josefs hat der österreichisch- ungarische Botschafter von Szögyeny namens seines Herrschers an den Reichstags-Präsidenten Grafen Stolberg ein Dank­schreiben gerichtet.

D i e Festlichkeiten auf der HohkönigSburg hatten in Frankreich so viel Interesse erregt, daß mehrere große Zeitungen besondere Korrespondenten nach dem Elsaß entsandten. Diese berichteten ihren Blättern u. A., es habe bittere Enttäuschung erregt, daß der Kaiser in seiner Rede nichts von der Selbstverwaltung sagte, während in Straßburg alle Welt eine Kundgebung dieser Art erwartet hätte.

Staatssekretär Exzellenz von Schön, der zur Zeit in Berchtesgaden weilt, hat am Dinstag nachmittag das Unglück gehabt, auf dem Wege von Forderbrand nach Königs­see in der Nähe des Holzlehens auszugleiten und sich einen Fuß zu verstauchen. Auf einem primitiven Wä­gelchen wurde Herr von Schön zur Landstraße gefahren, von wo er alsbald mit Fuhrwerk nach Berchtesgaden gebracht wurde.

Der Landgerichtspräsident am Land­gericht Berlin I hat beschlossen, gegen die Landgerichts­räte Keßler und Kämpfe, die in einer Verhandlung der siebenten Strafkammer merkwürdige Aeußerungen dem Rechts­anwalt Dr. Cohn gegenüber fallen ließen, im Dien stau fsichts- wege einzuschreiten.

Gründung einer Freien Studentenschaft. In einer allgemeinen Versammlung der nichtinkorporierten Studenten in Jena ist gestern die Gründung einer Jenaer Freien Studentenschaft beschlossen worden.

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ihre Rollen so hinein spielen, daß die Darstellung ein Leben gewönne, als wäre es nicht eingelernt, sondern als entquölle alles aus ihrem eigenen Herzen, so werde das Publikum sicher auch nicht ohne Interesse und ohne Emp­findung bleiben." Zum Verständnis des Tasso gehört denn noch, wie Goethe an einer anderen Stelle bei Eckermann sagt, folgendes:Die Hauptsache beim Tasso ist die, daß man kein Kind mehr sei und gute Gesellschaft nicht entbehrt habe. Ein junger Mann von guter Familie mit hinreichen­dem Geist und Zartsinn und genügsamer äußerer Bildung, wie sie aus dem Umgänge mit vollendeten Menschen der höheren und höchsten Stände hervorgeht, wird den Tasso nicht schwer finden."

Sternad) hat Goethe selbst den Weg gezeigt, den der Schauspieler gehen muß, um den Tasso zu spielen, und was der Zuschauer mitbringen muß, um einen vollen, un­getrübten Genuß von diesem Stücke zu haben. Man wird daher auch bei der Beurteilung der gestrigen Aufführung die Forderungen Goethes nicht außer Acht lassen dürfen.

Von so bedeutenden Künstlern, wie wir sie gestern in unserem Stadttheater sehen durften, brauchte man von vornherein nicht zu befürchten, daß sie uns eine leere, hohle Deklamation bieten würden. Man kann aber beim Tasso auch leicht in den andern Fehler verfallen und das rein Dar­stellerische dermaßen in den Vordergrund drängen, d. die Schönheit der Verse leidet. Dieser Fehler wurde gestern nicht immer vermieden. Die Absichten, die Herr Kirck) in seiner Regie verfolgte, sind selbstverständlich richtig, und als Dar­steller des Tasso fand er auch selbst den entsprechenden Ausdruck für diese Absichten. Dem raffiniert verfeinerten ästhetischen Empfinden des 18. Jahrhunderts genügte der Wohlklang des gesprochenen Wortes, die Schönheit des Ge­dankens. Uns Heutigen hat der Realismus der Bühnen­kunst die Sinne vergröbert, so daß wir anderer, sinnlicherer Reize bedürfen. Wir verlangen vom Bühnenstück Handlung, und wo diese nicht geboten wird, so doch Wahrheit und reales Leben. Diesem'Verlangen wurde die Regie Kirchs vollauf gerecht, denn sie war bestrebt, uns wirkliche Menschen von Fleisch und Blut auf die Bühne zu stellen. Beim Tasso, und gerade beim Tasso, ist es aber schade, wenn dabei die sprach­liche Schönheit dieser Dichtung zu kurz kommt. Es mag

sehe die klassischen Stücke seiner großen Dichter so oft, daß er sie auswendig wisse und für Betonung einer jeden Silbe ein geübtes Ohr habe.Würden die Schauspieler", so sagt Goethe bei Eckermann,durch öftere Wiederholung sich in

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tefjener Anzeiger

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General-Anzeiger für Gberheffen'

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Scbulitraffe 7 l"'al^LHeb^ür den

.......... ! ' , J * Anzeigenteil: H. Beck.

I GrctzerrsL? Stadttheater.

Ensemble-Gastspiel von Mitgliedern des Schauspielhauses in Frankfurt a. M.

Torquato Tasso.

Ein Schauspiel in 5 Aufzügen von Goethe.

3n den ersten zehn Jahren seines weimarischen Dienst- Hoflebens hat Goethe, wie er selbst einmal gesteht, so M toie gar nichts gemacht. Die Verzweiflung trieb ihn dann Jp Italien und dort fand er endlich neue Lust zum 'Khaffen. Er machte fick) wieder an den Tasso, den er schon lilths Jahre zuvor angefangen hatte, und je mehr er sich

diesem Stoffe beschäftigte, um so besser gelang es ' i^sich von demjenigen freizumachen, was ihm noch aus IBien weimarischen Eindrücken und Erinnerungen Schmerz- > he Z und Lästiges anklebte. So ward ber Tasso ihm zum i©tigerten Weither; diese Dichtung war ihm ebenso wie

bed Werthers eine Selbstbefreiung. Daß Goethe im sich selbst geschildert, und im Hose von Ferrara den von Weimar, ist hiernach nicht zweifelhaft. Goethe hat ötifje: Annahme auch noch ausdrücklich bestätigt, denn als : 3 einmal gefragt wurde, welche Idee er im Tasso zur Sftjäauung gebracht habe, erwiderte er:Idee? das Gleicht wüßte! Ich hatte das Leben Tassos, ich hatte mein ftenes Leben, und indem ick) zwei so wunderliche Figuren K $ren Eigenschaften zusammenwärs, entstand mir das W des Tasso, dem ich als prosaischen Kontrast den An- entgegenstellte, wozu eS mir auck) nicht an Vor­dem fehlte. Die weiteren Hof-, Lebens- und Liebesver- bMnisse waren übrigens in Weimar wie in Ferrara, und mit Recht von meiner Darstellung sagen: sie ist öftii von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch." I Sm Jahre 1789 war der Tasso vollendet, ein füns-

Drama in zierlichen Jamben, und bod) kein Drama '^eigentlichsten Sinne be§ Wortes, denn ihm fehlt alle 5Wuna. Diesen Mangel hat auch die berauschende Schon- M ber Sprache nicht ganz anszugleichen verrnocht. Die '«chuendlosen Verse ermil^.i auf die Dauer, die Spannung Zuschauers läßt nach, das Stück wird leicht langweilig. So ts schon zu Goethes Zeiten, und der Dichter selbst be- V sich einmal darüber, daß sein Tasso so selten gegeben Kaum alle drei bis vier Jahre einmal." ^as VMutl finde ihn langweilig, und das sei sehr begreiflich

Sd)ausvieler seien nicht geübt, das Stück zu spielen, und Publikum nicht geübt, es zu hören. Der gebildete Pariser