Ausgabe 
14.11.1908 Zweites Blatt
 
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Nov. 1908.

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Kleine Tageschrontk.

Ans dem Zollamt in D er besthal sind die Amtsbücher und das gesamte Aktenmalerial über eine Untersuchung gestohlen worden, die wegen einer großen Schmuggelei eingeleitet wor­den war.

Unter dem Verdachte fortgesetzter Erpressungen wurde ein adliges Ehepaar auf Anordnung der Berliner Staats­anwaltschaft in München verhoffet und in das Berliner Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Die Beschuldigten sollen 20000 Mk. erpreßt haben.

Die Berkämerm Frieda Helm in Dresden tötete ihr sieben Monate altes Kind dadurch, daß sie e§ so lange in das eisalte Wass er eines Teiches tauchte bi5 eS tot war. Sie wurde verhaftet.

Der Rechnungsbeamte 3 e n it i in Budapest, der in Ge­meinschaft mit einem Lehrer Wechsel in der vöhe von über 100 000 Kronen gefälscht hatte, wurde gestern verhafte t

Der als Arzt auf Labrador lebende Missionar Wilfred Grensell hält die angeblichen Funde für einen Irrtum und glaubt, datz es das Grab eines neufundländischen F-i s ch e r s sei, unter denen der Name A n sty, nicht Andree, sehr häufig vorkomme.

Brooklyns ältestes Schauspielhaus, das be­kannte Parktheater, wurde wenige Minuten nach einer Vorstellung voll ständig eingeäschert. Die Zuschauer konnten recht­zeitig in Sicherheit gebracht werden, doch sind bei den Lösch­arbeiten viele Feuerwehrleute verletzt worden.

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San Francisco, 13.>v. Der BezirkSanwalk Francis H en ey, der gegen den Bürgermeister von San Francisco Schmitz und gegen andere betrügerische Beamte Klage geführt hatte, wurde das Opfer eines Akten- - ates. Es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben Zn er­halten.

In Ausführung

die Fürsorgekaffs für die Beamten und Bediensteten der Landgemeinden nnd Kommnnatbcamten betreffend:

bin ich aufgefordcrt worden, nach Gicstcn in den Lcuz'scheu Felseukeller auf Sonntag, den 22. Novcmvcr nach­mittags 3 Uhr

eine Versammlung der 906 Mitglieder dieser Kaffe in der Provinz Oberheffen zu veranlassen, in der über die vom 21. bis 22. vorzunehmenden Ausschuffwahlcn b-- raten und Vorschläge zur Wahl gemacht werden sollen. Diese Aussprache ist erforderlich, um die Mitglieder miteinander bekannt zu machen, damit die tüchtigsten und zugleich geeignetsten Männer ausgewählt werden können.

Ich bitte sämtliche Oberhessischen., Frankfurter, und Darmstädter-Zeitungen, soweit sie in der Provinz verbreitet sind, besonders aber die Kreisblätter im Juteresse der guten Sache, diesen Aufruf unentgeltlich und kostenfrei alsbald an in die Augen fallende Stelle zu veröffentlichen.

Sollte ich durch Teilnahme an den Verhandlungen des Reichstags verhindert sein, den Vorsitz in dieser Versammlung zu führen, so wird Herr Bürgermeister und Landtagsabg.1 Leun, Großenlinden gebeten, ihn zu übernehmen. [D14/u

Böhler-Langsdorf

M. d. R. u. d. Hess. Landtags.

Gruppe eine Beileidsadresse übernMelt. Der Genternde rat' von Paris sandte der Bevölkerung Westfalens eine herzliche Depesche.

Der österreichische Arbeitsminister Gebmann richtete an den preußischen Handelsminister ein Telegramm, in dem er das tieffte Milgriühl ausdrückt. Der Berliner Maqistrat beschick, 10000 Mark für die Hinterbliebenen zu bewilligen. Die Kölner Blätter veröffentlichen Aufrufe zu Sammlungen. Die Höht. Ztg/ teilt zugleich mit, daß bereits 2 4 0 0 0 Mark bei ihr als Spende eingegangen sind. Die vomWests. Anz." er- öffnete Subskription hat schon 3000 Mk. ergeben.

Die Geschäftsstelle unseres Blattes ist zur An­nahme von Gaben bereit, und bittet im Rameu der Hinterbliebenen um zahlreiche Beteiligung der Gießener Bürgerschaft.

Unterzeichneter empfiehlt sich für Anfertigung sämtlicher geometrischer Arbeiten.

Heinrich Petri, Gr. Geometer I. Kl.

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Donnerstag, den 10. Novbr. 1908, nachmittags 3 Ubr, wird auf tjieiiflcm Crtsneridjt die vor dem 'Jianicn des liunrab Michel und Ehefrau geb. Löcher stehende Parzelle der Gemarkung Giesten 1/42 = 386 qm Hoftene in der Stephansmark

öffentlich meistbietend freiwillig versteigert.

Gieren, den oO. Oktober 1908. Gr. OrtSgericht Gieffen.

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Belgrad, 14. Nov. Einzelite Blätter besprechen bte un­haltbaren wirtschaftlichen Zustand Serbiens und prophezeien, da bereits zahlreiche graste Handelsfirmen zugrunde gegangen sind, einen grasten Finanzsrach, falls nicht so- rort über Krieg oder J-rieden endgültig entschieden werde.

Paris, 14. Nov. Die sozialistische Gruppe der Kammer besckchch, eine Adresse an die Hinterbliebenen der Opfer der Gruben-Katastrophe von Hamm zu ncksten.

London, 14. Nov. Daily Telegraph veröffentlicht eine für inspiriert gehaltene Information, in der es hcistt, die österreichische Negierung l>at das Recht, England und di- übrigen Mächte zu ersuchen, einen Truck auf Belgrad aus- -zuüben, um der serbischen Bewegung Einhalt zu tun, aber bic österreichischen Staatsmänner haben keineswegs zu beklagen, dast Serbien mit der Türkei in Verbindm»g tritt, um die Berteidrgung pes Landes zu sichern. England lvünsche, dast die östrrrcrchifchen Staatsmäiiner den Ernst der serbisckneii Staatsmänner recht er­kennen möchten. Augenblicklich könne diese Bewegung leicht ge­leitet werden, ohne dast es Oesterreich eine Demütigung koste, wenn diese letztere Nation aufrichtig ist in ihrer Berstcherung, auf jede weitere Ausdehnung in der Nickstung auf -Lalonitt zu

Verein der Hausbesitzer Giessen.

Kanaireimgung.

Wir beabstchtigen, mit einem Zlanalreinigunasinstitnt in Nnterbaudlung au treten, um jür unsere Mitglieder eme Cr- müBiouna un Abonnement berbeizuiühren. -önbeut rotr unteren Mitgliedern im Prinzip den Beitritt dringend cmpiebleu, ersuchen wir'ne, sich recht bald bei unserem 'Lohuunasnachweis, Selters- Weg 26, zu der dort aufliegenden Liste schriftlich ober mündlich zu melden, damit schon nut Wirkung vom 1. Januar ab eine Preisoergünftigung berbeigefübrt werden kann. Je zahlreicher die Meldungen entlaufen, desto größer ist der Rabatt.

v»/.j Der Vorstand.

Am 16. November, vormit­tags 10 Ubr, sollen auf hiesigem Güterschuppen eine Anzahl über­zählige Güter als: 2 Slahlblöcke, 1 Nolle Drahtgestecht, verz. Band­eisen, 1 Biehgeburtshelfer, leere Säcke u. s. w. öffentlich an den Meistbietenden gegen sofortige Barzahlung verkamt werden.

| Gieffen, den 13. November 1908.

*66061 Gr. Güterabfertigung.

Biang. ÄichnWMMii.

Bei der am Mittwoch den 18. November, abends 8 Uhr in der Stadtkirche stattfindenden

Refoimtionsskier,

bei der Ps. 42 von F. Atendelssohn und eine ReformationS- kantate von Bartmust zur Aufführung kommen, werden die beiden Emporen und die vorderen Bänke im Schiff für unsere

un auf vevzicksten. Wenn aber Oesterreich darauf besteht, bte gegenwärtigen Frder in nationalen Gefühle Serbiens Ku verkennen, so durfte aus dieser

s. I Halsstarrigkeit ein Konflikt resultieren.__________________________

Im Klärbecken, vorsichtig weit vom Weichbilde unserer Stadt abgerückt, findet all das seinen Niederschlag, was wir durch das .ilanalncb geruchlos und heimlich verschwinden lassen aus inneren Wohnstätten. Sauberer und schmucker wird unsere Swdt, und als ein leuchtendes Zentrum unserer Kultur ragt das neue Stadt­theater freudeverheistend auf. Und nun? Verhülle dein Antlitz, Muse, das Ekle und Äidenvärtige, das wir iveit von uns schoben, hoben sie wieder hereingeholü Thalias Tempel umhaucht ein pestilenzialischev Geruch, der uns fliehen lästt in schleuniger Fluchc. Es must gesagt werden: es stinkt furchtbar um das Theater herum, das noch vor kurzem von idyllischen Stofen und saftigem Ziasen umgeben hror. Aber nicht die Nase allein empört sich vb solcher Praxis. Wo sind die öffentlichen fcütet der Gesund­heit? Mutzte die Praxis so grob unser Ideal stören, und unsere Gesundet gefLHLdcn .-' Steht nicht - auch in den Anlagen cm weister weiser Mann, der gelehrt hat, dast es noch andere Mittel gibt, die Pflanzen aiufjumuntern, als das Umrühren von Klär­becken. Warum lassen wir die Bazillen-Reinkultur nicht gleich in der Stadt? Das ist wenigstens billiger. Und nun ihr Kämpen, springt demEivis" bei, dem die Not die die Hand drückte und der Schmerz ob solcher Greuel.

Versteigerung.

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voranSsichtliche Witterung für Hesse» am Sonntag den 15. November: Abkühlung. Spüler Frost. Geringe Niederschläge. Abnehmende Bewölkung. Auffrischende östliche Winde.___________

GriginaL-Drahtineldulisen.

Köln, 14- Nov. Die Strafkammer verurteilte den 16 jährigen Laufburschen Llosteryulfen, der im Juni fieses Jnhres einen neunjährigen Knaben im Kölner Stadt- tvalde ermordet hatte, wegen vorsätzlichen Mordes zu 12 Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 15 Jahre beantragt. TaS Gericht erklärte, dast als strafmildernd in Betracht gezogen werden müsse, daß der Junge ein Opfer her Schund-Literatur geworden ist.

Wien, 14. Nov. Die Parteiführer - Konfe - renzen im Ministerium des Innern, welche bis morgens 3 Uhr dauerten, sind resultatlos verlaufen. Freiherr von Bienerth wird sich heute zum Kaiser begeben und ihm den Vorschlag machen, eiu Bcamten-Ministerium zu er­nennen, eventuell auch die Schließung des Abgeordneten- Hauses zu verfügen.

Wien, 14. Nov. Wie in hiesigen diplomatischen Kreisen versichert wird, nehmen die Verhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland wegen des Zu­standekommens einer Konferenz einen befriedigenden Verlauf.

Konstantinopel, 14. Nov. Gestern abend drang ein Offizier in das Po st Verwaltungsgebäude und bedrohte den Generaldirektor mit einem Revolver. Einern Beamten gelang es, sich dazwischen zu stürzen und ein Unheil zu verhüten Ter Offizier wollte sich an dem Generaldirektor rachen, weil fern Bruder unter dem früheren Regime als Spion angesehen und abgesetzt worden war.

St'onftantinopel, 14. Nov. Die bisherigen Mel­dungen über eine Demobilisierung der Türkei sind unrichtig. Die tnrfi)d)c Regierung wird mit der Demobilisierung solange warten, bis sich die Situation ge-