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14.11.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 369

Zweites Blatt

Samstag 14. November 1908

Erfchetnt täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Genergl-Anzeißer für Gberhefsen

158. Jahrgang

$teSletzcnel Famillenblätter" werden dem ^AnzeiqerE viermal wöchentlich beigelcgt, das Krdsblati für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Br üb lachen UnwersilälS Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» ftrnße 7. Ervedition und Verlag: 5L

Redaktion:e^ii2. rel.-AdruAnzeigerGleßen.

Die innere Krifis.

DiePvsft" schreibt anscheinend vffiziöS: In der Sitzung des BunbesratSausschusses für auswärtige Ange­legenheiten, die gestern unter dem Vorsitz des bayerischen Ministerpräsidenten Frhrn. v Podewils stattfand und 41A Stunden dauerte, leate Reichskanzler Fürst Bülow in längeren Ausführungen den gegenwärtigen Stand unserer Berrchungen zum Auslande dar. In der sich daran an- schließenden Erörterung wurden alle Fragen, nicht nur der auswärtigen, Hubern nuch der inneren Politik, insbesondere auch die innere Krisis eingehend und gründlich besprochen, mit dem Ergebnis, daß sich der BundesratSauSschuß ein­mütig auf die Seite des Fürsten Bülow stellte. Alle Mit­teilungen über einen bald bevorstehenden Rücktritt deS Reichskanzlers und dergleichen beruhen auf leeren Kombi­nationen, da irgend eine Entscheidung über die innere Krisis noch gar nicht gefällt ist. Die Entscheidung wird vielmehr erst in der für die nächsten Tage bevorstehenden Aussprache des Kaisers mit dem Fürsten Bülow in Kiel fallen. Aus seiner Reise nach Kiel wird der Kanzler vom Ches der Reichs­kanzlei v. Loebell begleitet sein Fürst Bülow wird einen durcl)aus objektiven Bericht erstatten, von dessen Ausnahme seitens des Kaisers naturgemäß die weitere Entwicklung der Dinge abhangcn muß. Wie sehr man nach wie vor mit einer bevorstehenden Kanzlerkrisis rechnet, geht auS verschie­denen Blättcrmcldungen hervor, wonach der aussichtsreichste Kandidat für den Reichslanzlerposten der Kommandeur des 10. Armeekorps, Genera ladju tant v. Löwenfeld, äu sein scheint. Er ist ein persönlicher Vertrauensmann des Kaisers und war zuletzt bis zur Uebernahmc des KvrpS- kommandos Kommandeur der 1. Gardedivijion.

Bezeichnend für die gegenwärtige Lage ist die Stellung­nahme einer Münchener Zentrumsversammlung zu der inneren Kri,iS. Dort erinnert der bayerische Kammerpräsi­dent Dr. v. Orte re r in einer Rede an die Kämpfe der achtziger Jahre, die das Zentrum damals mit dem Fürsten Bismarck führtegegen den politischen Niesen, der die Macht hatte größer als ein Fürst, der jedoch erklärte, nur ein Diener des Fürsten zu sein." Ortcrer fuhr Dann fort: ,Hch muß mir als einer der ältesten Parlamentarier gestatten, in diesem Augenblick zu sagen, die deutschen Stämme und Völker in ihrer berechtigten Eigenart geben sich der festen Hoffnung hin, daß ihr Vorgehen unterstützt wird von ihren Dynastien, denen sie angestammt und treu ergeben sind. Die Ent­wickelung der letzten Tage ist ganz wirksam gewesen. Wenn ich zurüasck)aue auf die Geschichte des ganzen Jahrhunderts, [o ist es seit der französischen Srationalversammlung nicht dagewesen, daß so herbe Worte und eine so scharfe Kritik gegen eine Autorität geführt wurden, zu der wir mit Ehr­erbietung zu schauen gewohnt sind. Hier heißt es zusammen­stehen mit unseren Fürsten und auf sie die Hoffnung setzen, daß das Vaterland keinen Schaden leide nach innen, aber auch nicht nach außen!"

Inzwischen hat das Zentrum im Reichstag einen Antrag eingebracht, der.die gesetzliche Regelung der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers fordert. Der Antrag lautet:Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers (ReichSverfasfung Artikel 17; und der Stell­vertreter des Reichskanzlers (gteichsgesetz vom 17. März 1878, betreffend die Stellvertretung oes Reichskanzlers), sowie das für Geltendmachung dieser Verantwortlichkeit ein- ruhaltende Verfahren regelt." Auch von sozialdemo­kratischer Seite ist im Reichstage ein Gesetzenttvurf eingebracht worden betreffend Abänderung der Ver­fassung des Deutschen Reiches. Hinter den Ar­tikel 17 sollen folgende Bestimmungen eingefügt werden: Der Reichskanzler ist für seine Amtsführung dem Reichstage verantwortlich. Diese Verantwortlichkeit erstreckt sich aus alle politischen Handlungen und Unterlajsungen deS Kaisers.

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Schneeschuhspokt.

lieber denn Schneeschuh und seine Verwendung sprach Lehramtsreferendar F. Peppler gestern abend vor dem Wandervogel", der die Gründung einer Schneeschuh­abteilung beschlossen hat. Wir entnehmen den fesselnden Aussührungen des Vortragenden folgendes:

Der Schneeschuh, in norwegischer Sprache Ski (sprich: Schi), ist ein schon einzelnen Völkern zur Zeit der Völker- tvanderung bekanntes Verkehrsmittel, das heute über die ganze Erde verbreitet ist. Die Urheimat des Skis haben lvir wohl in Zentralasien zu suchen, wenn auch die äußere Form des Skis damals noch stark von der heutigen abwich. Zur Zeit der Völkerwanderung wurde auch in Europa der Skilauf bekannt und entwickelte sich besonders in Norwegen zu einem Sport der ganzen Nation. In den Mythen und Gesängen der Norweger tritt unS bereits ums Jahr 1000 n. Ehr. der Ski entgegen, man besaß eine Skigöttin, Slave, und einen Skigott, Ullr. Auch ihre Abstammung führen die Nordmänner auf den skilaufenden Nor zurück, der mit Skiern von Osten her in das Land einwanderte.

Zum eigentlichen Sport entwickelte sich der Skilauf erst in neuerer Zeit, etwa zu Beginn der 70er Jahre. Da waren es zwei Momente von höchster Bedeutung für die sportliche Entwicklung des Slilaufs. Einmal die berühmte Durchquerung Grönlands auf Sck)neeschuhen durch Fridtjof Nanfen, die die ganze Welt in Staunen setzte und viele Freunde dem Skilauf warb. Dann war es das Auftreten der Telemarken in der Nähe Christianias in 9Lorwegen, die sich besonders mit dem Skilauf befaßten und in einem großen Rennen 1879 der Welt ihre Kunst vorführten. 9hm begann der Skilauf in sportlicher Beziehung sich rasch zu entwickeln; er wurde in Norwegen der nationalste aller Sports. Auch in Mitteleuropa entstanden zahlreiche Vereine, so der Ski-Klub Schwarzivald, Ski-Klub Taunus u. a. Vor allem noch ist der Akademische Skiklub München zu er­wähnen, der die akademische Jugend, der tüchtige Läufer entstammen, um sich schart und für diesen edelsten aller Sports, wie chn Nansen in seinem Grönlandwerk nennt, begeistert. Was die Ergebnisse bei den großen Dauer- und Nennläufen anlangt, so rann ein tüchtiger Skiläufer täglich 100 Kilometer leicht zurück legen. Tagesleistungen von 220 Kilometer find auch schon beobachtet worden, ebenso wie Tief-

Der Reichskanzler ist zu entlassen, wenn der Reichstag eS fordert. Ferner bestimmt der Entwurf, daß bei vorsätz­licher ober grob fahrlässiger Verletzung der Amtspflichten, namentlich bei verfassungswidrigen ober sonst das Reichs­wohl schädigenden Handlungen oder Unterlassungen des Reichskanzlers der Reichstag gegen diesen Anklage erheben kann. Die Verhandlung und Entscheidung soll einem Staats­gerichtshof für das Deutsche Reich rnfteljen, der au5 24 Mit­gliedern bestehen soll, welche bei Beginn jeder Legislatur­periode vom ReicyStag zu ernennen sind.

Nach diesem allen sind für die nächste Zeit bedeutsame Ereignisse zu erwarten.

Stimmungsbilö aus dem Reichstage.

Berlin, 13. Nvv.

Die Arbeitslosigkeit.

Auch die RoicHSverwaltuna druckte durch den Mund br5 Staatssekretärs des Innern ihre Teilnahme auö an der west fälischrn GlmbenVatcistwpbe, deren entfett über Umfang nun be­kannt ist. Wie vorauSzusehen war, können die Erklärungen der Regierung auf die hierzu vorliegende Interpellation noch nich. gegeben tvcrdeu, da die Untersuchung der Urfadjen des Unglücks einige Zeit erprbert Wie gestern, beschäftigte man sich auch heute mit Angelegenheiten der Arbeiter, aber das heutige Thema nimmt die allgemeine Aufmerksamkeit viel mehr in Anspruch, als die gestrige Erörterung der Frage der schwarzen Listen. Zent­rum und Sozialdemokraten haben Interpellationen über Die Wirt­schaftskrise und ihre schlimmste Folge, die Arbeits­losigkeit, cingebrocht. Naturgemäß Eonnte es sich bei der Aus­sprache hierüber in der Hauptsache nur um akademische Erörte­rungen handeln; denn im Ernst trauen auch die verständigeren Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, zu denen der Inter­pellant Molkeubuhr gewiß zu redjrtien ist, der Regierung nickst die Pslickstvergessenheit oder stzial- oder mirisd-aftspolitisd-e Verstludnislosigkcit zu, daß sie die Hönde in den Schoß gelegt und zur Milderung des gcrocrulidjcn Notstandes nicht die Maßnahmen aus Eigenem getrosten hatte, die im BeceickL ihrer Zuständigkeit liegen. Herr Morkenbuhr sprach es freilich aus, inbem er die vorwurfsvolle Frage fbclUe, ob sich denn die leitenden Stellen immer erst schieben lassen müßten. Aber der Staatssekretär von Bethmann-Hollweg führte darauf durch Auszählung nackter Tatsachen und Ziffern den Nadjweis, daß jedenfalls die Betriebs- Verwaltungen des Reiches und deS preußischen Staates das Auge offen gehalten und für ihre Arbeiterschaft die Arbeitsgelegenheit wirksam ausreckst erhalten haben. Die Forderungen, die von den Interpellanten Molkenouhr und Pieper, dem Vorsitzenden des Bollsvcvcins für das katholische Deutschland, sowie Ijernad) bei der Besprechiung der Antwort deS Staats,ekcetärs von den Wortführern der anderen Parteien erhoben wurden, richteten ftch denn auch mehr an die Gemeindeverwaltungen. So weit das Reich in Frage kommt, stehen die Einrichtungen regelmäßiger A r b e i t s l o s c n z ä h l u u g e n, der allgemeine Ausbau deS A r - veitsuachweises und vor allem die Frage der Arbeits­losenversicherung besonders zur Erörterung. Herr Molken- buhr ist der Meinung, baß es mit 200 Millionen jährlich, wozu Reich, Staat und Gemeinden je ein Drittel beisteuern sollen, ohne weiteres getan sei. Die Schwierigkeiten der Kontrolle der Arbetts- losen, der Bemessung der Unterstützung, der differenziellen Be­handlung der verschiedenen Arbeiterklasseit, der Beitragsfrage u. a. erörterte er wohlweislich nicht und wird wohl auch dem frei- finnigen Abg. Gothein die Antwort schuldig bleioen, der be­tonte, daß eine notwendige Folge einer allgemeinen Arbeirs- lofenvrriichrrung eine Beschränkung der Freizügigkeit in den Kauf genommen werden müsse.

Der Staatssekretär gab denn auch so deutlich wie möglich seinem Zweifel daran Ausdruck, daß man jemals zu enter ArbettSlv,enver' sityerung als Veranstaltung des Reiü-s kommen werde, und man stimmte ihm barm zu, daß es zurzeit zweckmäßiger sei, sich auf Fragen zu beschränken, deren vollständige LösuNg schon jetzt zu erreichen sei. Ein Spezialmittel gegen die Stockung deS gewerb­lichen Lebens konnte er ebensowenig in Aussicht stellen, wie es an Vorschlägen aus der Mitte des Hauses fehlte. Heber die im Augenblick am meisten intercssierendeFrage, ob die wirtschaftliche Depression ilstcn Höhepunkt überschritten hat oder sich die Besserung noch nicht bemerklich macht, gingen die Ansichten auseinander.

Der Abg. Molkenbuhr glaubte, aus der Statistik des Arbe.ts- markts, der Krankenkassen usw. eine Fortdauer der Krisis noch für mindestens 1 */a Jahre Voraussagen zu können; der ^mtrumsreduer äußerte seine Besorgnisse nur noch für die lammen­

den Wintcrmonate, in denen ja der Ausfall der Saisonarbeit daS Arbeiterangebot noch verstärkt. Der Staatssekretär findet in den Berichten über die Lage der einzelnen Industriezweige, aber auch in anderen Umständen Anzeichen der Besseruiig, und er wies dabei besonders aus die durch die Präsidentenwahl in Amerika geschaffene politische Beruhigung hin sowie auf die Stär­kung des knitschen Geldmarktes.

Außer den Jnterpellatümsparteien kamen heute noch die beiden freisinnigen Parteien, die Nationallibcralcn) die Konservativen zu Wort. Und nur, weil die wirtschaftliche Vereinigung einen be­sonderen Wert daraus legt, auch ihre Aussassuug äußern zu können, wird die Aussprache morgen fortgesetzt werden. Der durch seine Berufss.ellung zur Beurteilung der Lage deö industriellen Arbeits- marlfre5 berufene jugendliche Sprecher der Nationalliberalen, Dr. S t r e j e m a u n, betonte, daß die gewerblich Stockung in Deutsch­land weniger schlimme Folgen zeitigt als in anderen Ländern, weil bei un5 die Industrie, und zwar im Einklang mit den Wünschen der Arbeiterschajt, sich mehr aus Verkürzung der Arbeits­zeit einrichtet, als auf Verminderung ihres Arbeiterstammes. Er richtete an die Staats- und Gemeindeverwaltungen die Mahnung, der sozialen Fürsorge des Neick)s nachzueifern. Vollständig von den Erklärungen des Staatssekretärs besriedigt war nur der kon­servative Abgeordnete Henning. Der Abg. G o t h e i n hatte gegen die Statistik deS Staatsjelretärs einige Einwendungen zu machen. Er fand sich mit der sozialdemokratischen STritif darin zusammen, daß er einen großen Teil der Schuld an der durch die Arbeitslosigkeit hcrvorgerusenen Lage der Arbeiter der Wirt­schaftspolitik deS Reiches beimaß, und auch der Ver­treter der freisinnigen Lolkspartei, Dr. Carstens, verwies aus die Verteuerung der Rohprodukte und die B e u n - rubigung der Industrie durch mancherlei Steuerprojekte. Als inh; strieller Ar..ei.geocr legte ec s.eg n ucr en Angriffen des Abg. Molkenbuhr Zeugnis ab für den sozialen Sinn, der sich auch in einem großen Teil der Arbeitgeberschast betätigt

4?olitijcbe Tagesschau.

Der Kaiser und die Kaiserin von China im Sterben.

Die Meldungen der letzten Tage, wonach der schon seit ge­raumer Zeit leidende Kaiser von China im Sterben liegt, scheinen sich zu bewahrheiten. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Peking liegt aber auch die Kaiserin-Witwe im Sterben. In Peking ist nun gestern ein kaiserliches Edikt bekannt gegeben wor­den, wonach Prinz Chun zum Regenten prollamiert wird. Prinz Chun ist ein Bruder des Kaisers. Der Sohn Chuns, Puwei, ist zum mutmaßlichen Thronerben ernannt worden. Der sterbende! Skalier wurde am Nachmittag in die Sterbekammer der verboteneu Stadt gebracht.

Deutsche- Reich.

Der inaktive Staatsin inifter von Köller, big-' her in Straßburg t. E., wurde auf Lebenszeit in das Herren­haus berufen.

Der Bahnhofsverkauf von HardenS Zukunft, soll wieder freigegeben worden sein.

Ausland.

Die Grv ßherzo g . ii ;..aua Anna vo n Luxem­burg wurde in ber gestrigen Kammersitzung zur Regentin ernannt.

Der Papst cnrpftng gestern die Abordnungen Deutschlands, Oesterreichs, Spaniens und Portugals, die ihn seitens ihrer Monarchen zum Jubiläum beglückwünschten. Die deutsche Ab- oiLnung Überreichte dem Papste einen goldenen Siegelring, die österreichi''che Anordnung ein mit Diamanten gefaßtes Kreuz und die spcmiiche AborLnuug wertvolle Gobelins'. Die ^Delegierten statteren hierauf dem Kardinal Merry del Bal einen Besuch ab.

Großfürst Alexis von Rußland. Der augenblick­lich in Paris anwesende Großfürst Alexis ist schwer erkrankt Er leidet an einer Lungenenrzunvung, die Anlaß zu ernsten Besorg­nissen gibt. Der Großfürst ist belänntlich der Oheim deS Zaren und OoerbefeblShaber der russischen Flotte.

Gegen die Weinfälschung in Ungarn. Der unga­rische Aaerbauminister Tarany legte dem Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf vor, der die Maßregeln zur Verhinderung der Wftn- iälichung verfck-ärst und die Tokayer Weingegend als geschlossenes Gebiet erklärt, in die Wein nur zu lokalem Gebrauch rmportieiL lverben darf, während von dort sremde Weine überhaupt nicht

weitjprünge von 30 bis 40 Meter Länge. Redner ging bann auf die Form und die Befestigung der Schneeschuhe sowie sonstige skitechnische Fragen ein, bie er an Hand von Schneeschuhen und Bildern eingehend erörterte.

Tas Schneeschuhlaufen ist nicht so schwer zu erlernen, sicherlich nicht schwerer als etwa der Schlittschuhlauf; nur muß berücksichtigt werden, daß zum Skilauf in der Regel viel weniger Zeit verwandt wird. Auch gefährlich kann man den Sport kaum nennen, denn ein Sturz in den weichen Schnee hat noch niemandem geschadet Dagegen ist der Skilauf ein Sport, der in ungeahnter Weise Muskel und Auge stärkt, der auch bei uns zu einem Sport des Volkes werden muß, den unsere Jungen und Mädchen schon von klein auf, wie das)litt,chuylausen, erlernen sollten.

Der Vortrag, der besonders gut von der Damenwelt besucht war, sand reichen Beifall und dürfte manchen, der noch unschlüssig war, zu dem herrlichen Sport bekehrt haben, denn dem Ski,ahrer steht die ganze beschneite Welt offen, und wer erst einmal auf den schmalen Brettern dahinge- scchren ist, der schnallt sie nur ungern wieder ab.

Amrrttas tünjtiger Präsident.

Bilder aus dem Leben William H. Tafts.

Die Entscheidung in dem großen Ringen um die amerikanische Präsidentschaft ist gefallen. Die Bürger der Bereinigten Staaten haben großer Mel/rhcit ihre Stimmen für den republikanischen Kandidaten abgegeben, so daß William H. Taft im nächsten Frühjahr in das Weiße Haus einziehen wird. Tast hat sich durch Jahrzehnte hindurch in entsaMngsvoller und erfolgreicher Ar­beit den Weg zum Präsidentenstuhl bereitet, ist langsam die Staffel der verschiedenen Posten in Verwaltung und Diplomatie hinausgeftiegen. Als Sproß einer alten Beamtensarnllie, als ein stets auf weithin sichtbaren Posten gestellter Politiker, als Freund und Nachfolger Roosevelts, dessen Segen et gleichsam für seine Würde mitbringt, erscheint er den Amerikanern als eine volks­tümliche allbeliebte Erscheinung und sie werden mit Freude und Zuverficht dem neuen, allvertrauten Manne, dem sie schon so viele populäre Namen gegeben haben, der sich in so mancher schwie­rigen Situation bewährt hat, die Shake-Hands erwidern, die er yiit seiner Riesensaust so kräftig auszudrücken weiß wie kein anderer.

William Howard Taft entstammt einer Familie englischen Ursprungs, imb ist in Cincinnati, Ohio, geboren. Der Vater des neuen Präsidenten fjat seinem Sohne die ganze Karriere, aller- dmgs mit Ausschluß des letzteL höchsten Erfolges, vorgemacht

Er war Richter in Ohio, dann Generalanwalt, dann Staats­sekretär unter dem Präsidenten Grant, und zwar hatte er, wie später fein Sohn, das Ressort für Kriegswesen inne. Zuletzt war er Gesandter der Vereinigten Staaten in Oesterreich und Rußland. Der junge Tast hat die gleiche Stufenleiter der Wür­den erklommen, aber wie er den Vater früh an Körperumfang und Größe überragte, so entfalteten fick) auch feine Fähig­keiten in einem rascheren und glänzenderen Tempo. In seiner Jugend fielen freilich die leiblichen Vorzüge mehr auf, als die geistigen. Derdicke Billy", wie man ihn allgemein nannte, wog mit 17 Jahren 200 Pfund und war 1,90 Meter groß. Als Student der Pale-Universität nahm er bereits eifrig am politischen Leben teil und seine Körperkräste leisteten chm bei den Wahlkampagnen gute Dienste. Damals Packte er einen Wahl­schwindler, der leine Stimme mehrmals abgeben wollte und nicht gutwillig das Lokal verließ, einfach mit feinen beiden Fäusten, hob ihn hoch empor und warf ihn ohne alle Umstände durch das nicht hochgelegene Fenster.

Nach der Beendigung seiner Studentenzeit war der junge Taft zunächst Journalist geworden und war GerichtSkorrespon- bent für einige Zeitungen. Nicht lange darauf wurde er Rechts­anwalt, war dann von 18871890 Beisitzer des Obergerichts in Cincinnati, wirkte zwei Jahre als Solicitor-General und wurde dann Vorsitzender des Bezirksgerichtshofs der Bereinigten Staaten. In dieser wickstigen Stellung, die er bis zum Jahre 1900 inne hatte, erwarb sich Taft den Ruf eines unbestechlichen weisen Richters. Auch in bet feierlichen Richtetprobe behielt er die ge* mütlidx Liebenswürdigkeit, die joviale Freundlicksteit von früfcr. Bittstellern gab er gute Ratschläge, ja er versaßte ihnen wohl selbst eine neue eindringlichere Blltichrift. Großen Anteil nahm er an dem späteren Schicksal der von ihm Verurteilten. Als er einst einen jungen Mann wegen einer unbedacht begangenen, Verletzung der Postgesetze hatte ins Gefängnis schicken müssen, sagte er zu ihm:Komm wieder, wenn du die sechs Monate abgesessen l-ast." Der junge Mann kam, und Taft verschaffte ihm eine gute Stellung. So viel Zutrauen hatte man zu ihm, daß der 7^-ührer der ArbeitÄosen in einem großen Eisenbahw- streik, den er wegen Aufruhrs verurteilt hatte, sich nachher an ihn wandte und von ihm eine Vermittlung zwischen ber Gif em bahngesellschast unb seinen Genossen erbat.

3m SJlärj 1900 erhielt Taft ein Telegramm vom Präsi­denten Mac Kinley, bas ihn nach Washington beorbertc. Der Präsident hatte ihn als Zivilgouverneur auf den Philippinen auSerfehen. Tast ftreubte fich zunächst gegen diese Auszeich­nung, denn die Vereinigung der PHUippinen mit den Vereinigten Staaten war nicht nach seinem Sinn gewesen, und er meinte, man hätte ohne sie ebensogut auSrommen können". Zwei WockZm lang schwankte er, dann nahm er «r. Durch seine