Nr. 113 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Donnerstag 14. Mai 1908
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ..Lietzener ZamMenblätter- werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für ven Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gbrrheffen
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen UniversitätZ - Buch- und Steindnlckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Dnlckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion HA ^el..Adr»'AnzeigerGießen.
panameritanirmu;.
Zu Beginn dieser Woche ist in Washington die Grundsteinlegung für em Zentralbureau der amerikanischen Republiken erfolgt, zu dessen Ban der bekannte Philanthrop Carnegie eine summe von drei Millionen gespendet hat. Tiefes Bureau soll ; dazu dienen, die kommerziellen und politischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren amerikanischen Lchwcsterrcpubliken zii fördern und zu ganz intimen zu machen, und darum nahm'Präsident Rooscvclc selbst in Gegenwart einer «glänzenden J-estversammlung den feierlichen Akt vor, dessen Be- Lentuna er ui einer Rede darlegte. Tatsächlich hat diese, «äußerlich unbedeutend ersä-einende Feier einen hochbcdeutsamen Nitii'd^n Hintergrund, sie ist der Ausdimck der Stellung der «merikanischen Staaten untereinander wie gegenüber der übrigen Äelt. Präsident Roosevelt erklärte in seiner Rede, der Akt symbolisiere die Sicherung eines bleibenden Friedens unter den omerikonischen Republiken, er hätte aber auch — wozu er sich sveilich Mete — noch hinzusetzen können, daß mit der Errichtung dieses Gebäudes gleichzeitig die Suprematie der Vereinigten Staaten über das gesamte übrige Amerika zum Ausdruck komme. Vor iwch nicht allzulanger Zeit war das freilich anders. Gewiß waren die Vereinigten Staaten von Nord- IXmerifa von je der größte und stärkste Staat der
neuen Welt, aber die übrigen größeren amerikanischen Republiken, vor allem Mexiko, Brasilien und Argentinien verfolgten sehr eifersüchtig die Machtentwickelung der Union, man hatte kaum je gedacht, daß sich der Gang der.Ereignisse so friedlich vollziehen würde, aber schließlich mußten auch die an- ixteit amerikanischen Republiken vor der Gewalt der Tatsachen sie Segel streichen, wie die europäischen Mächte mußte man sich bescheiden, die Union als Großmacht anzuerkennen; gleichzeitig oerfuhr man in Washington sehr geschickt in seinem Verhalten w den übrigen amerikanischen Staaten, mit denen man die reundschaftlichsten Beziehungen zu unterhalten suchte, rvährcnd gleick^eitig iHv Argwohn dadurch mehr und mehr zurücktrat, a!S sie sahen, daß bad Schwergewicht der politischen Expansion I Nordamerikas nach Ostasien. also einem anderen Weltteile, neigte.
So loar die Position dep Union für den amerikanischen Erdteil gefestigt und die viel besprochene Fahrt der amerikanischen Flotte nach dem Stillen Ozean hat wohl nebenbei mit den Zweck beriolgt, diesem Verhältnis Ausdruck zu geben, ähnlich wie die seiner Zeit erfolgte Reise des Staatssekretärs Root nach den südlichen Republiken. Nunmehr sollen die Bande iwch enger geknüpst werden, durch Einrichtung des erwähnten Bureaus in Washington, und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, wenn in diesem Bau vielleicht der Grundstock für einen großen amerikanischen Staatenbund mit der Unwns-Re- ■ (iivtuiig an der Spitze zu erblicken ist. Dahin treiben un- iiveiselhaft die Dinge und dahin ist wohl auch unausgesetzt das Bemühen der Politiker in Washington gerichtet. Man will iie Gesamtheit der amerikanischen Staaten zu einem gewaltigen Nachtfaktor im Getriebe; j der Weltpolitik zusammenschweißen, na- lirmch weniger im Interesse der einzelnen Staaten, als vielmehr in der Hauptsache, um dem Auftreten der Vereinigten Staaten ton drordamerika nach außen einen gewaltigen Rückhalt zu beben. Man weiß im Kapitol in Washington sehr wohl, daß üe europäischen Mächte mit wachsender Besorgnis die Eitt- liiielung Amerikas sehen und daß man daher bei dieser Seite üus wirkliche Freundschaft nicht rechnen kann. Darum hat nten den Panamerikanismus auf jede Weise gefördert, zumal ius auch für die amerikanischen Pläne in Ostasien von vkutzen bitt könnte. Ein Zufall will es, daß gerade am gleichen Tage R lvi: die Grundsteinlegung im Repräsentantcnhause eine Botschaft Roosevelts verlesen lvurde, die Mittel verlangt, um den Ver- ■eiugteii Staaten die Beteiligung an einer internationalen Kvm- niission zur Untersuchung und Begutachtung der Hcmdelsver- hiltnisse in Ostasien zu ermöglichen. Die Monroedoktrin ist cum längst durchbrochen, der Weg Amerikas führt nach Asien.
Tagesschau.
Der Tank des Kaisers an den Reichskanzler.
Der Kaiser richtete, wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, an den Reichskanzler unter dem 11. Mai aus Offenburg folgendes Telegramm: Ich habe aus Euer Durchlaucht Bericht vom siebenten mit großer Befriedigung entnommen, eine wie ausgiebige Tätigkeit der Reichstag der soeben geschlossenen Session entfaltet und welche bedeutende Anzahl wichtiger Gesetzesvorlagen und Verträge er erledigt hat. Zu diesem sehr erfreulichen Ergebnis, welches neben der patriotischen Haltung des Reichstages in erster Linie das Verdienst Ihrer und Ihrer Mitarbeiter geschickter unermüdlicher Bemühungen ist, spreche ich Euer Durchlaucht wiederholt von Herzen meine kaiserliche Anerkennung und meinen aufrichtigen Dank aus. Möge dem Vaterlande diese nutzbringende Arbeit des Reichstags zu immerwährendem Segen gereichen und für denselben ein Ansporn sein, die noch bevorstehenden Aufgaben in gleicher Weiss auch fernerhin zu einem erfolgreichen Ende zu führen.
*
Die Abgesvndten Muley HasidS in Berlin.
Die Abgesandten Muley Hafids erschienen im Auswärtigen Amt zu Berlin und wurden durch den Legationssekretär Langwerth von Simmern empfangen. Die Marokkaner überreichten ein authentisches Schreiben Hafids und erklärten, daß Hasid der tatsächliche Herr des ganzen Landes mit Ausnahme der Küstenslädte sei, daß er aber außerdem nach dem Gutachten der Ulemas auch auf Grund des Korans und der religiösen Rechtsgeivohnheiten deS Landes als der alleinige rechtmäßige Sultan Marrokkos zu gelten habe. Hafid sei gewillt, die Verträge, insbesondere die AlgeciraSakte zu halten und alle Mächte gleichmäßig zu behandeln. Er bitte die kaiserliche Regierung, mit der französischen Regierung und den Regierungen der Signatarmächte in Verbindung zu treten, damit die französischen Truppen und Schiffe zurück- gezogen werden und die Kämpfe ein Ende nähmen; er werde dann rasch im ganzen Lande die Ruhe wiederherstellen und dem Wiederaufleben des Handels mit den Mächten besondere Aufmerksamkeit zuwenden. LegationSrat L a n g w e r t h erklärte nach der ,,Rordd. Allg. Ztg." folgendes: Der kaiserliche Gesandte in Tanger legte der kaiserlichen Regierung ein Schreiben vor, worin Muley Hafid ihre Mission nach Berlin ankündigt. Der Herr stellvertretende Staatssekrätär des Auswärtigen Amts sieht sich nicht in der Lage, mit ihnen in amtliche Verhandlungen einzutreten, da ihre Auftraggeber keine anerkannte völkerrechtliche Persönlichkeit sei. Der Staatssekretär hat indes mich, weit als Mitglied der kaiserlichen Gesandtschaft in Tanger mit den marrokkanischen Verhältnissen vertraut, beauftragt, Sie anzuhören und ihm demnächst über Ihre Mitteilungen Bericht zu erstatten. Ich bin natürlich nicht beauftragt, Ihnen bestimmte Aussichten zu eröffnen, sondern muß der Erwägung der kaiserlichen Regierung Vorbehalten, ob überhaupt und wann Sie etwa aus Ihren Mitteilungen Anlaß entnehmen will, um darüber mit Frankreich und den anderen Konfereuzmächten in
Verbindung zu treten. Daß die kaiserliche Regierung bestrebt ist, die Bestimmungen der Algeeirasakte aufrechtzuerhalten, ist bekannt, ihr Wunsch ist, daß in Marokko vor allen Dingen wieder geordnete Verhältnisse eintreten. Ties kann nur geschehen, wenn der innere Streit um die Herr- schast über Marokko möglichst bald aushört.
Befürchtung revolutionärer Unruhen wegen Aufdeckung von Unterschlagungen.
Alexander Stolypin, der Bruder des Premierministers, machte in den Spalten der „Nowje 9$ rem ja'' Enthüllungen über unglaubliche Unterschlagungen, ivelcheauf der Baikal-Eisenbahn stattgefunden haben. — Natürlich sind solche Unterschlagungen für den russischen „Untertan" wenig überraschend. Stehen doch noch die Uiiterschlagungsgeschichten in der Affmre Gurko-Lidwall und der Moskauer Polizei :c. lebhaft in Erinnerung. — Aber an diesen Unterschlagungen, über welche Stolypin Enthüllungen macht, ist — daS Finale besonders interessant. Stolypin berichtet, daß die Revision, „wie befremdend es auch sein mag", eingestellt wurde, weil „sie eine revolutionäre Gährung hervorrief, und daß der Revisor auf Verfügung des GeneralgouverneurS abgerufen wurde." — Der Generalgouverneur will also die Plünderung von Volksgeldern verdecken, weil er die Möglichkeit fürchtet, durch eine Revision Unruhen hervorzurufen. Wie schmutzig muß die Affaire demnach fein I — Aber das war noch nicht das Ende vom Liede. Der Hauptschuldige erhielt noch eine Auszeichnung. Ter Chef der Baikaleisenbahn, Herr Smentizki, auf dem die Hauptschuld dieser Unterschlagungen fällt, wurde nach Perm versetzt und für „ausgezeichnete" Dienste mit einem Wladimirorden bedacht.
Deutsches Reichs
Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern um ßi/i Uhr im Automobil in Straßburg eingetroffen. Abends sand Diner beim Statthalter Grafen von Wedel statt.
Prinz Eduard zu Sa lm-H o r ftm a r/General der Kavallerie und Generaladjutant des Kaisers wird, wie verlautet, in kurzem seinen Abschied nehmen.
Tie Novelle zum Börsengesetz hat jetzt die kaiserliche Vollziehung erhalten und dürste binnen kurzem veröffentlicht werden, so daß sie mit den noch zu erlassenden Ausführungsbestimmungen gegen Ende dieses Monats in Kraft tritt.
ß 63 des Handelsgesetzbuches. Entgegen anderweitigen Meldungen erfährt die „Kreuzztg.", daß der Bundesrat zu dem Beschlüsse des Reichstages über den § 63 des H.-G.-B. sich noch nicht schlüssig gemacht, sondern die Ängelegenheit den Ausschüssen überwiesen hat.
Feuerbestattung in Bayern. Der Münchener Magistrat hat in geheimer Sitzung mit den Stimmen der Liberalen und Sozialdemokraten gegen das Zentrum beschlossen, dem Verein für Feuerbestattung in München beit- Materialverbrennungsofen auf dem Lstfriedhof zur Umgestaltung in ein Krematorium zu überlassen.
Tie französischen Freimaurer in Berlin. In der Loge zu den drei Weltkugeln in Berlin fand gestern ein Festmahl zu Ehren der französischen Freimaurer aus Paris statt, an dem über 400 Herren teilnahmen. Der Ver-
Hungener Brief.
Hungen, int Mai 1908.
-..Auch wenn mich nicht die Erinnerung an die erste selbständige ? Berufstätigkeit, an die enlscheidensten inneren und äußeren Er- lebiiisse mit tausend innigen Fäden an Hungen, das schmucke, kleine l'riidstädtchen, knüpften, würde es mich doch wohl von Zeit zu Zeit iiitmer wieder einmal hinziehen. Denn sicher ist es seiner Lage nvh einer der malerischsten Orte der Wetterau, wenn man es ; ton einer der umliegenden Höhen aus, über welche die Straßen -lu ihm hinführen, vor sich ausgebreitet sieht, mit dem über* * . rasenden Turm seiner altersgrauen, romanischen Kirche, mit dem tont Storchnest gekrönten Dach seines Renaissanceschlosses. Durch sie neuerliche Renovation, welche die Kirche vor allem durch das unermüdliche Betreiben des Dekans Hainer erfahren hat, Sflt fie ein künstlerisch höchst würdiges und edles, kleines Schau- M geworden, das ja an dieser Stelle bereits die rechte Wür- !Wng erfahren hat.
' Das Schloß sieht nicht auf so viel Jahrhunderte zurück, wie l.e Kirche. Doch hat es in den kriegerischen Zeiten des 18. Jahr- inbertS auch vieles miterlebt. Ob vielleicht auch damals schon ^erhaben über dem bunten Menschengetriebe der Storch auf
der Nordostseite noch ein Stückchen erhalten, da, wo die Feuchtigkeit des Geländes an der Stelle des alten Wallgrabens, die Bautätigkeit noch am längsten verhinderte. Da ragt hinter dem hohen Wall noch das alle Gemäuer des Brauhauses auf, dem freilich weder schöne noch charakteristische Eigenschaften ein Anrecht auf Denkmalschutz geben. Im Sommer bietet hier die duftende Lindenallee eine köstliche Promenade, wenn die Vögel singen, die Bienen summen und auf der weiten, grünen Wiesen- släche die Heimchen zirpen. Im Winter friert das Wasser im alten Wallgraben, in der sog. „Pfanne" zu einer prächtigen Schlittschuhbahn. An der Chaussee nach Nonnenr ob zu aber mehren sich auch schon bic neuen Häuschen. Vom niedrigen Rande der kleinen Steinbrücke aus, int Schatten mächtiger Kastanien, genießt man den Blick bas Horlofftal aufwärts und noch schöner wirb der Rundblick ein paar Minuten aufwärts vom Galgenberge aus, dessen Name an einstige peinlichere Zwecke erinnert, die man jetzt im Schatten seiner herrlichen Baumgruppe freilich gerne vergißt. Eine andere Gruppe kleiner Häuschen entwickelt sich auf dem linken Horlofsufer, dem „Sachsen- h a u s e n". Am energischsten ist die Entwicklung freilich in bet Richtung nadjbcni Bahnhofe zu. Auch bet Fremde erkennt hier sofort in der Häuserreihe längs der schnurgeraden, breiten Straße einen neueren Stadtteil, der durch den Eisenbahnübergang von der Altstadt geschieden wird. Die allerjüngste Zeit aber gliedert nun nochmals einen neuen" Teil an die bisherige „Neustadt" au, bas Villenviertel an der Langsdorser Chaussee, das sich durch seinen Baustil, durch die hübschen Gartenanlagen, durch den weniger langweiligen Zug der Straßen, sofort als die Schöpfung einer ästhetisch seiner fühlenden Zeit kundgibt. Hier erhebt sich auch ein katholisches Missionshaus mit Kapelle, und hoffentlich entschließt man sich auch, bas neue Gebäude für Volks- und Bürgerschule hierher zu stellen, wo es, nicht nur nach gesundheitlichen und Verkehrsverhältnissen die beste Lage haben würde, sondern auch in seiner äußeren Erscheinung am besten zur Geltung käme und das neueste Stadtviertel verschönern und vervollständigen könnte.
; durchschneiden das blitzende, spiegelnde Naß. Und auch im Winter : noch, wenn das Wasser als harte, glatte Eisfläche zwischen den . schneebelasteten, weißen Bäumen liegt, wenn die Stimmen der letzten Schlittschuhläufer verhallt sind und die ewigen Sterne 1 strahlend über bet tiefen Stille aufgehen, ist's ein Eindruck, von dem man sich nur schweren Herzens trennen mag. Möge aus dieser natürlichsten Quelle der Schönheit, der Gesundheit, der Lebensfreude immer neu der erquickende Atem hineinwehen in das Leben und Treiben bet kleinen Stadt. Sie ist mit so mancherlei Gaben gesegnet. Tie Industrie findet an den Schätzen des Bodens Gelegenheit zur Betätigung. Braunkohle, Ziegel, Zement werden gewonnen. Tie L a n d w i r t s ch a f r blüht auf fruchtbaren Aeckern, auf der Jungviehweide tummeln sich die kraftstrotzenden Pferde und Rinder, und die Molkerei legt Zeugnis ab von dem, was moderner Geschäftsbetrieb auch dem Landwirt nützen kann. Für bas geistige Leben wird gebaut und gewirkt, den Leidenden bietet das Krankenhaus eine tröstliche Zuflucht und vor dem Nebeltäter sucht das Amtsgericht den ehrlich erwerbenden, fricdsamen Bürger zu schützen. Welch freundliches Bild segenschaffender, zielbewußler, gemeiiisinniger menschlicher Kultur. Und bas alles mitten hineingestellt in den Rahmen einer so schönen, herrlichen Natur.
Möge bich, lieblicher Ort, die Zukunft stetig näher führen dem Ziel, das du nach den Gaben deines Bodens und nach den Arbeitskräften deiner Bürger zu erreichen berufen bist.
Dr. Strecker. *
* T ie Darmstädter Hof bühne bringt zum Saison., ichlutz noch ein literarisches Ereignis von allgemeinem Interesse. Eine Aufführung der A r i st o p h a n i s ch e n „F rösch e", in der Einrichtung dcs Hofschauspielers und Regisseur Hacker. Einige von diesem in einem Vor trage über die bevorstehende Ailfsührung rezitierten Szenen ^gefielen ungemein, sowohl nach der poelischen als humoriftftchen Seite, so daß man dem Experiment mit großen Erwartungen entgegensieht.
— (Siit historisches Wenden-Drama. Man schreibt uns ans Dort nt und, 9. iDlai: Am Dortmunder Stadtlheatee hatte das schon im Jahre 1882 geschriebene iünstiklige Histon che -rraueripiel „Der letzte Wendenkönig" von Johann v. WUdenradt einen lebhasten Erlolg. Ter als B erlasse r ver- schiedener Romane und epischer Gedichte bekannte 2(utov konnte ""ch redem Aktschluß wiederholt auf der Bühne erscheinen. Er Hal seinen der Geschichte der spreeivätdischen Wendenbanern zur Zeit des große,' Kurfürsten entnommenen Stoff sehr interessant gestattet und um, ihn fesselnde tragische Bühuenkonstikte gewoben". Man rai Wenden lange Zeit starr an den allen heidnischcil
Gebrauchen Wellen, sich heimlich „Könige" wählte», die, wenn he auch ohne Macht waren, von ihrem „Botte" geehrt und als Oberhaupt anerkannt wurden. Mit dem Obsiegen der christlichen Kultur verlor sich natürlich diese wendische Sitte. Wildenradt läßt j,^en „Wendeitkönig", beit jungen Bauernburschen ^OÜchen Doppelkonflikt der Heimatliebe nut der Siebe zum Weibe verstrickt werden. Niklols fortschrittlicher Geist hat erkannt,^datz die glückliche Zukunft seines Volkes von der Ueber-
CCflikC9niin9ei1' ü0lt be“ Deutschen verbreiteten Kultur ,üJvb von dem Fanatismus der Dorfältesten y,. Ja r ^eunöes basi, getrieben, einen Aufstand der We.ideii ?nfi K|th;!U<iln? b«ren L.uh/er zu sein. Ter Held der Tragödie soll durch die Jnteressenpolitik z,y?ier wendischen Bauern gleich-
Zwei freundliche Häuschen hat auch der gemeinnützige Verein in diese Villenviertel hrneingestellt. Er hat sich seinen Namen schmiß auf verschiedenen Gebieten wirklich ehrlich verdient; das Museum, die Volksbibliothek, Volksvorträge und Unterhaltungsabenbe gehen auf feine Anregung zurück. Tas Rhein-Mainische Verbaubstheater wirb er wohl auch im nächsten Winter nach Hunden bringen. Ein für die Zukunft vielver- prechendes Werk sind auch die von ihm durchgeführten Anlagen auf dem „Rod" und bem „jungen Hansen". Wer burch die langen Reihen der kleinen Bäumchen hinspaziert, der kann sich jetzt schon denken, welche herrlichen Wege eine spätere Generation an dieser Stelle einst haben wird. Die Anlage geht bis nahe an den Rand des Waldes, ber Hungen rings wie ein buftiger Kranz umschließt. Diese weitausgebehnten, wunbervollen, vom Hauch poetischer Einsamkeit burchwehten Waldungen geben bem Stäbtchen ben höchsten seiner Reize. Man möchte sich fast reuen, baß bie Grube „Norbstern", bie hier einst angelegt werben sollte, nicht rentiert hat, unb nun als verlassener Bau ein trauriges Denkmal ber Grünberzeit, still baliegt. Weiter etnbnngenb in bas geheimnisvolle Schattenbunkel haben wir bann balb bie „brei Teiche" vor uns. Wie ein See breiten sie sich aus, in farbenprächtiger Abwechslung umschlossen von Laub- unb
Ürem Neste gethront haben mag ? Seine Stürme freilich hat er ba oben burchzukämpfen, aber minbestens ebenso treu, bie die Geschlechter der Menschen, scheinen auch die ber Störche tt ihren altererbten Wohnsitzen zu hängen. In erbitterter Schlacht unter wilbem Geklapper wirb bas Nest im Herbst gegen frembe Mringünge, gegen bie schon auf ber Sübreise begriffenen Geigen verteibigt. Der Kampf mit ben Elementen aber ist in so toomierter Lage erst recht gefährlich, unb so konnte es schon iychen, baß ein Sturm bas ganze Nest in ben Schloßhof hinab- ■iuberte. Unb trotzbem klappert auch jetzt noch mit jebem Arn Frühling eine neue Storche,igeneration fröhliche Grüße U ben Menschen hinunter, beren freunbliche Gastlichkeit sie kiefet.
Jetzt bient bas Schloß bekanntlich ber Witwe bes verstorbenen :rizen Hermann von Solms-Braunfels unb ihren •lEbern als Sommeraufenthalt. Von ben Schloßgebäuben, bic ’n inneren Hof umstehen, bient bas eine als Pfarrerwohnung, 115 andere als fürstliches Rentamt. Auch der Anfang emes Heinen iuscums, bas vornehmlich für Lokalgeschichte Jnteresiantes M ist jm Schloß untergebracht. Ein Torbogen mit hübscher ^nbfteinornamentif verbindet den inneren Hof mit dem von bitt Hauptgebäude unb zwei Flügeln umrahmten Porhof. WHoer feh unb Glizynien beleben bie Mauern unb bie mächtigen Pfeiler r Vorhalle. In zierlichen Giebeln, Türmchen unb Auftatzen dcii sich nach oben hin bie Konturen ber gewaltigen Steinmas>e t-i. Unmittelbar vor bem Schloß zog emft bie alte Befestigung r Stabt hin. Noch sinb Teile von Wall unb. Graben und k-attmauer erhalten. Der Schloßpark schmückt 'ie mit Jemen tünen Bäumen, unb von bem lauschigen Plätzchen nach ber tyloff zu tut sich ber Blick zum breithmgelagerten Vogelsberg p. Auf ber anberen Sette hat freilich das VerkehrsbeburftiiS V Stille bes Parks mit seinen Eisenbahn! chienen durchschnitten.
großen Umbauten unb Erweiterungen am Bahnhof lieht Wart ß cm, baß Hungen seine Bebeutung als Verkehrsknoten- •Mt stetig steigert. .. . x ,
, Är auch das ganze Stadtbild g>bt den Eindruck er,reullchen ;|£aästum3 sichtbar wieber. Der Rmg ber alten -oeteingung i)t »»->, m iuiuu^iuuihhu ^uiuciysiuiig umianonen von rrauv- iuiö [}n0t gesprengt,' .Außer am Schloß ist vom alten Wall nur auf | Nabel Holz, Blumen, übersäen bie grasigen Ufer unb Mbtzntey


