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»varen-Fabrik von August Melsheimer durch einI Gr 0 ß feuer eingeäschert. -Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. — Durch den harten Winter tritt jetzt das Rotwild aus den Forsten. So zeigten sich in den letzten Tagen ganze Rudel Hirsche. Der Förster aus Breidenstein erlegte einen Sechsender und Frhr. v. Breidenstein eine Hirschkuh nebst Kalb.
Prozeß Peters.
Köln, 15. Januar.
Tie Sitzung beginnt mit einem Bergteichsvorschlag fiet Verteidigung, der von Herrn von Bennigsen ab gelehnt wird. Es wird das Protokoll über die Vernehmung des früheren -Gouverneurs, Freiherrn v. Soden, die am Montag in dessen Wohnung in Stuttgart stattgefunden hat, verlesen. Freiherr von -Soden bekundet, er habe in Tange Dr. Peters für seine Expedition Vollmacht über die Strafrechtspflege der Eingeborenen gegeben. Erst durch das Schreiben des Bischofs Smiethies sei er von dessen Verl-alten unterrichtet worden. Ich schrieb an den Bischof, baß ’.d) den Dr. Peters erst hören wolle und fragte Tr. Peters brieflich, weshalb er mir nicht über die Angelegenheit berichtet habe. 'Tr. Peters habe geantlvvrtet, er habe mir nicht geschrieben, weil er mir damit keine Freude gemacht haben würde. Ich berichtete nach Berlin und forderte die Einleitung einer Untersuchung. Zu einer förmlich en. Untersuchung kam es nicht, weil die interessierten Lersonen später außer Landes waren. Für mich hatte es den Anschein nach Allem, was ich damals hörte, daß die Hinrichtungen ein Akt der Roheit gewesen seien. Er halte seine früheren Aussagen ui dieser Sache aufrecht, denen zufolge die Hinrichtungen vollständig unnötig waren. In einer zweiten Aussage erkennt von »Soden an, daß Dr. Peters infolge seines Auftrages mit den i 1 Eingeborenen in Konflikt kommen mußte. Er mußte mit Strenge r-orgehen, um seine Autorität zu wahren, durfte er niemals nmgerccht sein. Tr. Peters bemerkt hierzu, daß. seine Korn- U>etenzen nicht ganz klar lagen. Es werden nun Schriftstücke : rwn dem Kolonralamt verlesen, sowie Briefe Tr. Peters an Len Bischof Smiethis. Einen nochmaligen Vergleichsversuch des Äorsitzenoen lehnt v. Bennigsen ab. Darauf wird dem Justizrat I Dr. Sello das Wort zu seinem Plaidoyer erteilt. Er führt j «us: Tas Beleidigende in dem Artikel der „Kölnischen Zei- il Itung" sei darin gefunden worden, daß behauptet wurde, es | »existiere ein dem angeblichen Tuckerbrief ähnlicher Brief. Den § nötigen Teil des Artikels hätten er und Peters als eine berech- tigte, nicht strafbare Kritik aufgefaßt. Tr. Scito stellt, dann I feie Vorgänge und die Motive der Vorgänge am 5. Januar 1892 ■im Kilimandscharo zusammen und beurteilt den Rechlssall nach | feen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen. Es sti ein we- ßcntliches Stück deutscher Kolonialgeschichte, das hier verhandel I mürbe. Sello verliest aisdann Teile aus dem angeblichen Tuaer- Lricf, den der Abgeordnete Bebel am 13. März 1856 im Reichs- Lage verlesen hat, und stellt fest, daß nach der Beweisaufnahme 4 weder Bischof Smithies Peters einen,Mörder genannt habe, noch Öen Hinrichtungen geschlechtliche Motive zugrunde ge.egen hätten. Der Tuckerbrief habe sich entpuppt als eine der uiederträch- - ffigsten Fälschungen der Weltgeschichte. Zu bedauern sei, daß En dem Bericht der „Köln. Ztg." nicht unumwunden die Fäl- ssHung des Tuckerbrieses anerkannt worden sei, sondern nur , tun der Anzweifelung des Briefes die Rede gewesen sei. Nach - hem Tuckerbrief sei dann der Woodwood- und nach diesem der
Smithies-Bries ans Tageslicht gekommen. Peters habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß von einer Aehnlichkeit d.s Lomithies-Vrieses mit dem angeblichen Tuckerbrief nicht die Rede - fcin tonne, beide vielmehr einen vollkommen entgegengesetzten Inhalt hätten. Van Ehebruch und geschlechtlichen Motiven Eflime keine Rede fein. Peters sei von der Tisziplinarkammer Don diesem Punkte freigesprochen worden und in dem zweiten : Urteil des Tisziplinarhofes sei er wegen dieses Falles nur vcr- rktteilt worden, weil die Gründe für die Verurteilung objektiv * dieses Urteil nicht rechtfertigten.
Ferner verweist er auf aas Zeugnis des Herrn von Bech- tttaim. Tiefer einzige Zeuge der damaligen Vorgänge habe bc- I schworen, daß bei der Hinrichtung der Jagodja von sexuellen Moti- ‘ jcn nicht die Rede gewesen sei, daß vielmehr Herr Peters gegen die Hinrichtung gestimmt hätte. Dasselbe habe auch Jahnke be- kamdet. Sello geht bann noch auf die Bekundungen der Zeugen . ein. Daß Dr. Peters mit der Zeit eine gewisse zynische Art dis Empfindens bekommen habe, sei unter den obwaltenden Umstän- dm erklärlich. Ter Redner beantragt den Artikel von Bennigsen, i>tr sich als Verfasser des Artikels bezeichnet habe, gemäß £186 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Mildernd komme in Betracht, daß v. Bemiigien bei der Abfassung des Artikels fron dem Inhalt des Smithiesgchen Brieses keine Kenntnis gehabt habe. Auch der angetlagte Redakteur Brüggemann sei z r bestrafen, weil hier der § 21 des Preßgesetzes nicht anzu- llrenden sei.
Ein abschließendes Urleil werde Dr. Peters von der Geschichte ' e.ilangen und vor diesem Urteil bange ihm nicht, aber auch nicht, fror dem Urleil, das man heute über ihn fällen werde und d°nn er wie sein Verteidiger mit vollem Vertrauen entgegensehe.
Tie Nachmittagssitzung begann mit dem Plaidoyer des Rechtsanwalts Falk. Er ging von dem Urteil des Tisziplinarge-
rachtshofes aus und betonte, daß er erst auf die Kritik, die in München an dem Urteil geübt wurde, fein Zeugenmaterial vor- N?führt habe. Man könne die Hinrichtungen des Mabruk und dorr Jagodja nicht voneinander trennen. Der Verteidiger sucht mrn darzutun, daß bei der Hinrichtung des Mabruk geschlecht- I iche Motive mitbestimmend gewesen feien. Der Verteidiger wür- boigt bann auch die Person des Zeugen Fr ei Herrn v. Pechmann, der j h seiner Anhänglichkeit für den ihn weit überragenden Dr. Peters Liles für recht hielt, was dieser tat. Es fei auch keine große Gefahr vorhanden gewesen, um die Hinrichtungen zu rechtfertigen. 2er Fall Peters müsse von der Bildfläche verschwinden und darum schrieb Bennigsen seinen Artikel. Nach weiteren Ausführungen plädierte der Verteidiger dafür, daß dem Beklagten der § 193 z.itzubilligen sei. Er beantrage Freisprechung für v. Bennigsen Md den angeklagten Redakteur Brüggemann.
Justizrat Dr. Sello führte in feiner Entgegnung aus, was den Redakteur Brüggemann angehe, so könne er nur lvieder- hplen, daß auf ihn der § 20 des Preßgesetzes Anwendung haben müsse. Der § 193 sei auf Bennigsen nicht anwendbar. Bennigsen habe ja nicht die Wahrheit gesagt, die er gekannt habe, sondern die Unwahrheit, wenn auch unbewußt bezüglich des dem Tuckerbrief ähnlichen Briefes. Er sei der Ueberzeugung, daß Peters nicht den Vorwurf der Ruchlosigkeit verdiene, und er zweifle nicht daran, daß diese Ueberzeugung auch das Gericht j,a der {einigen machen werde.
Rechtsanwalt Falk wendet sich gegen einige Ausführungen Cellos. In dem Urteil des Disziplinarsenates sei die Ansicht aus- Arfprochen, daß das Vergehen Mabruks nicht todeswürdig sein Gimte, auch nicht unter Androhung der Todesstrafe. Was d»n Fall Jagodja angehe, so hätten die Sachverständigen die , Frage verneint, ob eine Bestimmung existiere, wonach auf Stetten» flucht Todesstrafe stehe. Falk schließt: Die Petersaffäre ist tot und b».e Petersklique ist tot. Mögen die Toten die Toten begraben.
Tr. Peters bemerkt: Als am Samstag der Briefwechsel mit Bischof Smithies verlesen wurde, sei bas ein großer Augenblick : m seinem Leben gewesen, ba diese Korrespondenz den Untergrund ^bildet habe für das Gebäude von Lüge und Verleumdung fl (gen ihn, das hier zusammengebrochen sei. Er sei überzeugt, Hß das Gericht ihm jetzt endlich ein für alle Mal das wieder- g den werde, um das er so lange gekämpft habe, nämlich seinen g ulen Ruf und seine Stellung vor der Welt.
Redakteur Brüggemann gibt Aufklärungen über die Tätigkeit eines verantwortlichen Redakteurs an einem großen Blatte. Er habe bisher nicht gesprochen, weil mit dem Augenblick, wo v. Bennigsen sich als Verfasser genannt habe, er wieder der wiifache Journalist gewesen fei. Er wolle sich aber nicht hinter Nmnigsen verstecken. .
Darauf wendet sich Gouverneur a. T. von Bennigsen zu- ncchst gegen Dr. Sello, der ihm mangelnde Noblesw vorge- roorfen habe. Er müsse Dr. Sello absprechen, bas 311 beurteilen. Wenn Ällo von seines, Bennigsens, Vaters Urteil über Peters
im Jahre 1890 gesprochen habe, so erwidere er, er habe allerdings früher über Peters so geurteilt, sei aber später nicht mehr für Peters eingetreten. Bennigsen geht bann auf den Tucker- bezw. Smithies-Brief ein und erbietet sich, durch einen klassischen Zeugen den Beweis zu erbringen, daß niemals ein Beamter ober Offizier mit der Fälschung etwas zu tun hatte. Er halte die Disziplinar- urteile gegen Peters noch viel zu milde. Er sei überzeugt, daß owohl bei dem Mabruk- wie bei dem Jagodja-Falle nicht allein Scheinsitzungen ftattgefunben hätten, sondern auch die Gründe Scheingründe gewesen seien. Eine Konspiration der Jagodja habe nach den Zeugenaussagen nicht stattgefunden. Er nehme für sich den § 193 nicht in Anspruch. Er habe aber kennzeichnen wollen, weshalb er gegen die Kolonialverfehlungen aufgetreten sei. Er sei Kolonialpolitikcr mit Leib und Seele, aber er stehe trotzdem auf dem Standpunkte, wenn wir unsere Kolonien nicht ordentlich verwalten könnten, dann sollten wir sie lieber verschenken. Bennigsen schließt mit den Worten: Ich habe diesen Kampf gekämpft. Ich halte ihn für einen guten Kampf, und wenn Sie mich aus irgend einem Grunde verurteilen müssen, werde ich das Urteil über mich ergehen lassen, aber als, Jurist werde ich mich in diesem Falle zu trösten wissen mit dem Spruche: Summum jus summa injuria!
Ta hiernach allseitig auf weitere Ausführungen verzichtet wird, wird die Verhandlung abgebrochen und die Urteilsverkün- bigung auf den 2 2. I anuar, 3^2 Uhr nachmittags, angesetzt.
Martcau in Darmstadt.
— Aus Darmstadt wnd uns vom 15. Jan. geschrieben: Als ein Ereignis besonderer Art darf der Henry Marteau- Abend bezeichnet -werben, den der rührige 9iichard Wagner- Vereni gestern hier veranfloliele. Ter zum Ätuchiolger Pro^. Joachims m Bertm ernannte französische Komponist ist ja auch in Gießen fein Fremdling. Inzwischen halte sich das Jnleresie für den Künstler nicht nur durch feine Beru'ung nach Berlin, sondern auch namentlich dadurch gesteigert, baß er persönlich die Redaktion des „Tarmfiädler Tagebialtes" aussuchte und das Telegramm des „Berliner Tageblattes", worin er als f r a n j ö f 1 \ cf) e r O be r= leutnant eme ziemlich chauvinistische Geslimuilg an den Tag gelegt haben sollte, als falsch und überhaupt nicht existierend erklärte. Zudem trat Henrv Aianeau geiieru zum ersten Aiale mit Unterstützung geschätzter auswärtiger Interpreten ausschließlich mit eigenen Kompositionen aui den Plan. Gleich das Quintett in H-moll (op. 13), das den Abend emleitete, erweckte trotz des strengen Kammerniusifcharalters starke Sympathien, wenngleich bei der park französisch und dabei filigranhatt temen Polyphome ein leichter ücbcrreij der Empfindung nicht zu verkennen ivar. Ein Streich- trio m D-mull, das hier seine Uraufführung erlebte, wirkte wenigstens in den beiden ersten Sätzen durch einen volleren Gedeckt, wobei sich die Au'merkiamkeck besonders aui das wundervolle Violmenipiel des Koinponisten richtete, der bann noch mit einer prächtigen Ehaeoune, in der er meislerhast die Bratsche iptelte, einen vollen Triumph erntete. Ernst E a h n b l e y - H t n k e n, der hier am Klavier begleitete, und die Herren Paul S t e y e r- Tortmiind, H. S ci) m i d t-Reinecke, Adoli P ö r s f e n und der Erstgenannte auch als Biolineellist unterstützten habet den Gegierten an]5 eifrigste. Beionbere Erwähnung verdient noch Frau E a h n bl e y - H i il k e n nir den Vortrag von sieben Viedern sttr Sopran, die mit inniger Hingabe an die Komposition und glockenrcu.er Stimme 511m Vortrag kamen. - Henry Marteau hat mit seinem diesmaligen Tebut hterselbst unzwelfelhait einen großen Eriolg erzielt, der auch buicl) lortgejetzten Applaiis und zahlreiche Kranzspenden äußerlich zuin Ausdruck taut, |o daß sich der Künstler noch zum Vonrag eines Präludiums von Bach und einer ^olojonate von Max Rüger ent- ,:()lieeit m.ijte. F. H.
Saarbrücken, 14. Jan. Tie hiesige Strafkammer verurteilte heute den Bürgermeister Tr. e i f von St. Johann wegen Herausforderung zum Zweikampf, begangen gegen Tr. Tille, zu achr Tagen unb den Sannatsrat Tr. <r.chone- nuum wegen Karielckragens zu einem Tag o'e ck u ng. Uriache der Forderung war em Artikel des Dr. Tilie m der „<sübi.>e|iö. Töirisch. Korreip.", in dem dem Burgerinei|ier Neff oorgeioorieu wurde, er habe sich als Vorsitzender der St. Johailner <^par- und Tarlehnskafie einer Bllanzoerichicierung schuldig gemachi.
* Ä'leine Tageschrontk. Die Mau.1- uni) Klauenseuche greift in Bayern^ um sich. Zurzeit ,ind Oberbayern, vueoerbayern und Schwaden verseucht. — Der Sohn der Frau v. Erbe, Leutnant v. Kruse, dementiert die vom „B. T." verbreitere Meldung, daß er seinen Abschied geummnen habe, und ertläri, daß er in absehbarer Zeit sein Abschredsgefach nicht einzureichen gedenke. — Am 15. Januar entleibte s i ch iii diovigno ProsessorBurkhardt, der Leiter der d-orrigen Zoolog. Station des Berliner Aquariu.ns, in folge eines ueurastheni- schen Leidens durch erneu Schuß aus einer Browntng- piftole. — In Niederweiler in Lothringen tötete per neunjährige Sayn des Adjunkten Geos,roy spielend durch einen Schuß aus dem Gewehr seines Vaters, seine achtjährige Schwe,rer. Tie von einem Ausgang hetmlehrende Mutter sand ihr Kind mit zeri.rummerrer Schädetdeae im Zimmer liegend. — Aus Sokolow, einer Station der poln. Weichselbahn, wird gemeldet: Em P 0 st - O m n i b u s lvurde von mehreren bewa,,neten Leuten umzingelt, die eine Bombe unter den Wagen warfen und nach dem Postillon und der militärischen Bedeckung zu schießen begannen. Bei dem furchtbaren Kampf, der entbrannte, blieben 3 Personen tot und 10 schwer verwundet aus dem Platze. — Die Behörden von Boyertown teilen nunmehr "mit, daß sich die Zahl der Toten auf 2OU beläuft Die Untersuchung hat weiter ergeben, daß in den Gängen Feldstuhle neben vcn anderen Schon noch au,gestellt waren, wodurch die Ausgänge noch mehr versperrt wurden. Die Geretteten behaupten, daß falls ine Zuschauer sich ruhig veryalt-on hätten, die Zahl der Toten nicht der- art groch wäre.
LrngeßanSr.
Wenn ich nicht inc, m “i o^e,em Blatt vor nicht langn Zeit gelegemtich <nur Theatervorstellung die Unsitte gerügt worden, daß sich d^s Publikum, kaum ist ber Vorhang gefasten, von den Platzen erhebt unb ben AuSgäugen zusrromt. sDtod) empfindlicher nilacht sich diese Unsitte im Konzertsaal bemerkbar. Denn Da gibt cs nick)t euinwl einen Vorhang, ber ben Augen der ausübenden Künstler bas sosort enlsteheude Gewoge gnädig verbirgt. W.r mußten es am Sonntag erleben, daß ein großer Teil dos Publikums b.nils in Bewegung war, als die Herren Trautmann unb Genossen sich noch auf dem Rückzug in das Känsrter- iimmer befanden. Ich will gar nickst davon reden, daß die m. E. gute Sitte ber Dankbezeiigiing durch Hervorruf doch mit dem gleichen Zkecht bei ber letzten mie bei der ersten Kuussterteistung des Abends beobachtet werden füllte, natürlich vorausgefetzt, daß sie bem Publilum ein Bsdürfnis ist, woran gestern abenb geiviß nicht gezweifelt ioeroen tonnte. Wichtiger ist mir, daß es boeb in jeberumnns Interesse ist, ein kurzes Zeitteilchen hindurch seine Stimmungen ausllingen zu lassen und nicht unmittelbar, nachdem der letzte Ton verraufcht ist, dem Gedanken Raum zu geben: wie komme ich möglichst rasch zu Hut und Mantost Bei einiger Selbstbesinnung wird jeder es a^s zum minbc|tcn unästhetisch empfiuden, wenn ringsum dw Hörer wie aus ber Pistole gesckwsfen ausspringen, bie noch vor einigen Sekunden scheinbar anbäckstig einem großen Genuß gelauscht hatten.
handel.
— NeuevierprvzenllgepreußischeAn leihe. Tie Zahl der Zeichnungen aus die neue Anleihe soll über 10 000 betoifleu und die Sumimc annähernd 181 Atilst 2)7f. Tas Resultat
wird allgemein! als günstig angesehen, da als Maximum nicht mehr als 150 Mill. Mk. erwartet wurden. Die Zeichnungen gingen aus allen Gauen Tentschlands ein. Offiziell wird zur Sache von der Seehanblung gemeldet, daß von den Zeichnungen von rund 181 Mill. Mk. 75 Mill. Mk. auf Schuldbuch- forberungen und 106 Mill. Mk. auf Schuldverschreibungen entfallen. Den Zeichnern werben die gezeichneten Beträge voll zu- gereilt, und jedem Zeichner spätestens in 3—4 Tagen eine besondere Benachrichtigung zugehen.
^^Äiärlte.
th. Gießen, 14. Jan. Ter gestrige erste Niudvieh«) markt im neuen Jahre hacke einen Austrieb von ca. 850 Stück Großvieh und 300 Kälbern. Seit längerer Zeit mären ivieber einmal sirr den Vormarkt mehrere Transporte schwarzbunter Aiilch- kühe, Lstiriefen, hier eingeführt, die am Bahnhof gleich beim Aus- labeii^zu enorm hohen Preisen Käu'er fanden und bis zu 560 Aist bas Stück bezahlt rourbcit. Dagegen zeigte ber Hanbel in tragen- ben unb frifchmelkenben Kühen am Markt selbst eine große Ftaiie. Abgefeheii davon, baß bie Ware naturgemäß auf bem Transport zmn und vom Aiarkt, forme burch bas Stehen auf bem offenen Marktplatz bei der herrschenden Kältegesunbheitlich leibet, ist ber Vieh- Handel m Oberhessen roieberenunal wegen der in Baden, Württemberg iind Ostprenßen vorgekommenen Ataul- unb Klauenseuche, btirch die behördlichen Aiaßnahmen gestört unb erschwerst Ter Handel mit Vieh im Umherziehen ist verboten. Auch empsinden die Vieh- handel treibenden Geschäftsleute es als ein Unrecht, daß man ihr Geschäft mit den Spesen für die geforderten Ursprungszeugnisse und Gesundheilsscheine belastet. Tie Handelsleute siud der Ansicht, daß, wenn biefe Zeugnisse nach der Aieinunq der AeHörbe nölig sinb, im allgemeinen Interesse bie Bürgermeister und bie beamteten Tierärzte biefe Ausweise kostenlos erteilen sollten. Ter Handel in Fetlvieh slanb unter der flauen Tendenz der großen Fleifcbmärkte am Momag in Frankiurt a. M. und Köln a. Rh., jo baß ber anhallenb niedere Preisstand für fettes Vieh auch auf bem Gießener Markt sich für biesmal nicht nur nicht erholte, fonbern sogar noch weichend sich zeigte, wobei noch eine seltene Kaufunlust sich selbst für gute Ware bemerkbar machte. Damit im Ziisaminenhang stand ber überaus schlechte Kälbermarkt, ber gestern kaum' gute Aiittel- oreife halten konnte. Es hatte bies wohl seinen Griinb in den mangelnden Bedarf der Käufer für Frankfurt, Wiesbaden und Aiainz. Tie Heineren Städte an der initiieren Lahn und aus der Provuiz beherrschten babiird) den Markt allein, zumal auch die Gießener Aietzger in bas Geschäft nicht emgtiffeii, iveil sie jetzt ihren Bedarf auf bem Lande bcrfen können. Fahrochjen waren nicht am Aiarkt. Bezahlt wurden für tragende unb frijchmelkenbe Kühe 1. Qual, bas Slück 470—520 Aist, 2. Qiial. 375—425 Mk. 3. Qual. 275—330 Alk. Gehandelt würbe ber Zentner Schlachtgewicht : feue Rinber 1. Qual. 70-72 Alk., 2. Qual. 67—69 Alk. ; «eite Kühe 1. Qual. 63- 65 Alk., 2. Quast 59—62 Alk., fette Ochfew 76-78 Alk., Kälber 1. Qual, (über 50 Pfuub Schlachtgewicht) 65—69 Alk., 2. Qiial. (zwischen 40 und 50 Pfd. Schlachtgewicht ichroer) 59—63 Alk., 3. Qual, (leichtere Tiere) 54—57 Alk. Milch- wäre blieb zum großen Teile iinvertauft, ebenso blieben geringere Kälber überstänbrg. Der nächste Markt ist am 28. unb 29. d.' Al.
i-d. Gießen, 15. Jan. Ter heutige S ch w e i n e m aH t war als pveisbitoeiibcr Markt nicht zu betrachten. Im Ganzen waren 60 Tiere ange'ahren, so baß bie zahlreichen Reflektanten die an den Alarkt gekoinniene Ware nicht wohl'eil unb angemessen bcfommen konnten. — Fette Schweine, bas heißt überlegene Ware, weroen ben Aietzgern jetzt über die Nachirage hinaus ‘angebotem jo baß ber Preis brejer Tiere iu berGegel'.b au'57—58Mk.iürbenZeniuer Schlachtgewicht gejuufeu ist, ivogegeu Schweine, bie nicht überreif Und (160—170 Pfund Schlachtgewicht schwere Tiere) von den Gießener Aietzgern willig noch mit 60—ul Aist bezahlt werden. Ter Fehler, auf den wir tm Tezeinber schon hinwieien, daß nämlich die Laud- ivirte mit ber Abgabe ber schlachtreueu Schweine m ber Annahme einer Preissteigerung zurückhielten, hat das Gegenteil be» wirkt- Leider hat bas konjumierenbe Publikum bisher von ben billigen Fettviehpreijen noch nichts verspürt. Es wäre nun enb- lich an ber Zeck, baß die Aletzger einen Fteischabschlag, unb zwar nicht mir für Schwernefleljch und Wurstivareu, fonbern auch für Rind- und Cchfenfletich emtveteii ließen. Alan erfährt, daß vielfach beute schon infolge der Hohen Fleischpreise zahlreiche Familien in Gießen bie gestuckenen Fetioiehpreife benutzen, um sich burch Haus- schlachtungeu, die sie außerhalb durch Verwandte besorgen lassen, wohbeil mir Fleifchnahrung zu versorgen, was man nach Lage der Sache niemand verdentcn kann.
Limburg a. d.L., 15.Jan. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pro Matter. Roter Weizen (nass.) 18,20 Mk., weißer Weizen 00,Oü Alk., Korn 15,00 Alk., Gerste 11,18 Aist, Hafer 8.00 Alk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 4,80 Alst
ic. Frankfurt a. Ast, 16. Jan. (Telegr. Ocig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Slotterungen ber heutigen ViehMarktpreise. Zum Verkaufe stauben: 29 Ochsen, 0 aus Oesterreich 3 Butten, 0 aus Oesterreich, 1J3 Kühe, Ferien, Stiere unb Rinber, -89 Kälber, 2.1 Schafe und Hämniel, 1154 Schweine, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schastämmer. Bezahlt wurde ‘ für das Pfund Sclstachtgewichl: Qchfen: 1 Qualität 78—80 Alk. 2. Qiialckät 71—'.3 Mk., 3. Qualckät 60—63 Alk.; Bullen 1. Qual. 69—71, 2. Qual. 65—67; Kühe 1. Qualität 71—72 Alk., 2. Qual. 65—67 Aik., 3. Qual. 50—54 Alk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Quast 00—00 Alk. Kalber 1. Qual. 93—95 Pfg., Lebendgewicht . 4—57 Pfg., 2. Qualität 80 —8^ Pfg., Lebendgewicht 45-50 Pfg., Schlachtgeiv 60—68Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 78 bis. 00 Pfg., 2. Qiial. 60—64 Pfg. Schweine: 1. Qual. 62—63 Pf., Lebendgewicht 49,5—00 Pf., 2. Qual. 61—00 Pf., Lebendgewicht 48,5- 00 Pfg., 3. Qual. 53—56 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Uebersland unbedeutend; bei Kleinvieh gut, fein Nel>evÜffflib.___________________________________
kirchliche Nachrichten.
JsrireUNsche ReilgtvttSgemczttoe.
Hoitrsoiena in der Synagoge (Sudaulage).
Samstag den 18. Januar 1908:
Vorabend 4.45 Uhr.
Ai 0 r g e n s 9.00 Uhr.
Nachmittags 8.30 Uhr. Schristerklärung.
Sabbat a u s g a n g 5.50 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschast.
Gottesoieust.
©abbatfeier am 1 ö. Januar 1908:
Freitag abenb 4.35 Uhr.
iLaiusiag uovmiuag 8.30 Uhr.
Nachmittags 3.30 Uhr.
Sabdal-Älusgaug 5.50 Uhr.
WocheiigoliesHienfi: iiiorgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr.
‘•tioianoii(0tü(i)c Wtucruug |itv yeneii am Freitag den 17. Januar 1908: Trüb uud nebelig. Zunächst trocken, später 'Riederlchläge. Alilb. Ta 1 iweiier. Aiisirischeiide iveslllche Winde.
Griginal-DrahtinelSungen.
Norden, 16. Jan. Der Präsident des preußischen 5^>errenhauses, Für ft zu In- und Knyp Hausen ist heute morgen 1/2? Uhr in Luetetsburg g e st 0 r b e n.
Alünchen, 16. Jan. In einer Reihe von Ortschaften bei München wurde die versuchte BierpreiSer Höhung nut einem allgemeinen B1 erftreik beantwortet und abgeschlagen. Tie Versammlungen dazu sanden nicht im Wirtshaus, sondern unter freiem Himmel statt.
München, 16. Jan. Die Mitglieder des ärztlichen Ehrengerichts im Falle Hutzler, Dr. Kastt und Dr. Jooß haben den Profe>sor Quid de neuerdings wegen Beleidigung verklagt, weil er beim Prozeß- abbruch des ersten Prozesses durch die Kläger das Wort Infamie in den Gerichtsfaal gerufen hatte. Der Sühnetermin ift durch Quidües Ausbleiben ergebnislos verlausen^.


