Ausgabe 
15.2.1908 Erstes Blatt
 
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Die Besprechung der Interpellation Schissa-Viereck, die die schleunige .Heranziehung der Mitglieder des Kgl. Hauses, der Standesherrcn, Staatsbeamten und sonstigen kommu- nalstenerfreicn Personen zu den Bolksschullasten forderte. Ohne Unterschied der Partei war man sich einig über die ^Notwendigkeit, diese Kreise zur Tragung der VolksschuL- lasten heranzuziehen, und auch die Regierung konnte sich dieser Erkenntnis nicht verschließen. Aber sie zaudert noch, an die heikle Frage sich heranzmnachcn, und sie verschanzt sich hinter formale Gründe: Erst mit der Neuregelung des Kommunaläbgabengesetzes töiute man über die Schul­unterhaltungspflicht derprivilegierten Stände" unb der Beamten neue Bestimmungen erlassen. Ein Standpunkt, der sich am Ende vertreten läßt. Aber nur dann, wenn die Regierung mit der Kommunalsteuerreform bald Ernst macht! Hoffenwirs! Herr v. Kracher, der arbeitsame, wollte am Samstag weiter verhandeln. Das Haus wallte anders, uiid so einigte man sich auf den Montag als nächsten Sitzungstag. Ob wohl viele kommen werden?

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Febr. Zu der in wenigen Wochen bevor­stehenden Mittelmeerreise des Ka isers wird aus Kiel berichtet: In Venedig geht das Kaiserpaar an Bord, um zunächst auf Korfu Aufenthalt zu nehmen. Die KaiserjachtHohenzollern" tritt am 26. Februar von Kiel die Ausreise nach dem Mittelmeer an.

StaatssekretärDernburg wird nach Angabe einer hiesigen Korrespondenz feine Reise nach Deutsch- Südwestafrika im Juni antrelen und von dem frühe­ren Bezirksamtmann von Swakopmund, Dr. Bongard, be­gleitet sein.

Die Bestimmungen des Vereinsgesetzes über die Versammlungen unter freiem Himmel wurden in der Reichstagskommission im wesentlichen nach den Anträgen der Freisinnigen angenommen.

Durch Verfügung des Gouverneurs von Schuckmann ist vom Geburtstage des Kaisers an die Kriegsgefangenschaft der Hereros aufgehoben worden.

Zu den in der Presse bereits erörterten Abände­rungen des voraussichtlich im März dem Reichstage zu- gehenden Gesetzentwurfes über die Zivilprozeß­reform erfährt die9L.-Z." von unterrichteter Seite weiter, daß auch im Bundesrate eine Bestimmung auf Annahme zu rechnen hat, nach der die Gebühren der Anwälte in Berufungssachen um s/io des bis­herigen Tarifs erhöht werden sollen.

Tie Sozialdemokratie veranstaltete am Dienstag den 13. d. M. in und um Berlin M a s s e n v e r s a m m l u n g e n gegen das neue Reichsvereinsgesetz.

Köln, 14. Febr. Zum Wechsel im Reichs s chatz- a m t meldet dieKöln. Volksztg.", man unterhandele jetzt m i t e i n e r h o ch a n g e s e h e n e u P e r s ö n l i ch k e i t, die früher dem Bundesräte angehörte, zwecks Ucbcruahme des Reichsschatzamtes. Die Persönlichkeit stellt aber Beding­ungen, über die bisher eine Einigung nicht erzielt werden tonnte. Diese Bedingungen zielen auf eine selbstän­digere Stellung des Reichsschatzsekretärs ab.

Zu dem © t u b i u m des Kronprinzen an der Tech­nischen Hochschule zu Charlotten bürg bemerkt dieKöln. Ztg.", daß die tiefere Bedeutung dieses Vor­ganges darin zu suchen sei, daß man es mit einem Aus­gangspunkt für eine Wandlung in der Er­ziehung der Staatsbeamten im allgemeinen ansehen müsse. Ein neuer Pfad sei gangbar gemacht und damit auch eine Setzlinie für jeden, der sehen wolle.

Straßburg (Elsaß), 14. Febr. Auch die Schul­behörde hat jetzt allen katholischen Schülern den Besuch der Gottesdienste des Pfarrers M a n - s e y in Ars wegen seiner bekannten Kaiserpredigt untersagt.

Bamberg, 14. Febr. Landtagsavgeordneter Pfarrer Grandinger hat die Befolgung des Be­fehles des Erzbischofs Albert, in der Schulfrage nicht mit der liberalen Partei zu stimmen, ab gelehnt, da es sich um einen nicht kirchlichen Befehl handle. Auch gegen den Pfarrer Grandinger steht nunmehr die kirchliche Maß­regelung bevor.

München, 15. Febr. Gestern nachmittag kam es wieder in großem Umfange zu Demonstrationen an der Universität gegen den Professor der TheologieBardenhewer. Der Rektor mußte wieder­holt einschreiten, um die erregten Gemüter zu beruhigen. Wie ein Augenzeuge berichtet, drohte der Rektor schließlich sogar mit Polizeimaßnahmen. Die freiheitlich gesinnte Studentenschaft wird dem Professor Schnitzer einen Fackel- zug bringen. _________________

AusLanS.

Wien, 15. Febr. Hier waren gestern abend Gerüchte verbreitet, daß der Schah von Persien einem Atteiuat zum Opfer gefallen sei. Bis in die f r ü h e n M o r g e n st u n d e n des heutigen Tages war jedoch eine Bestäti­gung dieser Nachricht nicht zu erhalten.

Amsterdam, 14. Febr. In der hiesigen Diamant­industrie sind zurzeit 4500 von den 8000 Arbeitern arbeitslos.

Brüssel, 14. Febr. Deutschland ratifizierte heute die Brüsseler Zusatzakte vom 28. August 1907 und das Protokoll vom 18. Dezember 1907 über den Beitritt Rußlands zur Brüsseler Zuckerkonvention.

EiseubahB-Zeitnrrg.

Frankfurt a. Bi., 14. Febr. Heute fand eine Besprechung zwischen Ministerialkommissareu und Mitgliedern von den Direktionen der preußisch-hefsischen und der süddeutschen StaatS- bahncn statt. Es handelte sich, lautFrankfurter Zeitung", um Tarifangelegenheiten.

Gießener Strafkammer.

) ( Gießen, 14. Febr. Fahrlässige Transportgefährdung.

, der Frühe des 22 Oktober vorigen Jahres wollte der bei dem Müller Ch zu Lollar beoieiiftcte Knecht M. N. aus Leuncrtowitz Schlesien) einen mit zwei Pferden bespannten Mistwagen ins Feld fahren Er halb dn in der Nähe von. Daubringen bet dem Dausterschen Steinklopfwerk bnutblidM Uebergangsstelle der Bahn strecke Lollar-Londorf u pa>fie. n die nicht mit .Schranken versehen ist. Tas Gejährt wurde

von dem herannatzcndcn Zug erfaßt, die Weichsel wurde ab­gebrochen und das eine Pferd ein Stück Wegs geschleift, baß es auf der Stelle tot blieb. Tas Zugpersonal brachte den Zug zum Stehen, der dann mit einer Verspätung von fünf Minuten weiterfahren konnte. Der unter Anklage gestellte Knecht bestritt vor dem Schöffengericht jedes Verschulden, indem er angab, er habe an der in der Nähe des Bahnkörpers befind­lichen Warnungstafel gehalten und sich nach beiden Seiten umgcsehen. Es sei weder ein Zug zu sehen gewesen, noch habe er ein Läuten wahrgenommcn. Er fuhr dann weiter, das Sattclpfecd am Zaume führend, bis auf die Schienen, wo er sich noch einmal umsah. In der Richtung nach Lollar sei der Zug nun auf eine Entfernung von 20 bis 30 Schritte herangekommen und habe er zuerst beabsichtigt, noch durch­zufahren. Er gab dies jedoch auf und versuchte, die Pferde zurückzudrängen, indem er ihnen von vorne auf die Beine schlug. In diesem Augenblick sei er auf die Seite geschleudert worden und verlor die Besinnung, so daß er keine weitere Beobachtung machen konnte. Als er wieder zu sich kam, und ausstand, lag das eine Pferd mit der abgebrochenen Deichsel tot auf den Schienen und das andere lief im Feld umher. Durch den starken Nebel habe er das Herannahen des Zuges nicht gemerkt und Läuteii wegen dem Lärm der im Betrieb befindlichen Steiubrechmaschine überhört. Ta die Angaben des Angeklagten nicht zu widerlegen waren, hielt das S ck> ö f f en­ge r i ch t k e i n V e r s ch u l d e n für nachgewiesen. Nack den Angaben des Lokomotivführers, war der, Nebel so dicht, daß man kaum 3040 Meter wett sehen konnte. Wenn der als Sachverständiger vernommene Vertreter der Eisenbahnbehörde auch angab, der Angeklagte hätte die Laterne der Lokomotive schon auf 50 Nieter Entfernung sehen müssen, so wäre dies dem Gerichte doch fraglich, da der Angeklagte vorzugsweise fein Augenmerk auf sein Gefährt gerichtet hatte, wozu er beruflich verpflichtet ist, so daß er das Herannahen des Zuges nicht merkte. Tie ungünstige Lage des Uebergangs, der Samt der im Betrieb befindlichen Steinbrechmaichine und das Geräusch des eigenen Gefährts haben zu dem Unfall beigetragen, für den der Angeklagte nicht haftbar gemacht werden kann. Es hob ausdrücklich hervor, daß der Angeklagte alles getan hat, was in seinen Kräften stand, um einen Unfall zu verhüten und daß er nicht habe voraussehen können, daß durch, seine Handlungsweise ein Zug gefährdet würde, was Voraussetzung znr Bestrafung ist. Tiefes Urteil wurde von der Staatsanwalt­schaft auf Anregung der Eisenbahnbehörde angefochten, da nach Ansicht der Letzteren, der dichte Nebel und der Lärm bei dem Uebergaitg, den Angeklagten zur besonderen Vorsicht hätte ver­anlassen müssen. Ter Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärte, Daß er im öffentlichen Interesse dem Wunsch der Eisenbahnbe- hörde nachgekommen fei damit auch ein höheres Gericht Ge- legeiihnt hat, in der Sache eine Entscheidung treffen zu können. Er hielt die in erster Instanz beantragte Geldstrafe von 50 Mark für entsprechend. Tas Gericht schloß sich dem erst­instanzlichen Urteil, unter Bestätigung desselben, an, indem es weiter ausführte, daß der Eisenbahnbetrieb ohne Schranken zwar mit großer Gefahr verbunden ist; da dieser aber zugelassen sei, müsse sich auch das Publikum darnach richten. Im vorliegenden Falle habe der Angeklagte alles getan, was die Bahn vorschreibt, weshalb eine Bestrafung nicht eintreten könne.

s. Marburg, 14. Febr. Dc« t r a ff am m e r Verurteilte heute im> Wiederaufnahme-Verfahren den Fruchthänd- ler Köhler aus Lützelwig, der sich von eüienv Gläubiger einen Wechsel auf 169,40 Mk. unterschreiben ließ und diese Ziffer in 1869,40 Mk. uinanberte, wegen Wechselfälschimg und Betrug zu sechs Monaten Gefängnis.

Berlin, 14. Febr. Heute vormittag begann vor dem Schwurgericht des Landgerichts I die Verhandlung gegen den ehemaligen Studenten Demetrius Mirsky, der unter der Anklage des Verbrechens gegen das Spreng st offgesctz steht. Im November v. I. wurde Mirsky in einer Pension in der El- 1 aff er Straße verhaftet. Er steht unter dem Verdacht, einer rus­sischen Terroristenbande anzugehören und man fand auch bei ihm einen Koffer mit doppeltem Boden. In diesem Koffer wurden von der Kriminalpolizei eletlrische Apparate entdeckt, wie sie zum Ent­zünden von Sprengstoffen benutzt werden. Ter Angeklagte, der aus der Untersuchnngshafr vorgeführt wird, macht einen etwas verfallenen Eindruck. Er betritt den Anklageraum in gebeugter Stellung. In den letzten Tagen litt er an Tobsuchtsanfällen. Die Vernehmung des Angeklagten über seine Personalien gestaltet fich sehr umständlich. Er will nicht wissen, wie er heißt, wo er geboren ist und wer seine Ettern sind. Sein Alter gibt er auf 2627 Jahre an. Auf Gerrchtsvefchluß wurde die Verhandlung vertagt, weck nach dem Gutachten der Sachverständigen Zweifel an feiner Zurechnungsfähigkeit bestehen. Mirsky soll noch einige Zeit auf seinen Geisteszustand hin beobachtet werden.

R Flensburg, 14. Februar. Ter Musketier Zeglalis, der als Adveuust trotz erhaltener Vorstrafen die Samstagsarbeit ver- »veigert, wurde vom Kriegsgericht zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

Universitäts-Nachrichten.

Ter Oberlehrer an der Kgl. Baugewerkschule in Kassel Dr.« Jng. Rudolf Saliger ist als außerordentlicher Professor der Baumecharnk und des Eijenhochbaues an die deutsche Technische Hochschule in Prag berufen worden und wird mtt 1. März das neue Lehramt übernehmen.

Exzellenz Professor Tr. Ernst Haeckel in Jena vollendet am 16. d. MlS. das 74. Lebensjahr.

bo. Die Besoldungen und Remunerationen an den preußischen Unioerjitäten für das Etats- fahr 1 908. 4 691 805 Mk. beträgt der Besolduirgsfouds der Prosefforen unb Lehrer an den 11 preußischen Universitäten (ein­schließlich Bralmsberg) für das Etatsjahr 1908 (gegen 4 643 796 Mart un Vorjahre). 4 327 282 Alk. (gegen 4 312 072) beträgt die Lumme der zahlbaren Besoldungen, 3b4 5^3 All. (gegen 331 723 Mark) sind zur Ttsposition gestellt. Tie p h i l o s o p h i s ch e tt Fakultäten mit 359 ordentlichen und 230 außerordentlichen Pro- sesjoren, einschließlich den Abteilnngsvorslehern an Unioersitäts- Instituten eriordern 2 383 900 Mk. Auf die >n e d i z i n i s ch e n Fakultäten, die 124 Ordinarien und 131 a. o. Professoren und Ab- teilungsvorfteher zählen, entfallen 784 750 Mk. Es folgen die j u t i |t i j et) e n Fakultäten mit 84 ordentlichen und 38 außer­ordentlichen Professoren. Für diese sind 511 268 Alk. vorgesehen. Tie Belolbnng der 67 Ordinarien und 33 Extraordinarien in den evangelisch-theologischen Fakultäten beträgt 430 099 Alk. LchUeßlich kostet die Erhaltung der 4 k a t h o l i s ch - t h e o l o g i - I ck) e n Fakultäten mit 28 ordentlichen und 14 außerordentlichen Professoren 141 800 Mk. Auf die einzelnen Universitäten verteilt sich die Gesamtsumme der Besoldungsionbs wie folgt: Königsberg 402 ;,90 Alk., Berlin 95u 600 Alk., Greiiswalb 332 950 Mk., Breslau 471800 Mk., Halle 429 950 Alk., Kiel 359 750 Alk., Göttmaeu 4o7 310 Alk., Marburg 337 250 Alk., Bonn 526 990 Alk., Münster 251 700 Alk., uiid das Lyceum Hosianmn in Braunsberg 46 750 Alk. Bon den 111465 Alk. die für bie Remnneratlon der Lektoren, Lprachmeister nsw. verwendet werben sollen, entfalle» ans Königs­berg 114U0 Alk., Berlin 17 700 Alk., Greiiswalb 8100 Alk Breslau 12 650 Alk., Halle 15 700 Akk., Kiel 8670 Mk., Göttingen 10 99o Alk., Marburg 8700 Mk., Bonn 10 950 Alk., Munster 6300 Alk. und Brauns berg 3ü0 Alk.

handel.

** Konkurse in Hessen, lieber den Nachlaß des Peter Adam VII., Steinichläger zu K le i n-S te i n h e i m wurde am 3. öebr. das ^ionkursveriahren eröffnet Gerichtstaxator Jo­hannes Ni e berho s zu Offenbach wurde zum .Konkursverwalter ernannt. Nvnkursforderungen find bis zum 16. März bei dem Amtsgericht Offenbach anzumelvcn. - lieber das Vermögen der Firma F r i tz I n d e r w i e f c n in Bingen und deren Inhabers uiöcnoicien, ^chrechwawn Handlung in Btngen, Schmttt- Itro&c, wurde am u. Feor. das Koniursverfahren eröffnet. Rechts-

cmiralt Rech in Bingen wurde zum' Konkursverwalter ernannt. Kvnkursforderüngen sind bis zum 28. Febr. bet dem Amtsgericht Bingen anzumeldcn. lieber das Vermögen des mit unbekanntem Ausenthaltablveseuben Johannes Gölz I. aus Mörlenbach wurde am 6. Febr. das Kvnkursverfalfren eröffnet. Ter seitherige Abwefenlfeitspfleger Abraham Schmitt II. zu Mörlenbach wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 26. Febr. bei teilt Amtsgericht Fürth anzumelden. lieber das Vermögen des Buchbinders Emil Körper in Fürfeld wurde am 6. Febr. das Kvnkursverfahrcn eröffnet, da zwei Gläu­biger wegen Ueberfchuldung und Zahlungsunfähigkeit des Gemein- schulbners das Konkursverfahren über dessen Vermögen beantragt haben, Gem-einschuldner auch seine Ueberschuldung und Zahlung« Unfähigkeit an sich nicht bestritten hat. Rechtspraktikant Lahr in Wöllstein wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- fotberungen find bis zum 25. Febr. bei dem Amtsgericht Wöll­stein anzumelden.

Die Hypothekenbank in Hamburg veröffentlicht im Anzeigenteil der heutigen Nummer ihre Bilanz ultimo Dezember 1907. Die Bank verteilt für 1907 eine Dividende von 9 Prozent; in den Jahren 1889 bis 1906 kamen nur 8 Proz. zur Verteilung.

Vermischte».

* E insteinretcher" Student. Aus Jena wird be­richtet : Zu einer lustigen Auktion kam es Ende voriger Woche in Ziegenhain. Zu einer Gruudsiücksversteigerung fand sich auch eine Schar lebenslustiger Jenaer Stnbenien em, von denen einer eifrig mitbot. Er erstand auch ein Grundstück, das 1600 Quadrat­meter umfaßt und hoch oben auf der Kernberghöhe liegt, dort, wo die Füchie sich gute Nacht jagen. Auper drei verkümnierten Bäumchen enthalt das Grundstück, das dein Studio 14 Mk. fofieic, nur Unkraut und Sterne. Ter neue Grundstücksbesitzer von Ziegen­hain freut sich ob seines Erwerbes unb renommiert, bereits -fetzt cm steinreicher Kerl" geworden zu jem.

*Die böse Stiefmutter. In einem Torse des Kreises Schabrinsk (Rußland) lebte em Witwer mit fünf Kindern. Kürzlich verheiratete der Bauer sich wieder mit einem jungen Weib, das die Kinder nicht leiden mochte. Sie quälte ihren Mann, er möge die Kinder fortgeben. Dem beständigen Drängen des Weibes gab der Mann nach und brachte drei seiner Kinder in der Stadt unter. Die Stiefmutter drang auch aus die Entfernung der beiden andern Kinder. In seiner Verzweiflung wußte der Bauer sich nicht anders zu helfen, als daß er an einem Frojttage die halbnackten Kinderchen auf einem Schlitten in den Wold führte nnb sie dort ihrem Schicksal überließ. Die Kinder wurden später erfroren au (gefunden. An den Spuren sah man, daß die Kinder dem davonfahrenden entmenschten Vater so lange nachgelaufen waren, bis ihre Kräfte versagten.

Kleine Tageschronil.

Als in der Bäder gaffe zu Kassel eine Frau zum Anfachen des Feuers Petroleum verwendete, explodierte die Pc-- troleumtanne und setzte die Kleider der Frau in Brand. Diese erlag wenige Stunden später ihren Wunden.

Beim Fällen einer Rieseneiche wurde bei Stormbruck in Waldeck der 80 jährige Grundbesitzer Biederbick vor den Augen seiner beiden Söhne, die den Baum fällten, getötet.

In Sonder nach bei Metzcral im Eifaß wurde die 21- jährige Marie Oberlin erdrosselt aufgefunöcn. Als der Tat verdächtig wurde ein Wirtssohn aus dem Torfe verhafiek, der mit dem Mädchen ein Verhältnis unterhalten hatte, dessen Folgen wohl die Veranlassung gebildet haben können.

In Glogau wurde der Oelmühlenbesitzer Getzel, der kürz-- lich fallierte und 11/2 Millionen Mark Verbindlichkeiten hin­terließ, tot aus der Oder gezogen.

Ter Gemeinderat von London hat beschlossen, einem F r l. Nightingale in Anerkennung ihrer großen Verdienste auf dem Gebiete der Philanthropie unb der Krankenpflege das (£1) re n bürge rrecht der City zu verleihen. Tie Urkunde soll ihr in einem kostbaren, goldenen Kästchen überreicht wer­den. Tie einzige Frau, die sich fünft noch der gleichen Aus­zeichnung rühmen durfte, war die bereits verstorbene Baronin Burdett Coutts, eine Freundin von Miß Nightingale.

Man meldet aus Pietermaritzburg: Auf der Glencoe-Kohlen­grube sand eine Explosion von Gasen statt, wodurch 12 Europäer und 40 Eingeborene verschüttet wurden. Die Fahrstuhlmaschinerie flog in die Luft.

Ein heftiger Tornado suchte verschiedene Teile der nord-- amerifan. Substaaten heim. B^ Tyler (Texas) wurden mehrere Personen getötet. Auch in yatneduurg un Staate Mississippi richtete der Tornado große Verheerungen an; die Ortjchast Meß 0 il 1 e ist zerstört.

Fanrilien-Nachrlchten.

Verlobte: Fräulein Eleiuemuie Stein m Hungen mit Henn Ludivlg StrauB in Frankfurt a. Ai. Fräulein Ellje Strait in Bernshaujen mit Herrn Johann Weppler in Schlitz.

Gestorbene: Fräulein Dorochea Kunze m Friedberg. Herr Wilhelm Schwarz, Semluarlehrer 1. P., in Büdingen. Frau Karolme Nagel, geb. Knierim, ui Alsfeld.

Die nach- A p r 7 t P sintl ^ODntaS den 16. Februar stehenden Äv i li l V vou 12 Lhr miuags bis 12 Lhr nachts nur iür dringende Fälle sicher anzutrett'en. |D15/,

I>re Plocb, Asterweg 9. Dr. Schliephake, Goethestr. 44 JF. Wagoer, West-Anlage 51.

Sonntag den 16. Februar 1908 ircoh nnthpkp nur von 49 Uhr nachmittags offen: nilDvlldpOlllünüi

Giessen, den 15. Februar 1908.

Grossh. Polizeiaiut, Reinhart. D/i

Tetetomsche üursteertcote

des Giessener Anzeigers, mitgeteik vou der Bank litt Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse, 15. Februar. 1.15 Uhr.

3%°l0 Reichsanleihe . . 92.70 3% do. . . 82.75 3J$°/0 Konsols .... 92.80 do 82.70 o>$°/e Hessen. 3>j°/0 Oberliessen . . . 92.00 4% Uesterr. Goldrente* . 99 20 4l/6 % Uesterr. 6ilbetreute 99.70 4% Ungar. Goldrente . . 94 40 4% Italien. Rente . . .. 3-6 Portugiesen Serie I 62.40 3-6 Portugiesen 111 62.90 4>6 °/0 russ.btaatsaul. 19Uo 94 20 4>6uy0 Japan, ätaatsanleibe 88.70 4-o Uonv. Türken von 1903 96.10 Türkeuiose 145.40 4-6 Griech. Monopol-Aul. . 49.50 4% äussere Argentinier . 86.60 d°/0 Mexikaner .... 65.80 4>au/o Chinesen .... 96.30

Aktien:

Bochum Guss 199.00 Buderus E. W 112.40

Tendenz: fester.

Elektriz. Lahmeyer . . . 120.20

Elektnz. Schlickert . . . 105.00 Eschweiler Bergwerk . . 205.70 Gelsenkirchen Bergwerk . 18400 Hamburg-Amenk. PaketL 119.60 Harpener Bergwerk. . . 198.60 La urah litte 216.00 >ordä. Lloyd .... 106.10 Obeischles. Eisen-Industr-ie 96.00 Berliner Handelsges. . . 159.00 Darmstädter Bank . . . 126.10 Deutsche Bank .... 236.25 Deutsch-Asiat. Bank . . 139.00 Diskunto-Kommaudit. . . 175.00 Dresdner Bank .... 138.25 Kreaitaktieu 201.90

Baltimore- und Uhio-

EisenLuhn 81.70 Uottnardbahn Lombard. Eisenbahn . . 25 64 Uesterr. titaaisbunu . . , 144.60 1 nuce-Henn-Eisenbaliu . 116.00

Berliner

Canada K B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: fester.

Börse, 15. Februar. Anfangskurse.

. . 142.70 Harpener Bergwerk. . . 198.20

. -. Laurahütte .....215.30

.. ..uinbarden E. B. ...

. 58.20 Xordd. Lloyd..... 106 23

* 138.10 1 ürkenluse ...... 146.70