Ausgabe 
14.5.1908 Erstes Blatt
 
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'Schriftstücken aus bet Vergangenheit "Her Bürg uM"des Neichs- landes. Die kühnen Aülagen der Ban- und Vertcidigungs- kunft, wie sie uns hier wieder - vor Augen geführt werden, er­regen unsere volle Bewunderung und in dieser Umgebung können wir uns in Gedanken leicht in die Zeiten mittelalterlicher Ritterherrlichkeit zurückversetzen. Wir glauben, jene trutzigen Ge­stalten der Ritter in schwerer Eisenrüstung und ihre, kampf­erprobten Mannen und Reisige zu sehen, wie sie mit Arm­brust, Lanze und Hellebarde, mit Feuer und Schwert um den Besitz der Burg gekämpft und gestritten haben. .Manch edles Blut ist hier geflossen, manch' letzter Seufzer im finstern Burg­verlies; verhallt, aber auch manch heißer Dank gezollt von Bedrängten und Verfolgten für ritterlich gewährten schütz. Zm Wechsel der Zeiten und des Kriegsglücks hat der Besitz der Burg mannigfache Wandlungen durchgemacht. Die Geschichte nennt uns eine ganze Reihe von Namen aus erlauchten Fürstenhäusern und edlen Geschlechtern als Eigentümer, Pfandbesitzer oder Lehens­träger, zuvördest bie Kaiser aus dem Hause Hohen­staufen und dem Hause Habsourg, dann bie Herzöge

von Lothringen und Unter-Elsaß, die Landgrasen von Werd, die Hetteu von Ratiamhausen, von Dettingen und von Bcrckhcim, die.Grafen von Thicrstein, deren grotzartiger Bau nun wieder erstanden ist, die Ritcer von Sickingen, deren Einzug in bie Burg uns heute so trefflich vorgeführt ist, und die Freiherren von Bollweiler und Fugger. Nun ist die xhirg wieder Eigentum des deutsckien Kaisers geworden pnd wird es will's Gott auch immer bleiven. Des zum Zeichen soll neben deni Wappen Karls V. mein kaiserliches Wappen hier am Haupttore prangen. (Tie Hülle fällt.) Möge die Hohkönigs- burg hier im Westen des Reiches, wie die Marienburg im Osten, als ein Wahrzeichen deutj eher Kultur und Macht bis in die fernsten Zeiten erhalten bleiben und allen den Taufenden und Abertausenden, die nach uns zu diesem K'aisev- sitz heraufpilgern, in pietätvollem Rückblick aus die Vergangen­heit zur Freude und Belehrung dienen! Möge der Adler auf dem stolzen Bergfried seine Schwingen stets über ein fried­liches Land und ein glückliches Volk breiten! Mit solchem Segenswunsche erg-rege ich feierlich Besitz von der wieder­erstandenen Burg und fordere den von mir ernannten Schloß- Hauptmann aus, seines Amtes zu walten und mit diesem Schlüssel das Tor zu öffnen."

Nach Beendigung seiner Rede überreichte der Kätser den Schlüssel zur Hohkönigsburg dem Staatssekretär Freiherrn Zorn v. Bulach, der durch ein vorhergegangenes, in gnädigen Worten gehaltenes Telegramm, zum Schloßhauptmann der Burg und zum Königlichen Kammerherrn ernannt worden war. Schloß- hauptmann Zorn v. Bulach öffnete das Tor, worauf der feier­liche Einzug erfolgte. . .

Aus Anlaß der EiNweihungsseier auf der Hohkönigsburg hat dcr Kaiser zahlreiche Auszeichnungen verliehen, so u. a.: Ten 9toten Adler-Orden vierter Klasse dem Tr. Phil. Forrer, Privatgelehrter in Straßburg i. Elsa.x und dem Schriftsteller Lienhard; den Königl. Kronenorden zweiter Klasse dem Er­bauer der Burg, Bodo Ebhardl, Architekt in Grünewald; den Königl. Kronen-Orden britier Klasse dem Tr. theol. Ficker, ordent- lick-er Professor der Kirchengeschichte an der Kaiser Wilhelms- Univeriität in Straßburg i. Elsaß: den Königl. Kronenorden vierter Klasse dem Kunstnialer Schmig in Straßburg i. Elsaß.

An» Stadt and Land.

Gießen, 14. Mai 1908,

* DaS Tuberkulose - Wander - Museum der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen befindet sich gegen­wärtig in Frankfurt a. M., ivoselbst es bis Ende Mai ver­bleibt. Vorher befaiid es sich in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg, wo überall ein bedeutender Erfolg zu ver­zeichnen war. In Würzburg wurden 26000, in Schweinfurt 11000 und in Aschaffenburg nahezu 14000, zusammen in Unterfranken also 51000 Besucher gezählt. Ein Teil des Tuberkulose-Museums, besonders die Karten und Tafeln, die sich speziell auf Hessen beziehen, werden demnächst auch in Washington Nord-Amerika auf Anregung des Deut­schen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tiiberkulose aus­gestellt, woselbst das Zentralkomitee ein Deutsches Tuberkulose- Wandec-Museum zur Schau bringen iuiU. Tie Ausstellung in Washington steht in Verbindung mit dem diesjährigen Internationalen Tuberkulose-Kongreß, der Ende September stattfindet.

** Tas Anrndern der Gießener Ruder-Gesell­schaft 1 8 7 7 am Sonntag nahm einen sehr schönen Verlauf und selbst der zeitweilig einsetzende Regen konnte die gute Stim­mung nicht beeinträchtigen. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Herrn Scheel taufte Frl. Marie Petri den neuen Schul-Vierer aus den NamenGießen", während der neue Ziveier durch Frl. Emma Himmelreich nach dem Stifter des Bootes, Herrn Herm. Klingspor, den NamenHermann" erhielt. Beide Tamen brachten ben Täuflingen ihre Wünsche in schwung­vollen Versen dar. An der sich anschließenden Auffahrt be­teiligten sich 1 Einer, 2 Zweier, 3 Vierer und 1 Achter. Dem zahlreich erschienenen Publikum bot sich ein schönes sportliches Bild, das erkennen ließ, daß die Mannschaften unter der be­währten Leitung des Instrukteurs Herrn Oßmann schon gute Fortschritte gemacht haben. Bei den nun folgenden 2 Vereins- Rennen hatte man Gelegenheit, die diesjährige akademische Mann­schaft bei der Arbeit zu sehen. Tie Zuiammenarbeit läßt zwar noch manches zu wünschen übrig, der kräftige Anriß fehlt beinahe noch ganz, auch muß der Schlag, besonders beim Endspurt noch wesenllich lebhafter werden. Namentlich der Bugmanu bleibt mit dem Ruder viel zu kurz im Wasser und hat dadurch viel dazu beigctragen, daß sich seine Mannschaft vorder vorjährigen, übrigens noch untrainierten Mannsck)aft beugen mußte. Wenn diese Fehler durch fleißige Arbeit noch beseitigt werden, dürfte sich die Mann­schaft zu einem nicht zu unterschätzenden Gegner entmideln. Auch unter den beiden anderen Mannschaften befinden sich recht viel­versprechende Ruderer: es ließe sich aus diesen noch eine sehr gute Junio v-Mannschaft zusammensetzen. Ter Junior-Skuller icheint über recht respektable Kräfte zu verfügen, nur muß er seinen Sitz besser fahren, dann wird auch ihm der Erfolg nicht ausbleiben.

"Warnung vor Seidelbast oder Kellerhals (Daphne mezereum). In einem Vogelsberger Dorfe ivar ein Landwirt mit Feldarbeiten beschäftigt und zog n. a. auch erwähnte Pflanze unter einer Hecke au§. Der Mann hatte an einem Finger eine kleine Wunde, welche bald heftige Schmerzen verursachte. Nach wenigen Stunden stellte der Arzt Blutvergiftung fest und ordnete eine alsbaldige Ueberführung des Erkrankten in die Gießener Klinik an.

** Ei n durchschlagender Beweis. Vor unserer Strafkammer wurde in der vergangenen Woche ein Ehepaar als Zeugen vernommen. Es handelte sich darum, festzusletten, um welche Zeit die Eheleute einen bestimmten Vorfall be­obachtet hatten. Der Ehemann, der zuerst gehört wurde, erklärte, es sei dies im Jahre 1907 gewesen, er wisse es daher, weil er in diesem Jahr m sein neugebautes Haus gezogen sei. Die dann vernommene Ehefrau behauptete, der Vorfall habe im September 1906 sich abgespielt. Auf Vorhalt des Richters, daß die Zeugin sich irren müsse, da der eigene Ehemann den Vorfall in das Jahr 1907 verlege, erwiderte die Frau, sie sei im Jahre 1906 ins neue HauS gezogen und habe gleich nach dem Umzug ihr erstes Kind bekommen und inzwischen sei im neuen Hause auch ihr zweites Kind geboren worden. Ihr Mann müsse sich irren. Ja, ja, meinte dieser auf Befragen, meine Frau hat Recht, ich bin

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Tendenz: fest.

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Tendenz: sehr fest.

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Märkte.

Gießen, 13. Mai. Der geslrige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von ca. 1300 Stück Großvieh und etwas mehr als hundeu Kälbern. Tie Hauptwärkie öer, letzten Zeit litten wieder jein- durch den an der Ranipe des Eilgulsbahuhofs florierenden Twr- markt, wo besöiiders die fo sehr begehrten fchwarzbiwten Kühe ge- handelt werden. Der gestrige Alarkt litt ziidem sehr unter dein Regen. Der Milchviehhundel war aber trotzdem nicht lchlechi; wenn auch nur gute schwere Ware sehr gejucht war, so piofiiivieu doch auch geringere Atilchkühe dabei. Ter Fettviehmarkt war recht schlecht. Schlechte Kühe und zwar geringwertiges Malenal, wofür früher die Gegeiid um Koblenz und Kölii Abnehmer waren, blieben sehr stark überstälidtg. Der Kälbermarkt >var etwas be­lebt. Außer Frankfurter Einkäufern waren Käufer für gute und mittelmäßige Kälber von Bad-Nauheim gekommen, jo daß gegen den letzten Markt zwar ein kleirter Abschlag im Preise einlrat, aber mmierhm noch gute Preise erzielt werden konnten. Die Einkäufer sind der Ansicht, daß nut dem Bedari an Kälbern für die Bade­orte mid bet den günstigen Futteraussichten bie Preise für Kälber eine ©teigerimg erfahren luetbcn. Gehandelt wurden irisch- melkende und tragende Kühe das Stück I. Qual. 475-530 Ulf. (einzelne Stücke hoher), II. Qual. 370430 'Ulf., 111. Qual. 280 vis 350 Alt. Für fette Rinder und Kühe kam es zu keiner ndjtigeu 'Marktpreisbildung. Kälber wtirden ^eljanbelt der Zentner Schlachtgewicht I. Qual, (über 50 Piund Schlachtgewicht idjroei), 7074 Alk., II. Qual, (zwischen 4050 Pittild Schlachtgeivi^i wiegend) 64-68 Ulf., III. Qual, (leichtere Ware) 58-61 Ult.

x Ruppertenrod, 13. Mai. Wenn auch das seitherige so veränderliche Wetter unserm heutigen F r ü h j a h r s m a r 11 e feine günstigen Aussichten stellte, so hatte man doch nicht ein jo starkes Regenwetter belürchtet, wie es den 'Markt hennsttchle. Tec Boden des Schwelnemarktes paßte zu seiner Bezeichnung. Dennoch war der 'Markt stark befahren, die Zahl der Jimgjchweine belief sich auf 700 Stück. Außerordentlich schnell geräumt war bet Markt, der Regenguß nötigte zur Eile. Dieser flotte Gang nimmt umsomehr Wunder, als Die Preise ganz gehörig hoch waren. Tas Paar geringster Ferkel galt 5055 Mk., bessere 55-60-65 Ulf,, die besten, die imiiier erst 1114 Wochen alt, 657072 Ml. Tas sind Preise, die weder zu dem der fetten Schweine, noch zu dem der teueren Futtermittel stimmen. Ter Krämermarkt erlitt Einbuße durch das überaus schlechte Wetter.

Limburg a. d. Lahn, 13. Mai. Frucht markt. Durch­schnittspreis pro 'Malter. Roter Weizen (nassauischer) 18,00 Mt, iveißer Weizen 00,00 Alk., Korn 15,00 Alk., Gerste 11,40 Alk., Haiei 8.250.00 Mk. nach Qual., Erbsen 0,00 'Mk., Kartosseln 6,00 Alk.

Telefonisch© Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank lUr Ilan

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ja ml neuen Hause schon zweunäl Daker geworden, der Vorfall war 1906.

)( Aus dem Vogelsberg, 13. Mai. DieEis­männer" sind ohneKälterückfall vorübergegangen; kein Reis fiel in der Frühlingsnacht. Unsere blühenden Obstbäume haben somit durch sie keinen Schaden genom­men. Aber ihnen droht ein anderer, ebenso gefährlicher, die Auswässerung durch den fortwährenden Regen. Das Auswaschen des Blütenstaubes vernichtet die Obsternte. Dre Pflaumen und Edelkirschen haben schon Schaden genommen, nun kommen die Zwetschen an die Reihe, die fetzt ihre Blütenkelche öffnen. So ist es öfters der Fall: wenn alle Vorausbedingungen zu einer guten Obsternte gegeben sind, dann macht der Regen noch die Hoffnungen zu Wasser. Tie Bienen vermögen den nun reich gedeckten Tisch, neben dem Obste blüht der Raps, nur sehr unzulänglich aus­zunutzen. Kaum scheint die Sonne einen ganzen Tag, dann folgen schon wieder mehrere ganze Regentage. Auch dem Landwirt wird die Ausstellung des Landes sehr erschwert. Kaum vermochte er die Hafersaat zu beendigen, das Kar- tofselsetzen konnte noch nicht fertiggestellt werden. Dazu ist ein Bauen des Bodens unter stetem Regen weniger versprechend.

O Laubach, 13. Mai. Die wegen der Gelände­erwerb s ko st e n int Betrage von 130 000 Mark für die Nebenbahn Laub achMücke ausgebrochenen Strei­tigkeiten, die die Verwaltungsgerichte bis zu den höchsten Instanzen schon jahrelang beschäftigten, sind vor kurzem von dem Großh. Verwaltungsgcrichtshof zu Ungunst en der Stadt Laubach entschieden worden. Der Rekurs gegen die Entscheidung des Provinzialausschusses wurde zurückgewiesen unter Verurteilung in die Kosten der Re- kursinstanz und der anwaltlichen Vertretung sowie einer Zahlung emes Aversionalbetrags zur Staatskasse von 25 Mk. Gegen den von der Stadt aufgestellten Verteilungsplan hatten sich 12 Gemeinden geweigert an den Kosten teil­zunehmen, bezw. die Heranziehung einer geringen Jnteresse- zisfer verlangL Von einem Betrage wurden befreit die Orte Ruppertsburg, Höckersdorf, Bobenhausen II, Ruppertenrod und Wettsaasen, herabgesetzt wurde die Jnteresseziffer von Wetterfeld von 3/8 auf Vs, desgl. von Gr.-Eichen, von Sellnrod von 3/g auf y4, von Altenhain statt 1/2 auf y4, von Wohnfeld von i/4 auf i/s, von Laubacher Waldgemeinde von 1 auf 3/4, erhöht die Teilungsziffer der Stadt Laubach von V2 auf 1. Diese Ziffern sind maßgebend für die Beiträge, die zur Hälfte nach der Einwohnerzahl und zur anderen Hälfte nach den Kommunalsteuerkapitalien des Jahres 1900 auf­zubringen sind. Man hofft, daß die Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. gemäß den schweren Opfern, die die Stadt darbringt, auch den Wünschen der Bevölkerung mehr Rech­nung trägt als seither geschehen, was sich zunächst m einer besseren A n s ch l v e r b i n d n n g in Mücke in dcr Richtung nach AlsfeldFulda äußern dürfte. Augenblick­lich werden Erhebungen darüber angestellt, ob für den Winterfahrplan ein Anschluß an den Zug 521 in Mücke sich ermöglichen läßt.

x Mücke, 13. Mai. Der Gendarmerie unseres Be­zirks ist, es gelungen, den F a h r r a d m a r d e r, der kürz­lich ein' vor derBräuning'fchen" Gastwirtschaft stehendes Fahrrad mitgehen hieß, zu ermitteln. Es ist ein junger Mensch von Groß-Erchen. Wie leck der Bursche mit dem gestohlenen Fahrrad umging, geht daraus hervor, daß er mit demselben seinem rechtmäßigen^ Besitzer auf der Straße begegnete, der ihm dann das Stahlroß abnahm, ihn aber nicht erkannte, so daß er erst ermittelt werden mußte.

L. Lützellinden, 10. Mai. Das Iah resse st der Jünglings- und P 0 s a u n e n ch 0 r e des Kreises Wetzlar soll Sonntag, 14. Juni, hier gefeiert werden.

[] Marburg, 13. Mai. Den Wünschen dec nicht- ko rporierten Studenten, daß sie mehr wie zwei Vertreter m den Studentenausschuß wählen können, ist in den jetzt in Kraft getretenen neuen Satzungen Rechnung getragen worden. Sic können jetzt eine unbeschränkte Zahl von Vertretern wählen.

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Gerichtrsaal.

-l. Grünberg, 13. Mai. Heute wurde, wie schon kurz mitgeteilt wurde, vor dem Schöffengericht die Beleidigungs­klage des deutsch-sozialen AgitawrS Reuther aus Gießen gegen den Pächter E m m e l aus Grünberg, einen Führer des Bundes der Landwirte, verhandelt. Reuther, der nicht erschienen war, ließ sich durch Rechtsanwalt Klarenaar vertreten, während Rechts­anwalt Kaufmann die Verteidigung führte. Tie beleidigenden Ausdrücke sind gefallen in einer Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte, in der man über die Landtagskan­didatur beriet. Als dabei gefordert wurde, man müsse Tr. Werner, der ein Märtyrer sei, weil man ihn wegen seiner politischen Ueberzeugung versetzt habe, unterstützen, hatte Emmel gesagt, Werner sei wahrscheinlich nur versetzt, weil er mit Reuther Umgang pflege. Es sei aber bekannt, daß dieser ge­wöhnlichen Schnaps trinke und sich betrinke, auch sei er mehr­fach vorbestraft und seine Vergangenheit daher anrüchig. In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Reuther tatsächlich in verschiedenen Versammlungen stark angetrunken gewesen ist, auch schon eine Reihe Vorstrafen wegen Bettelns, Aufreizung zum Klaisenhaß, Beleidigung und Preßvergehens erlitten hat. Tie Verhandlung mußte aus den Nachmittag vertagt werden, weil der Vertreter des Privatklägecs noch zwei Zeugen telegraphisch laden ließ zu der großen Reihe der übrigen. R.-A. Klarenaar beantragte Bestrafung auf Grund der §§ 185 und 186, während R-A. Kaufmann für Freisprechung plädierte. Gegen 4?/s Uhr wurde das Urteil verkündet. Emmel wurde sreigesprochen und die Kosten dem P r i v a t k g er auferlegt. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß in der Aeußerung, Tr. Werner sei versetzt, weil er mit Reuther Umgang halte, keine Beleidigung zu erblicken sei. Im übrigen habe der Beklagte die berechtigten Interessen des Bundes der Landwirte vertteten.

RB. Darmstadt, 12. Mai. Ter 60 Jahre alte Bürger­meister, Ortsgenchtsvorsteher und Standesbeamte Friedrich Lang aus Höchst i. O. stand heute vor der Strafkammer unter der An­klage, in seiner Eigenschaft als Ortsgerichtsvorsteher wissentlich ßu hohe Beträge erhoben zu haben Es kommen eine größere Anzahl derartiger Fälle, die sich auf die Zeit von mehreren Jahren verteilen und insgesamt etwa 100 Mk. be­tragen, in Frage. Lang ist seit 20 Jahren Büraermeister in Höchst, wo er sich grotzen Ansehens erfreut und verschiedene Ehrenämter bekleidet. Er hat in verschiedenen Fällen zu viel Gebühren er­hoben, die ihm, roie die Verteidigung hervorhob, im Trange der Geschäfte unterlaufen sind. Auf eine anonyme Anzeige, die nach Ansicht des Angeklagten von einem Gegner der Bürgermeister- und Reichstagswahl ansgegangen ist, erfolgte die Anklage. Tie Verhandlung ivird 2 Tage in Anspruch nehmen, da für morgen noch Zeugen geladen sind.

Franks u r t a. M., 12. Mai. Die Strafkammer verurteilte den Arbeiter Richard Greiner, der fünf Damen Handtäschchen mit Geld entrissen hat, zu 3 Jahren Zuchthaus und seinen Komplizen, den Fahrburschen Mathias Funk zu l1/, Jahren Ge­fängnis.

14. Mai

II. »

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(Für Form und Inhalt ..n,. ........ Rubrik stehenden Artikel

übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Das w. Gießener musikliebende Publikum sei an dieser Stelle auf einen Kunstgenuß aufmerksam gemacht, der leider nod) zu wenig allgemeine, Beachtung findet. Während man zu teilten Preisen seinen Konzerten znslröml, liegt hier das billige Gute - ach jo nahe. 'Allabendlich e.lanbt sich ein Lehrling, Den An­wohnern der oberen Stemstraße mit einem alten krächzenden, ohren- und sinnebetaubenden Blechautomaten gen. Gramo- p ho n die 'Abendslunden zu verjchänden. Nach jedem Anszuz. erscheint Betr. am Fenster, um sich bewundern zu lassen, im: erlaubt sich 34 Zugaben. Warum finden die Konzerte nur von7 812 Uhr statt ? Zeder wäre über ihre Ausdehnung auf die ganzn Nacht sicherlich hocherfreut. Auch die Polizei würde einer Ein­ladung zu ihnen sicherlich mit Freuden Nachkommen.0.

4% Uesterr. Goldrente. . 4V5 % Uesterr. Silberrento 4?o Ungar. Goldrente . .

FamMeir-NachrLchten.

Verlobt: Frl. Marie Urbach in Büdingen mit Herrn Christian Schwarz in Darmstadt. Frl. Lina Heller in Lich nut Herrn Dr. phil. Georg Appel in Büdingen.

Gestorben: Herr Christian Balser in Göbelnrod. $rau Marie Welker, geb. Becker, in Alsfeld.^Herr Heinrich $öll Postschaffner in Büdingen. Wilhelm Schmidt, 'Dledjamfer- lehrling, in Münchholzhausen.

ratur am 13. bis u 13.

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