Nr. 206
«ex «letzener Anzeiger erschein» täglich, außer Sonntag». - Beilagen: viermal wöchentlich Gtetzener/scnnllienblätleri «roetmal loöcfientLKteis« hlottfUrdenttrelrGiehen {Dientilaq und Freitag); aroeimnl monatl. Land» wtrtfchaftstche dettfragen Fecntprech - Anschlüsse; iüi btc Redaktion 112, Verlag tu Expedition 51 8breDt tüt «epeschenr
«DArtflct (ßteycn.
lnnai|tnt oon AnzetgeM toi bte Tagesnummer Ml oormtltag» 10 Uhr.
Erstes Blatt
158. Jahrgang
Mittwoch 2. September 1908
Meheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Rotaflon$öni(! un- Verlag -er vrNhpschen Nnw.'Vnch. mtö StefnöratfereL 9. fenge. Re-aMon, LrpevMon unö Druckerei: Zchulftratze 7.
VezugSpretlr monallich75Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post ML. L.— oiertcl* jährt. ausfchl. Bcsicllg. ZerlenpretS: lokck.lbPf^ uuSwätts 20 Psenntq.
Becantwortttch für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und ,tBcrmi(d)tc5* P. Wulko; tüt ,ciaö| u.Ünnb- und.Gerichts-» saal": E. Heb; lür den 9bueigenteil: H. Beck.
Zedarrbetrachtungen.
ES läuten die Glocken, es wehen die Fahnen und lodernd steigen die Freudenfeuer gen Himmel. Wieder einmal wird der Gedenktag an die Schlacht von Sedan gefeiert.
Andächtig lauscht die Jugend auf die Kunde von dem glorreichen Siege bei Sedan. Der Jüngling reckt sich stolz empor, als rüste er sich zu trotzigem Waffengange, ja der kleinste Schulbube trägt den Kopf höher und ihm blitzen die Augen, wenn er mit schallender Stimme singt: „Deutschland, Deutschland über alles!"
So steht uns Aelteren der Tag des SedanfesteS in Erinnerung.
Daß bei der heutigen Jugend nicht mehr d i e Begeisterung herrscht, wie in den ersten Jahren nach dem großen nationalen Ereignisse, ist begreiflich. Und es ist gut, daß nicht mehr durch rauschende Festlichkeiten die Begeisterung künstlich erhöht wird. Auch im Interesse eines guten Einvernehmens nut unseren westlichen Nachbarn, das in jüngster Zeit erfreuliche Fortschritte macht, ist eine äußerliche Betonung deS Festtages möglichst zu vermeiden. Man soll geschlagene Wunden vernarben kaffen und sie nicht immer wieder von neuem aufreißen. Es wird trotzdem dafür gesorgt werden, daß der jetzigen und kommenden Generation bte Bedeutung dieses TageS für Deutschland u. die Begeisterung erhalten bleibt, sowohl durch die Eltern, als auch im Unterricht und beim Militär. Wir haben ja gerade jetzt einen vorzüglichen Prüfstein dafür gehabt, daß die Begeisterungsfähigkeit in dec Gesamtheit des deutschen Volkes noch nicht erloschen, sondern noch kräftig und ursprünglich vorhanden ist. Bei Gelegenheit des Unglücks, das Graf Zeppelin mit seinem lenkbaren Luftschiffe während der großen Dauerfahrt ereilte, loderte an allen Ecken und Enden die Begeisterung in den deutschen Landen auf. Der Unglückstag des Grafen Zeppelin sollte zugleich sein höchster Ehrentag werden. Wie die Zeitungen die Hiobspost brachten und fast gleichzeitig zu Sammlungen für den Neubau eines Luftschiffes aufriefen, kamen Alle mit ihren Gaben, Hoch und 9hebrig, Klein und Groß. Es bedurfte feiner Scnsationsmacherei und keiner Neklame. Die einfach gemeldeten Tatsachen und die Aufforderung genügten, sie lösten bei allen das gleiche Empfinden aus: das deutsche Voll wollte dem Grafen Zeppelm sichtbar seine Anerkennung und seinen Dank dafür auSdrücken, daß er trotz der vielen Hinderniffe in aller Stille sein Lebenslverk siegreich zum Ziel geführt hat. Das Volk hat das Werk als eine nationale Großtat und den Erfinder als einen seiner großen Geister kennzeichnen wollen. Deshalb sollten auch ihm die Sammlungen direkt zugehen, und aus den» Empfinden heraus wurden alle Sonderwünsche von einzelnen Gruppen mit Recht bei Seite geschoben.
Eine solche Volkskundgebung wirkt ganz besonders hcrz- crqiiickend in einer Zeit, wo uns Fälle, wie Hau, Eulenburg, Voigt mit ihren widerlichen sensationellen Begleiterscheinungen und Auswüchsen ganz besonders herabstiinmen. Wodurch kommt es, daß solche Fälle, die wahrlich die Kehrseite von Großtaten bilden, wie ein Feueckörper mit langem Schweif and übelriechendem Dunst über unser Land streichen? Einen großen Teil der Schuld trägt die Sensationspresse, die bc- iilüht ist, hinter der berüchtigten amerikanischen .gelben Presse* nicht allzuweit zurückzubleiben. Dann giebt es aber auch viele untätige und sensationslüsterne Leute, die der niedrigsten
Gattung von Tages- und Woche-Zeitungen bei einem solchen Treiben Vorschub leisten durch Zusendungen, alberne abgeschmackte Einfälle, wie solche z. B. gelegentlich der Entlaffung Voigts zu Tage traten. Einer liebevollen, auSgeschmückten Wiedergabe dieser absurden Albernheiten wird in der Nadau- preffe natürlich der breiteste Raum gewährt.
Die allgemeine Begeisterung für Zeppelin, diesen edlen, ernst strebenden Mann, hat aber doch gezeigt, daß Wucherungen, wie die eben erwähnten, den Kern des Volles nicht treffen. Wir wollen hoffen, daß noch viele Marksteine wie Sedan, Bismarck, Zeppelin unsere Jugend erfüllen und begeistern und die Oberflächlichkeit und Lust am Sensationellen dem gesunden Kern des Volkes fernhalten.
Die Beruhigung Marokkos.
In Marokko scheint sich in den letzten Tagen nichts geändert ah haben. Die erwarteten Zusammenstöße sind ausgeblieben, doch rechnet man auf franzüssicher Seite nach wie vor mit der Atöglichlcit solcher Zusammenstöße. Eine Note der „Agence Ha- vas" erklärt, daß die algerische Grenze gegenüber Udschda genügend bewacht sei, trotz der Truppenkonzerttrabron bei Bn Denib. Gegen 20 OOU Mann, von den Reserven abgesehen, hätten die Grenze bcjetzt, so daß man für alle Fälle gerüstet sei. General d'Amade telegraphiert vom 31. August, daß im Schaujagebiete nach wie vor Ruhe herrsche. Mogador und Marrakesch bleiben der Sache Abdul Asis treu. Wie General Ligy telegraphiert, zeigte die Harka bisher keine Anzeichen eines beabsichtigten Angriffs. Ein Erkundigungszug bis 3V- Kilometer über die Poften hinaus wurde unternommen und einige Kanonenschüsse abgegeben. Die franzüs. Abteilung kehrte sodann rn das Lager zurück. Sie wurde anfangs vom Feinde verfolgt, der sich dann aber ebenfalls zurückzog.
Abdul Asis gab sich vor einigen Tagen den Anschein, als wenn er seine Lage noch nicht für so verzweifelt und aussichtslos falte, aber jetzt ist er offenbar wieder in Lethargie versunken. Nach Pariser Meldungen wird der Pachthof Alvarez, worin Abdul Asis Quartier genonrnten hak, von keinem französischen Militärposten bewacht. Abdul Asis soll auch nicht beabsichtigen, das Vorgehen der Franzosen zu stören, und so lange dort zu bleiben, bis sein Schicksal endgültig geregelt ist. Man glaubt auch, daß er feine neuen Anstrengungen gegen Muley Hasid unternehmen werde; er besitze überhaupt keine Mittel dazu.
Einiges Aufsehen erregt unzweifelhaft überall eine Mitteilung der offiziösen „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", worin es heißt. „Wie wir erfahren, hat die Kaiserliche Regierung durch ihre Vertreter den Negierungen der Signatar möchte von Algeeiras mitteilci' lassen, daß die Kaiserliche Regierung angesichts der neuen Lage in Marokko die Signatarinächte darauf Hinweisen zu sollen glaube, daß die rasche Anerkennung Mulch Hafids im Interesse der endlichen Beruhigung der marokkanischen Verhältnisse liege."
DaS ist unzweifelhaft richtig und eine rasche Entschließung der Mächte ist dringend zu wünschen. Deutschland vor allem kann es nicht, zugeben, daß die Ungewißhett der Lage so lange sortdauert, bis etwa die Franzosen Marokko pazcfiziert oder, richtiger gesagt, annektiert haben. In diesem Sinne ist es zu wünschen, daß bie Anregung der deutschen Regierung auf fruchtbaren Boden fallen möchte. Man wird auch in Paris zu der Einsicht kommen müssen, daß die Anregung der deutschen Reichsregierung nur aus dem ehrlichen Wunsche entstanden ist, den Frieden zu erhalten. Der Friedenstoast des Kaisers in Straßburg hat übrigens iw Paris einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Von den Preßstimmen verdient diejenige des „Petit Paris ien" besonderes Interesse. Das Blatt schreibt: In dieser Stunde, wo sici) in Marokko und int Orient schwere Fragen ausdrängen, ist es uns nicht gleichgültig, aus dem Munde Kaiser Wilhelms zu erfahren, daß er keine neuen Konflikte Hervorrufen und den Horizont nicht wieder verdunkeln wolle. Der Straßburger Toast erfolge in einem kritischen Moment der internationalen Politik, und für dieses i'Nal muß man der glücklichen Eingebung 5tai|er Wilhelms Ehre bezeugen.
Mkines Feuilleton.
W. T. B. meldet aus Berlin,
esse enlgeaensehen kann.
— Sardanapal.
iUöarx bv5 yss Eitel
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zu versichern, daß ich nur aus Interesse für die Kunst und die Liebe zum Reisen handle und vor allem als Dank für den genußreichen Tag, den ich in Ihrer Stadt und deren Ausstellung verlebt habe. Genehmigen Sie usw. usw."
Dem Wunsche des Brieffchreibers um Uebersendung von Material ist natürlich umgehend entsprochen worden.
— G-roßherzog und Bvlksschullehrer. Der Lehrer 6eint. Wcrl 6 von Kastel scheidet in den nächsten Tagen aus dem Schuldienste auf die Dauer von drei Jahren aus, um seine musikalischen Studien am Dr. Hochschen Konservatorium zu Frankfurt a. M. zu vollenden. Hiermit oeMigen sich die früheren Zei- tuugsmeldungen dieser Art. Auf Verwenden S. K. H. des Grotz- Herzogs sah sich das MinistercuM des Innern unterm 28. August dieses Jahres veranlaßt, Werls zum Zwecke seiner weiteren musi- folifcfan Ausbildung ein ansehnlick-cs Staatsstipendium zu bewilligen. Äcaßgebend für diese Irnli'cfaibuug der Regierung waren die zahlreichen, sehr günstigen Urteile der bcbentenb|tcn Kapazitäten auf musikalischem Gebiete unserer Zcü über die jüngsten Kompositionen des jungen, erst 21 Jahre alten Künstlers. , Sehr anerleunenb fbrachen »ich u. a. aus besonders Howperndirektor Mottl-München, Uiiuicr-itatßpcdfeiior Tr. Max -Reger-Leidig, Hof- operndireklor Felix Weingar tu er-Wien und Professor Mendcls- fohn-Dannftadt. Werls beabsichtigt, als Spezialirudium üisbe- joobere die Kompositionslehre und Musikdirektion. zu betreiben.
— Ter Verbrauch an Kapellmeistern ist in den letzten Jahren recht groß an der Frankfurter O p e r. Als Ersatz für Hugo Reichenberger, der nach Wien ging, und für Rothwell, der krankheilshalber feine Frantfurter Stellung gar nicht angelreten, dirigierte S ch i l l i n g - Z r e m j e n auf Engagement. Und er dirigierte nach zwei fnappen Verständigungsproben, so daß begründete Aussicht auf das Engagement eines Künstlers vorhanden ist, welcher der Schule Atolll'S alle Ehre macht imb auch öcr Empfehlung Richard Strauß' würdig ist. Der neue Marin am Pult lcuete eine Aufiützrung der .Meistersingers Er zeigte sich deut gewaltigen Werk musilalifch und künstlerisch gewachsen, das merkte mau an der Sicherheit, mit welcher er phrasierte und an der Art, wie er die Verbindung zwischen Bühne und Orchester zujammenhielt lind wie er seine Ausfassmigen zum Aufdruck zu Dringen juchte. Es glückte nicht alles, da'ur war es ein xebut, aber die Vo'jtelluug nahm einen so glücklichen Verlauf, daß man den weiteren Leistungen des jungen Tirigenten mit großem Jnler-
— Sine neuentbedte Oermanengöttin. Von dem Abgeordneten Köhler-Langsdorf erhalten wir folgende hoch- -interessante Zuschrift: Sie schreiben in der gestrigen Nummer, daß cs neben unserer germanischen Göttin Freya eine gleichgestellte Göttin vaern gegeben habe, die der Eeres zu vergleichen wäre. Ich darf dazu wohl bemerken, datz im Wetterauer Dialekt noch heute die schriftdentfche „Ernte", als „Earn ' erscheint und gesprochen wird. Die Mundarten beionders wlchcr Bollöstämme, wie des hessisch-ftäntisch-chattischen, die ihre Wohnsitze feit Jahrtausenden nicht gewechselt haben, bewahren m solchen Wörtern, die stets inmitten ihres Gebrauch- standen .vielfach die Ursprache. — So gibt es viele unterer Wettcr- auet Dialektwvrter, die in ganz ähnlich verbleibender Aus,prache über z B das Gotische bis zum Sanskrit gehen. (Siehe das vortrefflich' Buch: „Christus ein Inder?")
— Hessische Landesausstellung. Man schreibt uns ans Darmstadt: Ter Ausstellungsleitung gefan neben autzer- ordenllich zahlreichen Zeitungsreferalen aus ^eutichland und> bem Ausland auch interessante Zuschriften von auswärtigen Per onlich teilen zu welche der Ausstellung einen Besuch abstatteten und ihre Eindrücke der Ausstellungsleitung dirett zur Kenntnis bringen wollen. So schreibt der Ausstellungsleitung cm hoher Zustiz- b e a m t e r aus Newyork, der jungit im Automobil nach Darmstadt kam aus P ar is, 27. 2lltgust: ., .
„Bei meiner Autoreise durch Dcuftchland fatte ich auf dem Wege nach Baden-Baden die große Hreude, »Kg interessante und äußerst lchrreiche Ausstellung m Darmstadt zu sehen. Dieser Besuch ist einer der größten ^nustr meiner ganzen Europareise gewesen und ich bedauere, datz| id) ruft über mehr freie Zeit verfügen konnte, um he Der •T^jtclUmg yt widmen Ihre Ausstellung ist zu gut, mn. nicht ledernmmrä Interesse zu verdienen, kaufende meiner reifenden ~anbvUu wären nur zu froh, etwas mehr davon zu wmen. Las e mutigt mich. Sie zu bitten, mir aur meine Stollen JKuenu rnjer die Ausstellung zugchen zu lassen, damit ich Iw ui den englllch- amerikanischen Leitungen durch Artikel daraus aufmertswm machen kann. Ihre W o h n u n g s k u n st beionber» jollte oex allen Amerikanern Anklang finden, weil, einexi eigenart gen
Efaratter hat und sehr hüdscg durchgefuhrt ist. Attt d^.m vor züglichen Hotel in Ihrer ^labt und allem m allem, was vor geboten wild sollte Darmstadt eui ,ehr, l^r angehender. \ "»j pern.^auLe fand i>aute in G
Auch in der englischen Presse wird die Rede des Kaisers ist Straßburg vollständig abgedruckt und lebhaft tommentiert. Allgemein wird anerkannt, daß die kaiserlichen Worte eine deutliche Absage an Lord George enthalten, auch an die nnverani- wörtlichen Friedensschwärmer, die eine allgemeine Abrüstung verlangen.
Deutschland hat den chrlicheii Wunsch, den Frieden zu erhalten, aber cs kann sich nicht selbst seiner Machttnittel entblößen, so lange das Verhalten anderer Machte, wie -. B. das jetzige Frant- reichs in Marokko, den Steint zu allen möglichen Cricgeriicfan Verwickelungen in sich trägt. E. A.
politische Lage-sehott.
Tas Defizit bei Jahres 1907.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Ergebnis des Reichs- fauyfalto im Etatsjahr 1907. Der Etat des Auoivartigenj Amts erforderte eine Mehrausgabe von 1195 000 Mk. Die Aufwendungen für Gesandtschaften und Stonhdatc überfchritteir dvn Etatsansatz um 552 000 Mk. Als Vorschuß für die geschädigten Deutschen in Casablanca waren 275 000 Mk. forderlich, 172 000 Mk. anläßlich der zweiten Haager Friedenskonferenz. DaS Reichsamt des Innern verzeichnet Mchrausgaben von 91-1000 Mk. Die Wiederherstellung der beschädigten SJuit- schijfhalle in Manzell am Bodensee, sowie des beschädigten Luft- saiisscs erforderten 110 000 Mk. Für das Reich-? Heer nmt ein Mehrbetrag für fortdauernde Ausgaben von 9 819 000 Mk., für einmalige Ausgaben von 812 000 Mk. erforderlich. Zu beit Mehrausgaben tritt eine Wenigereinnahme von 361000 Mk. hinzu, so daß das Gesamtergebnis beim Reichs Heere sich gegen den Etat um 10180000 Mk. ungünstiger stellt. Die Ma rine- verwaltnng schließt mit einem Mehraufwand für fortdauernde Ausgaben, des Pensionsfonds von 5 395 000 Mk., der einmaligen Atisgaben von 94 000 Mk. ab. Durch den Rückgang von Einnahmen ist das Gesamtergebnis: eilt Mehraufwand von 1 971000 Mk. Bee dem Fonds des Reichs sch atzamts beziffert sich die Mehrausgabe auf 4 721000 Mk. Das Re i ch s k o l o ni a l- amt erforderte Mehrausgaben von 146 000 Mt. Die Ver- waltung und Verzinsung der R ei ch s schuld fchlost mit einer Mehrausgabe von 1074100OMark ab. Der allgemeine P e n s i o n s f o n d s ergab eine MinoerauSgabe von 2 530 000 Mk., der Reichsinvalidenfonds eine Mehrausgabe von 687 000 Mk. Bei dem unter den einmaligen Ausgaben angesetzten Fonds zur Gewährung außerordentlicher ein» maliger Beihilfen an Beamte blieben 1 444000 Mk. nn- verwendet. Die Neichspoft-Telegraphenvertvaltung überschritt die einmaligen Ausgaben um 630 000 Mk. 3m ganzen werden bei den in Betracht toniinenben Fonds die Mind. rausgaben von den Mehrausgaben um 33 178 000 Mk. überschritten. Tie Einnahmen, an Verbrauchsabgaben für Branntwein- und Aiaisch- bottichstener überfliegen den Voranschlag um 6 405 000 Mk. Da- geger ölieben die ll.bcrweisungen ans dem Ertrag der Reichs» stempelabgaben für Wertpapiere um 13 514 000 Mk. hinter dem Voranschlag zurück. Mehr er träge brachten die Zölle- 4-1380 000 Ml., die Zigarettenfteuer 1 207 000 Mk., die Salzsteuer 2 524 000 Mk., die Schaumweinsteuer 424 000 Mk., die Brausteuer 2 028 000 Mk., der Spielkartenstempel 101 000 Mk., die Wechselstempelsteuer 2 920000 Mk., der Frachturlund^-'iistempel 1996 000 Mk., die statistische Gebühr 179 000 Mk. Gegen den Voranschlag zurück blieben: die Tabaksteuer um 234 000 Mk., die Zuckersteuer um 201000 Mk., dieFahrkartensteuer unr 11196000 M k., die Automobllsteuer um 1373 000 Mk., eis Vergütungen an Mitglieder von Aujsichtsräten um 5 672 000 Mk., die Erbschaftssteuer um 9 736 000 Mk. Bei der Brennsteuer wurden 2 606 000 Mk. mehr verausgabt als eingenommen. Die- Reichsdruckerei erzielte einen höheren lleberschuß von 441000- Mk. Der Postetat blieb hinter dem Voranschlag um 24 a02 000 Mk., die ReichSeisenbahiwerwaltung nm 3 257 000 Mk. zurück. Die Einnahmen aus dem BanÜvesen stellen sich höher gegen den Etat um 17 518 000 Mk. Die Ausgleichsbetrüge für öie. nicht allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen blieben hinter, dem Etatsoll um 4 087 000 Mk. zurück. Der Gesamtfehlbetrag beträgt 13843000 Mark.
Ausland.
Tie Festsetzung des O st e r f e st e s wird Ende der Woche auf dem internationalen Handelskammer-Kongreß in Prag be-
Fricdrich, der Prinzessin Viktoria Luise, bet rironprinzessin von Griechenland, des Prinzen Georg von Grieck-enland u. a. die Erftaussührung der großen historischen Pantomime „^aroanapal" statt. Tas Werk, das unter Anlehnung an Taglicksis Ballet von dem bekannten Orientalisten und „Bibel und Babel"-Antor Professor Friedrich Delitzsch verfaßt ist, wurde vom Publikum beifällig aufgenommen. In ben beiden Pausen hielt der jbaiser, Eercle und empfing zahlreiche Assyriologen des In- und Auslandes. Ter Vorstellung wohlii-.n u. a. bei, der Verfasser Professor Delitzsch, die Professoren Bezold, Andre, Hommcl, sowie Haupt, Zastrow, Hilpert (Anierika-, Schfidt (Dwiemark-, Paterfvli 'England), Tieu-lefah (Frankreich-, Mahler (Ungarn). Der Kaiser verlieh dem Generalindendanten v. .Hueljen den Ktonenorden 1. Kl., dem PwAsor Delitzsch den Roten Adlerorden 3. Kl. mit der Krone und der Schleife. • • , ,r
— Zeppelin auf der Bühne. Em Münchener ecfaift- steller hat den Versuch gewagt, den kühnen Eroberer der Lüfte und bas tragische Schicksal seines Werkes dramatisch zu gestalten. Toch fanbelt es sich bei diesem Versuche weniger um eine Dramatisierung der Tatsachen; der Held erscheint, wie schon der Titel „Zeppelin auf dem Olymp' besagt, im Rahmen eines phantastischen Spiels. Tas Stück wird demnächst an die Bühnen versandt. Hoffentlich ist es besser als jener Einakter, der im Stuttgarter Friedrich-bautheater oon einer gastierenden Gesellfchast gegeben wird, betitelt „Graf Zeppelins Lustjchiffahrt". Ter Verfasser dieses blöden 'Machwerkes, das als „wahres Schauspiel" bezeichnet wird, hat, jo lagt ein Stuttgarter Rezensent, klug getan, sich nicht zu nennen.
— Eislauf im Sommer. Am Montag abend rourbe der Berliner Eispalast, eine Schöpstmg des Berliner Architekten Hentschel, unter zahlreicher Beteiligung eröffnet. Tas Gebäude, das in modernem Barokstil erbaut ist, umfaßt, außer der 2000 Quadratmeter großen Eisfläche, im 2. Stockwerk eine ver- jchwenderisch ausgeslattete Anstalt für Körperkultur, die u. a. einen Trainterraum, einen Kinderturiijaal und Bäder enthält. Die Leitung liegt in Händen einer Gesellschaft.
— Kleine Ehron11 aus Kun;: und Wissenschaft. Aus London wird gemeldet: 10 Abgeordnete werden im Unter- Hause einen Gesetzentwurf einbringen bett, das Verbot der V i v r j e k t i o n in Laboratorien. Gleichzeitig wird eine Gcsell- l'ajajt errichtet, welche die Interessen der Aerzte in Die Hand nehmen wird und den Gesetzentwurf bekämpft, indem lic nut bte großen Vorteile hinweiit, die durch die Vivisettion für die Acenichheu erzielt worden sind.


