Ausgabe 
1.12.1908 Drittes Blatt
 
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77ektrotechnik Brick«

Nr. 283

Drittes Blatt

Dienstag, 1. Dezember 1908

158. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme bc8 SonnkagS.

I die Lehrer sind heutigentags die berufenen Führer bei diejcn Bestrebungen.

N.'tatisnSbnick und Verlag der Drühksschm Unwersuäis - Buch» und 6temb ruderet, R. Lange. Gießen.

** Kaiser Panorama. Wie bekannt, unternahm der Kaiser mit seiner Familie eine Reise nach dem Mittelmeer, um seinem, auf der herrlichen Insel Korfu belegenen neu erworbenen Schloß Achilleion den ersten Besuch abzusiatten. Dem Hof.ie,erunten Fuhrmann ist es gelungen, eine Serie von Aufnahmen dieser Reise und vom Schloß Achilleion selbst her,retten zu lassen, die in dieser Woche in hiesiger Fi.iale, Kirchcnp.atz 9, ausgestellt sind und wohl zu den schönsten gehören, die das Baiser- Panorama zu bieten vermag. Man sieht nicht nur das Schloß mit seiner inneren originellen, die verschiedensten Slilarten un^as.enden Ausstattung, sondern auch die herr­lichen Gür.en mit ihrem zauberffch schönen Ausblick aus das Meer und die.fernen Berge Albaniens. Nicht unerwähnt

TieGießener Zamttlenblötter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieden" zweimal wöchentlich. Dierandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

parlamentarische».

Handlungsgel) ilienwüniche an den Reichstag. Der Tculschnalionale Hanblungsgehilfen-Berband m Hamburg hat dem Reichstag eine umfangreiche Denkschriil unterbreitet, worin er m a. die reichsgeiehllche Einführung der völligen Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe, ebenso die Einführung des reichsgeietzlichcn 8-Uhr-Ladenschlusses und eine ebensolche Regelung der Ärbens-eit in den Kontoren befürwortet. Ferner verlangt der Verband die Schaffung einer Handelsanfsichtsbehörde (Handelsmspekloren), die Einführung eines Erholungsurlaubes und die Regelung der Vor­schriften über die Mittagspause. Insbesondere verlangt der Ver­band auch eure reichsgesehliche Regelung der Arbeitszeit der weib­lichen Angestellten iiii Handelsgewerbe. Es ist als sicher an­zunehmen, daß wenigstens ein Teil dieser Anträge zum Gesetz erhoben wird.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: bckmk- straße 7. Expedition und Verlag: es® 5L Redaktion: 112. rel..AdruAnzeigerGieben.

Eichener Anzeiger

Genera!-Anzeiger für Gderheßen

Ans Stadt und Land.

Gießen, 1. Dezember 1908.

** Dorf museen. Abgeordneter Köhler-Langsdorf schreibt uns: Ich habe soeben der ersten Klaffe unserer Volks­schule Mauerbrocken des RömerkastellS, das vor 2000 Jahren auf meinem Acker in Bcttenhausener Gemarkung bestanden hat, zu ihren Sammlungen, die ich früher schon in mancherlei Gestalt anzuregen begann, überreicht, als ich noch Bürger- meister meiner Heimatgemeinde war. Man wird fragen: Warilm aber sollen wir das wissen, die das gar nicht an­geht? die es vielleicht gar nicht interessiert? Ich sage, es geht Alle an, die noch mit ihrem Herzen an der alten Heimat und ihrer Geschichte hängen. Denn ich möchte alle Freunde der Volkskunde und heimatlichen Ge­schichte bitten, Alles zu sammeln, was in den letzten beiden Beziehungen als wichtig erscheint und Dorfmuseen etnzu- richten unter dec Obhut verständiger Volksschullehrer. Denn

gerichtsrat Theobald, Amtmann Dr. Krapp, Amts- gerimtsrat Dr. Müller, Pfarrer Waitz, Pfarrer Schlosser, Frl. Waitz, Frau Prof. Berger und Frl. v. Biegeleben ein prooi,arischer Ausschuß gebildet, der geeignete Vorschläge im Sinne des Antrags v. Hessert machen soll.

Dbg. Stadthagen (Soz.)k

Jetzt haben wir Anträge gestellt, die die Bescheidenheit selbst sind, die nur das heute schon Durchführbare wollen, und auch die lehnen Sie ab. Ter Staatssekretär hat ganz recht, der Zentrums­antrag ist undurchführbar.

Dbg. GieSbertS (Zentr.) k

Ueber daS, was praktisch möglich ist, werden wir unS Wohl mit den Herren Sozialdemokraten niemals einigen. Tie soziale Gesetzgebung kann nur festlegen, waS durch die Praxis bereits als durchführbar erwiesen ist, und den Achtstundentag haben nicht ein­mal die Berliner Maurer erreicht. Tie bürgerlichen Parteien haben einmütig die Widerstände überwunden, die sich der gesetzlichen Einführung deS Zebnitundentages für Arbeiterinnen entgegen^ gestellt haben. Weshalb also setzt der bittere Streit um die zwei Stunden Samstagsarbeit? Tie Frage hat eigentlich nur eine prinzipielle Bedeutung, weil durch Annahme unserer Anträge die lleberzeugung ausgesprochen wird, daß die verheirateten Frauen eines größeren Schutzes bedürftig und würdig sind. Selbst eine große Zahl von .Handelskammern bat sich Dafür ausgesprochen. Gang unverständlich ist mir, warum Parteien, die in der Kom­mission dem Antrag auf ausgedehnteren Wöchnerinnenschutz zuge­stimmt haben, jetzt vor einem Augenzwinkern deS Staatssekretärs umgesallen find. Tie ungeheure Kindersterblichkeit in der sächsischen Textilindustrie spricht eine deutliche Sprache.

Sächsischer Gesandter Graf Vitzthum von Eckstadt:

Die hohe Kindersterblichkeit in der sächsischen Textilindustrie umfaßt wesentlich nur uneheliche Kinder, beweist also für die hier diskutierte Frage die Unterscheidung zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen so gut wie nichts. (Widerspruch im Zentr. und bei den Soz.)

Dbg. KulerSki (Pnle):

Man muß den Arbeitern auch Wohltaten aufdrängen, die unverständigen Arbeiter vom Segen Des Arbe-terschutzes über­zeugen. Dem sozialdemokratischen Antrag stimmen wir zu.

Abg. Schack fWirtsch. Vg.):

Der Staatssekretär hat nicht mit den Augen gezwinkert. (Heiterkeit.) Als das Zentrum sich in der Kommission von der Berechtigung der Bedenken der braunschweigischen Konserven- industrie hinsichtlich der Nachtarbeit Der Frauen überzeugte, ist e$ doch auch nicht vor dem Augenzwinkern des braunickweigischen Gesandten umgefallen. Um auf die sozialdemokratischen An­träge und die Rede des Herrn Stadthagen einzugehen, schätze ich meine Zeit und die des Reichstags zu hoch em.

Weiterberatung Dienstag 1 Uhr.

Schluß Uhr.

stimmen. Für die Verkürzung der Arbeitszeit muß das Verhält­nis unserer Industrie zur auswärtigen maygebenb sein und auf jede Industrie gesondert Rücksicht genommen werden. Schema- tische Gleichmacherei wäre vom Hebet. Unsere Industrie bat auf dem Weltmarkt schwer zu kämpfen, das Erwachen deS Ostens, deS japanischen Volkes, bereitet ihr neue Schwierigkeiten. Man kann auch nicht ohne weiteres unsere Verhältnisse mit denen anderer Länder vergleichen. Der Redner bekämpft den frei­finnigen Antrag und empfiehlt den Vermittlungsantrag des Zen. trums, der alle Bedenken hinfällig mache. Die verheiratete Fabrik­arbeiterin ist daneben noch HauSsklavin; so können Weiber zu Hyänen werden. Sorgt die Arbeiterin nicht für den Haushalt, so treibt sie den Mann in die Schänke; das mag im Interesse der Finanzreform sein, aber nicht der Familie. Die Zukunft des Volkes ist in Gefahr. Die Industrie sollte da nicht nur an male- riefle Interessen, sondern auch an diese idealen Gesichtspunkte denken. *

materielle Interessen bestimmen zu^lasscn, hat e5 für die sächsische Industrie nicht erst bedurft. Sie weiß den Wert der idealen Güter wohl zu würdigen. Der KommissionSbcschluß würde zur Folge haben, daß verheiratete Arbeiterinnen als weniger beliebte Ar. beiter aus den Fabrikbetrieben entlassen werden. Die Ein­schränkung der Arbeit der verheirateten Frauen ist natürlich auch uns erwünscht, wenn sie ohne Schädigung der Industrie möglich ist. Aber es cpbt a^ch Fälle, in denen die Beschäftigung der ver­heirateten Arbeiterinnen im Interesse der Arbeiterfamilien selbst nicht entbehrlich ist, zum Beispiel wo die Frau vom Manne ge­trennt lebt, wo der Mann aus Trunkenheit oder Arbeitsscheu sich nicht um die Familie bekümmert, wo er invalid oder krank ist, wo er a'S Saisonarbeiter vorübergehend ohne Arbeit ist. Ter Antraa Fleischer ist unannehmbar. Die Behörde kann nicht bestimmen, ob die VorauLs»tzung in dem bestimmten Falle betriebstechnisch gegeben »st. Begnügen Sie sich mit der Regierungsvorlage; sie bringt ja eine Verbesserung der Arbeits- Verhältnisse für sämtliche Arbeiterinnen, auch für die verheirateten.

Abg. Schmidt-Altenburg (Rp.)

spricht in gleichem Sinne. Hoffentlich werden wir mit der Ver­kürzung der Arbeitszeit nodi unter den Zehnstundcrtag herunter, kommen, aber wir dürfen nicht zu rasch vorgehen. Ich bedauere lebhaft, daß diese zweite Lesung so überaus schnell vorgenommen worden ist, sonst hätten wir vielleicht noch manche praktischere Formulierung finden können. (Sehr wahrl)

Dbg. Henning (Kons.):

So sehr wir geneigt sind, für die Arbeiterinnen humane Be­stimmungen zu treffen, dürfen wir ihnen doch nicht Wohltaten a u f d r ä n g e n . die sie selbst nicht wollen. Man kann unS nicht den Vorwurf der Inhumanität machen, wenn wir dem Antrag Ablaß zustimmen.

Dbg. Schack (Wirtsch. Vg.)k

Der Antrag auf Einführung des Achtstundentages entspricht nur dem Reklamebedürfn»s der Sozialdemokra­ten ein geeignetes Objekt für die neue Reklamesteuer. (Heiter­keit.) Nach oen Darlegungen bc5 Staatssekretärs und der anderen Herren sind wir seht mit der Streickung der Sonderbeflnwmmgen für Arbeiterinnen, Die ein Hauswesen zu besorgen haben, ein- verstanden.

Deutscher Reichstag.

172. Sitzung, Montag, ben 30. November.

Am Tische des BundeScatS: Wermuth, Dethmann- Hollweg, Caspar.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten.

Der Schuh der Arbeiterinnen und jugendNchen Arbeiter.

Die Kommission für die aroße Gewerbenovelle hat den Ab­schnitt der Novelle, der mit ücksicht auf das Inkrafttreten der Berner Arbeiterinnenschritzkonb.'nüon bis zum Ende dieses Jahres vom Reichstag erledigt sein muß ArbcitSvcrhältnisse dec ge­werblichen Ar' i ter innen und jugendlichen Arbeiter in zwei Lesungen durchberaten und diese stehen jetzt als selbständige Bor- läge zur zweiten Lesung im Plenum. KommissionSbericht- erstatter ist Abg. Dr. Pieper (Zentr.).

§ 137 enthält die Bestimmungen über die ArbeitSdaner de ^Fabrikarbeiterinnen. Als Fabrik im Sinne dieser Bestimmungen sollen gelten die Betriebe, in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden. Die <5 o» zialdemokratcn beantragen statt zehn Arbeiter schon fünf zur Grundlage deS Fabrikbegriffs zu machen und dabei auch die außerhalb der Fabrikstätte Beschäftigten mitzurechnen. Nach den Kommissionsbeschlüssen betragt die Höchstarbeitszeit zehn S t u N/d e n , an den Vorabenden der Sonn- und Festtage acht Stunden. Für Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu be­sorgen haben, lvird die Höchstarbeitszeit am Sonnabend auf sechs Stunden festgesetzt; diese einschränkende Bestimmung will ein An'trag der Freisinnigen, Dr. Ablaß und Genossen, streichen; ein Zentrumsantrag, Dr. Fleischer und Ge­nossen, will die Beschäftigung bis zu acht Stunden auch für diese Arbeiterinnen g-statten, so weit betriebstechnisch davon die Weiter­arbeit anderer Arbeiter abhängt.

Die Nachtarbeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens wird verboten, eine einstündige Mittagspause und eine tägliche ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden borge- schrieben. In Kokereien und zum Transport von Materialien bei Bauten dürfen Arbeiterinnen nicht verwendet werden. Die Sozialdemokraten beantragen das Verbot der Nacht­arbeit in der gleichen Weife mich für die jugendlichen Arbeiter. Statt des Zehnstundentages beantragen sie den N e u n st u n d e n- t a g, als Ueberteitung zum Achtstundentag, der am 1. Jan. 1012 in Kraft treten soll.

Mit dem Arbeiterinnenschutz ist ein Mutterschutz berbun- den. Nach dem Kommissionsbeschluß dürfen Arbeiterinnen vor und nach ihrer Niederkunft im ganzen während acht Wochen nicht beschäftigt werden. Ihr Wiedereintritt ist an den Aus- weis geknüpft, daß feit ihrer Niederkunft wenigstens sechs Wochen verflossen sind. Die Sozialdemokraten beantragen DaS Beschäftigungsverbot für zwölf Wochen ftnd Freihaltung der Arbeitsstelle. ..>< r

Abg. Manz (Fr. Dp.):

Im übrigen sind wir mit den KornmissionSbefchlüffen einver­standen, aber die tief einschneidende Bestimmung über den Fünf­uhrschluß am Sonnabend für Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben, bitten wir dringend zu streichen, denn das kann die Industrie nicht vertragen. Ohnedies reduzieren wir die S(r« beitSzeit schon um sieben Stunden in der Woche, und eS ist die Frage, ob in der Zeit her niedergehenden Konjunktur die In­dustrie so leicht eine' entsprechende Erhöhung deS Stundenlohnes wird eintreten lassen können. Eine weitere Verkürzung der Ar- beitSzeit würde also die Arbeiterinnen selbst schädigen. Das muß auch den außerhalb der Industrie Stehenden einleuchten, daß die Betriebsform einheitlich fein nmß, man nicht einen Teil der Ar- Leiterinnen acht und den anderen nur sechs Stunden beschäftigen kann. Dazu kommt bei uns in Bayern noch die Schädigung durch die vielen Feiertage; es ist mißlich, daß wir noch eine Reibe Feiertage zweiter Ordnung haben. Seit Jahren ist unfere Industrie bei der Regierung vorstellig'geworden, und diese hat auch mit den kirchlichen Behörden Fühlung genommen, um eine gleichmäßige Produktionszeit für Deutschland herbeizuführen; vor einiger Zeit hat aber der Kultusminister bekannt gegeben, daß die Verhandlungen ergebnislos verlaufen sind.

Dbg. Schmidt-Berlin (Soz.):

Spät genug greift die Gesetzgebung ein. Denn der Zehn- flundentaa ist zum größten Teil in der Praxis schon durchgeführt, und wo Tarifverträge bestehen, zumeist eine kürzere Arbeitszeit. Die Mitrechnung Der außerhalb der Betriebsstätte Beschäftigten soll verhindern, daß die Schuhbestimmungen durch Heranziehung der Heimarbeit umgangen und Die Heimarbeit ausgedehnt wird. Die Forderung des Achtstundentages werden totr immer von neuem erheben, bis wir ihn durchgesetzt haben.

Abg. Dr. Fleischer (Zentr.):

An den Achtstundentag, so erstrebenswert er ist, ist zurzeit nicht zu denken; der Antrag ist rein agitatorisch. Auch wenn der Reichstag einstimmig Dafür ist, der Bundesrat würde doch nicht zu-

' ' Dbg. Dr. Stresemann (Natl.)^

Glanben Sie wirklich, daß durch den Zentrmn?an>mg das erreicht werden soll, die Idealisierung der Ehe und deS Familien­lebens? Auf der anderen Seite aber ist es sicher, daß der Vor­redner die Schwierigkeiten der Durchführung dieser Maßregel weit unterschätzt hat. Die Differenzierung der SIrbcitPflctt* toirb die verheirateren Frauen zu unbeliebten Arbeite- rräften in der Industrie machen. Ebbe und Flut wechseln im Wirtschaftsleben naturgemäß aber in Zukunft wird die ver­heiratete Frau doppelt schwer unter einer ungünstigen Wirt- sckaftSkonjunktur leiden. Dabei ist die Zahl der verheirateten Fryuen in der Industrie sehr groß, in der sächsischen Industrie 84 Proz. aller in Fabriken beschäftigten Frauen. Die Meinung der verheirateten Arbeiterinnen selvst über dieses Vorrecht ist sehr geteilt. Ware die Beratung dieses Gesetzes nicht so rasch' gekommen, so hätten wir wahrscheinlich manche Petitionen aus den Kreisen der verheirateten Arbeiterinnen selbst gegen ihre Sonderstellung erhalten. (Zustimmung bei den Natl., Lachen bei den Soz.) Verheiratete Frauen zu beschäftigen, ist übrigens nicht, wie ein ZentrumSrcdner gesagt hat, eine Eigenheit der protestantischen Fabrikanten; auch die katholischen Arbeitgeber haben die Fabrikarbeit der verheirateten Frauen als Notwendig­keit anerkennen müssen. Ein konfessioneller Unter­schied besteht da wirklich nickt. (Heiterkeit und Zustimmung.) Meine politischen Freunde verschließen sick keineswegs gegen die große Bedeutung des freien Sonnabendnachmittags. Gerade deshalb haben sie es so lebhaft bedauert, daß untere Anregung in der Kommission, die Arbeitszeit auf wöchentlich 58% Stunden festzusehen, keinerlei Gegenliebe gefunden hat. Dadurch hatten die Arbeitgeber eine gewisse Latitude und die Arbeiterinnen den ganzen '.reien Sonnabendnachmiftag erhalten. Trotzdem dieser Antrag abaokebnt worden ist, wollen wir der Annahme der ZebnstnndentagSbestimmuna keine Schwierigkeit machen. K r i m m i t s ch a u hat zu so erbitterten Kämpfen und zur Bildung so großer Arbeitgeberorganisationen nur geführt, weil die Arbeitgeber sich mit Recht sagten, baff eine solche Reste- hing der Arbeitszeit nicht für einen einzelnen Jnbustrieort mög- lick sei. Freilich wird es keinesfalls immer unmöglich sein, die Arbeitszeitverkürzung durck Jntensiläissteigerung auszugleichen. Deshalb lehnen wir ein Eingehen auf den sozialdemokratischen Antrag ab. Schon so bedeutet die Vorlage ein Hinausgehen Deutschlands über die Berner Konvention und einen erblichen Fortschritt für die deutschen Arbeiter. (Beifall bei den Soz.)

Staatssekretär v. Dethmann-Hollweg:

Lian kann, wie ich, ein überzeugter Anhänger jeder Maß­regel sein, die das Familienleben des deutschen Arbeiters zu heben geeignet ist, man kann auch lebhaft wünschen, daß den verheirateten Frauen Die Sonnabendarbeit so verkürzt werde, daß ihnen ein umfassenderer Genuß der Sonntagsruhe ermög­licht wird, als das bisher der Fall ist, und kann doch der Ansicht sein, daß die Verhältnisse nicht genügend geklärt sind, um nach dem Beschlüsse der Kommission zu einer. Differenzierung der verheirateten und unverheirateten Frauen zu gelangen. Wie schwer die einschlägigen Verhältnisse zu beurteilen sind zeigten mir schlafend die Reden, die in der Kommission und hier gehalten worden sind und der Wandel in der Haltung großer Par­teien des Hauses. Deshalb möchte eS mir ratsam erscheinen, jetzt von diesem Schritte abzusehen, her so außerordentlich tief in die Verhältnisse der Industrie und deS ArbeiterstandeS eingreift. Der neue Zentrumsantrag erkennt an, daß Die KommiffionSbeschlüsse nicht in allen Zweigen der Industrie durchgefuhrt werden können, aber er erweckt auch mancherlei Bedenken, vor at-m Das, daß der Arbeitgeber, der verheiratete Frauen am Sonnabend länger als sechs Stunden beschäftigen will, mit Sicherheit erst durch den Strafrichter erfahren kann, ob er das tun durfte. Ich bitte Sie daher, im gegenwärtigen Augenblick gemäß dem Anträge Ablaß. Stresemann von der an sich durchaus wünschenswerten Einschrän- lung der Sonnabend-Arbeit verheirateter Frauen abzusehen (Beifall.)

Sächsischer Bevollmächtigter Graf Vitzthum von Eckstäbt unterstützt die Ausführungen deS Staatssekretärs und deS Abg. Stresemann. Der Mahnung, sich nicht nur durch Rücksichten auf

bereits meist buraj oie Ge,e^geou.lg er^euigi juw. J.t der Diskussion wies Oberstaatsanwalt v. Hessert daraus hin, daß mit der Dom ersten Redner erwähnten Einführung von Jugendgerichtshö,en eigentlich nichts besonders Neues ßejdjünen werde; es lasse sich schon jetzt etwas ähnliches erreichen, wenn die betreffenden aburteilenden Richter auch zugleich zu Vormundsch<rftsrichtern bestimmt würden. Der Redner stellte den Antrag, einen Ausschuß zu blloen, der mit dem Jugendrichter dauernd in Fühlung tritt und dessen Tätigleit namentlich die Erhebung über die Fürsorgezög­linge und die Orientierung des Jugendrichters sein sott. Nach längerer Debatte wuroe aus oen Herren Oberlandes-

** Der Verband für Jugendfürsorge im Gro ß Herzogtum Hessen hielt am Freitag im Rat- haussaal zu Darmstadt seine Deroandsversarnrnlung ab, die außerordentlich stark bejucht war. Der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Glässing, begrüßte die von fern und nah Erschienenen, woraus Psacrer Zimmermann-Wix­hausen einen Bericht über bi1 Tagung desAllgemeinen Fürsorge-Erzrehungstages" in Straßburg i E. erstattete. Die Tagung habe in den verschiedenen Referaten eine Fülle kostbaren Materials ergeben. Zuerst erörterte der Redner das Referat des Direktors P i l l i g k e i t - Frantsurt, der das ThemaDie Abhängigkeit der Erfolge der Zwangs­erziehung von einer Reform des Armen- und Strafrechts" behandelte. Pfarrer Zimmermann stellte fest, daß das von dem Referenten Besprochene in Hessen durch daS Fürsorge­gesetz schon geregelt sei; vor allem verspricht sich Redner viel von dem am 1. Januar 1909 einzuführenoen Ju­gendgericht. In Leisen tvandle man schon seit 1887 m den Bahnen, die Preußen erst von 1909 ab durch sein Fürsorgegesetz einschlug. DaS zweite Referat erstatce.e Di­rektor Dr. Peter, en über^icht- und Schattenseiten in der Fa m i l i e n e r z i e h u >r g". Dr. Petersen ist Direktor des großen Hamburger Waiienhauses, dem äOOO Zöglinge, darunter nur ein Drittel Waffen, angehören. Weiter be­sprach der Redner das Referat des Pa,tors Siebel in Bethel, der mit seinen ca. 3000 Zöglingen reiche Erfah­rungen, namentlich über Zwangserzwyung in Familien auf dem Lande machen konnte, und das Referat des Prälaten Werthmann-Freiburg, des Vorsitzenden der Eharitas- Bereinigung. Ws Weitzer Reditrr, gab Amlmanii Krapp --------------------,uu;lullCu

im toejentlu^n eine Antwort aus mehrere, von Frauen- möge auch die in nächster Nähe von Korfu liegende Insel veremen gestellte Anfragen und Wunsche, die in Hessen I Pontikoniji sein, die eine ausfallende Aehnlichteit mit tej

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