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14.3.1908 Erstes Blatt
 
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Ubrehe <üx Depeschen:

P. Wiltko; für ^Stadt

Nr. 6b

-Der Htetzener Anzeiger irscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich tztrhenerZamilieiiblätler; iwermal roödientl.KreiSi tati färben Kreis ßiefjtn Dienstag und Freitag): iroetmal monotl. Lcnd- oirtschastlicheSeitsrogen ^enisprech-Anschlüsse: iur die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51

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monatlich 75Pi., viertel-

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vkjtiF ®W Verantwortlich

AW1 9 &99*k < für den politischen Teil:

s~ General-Anzeiger für Oberheffen WW »üt die Tagesnummer RotütlsnsdruS und Verlag der vruhl'fchen Univ.'Vuch- und Zteindru^erei. R. Lange. RedaMon, ExpEo« und Druckerei: Schulstrahe 7. Anreiaente?l^'L>"^BeL l>ts vormittags 10 Uhr. -i-'

Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten

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Im Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhanse boten die Beratungen, abgesehen von der ersten grasten und sehr wir­kungsvollen Rede des neuen Reicktslchatzselvetä-rs Sytwto, nicht viel bemerkenswertes. Nur die Tonncrstagssitzung des Reichs­tages, inib zwar die Abcndsitzn-Ng, zeichnete sich durch eine längere Debatte über die Fleischpvcise aus. Die Frage der Fleischpreise ist in der Tat geeignet, die Oefsentlichkeit wieder einmal in höherem Maste zu beschäftigen. Während die Viehpreise fortgesetzt herab­gegangen sind, nmß leider konstatiert werden, daß die Metzger ihre Fleischpreise nach wie vor aus derselben Höhe zu erhalten bestrebr sind. Erst die letzten Tage haben endlich erfreulicher­weise in zahlreichen Städten ein Herabgehen der Fleisch­preise gebracht,

In Frankreich wird die Stellung des Kabinetts Eie­rn e n e e a u von Tag z-u Tage fritifdjer und man rechnet damit, dnst es in nicht all zu langer Zeit wivd zurücktreten müssen. Man ist mit der Marokko Politik, die dem Volke große Opfer auferlegt, nicht recht einverstanden. Sind) sonst hat es fick) in letzter Zeit, und namentlich) in der letzten Kammersitzung deutlich gezeigt, daß Clemenceau nicht mehr über die alte Mehrheit verfügt- Eine Rede, die der frühere Ministerpräsident und jetzige aussid)tsreichste Kandidat für dcn Posten Cbmirnccaus, Comb's, bei einem Festmahle dieser Tage gehalten hat, gilt als eine ojicne Absage an die Politik des Kabinetts Clemenceau. Wenn sich nun die Meldung bewahr­heiten sollte, dast Muleh Hasid bereits um Frieden gebeten hat und dast dämit der marokkanische Feldzug im Wesentlichen zu Ende gekommen ist, dann könnte Clemenceau sich allerdings wohl noch einige Zeit halten. Aber wie lange wohl noch?

Aussprachen über die politische Weltlage haben in der verflossenen Woche in den Parlamenten Ztaliens und Rußlands stattgefunden, und die leitenden Staatsmänner beider Länder stellten die Lage im allgemeinen als friedlich dar, trotz der mancherlei Schwicrigkcllen auf dem Balkan, in Persien und Ostasien. Jeden­falls besteht in Europa wenigstens auf allen Seiten der Wunsch, den Frieden unter alle:: Umständen aufrecht zu erhalten.

Nickst ganz dasselbe möchte man vom fernen Osten sagen. Tort scheint sich der Konflikt zwischen Japan und China weiter zuspitzeu zu wollen, obgleich China wegen der angeblich unrecht- müßigen Beschlagnahme eines japauisck)cn Dampfers dem Reiche dcs Mikado alle nur mögliche Entschädigung angeboren hat. Man ist wohl ziemlich allgemein der Ansicht, dast Japan mjeinen Ent- schädiguirgssorderungen an China zu weit gegangen i]t und hofft, dast die leitenden Staatsmänner Japans das inzwischen wohl schon selbst eingesehen haben iwcdjUn.

LVochen?chari.

Gießen, den 14. Martz.

Ter Briefwechsel de sdeutschen Kaisers mit einem hhcn englischen Beamten, dem Ersten Lord der Admiralität, Ttoecd- Ivuth, ist durch eine unbegreifliche Indiskretion bekannt geworden imd hat in England eine ungeheure Sensation hervvrgerufen. Die cnglisd>en Deutschcnsresser hatten wieder einmal eine günstige (gelegenheil gesunden, Zwietracht zwisd)en. Deutschland und Eng- Imb zu säen. Ter gröfjtJ Teil des englischen Publikums hat sich nber erfreulicher Weise von diesen Letzaposteln in seinem ruhigen »md besonnenen Urteil über diese Briesangelegenheit nicht beirren lussm. Man kennt den Wortlaut des Briefes nicht, wird ihn uvhl auch nicht erfahren und zweifelt trotzdem keinen Augenblick cm dm besten Absichten des kaiserlichen Bricssckweibers. Tas ist verständig gedacht, wie selbst die Franzosen haben zugeben müssen. Ln England ist man nicht gewillt, aus diesem Briefwechsel des deutschen Kaisers mit dem Lord der Admiralität eine Haupt- und Staatsaktion zu mod/cn, denn man erinnert sich, dast auck) in fmheven Zeiten andere dRonarchen und selbst die Königin Viktoria gelegentlich mit Staatsmännern anderer Länder korrespondiert haben. Damit könnte diese Angelegenheit wobt als erledigt gelten, rui wird man im deutschen Volke jedenfalls ziemlid) allgemein dm Wunsch fühlen, dast ähnliche Vorfälle, die leicht zu Miß- ferständnissen Veranlassung geben können, nickst wieder Vorkommen »ödsten. Etwas mehr Zurückhaltung auf deutscher Seite könnte nichts schaden.

Mit der Beamtenbesoldungsvorlage ist es dieses- «lal wieder nichts. Die Aussührungen, die der neue Reichsschatz- sikvetär Shdow im Neick-stage über diese Frage gemacht. hat, werden unsere Beamten redjt wenig ermutigt haben. _ Erst die Äeichsfinanzresorm, und dann erst die Besoldung: erst die Er- lebigung der Teckungssvage, dann die Erörterung über die neuen Millionenausgaben für die Beamten. Das Prinzip, feine neuen "Ausgaben zu machen, so lange man nickst weih, tvovvn sie be- slrnlen werden sollen, ist ganz richtig, und dagegen läßt sid) an itnb für sich nichts einwenden. Aber in Bearntenkreisen empfindet non es doch reckst schmerzlich, dast dieses Prinzip gerade bei dieser io dringend notwendigen Besolduiigssrage zum ersten Male an- -rwandt werdei: soll, während man sonst im Reiche bei dringenden aib unabweislichen Ausgaben weniger ängstlick) bei der Frage ha Lvstendeckung gewesen ist. Nun sind allerdings die Folgen einer solck-en Finanzpolitik nicht ausgeblieben und die Defizit- Hch'chast Hot einen intnter größeren Umfang angenommen Hoffen Dir jetzt wenigstens das Eine, dast man im Reiche in Zukunft hei allen anderen Ausgaben wenigstens ebenso vorsichtig zu Werke rcht, wie in diesem Falle, und sich immer vor Augen l)ält, dast Lüuiahmen und Ausgaben in einem gesunden Verhältnisse zu- tinenber bleiben müssen.

Wie im Reiche, so soll auch in Preu he n dieBeamten- iesoldungsfrage bis zum Herbst zurückgestellt werden.

Unsere l)essische Zweite Kammer hat die Generaldebatte ium Etat glücklich beendet unb ist in der verflossenen Woche iur Spczialberatung des Etats üvergegangen.

den Rückgang der Kvhlenprodultion: die Kohlenpreise seien zurückgegangen infolge der Könkurrenz der englischen Kohle und des billiger gewordenen englischen Kvkses. Das zweite Be­denken bilde bte überaus vorsichtige Art, wie die ReichSbank den Zinsfuß herabsetzt. Wenn man auch heute noch nicht sagen könne, zu welchen Folgen bie_ gegenwärtige Krisis fuhren werde, die von Amerika aus auf uns lastet, so hoffe er doch dast der Minister mit seinen rosigeren Anschauungen recht behalten möge. Die Darlegungen dcs Ministers über die Land­wirtschaft begrüste er mit Freuden; die Regierung solle nun aber auch der Industrie, dem Handel und Gewerbe ihre volle Aufmerksamkeit Stimmten. Beim Etat der Landwirtsdwsts'kammer trage der Staat ca. 30 Prozent der Gesamtausgaben, für die Kosten der Handelskammevn dagegen nur 20 Prozent. Redner bespricht dann eingehend die hessische Wohnungsfürsorge. Er könne von seinen iri'djecen Ausfüllungen über die Wohnungs- infpektion nichts zurücknehmen. Er l-alte dieselbe in der Tat nickst für eintvandssvei, denn er habe sich selber überzeugt, dast als inspiziert in den Listen verzeichnete Wohnungen in einem sehr mangelhaften Zustand fich befanden. Er wolle dem Minister empfehlen, einmal als Privatmann irgendwo in Stadt oder Land Wohnungsbcsichtigmrgen vorzunehmen; er werde sich dann der Wohnungsfürsorge gewiß noch wärmer an- uehmen, als seither. Bei den Juspektionsberichten vermisse er die Al^abe, welche Wohnungen denn als ungesunde be­zeichnet würden und wodurch dieselben wieder gesund gemackst werden. Auch er sei für die Mitarbeit der Frauen an tsr Wohnungsinspektion. Bezüglich der Arbeitskanunern wünscht Red­ner die Schafsung einer Einrichtung, durch welche etwaige im ArbeitsverMtuis entstandene Tifserenzen besprock)en und bc- g lickten werden können. Das sei umso notwendig er, als sich auck) die Kampforganisationen immer mehr auSwachsen. Die Industriellen sollten sick) mehr gemeinsamen Beratungen über solche Fragen zusammcnfinden.

Abg. Raab führt auS, die jetzt im Reichstag vorliegende Vorlage über die Arbeitskammern sei für die Arbeiter unan­nehmbar und es müsse nicht nur die ganze Art der Zusammen- setzu::g, foitbccn auch das dafür vorgeschlagene Wahlsystem ab- gelehnt werden. Gr habe bie Empfindung, als ob mit dem Entwurf die Arbeitgeber gegen die Arbeiter organisiert werden sollten. Zweifellos werde die Vorlage noch eine Versckjärfung der Gegensätze bringen. Es wäre doch nur eine Forderung unserer Zeit, dast den Arbeitern endlich eine Interessenvertretung auf Grund gleicher und direkter Wahlen gegeben würde, tote sie doch auch schon anderen Berufsständen gewährt worden sei. Weiter ersuck> Redner, dem hessischen Küappiuwftsstamt mehr Aufmerksamkeit zuMwenden und die veralteten Bestimumngen aus-zuscheiden. Im weiteren bringt der Redner rwch verschiedene Klagen vor über die ungleiche Art, wie in Hessen die Bürger behandelt würden. Seine Partei habe alle Veranlassung, mit dem Bcrl-alten der hessischen Regierung unzufrieden zu sein. (Heiter­keit.) Im liberalen Hessen seien gerade die llberalen PartLien diejenigen, tveidx die liberale Regierung daran hinderten, das Volk im liberalen Sinne zu regieren. (Allgemeine Heiterkeit.) Abg. Pennrich weist auf die vor sechs Jahren in Bingen stattgehabte Pulvcrexplosiou lstn und bringt in Anregung, bei

beim Ministerium des ^nuern fortgesetzt.

Abg. Reinhart bemerkt, die zurüustige Auffastung Ministers über die allgeuteine roirtiu)att[td)e Lage könne nicht teilen. Er habe dabei namentlich zwei Bedenket, zuerst

StanDauleä spricht so nut Recht der Aienjchen hergebrachten Sitten den Ewigteitsivcrt ab. Doch er hat ivohl in sich den Drang des aufgeklärten Rleiijchen, ist selber aber v.el zu schwach zu refor- iiialorischer Tätigkeit. Trotzdem lockerte er den Grund, der chii und fein Volk trug. Darum lallt er als der verletzten Sitte Opier. Hebbels Kandaules ist, gleich feines Schülers Ibsen narrischen Aienschenbeqlückiiugsdilettanten, einer, der die llonoentton be eiligen will ohne dast er für das von ihm Beanilandete etivas Besseres nl3 Ersatz zu bieten vermag. Wie das Fluchgold deii Nibelungen verderblich wird, so bringt und Verderben ins lydische Königs- schlob der misichibar niachende Nubmrmg, den GygeS tn der thessalischen Totengruft fand und der ihn, wie Slegirieds Nobel- tappe zu Brunhildeu, in der Königin Rhodope Schlafzimmer fuhrt.

Hebbel arbeitet hier mit seiner unsäglich feinen Goldwage des Gefühls er meistert hier die Kmist, Menschen zu zeichnen, bic schon durch eine leise Schwankung ihres Gefühls rettungslos verloren werden Herbe Kritik übt Hebbel an übertriebenem Freundichasls. kult. Wurzel- unb grenzenlose FreundoSliebe fällt unter das Beil d°r Hüterin weltttcheii Taktes, der Frau. Ihre Enklcheldung ist beiden Aläimeril heilig, u r unterroerien sie sich iOlderslaiidLloS. Sie ist das völlig leiden ttsloso Sy.nbol der Feinfühligkeit. Ob in ihr aus den Gluten schönen Grieche,ijü>mlings leise eine Neigung zu ihm erwacht, cibt ungeivib. -ter Sichler lafjt da^> uns ahmen. In der Tat ,cigt sie kemcn Konsitki zwischen Liebe und Stolz. Sie bleibt marmovtaü, eine Hestta, eine Hüterin der häus- lichen Zucht.

Hebbels Zauberdichtung springt, wie er selber sagt, mit der Welt um wie Kinder nut dem Lehm, aus dem sie allerlei teuren fneten Sein Respekt vor der rnenschlicheu ^-eele silhrt ihn zu niiliuttöser Behandlung des Bsychischen. Ueberspanmmg beS Logischen, Haarspalterei der sittlichen Forderungen ist nicht zu vsc- kelinen Doch mag auch niancheS Drama, ob es einen klassischen oder modernen Stoss behandelt, unserem Empfinden wesentlich näher kommen, es demgemätz stärker aufwuhlen wcuige^chlagen klingend an ueicre Seiten unserer eeele. Wie m emer--.ragodie des Aischnlos hört man m ihr den ehernen Schritt des Schicksals, wie ein blanker dorischer Saulenbcm strebt ihre Handlung, frei von allem Kleinlichen, himmelan; des hellenischen Zeitalters rosen- umkränzte Sitt- und Sinnlichkeit, bas freie, aber pietätlose Em- pfindeii iortgeschrltteneu Barbarentums, und Hmbosiaus attehr- würbige Traditionen ieiern m ihr wu.iderbar poes.evol e Wieder­erweckung zii einer Aienschheltsbetrachtuna von ewiger Geltung.

Die Direktion deS Giepeiier Stabttheaters hat sich nut ber Aufführung dieser graudiojen D.chtimg ein bedeuteuber Verdienst erworben. Ter Schlaf der Wett hat lange genug gebauert; fie ist gewachsen und gestärkt, um den lange verkannten Dichter würdig zu enipiangeii.

Oberrealsseur Bakof hatte da? Bsihnenbilb so gestaltet, baß es bem Zuschauer den märchenhaften Charakrer bet Dichtung offenbarte, sein Auge aber boch nicht allzu sehr abzog, sonbern mit dum beihalf, bie Aufmerksamkeit auf ben gedanklichen Inhalt ber Tragobie zu fonjentrieren. Dock) wat es ein rourbiger unb im ganzen zweckmätziget Nahmen, ber bargeboten würbe. Meist nur die noldürstigsien Reguisilen waren vorhanden, unb somit konnte fich das Jitteresse den haiibelndeii unb rebenben Personen zu- roenben. Lebhafter war nur das Bild nach ben StampHpielcn. ai& aesla'iet, mit einer Art Akropolis im Hmlergrunb. Doch schreib! Hebbel hier wörttich vor: /Allgemeine Bewegung unb Sonderung

HeWW ZVeitr te».

Darmstadt, 13. Mär^.

Am Ministcrtifch: Minister des Innern Braun, Finanz- miniftrr Gnauth, die Ministerialräte D-r. Best, U.singet und Süssert. ,

In der um 9 i/a Uhr eröffneten Sitzung wird die Spezialberatung des Etats

m Gruppen, Ringer, Faustkämpser, Wagenlenket u. s. w. werden nach und nach sichtbar. Alle mit Zweigen von der Silberpappel bekräiizl. Wem wird gereicht, Musik ertönt, das Fest beginnt/ Davon wat doch nur seht wenig wahtzunehmen. Die Stimmung der Todeshochzeit am schimmetnden Atlar in der letzten Szene wat aui besten getroffen. Hervotgehoben zu iverben verdienen auch bie prächtigen Kostüme. Giiuelnc Mängel m ber Regre waren nicht zu übetsehsn. Asim z. B. von Spiegeln bie Rede ist, so muhen solche zur Stelle fein. Unb wenn die Königin schalidert vor dem hellen Licht, ba§ aus bem Garten bringt, dann bars sie md)t aus ihm erscheinen; kommt sie boch, bet ganzen Situation gemäß, aus dem ScDlaigemad). Und wahrscheinlich bricht auch m Lydien nicht bie Nacht auf bas Kommanbowort eines Königs herein, ebenso wenig wie ber sie begleitenbe Alocbust mit den Augen zu juchen ist.

Doch das siiid schließlich alles Kleinigkeiten. Die Kraft und ber Wohllaut ber Sprache, bie vorn Dichtet mit strenget Logtk dirrchgemhrlen Gljavaftere teilten sich von ber Bühne aus bem lauschenden Piiblikurn zur Andacht stimmend mit.

Die Darstellung war allerdings noch nicht ganz fertig und aiiSgeglichen und nicyt auf der Höhe, die er|t durch Wiederholungen erreicht werben kann. Tie Dichtung bietet den Darstellern überaus schwierige Slugabm unb stellt bie allerhöchsten Forderungen. In Hebbels Riesengeiste ganz zu atmen, vermag nicht, wer vom hilfs­bereiten Musd)elkaslengeiste abhängig ist.

Tie tragende Rolle des Stückes ist die bcr Rhobope. Der Dichter zeigt uns eine orientalische Wunberblume von holbester Zartheit, eine Frau, bie nicht nur zu träumen liebt, sonbern bie selbst em Traum ist. Diese erste, größte Bedingung vermag Helene Ad)tetbetg nicht zu erfüllen. Dazu ist sie zu robust, zu handfest, zu sehr Ueberiueib, mehr Brundhild und Aiebea. Den mystischen Ziig zum Ausdruck zu bringen, ber bie mit Eisenkelten an ihrer Märchenhcimat Satzuugeii Gebunbene umwittert, ilt ihr also nicht gegeben. Von einer anderen, pattiarchattscheren Rasse als ber Lyder und der Grieche, muß fie zuscm auch anders er- scheineli, sie bars nicht rote unb weiße Wangen haben, sie muß gebräunt sein, Weib unb Königin von Sonnenaufgang, ein Kind des Landes der Lotosbttmien Hiib Aiimoseii, kein Europa nahes Jn- blvlbuum. Und dock) war ihre Rhobope in bet Hauptsache keines­wegs unglaubhaft. Sie gibt fie kräftig und energisch. Rus ur­alter Kultur kommt weltenfern und ireubcidern ihr dusteres Wort. Sie ist die strenge Hüterin des durch Ahnenttabitton Sanfiioniertcn. So setzte sie den« mit sacksien, verjonuenen Tönen em. Tann, wie das Weib im innigsten Empfinden getroffen, wankt und zweifelt, verzweifelt, wie sie ihre aus ben Fugen gegangene Welt wieder ein- venteu will mit ber blutigsten Tat und Opferung, ba gab Fräulein Achterberg mit ihrer klugen Darstellung, bie Durchdachtes nach- zuschaffen weiß, unb schöner, maßvoller Leidenschaft eine macht­volle Leistung, im letzten Akt ein einbriickvottes Bild fchmerzlichet Hoheic.

Den GygeS gab Roden kraftvoll und frisch, vielleicht nicht ganz mit der stolzen Sprödigkeit dieses edlen Griecheiijünglings. Er durchgluhre aber die Aufwallungen, war im Affett hinreißend. Lobernde Begeist<;rimg, innige Liebe, die Bekenntnisse treuer Freund- sck>aft unb dre lauten Selbslairklagen schienen aus Boden wahret Empftnbung hetauszuwachsen. Freilich roog ch bis­weilen zu seht im rilang bet Verse. Hebbels epigramnuugche und

Gieszetter St«^LLHecrter.

Gytzes und fern Nirrg.

Eine Tragödie in 5 Akten von Frdr. Hebbel.

Ibsen, bet große Seelenzergliedeter, soll einst in ungläubig- irvhen Zweiseln gefragt haben, was beim bie Deutschen so an ihm länben; sie hätten doch Hebbel. Doch die Deutschen fangen erst seit licht viel länger als einem Jahrzehnt an, Hebbel zu besitzen. Ucbev dos geisteSscharfe Werk JbsenS ging erst für bie meisten der Dieg zu dem um Jahre älteren, nun schon seit 45 Jahren unter der Erbe ruhenden urgeiualtigcu Dithmarschen. Ibsen lehrte uns, das Symbolische hinter den äußeren Vorgängen leichter zu sehen und darin das Bleibendc. einer Dichtung zu fiitben.

Herobot erzählt, ber Lybierkönig Kandaules habe im 7. Jahr­hundert v. Ehr. seinem Günstlinge Gygcs seine Geniahlin in ihrer hüllenlosen Schönheit gezeigt. Tie ob dieser Ehrverletziing Erzürnte habe den eiiiziicktcn Beschauet vor die Wahl gestellt, ih.en Gemahl zu toten und an seine Stelle zu treten, ober felbst mit dem Tode zu büßen, worauf et bas erstere vorzog. So sei Gygcs auf ben mdischen Thron gelangt und Habe sich lange Zeit looljl darauf vesunden.

Äus dielen Umrissen, dieser Aiiekdote, die schon auf Grund EMeS Plotoschen Märchens ben Bänkelsängern Griechenlands zu dreisten Couplets gewährte, schuf Hebbel eines seiner Allsten Werke voll tiefet Menschheitsperfpetlivcn. Et füllte seine -^icgtung mit seiner eigenen rauhen Keiischheit unb schenkte UNS oas hohe Lied von der Keiischheit der Fran, die Tragödie von der uverinäßigen Frauenscham, die Tragödie von der übermäßigen ^annerireunbschaft. Tas Tiefste und Traurigste über männliche vreundschasi findet man in dieser Dichtung das Modernste ebeiiialls I Zerstört bock) ber Tlchter aufs grünblichste bie oder- t* te "'Ebizuusche Deutung, nach der man in jedem sdiwärine- nschen Seeienbülidnrs ziveicr Fremide einen Tropfen verbotener troht wittern müsse.

Hebbels TragödieDygeS imb sein Ring" spielt, um ein ^iaeterlw.cksches Wort zu gevrauchen, ganz in ber Lllmofphare der "le. eie hebt wie em orientalisches Blütchen an.

. Kanbanies, bet lybische Scheiii-KrösuS, birgt den Schatz uber- lejevter eilte in ber schönsten unb keiischeslen Frau, auf bereu ""z vor den Singen des Gatten mir baS Balerange geruht Hal "Nb die keinem anderen Manne sich entschleiern will, 'huf biesen

ift der König stolz, wenn er anch ben Sinn der übertriebenen eyu als veraltet' erkennt. Er iuill mit bcr Torheit brechen, die mcherliche Tradition in die dunkelste Ecke bcr Rüstkammer werfen. 7°$' Nicht ganz unähnlich Ibsens Gregers Werte, wenn 9n^it UOk Hn&Icicl) gigantischeren Timensionen, von ungleich groverer ^ettauffassung, als em Mann, der das herembrechende Vtcue merhin ahnend vorbereiteii taim, ist er znm Reformator nicht ge­braucht'' tpäl fommt Einsicht, baßbie Welt ihren Schlaf

...Die müde Welt

Ist über diesen (nichtgen) Tingeii eingesmlafen Und halt sie fest. Wer sie ihr nehmen will, Der weckt sie auf. Drum prüf' er sich vorher, er auch stark genug ist sie zu binden,

Wenn sie, halb wachgerutlett, um sich schlagt, unö reich genug, ihr Höheres zu bieten, hsenn sie ben Taub unwillig fahren läßt.*

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