Ausgabe 
14.2.1908 Zweites Blatt
 
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Der Verband der Berliner Spezialgeschäfte hat die durchschnittliche Benutzung des Fernsprechers statistisch fcstgestellt.

Es hat sich eine Durchschnittsbcuützung von 40 Gesprächen er­geben. Danach würde dann ein Angehöriger dieser Spezial­geschäfte zu zahlen haben 486 Mk. für Einzelgespräche und außer­dem noch die doppelte Grundgebühr 200 Ml. Das ergibt einen Gesamtbetrag von 686 Mk. (Hort, hort!) Tas ist eine Ver­teuerung um 285 Prozent. Der gewerbliche und kauf­männische Mittelstand würde aufs schwerste durch eine derartige Reform getroffen werden. Es wird gesagt, die Tele- vhoninhaber könnten sich die Benützung des Telephons von anderer Seite mit 10 Pf. pro Gespräch vergüten lassen. Kolonialwaren- Händler, Blumenhändler, Lebensmittelhändler und nicht zuletzt Gastwirte können dies nicht tun, sonst verlieren sie ihre Kundschaft. 20 Prozent der Anrufe sollen nach der Denkschrift unnötig sein. Glaubt man denn aber diese unnötigen Anrufe durch die Reform beseitigen zu können? Fiskalische Grunde sollen auch nichts mit- svrechen. Eine Million soll die Reform nur mehr einbringen. Und wegen dieser einen Million eine derartige Erschwerung des Verkehrslebens I Erschwerungen des *23 e rkehrs- lebenS haben immer E i n n a h m e a u s f ä l I e ge­bracht, dagegen Erleichterungen im Verkehrsleben im^er eine Einmchmasteigerung. Die Reform trägt einen durchaus klein­lichen Charakter (Sehr richtig! IinT3), der nicht vereinbar ist mit den hohen Aufgaben der Postverwaltung als Pfteger'n und Fördrerin des Verkehrs- und Wirtschaftslebens.

Nun zu den Beamtenfragen. Auch ich frage: Wie sieht e5 mit dem Beamtenbesoldungsgesetz? Wann geht eS dem Reichs­tag zu? Die Unruhe draußen in der Beamtenschaft ist ganz berechtigt. Sie warten seit Jabren auf die verwrockenc Gehaltserhöhung. Herr Twele erklärte in der Kommission, die Reichsregierung habe selbswerständlich ein Interesse daxan, die Vorlage bald fertig zu machen. Diese Aus­kunft ist wenig tröstlich. Geschieht diese Vcrch'crung vielleicht aus Rücksicht auf die Verhältnisse in Preußen. Will man dem Reichstag das Gesetz nicht eher zugehen lasten, bis nicht die volle Harmonie mit Preußen hergestellt ist? Wir haben im Reiche keine Vsranlastung, Rücksicht auf Preußen zu nehmen. ES zeigt sich wieder, wie unrichtig das Wort ist: Preußen in Deutschland voran. (Beifall links.) Wenn wir keine Rücksicht auf Preußen nehmen, so folgen wir damit einem sehr hohen Vorbild. Wir folgen dem Reichskanzler, der ja auch den preußischen Ministerpräsidenten seine eigene Politik treiben läßt, wie wir zu unserem schmerzlichen Be­dauern erst gestern und vorgestern im preußischen Abgeordneten­hause aus den Erklärungen des Ministers Holle entnehmen mußten. (Sehr richtig! links.)

Die Ausführungen des Kultusministers haben nicht nur in allen liberalen Kreisen Deutschlands, sondern auch bei den Freikonserva­

tiven daS tiefste Bedauern hervorgerufen. Wenn Preußen nicht Rücksicht nimmt auf das Reich, dann braucht sich auch das Reich nicht um Preußen den Kopf zu zerbrechen. (Beifall links.) Wir hoffen, daß das Beamtengesetz ohne Rücksicht auf die neue Finanzreform noch vor Ostern dem Reichstage zugeht. Wenn das Geld nicht vorhanden ist, dann muß man die Matrikularbeiträge erhöhen. Und haben die Einzelswaten kein Geld, dann mögen sie sich es stunden lassen. Vielleicht lassen sich dann die steifbeinigen Finanzminister der Einzelstaaten . schon durch das Vorhandensein der Schuld eher _ zu direkten Reichssteuern veranlassen. Der Redner bedauert, daß _bie Konser­vativen sich verschiedenen Beamtenkategorien gegenüber schon schriftlich auf gewisse Gehaltssätze gebunden hätten. Täten die Freisinnigen das, so würde man gleich von einem demagogischen Gebühren sprechen. «Sehr richtig I links.) Sehr wichtig ist die Frage der Personalreform. Dieses ewige Experimentieren hat zu Enttäuschungen und zu einem gut Teil berechtigter Unzufriedenheit in den betroffenen Beainten'weisen geführt. Auf die höhere Laufbahn wird Eickhoff näher eingehen, aber ich erkläre schon jetzt, wir wünschen daß die bisherigen Beamten durch die Per'onalreform nicht etwa irgendwie in ihren Rechten, ihrem Range unb_ in ihrem Titel zurückgesetzt werden. (Zustimmung.) Die Erklärung des Staatssekretärs, daß jede ungleiche Behandlung vermieden werden soll, beseitigt ja zum Teil die Befürchtungen, aber ich fürchte, ich fürchte, in späleren Jahren wird doch die Scheidung zwischen den Postbeamten mit dem dreijährigen Studium und den anderen kommen. Berechtigt sind die Wünsche der Eleven, die im Rundschreiben und in der Denkschrift uns mitgeteilt sind. Bei ihrer Audienz soll der Staatss.'lretär ihnen gesagt haben, die Informierung der llt e i ch s t a g S a b g e o r d n e t e n sei wohl, ihr gutes Recht, aber dann Hab2 er ihnen nichts mehr zu sagen. (Hört! hort!) Das ist ein Fall, der uns alle gleichmäßig hier im Reichstage interessiert. (Sehr wahr!) Wir haben alle Ursache, diese Stellungnahnw des Staatssekretärs zurückuiweisen. (Bei'all.) Die Beamten haben daS Recht, an uns heranzutreten, und wir haben das Recht und bie Pflicht, ihre Darlegungen und Wünsche entgegenzunehmen. (Beifall.) Nur so können wir uns über die Hunderte von Beamtenkategorien infor­mieren, und diese Rücksprache mit Abgeordneten ist autz ein Sicherheitsventil dagegen, daß die Unzufriedenheit im Stillen lveiterfrißt. (Beifall.)

Der Staatssekretär hat den Eleven bei der Audienz es ge- wissermahen zum Vorwurf gemacht, chaß sie sich auf den Verband der deutschen Post- und Telegraphenassistenten berufen hätten, also auf eine Nachgeordnete Beamtenkategorie. Gerade diese Einmütig­keit in der Beurteilung der Frage' ist ein erfreuliches Zeichen. D e r K a st e n g e i st u n d d i e A b s o n d e r u n g n a ch S t u f e n hat in der Postbeamteuschaft schon viel zu weite Fortschritte gemacht. Ich habe eine Mitteilung erhalten, daß der Staatssekretär die Blätter für Post und Telegraphie" als ein unanständiges Blatt

bezeichnet hat und daß er im Anschluß daran den Beamten eröff­net haben soll, daß, wer die Zeitung halte, auf Beförderung nicht zu rechnen habe. (Hört! Hört!) _

Den Unterbeamten ist es nicht gestattet. Verbände über das ganze Reich zu bilden. Das ist ein Fehler. Sie haben ge­meinsame wirtschaftliche Interessen an gemeinsamen Kaffen. Aber wir wollen ein Organisationsrecht, aber nicht ein Streikrecht für die Beamten. Tas Wohl des Ganzen muß die Grenze bleiben für die Bestrebungen der Beamten. Tre Erfahrungen der letzten Jahre in Oesterreich-Ungarn, Italien und Rußland habe uns darin nur bestärkt. Aber die Beamten denken in ihrem Pflichtbewußtsein auch gar nicht daran.

Kopsch erklärt sich namens der Freisinnigen gegen die Reso­lution über den Schalterschluß. Tie Post hat in erster Linie dem Handel und Verkehr zu dienen, Schabionisieren ist da unheilvoll. Dem vom Abg. v. Gamp eingebrachten Antrag über die Einfüh­rung von O st m a r k e n z u l a g e n können wir in dieser Form nicht zustimmen. Wir wollen den Beamten ihre Mehrarbeit in den gemischtsvrachigen Provinzen vergüten, darüber hinaus nicht. Hoffentlich gelingt es, dem Antrag eine Fassung zu geben, die unsere Bedenken beseitigt. Der Resolution der Wirtschaftlichen Bereinigung über das O r t § v o r t o werden wir zustimmen, fürchten aber, daß sie nicht die Mehrheit findet. Dir behalten uns vor, einen Antrag einznbringen auf Ermäßigung des Portos der Ortsvostkarten auf 3 Pf. Damit werden die finanziellen Be­denken erledigt.

Staatssekretär Kractkc:

Bei der Audienz der Postdirektoren habe ich ganz am Schluffe erfahren, daß sie die Sache für die Abgeordneten drucken lassen wollten, und da sagte ick: Denn Sie Ihren Chef um Audienz bitten, dann müffen Sie auch das Vertrauen zu ihm haben, und das haben Sie nicht, hxnn Sie gleichzeitig eine Aktion bei den Abgeordneten macken. (Lebhafter Widerspruch.) Jawohl, das nehme ich für mich in Anspruch. Ich bin jedem Beamten zu­gänglich und höre seine Wünsche an. Jeder hat das Recht, sich an die Abgeordneten zu wenden, aber nicht gleichzeitig, wenn er mich um Audienz ersucht. (Lebhafter Widerspruch, Ruse: Warum nicht?) Das ist meine Auffassung. (Lachen.) Beider Audienz der Postsekretäre habe ich deshalb von Anfang an schon danach gefragt. Ter Staatssekretär äußert sich über die Bestrafung des R-dakteurs derDeutschen Postzeitung". In einem Organ für 34 000 Beamte darf der Chef der Verwaltung nicht herunter­gesetzt und grob behandelt werden. Tas dulde ich nicht. Ich möchte bitten, daß Sie recht vorsichtig sind und nicht dazu beitragen, die Disziplin zu untergraben. Ich bin fein Freund von Strafen, wenn ich aber strafe, strafe ich streng. Spielen lasse ich n t d) f mit mir.

Weiterberatung Freitag 1 Uhr.

Schluß 6% Uhr. 7*

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 13. Februar 1906.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller, Georgi und Heyligenstaedt, die Stadtverordneten: Dr. Biermer, Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Gabriel, Grünewald, Dr. Gulfleisch, Habenicht, Dr. Habertorn, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Plank, Schaffstaedt, Simon, Troß, Dr. Wimmenauer und Winn.

Mitteilungen.

, Ter Vorsitzende teilt mit, daß das Ortsstatut über die 'Kanalgebühren mit dem 1. Februar in Kraft getreten sei.

Von der Probefahrt des T ampf er 3Gießen" liegt ein Gruß des Dr. Zinßer vor. Auch Stadtbaumeister B r a n * bach hat einen Postkartengruß aus Südwestasrika geschickt und dabei mitgeteilt, daß er bei günstigem Verlaus der Expedition am 27. Atärz wieder in Gießen eintreffen werbe.

Ein hiesiger Bauunternehmer hat kürzlich in Gegenwart meh­rerer Personen den Oberbürgermeister beleidigt. Er wollte zu­nächst die Sache auf sich beruhen lassen, erhob aber Klage, nachdem sich die Sache herumgesprochen hatte. Vor der Schösfengerichtsverhandlung erbot sich der Beklagte dann zur Zurücknahme und tat dann dies auch, inbem er die Belei­digungen bedauerte und als völlig unbegründet erhoben hinstellte und eine Buße von 100 Mk. zum Besten der Armenpflege be­zahlte.

Der Schutzstreifen bei der Irrenanstalt, der die Stadtverordneten-Versammlung schon mehrmals beschäf­tigt hatte, stand heute abermals auf der Tagesordnung. Stadt­verordneter Dr. Biermer erstattete dazu im Namen der ju­ristischen .Kommission an Land der Akten ein Referat, in dem er festftellte, daß der Anspruch der staatlichen Bauverwaltung auf den Besitz des Dolzes berechtigt fei. Dagegen sei das Holz von der Bauverwaltung gefällt worden, bevor die Stadt ihre Genehmigung dazu gegeben habe, und damit eilte Vertragsver­letzung begangen worden. Tie Kommission schlage nunmehr folgen­den Zusatzantrag vor, der mit dem Staat abgeschlossen werden soll. Tie Stadt ist grundsätzlich einverstanden^ mit dem Abholzen, jedoch ist der Staat verpflichtet, den Schutzstreifen jederzeit so im Stand zu halten, daß jeder Einblick in die Anstalt ver- hiudert wird. Die Stadt laßt ihren Anspruch auf das Holz fallen, legt aber gegen das eigenmächtige Vorgehen der Bau- verwaltung beim Fällen der Bäume Verwahrung ein. Tie Versammlung stimmt diesem Antrag einstimmig zu. Stadtv. Dr. Biermer stellt noch fest, daß der Vorsitzende in der ganzen Angelegenheit ordnungsgemäß verfahren habe.

Die Ausstellung der Gastwirte.

Wie schon früher mitgeteilt wurde, hat der Gastwirteverein den Wunsch ausgesprochen, daß ihm für seine Ausstellung erforderlichenfalls ein Teil von Oswaldsgarten überlassen werde. Tas hat sich inzwischen als nicht erforderlich 'herausgestellt. Ter weitere Wunsch des Gastwirtevereins, daß ihm das zu den Bauten erforderliche Rundholz zu den bei sonstigen Veran­staltungen gestellten Bedingungen überlassen werden möge was von der Deputation befürwortet wurde, hat sich in­zwischen- dadurch erledigt, daß der Verein das Holz auf an­derem Wege beschafft. Mit dem weiteren Ansinnen der Aus­stellungsleitung, daß die Stadt einige Medaillen zur Preisver­teilung stiften möge, hat sich die Fii.anzdeputation nicht befreunden den können und beantragt Ablehnung, namentlich der zu be­fürchtenden Konsequenzen halber.

Stadtv. Troß spricht sich unter Hinweis auf andere Städte für die Stiftung einiger Ehrenpreise aus, ebenso Stadtv. Eichenauer, der nochmals für die Beschaffung einer Aus- stellungsmedaille eintritt, weiter die Stadtvv. Huhn und Lö­ber. Auf des letzteren Antrag wird sodann beschlossen, 100 Mark für Geldpreise zu bewilligen und die nähere Bestimmung für die Verteilung der Preise dem Gastwirteverein zu überlassen.

Die von dem Gastwirteverein gewünschte Beteiligung der Haushaltungsschule an der Kochkunstausstellung wird un­ter der Begründung abgelehnt, daß die Schule nach ihren Zielen nichts mit den von der Ausstelluirg verfolgten Zielen zu tun habe.

Schulangelegenheiten.

Tie Rechnungen des Real-Gy mnaf ium3 und der Oberrealschule für 1905 und lUDu, die den bereits früher vorgelegten Ueberschüssen entsprechen, werden genehmigt.

-^ie Turnhalle des Turnvereins an der Steinstraße Realgymnasium uird der Oberrealschule wöchentlich sechs Stunden benutzt, was mit der erheblich gewachsenen Schüler­zahl beider Anstalten begründet wird. Tie vom Turnverein dafür geforderte Miete von monatlich 75 Mk. wird gutgeheißen.

Trotz der Erhöhung des Schulgeldes an der höheren und er werter ten Mädchenschule liegen für beide Anstalten zahlreiche Neuanmeldungen vor, so daß eine Trennung mehrerer Klassen gedacht werden muß. An der höheren Mädchenschule sollen dre dritte, von 48 Mädchen besuchte und die fünfte, von 51 Schülerinnen besuchte Klasse neu geteilt werden, während orc 6., J. und 10. Klasse schon geteilt sind. An der erweiter- ten Dcadchenichule soll die vierte Klasse, die 48 Schülerinnen zahlt, geteilt werden, nachdem im vorigen Jahr bic fünf! , von 66 Schülerinnen besuchte Klasse geteilt worden mar Tie Versammlung ist damit einverstanden, ebenso mit der Bo

schafsung der dadurch erforderlichen Lehrkräfte: ein Lehramts­assessor mit der Lehrbefähigung im Deutschen, ein Schulverwalter und eine Schulverwalterin mit der Lehrberechtigung für höhere Mädchenschulen.

Stadtv. Habenicht bringt die unzweckmäßige Installation der elektrischen Beleuchtung zur Sprache, durch die eine Masse Licht verschwendet werde. Sobald nur ein Mensch das Haus betrete, seien zur Beleuchtung 20 Lampen erforderlich nsw. Auch seien die Bogenlampen sehr schlecht, da ihr Licht außer­ordentlich vibriere.

Beig. Georgi hält diese Mitteilung für außerordentlich dankenswert und beantragt, daß das Elektrizitätswerk sofort Mitteilung über die Art der Installation machen soll. Auch Stadtv. Löber verlangt sofortige Nachforschungen über die Sache.

Der Vorsitzende sagt dies zu.

Bei der Knabenvolksschule ist die 8. Stufe in vier Klassen geteilt und jetzt wird auch die Teilung der 7. Stufe in vier Klassen erforderlich. Bei der Mädchenvolksschule, bei der die 7. Stufe bereits in vier Klassen geteilt ist, muß dies nunmehr für die 6. Stufe geschehen. Beides soll geschehen.

Auch die H i l f s k l a s s e muß nunmehr geteilt werden, da sie jetzt von 42 Schülern besucht wird, was bei dem hier be> soitdcrs individuell zu gestaltenden Unterricht zu viel ist. Tie neue Hilfsklasse soll den Lehre,: K. Schmidt I. erhalten. Die Versammlung ist damit einverstanden.

An der Volksschule hatte man hauptsächlich auf Veran­lassung des früheren Kreisschulinspektors Tr. Lucius 1902 das sog. Rektorensystem eingeführt. Seit der Beurlaubung d^s Rektors Hahn hat man provisorisch die Schulleitung zwei Haupt­lehrern übertragen und es wird jetzt vorgeschlagen, wieder sum Hauvtlehrersystem überzugehen. In den an- oeren hessischen Städten, bei denen man Umfrage hielt, ist die Sache verschieden geregelt. Mainz hat z. Zt. Hauptlehrer, wünscht aber das Rektorensystem, in Darmstadt und Offenbach hat man Hauptlehrer und ist mit der Einrichtung zufrieden, während Worms mit dem Rektorensystem gute Erfahrungen ge­macht hab Professor Tr. Lucius, der ebenfalls unt seine An­sicht befragt wurde, hat sich nunmehr weder für das eine oder das andere System ausgesprochen. Es sollen zwei Haupt- lchrer je einen für die Mädchen und Knaben bestellt werden, da die jetzt den Dienst versehenden Herren erklärt haben, daß dies ausreichend fei, wenn auch die Klassen sich in verschiedenen Gebäuden befinden.

Stadtv. Jann, der schon 1902 gegen das Rektorensystem sich aussprach, ist mit der Rückkehr zum Hauptlehrersystem ein­verstanden, wünscht aber für jedes Schulgebäude einen Haupt­lehrer, also im ganzen drei. Ter Verkehr zwischen Schule und Haus sei jetzt lebhafter als früher, deshalb sei es ratsam, daß der Hauptlehrer stets an einer bestimmten Stelle anzu­treffen sei. Auch würden die Kosten dadurch nicht oder nicht erheblich höher.

Stadtv. Heichelheim pflichtet dieser Ansicht bei, zumal sich die Hauptlehrer, wenn sie nicht soviel mit Verwaltungs­geschäften zu tun hätten, mehr am Unterricht-Erteilen betei­ligen könnten, tvas durchaus wünschenswert sei.

Aus Antrag des Beig. Georgi erklärt sich die Versamm­lung mit der Rückkehr zum Hauptlehrersystem einverstanden. Tie Zahl der Hauptlehrer soll . in der nichtöffentlichen Sitzung bei der Beratung der Besoldungsordnung beschlossen werden.

Hauptlehrer Knauß hat den Anschluß des S ch u l h a u s e s an der Nordanlage an das Telephonnetz beantragt. Cs würden dadurch eine große Anzahl Gänge zur Bürgermeisterei usw. gespart und bei dem häufigen Fehlen von Schülern der Fortbildungsschule seien telephonische Ermittelungen über ihren Verbleib sehr zweckmäßig.

Stadtv. Dr. Biermer, Beig. Georgi und Stadtv. Lö­ber halten den Telephonanschluß für überflüssig, während Stadtv. Krumm sich dafür ausspricht. Bei der Abstimmung wird der gewünschte Anschluß mit 17 gegen 16 Stimmen ab­gelehnt.

Für die Beschaffung von Schriften über den wei­teren Lebensweg für ©d)üler der Volksschulen wird Ein­stellung von jährlich 30 Mk. in den Voranschlag beantragt. Es liegen solche im Verlag der Abeggstistimg der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung vor, die von Stadtrat Professor Kalle in Wiesbaden herausgegeben wurden. Das 16 Seiten starke Heft soll im Ankauf einzeln 10 Pfg. kosten, 25 Stück 2.25 Mk. und 100 Stück 6 Mk. Eine Festlegung auf bestimmte Schriften soll nicht erfolgen und die Verteilung schon im Jahre vor der Entlassung aus' der Schule vvrgenommen werden.

Stadtv. Grünewald ist außer Stande, über die Sach« sich zu entscheiden, bevor er die Schriften gesehen hat und bittet für heute um Absetzung.

Stadtv. W i n n meint, man solle über die Auswahl später Beschluß fassen.

Stadtv. Tr. Biermer meint, man könne über die Sache heute schon abstimmen. Stadtrat Kalle sei auf diesem Gebiet hinreichend bekannt, so daß man ohne weiteres zustimmen könne.

Stadtv Krumm ist für die Bewilligung des geforderten Betrags, »rill 'aber der Auswahl nicht unbesehen zustimmen.

Auch Stadtv. Grünewald ist prinzipiell für die Be- willrgung. Man solle aber den Schulern die Schriften nicht

geben, ohne sie sich genau angesehen zu haben. Tie Sache sei eine Gewissensfragc, deshalb dürse man sich nicht auf Autori­täten verlassen, sondern sie selbst prüfen.

Der Vorsitzende bemerkt, daß die Auswahl dem Schul­vorstand überlassen bleiben müsse.

Auf Antrag des Stadtv. Haubach wird Vertagung der Position beschlossen.

Die Vergütung für die Badediener bei den Volks­schulen soll nach den Beschlüssen der Deputation neugeregelt werden. Für das dritte Schulhaus wird eine Vergütung von 300 Mk. bewilligt.

(Schluß folgt.) *

** In der nichtöffentlichen Sitzung wurde die Satzung über die D ien st Verhältnisfeder st ädtifchenBeam ten und die Vorlage über ihre Gehaltsverhältnisse beraten, aber nicht zu Ende geführt. Tie Fortsetzung wird in der nächsten Sitzung erfolgen.

Kleine Tageschronik.

In dem Saale eines Gasthofes in Teutsch-Luppa bei Oschatz (Sachsen , wo ein Maskenball stattfand, entstand durch die Explosion einer Petroleumlampe ein Brand, der die Dekorationen und die Möbel ergriff. Es brach eine furcht­bare Panik aus, bei der mehrere Personen schwer verletzt wurden.

Ter Gastwirt Dardenne, einer ber bei dem Eisenbahn­unglück auf der Sttecke Spaa-Landen verletzten Passa­giere, der vurch seine Aussagen Verdacht ertveckte, daß er zu 5em Eiseitbahnsrevel in Beziehungen gestanden habe, hat sich erschossen. Eine bei ihm vorgenommene Haussuchung ließ den Verdacht gerechtfertigt erscheinen. Dardenne bestieg den Zug auf der 400 Meter vom Unfallorte entfernten Station Overnas. Vor kurzem hatte Dardenne als Entschädigung für den kleinen Eisenbahnunfall 400 Franks erhalten. Er hoffte vermutlich, bei der zu erwartenden Zugentgleisung eine Ver­letzung zu erleiden, die ihm den Anspruch auf eine große Ent­schädigung geben würde.

Zwischen Ljublin und Janow (Polen) wurde ein Post­wagen von Räubern überfallen. Der Postillon und fünf Soldaten, die den _ Wagen begleiteten, wurden von beit Räubern getötet, zwei Soldaten wurden verwundet. Ten Räubern, denen 10 000 Rubel in die Hände fielen, gelang es zu entkommen.

tzvaugellfche Wcareruvc.

Sonntag den 16. Februar 1908. Septuagesimä.

Hotle^dtenü.

Ju der Stadtkirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser.

Abends 5 Uhr: Siehe Iohanneskirche.

Montag den 17. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der fonfirnüerten weiblichen Jugend der Matlhäusgemeinde.

Mittwoch den 19. Februar, abends 8 Uhr: Bereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Martusgemeinde.

Donnerstag den 20. Februar, abends 8 Uhr, im Matthäus- saal: Bibelstunde. (Offenb. Johs., Kap. 21.)

Pfarrer v. Schloss er.

In der Iohanneskirche.

Vormittags 9/9 Uhr: Pfarrer Ausfetd.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Ansteld.

9lbe»b5 5 Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.

Abends 8 Uhr im Konfirmandensaal: Versammlung und Bibel­besprechung.

Dtonlag den 17. Februar, abends 8 Uhr, im Konfir­mandensaale der Iohanneskirche: B i b e l st u n d e.

Pfarrer A u S f e l d.

Katholische Genreinde.

SamStag den 15. Februar:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 16. Februar, Sonntag S e p t n a g e f t >n a.

Vormittags von 6*/? Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr; Die erste heil. Btesse.

, unt 8 Uhr: Die zweite heftige Bteffe.

Mililärgottesdienst mit Predigt.

um 9l/2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 5 /, Uhr: Sakramcntalische Bruderschafts-Andacht. Abends um 73/* Uhr präzis in Stein's Garten: Famllienabend der kathol. Genieinde. Vortrag des Herrn Lehrers Schorn aus Mainz überEinfluß und Bc- deuiung der Lektüre"; darauf: Syra, die christliche Sllavin, Schausoiet in 6 Akten von Dr. Faust. Tie ganze Gemeinde ist freund­lichst eingeladen.