Nr. 38
Freitag, 14. Februar 1908
Erschein! tLgNch mti DuSnahms des Sonntags.
Durch Denunziation!)
158. Jahrgang
Die ^Gtetzener Zamiltenblätter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgelegt. das „Kretsblatl fßi den Kret« Gießen" zweimal wöchenUrch. D« ^heffiiche Landwirt" erschemt oionailtd) einmal.
Notation8druck und Oertag bei Br üblichen Untocrfliäts - Buch» ant Gr»trwrackeret.
ÖL ß e a 8 e, D'etzen.
direkte Anzeige. (Zuruf bei den
Abg. Singer (Soz.) t
DaZ Eintreten des Vorredners für die Wünsche der Unterbeamten zeigt, daß er unsere Reden aus all den Jcckrcn mit Erfolg gelesen hat. (Gelächter.) Die Einsicht in bei Frage des O r tsportoö für Postkarten usw. ist den Herren Ich >' zu spät gekommen Ein Verkehrs unrecht kann nicht früh . . ...g toicbct gut gemacht werden. Ueberhauvt muß gegenüber dem Lob- Gesang des Vorredners festgestellt werden: eine verknöcherter«, bureaukratischere Verwaltung als die jetzige Postverwaltung gibt es in Deutschland nicht. Nichts als FiSkalismus. nu-r Verteuerung I So auch jetzt wieder die Telephongebühren- reform. Hoffentlich verzichtet der Reichstag jetzt Sin für allemal, der Neichspostverwaltung die Freiheit der Gebührenfestsetzung zu geben.
Singer geht auf die Frage des Koalitionsrechts ein. Charakteristisch für die Auffassung des Staatssekretärs ist fein A°rt aus der Vudgetkommission: „Vereinsmeierei".
Beamten haben außerdienstlich dieselben Rechte wie jeder andere Bürger. Der Staatssekretär hat im Lause der Jahre eine rmmer schroffere Haltung eingenommen, man vermißt gar nicht mehr den General an der Spitze der Verwaltung.
Redaktion. Expedition anb Druckerei« 6cf)ul* stratz« 1 ErvediNon an£ 'Hering fcssi 6L IReöaftionie^sj 112. ieL-Slhu. 2Injetoa^wbetu
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefien
für Beamte und Unterbeamte gleichmäßig etwa sechs Millionen Mark, zur Durchführung der Sonntagsruhe an Beamte 90 400 Mark und an Unterbeamte 3 200 000 Mk. Unsere soziale Fürsorge wird also nicht verschieden abgemessen. Wir vernachlässige n d i e U n t e r b e a m t e n nicht. Die Auffassungen des Herrn Singer teilt kein Untcrbeamter. Sie sind vollständig davon überzeugt, daß die Verwaltung in erster Linie für sie wirkt. Ich habe bei meinem Amtsantritt sofort zu erkennen gegeben, daß eS in erster Linie meine Aufgabe sein werde, für bie Unter- beamten zu sorgen, und daran habe ich festgehalten. (Beifall.) Wir zahlen keine schlechten Löhne. Wenn Herr Singer uns hier eine schlechte Statistik vorgeführt bat, so kommt das daher, daß er die Aushelfer, die nur zwei bis drei Stunden täglich beschäftigt werden, nicht besonders berücksichtigt bat. Die Sonntagsarbeit bringt die Notwendigkeit solcher AuShelfer mit sich. Dadurch geht der Durchschnitt zurück. In Wirklichkeit zahlen wir ortsübliche Löhne. Mehr ist nicht nötig. Was die G e l d b e- st e l l u n g e n anlarigt, so werden die Vorteile, die durch die Aufhebung der Sonntagsbestellung sich ergeben haben, auf das cmnze Personal verteilt. Wunderbar ist es mir — aber eigentlich sollte ick mich bei Herrn Singer nicht darüber wundern —, daß er mich als rückständigen Menschen bezeichnet. Er '"aat einfach zu mir: Du bist doch für den Verkehr da und sorgst nicht dafür; wir macken mit Dir lehr schlechte Erfahrungen; wenn Du mit einer Reform kommst, so gibt's immer eine Verteuerung! Ich habe mich mit dem Handelstag, dem deutschen Land- wirtsckaftstag, dem Handwerkert.ia und den Industriellen in Verbindung gesetzt. Ick habe mir ibr Urteil erbeten, mehr kann ich nicht tun. Es entspricht ganz meinen Wünschen, wenn dort, wo die Verhältnisse es gestatten, die Postanstalten früher geschloffen werden. Ich muß mich aber nach den Bedürfnissen beS Verkehrs richten. Ich möchte bei derartigen Wünschen aber davor warnen, sich auf bestimmte Tage festzulegen, für die ein früherer Schalterschluß gewünscht wird.
Ob ber, Abg. Dröscher so ganz genau über die Verhält- niffe der Postbeamten unterrichtet ist, weiß ich nicht. Ganz int Interesse der Beamten möchte ich die Herren bavor warnen, gleich immer alles zu verallgemeinern. Es wäre ja sehr einfach, alle Wünsche der Beamten zu erfüllen, es muß aber in. erster Linie entscheidend fein, ob wirklich ein Bedürfnis vorliegt. Ick kann nun nicht mit einem Male sagen, weil so und so viele Beamte daran interessiert sind, müssen wir so und so viel Sekretäre zu Obersekretären macken. Wer hat nicht in jüngeren Jahren Wünsche gehabt, die man nachher in höherem Alter und in einer höheren Stellung, von der man das Ganze überschauen kann, später ganz anders beurteilt! Darum verallgemeinern Sic nickt jeden Wunsch, der an Sie herantritt! Die neuen Anwärter für die höhere Laufbahn haben gar keinen Anlaß, unruhig zu fein. Die Beamten werden in höhere Stellen befördert, wenn sie den Anforderungen genügen, ihre Eramina gemacht haben und ffck in ihrer ganzen Tätigkeit für höhere Stellen geeignet gezeigt haben. Es wird keiner Stelle einfallen, gute Beamte nickt zu befördern; man wird immer zufrieden sein, es tun zu können. Die Annahme von neuen Anwärtern wird sich natürlich in Grenzen halten. In bezug auf die gehobenen Unterbcamteu kann man sagen: alles, was man tut, ist falsch. Erst ist kein Gramen gefordert worden, jetzt heißt es, das Gramen ist nicht nötig. Jeden-' falls liegt cs nicht in der flbsicht der Verwaltung, die früher ge- hobenfn Unterbeamten und die späteren, durch eine Prüfung in diese Stellen kommenden, differenziert zu behandeln; sie werden alle gleichmäßig behandelt.
Abg. Kopsch (freif. Vp.):
DaS Material des Abg. Singer für die Verl etzung des Briefgeheimnisses erachte ich für durchaus ungenügend, um so schwere Beschuldigung gegen die Postvcrwaltung im allgemeinen und die Postuntcrbeamten im besonderen auszusprechen. (Lebhafte Zustimmung.) Solche Ausführungen sind geeignet, im Auslande Mißtrauen gegen die Zuverlässigkeit der deutschen P o st zu erregen (Sehr wahr!), zum Schaden bcS deutschen Wirtschaftslebens und zum Schaden des Ansehens des deutschen Namens. (Lebhafte Zustimmung.) .Herr Sinaer behauptet, noch ein reickeS Material zu haben. Er hatte die Pflicht, in dem Augenblick, wo er die Anschuldigung gebracht hat, dieses reiche Material dem hohen Haufe zur Verfügung zu stellen (Lebhafte Zustimmung); das hohe Haus würde einstim' mkg — denn in dieser Frage gibt es keine Parteiversckiedenheit — seine Anklage unterstützt haben, wenn er den Beweis tatsächlich erbracht hätte. Den Fall Schellenberg hatten wir in der Partei beschlossen, hier vorzubringen. Unser Parteigenoffe Struve, ein Amtskollege von ihm, hatte darum für sich gebeten. Ick erkläre, daß wir die Haltung des Staatssekretärs in dieser Frage nickt billigen können. (Beifall.) Auch wir verurteilen den Eingriff der Behörde in die staatsbürgerlichen Rechte, als unvereinbar mit dcr Reichsverfaffung.
Herr Singer hat nur unerfreuliches an der Verwaltung gefunden. Die Gerecktigkeit erfordert, ihr Verhalten auf dem internationalen Reichspostkongreß zu loben. Aber dieses steht nickt im Einklang mit ihrem Vorgehen im inneren Verkehr, daZ Verteuerung und Verkehrsverschlechterung bedeutet. (Sehr wahr!)
Der Redner bittet nm Einführung der auf dem Weltpost, konareß beschlossenen Antwortscheine auch im Verkehr mit Süd. amerika, utid, solange Bavern der Einführung einer Einheits, marke Widerstand leistet, auch für den Verkehr mit Bavern, um eS zu ermöglichen, Briefen nach Bayern das Rückporto beilegen zu können.
Dem Bedauern Singers über di- zu späte Einsicht in bezug auf das Ortöporto schließe ich mich an mit einer Zurückdatierung auf die Zeit dcr Aushebung der Privatposten. (Sehr gut!) Da. mals waren eS gerade die Herren Sozialdemokraten, die alles daran setzten, den Privatposten den Garaus zu macken. Wie hat Engen Richter Sie gewarnt: Sic würden es später nicht verhindern können, wenn aus fiskalischen ®rünben die Portogebührcn dann wieder erhöht würden! Damals haben Sic ihn als Un- glücksvropheten verlacht; nun, unser Führer Eugen Richter hat sich noch stets als beffercr Prophet gezeigt, als der Führer der Sozialdemokratie. Trotz der Mißerfolge bei der Erhöhung der Tarife, trotz der großen Schädigungen für das wiitsckiaftliche Leben, scheint man aber auf diesem Wege weiterschreiten zu wollen durch die Erhöhung der Fernsprechgebühren. Tie Pauschal- gebiihr soll beseitigt werden, und an ihre Stelle soll eine gestaffelte Grundgebühr und Bezahlung jedes einzelnen Gesprächs treten. In der Denkschrift heißt es, diese sogenannte Reform sei durch Resolutionen des Reichstags veranlaßt worden. Der hatte sich aber die Sache ganz anders gedacht. Die Verteuerung der Benutzung des Telephons wird ganz erheblich sein. Bei zehnmaliger Benutzung täglich erhöht sich die Gebühr von ISO auf 250 Mark, das sind 40 Prozent mehr, bei sechzehnmaliger Benutzung auf 334 Mark, das sind 85 Prozent mehr. (Hört! Hört! links.)
Darauf habe ick einen Bericht eingefordert. Der Bericht ist dahin ausgefallen, daß ein höherer Beamter mit Dr. Sckellenberg gesprochen hat, wobei ihm Tr. Sckellenberg gesagt hat: Ja, ich habe meine Stimme für den Sozialdemokraten abgegeben l Das ist sofort durch eine Kellnerin befannf geworden und in die Kreise der Postbeamten hineinaekommen. ES steht nun fest: solange die sozialdemokratische Partei feindlich unseren Einrichtungen gegenübersteht (Lachen und Unruhe bei den Soz.) — jawohl, meine Herren! —, so lange können Sozialdemokraten als Beamte nicht geduldet werden. (Lärm der Soz. und Zurufe: Ist ja gar kein Beamter!) — Gewiß! Das verträgt sich nicht mit dem Eid, den der Beamte geleistet hat. (Lebhafte Zustimmung rechts, Lärm der Soz.) Herr Singer hat erklärt, ich sei der Vorgesetzte des Tr. Schellenberg. Davon ist keine Rede. Mit dem Vertrauensarzt schließt die Postverwaltung einen Vertrag, in dem auch Kündigung von beiden Seiten vorgesehen ist. Dieser Vertrag ist mich mit Dr. Schellenberg geschlossen worden. Ich brauche auS meinem Herzen leine Mördergrube zu machen und kann erklären, es tat mir leid daß sich durch die Unvorsichtigkeit deZ Dr. Sckellenberg in der Stadt die Nachricht verbreitete, er habe sozialdemokratisch gewählt. Ich beauftragte die Operpostdircktion, einen höheren Beamten zu ihm zu schicken, der ihm sagen sollte, daß es ba§ Veste wäre, trenn et seine Stellung aufgeben würde. DaS lehnte er ab, und infolge dessen blieb nichts übrig als seine Entlassung, damit bei dcn Unterbeamten und Beamten keine Irrungen und Wir, rungen entständen. (Lärm und Gelächter der Soz.) Wenn der Fall heute noch einmal vorkommen würde, so würde ich genau so handeln. (Beifall rechts, Gelächter der Soz.) Herr Singer hat mich nicht überzeugen können, daß meine Auffassung falsch ist. Ick kann nickt zu jedem Unterbeamten hingehen und zu ihm sagen: Dr. Schellenberg ist ein tüchtiger Arzt. Ihr dürft aus der Tatsache, daß er sozialdemokratisch gewählt hat, nicht auf sozialdemokratische Neigungen bei ihm schließen! Von feiten der Postver. toaltung ist auch nicht eine Silbe über die Sache in die Zeitungen gekommen. Die Veröffentlichungen sind von Dr. Schellenberg auSgegangen.
Herr Singer hat uns zum Vorwurf gemacht, daß unsere soziale Fürsorge für Beamte und Unterbeamte verschieden sei, und daß wir die Beamten bevorzugen. Hätte er die Statistik nach, gesehen, so wäre er zu einem solchen Urteil nicht gekommen. Daß die Arbeitszeit dcr höheren und der unteren Beamten verschieden ist, ist selbstverständlich. Geistige Tätigkeit strengt mehr an als körperliche, und es ist in der ganzen Welt so, daß die geistig tätigen Menschen nach der Zeit weniger beschäftigt sind als die körperlich tätigen. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind zur Herabsetzung des LeistungSmaßes der Beamten und Unterbeamten erhebliche Summen ausgegeben worden, für die Beamten 2 690 000 Mk., für die Unterbeamten 4 490 000 Mk.; zur Durchführung des Erholungsurlaubs, an Stellvertreter
Deutscher Reichstag.
100. Sitzung, Donnerstag, den 13. Februar 1 Uhr.
Auf dem Tische des Präsidiums prangt ein herrlicher Strauß von gelben Rosen und blauem Flieder.
Am Tische des BunüeSrats: Kraetke, Dr. Sydow.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die hundertste Sitzung der Tagung um 1 Uhr 15 Minuten. Die Herren Schriftsichrer haben, liebenswürdig, wie sie immer sind, meinen Tisch mit diesem schönen Bukett geschmückt. Ich sage Ihnen meinen Dank.
Der ZcPpelin.Nachtragsetat.
wird in dritter Lesung ohne Erörterung verabschiedet.
Der Postetat.
Für die allgemeine Aussprache beim Titel des StaatSsrekre- t8rs liegt die Resolution der Budgctkommission vor, die den Paketschalterschluß an Vorabenden vor Sonn, und Festtagen späte. ftenS um 6 Uhr fordert. Eine Resolution von Damm und Ge. noffcn ersucht den Reichskanzler die früher in Geltung gewesenen Ausnahmetarife der Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere im Orts- und Nachbarverkehr wieder einzu. führen.
Berichterstatter ist Abg. Beck-Heidelberg (natl.).
Abg. Dr. Dröscher (kons.):
Der Etat der Postverwaltung ist mit großer Vorsicht aufgestellt, einmal wegen der Finanznot, und bann wegen der ge. planten Neubildung des Beamtenkörpers.
Bei den Verkehrseinnahmen wird eine Mehreinnahme von 6 Millionen Mark au5 der Aufhebung des billigen Ortsportos er. wartet. ES ist zweifelhaft, ob dieser Anschlag richtig ist. Im Vorjahre erwartete man sogar 12 Millionen Mark, jetzt hat man die Erwartungen um die Hälfte heruntergeschraubt, denn der Ertrag dieser ficherlich nicht verkehrsfreundlichen Maßnahme ist hinwr den Erwartungen weit zurückgeblieben. Trotzdem wird man es sich bei der schlechten Finanzlage des Reiches doch sehr über, legen müssen, ob man diese Maßnahme jetzt wieder rückgängig macht. , Die Entwicklung des fceittfcfcn Fernsprechwesens erfüllt uns mit Genugtuung. Die 60 Millionen, die für neue Leitungen gefordert werden, werden wir gern bewilligen. In der starken Vermehrung der gehobenen Unterbeamtenstellen erblicken wir die ersten Ansätze einer organischen Umbildung der Veamtenorgani. sation. Die stärkere Inanspruchnahme des Fernsprechers hat zu dem Projekt einer Reform der Gebühren geführt, über die in der Ocffentlichkeit in den letzten Monaten außerordentlich sck-arf ge. stritten wurde. Wir warten den Gesetzentwurf ab, ehe wir dazu Stellung nehmen. Wir wünschen eine Fortführung der Sozialpolitik der Reicksposwcrwaltung, aber sie muß Halt machen vor den dringenden Bedürfnissen von Handel und Industrie und da haben wir Bedenken gegen die Resolution der Budaetkommijsion über den Paketschalterschluß.
Der Redner bespricht die Personalverhältniffe in der höheren Beamtenschaft, befürwortet eine weitere Vermehrung der Endstellen in ihrem Verhältnis zu den Durchgangsstellen, eine Vermehrung der Stellen , der dienstlich als Referenten überlasteten voifrdte und Oberposnnspektoren, die Umwandlung geeigneter Jjoftemter zweiter Klaffe in solche erster Klasse, eine wirklich selbständige Stellung für die neugeschaffenen Vizedirektoren, denen gegenüber der Postamtsvorsteher nur der Primus inter pares fein sollte, und behandelt dann eingehend die dem Reichstag in einer Denkschrift vorgelegten Wünsche der Postdirektoren. Von ihrer Diensttüchtigkeit und Amtsführung hängt die Befriedigung der Ansprüche von Handel und Industrie ab. Sie sind bie wichtigsten Säulen des Beamtenkörpers für die Abwicklung be* Werfet, da sollte man sie auch den Postraten vollkommen gleichstellen und ihnen nach längerer Dienstzeit den Charakter als Geheimer Postrat geben. Bezüglich der für das Frühjahr angefünbigten Wiedereröffnung der höheren Postlaufbahn äußert Dt. Dröscher Bedenken, ob dieser Zeitpunkt nicht zu früh ge»
-®r n,nt^ü eine eingehende Berechnung auf, wonach bie 2250 Anwärter, die am 1. April 1907 vorhanden waren, auch nach dem günstigsten Verhältnis erst in 17 Jahren in ihre Stellen eingerückt sein werden. Die Assessoren werden 7 bis 8 Jahre bis zur definitiven Anstellung warten müssen; eS werde eine garte Konkurrenz zwischen alten und neuen Anwärtern sich ergeben. Eine Personalreform der mittleren Beamten ist schon mehrmals vom Reichstag angeregt worden. Sie soll eine Vereinheitlichung der mittleren Laufbahn bringen. Sie ist erstrebenswert. Allerdings werden sich allerlei finanzielle Bedenken geltend machen. Nach den Mitteilungen über die neuen Beamten- borlogen, die in der Presse verbreitet sind, scheint es, als ob man den Wünschen des Reichstags nicht Rechnung getragen hat. scheint nur eine Aufbesserung von etwa 10 Prozent beab- nchtigl zu sein, während wir eine solche von mindestens 20 Proz. für notwendig halten. Der Redner regt die Schaffung einer besonderen Beamtenklaffe zwischen den mittleren und unteren Beamten an, zu der die gehobenen Unterbeamten gehören sollen fordert eine pensionsfähiae Zulage für die Postverwalter und bittet, die Oberpostkaffenbuchvalter und Telegraphensekretäre nicht weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Die Landbriesträa-'r be- dilrfen einer besonderen Aufbesserung, besonders in Pommern, Oft- und Westpreußen, Posen und Mecklenburg. Auch für die Postaaenien müsse besser gesorgt werden. Wenn der Staats- ickrctär sich seiner Beamten annehmen werde, so werde deren Dankbarkeit der schönste Lohn für ihn fein. (Beifall rechts.)
Singer stellt die dienstlichen Verhältniffe der oberen und mittleren Beamten mit denen der Unterbcamteu in Vergleich, wirft der Verwaltung vor, daß sie diese übermäßig ausnütze und ihnen zum Teil skandalöse Löhne zahle. Der frühere Schluß der Paketschalter sei an allen Wochentagen überhaupt erforderlich, im Interesse der Postbeamten und der Hausdiener der Geschäfte. Auf Verlangen des Reichstags ist die Geldbestcllung am Sonntag abgc- schafft; die Geldbriefträger haben nun aber nicht nur die verwehrte Arbeit am Montag, sondern werden am Sonntag zu Bureaudiensten herangezogen. Das war nicht bie Absicht des Reichstags. Singer bespricht den Fall d c S P o st v e r - trauensarztes Tr. Schellenberg in Wiesbaden, der als Freisinniger bei der Reichstagswahl gegen den RecktS- »ationalliberalcu sozialdemokratisch gewählt hatte und deshalb seine Stellung verlor. DaS ist eigentlich eine Sacke der Freisinnigen; ich backte, sie wurden es in dcr Budgetkommission vorbringen, aber Sie sind ja jetzt im Block. (Die Freisinnigen rufen Finger zu: Haben wir ja schon bei der ersten Lefting getan!) Bei der ersten Lesung macht das keinen Effekt. (Gelächter.) Es ist unerhört, daß die Postverwaltung sich herausnimmt, sich um die Betätigung der politischen Ueberzeugung eines Bürgers zu flimmern, dem t> e r f a f f u n g S m ä r i g en Wahlrecht ins Gefickt zu schlagen. Nichts setzt so sehr da? Ansehen des Deutschen Reiches im Auslande herab. Tas sind russische Zustände I Singer behauptet weiter. Beweise dafür zu haben, daß Sozialdemokraten gegenüber das Briefgeheimnis verletzt werde. So ist ein Brief, den der frühere Reichstagsabgeordnete Pfannkiick an die Freie Vereinigung der Maurer gerichtet hat, mit einer Verspätung von einigen Tagen in einem Zu stand bestellt worden, der es ersichtlich macht, daß der Brief geöffnet und dann mit einem gummierten Pavierstreifeii wieder zugeklebt war. Tas ist eine Unverfrorenheit sondergleichen und zugleich auch eine kolossale Dummheit. Ick habe hier noch eine Reihe ähnlicher Fälle. Ich ersucke den Staatssekretär, an seine Beamten einen Erlaß zu rickten, daß sie sich nicht von den Achtgroschenjungen der Polizei verleiten laffen.
Staatssekretär Kraetke:
Ich lehne es ganz entschieden ab, an die Beamten der Reicks, post, und Telegraphenvcrwaltung eine derartige Verfügung zu erlassen (Lebhafter Beifall rechts. weil das eine Beleidigung sein würde, (Lebhafter Beifall.) Ick kann es nickt anders — um keinen härteren Ausdruck hier in diesem Hohen Hause zu gebrauchen — als eine leichtfertige Verdächtigung betiteln, wenn der Vorredner keine anderen Momente anzuführcn hat als seine Phantasiegemälde, um zu sagen, die Postbeamten achten das Briefgeheimnis nickt. (Lebhafte Zustimmung.) Das ist eine der schwersten Beleidigungen, d'e gegen einen Postbeamten ausge. sprachen werden kann. Ick protestiere für meine sämtlichen Briefträger und Postbeamten gegen eine derartige Beleidigung. (Beifall. ) Der Vorredner hat it. a. auch behauptet, bie Geldstrafen würden jetzt erheblich reichlicher erhoben, auck das ist vollständig unrichtig. Es ist allgemein bekannt, daß ich kein Freund von Geldstrafen bin. Das wissen die Ehefs der Provinzialverwaltungen und auch die Beamten. Die Zahl der Geldstrafen haben erheblich abgenommen. Innerhalb der letzten sechs Jahre hat eine Vermehrung des Personals um 84,92 Prozent stattgcfunden. (Zuruf: Leider!) Trotzdem ist in dem gleichen Zeitraum der Betrag der Geldstrafen um 19 Prozent gesunken. Nun der Fall Schellenberg. Ich weiß nickt, ob Dr. Sckellenberg dem Vorredner dafür dankbar sein wird, daß diese Angelegenheit von seiner Seite hier zur Sprache gebracht ist. (GMäcßtcr bei den Soz.) Es ist unrichtig, daß das Verhältnis des Tr. Schellenberg zur Neickspost. Verwaltung wegen feiner Stimmabgabe gelöst ist. Die Reicks- Postverwaltung kümmert sich darum, in welcher Weise Dr. Schel- lcnberg seine Stimme bei der Reichstagswahl abgegeben hat, gar nicht, denn es ist geheime Wahl. Der Fall liegt gang anders. E? ist mir bekannt, daß Dr. Schellenberg sozialdemokratisch gewählt hat (Zuruf bei den Soz.: Wodurch?) — durch eine
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