Sl1 rVer ana tolischen Dahn ist gestern der Gene- talftreit proklamiert worden.
Freiheitsbewegung derAegypter. Tic Sic- berherstellunq der Konstitution in der Türkei hat auch in den Aegnptern die Sehnsucht nach konstitutioneller Freiheit erweckt. In Genf hat gestern nachmittag eine Ver- fammlung von Delegierten der Vereinigungen von Acgvp- lern stattgesnnden, die Europa bewohnen; es wurde be- Ichlosjen, an Sir Edward Grey ein Telegramm zu senden, um gegen die Okkupation Aegyptens durch 15*11 gtandzuprote stieren und die jo f artige Räumen ng Aegyptens zu verlangen Ferner wurde beschlossen, auch an den Khcdioen ein Telegramm zu senden, ihn von dem Telegramm an den englischen Minister des ^Auswärtigen zu unterrichten und ihn .zu bitten, die Verfassung AegyptcnS wieder herzustelten.
Zozialdemokralijcher Parteitag.
S. u. H. '.'Nürnberg, 12. Sept.
AlS Einleitung deS sozialdemokratischen Parteitages sanden 'gest,nm und heute Sitzungen der 5. Konferenz der sozialistischen Frauen Deutschlands statt. Man bcbattierie •fibrt Rcuorganislation der Genossinnen, Hierzu lag sollender Vorschlag der Bcnraucnsperson vor: Jede GciwsslN ist vcrp'lichl.'l, der )<HuiIi>enufrah)drtii Paeteiorganlsation ihres Ortes beizutrcten. Politische Sondcrorganliülwncn sind den Frauen nicht gestattet, lieber das Fortbcltehen besonderer FraucnbUoungsvcr.lne entscheidet die Organnation dr einzelnen Orte. D.c Mitgliedschaft an solchen Bevcmen enthebt die «Genossinnen nicht der Derpflich- tung, der sozialdemokratischen Parteiorganisation an zugehoren. lln- abbängia von den Bereinsabenoen der Männer sind tut die weiblichen Mitglieder Zusammen fünfte einzurichten, die für die theoretische und praktische Schulung der weiblichen Mitglieder dienen. Die weiblichen Mitglieoar sind im Verhältnis zu ihrer .iahl im Vorstände vertreten: eS must diesem mindestens eine njencfiin angehören Den weiblichen Mitglieoern des Vorstandes liegt ej ob, die iwtwcndige Arbeit unter dem weiblichen Proletariat in llet’cremft'.nnnunfl mit dem gesamten Vorstände zu betreiben. DaS Zenttalburnru der OZcnoßiniien bleibt bestehen. Die Vertreter der «Genossinnen werden dem Parteivorstand angeglic- bett Im allgemeinen herrschte in der Debatte lieber(■infhmmung darüber, dast die Frauen zwar künstig bat politischen Parteiorganisationen bei tret en sollen, daß aber die Frauen konsercn^n nach wie vor nicht zu entbehren seien, zur Vorbereitung der .Arbeiten deS Parteitages, und daß überall dort, wo c3 angängig «scheint, die Frauen- rmb NtädchcnDildungsocrcinc bestehen bleiben. Bei der Abstimmung wurden die von der Vertrauensperson vor- geschlagenen Leitsätze zur Neuorganisation der Genossinnen angenommen. — Zn der Nadnnittagvsitzung wurde die sozialistische Erziehung der Jugend belxmbch. Klara Set- Tin bat zu diesem Thema, eigentlich vielmehr nur zu einer llntcr- vbteilung dieses Themas, nänuich zu der Jugendorganisation, in der „Gleichlwil" Leitsätze Dcröncntiirtn, die einen Umfang von inicht weniger als 20<) Druckzeilen haben. Ferner bat sic eine Resolution ausgearbeitet, die, obwohl die Nedezeit für die Bc- orünbung von Anträgen auf nur 20 Minuten festgesetzt ist, doch den llmiang von 75 Druckzeilen hat, und in der cs u. a. heißt: Ttnt Ziel und Dosen der sozialistischen Zugendbttvcgung entsprechen können ihre Au,gaben am erfolgreichsten in besonderen 8ugetidorga n isat ion . . welche di schulentlassenen
Kblichen Pwletarier beider Geschlechter aufilchmen und volles der Selbstverwaltung und Sclbstecstimmung besitzen, deren Leitungen jedoch Vertretern des gcimrkschtitlich unb politisch organisierten Proletariats mit beratender Stimme zur Seite stehen. Tie politisch» und gewerkschaftlich a OrganisaUoucn des Proletariats sind verpflichtet, die sozialistische Jugendbewegung mora lisch uub materiell in weitgehender Seife zu unterstützen.
i Die Leitsätze und die Resolution von .'Hara Zetkin wurden bhne Debatte angenommen und dem Part ei vor stand als Nkaterial ssin Zietz, daß alle n
Iidien Oseiwssen vcrpslichtet werden sollen, ihre weiblichen oa bniliimmitglieder der Lvnaldemokratie -uzusühren, wurde eben falls ohne Erörterung angenommen.
<5.u.£>. Nürnberg, 14. Sept.
Der sozialdenwkralische Parteitag begann heute seine geschäst- Hüben Vcrhaiidlungen in der großen Fcsthallc dcS „Velodroms", ouidzbem die Städtische Feschalle int Luttpoldhain nur für die gestrige Begrußungdieier zur Verfügung gestellt war. Pünktlich nm 9 Uhr eröffnete der stündige Vorsitzende der Parteitage, Reichs- tagvabg. Paul Singer, mit müder, leiser .Stimme die Vcr« handliuigcn.
9iach längeren Begrüßungsansprachen trat man in die gc- IF<Wftlitbcn Beratungen ein und zwar zunächst in die Verhandlung des Geschäftsberichts, der bereit» seit geraumer Zeit zur Veröffentlichung gelangt ist. Parteisekretär Müller-Berlin war iats Referent bechstlt. Er schilderte das üergangenc Ialw als für tue Sozialdemokratie sehr günstig. Nur mxl) in 12 ReichsmgS- wahlkreisen hat die Partei keine Vertretung. Erfreulich sei, daß die -Organisationen für das BildungSwesen immer größere Aus- hiaibungcn madnm können. Ain besten organisiert ist Leipzig- Land, Wo 41,7 Prozent der Wähler sozialdemokratisch organisiert sind. Aehnlid) günstige Verhältnisse lägen vor in Hannover, Nürnberg, Erlangen ustv. Da» neue Re ichS ve r e i n sge s e tz Hiabc der Partei s a st keine Vorteile gebracht. Auf dem Laiche habe man die allerschlcchtcsten Erfalwungen bamit ge- inadt. Eine besondere Organisation der Land- und Waldarbeiter soll in- Leben grrufai werden. Gegen die P a r l e i s ch u l e seien manche Vorwürfe erhoben worden. Natürlich fei aber nicht daran zu denken, sie eingehen zu lassen. Sie soll keine Agitation^ Triltz-Sdiule sein, wie die AgitationS- *fd/ulc des Reichsverbaiches zur Bckämpsung der Sozialdenw- Tratic. Natürlich bube niemand etwa das Recht, nach Absolvierung der Schule eine Parteistellung zu verlangen. Dao Partcinad)- tidltcnbureau werde bis zum gerbst in voller Tüttgkeit sein. Redner besprach daraus die F r a u e n o r g a n i i a t i o n. Den {FlXuini sei der Zutritt zu den DJluiidx:. Versammlungen gestattet Ii orden, weil es den Agraricn' nicht länger paßte, ohne Frauen Hm ZdckuS Busch zu tagen. (Lebh. Zustimmung.) Die Fraucn- Tonicrcnun hätten sid) betvahrt und sollten and) in Zukunft bestehen bletben. Die Jugendorganisationen seien keine Grüichung der Partei, aber and) nicht der Ostwerkschaften. Sie «rbriteten selbsttätig. Ter Parteivorstand nehme ihnen gegenüber eine abwartendi Stellung ein. Die Zugcnd solle sozialistisch erzogen werden, denn cfl fehle nodj an tüchtigen Ktästcn.
Daraus berichtete Grert-Berlin ttber die Verhandlungen mit 6cn lokaliftischcn Arbeiterorganisationen. Durch die Eiiiigungsveriranolungen seien den Istwert schäften ÜUOO neue Mitglieder zugesuhrt nwvbcn. Wieviel Mitglieder noch der lokalistiscben freien Bereinigung angehören, sei nicht bekannt ge» Ivorbcn. Diese Ixibc sich m offenen ^stgeuiatz zur Partei gestellt unb treibe ein verderbliches Vcrstcckspicl.
lieber die Tätigkeit desBildungSauSschusses referierte Schul>Breuiim. En gedachte zunächst abfällig der „^'«ksoilbungs- llpostel" unb „zweiielhaitm Politiker" vorn Sdstage Eugen iKubtad unb Max Kirschs Die breiten Bettelkummen dieser Männer waren nidits hir bai VoH, das von dieser „Bildungs- dufelei" teilten Vorteil hatte. Tic Pwletarier mußten selbst die BttduntzSarbeit in die S?anb nehmen unb ex* ist ihnen gelungen, Teuta Erfolge zu erzielen. Redner wendet sid) dann gegen die 3d)unbLiteratur unb bespricht habet be'anders die neue Bibliothek von 21 u g u ft schert Uebcrall dort, wo Scherl Mil seinem „Bibliotdedvagen" heruinkoinme, sollte man die Arbeiter durch nlugb.utfer e.ufkluren, daß sic sich nicht daran beteiligen. (Lebh. Beifall.)
Zu Beginn her .'.'achnnttogssttzmig lag folgende Resolution tzur ötagc der
B ud gc l b e w il l i g ii n g
Voit: „Ter Parteitag b.-fL:tigt von neuem die Resolutionen von Bremeii und Dresden, bu ouOji'rc.tan. daß Cki Staat, solange sjqc füu oi den iMinbcu der besitzenden Waffen Lvimbet, ein Organ
tZNaslenHerrschaft darsteUt ur.b ein Mittel zur Niederhaltung Irr besitz losen BolkSklassen 5:lbct. daß btt politische Ausgabe deS pwletarnchen Älcifmtanu*^ die Eroberr'ng der Staatsgewalt durch Uebaarinbung der Gegner ist, daß rede Politik des Entgegenkommens an die bestehende 31»cts- unb GesellschastSordnung abgelehnt werden rttuß Ms nrttreninge, Folge dieser grund- mtzlichen Auffassung und angesichts her Tatsache, daß die Ge- lamtabttannrung über das Bürget als Derrrauensootum für die ''iegitruna au;; -faf,: werben muß. in lebtSt gegnerischen Regierung ta-J Staatscwdget bei her 6M5.amtcLitJHnn:ng zu verweigern, es s i denn, baij die ^ttldmung deSselüen durch unsere Genossen die Annahme eines nie die Arbeiter klasse ungünstigeren Budgets xirr Folge haben würde Die BenTilltgung des Budgets in den fanbtcqcn von Württemberg, Baden uno Bayern ist daher unvereinbar mit den Resolutionen von Lttbeck und Dresden. Die Perweigerunq des DukgetS entspricht vollkommot der Älaiten- laqe der besitzlosen Bolksmassen, die eine uiwersöbnltche Lpw fttion gegen die bestehende, dem rnrpitaliSmus dienende Staats- getralt notwendig macht. Die arbeitende jttasse immer wieder nactdrückliM darüber auszuklären, ist eine unerläßliche Ausgabe unserer agitatorischen Aioeu." Unterzeichne ist diese Resvlutwn vom Parteivorstande und der zlontrollkotmntssion.
Eine weitere, von Molkenbuhr vorgelegte Resolution zu dem Thema:
Sozialpolitik und der neue LurS besagt: „Durch die nartelldtldung und die Gründung von Berufs- genossen sdxt st en sind pme Uniemchmeroraanisationen gestärkt worden, die ihre Spitze gegen die Interessen Oer Angestellten und Arbeiter richten. Tic butgetlid)tn Parteien, die in den letzten Jahren eine Anzahl sozialpolitischer Anträge gestellt Haden, haben weder die Fähigkeit iwch den Sillen, die ut diesen Anträgen gestellten Forderungen ourd>zusuhren. Tic Regierung bat durch die neuesten Ennoürse offen behmbet, daß sie n.cht gewillt ist, eine Sozial- palitif zu treiben, die den S.ocrstand b o Zentralverbandes Deutscher Industrieller hervorrust. Angesichts aller dieser trrschei- imngctt wird' cs m?hr al«3 je notwendig, daß jeber Arbeiter bet Gewerkschast seines Bcruses angehört und daß ebenso eine energische politische Agitation inncrjjalb wie außerhalb deS Parla- mcnis zur schleunigen Turchsührung der inbczug auf die Ar'oeitcr- vcrfichcrung gestellten Forderungen ent'altet wird. Es ist ferner zu fordern uic Schaffung eines einheitlichen ArbeitrrrechtS für alle gegen Lohn befchäfttgten Personen, sowie Schutz der staatsbürgerlichen Rechte, der Freizügigkeit unb endlich Vorschriften für sogenannte D?ohlfahtiseinrichkungcn, wodurch eine Kontrolle ermöglicht unb das Eigentumsrecht der 'Jütgefldken unb Arbeiter an ben gezahlten Beitrügen sichergestellt wird. 33 000 Mk. ftnb allerdings an die Zentralkasse zu ivenig abgeführt worden, lieber die Drnchaltnisse in Baben war eine Kontrolle nicht möglich. Die Babischen Genossen haben sich auch^aus diesem Gebiete ein Schweigegebot auserlegt. (Heiterkeit.» Sie sagten sich: Der Vorstand kann lange warten, bis wir ihn in unsere ^öpfe gucken lassen.
Auch die Lübecker Gettvssen st hen auf dem Boden des Schweige- gebotS. Die Mitteilungen über die Parteipresse such tn diesem Jahre nicht so günstig rote im vorigen Jahre. (Hört, Hört.) Eine ganze Reihe Don Btöttern haben Verluste an Abonnenten gehabt. Im vorigen Jahre Ixitten nnr einen Zuwachs von 301000 Abonnenten, in diesem Jahre nur von 11 500. Redner ist der Ansicht, daß die ?drt der Zeit daran sckmld sei. Er schließt: Wir müssen aber endlich Weiterarbeiten an dem Ausbau unserer Presse. Dafür kann uns kein Opfer zu groß fein.
Den Bericht bet Kontrollkommission erstattete Genosse Küben-BerliN. Er erklärte, daß die Geschäfte in völliger Ordnung warm, unb berichtete bann über verschiedene Beschwerden wegen Nichtaufnahme oder Ausschluß and der Partei. 11. a. ist ein Genosse in Büdingen ausgeschlossen ivorbcn, weil cx. an einer Ovation »' ur ben nationalliberaten Reichstagsabgcordneten Grafen Oriola teilge- nommcn hatte. Der Redner wies alsdann auf die Notwendigkeit hin, den Wiedereintritt in die Partei zu erleichtern uiti> gedachte zum Schluß deS plötzlich verstorbenen ReichstagSabg. Ehrl)ardt. — Auf Antrag Haafc (Königsbergs wurden bnraui alle Anträge über die Iugendorganiiatlon — c5 sind deren ctlva 25 -- einer Kommission von 1 < Mitgliedern übermiefen. Nicht genügende Unterst itzung sand ein baond-er Antrag, einen fVar* tei-Kunstauöschutz zu wäjrlm, der aus drei literarii'chm unb drei musikalischen SachverstänbiHen bestehen soll unb dem musikalische und literarische Erzeugnisse auS Gcnoffmkreisen zur Prüfung unterbreitet werden sollen. In der Aussprache über ben Gesdxistsbericht führte Rosa Luxemburg aus: Es ist bedauerlich, daß die Parteischule nicht einer ernsten, verständigen Kritik gewürdigt wird. Ich stand der Gründung skeptisch gegenüber, auS attfldiorenein Konservatismus. (Heiterkeit.) Jetzt sehe id) ein, daß hier etwas Großes und sehr Gutes geschaffen worden ist. Rosa Luxemburg kämpft dann wieder in tvrsönlichster Weife gegen die Revisivnistm an, diesmal gegen Ä*uvt Eisner um> Tr. s.UZaurcn- drecher. Sic erntet dafür bei den norddeutschen Genossen lebhaften Beifall, bei dm fübbeutitben Geiwsfen Hriterkeit.1— Plauer «Nürnberg) und Braun (Königshera' bespreck)cn Mißstände in der Parteiprejic und bedauern die Verbreitung vvit Lchwindelut- f erat en. Ein junger, ehemaliger Parteischüler, wandte itd> gegen die Ausführungeit Tr. Maurenbrechers in der Presse uno erklürtc, Leuten, bic ben Linksliberalen Gefolgschaft leisten, müsse man ba 3 Handwerk legen. — üürt Eisner führt daraus auS: Es ist aber keine schöne Erziehung der Parteischule, wenn sich junge Parteischüler hin stellen, unb mit Aplomb tun, als ob sic mit bcr Wissenschasr ber Iahr(wnberte ausgerüstet, und alS ob sie Marx und Lassalle gleidyvcrttg feien. In einem halben Jahr kann niemand so iveit kommen, daß er Lehrer in der Partei wird, selbst wenn man den 'Jhimberger Trichter zu Hilsc ninrmt Wir müssen die Massen elementare Bildung einheitlich beibringen, denn eS sehlt ihnen oft noch an den primitivsten Begriffen Wie find denn unsere Führer groß geworden? Sie habe» ein Leben der Arbeit hinter sich. iLebhaster Beifall.) Clara Zetkin verlangt, day in der Parteischule auch die Geschichte des Sozialismus gelehrt werde. Lehrend müsse gelernt werden. DaS gelte auch von der Parteisdmle. Der Genoisc Maurenbrecher habe euren Artikel gegen die Parteischule in der „fcih'e" geschrieben, einem Blatte, das die Sozialdenwkraten aus- einandcryctzm will. Wie fiebe cs da mit ban Dresdner Beschlüsse, daß Genossen nid)t an bürgerlichen Blättern Mitarbeiten bürsten? Aber ircilidj; , Al.e Liebe rostet nicht" unb „Cn «Dient touiours ä fei prcmtöreS arnours Solche Leute, wie Matucnvrcdter sollten nn ü.imnun1ein der Theorie sttzm, ftül lernenb unb sid, zur Erkenntnis burdiarbeitcn, statt daß |ie sich unterfangen, die fozw- listische Auffaffung revidieren zu wollen (Ledh. Beifall und Hoc!rufe auf Clara Zetknr) Tr. Lensch von der „leipziger Volks-citung" crtUirt: Die Mitarbeit bc4 ivcnoffm Maurcnbrecbcr in bcr „Hilfe" wirö kommentiert durch bic 2atfadtf, daß 'Jlau- mann zu Maurenbrecher sagte, als er zu unserer Partei kam: Geh bin unb wirke im natwnaliomica Sinne. Maur-nbrecher bat als ehcmailoer Theologe bas Kamel des Glaubens durch das Nadelöhr Vernunft treiben wollen. (Heiterkeit.' — Darauf wurde die Diskussion gcsdüossm.
Dann erstattete die BiarrbatSprüfungs?ommis)ion ihren Bericht, wonach 312 Delegierte unb 27 RcichSlagSabgeordnetc mit Stimmrecht anwesend sind.
Um i Uhr admbS wurden die Verhandlungen auf Dienstag früh vertagt
2lus 5tnO>t und Land.
Gießen, 15. Sept. 1908.
— Landtags wählen. Das Zentrum roirb im Landtags- Wahlkreis Dieburg-Groß-Umstadt den Rechtsanwalt Lüft - Darmstadt als Kandidaten auf. stellen. — Die Nationalliberalen Vereine nominierten
zu Landtags-Kandidaten für Darmstadt den bi8- hecigen Abgeordneten Dr. Osann unb Gläjsi ng.
" Ordens Derlei Dem Intendantur Sekretär bei bcr Intendantur trmeetorpö iu Frankfurt
am Main Wilhelm $ic v r (einem Sohne des hier
wohnhaften Oderbahnasfift. M. Red? ist das Ritterkreuz 2. Kl. mit Schwertern des Berbien'tordens Philipps be- Grvßnnlngen von S- SL H dcrn Großherzog von Hessen verliehen worben
• • Stabil hrater-Gpi eit 1908/09. Di» diesiährige Spielen rotrb am Freitag. 2 Oktober, mit Schillers ^Jungfrau von Orleans" eröffnet werden. Abonnernenirncloungen werden vorläufig noch auf ter Bürgermeisterei. Zimmer Rr. 1\ entgegengenommen. Am Mittwoch, 23. Sept., beginnt die Ausgabe der Abonnemente im Theater biireau und findet täglich von m bis 1 Uhr statt. Von diesem 3fitpunhc ab mcrbfii weitere Anmeldungen zum Abonnement nur noch im Theater burcau angenommen.
— Schlußüb un gderFcuer wehren Die dcide, freiw. Fruerwedren hielten am Sonntag in Gememschaf-. mit ber freiw. Sa n i tüts kolonne ihre Schluß, ü b u n g ab. Um 2’ 4 Uhr fand in i^egennxiri ber verrat Gkheimerat Dr. Brr,den Beigeordn. Keller und Heyligr«. staebt, Branddirektor Trader, Poli^.ciamtmann Reinhart unb einiger Stadtverordneten fine Paradeanfstellung mit Tciatl- Übung an den einzelnen Geräten auf OSwaldSgarten stat: Hierauf fand eine Al^nnieruiig nach ber alten Älini! statt. Dein Brandangrifs lag folgende Annahme zugrunde: „In dem 3. Obergeichoß der alten Klinik .Mittelbau- itz Feuer auSgebrocheu, das infolge der ofsenstehenden sienster durch Zugluft angefacht, sich mit großer Gejchwindig»»» über ben größten Teil des ^schönes durch da» Treppen Im u; nach dem Deck boden verbreitet. *Ti? Rauchentwicklung ist j0 stark, daß das gaire Treppenhaus total verqualm: ist. Den tut 1. und 2. Obergeschoß befindlichen Kranken ist es y. lungen, über die Treppen hinweg in das Freie zu gelangen, während von ben Insassen dcS 3. Geschosses nur noch et» Teil bis nach ben nraukenzimmern des 2 Geschosses vor. bringen konnte Tic im Hause zurückgebliebenen Kranken erscheinen, soweit fic nicht durch RauchCinatmung oder duiL im Gedränge erlittene Verletzungen bewußtlos geworben sind, an den nach der Liebigstraße zu gelegenen Fenstern und erwarten Rettung durch die Feuerivehr. — Tie Meldung lautet: „Großfeuer m der Liebigstraße, Menschen- leben in GefahrES wird infolgedessen bic i^f.imtfturt» wehr gerufen unb auch die Sanität.'fotoiine alarmiert Wahre nb die Fruerwehr die Bekämpfung deS Brandes, fonne die Rettung der Menschenleben mit allen zu Gebote flehen- ben Mitteln aufnimmt, richtet die Sanuatskolonne in der alten Brracke einen Verbandplatz ein. Die Mannschaften ber Feuerwehb unb SanitätSlolviine bringen in bas Hau; ein, beförbern die auf ben Treppen unb in den Zimmern angetroffenen Perfonen in das oltic, von wo au» dieselben durch Mitglieds: der Sanitätskolonne nach dem Verbandplatz gebracht werden. Daselbst wird ihnen der 'Jtoiberbanb angelegt, um weiter transportiert werden zu können. Ta der größte Teil der Feuerivehrmaiinschaften in erster Lünzum Retten bcr gefährdeten Perfonen verwendet werden mußte, hat iuzwischen das Icuer den ganzen Dachstuhl in Flammen gesetzt. ES ist nun Aufgabe der Feucnvehr. bad Feuer zu dewältigeu, und ein Weitergreiseu zu verhindern." Das Heranrücken bcr einzelnen Löschzüge mi: bcr Sanitätskolonne kann als sehr gelungen bezeichnet werben, ebenso die vorgeuommeiicn flinken Rettiuigsarbeiten der Leiter- und Stcigcrmaiinfd)afteit beider Wehren. Xtr Sanitätskolonuc hatte ebenfalls ihre Aufgaben rasch erledigt und verbrachte ihre 'Itotimten nach dem platz, der von ben Spitzen bcr Behörden und dm sonstigen bic unter der Leitung dcS Braudiuspektor.- Wigaubl /Lzl*. nahm einen muftcr jültij <
Sauitätsmcnnschaflen unb Feuerwehren angetreten roait», Geheimerat Dr. Breibcrt hervorhod. Er sagte u. a ; ^it- bcjonbcrc sei cs zu begrüßen, daß diese gemcinnutzigni Korporationen, Feuerwehr und Sanitätskvlonne, zu solchem Hebungen sich vereinten, und gab seiner Neberzeugung Äu^- druck, oaß auch im «Ernstfall ihre rasche HU sc nicht aut- bleiben werbe. Bei bcr Fa m i 11 c u feier in S.cinSGarten begrüßte der Kommanbant bcr Gießener Wehr die anioefen- ben Stadtverordueteu unb Veriroter der auoivärtigee Wehren, worauf Stadtv. Loo- Worte der Anerkennung über den Verlauf der Hebung zollte. Sodann nahm Brant- birektor Traber die Verteilung der von der Stabt verliehenen Diplome für 15jährige Dimstzcit vor Bon der Gai Ischen L6ehr erhielt Heinrich Luibenstruth, von d<: Gießener Emil Noll, Karl Euler, Hugo Nitzsche, Üouti Ockel, Albert Donau, Baltliaiar Amet
und Geora Hofmann die Auszeichnung. Tie vom »> Vinzialausschuß den Ieuerivehrcn verliehenen Ticnstaö- Zeichen erhielten für 2-jährige Dienstzeit Hart Bender, Karl Schmidt, Heinrich Lehrrnund und Adolf Vogt: für lOiährigl Dienstzeit: Otto Harig, Emil Koch, Entil Malkomesius unf Fritz Reuling.
• • Die Zwetschenkuchenzeit hat begonnen und da« mit eine Zeit der F"ude und bcö AergerS für unsere Bäckermeister. Eine Zeit ber Freude wegen der Backgroschen, bu nur getrübt wird durch den Aerger über die verspätet oder in vielen Fällen überhaupt nicht geschehende Rücklicsernn- der entliehenen Kiichenbleche. Da die in vielen Iälle» nur absichtslose Nichtablieferimg auch slrasrechtlich oerfolgd« ist, sollten alle Ha»iSfrauen für die pünktliche Abl,efetuaß Sorge tragen und sich nanientlich nicht nur auf die Dienstmädchen verlasien.
. ° Oberhessische ?! ebenbahnen. Am 22. Aug dieses Jahres wurde durch Entschließung S. x. H des Großherzogs der Frankfurter Lokaldahn-Akttcngeftllschast die iLonieiiion für den hessischen Teil der projektiert« elctlrifd)€!i Straßenbahn von Heddernheim nach ^onidmß erteilt. Die Bahn, zu bereit Baukosten der hessische Staat den übltchen Zuschuß leistet, berührt die hefsischen Ctit Nieder- unb Ober Eschbach.
• • Die Tlaul- und Klauenseuche ist auSgcbroch« in Bruck (Iürstenfeld), Reg.-Bcz. Oberbayern, am 11. 6er«.
Bad-Nauheim, 11. Sept Bct der heutigen Staotverordnetenwahl wurden folgende gewählt: Kaufmann E. Lentz mit 526 Stunmcn, Hotel- besitzcr Netter 449, Schlosserrncister Pauli 33-i, Ockonom Breidenbach 317, Bauunternehmer Stamm 310, Kaufmann Müller 310 unb Weißbmdernteistcc rUmkerfuß mit Stimmen.
§ Ruppertenro d, II. Sept. Zählen Gttvitter :m September an unb für sich zu ben Ausnahmen, so fmd solche bet bcr gegenwärtigrn ivctt unter der normalen liegen ben Temperatur um so auffallender. Nachdem am vcr- gestrigen Vormittag das Thermometer bis auf 7 tyrab 3t ge:unten, hatten mir am Nachmittag ein heftige» G.-witter nm Bald raube des in nächster Nähe unseres OrtcS gelegcncn Waldes „Buchsche^ fuhr bcr Blitz in eine alte Tanne. Der Schlag tarn io überraschend, daß man tm Or:c allfeiti erschrocken auffubr. Aus dem Wege, an dem Du- getroffene Tatrne steht, schritt gerade zur Jeu des Einschlagens eine


