Mittwoch 14. Oktober 1908
Erstes Blatt
158. Jahrgang
für „Feuilleton* und , Vermischtes * r Ernst Anderson; für „Stadt
Nr. 242
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tut die Redaktion 112. f XJF für den politischen Teil,
M» General-Anzeiger für Oherhe en für bie Tagesnummer Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Untv.-Vuch- und Zteindruckeret rr. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulflratze 7. Anzeigenteil: H. Beck, bis vormittags 10 Uhr. '
von dort geschrieben wird, bereitet nunmehr die Direktion der Großen Oper die Generalprobe zu Wagners „Götterdämmerung" für Freitag den 16. Oktober, vor. Diese Generalprobe aber sowohl, wiebie drei ersten Ausführungen wird sich Direktor Messager ohne jeden Strich leisten, während die späteren Aufführungen in „geeigneten Kürzungen" dem musikalischen Aufnahmevermögen der Pariser näher kominen werden. Diese ersten Aufführungen aber beginnen y\i einer, für die Pariser ganz unerhörten Zeit, um 6 Uhr abends und enden eilt um Mitternacht. Auf die Art würden natürlich bie Pariser, die uni 7 Uhr zu speisen pflegen, um ihr Diner, und somit wahrscheinlich gar/nicht ins Theat^ kominen. Um dem abMhelfen, sorgt die Direktion dafür, daß zwischen dem ersten und zweiten Akt der „Götterdämmerung' eine volle Stunde Pause gemacht wird, während der von denr Traiteur der Großen Oper den Besuchern ein vollständiges Tiner serviert wird. Daß das neue „Tiner ä la Crepuscule" schon heute sehr populär ist, zeigt oie Tatsache, dag bereits auch für dieses kein Plätzchen mehr zu l)aben ist. Auch ein Sieg Richard Wagners in Frankreich!
— Die Bernstcinsammlung, der Universität Königsberg gelangte kiirzlich in den Besitz interessanter neuer Objekte. So übersandte das kaiserl. deutsche archäologi,.^ Institut in Athen eine Anzahl Bernstein perlendie aus einem mykcnqciMi Kuppel- grabe einer vorgriechischen ^iedelung (vor der Dorischen Wan- derung etwa 1100 v. Chv.- bei .Kukowatos im westlichen Peloponnes stammen. Durch Analyse konnte nachgewiesen werden, daß sie au5 baltischem Bernstein (Succiuit) bestehen.
— Römerfunde. Beim Wiederaufbau der im Svmmeri niedergebrannten Ortschaft Zirl bei Innsbruck stießen Arbeiter auf verschiedene Funde aus der Römerzeit, die die Vermutung! nahe legen, daß an dieser Stelle einst ein römischer Urnenfriedhof bestand. Die Funde, vie, wie der Vossisären Zeitung gemeldet wird, zum Teil vorzüglich erhalten sind, bestehen aus einer kunft- voll gearbeiteten Haarnadel, zwei Fibeln, einem prächtigen Arm-- reif, mehreren Oanzenspitzen und einer großen und reich ziselierten Gürtelschließe. Auch verschiedene Beigefäße zu Urnen und zahlreiche Urnenstücke, die wie die meisten Fundstücke in Bronze gearbeitet sind, wurden gefunden. Diese Gegenstände werben dem Innsbrucker Museum Jrrdinandeum übergeben werden.
— Sv en Hedi ns Abschied von Sim la. In Simla hat sich am 1. Oktober Sven Heoin von den sechs getreuen LadakiS vecabschiedet, die die ganze Reise durch Tibet mit ihm gemacht haben. Die Abschiedsszene war außerordentlich rührend. Dis Diener weinten bitterlich. Sven Hedin gab ihnen als Abschiedsgeschenk die Zelte, die Lasttiere, die Waffen und alles, was ex sonst von der Ausrüstung seiner Exposition zurückgebracht hatte. Gr ist am 7. Oktober nach Bombay gereift von wo ec über Japan uiti) Sibirien nach Guropa geht. Seinen ersten Vortrag hält Sven Hedin in Stockholm. Gr geht dann nach London, um in der Königlüchm Geographischen Gesellschaft zu sprechen.
Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
nicht ganz auf der ursprünglichen Höhe ihrer Darstellung blieb. Sehr ansprechend war Hermann Bakof, der auch eine gute Regie führte, als ihr gehorsamer Gatte. Er brachte eine ausgezeichnete feinkomische Gestalt in Erscheinung und vertiefte die Schönheit der künstlerischen Darstellung durch psychologische Wahrheit. Sein Marquis war sehr nett. Als rührselige Verräterin Graee machte Claire Albrecht ein vorzügliches Bild, doch betonte sie das Schauspielerische in der schönen Sünderin als Dame von Welt etwas gar stark, so daß der Uebergang zu der liebevollen, rachsüchtigen Frau nicht abftimmungsfähig genug blieb. Zweifellos geschah es mit bewußter Neberlegung, aber ein wenig Zurückhaltung scheint mir doch rötlich zu sein. Recht nett, wenn auch etwas zu wenig gewandt, war Paul Kohlmann als ungeratener, lebenslustiger Sohn. Das Zusammenspiel ließ nichts zu wünschen übrig.
Karl Neurath.
Im übrigen wahrten die Liberalen und die ^ozialbemokratest ihren Besitzstand. Unter den Gewährten befinden sich auch der ehemalige Reici)stagsabgeorbnete Julius Müller (Nutzborn- und der Gutsbesitzer v. Levetzow-Siellwck. ,
Bei den Wahlen zum anhaltischen Landtage wurden gelPähtt: 11 Nationalliberale, 6 Freisinnige und 1 Sozialdemokrat, sowie 6 Abgeordnete von unbestimmter Parteistellung.
Todesfall. Der regierende Bürgermeister von Lübeck Dr. Schoen ist gestern nachmittag im Alter von 66 Zähren gestorben.
Göetzener StadtLheater.
Simson.
Komödie von Henry Bernstein.
Der gestrige Abend brachte die erste Aufführung von ftrnry Bernsteins vieraktiger Komödie „Simson*. Sie leitet ihren hübschen, aber ziemlich weit hergeholten Titel von der Lügende des biblischen Simson ab, der die Säulen der Halle zerbricht, um seine Feinde zu vernichten, wobei er naturgemäß und bekanntlich ebenfalls unter den Trümmern begraben iteirb. Ein reicher Börsenmann, der die Tochter eines verarmten Marquis geheiratet hat, rächt sich an dem Verführer inner ihm abholden Gemahlin, indem er ihn durch ein tolles 'Larsenstückchen an den Bettelstab bringt, zugleich aber auch ij-ch selbst ruiniert. Dem Verarmten steht nun seine Frau, tacfenb von Edelmut und Güte, treu zur Seite.
Dentfehes Heid?»
Der Kaiser hat gestern zur.i erstenmal an der Parforcejagd in Döberitz teilgenommen. Der Kaiser war begleitet von den
Ausland.
Die parlamentarische Session in Paris ist gestern eröffnet worden. Die Regierung hat in der Kammer eine Vorlage eingebracht, die für die militärischen Operationen in Marokko während des laufenden Trimesters insgesamt 19 700 000 ^D^e r<P a"pst hat in einem Erlaß an die Bischöfe den franzos. Geistlichen den Besuch der staatlicheu Hochschulen m , Frankreich verboten. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht einen päpstlichen Erlaß, der die Gründung eines zweimal un Monat erscheinenden Mattes für Gesetze und offizielle Kundgebungen des Heiligen Stuhles anordnet.
Der spanische Minister des Aeußeren Allenix- salazar kehrte gestern nach Madrid zurück und erklärte, er habe nach seiner letzten Aussprache mit Pichon über die Maro k io- an gelegen!) eit den Eindruck gewonnen, daß,die <yrage bet Anerkennung Mul ey Hafidsgeor dnet sei. Es handele sich nur mich um einzelne Details. Auch bezüglich der Ordnung der Balkanwirren ist der Minister optmnsttjch gestimmt und erwartet eine friedliche Lösung durch eine Konferenz.
Aus Persien. Nach mehrtägiger Schießerei hat das dem Schah ergebene Stadtviertel in Tebris Dawatschi in vergangener Nacht die Waffen gestreckt und sich den Anhängern SaUar Chans mit vier Geschützen ergeben, nachdem es vier Monate mit den Revolutionären gekämpft hatte. Auch die Stadtviertel Surgab und Mickdam haben sich ergeben.
jimgltbei* Parteitag.
S.u. H. Elberfeld, 11. Oktober.
Den politischen Bericht über bie juugliberale Beivegung mtb politische Lage erstattete der Verbandsvorsitzende Rechtsanwalt Dr. o^^Ter^ Redner legt namens des Zentralvorstandes folgende Resolution vor: „Wir halten noch immer an der Blockpolitik fest und hoffen, daß unter Mitarbeit der konservativen Parteien eine den Bedürfnissen des Deutschen Reiches entsprechende gründliche Regelung der Finanzrefoem gelingt. Sollen aber die deut- schen Reichsfinanzen dauernd gesund blemen, darf die so gescl-affeuä Grundlage nicht wieder durch Beschlüsse wie die auf Betreiben des Zentrums geschaffene Zrankensteinsche Klausel erschüttert werden. Eine Gewähr dafür ist aber allein eine dauernde Ausgestaltung; des Zentrums durch das Zusammenwirken der Blockparteien. Tas Zusammenarbeiten der Liberalen mit den Konservativen erfordert aber eine Verständigung der Regierung und der Blockparteien! über eine Reform des Wahlrechts in Preußen. In der Stärkung! des liberalen Einigungsgedankeus erblicken wir das befle Mittel, dem deutschen Liberalismus iuieber zu Macht und Ansehen zu verhelfen. Wir erachten es daher als vornehmste Aufgabe deri nationalliberalen Partei, den Einigungsgedanken unablässig zu fördern und praktische Wege zur Verwirklichung dieses Gedankens zu finden. Die Bildung eines gemeinsamen Ausschusses der liberalen Parteieii zur Aussprache über schwebende politisck)L Fragen halten wir für einen solchen gangbaren Weg."
Rach einer weiteren lebhaften Debatte wird schließlich der Antrag des Gesanttvorstandes angenommen. Der erste Frankfurter Antrag wird abgelehnt in der Erwägung, daß der Jung- liberalismus bei den nächsten Wahlen die Aufstellung von tttuv-
Die Urifir im Grient.
Wenn man von Serbien und Montenegro absieht, kann man die Lage jetzt als ftiedlicher bezeichnen. Der Gedanke der Kon- s-renz scheint immer fester Boden gefaßt zu haben. Wie die rbrigen Mächte, so hat jetzt auch Italien in Konstantinopel crklären lassen, daß sie das Prinzip aufrecht erhalte, wonach der ‘xrlrner Vertrag nicht ohne Zustimmung der Mitunterzeichner peänbert werden könne. Einstweilen werden in London
die Verhandlungen zwischen Zswolsky und Grey vier die bevorstehende Konferenz fortgesetzt, uiid es cherlautet, doß sie noch mehrere Tage dauern werden. Reuter erfährt, daß bie Konferenzen, die Minister Iswolsky im Auswärtigen Amte Lotte, vorzüglich die Frage, wie man der Türkei eine aus- i cichende Kompensation verschaffen, und wie man die Kittel finden könne, um das Vorgehen Oesterreich-Ungarns und Mgariens zu einem rechtmäßigen zu gestalten, zum Gegenstände ;£ hotten. Dies Vorgehen müsse, so viel stehe fest, als eine voll- nbete Tatsache angesehen werden. Der einzig praktisck)e Weg, b« Türkei eine Kompensation zu sichern, scheine darin zu bestehen, üoß man der Kompensation einen finanziellen Charakter gebe. Es sei nicht unmöglich, daß die Kompensation die Iorm Liter garantierten türkischen Anleihe annehme. Man habe Grund >inzunehmen, Italien und Deutschland würden sich den Gesichtspunkten Englands, Rußlands und Frankreichs bezüglich der Not- »enbigteit einer 5Lonferenz anschließen. Greys Anschauungen über ötn Umfang der Konferenz hätten sich allmählich geändert. Zuer,i gebe er gewünscht, ihn auf die Bosnien und Bulgarien angehenden fragen zu befchränken. Seit sich jedoch die Lage durch die Er- Larung Kretas und die Situation in Serbien geändert hätte, le bebe man Grund zu der Annahme, daß Grey anerkenne, die Mßigung Griechenlands und die Klugheit der serbischen Regie- tmg gäben ihnen ein Reckst darauf, daß man ihre Ansprüche in ■ nüägiutg ziehe. Infolgedessen bestehe er nicht länger auf den 'tiÜ)eten Beschränkungen bezüglich der Unterhandlungen auf der 1 Konferenz, obgleich er an dem Grundsätze festhalte, daß die Kon- iZ ietenz den gesetzlichen und bindenden Charakter internationaler Verträge nachdrücklich betonen solle.
In Paris meint man, daß
die Oeffuung der Dardanellen
's Dom Kongreßprogramm ausgeschlossen werden soll. England wird ich begnügen, Rußland zu erklären, daß es feinen Widerspruch chebt und es Rußland überlasse, den Punkt unmittelbar mit Der Türkei als der allein beteiligten Macht zu regeln. Als Kon- * qrefcort wird jetzt besttmmt Konstantinopel bezeichnet. Die türk.
blätter heben mit großer Befriedigung die türkenfreund- Wlrche Haltung aller Mächte hervor. „Jeni Gazetta'
t»eist besonders auf die Haltung Deutschlands hin. Das Organ des jungtürkischen Komitees „Schur Aummet" sagt, die Türkei könne die Oeffnung der Meerengen niemals II i < ft a 11 e n, weil dann die russische Flotte eine beständige Ge- arhr für das Ottomanentum bilden würde.
Ter Boykott der österreichischen Waren
in der Türkei nimmt immer bedenklichere Formen an. Der öster- ichchische Minister des Aeußeren, Baron Äehrenthal, hat jetzt Den Botschafter in Konstantinopel telegraphisch angewiesen, die lärkifche Regierung aufzufordern, sofort energische Abwehr- :ma ^regeln gegen die Boykottierung österre ich - r n g a r i s ch e r Schiffe in den türkischen Häfen zu ergreifen.
Der türkische Großwezier demisfioniert.
Kiämil Pascha, der für den Krieg war, sieht jetzt, da eine srckedliche Regelung der Orientfrage immer wahrscheinlicher wird, leine Stellung erschüttert. Wie von autoritativer Sette versichert Wahlrecyts. wstd, habe der Großwesir Kiamil Pascha dem Sultan Jahre 1205. f - - - . - .....
gegenüber den Wunsch geäußert, sein Amt n i e d er zu l e g c n;' unb Bürgermeister Koch (Delmenhorst) wurden roiebergeroablt
Prinzen August Wilhelm und Oskar.
BesuchdeseiiglischenKönigs'paaresinBerliii. In London wird bekannt gegeben, daß Wnig Eduard und Königin Alexandra ihren bereits angefünbigten Besuch in Berlin am 22. Februar 1909 abstallen werden. Es fällt einigermaßen aus, daß die Ankündigung dieses freundschaftlichen Besuches gerade während der jetzigen Krise erfolgt, und es wird daraus gefolgert, daß in den maßgebenden englischi.ii Kreisen feine Verstimmung gegen Deutschland gehegt wird. Die Verstimmung richtet sich ausschließlich gegen Oesterreich. Man ist jetzt vollständig davon überzeugt, daß Deutschland keineswegs der Ansttfter der letzten Ereigniffe im Orient gewesen ist.
Der Kronprinz und die Kronprinzessin kehrten gestern nachmittag vom Dambachhaus nach Potsdam zurück.
Gegen den Spiritusring. Eine Versammlung, der nahezu sämtliche Spiritusfabrikanten und Spiritusgroßhändler von Nürnberg und Fürth, sowie Vertreter der Handelskammern und der Detaillisten-Vereinigungen in Nürnberg beiwohnten, beschloß einstimmig, eine Eingabe an bie bayerische Regierung zu richten, bei der Reichsregierung für beschleunigten Erlaß eines Notgesetzes zur Besettigung der vom Spiritusring durch seine neuen Verträge dem gesamten Handel aufgelegten Fesseln wirken zu wollen.
In Oldenburg fanden die Wahlen zum Landtage statt, und zwar das letzte Aial vor der Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Es wurden 44 Abgeordnete gewählt gegen 40 im Jahre 1905. Die Führer der Liberalen, Reichstagsabg. Ahlhorn I unb Bürgermeister Koch (Delmenhorst) wurden wiedergewählt.
er habe als Nachfolger auf Ismael Kemal Bey hmgewiesen. Der Sultan habe, wie es heißt, diesem Vorschläge zugestimmt und Kemal, der in Skutari togHt, fei telegraphisch nach Konstantinopel gerufen worden.
Bulgarien
dementiert von neuem die Meldungen, daß es zum Stiege rüste. Ein offiziöses bulgarisches Kommunique bezeichnet die Meldung mlswärtigsr Blätter, Bulgarien bereite ein Ultimatum an die türkische Regierung vor, worin für den H-all, daß binnen drei Tagen die Anevkennung Bulgariens nicht anerkannt wird, die Ktiegserklärung erfolgen werde, als völlig unbegründet. Die Einberufung der drei Reierveklassen erfolgt lediglich zu der Alljährlich üblichen Waffenübung-, an die Grenze seien bisher keine Soldaten gesandt worden.
Ju Serbien unb Montenegro
ist die Stimmung noch immer kriegerisch, und es scheint, daß diese Sttmmung von einer ganz bestimmten Seite her künstlich ergänzt wird. Es treffen viele Telegramme in der Skupschtina ein, die Krieg gegen Oesterreich fordern. Die Belgrader Zeitung meldet aus Cettinje, wo vorgestern die Skupsckstina zusammengetreten ist, daß die BegrüßungsdepeM des ferbifd^n Parlaments große Begeisterung erweckt. Alle biedner waren für ein Bündnis Montenegro mit dem Brudervolk von Serbien gegen den gemeinsamen Feind Oesterreich-Ungaru. Prinz Peter, der jüngste Sohu des Fürsten Nikolaus von Aiontenegrv, sandte eine sehr friegcriidye Depesche an den Kronprinzen von Serbien, die dieser mit ebenso kriegeriscl-en Worten erlöibcrte. — Ja, er tat noch mehr, indem er ohne Wissen seines Vaters und der 'jiegierung bie Depesche PeterL und seine Antwort zwei oppositionellen Zeitungen überwies. Die „Südslavisck-e Correspondenzi meldet aus Belgrad, daß die jüngsten Vorgänge zu einer ernsten
Cntfrembung zwischen Ltöuig Peter und dem Kronpringen Georg geführt haben. Der König soll durch oie Ereignisse der letzten Tage Ivie gebrochen sein; es sei aber unzutreffend, daß er freiwillig auf die Krone verzichten wolle. Es spielt sich im Lbonak ein stummes Drama ab, der Kampf zwischen Vater und Sohn um die Kr o ne.
Gespielt wurde durchweg sehr gut, doch wäre vielleicht tun wenig flotteres Tempo wünschenswert gewesen. Die Hauptrolle, den Börsenkrösus, gab Erich Wein gärtner mit g iter Empfindung und einer unverkennbaren Reife, die von n^iser Mäßigung getragen war. In dem dritten Auszug, der [b ie größte Anforderungen an den Schauspieler stellt, spielte tn mit hinreißendem Feuer und sicherer Geste, so daß man über der Darstellung leicht den Gang der Handlung vergessen (ennte und wirklichen Anteil nahm. Sein guter Gegenspieler luar Rudolf Goll als Jerome, der den schmarotzenden Freund u nb Lebemann mit der ihm eigenen vornehmen Würbe zur bisten Geltung brachte. Auch ihm stellte das Stück in dem g roßen Auftritt des dritten Aufzuges die schwerste Aufgabe, und er führte sie mit vornehmer Zurückhaltung und mit Ge- ' schmack zum Ziele. Als Gattin des Börsenkönigs hielt sich : iklnni Rö b e r glücklicherweise von falscher Sentimentalität frei j| ob bestrebte sich nicht fruchtlos, aus dem kalten und doch ^. si nnlichen Weibchen eine Charakterrolle zu schaffen. Geht die Atolle an sich auch kaum unter die Oberfläche, sprüht sie ! üzentlich nur so oben her, so verstand es Anni Röber trotzdem, etwas herauszuholen, und wenn man auch in einigen • leinigfeiten anderer Auffassung sein kann, so muß es doch .iimmwunben anerkannt werden, daß sie eine reizvolle, fesselnde J. Erstattung zuwege brachte, die psychologisch ergründet war.
•Hat einer kleinen Einschränkung kann man von Grete Hö cker als Marquise dasselbe sagen, wenn sie auch in letzten Aufzuge
— Biürnson militans. Aus Chcistiania schreibt man uns: Der gveise Björnson ist unermüdlich in seinem Kamps in der norwegischen Sprachenfrage, obgleich sein Befinden recht sehr zu wünschen übrig läßt. Während man bisher sein Leiden für Gicht hielt, ist jetzt ältlich festgeitellt worden, daß es sich vielmel)r um eine Venenentzündung, also um eine Krankheit handelt, die für einen so betagten Mann keineswegs unbedenklich ist. Ter Avzt hat Björnson 14 Tage Bettruhe befohlen; wer sich aber um diese Vorschrift nicht kümmert, das ist der Alte. Vielmehr unternahm er die immerhin nicht unbeschwerlick-e Reise nach Christiania, um hier am Samstag abend in der Studentcn- gesellsck'aft eine Rede über die Sprachenfrage zu halten. Und er sprach so kraftvoll unb geistreich, daß der dichtgedrängte Saal jeden Aug.mblick von bransenben Beifallsstürmen widerhallte. Zur (Siche selbst, den bekannten Versuck-en, bie dänisck)-norwegische „Reichssvrache' durch eine eigene norwegische Natiomilsprache zu ersetzen, 'wies Björnson vor allen Dingen darauf hin, daß die dänisch-norwegische Sprachunion keineswegs für Norwegen etwas Demütigendes habe, wie es seinerzeit die politische Union zwischen Schweden und Norwegen gehabt habe. Der Dichter zeigte, wie die dänische Sprack)e im Lause der Zeiten auch bas norwegische Geistesleben bereichert und wie umgekehrt der iwrwegiscbe Einflutz besonders in neuerer Zeit auch seinerseits auf bie dänyche Spraa>e belebend gewirkt habe. So Haden beide Länder von dieser Vereinigung Vorteil. „Aber die Sprack-sanatiker (maaimaenb) wollen unsere Sprache zu einem vierfüßigen Tiere, einem gräßlichen Dialekte machen, dem ich Gott sei Dank durch meinen Tod entgehe" — so sagte der Dichter.
— „Eiin Götterdämmerungs-Diner" — baä ist mit das neueste, was bie diesjährige Theatersaison bringen wird. Es kommt aus Paris! Wie bem Berl. Bors.-Cour, nämlich


