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Nr. 163
Zweites Blatt
158. Jahrgang
Dienstag 14. Juli 1908
Gießener Anzeiger
Erlcheinl lützlich mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Die „Stehener KamiNenblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für öen Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Leit- fragen*' erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: Tell-AdruAnzeigerGießen.
Apolitische Tagesschau.
Zur Angelegenheit Bernhard.
Die ,Münch. N. Nachr." meldeten dieser Tage, daß im preußischen Kultusministerium Einflüsse tätig seien, Professor Bernhard zur Zurücknahme seines Abschiedsgesuches zu bewegen, und gewisse Leute im Kultusministerium seien „des Glaubens", die Regierung müsse auf ihrem Schein bestehen und der Fakultät gegenüber ihren Willen durchsetzen.
Wie nun einer unserer Berliner Korrespondenten zuverlässig mitzuteilen in der Lage ist, beruht diese Darstellung auf Kombination. Tie Unterrichtsbehörde hat erst in den letzten vier Tagen sich mit der Angelegenheit Bern- Herd eingehender befaßt und sich entschlossen, eine Darstellung des Falles und des rechtlichen und praktischen Standpunktes, den sie einnehmen müsse, selbst zu geben. Diese Mitteilung dürfte schon heute, Tienstag, erfolgen.
*
Parteiverschmelzung.
Der freisinnige Abg. Dr. Pach nicke äußert sich in einer Betrachtung über die preußischen Landtagswahlen, die er in der .Neuen Revue * veröffentlicht, auch zur Frage der Pattciverschmelzuug. Er führ) u. a. au5:
Eben weil die Gruudstimmung noch nicht überall dieselbe ist, kann auch zu einer Verschmelzung der Parteiorganisalionin die Stunde noch nicht als gekommen gelten. Wie sehr das Zusammengehörigkeitsgefühl, Rücksicht auf das gemeinschaftliche Interesse noch fehlt, zeigt allein schon die Tatsache, daß ein Mitglied der Fraktionsgemeinschaft bei der Wahl in Teltow-Storkow den Kandidaten der freisinnigen Volkspartei zu Gunsten der außerhalb der Gemeinschaft stehenden sozralliberalen Richtung bekämpfte. Solange solche Seitensprunge möglich sind, wäre die Fusion eine Uebereilung. Unter übereilten Fusionen aber hat der Freisinn gerade genug gelitten. Im Lande glaubt man kaum, wieviel Nerven- kraft eS kostet, wieviel Verdruß heroorgernfen wird, wenn innerhalb derselben Gruppen die Uebereinstimmung da fehlt, wo sie die Vorbedingung des Erfolges ist. Die Freude an der Politik kann dabei bi« zum letzten Rest verloren aeheu. Reif muß die Einigungsfrucht fein, wenn sie schmecken soll. Also lasse man sie reifen, befasse und befühle sie nicht immer 1 Lieber in Eintracht handeln, als von Eintracht reden 1 Vielleicht, — wir hoffen und wünschen es — nimmt das Vertrauen, die Einsicht, die Disziplin zu, so daß kein schriller Mißton mehr das Ensemble stört. Dann wird dem homogenen Inhalt auch die homogene Form gegeben werden. Einstweilen aber die Fraktionsgememschast unter Aufrechterhaltung selbständiger Parteiorganisationen das angemessenste.
Die Lebenshaltung der deutschen uud englischen Arbeiter.
Man schreibt uns:
Die Regierung in England hat die Herausgabe eines Gelbbuches veranlaßt, in dem ein sehr umfangreiches Material über die Lebenskosten in deutschen Städten zusammengestellt mird. Es werden Untersuchungen veröffentlicht, die sich auf 33 deutsche Städte erstrecken und 5046 Familienbudgets umlassen. Die Enqueten tragen den Charakter vollster Objektivität, und wenn die Engländer die Ergebnisse dieser neuen Untersuchung mit den im Januar veröffentlichten amtlichen Angaben über die Lebenshaltung der arbeitenden Klassen in ihrer Heimat vergleichen, so können sie sich ohne weiteres Laoon überzeugen, daß das schu tzz öl ln e rische System zum mindesten nicht danach angetan ist, die Daseins- dedingungen der unteren Klassen zu heben. In jeder Beziehung ist dec deutsche Durchschnittsarbeiter in einer u n g ü n st i g e re n Position als sein englischer Kollege. Die Mieten sind in England niedriger als bei uns, die Löhne dagegen höher; nach den Feststellungen des tZelbbuches erhalten die deutschen Arbeiter in den Haupt- -abrikatiouszweigen ungefähr 17 Proz. an Löhnen weniger als die Engländer bei einer Zahl von wöchentlichen Arbeits- Iiunden, die ungefähr 10 Proz. höher ist als die der Engländer. Die selbstverständliche Folge ist schlechtere Lebenshaltung, insbesondere schlechtere Ernährung. Der deutsche Arbeiter verzehrt wenig Ochsenfleisch, viel Schweinefleisch, und Schwarzbrot oder Graubrot anstelle von Weißbrot. Pferdefleisch ist nichts außergewöhnliches. In Berlin wurden im ^sahre 1904 11 192, im Jahre 1905 13 752 Pferde geschlachtet, in Hamburg in denselben Jahren 4436 resp. 5360. Nahrung, Miete und Feuerung zusammen stehen im Preise ungefähr um J/5 höher als in England. Das typische eng- l.ische Arbeiterbudget beträgt 185 d. Es würde, dieselbe Lebenshaltung vorausgesetzt, in Deutschland auf 2183/4 d Neigen, während da§ durchschnittliche deutsche Arbeiterbudget mit 152 d berechnet, in England auf 1411/* d sinken mürbe.
Speziell die deutschen Methoden zur Erhöhung der Fleischpreise werden recht eingehend untersucht, und die Feststellungen des Gelbbuches dürften die neuerdings auch in England aufgetauchten Anregungen, die Grenzen gegen aus- 1 indisches Vieh zu sperren, um die heimische Viehzucht z.u fördern und Großbritannien vom Auslande unabhängig oii machen, im Keime ersticken. »Haben Sie", so fragt die volkswirtschaftliche Wochenschrift »Economist" die Befürworter jener Politik, „sorgfältig die Wirkungen dieser Politik in Deutschland untersucht und sind Sie bereit, unseren mbeitenben Klaffen bic Lebensbebingungen aufzuerlegen, bie u Deutschlcmb gerade infolge eben dieser Politik herrschen?"
Noch einmal Kohlensäure oder Ammoniak.
In einer Gießener Zeitung werden unsere Ausführungen über den Wert der Kohlensäure-Kältemaschine aufgegriffen, sw daß wir gezwungen sind, noch einmal auf diese Sache zurückzukommen.
Zunächst müssen wir festftellen, daß der Vertreter her Vorzüge der Ammoniak-Maschine es fick) insofern leicht macht, als er seine Behauptungen nicht beweist, sondern sie glattweg Tatsachen nennt.
Es ist nicht schwierig, zu zeigen, wie es mit diesen Tatsachen in Wirklichkeit bestellt ist.
1. Er behauptet zum Beispiel die bedeutend größere Lirtschaftlichkeit des Ammoniaks als solche Tatsache und fuhrt dafür Die Herren Prof. Dr. Zeuner, Prof. Dr. v. Linde
und Herrn Prof. Lorenz, letzteren mit einer Schrift von 1899, als Zeugen an.
Die Stellung der beiden erstgenannten Herren ist längst befamtt und eben der dritte genannte Herr Prof. Lorenz hat sie selbst eingehend untersucht. Wenn man es unternimmt, sich auf ihn zu berufen, um für Ammoniak zu sprechen, so kann man dazu nur infolge eines ungeheuren Trugschlusses kommen, denn dieser eigene Kronzeuge des Ammoniak-Vertreters schreibt in Heft Nr. 7 der Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie vom Jahre 1902:
„Ich glaube, daß beim Ueberblick dieser Tabelle kein Unbefangener mir die Berechtigung des rein objektiven Standpunktes der praktischen Gleichwertigkeit der drei Haupt syfterne noch bestreiten wird. Daß die Anerkennung dieser Tatsache einzelnen, an der Entwicklung der Kältetechnik hervorragend Beteiligten nicht ganz leicht wird, ist ja menschlich wohl begreiflich, ändert aber nichts an der Verpflichtung unbeteiligter Sachverständiger, nach ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung sowie unter gewissenhafter Hinzuziehung der Erfahrung, der Wahrheit dre Ehre zu geben. Schließlich ist es ja auch ziemlich gleichgültig, welche Stellung wir Professoren zu einer technischen Errungenschaft einnehmen, da über deren Wert die Praxis doch souverän entscheidet. Taugten die Kohlensäure- und Schwesligsäuremaschinen wirklich so wenig, wie von den Kathedern einzelner Hochschulen und Brauer- akademien jahrelang gepredigt wurde und vielleicht noch wird, so wären sie längst anderen verunglückten Systemen in die Vergessenheit nachgefolgt, während sie in Wirklichkeit ihren einmal eroberten Platz neben der altbewährten Ammoniakmaschine vollauf behaupten. In der hierdurch hervor- gcrufenen gesunden Konkurrenz liegt zugleich die Gewähr, daß keines der Systeme und mit ihnen die gesamte Kältetechnik ins Stagnieren gerät, gewiß ein an sich recht erfreuliches Moment, mit dessen Betonung ich Diese Diskussion beschließen möchte."
Wir möchten dieser einwandfteien, eines um die Kälteindustrie hochverdienten Professors nur noch hinzufügen, daß in Wirklichkeit tatsächlich nicht der theoretische Wert einer Kühlmaschine, sondern die jeweils gegebenen Garantien maßgebend sind, weil der Kraftverbrauch einer Kühlanlage nicht nur von den physikalischen Eigenschaften des Kältemediums abhängt, sondern in erster Linie von der Größe der Kühlflächen und von den Reibungswiderständen der Dämpfe in den Rohrleitungen, welch letztere insbesondere bei Dämpfen von niederem Drucke, wie Ammoniak und Schwefelige Säure, wesentlich von dem Durchmesser, der Länge und der Lage der Rohrleitungen beeinflußt werden. Die hier in Gießen vorliegenden Offerten bestätigen unsere vorstehende Ausführung, denn die abgegebenen Garantien für Kraftverbrauch zeigen sowohl für normales als auch für wärmeres Kühlwasser einwandsfrei die wirkliche Tatsache, daß die Kohlensäuremaschine nicht mehr, sondern eher weniger Kraft braucht, als die Ammoniak- und die Schweflig- säuremaschine.
2. Verbreitung der Ammoniakmaschine. Die Ammoniakmaschine ist zurzeit am verbreitetsten,
a) weil sie die älteste Kühlmaschine des Kompressionssystems ist und bereits in sehr vielen und großen Aus- ührungen vorhanden war, als die Kohlensäurema- chine erst auf den Markt kam;
b) weil der Bau derselben von vielen großen Firmen ausgenommen wurde, während die Herstellung vollkommener Kohlensäuremaschinen lange Zeit in Deutschland und Oesterreich von einer Augsburger Maschinenfabrik allein betrieben wurde.
Heute haben fast alle Fabriken für Kältemaschinen den Bau von Kohlensäuremaschinen ausgenommen und beweisen damit selbst schlagend, daß die Kohlensäuremaschine es ist, die sich immer neues Terrain erwirbt, daß dagegen Ammoniak an Boden verliert. Es existieren in Deutschland zurzeit wohl fünf- oder sechsmal soviel Ammoniakmaschinen, aber die Summe der Neuanlagen, die gebaut werden, und darauf kommt es hier an, gibt.ein ganz anderes Bild, das durchaus zu Gunsten der Kohlensäuremaschine spricht.
3. Die stets gleichbleibende Leistung Der Kohlensäuremaschine wird wohl auch von den Gegnern anerkannt, aber die Verseifung der Ammoniakrohre wird ins Reich der Fabel verwiesen, weil das Oel in wirksamster Weise hinter dem Kompressor abgeschieden wird, also nicht in Die Kühlschlangen gelangen kann. Der Berichterstatter der G. N. N. muß also selbst zugeben, daß kein Oel in die Kühlschlangen kommen soll, da alber kein Oelabschneider der Welt vollkommen ist und die Wirkung der Oelabschneider überdies von der Bedienung abhängt, so gelangt in Wirklichkeit stets doch Oel in die Schlangen und übt dort die nachteilige Wirkung aus, von der wir mit Recht gesprochen haben.
4. Einfachheit des Betriebes. Die Ammoniakmaschine ist weit komplizierter zu bedienen, weil z. B. eben vorgenannter Oelabscheider in Ordnung gehalten werden muß, und kann man es einfach nennen, wenn bei jeder Handreichung, z. B. dem Nachfüllen von Kälteflüssigkeit, dem Nachschleifen von Ventilen, dem Auswechseln von Dichtungsmaterial mit äußerster Vorsicht zu Werk gegangen werden muß, um Beschädigung und Belästigungen des Personals zu verhüten.
5. Kohlensäureverluste. Die Tatsache, daß der Verlust an Kohlensäure pro Jahr nur sehr gering ist und keinesfalls teurer, als der Ersatz an Ammoniak und schwefliger Säure kommt, ist nicht nur durch die Garantie der eingereichten Offerte, sondern auch durch eine große Reihe von Zeugnissen erwiesen, die auf Grund langjähriger Erfahrungen mit Kohlensäuremaschinen ausgestellt sind, so daß die gegnerischen Behauptungen alsvöllig widerlegt gelten müssen.
6. Gefährlichkeit des Ammoniaks. Der Berichterstatter der G. N. N. sucht nun in langer Auseinandersetzung die Gefährlichkeit des Ammoniak dadurch zu beschönigen, daß er den Hauptnachdruck auf die möglichen Betriebs-Undichtheiten an Stopfbüchsen und Verschlüssen legt, die auch wir nur als lästig, nicht als gefährlich bezeichnet haben. Gefährlich, wirklich gefährlich wird das Ammoniak bei Unfällen, die aus Material- und Bedienungsfehlern folgen, das streitet auch der Berichterstatter der G.
N. N. nicht ab, nur scheint er auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Menschheit sich um deS Ammoniaks willen in solchem Falle sich auf, die „Verantwortlichkeit des Ma- allein nur der Maschinist, falls er einen Bedienung s f eh le r macht, die Folgen zu tragen habe. Das ist der springende Punkt. Tie Gefahr, die int Ammoniak liegt, mußte man früher in den Mauf nehmen, so lange man keinen gleichwertigen Ersatz für dasselbe hatte, jetzt aber, nachdem in der Kohlensäure ein überlegenes Kältemedium gefunden ist, kann dieser Standpunkt nicht mehr aufredjt erhalten werden.
Der Bedienungsfehler, den ein Maschinist macht, ist kein Vergehen, das man mit dem Tode oder mit schwerer Körperverletzung ftraft sind deshalb ist es ein trauriger Standpunkt, wenn man sich in solchem Falle auf die „Verantwortlichkeit" des Maschinisten" zurückzieht.
Das plötzliche Ausströmen von selbst größeren Mengen Kohlensäure ist nie wirklich gefährlich. Hierzu ist gerade der von den G. N. N. angezogene Fall in der Metzgerei und Wurstfabrik Appenzeller in Stuttgart beweisend. Es ist. ttotz starker Aussttömung eben niemand zu Tode gekommen oder auch nur geschädigt worden. Wäre die Ausströmung in solcher Weise an einer Ammoniakmaschine vorgekommen, so hätte sie mit sicherer Wahrscheinlichkeit mindestens zwei Menschen das Leben gekostet.
Mit seinen Ausführungen wird der Gegner nicht die einwandfreien Schlüsse aus einer feststehenden Statistik ber' tödlichen Unfälle an Ammoniakmaschinen aus der Welt schaffen.
Mr halten deshalb unseren Standpunkt hierzu völlig aufredit und glauben auch nicht, daß bei uns in Gießen' jemand ohne zwingende Gründe die Verantwortung übernehmen möchte für ein derart gefährliches Kältemedium, da wir gerade hier gewarnt sind durch den vorjährigen Unfall in der Brauerei von Friedel u. Asprion und durch die in allerneuester Zeit erwiesenen Vorkommnisse in Wien, Mtona und Ludwigsburg.
Wir sehen eben, daß sie an derart scharfen Gasen, wie Ammoniak und Schwefelige Säure trotz sachgemäßer Be- äienung und geschlossenem Röhrensystem doch heute immer noch so gefährlich sind wie früher.
Der Berichterstatter der „G. N. N." möchte diese Unglücksfälle iplle gerne ins Reich der Phantasie verweisen. Deshalb verwirft er auch kurzerhand die geradezu wissenschaftlichen Gutachten der hervorragenden Hygieniker der Herren Professoren von Pettenkofer und Gaffky, beruft sich andererseits aber auf einige Äußerungen des Herrn Professors Lehmann, in welchem dieser, eigentlick) nicht zu seinem Vorteil, das hygienische Gebiet verläßt und sich auf das ihm mehr oder weniger frenibe Gebiet des Maschinenbaues begibt. In hygienischer Hinsicht schildert Herr Professor Lehmann im Archive für Hygiene Bd. V, S. 59 das Ammoniak als durchaus gefährlick).
Lehmann kommt daselbst durch zahlreiche Versuche an Tieren und durch mehrere auch an Menschen angestellte Beobachtungen zu dem Schlüsse, daß 0,1—0,2 Prozent Ammoniakgas in der Luft bei kurzem Aufenthalte in derselben zwar noch ohne Gefahr sind, bqH aber für einen längeren Aufenthalt schon 0,05 Prozent 'als unzulässig bezeichnet werden müsse. Dosen von 0,4—0,5 Prozent werden häufig rasch lebensgefährlich und 2 Prozent wirken rasa- unter schweren Erscheinungen tödlich.
Lehmann führt and) aus der Literatur einige klinische und experimentelle Beobachtungen über die Wirkung der Inhalationen von Ammoniakgas an und sagt: „Es handelt sich in diesen Fällen um Menschen, die entweder beim Zerspringen eines Ammoniakballons oder beim Schadhastwerden einer Eismaschine plötzlich größere Mengen Arn- moniakgas einatmeten, oder jim Personen, die in einem epileptischen Anfall oder einer ähnlichen Bewußtseinsstörung von ungeschickten und unwissenden hilfeleistenden Personen zur Inhalation bedeutender Arnmoniakmengen (durch Salmiakgeist zum Riechen) gezwungen wurden. Ter Symptomenkomplex ist stets der gleiche: lokale sehr schmerzhafte Anätzung der Mund-, Zungen-, Nasen- und Rachenschleimhaut, des Larynx und der Track-ea bis hinunter in die Lungen, die gewöhnlid) nicht zu erlranfen scheinen. Daneben werden seltener beobachtet: Speichelfluß, Erbred-en, Augenentzündung. Nach Einatmung von AmmvniakDämpfen steigern sich in den Tagen nach der Vergiftung, wenn diese nicht gleich tödlich endet, die Leiden nod), indem die wachsende Schwellung und die allmähliche Entwicklung von ton fitenteren Exsudatmassen und Geschwüren das Lumen der Luftwege immer mehr reduziert und das Atmen mühsamer wird. Dabei nimmt die Frequenz der Atmung zu, ein qualvolles Erstickungsgefühl, begleitet von heftigen Schmerzen in der Kehlkopsgegend und unter dem Brustbeine, raubt dem Kranken die Möglichkeit des Schlafes. Auch nach leichteren Vergiftungen durck) Ammoniakgas bleibt ein länger dauernder heftiger Katarrh der Luftwege zurück. Die Lungen selbst werden, wie es scheint, in der Regel nicht mit in den Bereich der Entzündungen hineingezogen und nur in einzelnen Fällen hat man bei Der Sektion die Residuen einer Pneumonie gefunden. Dock) kann natürlick- bei längerem Fortbestehen der geschilderten Erscheinungen sehr leicht der Tod durch Entstehung von Lungenödem eintreten."
Die in Vorstehendem gegebenen wirklichen Tatsachen beweisen wohl für jeden, der unbefangen an die Beurteilung herantritt, daß der von uns vertretene Standpunkt, der Die Kohlensäuremaschine als einen wirklichen Fortschritt und als die vorteilhafteste kennzeickmet, einwandsfrei richtig ist.
Bei den Ausführungen der „G. N. N." und insbesondere bei den Anmerkungen des Verfassers war wohl zumeist der Wunsch der Vater der Gedanken.
. Auf die weiteren Ausführungen des Gewährsmannes der „G. N. N." wollen wir zunächst nicht eingehen. Wenn es noch erforderlich werden sollte, wird es sehr leicht sein, auch sie zu widerlegen.
Provinzial-Ausschus; der Provinz Oberhessen. t L. Gießen, 11. Juli.
Da bet der am 20. April 1907 zu Hochweisel vorgenommenen Wahl eines Beigeordneten auf keinen ber Gewählten die gesetzlich erforderliche absolute Stimmen-


