Ausgabe 
14.1.1908 Zweites Blatt
 
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das, nnc jeder Versuch, vom Erfolge abhängt, zu kritisieren. Gelingt die Operation, so hat sie jedenfalls mancherlei Vor­teile: Tie preußische Finanzverwaltung erhält annähernd den vollen Emissionskurs, das Publikum befommt ein pre.sivürdiges Anlagepapier, das Preußenkonsortium wird von dem Risiko, über das es sich so oft aufgehalten hat, befreit, und die Pro­vinzialbankiers brauchen nicht mehr wie Stiefkinder hinter den Großbanken zurückzustehn. Als einziges Bedenken und zwar als ein sehr erhebliches möchte ich hervorheben, daß die preußische Finanzverwaltung den Mut hat, in einer Zeit wie der gegenwärtigen, den Zinsfuß der öffentlichen Werte auf Jahre hinaus vorhcrbestimmen und die zukünftige Geldlags vorherahnen zu wol.en. Ich hätte nach den Ueberraschuuyen, die uns die letzten Jahre gebracht haben, diesen Mut nicht. Aber auch Preußen braucht eben jetzt dringend Geld. Die schonen Zeiten der Ucberschüsfe sind auch dort vorluusig vorüber. Bald wird wohl auch das Reich, das aus dem Defizit nicht heraus­kommen kann, nachfolgen. Württemberg will, 30 Millionen zu 4 Prozent zu 99 s/i auflegen und hat für diese für, den Fiskus sehr günstige Transaktion schon ein Konsortium gesunden. Ter Staat Hamburg wird mit 60 Millionen, Laden mit 34 folgen, und zahllose Konununalverwaltungen werden ebenfalls mit Anieihe>Ge- juchcn an den Markt kommen. Wir werden al,o plötzlich wieder in eine Hausse der Emissionsdätigkeit für fest verzinsliche erstklassige Werte kommen. Preußen wird dabei wie ich überzeugt bin den Vogel abschießen. Ob aber unser Geldmarkt, dessen Lage noch unheimlich verschleiert erscheint, diesem, lange Zeit zurück- achaltenen Anscurme gewachsen ist, wage ich fast zu bezweifeln. Ich fürchte fast gewisse neue Komplikationen. Aber qui vivra, verra!

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W yiaiubügeln erlernt merZeii gründlich. |* . Malier, Achcritt. 17, H

llntcrrian hnänniitben Fächeru, . auch Lienographie und iiiireiben, mögt währ es'iunden gesucht

L Snqeb. mit 1>rcisanz ßan den Gien. Anzeiger

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werden in jeder i* c Stellung ausgestovst vleucdtcr, Schulitr. 11

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b> ollanibüfltln erlew Lochen gründlich nach jill hindenvlav 5U,

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lLad-j Ai ßlchre, v Ul mu Zlondine not a.u.uaül.Aeul>,lmskut u. teuerem, vcrtwM i jönenxrtebr zu netes jaterei peiuu. suchens 1 Jaer in 2udwetlalnk H ui dort als rZamu

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Gd<t)etnl tägNch mti vuSnahm« deS Sonntags.

Nr. 11

DieGkfjtner $omiltenblätterM werden dem r'Unjeigei* otermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchenUich. Ter ..hesfttch« tanbroirt" erscheint monatlich einmal.

158, Jahrgang

TienStag, 11, Jammr 11)08

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhessen

M steck'rn,«hi-uck ijnb TkrTafl bei Br ll ßk^ckeu lUiu>er|uära ^.«ch. unb ^teuiCuudcieU fit bangt. Dietzen.

Redaktion. ®rt*eNnon anb Tnicffreb ftraBt ?. Erpedrnon unb tBerlaQ tet&i dl. Redaktion. 112. TeU-Adr. Anzeiger «Lietzen»

Deutscher Reichstag.

78. Sitzung. Montag, den 13. Januar.

Am Tisch des Bundesrats: v. Schön, Dr. Nieberbing.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten.

Urheberschuhverträge mit Besgien und Italien.

In der 1. Lesung der Abkommen Deutschlands mit Belgien und Italien betreffend den Schuh an Werken der Litera­tur und Kunst und an Photographien gibt

Abg. Dctto (natl.) der Hoffnung Ausdruck, daß es bald ge. fingen werde, ähnliche Uebcreinfommen auch mit Holland, Ruß- knb und den Vereinigten Staaten zu treffen, denen die deutschen Autoren noch schutzlos gegenüberstehen.

Die beiden Abkommen werden in der ersten und zweiten Lesung genehmigt.

Gchaltöansprüche der Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen.

Man setzt sodann die am Sonnabend abgebrochene Aussprache Mer die Aenderung des § 63 des Handelsgesetz­buches fort.

Abg. Singer (Soz.) greift die Stellungnahme der Regie, tung als unsozial, als so unsozial wie nur möglich an. Dem Gehilfen das Krankengeld vorzuenthalten, sei umso unzu« lässiger, als er */u der Prinzipal nur 7» der Beiträge an die Krankenkasse zahlt. Der Reichstag solle bekunden, daß er über das soziale Empfinden des Volkes besser unterrichtet sei als die verbündeten Regierungen.

Staatssekretär Dr. Nieberding nimmt nochmals das Wort zur RechtfertigungderRegierungsvorlage. Tie Ver­bündeten Regierungen lassen sich nur vom Standpunkt der Billigkeit leiten. Sie haben sehr wohl geivußt, wie man ihren Vorschlag gegen sie ansbeulen werde und haben sehr ungern sich von dem Reicbßtagsbeschluß entfernt. Aber zahlreiche Handels, kammern und kaufmännische Vereinigung en der Staatssekretär verliest eine Reihe von Gutachten haben sich für den Abzug des Krankengeldes ausgesprochen. In der Kom­mission wird das tatsächliche Material hoffentlich überzeugend wirken.

Abg. CarstenS (frei] Vp.): Ganz so unsozial ist die Regie, rungsvorlage denn doch nicht. Die obligatorische Fortzahlung des Gehalts bedeutet doch einen Fortschritt. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Frattion teilt den bisher aus dem Hause zum Ausdruck gebrachten Standpunkt, aber es ist doch nicht zu verkennen, daß die Prinzipalitat von nun an wesentlich höhere Lasten zu tragen haben wird. Wenn ich auch die Gefahr derK ü n d i g u n g s . krankheiten" nicht für so bedenlich halte, so liegt sie doch immerhin vor, und es ist doch möglich, daß die jungen Leute sich einmal krank melden, nm ihre Finanzen aufzubessern. ^Jedenfalls erwarten wir, daß die Fortzahlung des GehalteS wahrend der Krankheit obligatorisch gemacht wird. Für den Abzug der Rente würde ich aber den Vermittlungsvorschlag machen, diese Bestimmung fakultativ zu fassen und die vertragliche Vereinbarung hierfür freizugeben.

Abg. Darenliorst (Rp.): Absicht deS Gesetzgebers war es ur­sprünglich jedenfalls, die Gewährung beider Bezüge, Gehalt und Krankengeld, zur Regel zu macken. Schon jetzt haben die Angestell­ten einen gesetzlichen Anspruch auf das Krankengeld, und da ber, fährt nun die Vorlage entgegengesetzt! Darf der Gesetzgeber eine solche reformatio in pejus mitmachen? Nein; schon vcil der Handlungsgehilfe zum Mittelstand gehört.

Abg. Schack (wirtsch. Vgg.) spricht unter Bezugnahme auf die Eingabe des Deutsch-nationalen Handlungsgehil. fenverbandes gegen den Mzug des Krankengeldes. Gegen­über dem Material des Staatssekretärs bezieht er sich auf Gut. achten von Handelskammern und kausmänniscken Korporationen. Er wendet sich insbesondere gegen den Einwand der Simu­lation. Wenn ein Handlungsgehilfe durch erdichtete Vorwände sich Urlaub erschleicken will, setzt er sich der Gefahr der sofortigen Entlastung aus. Grade die Handlungsgehilfen leiden auch das führt eine Handelskammer aus besonders an Lungen, und Nervenkrankheiten, wobei die Unterbringung in Heilan, stalten angezeigt ist. Auch das wird erschwert bei dem Standpunkt der Regierung. Die Prinzipalvereinigungen haben ja an ihre Mit­glieder Aufforderungen ergeben lasten, Simulationsmaterial ein. zusenden, zum Beispiel in Magdeburg, und den Handlungsgehilfen ist das durchaus recht, aber man hat nichts davon vernommen, daß etwas eingegangen sei. Man beruft sich auf die m i n d e r w e r. tigen u n d weiblichen ^Elemente. Gewiß, die weiblicken Handlungsgehilfen werden leichter krank, aber bann ist es auch ganz gut, daß sie sich zu Hause halten; und wer zwingt die Prinzi. pale, minderwertige Elemente anzustellen? Sie sollen doch dafür sorgen, daß sie genügend misgebildete Handlungsgehilfen und HanS)- lungsgehilfinnen zur Verfügung haben.

Staatssekretär Dr. Nieberding: Die Organe deS KanfmannS- siandes haben erflärf, daß man nur soweit im Sinne des Antrages Bassermann gehen könne, wie eS die Vorlage tut, ein weiteres aber die kapitalsschwächeren Elemente zu sehr belasten würde. Wir wer­den in der Kommission Ihnen zejgen können, daß allerdings in ziemlich beträchtlicher Zahl Abzüge gemacht werden, und eS wird

behauptet, daß das in viel höherem Maße der Fall sein würde, wenn i der Recktözustand ein klarerer gewesen wäre.

Abg. Dr. Mugdnn (freis. Vp.): Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkte deS Antrages Bas s er­mann, wie er auch in unserem späteren Anträge festgelegt ist. Für weite Kreise des Vaterlandes ist durch b;e irrevisible Ent­scheidung des Kaufmannsgerichtes die Nichtabzugsfähigkeit des Krankengeldes festgelegt, und die Vorlage verschlechtert die Lage der Handlungsgehilfen. Im Kaufmannsgewerbe ist doch Saison und stille Zeit, und b;e Angestellten werden doch nickt alle gerade in der Saison erkranken; in der stillen Zeit aber kann steh ber Prinzipal aushelfen. Anders ist es allerdings , bei den Warenhäusern, da kann der Verkäufer einer Abteilung nickt so leickt in einer anderen Abteilung aushelfen, und die Waren­hausbesitzer haben allerdings ein Interesse an der von der Re­gierung vorgeschlagenen Fastnna des Gesetzes. Aber ick me'ne, das Interesse dieser großkapitalistischen Unternehmungen muß zweifel­los hinter dem der Handlungsangest«'llt-'n zurstcktreten. Daß die Frage der Simulation eine so große Rolle spielt, dafür können sich die Handlungsgehilfen bei den Herren Sozialdemokraten bedanken. Diese haben in der Auseinandersetzung, die ick mit ihnen nun sckon seit Jabren führe, immer behaiwk-t, daß die Aerzte bei der Bekundung der Er. werbSunfähigkeit nickt mit der nötigen Vorsicht vorgingen, das beißt also, daß simuliert tnerbe. Ick halte die Simulation nickt für so groß. Die Hauptlacke ist, daß möglichst früh-eilig die Patienten zum Arzt geben, wenn man Tuberkulose und andere Krankheiten wirkl'ch bekämpfen will. Wenn aber durch den Vor- miirf der Simulation die Leute bcrbmi abarbaften werden, zum Arzte äu geben, so ist das ein bnaieniscker Schaden. Die wirkliche Simulation kann wirksam befämnff werden dueck die Msiarl'^it der Ortskrankenkasien und Aer-te, und da^ bette Mittel graen Simu­lation ist das Zeugnis Eine große R<?lle fni-'ft aber dabei, daß ein erheblicher Teil der männlichen und weib­lichen Angestellten tatsächlich nickt gesund ist und nur nickt die Zeit tmh hie Mittel hat, sich zu heilen; aber von Simi'^asion ist nickt die ^ebe.

Sckon ans zw"i Gründen muß mem die Vorlaae aMefinen ein Gesetz darf nickt verschiedenes R-'ckt schaffen, und es barf sich nickt in Widerforuck mit anderen Gesetzen stellen. Vollständig scheint man überleben zu haben, daß zu den Leistungen der Kran- kenverstcheri'na auch die Krankenhauspfleae gebärt. Da würden durch die Fassung der Regiernna die allermerkwürdiasten ver­schiedenen Reckte entstehen. Mir scheint aber auch, daß bei diesem -Entwurf die Einheitlichkeit bei den verbündeten Regierungen nickt in der Weise vorhanden ist, wie es gerade bei der Leitung ber gegenwärtig gen Politik unbedingt notwendig wäre. Geradeso wie zwischen dem Reichskanzler u n b dem preußischen Ministerpräsidenten eine Meinungsverschiedenheit z u bestehen scheint über das erforderliche Quantum bemofratt. schen Oels. stellt uns ber Staatssekretär des Innern eine Vereinfachung ber Arbeit-rversicherimg in Aussicht, und in dem- selben Moment kommt bas Reickssustimmt mit einer Vorlage, die der Vereinfachung die allergrößten Schwierigkeiten bereiten muß. Der Herr Staatssekretär wird eS mir glauben, daß die .Handels- angeft-nten als Kaufmannssünger lehr put rechnen können, und sie werden sich sehr bald sagen, daß es für sie bas allerbeste ist, aus ber Ortskrankenkasse aus- und in eine freie Hilfskasie einni» treten. Wir haben die ITebereugung, daß das einmütige Be­harren des Reichstages auf feinem Beschluß auck b t e ber» b ü n b e t e n Regierungen von ihrer irrigen Mei- nnng abbringen und auf den Antrag Bassermann zurück- führen wird.

Abg. Dr. Nenmonn-Hofer lwildlib.) spricht in gleichem Sinne. All das, was für den Standpunkt der Regierung spricht "nd besten Berechtigung man bis zu einem gewissen Grade immer­hin zugeben kann, ist dock nickt durckschlaaend. Zu ber Kon. trolle ber Simulation durch die Aerzte und der Kaste tritt b i e ber Kollegen, die sich fckön bedanken werben, für einen Simulanten die Arbeit zu tun. Der Handlungsgehilfe weiß auch, daß er sich eventuell des Betruges schuldig, macht und so. fertige Entlastung zu gewärtigen bat. sowie, daß die Auskunft ibm eine neue Stellung erschwert. 75 Prozent aller Krankheiten sind die sogenannten Gelegenbeitskrankbeiten von 1 bis 3 Tagen, für die es fein Krankengeld gibt; also die bedenklichsten Fälle scheiden damit aus. Eine Erhöhung der Geschäftsunkosten wird nur selten erfolgen, ba die Arbeit unter die Kollegen ver­teilt, oder später nachgeholt wirb. Danach wäre es höchstens zu verstehen, trenn das Krankengeld unter bie anberen Angestellten verteilt würde, aber e? ist nickt fair, trenn ber Prinzipal, ber nur ein Drittel ber Beiträge zahlt, eS für sich einziehen will. Der Rebner fprickt, wie sckon einzelne ber Vorredner, sein Befremden darüber aus, daß die Regierung einen solchen Entwurf überhaupt vorgelegt bat angesichts d-*S ein­stimmigen Votum? des Reichstages. Glaubä denn ber Staats­sekretär, daß ber Reichstag zu seiner Stellung rein aus Laune gekommen ist, baß er nicht auch nackgedackt unb fick unterrichtet unb feine Entscheidung wobl abgewogen hat? Es ist dringenb wünschenswert, daß die Regierung bem unzweibeutigen Willen des ReickStapS nachkommt.

Damit endet die Aussprache. Die Vorlage geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern.

Tie Viehfeuchennovelle.

Es folgt die erste Lesung ber Novelle zu bem Gesetze, be- treffenb bie Abwehr unb Untcrbrüdung von Viehseuchen.

Arn Tische des Bundesrats: v. Bethmann-Hollweg, Dr. v. Jonquieres.

Abg. Freiherr v. Pfetten (Zentr.): Die Signatur ber Vor­lage ist das Präventivprinzip. Sie bringt recht wesent­liches unb erhebliche Verschärfungen, man kann eigentlich sagen, nach allen Richtungen hin, weitgehende Belästigungen unb Un­annehmlichkeiten für alle Beteiligten, Tierhalter und Tier- bänbler. Der Landwirt wirb mit einer Reihe sehr I ä ft i g e c Plackereien unb Polizeimaßregeln rechnen wüsten, er wirb vielleicht Mocken hindurch den Tierarzt nicht von seinem Hofe btp^egfriegen. Vor allem vermehrt ber Entwurf bie Zahl ber anze g Pflichtigen Sencken, unb da sollte er noch weiter gehen unb bie Faulbrut, eine gefährliche Bienenkran k. h e i t, aufnehmen. Weiter bringt bie Vorlage eine erhebliche Er­weiterung beS Kreises der anzeigepflichtigen Personen, unb ba er- scheint mir ber Umfang doch etwas bedenklich. Die Leute werden nicht immer bie Krankheit richtig unterscheiden können. Sobann aber ist zu befürchten, baß nicht zu wenig, sondern gerade zu viel angezeigt wirb; bei ber Kalamität ber Seutenot wirb fick ber Lanbwirt ba auf mancherlei unangenehme Ueberrafdjun gen gefaßt machen wüsten. Sehr erheblich werben anck bie Schutzmaßregeln gegen eine weitere Verschleppung von Krankheiten verschärft: es genügt zum Einschreiten schon ber bloße Verbackt. Das wirb auch weitere Kreise in Mitleidenschaft ziehen, so befürchtet zum Beispiel b i ß Leberinbustrie eine schwere Beeinträchtigung ihrer Interessen. In ber Kommission wirb genau zu prüfen sein, ob biefe Sckmtzmaßrepeln in vollem Umfange annehm­bar sind. Die Landwirtschaft wird ihr Möglichstes tun unb schließ, lief) auck die lästigsten Maßregeln auf sich nehmen, wenn es . sich barum hanbelt, bas Nationalvermögen unb die Gcsunbheit der Bevölkerung zu schützen.

ES ist eine glückliche Läfung, daß die Entschädigung S- frape allgemein reicksaesetzlich geregelt, aber bie Ermittelung unb Feststellung bes Schabens unb Aufbringung ber Entschädi­gung den Einzelftaaten überlasten bleiben soll. Der Redner er­örtert die Frage im einzelnen, gibt u. a. zur Erwägung, ob die Entschädigung nickt ausnahmslos in der vollen Höbe des gemeinen Werte? gewährt werden solle unb empfiehlt im Zusammenhänge mit ber ganzen Frage eine Verbilligung bes Tele­phons auf bem Laube, bie Vermehrung ber be­amteten Tierärzte unb bie Herausgabe eines Merkblattes. Er beantragt eine 28gliebrige Kommission.

Abg. Siebenbürger rtonf.): Meine Fi aktion steht voll und ganz auf dem Boden der Var'ago. Mögen die Bedinauugeii noch io schwer fein, wir wissen, daß wir dem Vaterlande schuldig sind, den Vieh st and der Bevölkerung zu erhalten. Deshalb wüsten die Op^er gebracht werden. D 's betagt natürlich nicht, daß wir nickt Aenderungen in den Einzel­heiten wünschen. Der Redner wünscht weitere Maßnahmen gegen bie Verseuchung aus den Eisenbahnwagen heraus und mackt Mitteilung von einem neuen Schutzmittel gegen bie Maul- und Klauenseuche, das er mit anderen älteren Berufsgenosten erfa'greich erprobt habe. Man solle dem Tier nämlich einen Strohwisch durchs Maul ziehen. ^Jch wöckte es daher," so fügt er wörtlich hinzu, .auch hier den jüngeren Kollegen empfehlen."

Der Redner bespricht die Vorlage in sehr eingehenden Aus­führungen, äußert oleichfalls Bedenken dagegen, daß schon das Ver« d^cktmoment für das Einschreiten entscheidend sein soll; in der ganzen Welt gibt es nicht fo viele Tierärzte, als hierzu erforderlich wären. Die Vorschrift einer Erhitzung bet M i l ck bis auf tOO Gr. C. zu llrttersiichung?,w'cken wirb die Oe nen Lnnbwine sehr schädigen, ba bie Milch vollstänbig entwertet wirb. Der Rebner empfiehl eine Ablösung bes Abbecke^rei- privilegs au- volksw rtschaftlicken unb sanitären Gründen. Menn wir bie Millionen, die wir heute für Viehseuchen verlieren, sparen, bdnn wird sich daS Mort des großen Königs von Frank­reich anck für Denlscklanb erfüllen, daß jeder Deutsche jeden Mittag sein Huhn im Topfe hat. (Beifall.)

Aba. Le'mann (nl.) erklärt gleichta^s seine Genugtuung über die Vorlage. Mir freuen uns über die reicksgesetzliche Regelung besonders in meiner Heimat Thüringen, we>l dort alle 5 Minuten eine neue Landes-weuze ist, sodaß man sich garisickt mehr in den Bestimmungen anskennt. Eisrenlich ist bie U bersicktlickkeit im Entwurf, obg'eich er in vie'er Beziehung boch noch nach bem grünen Tisch schmeckt. Sache der Kommission wiib es sein, die Interessen ber L a n b w i r l f ch -i f t mit benen ber Gerberei in Einklang z n bringen. Von großer Wichtigkeit sinb bie Bestimmungen über die Mani- und Kl'nen- sencke; Sie haben ja alle sckon mit der Maul- unb Klauenseuche zu tun gehabt ich meine natürlich nur Ihr Vieh. Ick bebaute, daß bie Denlsckiift uns über bie Art dieser Krauchest nickt nähere Aufklärung g bt; anck das wird 'n der Kommission nachzubolen 'ein.

DaS Hans vertagt sich. Dienstag 1 116r: Inter­pellation Kanitz über beu Saulbislont, bann Fortsetzung. _

Schluß 6 Uhr.

Kie

Freust«sche bfuitß und ihre Stdatsanrfitye

Herr Pvosessor Dr. Biermer schreibt uns unter dem bO. ds. Mts. folgendes:

Gegenwärtig beschäftigt nicht nur die Vankwelt, sondern auch radte Kreise des großen Publikums, die neue preußische Staats- Liilcihe, die die preußische Seehandlung ausgeschrieben hat. In ixt Tat verdient der preußische Plan, so neuartig und so über­raschend er im Hinb^ck auf die immer noch wenig geklärten allgemeinen Geldverhältnisse erscheinen mag, auch prmzUnell irie allergrößte Beachtung. Tie 1908 er Anleihe hat folgende Lesonderkeiten: 1 Tie preußische Negierung verzichtet diesmal Igcnz auf die Zuhilfenahme eines Bankkousortiums, das sie bisher stets für Neuemissionen benutzt hat. Tas Konsortium jur preußische Konsuls und Reichsanleihen tragt den Namen Lreußenkonsortium" und bestand unter Führung der Seehandlung aai5 einer kleinen Gruppe von führeiiden deul>chen Großbanken. Tiesmal will man das Konsortium ausschalten und jich direkt an oes Kapitalistenpublikum oder, was dasselbe will, an alle Ban- fea ohne Unterschied, wenden. Tie privilegierten Großbanken, bi.1 das alte Konsortium bilden, können sich eigentlich über die>e Mchtberücksichtigung kaum beschweren, denn sie habe», wiederholt behauptet, daß sie bei den letzten Emmwnen lediglich Berluice erlitten hätten 2. Die neue Anleihe joll fürs erste nicht cti den Markt kommen, also auch eine Zeitlang nicht notiert wer­ben, sie wird im ersten Jahre ,,gesperrt , und die Zechner rrhalten ihre Forderungen als Perlonalguthaben un Staats­schuldbuch verbrieft. 3. Für die Verzm,ung wird eure gleitende Skala vorgefchrieben. TieStaatslchuldbuchanleihe , fo könnte

man diese Emission am besten nennen, sieht für die eilten Jahre 4 Prozent Zinsen, für weitere fünf Jahre 3 % Prozent unb für die folgende Zeit, also vom 1. April 1923 an, 3 Vr Pro­zent vor. Es ist also eine sogenannteautomatische Kon­version" vorgesehen, wie das schon früher der geniale brttiscl-e Staats-» und Finanzmann Georg Joachim Goschen bei den eng­lischen Konsols übrigens nicht mit vollem Erfolge ver­sucht hat. Auch die direkte Zeichnung ohne vermittelndes Koii- sortium schließt sich gewissen britischen Üsanzen an. 4 ^cr Emissionskurs ist auf 98 Vs Proz. festge,etzt. Tas bedeu el eine effektive Verzinsung von 4,06 Proz. in den ersten zehn Jahren, 3,8 Proz. in den folgenden fünf Jahren uni) 3,5a Prozent von dein Augenblick an, wo das Papier endgültig den 3Vs prozenttgen Thpus erlangt hat. Diese Bedingungen und für einen Kapitalisten, der sicher gehen will, aber auch für Sparkassen- unb Versicherungsgeiellseßaslen Nicht ungünstig, unb ich glaube bestimmt, daß bie Anleihe den von der ^eehanblung er­warteten Zeichnungscrsolg haben wird. 5. Ganz eigcnarlig und des­wegen eine Konsortialübernahuie 60 ipso ausichliegend ist d^e wei­tere Bestimmung, daß die Anleihe in ihrem Gesamtbeträge gar nicht limitiert ist. Tie oft übersck)ätzten und ganz zweckloieu lieber» zeichnungen mit ber sog.Konzertzeichuung" Juib bieömal von vornherein ausgeschlossen. Tie Zeichnungsaussorberung wenbet sich eben nicht an die Spekulanten, sondern' an bie festen Zeichner bie eine reelle bauernde und vor Aenderungen unb ÜcLerraschungen gesick-erte Kapitalanlage suchen. Man hat frei» lief) anfänglich an der Börse die Anleihe als eine ,,uierloje bezeichnet. Ob das zutreffend ist, wirb ja bie allernächste Zeit mit ihrem Zeichuungsergebnis fiar ergeben.

Es ist hier nicht ber Platz, das preußische Experiment,