Ausgabe 
13.2.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nun

das Kauf

auserlegte

uobil-Haftpflichtgesetz besser unter- liehen, und den Kulturinspektor der Kulturinsvi der Staatssekretär UM für" gift jtadt, Laurat Ang. Mangold zum vortragcmu

Februar: Universi-

Bfrcit und hygienischen Einrichtungen, aber Vie Automobile dürfen' ruhig ihre DEpfwalkcn in die Luft schleudern. Es sind Versuche gemacht worden, um die Ausdünstungen der Automobile zu be­seitigen. Hoffentlich werden sie eingehend geprüft.

AL. Ledebour (Soz.) ftunmf darin bei, baß der Reichstag möglichst einmütig vorgehen müsse. Redner führt u. a. aus, daß Prinz Heinrich von Preußen sich in seiner kürzlich gehaltenen Rede über ein kommendes Automobil-Haftpflichtgesetz besser unter­richtet gezeigt habe, als dies bet ijcuic pit ^gnr

befunden habe dem Reichstage mitzuteilen. Die Haftpflicht müsse rn der unbedingten Form durchgesührt werden.

.Staatssekretär Dr. Rieberding erklärt, außer den engsten Kreisen der Verwaltung sei niemand von dem Gesetzentwurf unterrichtet gewesen.

kulLUrrat Dr. Adolf Klaas, auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter alsGeh. Landeskulturrat" ver- ' ►eEiion Darm-

. tragenden Rat in der A^^lung für Landtvirtfchaft, Handel und Gewerbe des Ministeriums des Innern unter Verleihung des Amts- titelsO'bHrbaurat" ernannt.

* D e-r Nationalliberale iS ereilt Gieß e n

hielt am letzen Montag eine zahlreich besuchte Versamm­lung im Kai?crhvf ab. Landgerichtsrat Wiener hielt einen überaus Haren Vortrag, dem die Zuhörer mit größtem Interesse folgtet- Er gab zuerst ein Bild des derzeitigen Börsengesetz>es, zeigte an der Hand der Denkschrift der Regierung uvsd mit Hilfe seiner durch seine berufliche Tätigkeit gewonnenen Erfahrungen die Schwächen und Schäden dieses (Gesetzes, legte dann die von der Reichs­

zur Statistik. Im Jahre 1906 sind 51 Men­schen durch Automobile getötet worden, im Jahre 1907 aber schon

Aus Sta-t und

Gießen, 13. Februar 1908.

Aus dem städtischen Berwaltungsbericht für 1906»

III.

Kosten eingenommen wurden.

** Tageskalender für Donnerstag, 13.

O b e r h e s s. G e s ch i ch t s v e r e i n: Vortrag von tätsbibliothekar Dr. H c p d i n g über die neueren Ausgra­bungen in Pergamon (feit 1900) in der alten Univcrsi- tätsaula. Anfang 81/2 Uhr. O6erhess. Gesellschaft für Natur- und .Heilkunde: 2. Vortrag des Privat­dozenten Dr. W. Schmidt über Radioaktivität. Lokal: Hörsaal des Physikalischen Instituts. Anfang 81/2 Uhr.

Am Gewerbegericht waren 313 Magen neu anhängig und eine wurde aus dem Vorjahr übernommen. 1905 waren es nur 199 und 1904 232 Magen. Von Arbeitgebern wurden 27 (16 und 19) und von Arbeitnehmern 287 (183 und 213) Klagen erhoben. Wegen Zahlung rückständigen Lohns wurden 196 erhoben, wegen Entschädigung wegen kündigungsloser Ent­lassung oder Nichteinhaltung der Kündigungsfrist ,102. wegen Herausgabe von Papieren und Kleidern, wegen Ausstellung von Zeugnissen 3 und wegen Nichteinstellung 10. Sämtliche Klagen wurden in 424 Terminen an 109 Sitzungstagen erledigt und zwar durch den Vorsitzenden allein an .68 Sitzungstagen in 278 Terminen und unter Zuziehung von Beisitzern an 41 Sitzungs­tagen in 146 Terminen. Erledigt wurden 66 Klagen (=21 Prozent) durch Klagerücknahme, 105 (33,5 Proz.) durch Ver­gleich, 2 (0,6 Proz.) durch Anerkenntnisurteil, 60 (19,1 Proz.) durch Versäumnisurteil und 76 (24,2 Proz.) durch Endurteil, während 5 (1,6 Proz.) in das neue Jahr übernommen wurden. Der Wert der Streitgegenstände betrug zugunsten der Klager 4251.96 Mk. und zugunsten der Beklagten 538^.38 Mk. Er be­trug bei 192 Klagen (61,2 Proz.) weniger als 20 Mk., bei 94 (29,9 Proz.) zwischen 20 und 50 Mk., bei 16 (5,1 Proz.) zwischen 50 und 100 Mk. und bei 12 (3,8 Proz.) mehr als 100 Mk. Bei 229 Klagen (72,9 Proz.) war zur Erledigung weniger als eine Woche nötig, bei 68 weiteren (21,7 Proz.) weniger als zwei Wochen und bei 12 (3,8 Proz.) mehr als zwei Wochen. Als Einigungsamt war das Gewerbegericht nicht tätig. An Kosten wurden 285.35 Mk. verursacht, darunter 148 Mk. Gebühren an Beisitzer. An Gebühren wurden 140.10 Mark berechnet, wovon 61.43 Mk. eingingcn, 69.17 Mk. zur Beitreibung überwiesen und 9.50 Mk. niedergeschlagen wurden.

Am K a u f m a nn s g e r 1 ch t waren 17 Klagen anhängig, wurden zwei durch Kaufleute und 15 durch Handlungs­gehilfen erhoben. Von den Klagen waren auf Zahlung rück­ständigen Gehalts 8, auf Entschädigung wegen kündigungsloser Entlassung ober Nichteinhal.ung der Kündigungsfrist 6, auf Entschädigung wegen Verletzung der Konkurrenzklausel 2 und auf Herausgabe von Papieren 2 gerichtet. Sämtliche Klagen wurden in 31 Terminen an 27 Sitzungstagen erledigt und zwar durch den Vorsitzenden allein an 18 Sitzungstagen in 21 Terminen und unter Zuziehung von Beisitzern an neun Sitzungstagen in 10 Terminen. Erledigt wurden durch Klage­rücknahme, Beruhen usw., 4 Magen (23,5 Proz.), durch Vergleich 6 (35,3 Proz.), durch Endurteil 6 (35,3 Proz.), während eine in das neue Jahr übernommen wurde. Der Wert der Streit­gegenstände betrug zugunsten der Kläger 4651.78 Mk. und zu­gunsten der Beklagten 1234.62 Mk. Der Streitwert war bis zu 20 Mk. bei einer Klage (5,9 Proz.), von 50100 Mk. bei 4 Klagen (23,5 Proz.), bei 9 Klagen 100300 Mk. (52,9 Proz.) und bei einer Mage über 300 (3500) Mk. (5,9 Proz.). Zur Erledigung waren bei 7 Klagen (71,1 Proz.) weniger als eine Woche nötig, bei 6 Klagen (35,3 Proz.) weniger als zwei Wochen und bei drei Magen (17,6 Proz.) mehr als zwei Wochen. Als Einigungsamt und begutachtende Behörde war das Kauf­mannsgericht nicht tätig. Ter Stadtkasse verursachte = mannsgericht 15.30 Mk. Kosten, wogegen 51 Mk.

150. (Hört! Hört!) Die Todesfälle haben prozentual stärker zu­genommen als die Vermehrung der Kraftwagen selbst. Die für den Verkehr mit Kraftwagen erlchsencn Verordnungen haben also auf die Chauffeure einen erzieherischen Wert nickst ausgeübt. Nach einer Statistik deS Berliner Polizeipräsidiums sind die Auto­droschken am meisten an den Unfällen beteiligt. Sie veranlaßten 88 schwere Verletzungen und 14 sofortige Tötungen, die Luxus- automobile nur 18 schwere Verletzungen und 6 sofortige Tötun­gen. Die Autodrosckken in Berlin fahren viel zu sckmell, und ich habe noch nie gesehen, daß die Exekutivbcamten ihnen Ein- halt geboten haben. Ich habe haarsträubende Fälle gcseben. Man sah, wie die Chauffeure darauf airsgingen, Damen und andere Personen anzufahren oder sie einzuholen, um sie zu überfahren. (Heiterkeit.) ES scheint, daß viele Erckutivbeamte der Ansicht sind, daß daS Automobilfahren ein Herrcnwerk ist, in das sie sich nicht hincinmischen dürfen. (Zuruf: Autokraten!) Die meisten Verunglückten sind Arbeiter, Kinder, Kaufleute, Schüler und Dienstboten. Die Verlustziffcrn haben stch viel stärker erhöbt als die Zahl der AutoS, die nur von 2000 auf 2500 gestiegen ist. ES ist wirklich sehr Zeit, daß bei uns auch einmal etwas ge­schieht. Deshalb rufe ich dem Reichskanzler zu: Justitia e=t fundamentum regnorum l (Beifall.)

Staatssekretär des Reichsamts Dr. Nieberding:

Ich bin dem Vorredner dankbar, daß er durch seinen Antrag mir Gelegenheit gegeben bat, vor dem Hohen Hause den gegen­wärtigen Stand der Automo>ulfrage darzulegen. Sie werden sich überzeugen, daß bic Annahme des Vorredner?, c5 sei in der Sacke von feiten der Regierung nichts geschehen, irrig Die Regie, rung erkennt nach wie vor die Notwendigkeit eines gesetzlickien Ein­schreitens cm. Sie glaubte aber mit der Vorlage eines Gescheut. Wurfes warten zu muffen, bis erst die neue Vcrkehrsordnung für bas Automobilwesen in allen Bundesstaaten in Kraft getreten ist und Erfahrungen mit dieser neuen Verkehrsordnung bor- liegen. Die Resultate der statistischen Erhebungen werden wir veröffentlichen. Die Statistik ist ausgenommen worden für die Zeit vom 1. Oktober 1906 bis zum 1. Oktober 1907. Sie verzeichnet für diese Zeit 4931 Unfälle (Hört! Hört!), Personen, und Sach­schaden. Davon entfällt die Hälfte auf Berlin; im Osten ist die Zahl der Unfälle sehr gering, in den verkehrsreichen Gegenden natürlich überwiegend. 93 Prozent fallen Kraftwagen zur Last, die dem Personenverkehr dienen, der Rest Lastautomohilen. . Von den Automobilführern sind SS Prozent mit Leichtigkeit ermittelt, 9 Prozent geflüchtet (Hört! Hört!), 2 Prozent haben den Versuch zu flüchten gemacht. Das läßt immerhin eine Besserung gegen früher erkennen. Man kann die Hoffnung hegen, daß das Er. gekmiS der Schulung und Erziehung, das hierin zum Ausdruck kommt, in Zukunft noch größer sein wird; cs liegt in der Natur der Dinge, daß, wenn ein neues Betriebsmittel in den Verkehr eingeführt wird, zunächst durch Unachtsamkeit und Verwegenheit der Führer mehr Schaden eintritt als früher. 46 Prozent der Unfälle haben zu Personenschaden geführt, in den übrigen Fällen war es nur Sachschaden. Verletzt sind 2419 Personen, 145 haben das Leben verloren. (Hört! Hört!) Von den Verletzten waren 8 Prozent Führer der Automobile, 15 Prozent Jnsaffen der Wagen und 60 Prozent Unbeteiligte, wie sie der Vorredner im Auge hatte. (Hört! Hört!) Der Reichskanzler verdient den Vorwurf des Vorredners nicht. Er hatte das Rcichsfustizamt beauftragt, sobald die Resultate der Statistik vorliegen würden, cm die Ausarbeitung eines Gesetzes hercmzutrcten. Das ist geschehen. Wir haben uns mit dem Reichsamt dcS Innern verständigt, finb auch mit den Vertretern der Automobilindustri- und des Automobilvcrkehrs in Verbindung getreten, um zu hören, wie weit berechtigte Wünsche auf ihrer Seite dorliegcn. Auf diesem Wege ist jetzt der Gesetz­entwurf fertiggestellt und den preußischen Ressorts mitgeteilt worden, und ich habe Anlaß, anzunehmen, daß er auf preußi. scher Seite einem erheblichen Bedenken nicht begegnen wird. Aber Sie werden es verstehen, daß die Neichsverwaltung auf diesem in den Verkehr so tief einschneidenden Gebiet nicht mit einer Gesetzgebung vorgehen kann, ohne sicher zu sein, dic preu­ßische Regierung auf ihrer Seite zu haben.

Auch aus der Erklärung des preußischen Ressortministers bei der Verhandlung der Interpellation int Abgeordnetcnhause, es werde voraussichtlich in kurzer Zeit zu einer Gesetzgebung im Reiche kommen, kann das hohe Haus die Wahrscheinlichkeit schöpfen, daß Schwierigkeiten dem Gesetzentwurf von preußischer Seite nicht gemacht werden. Der Entwurf hat zum Inhalt: erstens die Haftpflicht für Schaden an Leib und Gut, zwei- tcns Bestimmungen, daß unqualifizierte Personen nicht zu Füh­rern bestellt werden, sondern die Zulassung zur Führerschaft ab- hängig gemacht wird von Befähigungszeugniss en, über die die Landesregierungen Bestimmungen zu treffen haben. DaS Befähigungszettgnis soll wieder entzogen werden können, wenn die betreffenden Personen durch ihr Verhalten zeigen, daß sie nicht die nötige Garantie bieten; und endlich sollen Straf­bestimmungen die strenge Beachtung der Vcrkehrsordnung sicher­stellen. Die Bestimmungen der Verkehrsordnung sehen zwar schon jetzt polizeiliche Strafbestimmungen vor, haben sich aber nicht als ausreichend erwiesen. Der Entwurf enthält also zivilrechtliche, polizeiliche und strafrechtliche Bestimmungen. Sobald der Ent- Wurf die preußische Instanz passiert hat, wird er an den Bundes­rat gelangen. Ich nehme an, daß auch die verbündeten Reaie- rungen das Interesse haben, die Sache zu beschleunigen. In den einzelnen Landtagen haben die zuständigen Minister ja ver­schiedentlich Erklärungen dahin abgegeben. Der Staatssekretär schildert die Entwicklung in Oesterreich und in der Schweiz, um zu zeigen, daß Deutschland durchaus nicht in der Gesetzgebung rückständig ist. Frankreich hat zwar Prüfungen organisiert, über ein Gesetz ist noch nicht erlassen. Die deutsche Negierung ver­dient also nicht den Vorwurf, daß sie nicht ernst und nicht rasch qenug vorgeht. Ich halte es nickst für unmöglich, daß wir doch idic ersten sind, die unter den Staaten Mitteleuropas zu einer ^befriedigenden Regelung kommen. . ,

Abg. v. Maltzahn (Kons.) führt aus: Auch feine Freunde ständen einer reichsgesetzlichen Regelung sympathisch gegenüber. Die Chauffeure müßten bestens ausgebildet werben. Den Staats­sekretär bitte er, seinen Einfluß dahin geltenb zu machen, daß bald ein Hastpflichtgesetz vorgelegt werde.

Abg. Dirks en (Reichsp.) spricht seine Beftiedigung mit der Erklärung des Staatssekretärs aus. DaS Publikum habe ein Recht zu fordern, daß die Unfälle möglichst ganz auSgeschaltet werben, und daß, wenn solche eintreten, die Haftpflicht voll eintrete.

Inzwischen gutff ein Abänbernngsantraff Gröber (Ztr.) zu dem Antrag Schönaich-Earolath ein, auf baldige Vorlegung eines Haftpflichtgesetzes für die beim Betrieb von Kraftfahr­zeugen entstehenden Schäden nttd Regelung des Verkehrs von Kraftfahrzeugen int Deutschen Reiche.

Abg. Gröber (Ztr.) begründet seinen Antrag und führt aus, frer Reichstag müsse einmütig für die Schaffung eines derartigen Gesetzes eintreten.

M>g. Werner (Refpt.) erklärt sich durch dic Vorlage be­friedigt.

Abg. Ahlhorn (Frs. Vp.) erklärt seine Sympathie mit der kommenden Vorlage.

. Abg. Görckel (Natl.) meint, die Frage der Notwendigkeit bcionbcrcr Automobilrennbahncn sei noch nicht gelöst.

Hierauf wird der Antrag Sckiönaick Earolath mit dem An­trag Gröber einstimmig a n g c 110 m in r 11

Äiorgen 1 Uhr: Tritte Lesung des NnckitragsetotS betrenenb Zeppelins Luftschiff und Postttal. Schluß nach 6.15 ULr

*

* * An 0 nyinc Einsendungen gingen bet Redaktion in der letzten Zeit wieder sehr häufig zu. Sie finden unter keinen Umständen Aufnahme, woraus wir die verschiedenen Einsender aufnrerksam machen.

* * Vom Groß h., H o f. Am 11. d. Mts. waren die Herzogin von Albany mit dem Fürsten und der Fürstin zu Erbach-Sckönberg zu kurzem Besuch beim Groß­herzogspaar im Neuen Palais anwesend. An der Mittags­tafel nahmen Graf und Gräfin zu Solms-Rödelheim in Assenheim teil.

^Parlamentarisches aus Hessen. Ter dritte und der vierte Ausschuß der Ersten Kammer hielten dieser Tage Sitz­ungen ab. Ter dritte Ausschuß befaßte sich besonders mit den vier H unde steuer Petit io nen , die sämtlich schon dem vorigen Landtag Vorlagen. Ter Ausschuß ist der Ansicht, daß in allen Fällen von einemeinsamen Wählten" keine Rede fein könne und erklärt, baß eine Befreiung von der Hunbesteuer in ben vor­liegenden Fällen eine Ungerechtigkeit gegen zahllose andere H und e-Besitzer märe, die sich in derselben Lage befinden und ihre Hundesteuer bezahlen. Ter Ausschuß ist in seiner Stellung iwd> dadurch bestärkt worden, daß er der Ansicht ist, man sollte nicht ohne triftige Gründe Entscheidungen, für die eilt geordneter Instanzenweg vorgesehen ist, den die Beschwerde- führcr seit Jahren nicht eingehalten haben, beanstanden. Der Ausschuß beantragt daher, daß die Erste Kammer auf ihrem Standpunkt beharren und den Vorstellungen teilte Folge geben möge. Ter vierte Ausschuß erledigte eine Anzahl Gegenstände, zumeist burch Zustimmung zu den Beschlüssen Zweiter Kammer.

* * Pfarrpers 011 al 1 cn. S. ft. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Hugo Gundermann zu Ober- Becrbach und dem Pfarrverwalter H. Jäger zu Romrod die evangelischen Pfarrstellen daselbst übertragen. Ernannt wurde Psarramtskanbidat Waas zu Gießen 311111 Pfarr­verwalter in Wald-Michelbach. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die cuamj. Pfarrstellc zu Freiensteinau; den sämtlichen Riedesel Freiherren zu Eisenbach steht das Präsentationsrecht zu.

* Neuer ÄQinmctjunter. S. K. H. der Groß­herzog haben den Fürst!, ft am m errat August Freiherr Löw von und zu Steinfurth in Lich zum ftammerjunker ernannt.

* * Landeskulturinspektion. S. K. H. der Großherzog haben das technische Mitglied in landwirtsch. Angelegenheiten der Abteilung für Landwirtschaft, Han­del und Gewerbe deS Ministeriums des Innern, Landes­

regierung vorgeschlagenen Aenderuugen des BörsengesetzoS dar und schloß mit dem Wunsche, daß diese Frage im Reichstage vom rein volkswirtschaftlichen Standpunkt und ohne parteipolitische Schichten erörtert und gelöst werden möge. Reicher Beifall lohnte den Redner. An den Vor­trag schloß sich noch eine sehr interessante, lebhafte Aus­sprache.

** Die gestrige Aufführung des Lear war mittel­mäßig besucht. Dem Fräulein Ormond, der Tarftellerm der Cordelia, wurden ein prachtvoller Lorbeerkranz und ein Blumen­strauß überreicht, dem Fräulein A ch t e r b c r g (Goneril) ein großer Blumenkorb. .

* * '21 us dem BUrcan des Stadttheaters. Auf verschiedene Anfragen sei bemerkt, daß eine Aufführung vonZwillings sch west er" dieses Jahr im Abonnement nicht Üattfinben kann. Mittwochscibonnenten, die am Freitag Gutschein benutzen wollen, seien auf diesen Umstand besonders aufmetffam gemacht. Nach bem Vorverkauf zu schließen wird das zweite Auftreten von Frl. Klara Ajbrecht am Freitag vor einem sehr gut besuchten Hause slattfinden.

* * 5 n der G e m ä t d e - A u s st e l l u n g am Beand findet gegenwärtig nach der letzten dreiwöchigen Ausstellung wieder ein Wechiel bei1 Gewölbe statt. Heute ist noch ein Teil der neu aus- zilstettenbeii Gewölben emgetrosfen, fo daß die Eröffwwg erst am Sonntag erfolgt. Tie neue Ausstellung, die wieder sehr utteressaut und abwcchsetiwgsreich zu iveröen verspricht, wird jedem Kunst­freund etwas bieten, nicht nur Landschaften, die diefeswat mit schönen Motiven vertreten sind, sondern auch Figuren, Genre-, Interieurs-, Städte- und Atarwebilder wird die neue Ausstellung aufzuweiseu haben.

--Großen-Buseck, 13. Febr. Tie Mitglieder des amt 2. Febr. 1833 hier gegründeten Konsum-VereinS konnten in diesem Aconat das 2 5jährige Bestehen desselben feiern. Der seit Gründung des Vereins als Direktor fungierende Herr Heinr. Meyer gab bei Eröffnung d.'s Festes einen zahlenmäßigen jLÜäblid über das Errungene. So vernehmen wir u. a., daß der Verein gegenwärtig 280 Mitglieber aufweist. Tcr Umsatz während blefes Zeitraiimcs beziffert sich auf 1590 544 Mk. und wi.rd.n-h.eraus 90 870 9Jif. ats Twiderwc an die Mitglieber verteilt, wöhreiid cm Neiervefonbs von 21 500 Mk., außer dein Wert der voryandenen V!obilien besteht. Aus biesen wenigen, doch be­redten Zahlen Vcbt hervor, was durch Zusammenhalt der Ein- zernen und umjlid)tige Tätigkeit des Borstaiides erreicht worden ist. Dieses Bewußtsein prägte sich auch aus in dem fröhlichen Zu- lannmenfein bei £>:r daran ans astiest enden Feier, wozu der Genuß o.s vom Verein gejpenbeten Weins daS semige noch beitrug. Ein darauf sotgender Tanz hielt die Mitglieder bis zum frühen 'JJiorgen zusammen.

-r. Ruttershausen, 12. Febr. Heute morgen gegen 11 Uhr versammelten sich die hiesigen Schüler und viele er­wachsene Personen auf einem freien Platze nahe der Schule, um dem Aufsteigen eines großen Papier-Luftballons bejzu- wohnen. In die,em Aitgenblitte zeigte sich noch ein zweiter Ballon in westlicher Richtung über den ausgedehnten preuß. Waldungen. Anfangs achtete man wenig darauf, ba man an­nahm, es wäre auch ein Papier-Luftbatlon. Als jeboch nach etwa 10 Minuten der hiesige Batlon hoch in den Lüsten war, bemerkte man am zweiten Ballon, der eine Gondel hatte, baß er sich immer mehr senkte. Alles eilte nun hin und als die ersten in feine Nähe kamen, schwebte er mitten über der Lahn, die Gonbel kaum einige Meter über Wasser. Tie In­sassen, zwei Herren, landeten dicht am Lollarer User, van wo man den Ballon schwebend bis in die Nähe des Bahn­hofes Lollar brachte. Führer des Ballons war Dr. Ma ölig aus Düsseldorf. Der Ausstieg war am Tienstag um 11 Uhr in Godesberg a. Rh. erfolgt. Das Ziel der Fahrt sollte Würz­burg und Nürnberg sein; es konnte der ungünstigen Witterungs- verhältnisse halber nicht erreicht werden. Ter Ballon erreichte eine Höhe von 500 Metern. Tie Temperatur fiel nachts auf 8 Grad. Die Gasfüllung hat 240 Ms. gekostet. Tas Ge­wicht des zusammengelegten Ballons beträgt 350 Kilogramm.

w. Leihgestern, 12. Febr. Nachdem die Verpach­tung unserer Gemeindejagd vom 5. d. M., bei der Rentier Schmücker-Gießen mit 1095 Mk. Höchstbietender blieb, wegen eines vorgekommenen Formfehlers vom Ge­meinderat nicht genehmigt worden war, fand heute die Neu­verpachtung in zwei Bezirken statt. Für Bezirk 1, dic Waldjagd bis zur Chaussee, blieb Fr. Schrei n e r in Gießen Höchstbietender mit 690 Mk. Jahrespacht. Tas höchste Gebot für Bezirk 2, die Feldjagd, von Gerichtsvollzieher Seipel in Gießen abgegeben, belief sich auf 385 Mk. Beide Be­zirke waren bisher an Bankier Zobel-Gießen für eine Jahrespacht von 1505 Mk. abgegeben.

Bad-Nauheim, 12. Febr. Professor Tr. Heine­mann, langjähriger Badearzt in Bad-Nauheim, ist heute auf einer Reise in Paris gest 0 rben.

X Bad Nauheim, 12. Febr. ImBürger- und Stabt- Verkehrsverein" referierte heute abenb Rechtsanwalt Tr. Brü­cher über die Frage des Ankaufs d e S K 0 h l c n f ä u r c - Werks. Er betonte, daß die Schädigung der Quellen durch das Werk wissenschaftlich burchaus noch nicht feststehe. Er wies u. a. auf bic neuerbohrte stark kohlensäurehattige Löwcnquelle bei Schwalheim hin. Ter Staat sei am Badebetricb finanziell am allermeisten selbst interessiert und müsse bahxr auch die nötigen Aufwendungen dafür machen. ES sei ihm zu Ohren gekommen, baß schon im Oktober 1907 der Vertrag zwisckwn dem Staat und dem Kvhlensäureivcvk festgclegt worden sei einschließlich der Bedingung, daß die Stadt Bad Nauheim 80 000 Mk. dazu zahlen müsse. Stadtv. Rosenthal beziffert den Nettogewinn, den der Staat auS brat Babebetrieb ziehe, auf 375 000 Mk. Für Seminare oder dergl. rentierende Institute fei die Stadt jeder­zeit bereit, große Leistungen zu übernehmen. Am Ankauf des KohlenfäurewerkeS fei ihr Interesse gleich Null. Notar Stahl betont die großen indirekten Einnahmen, die der Staat neben denen des Bade-Betriebes von Bad Nauheim und Um­gegend habe. Tie Steuerquote, dic auf den Kopf in Alzey 30 Mk., in Bensheim 33 Mk., in Friedberg 47 Mk. betrage, sei in bent kleineren Bad 9tauheim 61 Mk. Er wies ferner auf die gesteigerten Einnahmen aus GerichtsgebÜhren, Jmmv- bilienstempel, Bahnstation u. a. hin. Stadtv. Lentz stellt äl)n-. liche Berechnungen an, wie der Vorredner. Man dürfe auch die Lage der Bad Nauheimer Gewerbetreibenden nicht über­schätzen. Das sei in milder Form ja auch in dem Schreiben bcs Stadtrats an die Kammer zum Ausbruck gekommen und in drastischerer Weise habe Prof. Tr. Biermer in seiner Broschüre über die Finanzlage Hessens von den hiesigen, fast amerikanischen Verhältnissen gesprochen. Gewiß sei auf das Wohlwollen her Regierung viel Wert zu legen, aber man dürfe die Selbst­achtung darüber nicht vergesfen. Tr. Langsdorf meint, ber Staat fei ein zu guter Kaufmann, als daß er wirklich bic Trohung ausführen könnte, bic hiesigen Neubauten etwa liegen zu lasfen, wodurch er nur sich selbst schäbige. Stablv. Minder erklärt bic Art und Weise für unwürdig, wie ber Staat ber Stabt bie Pistole auf bic Brust setze. Bei der Wasser­abgabe und bei der Klärbeckenfrage habe er nach derselben Weise gehandelt: Friß Vogel oder stirb! Stadtv. Kl i 11 ker f u ß weist darauf hin, daß die Rentabilität des Kohlcnsänrewerks über­schätzt zu werben scheine. Tie Preise seien von 4.50 auf 3.5C Mark, bis jetzt 1.50 Mk., herabgegangen. Wenn ber Staat warte, werbe es noch billiger kommen. 220 000 Mk. seien noch zu viel. Kaufmann Weiß meint, es wäre richtig, fest­zustellen, wer die Aktionäre des Werkes seien. Man habe ben Eindruck, daß Leute im Hintergrund bei der Verkaufsange­legenheit mitwirkten. Einstimmig wirb zum Schluß folgende Resolution angenommen: Tie vorn Bürger- und Stadtver­kehrsverein einberusene, zahlreich besuchte Perfammlung er Härt