Ausgabe 
14.9.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

en

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

! 13.

treten.

haben erhaltm

'freunde

politische Lagesschau

nennen. Der um rano, oaß oas tporei uirenoerg u.iu v«. ««« y ' <

.Zilla Hartmann deutsche und französische Fahnen, ver-lkLine für den Neubäu e.rnL^ Landungsanläge

s la^en.

Die Fahrt des Deutschen Kaisers zur französischen Grenze !vird in allen Pariser Zeitungen sehr ausführlich geschildert, lllle Berichte sind taktvoll, einige sogar sympathisch zu -------- Der Umstand, daß das Hotel Altenberg und die

raV . n izun&en Iler Systeme- jsserversorgiinS der. iS«. edJmhof

Nürnberg, 14. Sept. Der sozialdemokratische Partei­tag wurde gestern abend 8 Uhr in der Stadtfesthalle unter llnwesenheit von etwa 20 000 Personen mit einer Vor­versammlung eröffnet. Unter den Antvesenden bemerkte man saft sämtliche sozialdemokratischen Reichstags- und Land- :ags-Abgeordnete. Bebel und Bernstein sind in der Bor­versammlung nicht erschienen. Auch viele ausländische dele­gierte wohnten der Versammlung bei. Nach Musik- und -Gesangs-Vorträgen eröffnete der Vorsitzende des Arbeits- llusschnsses, DornMrnberg, die Vorversammlung. Alsdann begrüßte Abgeordneter Singer den Parteitag im Namen des Parteivorstandes. Er bemerkte, es werde auf dem Parteitage zu heftigen Kämpfen kommen, irr sei jedoch trotzdem der Ueberzeugung, daß die Partei aus diesem Kampfe als fest geeinigte Partei hervorgehen iverde. Es müsse aber schon letzt bemerlt werden, daß die Beschlüsse des Parteitages für jeden Genos- ien bindend seien und er sie als heiliges Evan ge -- .tum zu beachten habe. Singer schloß mit einem drei- iachen Hoch aus die Sozialdemokratie. Alsdann wurden singer-Berlin und Dorn-Nürnberg zu Vorsitzenden gewählt- Der Abgeordnete Löwenstein hielt eine längere Ansprache, )ie jedoch wegen großer Unruhe vollständig unverständlich iilieb. Heute vormittag 9 Uhr findet die Hauptversamm­lung im Herkules-Saale statt.

Cobleni /Rh.

ess. «K

MU

rasse 21

icncr Wahl loücnW s'Rabatt-Marken. 1 n, Franksurl a. Mw lglieders. W

29. Deutscher Zuristentag.

S. u. H. Karlsruhe, IT. Sept.

Ter Deutsche Juristrntag setzte heute seine Beratungen unter unverminderter Teilnahme mit Erörterungen in den vier Ab­teilungen fort In der Str a f r echtsa b te i l u n g wurde das Thema behandelt: Bedarf oas Legalitätsprinzips un Strafverfahren emer Einschränkung, bejal-cndenfalls in tvelcher Richtung?

Der Benchterstatter, Professor Dr. Graf- Gleispach (Prag> legte hierzu folgende Leufätze vor: 1. Das Legalitätsprinzip eine bei wichtigsten Garantien einer gleichmäßigen, unabhängigen Rechtsanweudusg upo des Bstroucns Pc-, Volkes m die .Straf-

erregt bei einigen Korrespondenten melancholische Empfin­dungen, die aber in maßvoller und angemessener Form ausgedrückt werden. Die Person deS Kaisers, besonders seine Liebenswürdigkeit gegenüber dem französischen Kom­missar Cochet, der ihn nach dem Hoheneck einlud, l-at guten Eindruck gemacht. Mit einiger Ueberraschung wird von den Blumen erzählt, die das Automobil des Kaisers so be­deckten, daß er sich erst aus den Sträußen und Kränzen befreien mußte. Tie Höflichkeit der Offiziere des Kaisers gegen die französischen Journalisten wird dankbar an­erkannt. Man bedauert, daß der Kaiser die Grenze nickt überschritten hat, findet aber den Besuch in der Schlucht schon genügenb, um zu beweisen, daß der Kaiser durch eine Handlung des Vertrauens gegen Frankreich die unfreund­liche Haltung seiner Regierung in der letzten Phase der Marolko-Asfäre wieder gut machen wollte. Von einer deut­schen Unfreundlichkeit in der Marokko-Frage kann in Wirk­lichkeit keine Rede sein. Die deutsche Regierung hat nur ihren berechtigten Standpunkt Frankreich gegenüber bei­

der Kaiser ist am Samstag vormittag aus den Reichslanden aus der Station Wildpark wieder eingetroffen.

Prinz Adalbert von Preußen wurde -um Ka­pitänleutnant befördert.

Kein billigeres Ortsporto. Wie demBörs. Cour." durch Informationen beim Reichspostamt bekannt wird, besteht bei den verbündeten Regierungen nicht der Plan, die Verteuerung des Ortsportos, die die letzte Steuer­reform gebracht hat, bei der jetzigen Finanzreform wieder aufzuheben. Es haben auch keine Verhandlungen in dieser Richtung zwischen den Bundesstaaten stattgefunden. Schade!

Staatssekretär Dein bürg erklärte, er bringe keine Forderungen für Deutsch-Südwest von Dort mit, auch

Sozialdemodatische heerschau.

Am heutigen Montag hat in 9fcümberg die Heerschau begonnen, die alljährlich die Sozialdemokraten über ihre Mannen veranstaltet. Mit besonderer Spannung sieht man diesesmal der Tagung entgegen, weil sich so viel des Zünd' stoffes innerhalb der Partei aufgehäuft, daß scharfe Aus­einandersetzungen nicht ausbleiben tonnen. Namentlich ist es der im Verfolg der Budgetabstimmung ausgebrochene Zwist zwischen Nord und Süd, der zu lebhaften Kontro­versen führen wird, nachdem bereits in der Presse feit Wock-en der Kampf getobt hat, der namentlich von Nord­deutschland aus teilweise mit recht grobem Geschütz ge­führt nntrbe. Man macht den Süddeutschen zum Vorwurf, daß sie gegen eine wichtige prinzipielle Bestimmung des sozialdemokratischen Parteiprogramms gefehlt hätten und oaß in diesem Verhalten eine Annäherung an die Bour­geoisie liege, die mit sozialistischen Grundsätzen unvereinbar sei. Es handelt sich also um eilten Prinzipien streit, bei dem die alten Differenzen zwischen den Doktrinären und den Revisionisten zweifellos wieder zum Ausbruch kommen; allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß man wie bei einigen der letzten Parteitage die Diskussion hierüber der Oessentlichkeit entziehen Wied, indem man die bett. An­gelegen l-eit einer besonderen Kommission überweist, die dann nur summarisch Bericht erstattet, ohne daß ein getreues Spiegelbild der Einzelheiten gegeben wird. Daß man aber mit Gewalt die süddeutsche Richtung unterdrücken will, gebt aus der Taktik hervor, daß ein großer Teil der nord- deutschen Bezirke infolge einer Anregung desVorwärts" 3 Vertreter entsendet; dazu steht ihnen zwar ein Recht zu, das aber bisher nie ausgeübt wurde, weil sich die meisten kleineren Bezirke aus pekuniären Gründen mit ein oder zwei Delegierten begnügten. Man will also eine Mehrheit für den vom Parteivorstand eingenommenen Standpunkt unter allen Umständen erzielen und hat zu dieser Maß­nahme feine Zuflucht genommen, wobei den minder be­mittelten Klassen sogar Subfibien gewährt werden. Der Ausgang dieser Differenzen kann also kaum zweifelhaft sein, der norddeutsche Standpunkt wird siegen und die Süddeutschen und ihre Freunde werden sich trotz aller Gegenreden schließlich fügen, denn ist kaum anzunehmen, daß es etwa, wie verschiedentlich geglaubt wird, zu einer Spaltung kommt. Man wird.sich schließlich wieder einigen und die süddeutschen Genossen werden es auch ruhig er­tragen, wenn, wie vorauszusehen, eine Resolution ange­nommen wird, worin ihr Verhalten einer scharfen Kritik unterzogen wird. Meinungsverschiedenheiten besteben auch hinsichtlich der Frage der Angliederung der Jugendorgani­sation, von dem ein Teil der Führer überhaupt nichts wissen will. Freilich handelt es sich hierbei nur um eine tak­tische Frage von etwas geringerer Bedeutung, und daher io ollen etwaige Differenzen hierüber nicht allzu viel be­sagen. Gleichwohl aber kann man annehmen, daß es in Nürnberg zu ähnlichen Szenen kommen wird wie in Dresden, wo der Kampf -wischen Alten und Jungen mit der größten Schärfe geführt wurde und die Gemüter auf das heftigste aufeinander losplatzten. Auch damals ging man schließlich friedlich auseinander, und so wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch diesmal wieder sein. Indessen liegt es auf Der Hand, daß derartige Vorkommnisse nicht geeignet sind, der Partei zahlreiche neue Anhänger zu- msühren, ein leises Abbröckeln am sozialdemokratischen Turm ist schon seit längerer Zeit bemerkbar. Die scharf geführten, aber unglücklich geendeten Lohnbewegungen haben zahlreiche Arbeiter den Gewerkschaften entfremdet und der Sozialdemokratie entzogen und zweifellos hat die Partei chren Höhepunkt überschritten, ein Riefenzuwachs wie früher fann als ausgeschlossen gelten, die Bewegung ist zum Stillstand gekommen, trotz aller Anstrengungen, die gemacht Verden, diesen Gang der Entwicklung auszuhalten.

Ausland.

In Bosnien gärt es. Wie von dort gemeldet wird, wurde auf eine österreichische Feldpost in der Nähe der bosnischen Grenze ein Ucberfali ausgeübt. Die Angreifer wurden aber durch die starke Patrouille, die die Post be­gleitete, zurückgeschlagen. Ferner wurde versucht, mehrere Militärmagazine zu erbrechen. Das Militärkommando ord­nete die Verstärkung der Truppen an, nm die Straßen gegen die Grenze und die Militärmagazine besser überwachen zu können.

Zusammenstöße zwischen Sozialdemokra­ten u n d K a t h o l i k e n. Zn Budapest sand am Samstag ein Katholikentag statt. Gleichzeitig hatten die Sozialdemo­kraten eine Volksversammlung einberufen. Nach Schluß des Katholikentages veranstalteten 20 000 Teilnehmer, unter denen sich zahlreiche Aristokraten befanden, eine eucha­ristische Prozession. Dabei kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den Teilnehmern der Pro­zession und Sozialdemokraten. Letztere bewarfen die Katho­liken mit Steinen und Kot. Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verwundete. Mehrere hundert Verhaftungen wurden vorgenommen. In London hat man die Gefabr von Zusammenstößen bei der eucharistischen Prozession dadurch verhindert, daß daH Allerheiligste nicht in der Prozession getragen wurde und das rein kirchliche Gepräge somit zurückgedrängt war.

Das Befinden der Königin Wilhelmina ist^ wie die niederländische ZeitungVaderland" mitteilt, ernster, als vom Hofe zugegeben wird. Die Königin sei äußerst schwach. DasVaoerland" tadelt scharf die Regierung, die dem Volke die Wahrheit vorenthalte'.

Die Demission des dänischen Kabinette ist nunmehr die Folge der Unterschlagungen des früheren Justizministers Alberti. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung, die immer gebieterischer den Rücktritt des für; das Volksbewußtsein allzu eng mit dem ehemaligen Justiz^ minifter Alberti liiert gewesenen Ministeriums verlangte,' hat der König die Demission des Gesamtministeriums, angenommen. Dies geschah, nachdem der Minister des Aeußern, Graf Raben, vormittags bei dem König unter Darlegung der Situation für seine Person um seinen Ab­schied eingenommen war. Christensen wird bis zum bevor- stehenden Zusammentritt des Reichstages weiter als Mi­nisterpräsident fungieren. Tie Nachricht von der Demissionj des Ministeriums rief allgemeine Genugtuung hervor. Es verlautet, daß der Butter-Exportverein gegen die Bezahlung der von Alberti kontrahierten Schulden protestieren will. Jetzt ist festgestellt, daß 26 000 Sparer Einzahlungen unter 2000 Kronen bei der Bauernsparkasse geleistet haben- und 5000 Einzahlungen von mehr als 2000 Kronen machten. Es ist der Gedanke angeregt worden, wenigstens einen Teil der durch Alberti unterschlagenen Millionen durch ä f f en t-t liche Sammlungen im Lande wieder einzubringen.

Die türkische Regierung hat mit der Ottoman-i bank eine Anleihe von 3 800 000 Franks abgeschlossen. Ter! Sultan beabsichtigt eine besondere goldene Frei heits-j münze prägen und mittels Spezialgesandten allen Mon^ archen Europas überreichen zu lassen.

Aushebung des Kriegszustandes in Ruß-- land. Durch kaiserlichen Ukas ist der Kriegszustand mit dem 28. d. M. aufgehoben und durch den verstärkten Schutz ersetzt. In einigen Gegenden des Gouvernements Jekate-* rinoslaw ist der außerordentliche Schutz verlängert worden.- Die Aufhebung des Kriegszustandes ist wohl geschehen, unt dem Auslande zu dokumentieren, daß im Zarenreiche nor­male Zustände zurückgekehrt sind. Das AnleihebeoürsniH Rußlands ist der eigentliche Grund dieses Ukases. Aufsehen erregt übrigens in Konstantinopel die Meldung von der, Zusammenziehung russischer Truppenmas-, sen beim Grenzort Sarikomisch. Die Zusammen-; ziehung erfolgt angeblich mit Rücksicht auf die bevorstehenden Manöver.

Die Bevölkerung der Inseln Pica und, Fay al (Azoren) hat sich gegen die portugiesischen, Behörden erhoben, da sie mit den ergriffenen Maß­regeln, die Ausbreitung der Pest zu verhüten, unzufrieden sind. Der Pöbel griff die Krankenhäuser und öffentlichen- Gebäude an. Die Truppen, die ausrückten, wurden in- die Flucht getrieben und mußten sich in den eigenen Ba­racken verbarrikadieren. Viele Regierungsbeamte wurden verletzt. Tie Unruhen dauern fort.

ien

lauses

lngcn und fflnuneli bcks-RabattMartn

Stratze: inbonaafoe 66 ntfuner Saaße ti boraf Bhilwv-Mh z w und üindenM inhossttaße 41 rklslraße 28 iltaht l'J ttlüraße 19 -nkmrler Sttaße $ lenvlatz 12 tcrsweg 6 lersweg 6 bekannt gegeben!

Nr. 216 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 14. September 1908^

Der Siebener Anzeiger Be uaSvreiS-

.SS jZI AM A X A.

GiebenerZamilienbläNeri ßj 'W 01 43k /<> jTA TOW Ablwle- il Zweigstellen

zweimal wöchentl.Xreir- DR Mw B Aw A B M w W 9 B B B Q rnonatlick 65 Ps.; durch

blattfürötnKrtisWeten ffl Jr B B RZ W 9 B B WlZ K Q H Q diePo.l MÜL.-vlertet-

(TienstagundFrenach: HR M M B Ä B B BF B I II BMW HT W auSschl. Bestellg.

SS? General-Anzeiger für Gberhessen MW

bS vormüwgs^uhr^ lkotationsdruck unö Verlag der vrühl'schen Univ. Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und Druckerei: zchulstraße 7. H." Beck.

bunden durch Schleifen in den elsässischen Farben, trugen, a n Swakopmund. Er überlasse diesen '.Neubau den * * ' - .«»!.- , Interessenten. Er werde nur den bestehenden HolMr ver-

: stärken lassen, der bann lange Zeit genügen werde. Tie neuen Eisenbahnen seien no ch unrentabel, be­sonders die von Windhuk nach Kectmaiiushoop. Die O v a in* b o frage solle vorsichtig behandelt, es sollten keine Truppen hingeschickt werden. Kaufleute, die hingingen, sollten nur gegen hohe Kaution Zutritt erhalten.

Todesfälle in Gebweiler. Der frühere Präsi­dent des Landesausschusses, Wirklicher Geheimer Rat Dr. v. Schlumberger, ist gestern vormittag gestorben. D.r Erzabt von Beuron, Plazidus Wolter, ist gestern nachmittag in Konstanz gestorben.

Ternburg über das Wahlrecht.

Als der nunmehr von seiner Juiormationsreise durch Deutsch-Südwestafrika nach Antwerpen zurückgekehrte Staatssekretär Ternburg in Windhuk weilte, hatte er dort eine dreistündige Unterredung über wichtige politische und wirtschaftliche Fragen mit mehreren Windhuker Herren. Er bezeichnete die Weigerung der Windhuker Bevölkerung, sich an der Bildung und Mitarbeit im Gouvernements- dezw. Landesrat zu beteiligen, falls ihre Wünsche betreffs dieser Körperschaft unberücksichtigt bleiben sollen, als sehr unklug und riet dringend, nicht auf diesem Standpunkte zu ver­harren. Tann kam er auf das Wahlrecht zum Landesrat zu sprechen und führte hierzu nach dem Bericht derWind- Huker Nachrichten" aus: Er sei entschieden gegen ein direktes Wahlrecht, auch wenn es kein allgemeines fein sollte. Wern­burg wies auf die Zustande hin, die das Reickstagswahlrecht gezeitigt hat, namentlich auf den Umstand, daß Städte wie Berlin, Hamburg mit ihrer hohen Bedeutung für das Reich sowohl als auch für die ganze Kulturwelt durch Sozialdemo­kraten vertreten seien. Wenn für die Gegenwart auch nicht zu befürchten sei, daß aus einem direkten Wahlrecht' ähn­liche Zustände sich in Südwestafrika bilden würden, so könnten solche aber in Zukunft entstehen. Die Ansicht Wern­burgs über das Wahlrecht wird jedenfalls noch eingehend erörtert werden müssen. Es fragt sich vor allem, ob es überhaupt berechtigt erscheint, das Reichstagswahlrecht direkt mit dem Wahlrecht in unseren Kolonien zu vergleichen.

Ter Rückgang der Eifenbahneinnahmeo.

Wie Eisenbahn, die solange eine der besten Einnahme­quellen bildete, zeigt betanntlich seit Einführung der un­glückseligen Fahrkartensteuer einen andauernden Rückgang in den Einnahmen. '))üt einem Einnahme-Ausfall von ca. 70 Millionen Mark dürfte, wie da§ V T. erfährt, die vreußisck-hesfische Staatsbahn-Verwaltung in diesem Etat-Jvüre zu rechnen haben. 9Lach dem Vor­anschläge sollen sich die Gesamt-Einnahmen auf rund 2,045 Millionen, die Ausgaben auf rund 1325 Millionen be­ziffern, so daß sich ein Ueberschuß von 720 Millionen ergeben wurde. Nach den bisherigen Feststellungen und Schätzungen dürfte jedoch der Ueberschuß sich auf taum 650 Millionen belaufen, vorausgesetzt, daß die Betriebs-Einnahmen weiter­hin in gleichem Maße wie in den verflossenen 5 Monaten hinter dem Voranschläge zurück bleiben. An dem Rück­gänge deS Personenverkehrs ist nicht allein die allgemeine Geschäftslage schuld, die tatsächlich ungünstiger ist, als viel­fach angenommen wird, sondern auch die Verteuerung des Reisens durch die Tariftesorm und die Fahrkartensteuer, die eine Abwanderung in die unteren Wagenklassen zur Folge gehabt habe. Hoffentlich bewahrheitet sich nun die Nachricht, daß die Fahrkärtensteuer abgeschafft werden soll.

Marokko.

Muley Hasid hat in einem Schreiben an das diplo­matische Korps mitgeteilt, daß er die von Abdul Asis ein­gegangenen Verpflichtungen anerkenne. WemMatin" zu­folge sind in Tanger Briefe von Muley Hafid eingetroffen, durch die der Minister El Menebbi bevollmächtigt ivirb, mit den Vertretern der Mächte zu initerhandeln. Muley Hasid erkenne grundsätzlich die Akte von Algeciras an, rechne aber darauf, durch das Entgegenkommen der Mächte einige Aen- derungen, insbesondere hinsichtlich der Organisationen der Polizei zu erlangen. Er suche ferner über besondere Ent­schädigungsforderungen Frankreichs, namentlich in Bezug auf Kriegslasten, eine Verständigung herbeizuführen. Wie das Blatt weiter meldet, bemüht sich Muley Hasid, eine neue starke Mahalla zusammenzubringen, deren Oberbefehl er persönlich übernehmen will. In Tanger ist gestern nacht übrigens Mohammed el Torres, der Vertreter des Sultans Abdul Asis, gestorben.

Deutsch es Reich.