Ausgabe 
14.8.1908 Erstes Blatt
 
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erschossen. Tie Truppen verfolgen die Knrdcn und sollen cinft- tvcilcn in Dersim bleiben.

Don sonstigen Meldungen auS der Türkei verdienen noch nachstrl)ende registriert zu nxrbcn:

Die im Palais angestellten fremden Untertanen hnrrben ent­lassen. Der neuen amt tv Minister des Innern, Rechid Pascha, hat demissioniert. Ebenso besteht der neucniannte Polizei- Minister Refik Bey auf seiner Demission. DerN- Fr Pr." telegraphiert man mis Konstmitinvpel: Aus versckstedcnen Orten liegen Informationen und Anzeigen vor, aus denen hervor geht, daß die Serben die hiesige Umwälzung benuven wollen, um die Jungtürken gegen Oesterreich-Ungarn we­gen Bosnien auf-uhetzen.

Der Ministerral beriet gestern über den neuen Vorschlag des jungtiirkrschen Komitees sowie über die Meuterei, die unter den Angestellten des Finanzministeriums ausgebrochen ist. Diese Angestellten sind un&ifriebcn mit dem neuen Minister, weil dieser eine Anzahl Beamten entlassen hat und umfassende Reformen einzuführen beabsichtigt. Sic verlangen die Wiederherstellung des Status quo ante. Das jungturkische Komitee bemüht sich, die Ordnung wiedcrherzuftellen. Der frühere Dlarschall Tuna Pascha ist gestern hier cingetroffen. Er wurde von der Bevölkerung und den Führern des jungturftfdjcrt Komitees begeistert em> fangen. Das BlattLtambui" iveift aul die Unsicherheit auf den Straßen ivährcnd der sJiad)t hin und führt diese auf die Amnesfie der gemeinen Verbrecher zurück.

L^eer und Flotte.

Berlin, 13. "uug- Im Vonunertdeu Winter sollen, wie dasB. T-" bürt, auch im preußischen Heere Versuche gemacht werden, nach dem bayeriscl-en Vorbilde, bei einzelnen Truppen­teilen landwirtschaftlichen Unterricht einzusühren.

Dem Verl. Lokalanz. zufolge werden die Herbst Manöver der dnstsckren Hochseeflotte vom 27. ds- Mts. ab in der Ostsee abgehallen.

Sennelager, 13. Aug- Die heutige Kavallerie­übung begann um 6 Uhr und endete um 11.30 Uhr- Der Kaiser frühstückte im Osftsterskasino. Die Abreise nach Wil- helmSböhe erfolgt nm 2.15 Uhr-

Mainz, 13. Aug- Jubillinm des 88. Jnsanteric-Negi- ments. Der Kaiser verlich anläßlich i^s Regiments-Jubiläums bem Oberst a. D- Jsenbarth in Eoblcnz den Charakter als Generalmajor z. D-, dem Major a. D. v. Langen den Charakter als Oberstleutnant. Dem jetzigen Kommandeur des Regiments, Oberst v. Dewitz, wurde Die Königliche Krone zum Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife verliehen- Dtw Groß- Herzog von He ff en sandte folgendes Telegramm:Ich freue mich, daß das ruhmreiche 2. nassauische Infanterieregiment Nr- 88 das Fest seines 100)ährigen Bestehens in meiner Stadt Mainz begeht und sende dem 9tvgimcnt zu ieinem Elstentage meine besten Glückwünsche. Ernst Ludwig." Die bei der heutigen Parade verlesene KLbinettsordcr oes Kaisers put fvigendeii ^Wortlaut:Ich spreche dem 2. na,säuischen Jnsantcrieregiment zu seinem Jubel­tage meine Glückwünsche aus und nehme gerne Veranlassung, ihm für die guten Dienste, die es während des großen Krieges von 1870/71 geleistet Hal, erneut meinen königlichen Dank zu sagen. Möge es dem Regiment vergönnt sein, sich neue Ehren zu erringen, wenn dereinst der Ruf seines Königs und Kriegsherrn es wieder gegen die Feinde des Vaterlandes führen sollte. Truppenübungs- plab Senne, den 13. August Wilhelm R." Bei der heute nach­mittag im Kasino stattgefundenen lieber re ichung von Geschenken übergab Oberstleutnant von Langen im Auftrage des Großherzogs von Luxemburg zwei Lelgemülde, die Kurfürstin Adois von Nassau und FriÄrrich August von Nassau darstellend. Weitere Geschenke überreichten die Städte Dftfinz und Wiesbaden, sowie die früheren Garnisviwrle des Neginrents, Hersseld und Diez a. d- Lahn. An die Geschenküberreicliung schloß sich das Fest­essen im Offizierskasino. Heute abend findet großer Kommers in der Festhalle mit Vorführungen von lebenden Bildern statt.

Deutscher Reich.

Der Kaiser traf gestern um 5 uyr auf dem Bahnhofe Wilhelmshöhe ein, wo er von der Kaiserin und der Prin­zessin Viktoria Luise empfangen wurde; -Oberhosmarschall Graf zu Eulenburg übernahm stier den Dienst, Flügeladju- tant Oberst v. Laucnstcin löste oen Flügeladjutanten Oberst F-rhr. v. Marschall ab. Der Kriegsminister v. Einem trifft am 15. August, der Reichskanzler Fürst Bülow am 18. August zu kurzem Aufenthalte hier ein. Der Ches des Zivilkabinetts v. Valentini und Geh. Hofrat Abb sind heute hier ange­kommen.

Die Kaiserin unternahm vorgestern früh einen Spazierritt und begab sich am Nachmittag mit der Prin­zessin Viktoria Luise und dem Prinzen Wvlrad Waldeck im Automobil nach Arolsen zum Besuch Der verwitweten Fürstin Waldeck. Gestern morgen unternahm die Kaiserin einen längeren Spaziergang in die Nähe des Herkules.

Der nach st e Besuch des Königs Eduard. Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg." bezeichnet die Mel­dung, daß König Eduard am 27. Januar 1909 zum Geburts­tage des Kaisers nach Berlin kommen werde, für unzu- Iresfend. Man werde nicht fehlgesten, wenn man annehme, daß der englische Gegenbesuch nicht mehr in diesem Jahre, im nächsten Jahre aller Voraussicht nach in der Zeit vor Ostern erfolge.

Kriegs mini st er v. Einem amtsmüde! Wie die B. Z." aus bestunterrichtcter Quelle erfährt, sind die Tage des Kriegsministers gezählt. Herr v. Einem fühlt sich der kommenden Reichstagskampagne gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Der Kriegsminister soll nach seiner Demission das 10. Armeekorps erhalten, dessen gegenwärtiger Kom­mandeur, Generaladjutant v. Löwenfeld, mit dem Kom­mando des Gardekorps betraut werden soll. Getreral von Kessel, der gegenwärtige Kommandeur des Gardekorps, dürfte nach den Manövern abgehen. Auch über die Perfon von Einems Nachfolger sind bereits Dispositionen getroffen. Für den Posten des Kriegsministers kommt in erster Reihe der Divisionär Generalleutnant Gallwitz,, Kommandeur der 15. Division in Köln in Betracht.

Glückliches Bayern. Im bayrischen Finanzausschuß teilte der Finanzministcr heute mit, daß in dieser Periode wider Erwarten zum ersten Male mir der Tilgung der allgemeinen Staatsschulden begonnen werden könne.

Die bayerische Abgeordnetenkammer nahm in ihrer heutigen 5ip.it im einstimmig, auch mit den Stimmen der Sozialdemokraten das Finanz- gesetz an. Danach schließt das Budget bei 628 955 106 Mark Einnahmen und 631 255 106 Mark Ausgaben mit einem Fehlbetrag von 2300000 Mark ab. Ferner wurde in der heutigen Sitzung die Wiederwahl des Abgeordneten Cro> nauer-Gerrnersheirn, dessen erste Wahl als ungültig erklärt war, abermals für ungültig erklärt.

Gegen die Elektrizitätssteuer. Die Stutt­garter Gcmeindekollegicn beschlossen in ihrer gestrigen Sitz­ung eine Eingabe an die Königlich Württcmbergische Staats­regierung und die Landstände, in der diese aufgeforoert werden, gegen die geplante Reichs-Elektrizitäts« und G a s st e u c r Stellung zu nehmen und ferner darauf hinzuwirken, dqß diese Frage auf Die Tagesordnung des diesjährigen Städtetages gesetzt wird.

Bürgermeister Dr. Schücking (Husum) ist in die Redaktion derStädte-Zeitung" in Berlin als Heraus­geber eingetreten.

Der Streit unter den Genossen. DerKarls­ruher Bolksfreund" weist heute nochmals ausführlich Den Angriff des BerlinerVorwärts" aus die süd­deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten zurück und erwidert außerdem auch schon auf Den inzwischen er­schienenen zweiten Artikel desVorwärts" in der gleichen Sache. Die badische sozialde.'uotratisckw Landtagssraktion zittere auch vor dem Votum des Nürnverger Parteiorgans nicht; sie werde sich zu verteidigen wissen.________________

Ausland.

Das deutsche Kron prtnzeu paar ist gestern vormiltag 9*/, Uhr von Bozen mittels Automobil über den Brenner nach Innsbruck abgercisl, voii wo cs sich nach Salzburg begibt.

Der Konflikt z w i s ch c n Holland u >i d B e ii e z u e l a. Ter Marinemimster ist angesichts der Zuspitzung der Beziehungen zu Venezuela nach dein Haag zurückgekchrl. Ter PanzerFries­land" wird Ende dieses Monats nach Venezuela abgehen, desgleichen der KreuzerUtrecht", der den .Gelderland" ablösen soll. Ter Gelderland" wird jedoch, falls die Verhältnisse cs erheischen, in den venezolanischen Gewässern verbleiben. Wie auä Newyork berichtet wird, fordert die venezolaiiische Regierung durch Ver­mittelung des Washingtoner Gesandten Genugtiiung für die Nichl- begrüßung der \ etimgen La Guayra und Puerto Cabello durch den .Gelderland' , an Bord dessen sich der holländische Konstil de Reuß befand.

Spitzbergen unter internationaler Kontrolle. Wie die norwegischen Blätter melden, will die iiorivegische Re­gierung bei den eiiropäischen Großmächten dahm vorstellig ivcrden, daß eine internationale Konferenz zusammenberuien werde, die die Frage behandeln möge, inwieweit es sich empfiehlt, Spitzbergen unter eine internationale Kontrolle zu stellen. Tie Veranlassung zu diesem Schritt der norwegischen Regierung geben die Unter­nehmen industrieller und ökoiiomlscher Art, die in den letzten Jahren auf der Inselgruppe in Angriff genommen worden sind.

B e i einet Meuteret von chinesischen Soldaten in Kon gl) au (Mtttelchma) wurden mehrere Offiziere ermordet; die SDieutever bemächtigten sich eines Militärlagers und vereinigten sich mit den Aufständischen in den T^in^ber^en^^

Statt und Land.

Gießen, 14. August 1908.

Die Oberhessische Nationalfeier zu Ehren Zeppelin Z sindet, wie auch an dieser Stelle nochmals hervor- gehoben werden mag, um 3 Uhr nachmittags statt.

" Der Gabelsberger Stenographenverein gegründet 1861 hielt gestern abend im Cafß Ebel seine Monatsoersammlung, verbunden mit einer Feier des Grün- dungSlages, ab. Der I. Vorsitzende, Herr Sekretär Loh, begrüßte die überaus zahlreich Erschienenen, insbesondere auch die Vertreter der Stenographen-Gesellschast Gabelsberger, des DamenvereinZ, der akademischen Vereinigung und des Vereins Heuchelheim herzlich und erwähnte u. a., daß der Verein nunmehr 151 Mitglieder zähle und im oerfloffenen Jahre 165 Personen unterrichtet habe. Hierauf erfolgte ein mit großem Beifall aufgenommener Vortrag des II. Vorsitzenden, Herrn Lehrer Kling, über: »Die Verwendung der Stenographie nn öffentlichen Leben." Der der Versammlung unterbreitete Vorstandsbeschluß, das seitherige korrespondierende Mitglied des Vereins, Herrn Bundes-Vorsitzenden Pros. Pfaff in Darmstadt, in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Schule und das Werk Gabelsbergers und nicht minder um die Deutsche Einheitsstenographie, zum Ehrenmitgliede zu ernennen, fand einstimmig Annahme. Nächsten Samstag abend findet Familien-Abend auf der LiebigShöhe statt, woran auch von Mitgliedern eingeführte Gäste teilnehmen können.

* Bürgersteige besprengen! Wir bringen in Erinnerung, daß die Hausbesitzer, bezw. deren Stellvertreter, verpflichtet sind, die an ihren Grundstücken herziehenden Bürgersteige mährend der trockenen Jahreszeit täglich in den Früh- und Mittagsstunden begießen zu lassen. Emer beson­deren Aufforderung bedarf es im Emzelsalle nicht. Unter­lassungen werden ohne weiteres zur Anzeige gebracht.

Assenheim, 15. Aug. Seit einigen Tagen ist dem hiesigen Mühlenbesitzer Karl Koch eine größere (Selb» summe auf unauf geklärte Weise abhanden gekommen. Es handelt sich um einen Betrag von 3600 Mark. Die Staatsanwaltschaft hat sich der Sache schon angenommen.

O Zeilb ach, 13. Aug. Der Schreinermeister Pe ter Himmler von hier, ein Mann von 32 Jahren, der bei dem hiesigen Poli^eidiener arbeitete, stürzte roäfycenb des Mittagessens t o t hin. Ein Schlaganfall hatte dem rüstigen Manne ein jähes Ende bereiter. In Groß-Eichen verstarb die Frau Rock auf ähnlich tragische Weise. Sie brach während des Bohnenschneidens tot zusammen. Die Ver­storbene war noch sehr rüstig.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Zur Lage in der Türkei.

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politische Tagesschau.

Debet die bevorstehende Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm

wird bekannt: Zur Festsetzung d.s Zeitpunktes der Zusannnenkunft sindet gegenwärtig ein Briefwechsel zwischen Den beiden Mo­narchen statt, der nod) nicht völlig abgeschlossen ist, aber den Be- such als ziemlich sicher erscheinen laßt. Der Zar beabsichtigte anfangs, dem Kaiser Franz Joseph Anläßlich dessen Regicmngs- JnbllaumS m Wien einen Besuch abzustartcn. Diesem Besuch in Wien sollte eine Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wil­helm vorausgehen. Die Wiener Reise, die nur kurze Zeit auf Dem Programm stund, sowie der Besuch italienischer und fnaru- »ösischer Gewässer sind für dieses Jal/r definitiv ausgegeben. 5)ie Zarensamilie reift an Bord der Pachten Standart und Polarstern am 29. August -um dritten Male in diesem Jahre nach den finnischen Sck-Sren. Bald Darauf dürfte die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren zur See, wahrscheinlick) vor Abv, statt- finden. Zell und Ort sind erst annähernd feftgefefrt, dock- läßt sich schon heute mit -reinlicher Sicherheit sagen, Dag die Zusammen­kunft ui den finnischen Gewässern staltfinden wird und daß das türhfdjc Pvoblcm Gegenstand eingehender Bespreck-ungcn Kwischen beiden 1'Nonarchen fein wird.

Nachklangezur Jschler Monarchenbegegnung.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der warme Ton der in Ischl ausgetauschten Trmftprüä)e wird allenthalben, wo die fried­liche Entwickelung unseres Weltteils angeftrebt wird, herzlichen Widerhall sinden. sJ)üt aufrickftiger Befriedigung ist man in Deutschland der Jschler Begegnung gesolgt, die sich unmittelbar <m das unter euem'o crireiuicheiv Uniftanben ver lau jene Bei- lammenjem unseres Kaisers mit dem König von England an» schloß. Hier wie dort haben die gepflogenen Unterredungen er­geben, daß die gegenseitigen Beziehungen durch polttischc Disse- icitfrcn nicht belastet, daß namentlich hinsichtlich der Stellung der Atöchte gegenüber den jüngsten Geschehnissen im Ottomanischen Lieichc die Aussassung übereinstimmende Geltung gefunden hat, daß «s angcAcigt ersck-eint, sich von einem Eingreisen in die durch den Umschwung der Dinge im Orient gegebene neue Lage zurück- zuhalten und die Bemühungen der Ottomanen, ihre Verhält­nisse nach eigenem Bedürfnis zu regeln, mit Sympathie zu ver­folgen.Libertä" sagt:Die Entrevue von Jsckst nach der Don Cronberg und unmittelbar vor Derjenigen, Die Der König ton England mit Clemenceau hat, bilbet einen Beweis für das gemeinsame Bedürfttis der Mächte, eine Verständigung in Eu­ropa mehr als jemals für notwendig anzusehen."Temps" meint:Nicht die Absicht dem Krieg oder Streit zu dienen ließ Mönig Eduard nach Ischl gehen. Kaiser Franz Joseph hatte in inner Jugend Krieg mehr als genug auf sich zu nehmen, um nicht in seinem Alter für den Frieden zu arbeiten. Eine Der- änbigung, die sich auf die Orientfrage bezieht, bildet eine neue Verpflichtung, den Frieden zu bewahren seitens der beiden Sou­veräne und Regierungen."Le Journal des Däbvts" sagen: Tie europäische Entente bezieht sich mit auf die Orientfrage, welche feit dem letzten Winter brennend war. Sie konsolidierte |id) gestern wieder in Ischl infolge schwerwiegender Umstände. Die Großmächte bleiben sich einig darin. Den Frieden zu be­wahren." König Eduard ist übrigens gestern um 1.20 Uhr von Ischl nach Marienbad abgereift und dort um 6 Uhr ein* getroffen. Der Abschied des Königs vom Kaiser war ein äußerst herzlicher. Von informierter Seite wird betont, das England und CcfterreitfcUngarn, sowie die gesamte politische Welt mit bem Resultat dieser Monarchenzusammenkunft äußerst zufrieden fein könne. Baron Aehreuthal wurde nach der Abreise des Königs lom Kaiser in längerer Audienz empfangen. Wie von gut »nterrichteter Seite versichert wird, ist in Ischl nicht, das Ge­ringste vorgefallen, was als Versuch Englands aufgesaßt werden lonute, irgend einen Keil in das Bündnis zwischen Deutschland und Lesterreich-Ungarn ciujutreiben. Es wurde im Gegenteil in den Hiesigen Konferenzen die Besserung der deutsch-englischen Bezieh­ungen berührt. Bei der gestrigen Hostafel nahmen der Herzog imD die Herzogin Cumberland bevorzugt«; Plätze ein.

Nr. 1U0 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 14. August 1908

Der Gießener Anzeiger ______ v v ° °

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In einem langen Artikel besprichtJkdcuK bie Frage, ob bke Türkei eine Allianz nötig habe, und meint, bie gegenwärtige Sage sei für die Türkei ungünstig, um Mlianzen abzufchlretzen. Heute, sagtJkdam", hat Europa die alten Rechnungen mit uns abgeschlossen. Das läßt uns Zeit zuM>Arbeiten und unsere tfdhig- kosten zu zeigen. Heute ist ganz Europa unser Freund- Das Blatt bespricht sodann die Beziehungen der Türkei zu Den einzelnen Staaten Europas und sagt bezüglick> Deutschland:Einige hüllten in ihrem allzu großen Eifer, ihre Gefühle kundzugeben, die F-renndschast vergessen, die Deutschland uns bisher erroiey, fi fgar einige kleine Dienste, die es uns geleistet hat. In der Politik ist jedoch Vergessen ein sehr großer Fehlet'. ES ist Wohl irahr, daß die Freuiidsck)aft mit uns im Jnterefte Deuftckstands liegt, aber Deutschland hegt keine EroberungSabsicksten in der Türkei, seine geographische Lage erlaubt dies nicht. Im Gegen­teil, es ist möglich, daß Deutschland stets das Glerchgeivicht zu unser en Gunstcti herbeisührt. Mit Bezug auf Die in Der Presse geäußerten AnsckMlungen über daS Verhältnis Englands >um Deutschen Reiche in Sachen der Orientpolitik jagt schließlich das Blatt:Wir sind unparteiisch, wir werden nicht dm Spielball zwischen zwei Macksten abgeben und bie Freund­schaft der einen gegen Die Feindschaft der anderen austauschen. Jkdam" schließt seinen Artikel mit Der Erklärung, Die -turfei werde eine ganz imb gar friedliche Politik befolgen ohne unter tat 9)uäd)ten Eftersncht hervorzurufen.

Eine deutlichere Sprocks an die Adresie gewifier Mochte fuhrt eine BekanittmackMng des ottomanischen Komitees, worin erfuhrt nirD, Jtußland und Frankreich hätten mit Eingreifen gedwht, sells die Regierung die Bewegung nicht unterbrüden könne. ftomücc weist diese Absicht als unerhört zurück, da das turnfck)c Boik für die Freiheit, Den Fortschritt unD Die Menschlichkeit ar- beste. Die Völker Europas dürften nickst Dulden, daß abennals wie in Persien, ein russischer Offizier die Freilstit im Mute ersticke. Die Fremden seien in der Türkei vollkommen fidta:, mr ein fremdes Eingreifen könne ihnen gefährlich werden. Die Bekamininxtmng hat Ister sehr überrascht, Da^man nichts von orr Msickst eenes Eingreifens wußte. Tas Telegramm meldet ferner: Die Truppen unter dem Divisionsgeneral Neschet Pasti)a sind in das Kurdrnland in Dersim cmgvrütft. 3 um euren male wurde ans Grund klarer Befehle des Kriegsministers kräftig nn- ^griffen. Aiehrere Kurdensästits und eine Anzahl Kurden wurden