Saale zum „Römischen Kaiser' beginnende Besprechung über die innere Hebung der Volksgeselligkeit in kleineren Städten und auf dem Lande anschließen, zu der alle Versammlungsteilnehmer eingeladen werden. Der Verbands- geschästsführer wird die Besprechung durch ein Referat ein- leiten.
** Stadttheater. Daß die Besucher von Moliöres ,31 a 1 a d e imaginaire" am kommenden Montag einen besonderen Genuß erwarten dürfen, verbürgt auch ein Bericht der »Kobl. Ztg." vom 1. Nov. über die Gäste. Es heißt da: ,Tie 3 französischen Klassikervorstellungen am Samstag und Sonntag in Koblenz waren ein Ereignis. Mas die Vorstellungen besonders interessant machte, das war das Spiel, ein Spiel, so wohldurchdacht, so ausgeglichen, so fein und dezent und dabei so überzeugend, daß es auch für eine», der dem französischen Text nicht folgen konnte, ein Genuß war. Im Dialog zeigie sich diegrößte Kunst. Wie das pointiert und abgetönt wurde, wie and) die kleinste Geste Lichtstrahlen auf das maßgebende Wort warf, wie ein maßvolles und doch eindrucksvolles Mienenspiel die (Sebanfcn begleite., so etwas findet man bet unS wenigstens sehen. Allerdings mufi man dabei im Auge behalten, datz die französischen Kunslverntittler auch in besonderem Maße mit den Stücken, die ihr ehernes Repertoire LarKellen, vertraut sind. Aber auch so bleibt noch die künstlerische Höhe beachtenswert. — Tas zahlreich oerjanimelle Pirblikum schied mit dem Gefühl, einen ästhetischen Gennß ersten Ranges empfangen empfangen zu haben." — Es sei darauf hingewiesen, daß die „K e a n -- A u f f ü h r u n g" am nächsten Sonntag meßen des am Rachmittag stattfindenden Konzertes des Kvnzertverems erst um 8 Uhr beginnt.
** Viel Lärm um nichts. Beim landwirtschaftl. Institut geriet gestern durch Selbstentzündung ein Komposthaufen in Brand, der sich namentlich durch starke Rauchentwicklung äußerte und bald erstickt war. Die Sache erregte bei Passanten einige Aufregung, war aber völlig belanglos.
♦* Schützet die Bri estauben. Alljährlich klagen die Besitzer von Militär-Brieftauben darüber, daß ihnen die während des Sommers mit großer Mühe ausgebildeten Tauben im .Herbst zum großen Teil fortgeschossen werden. Vielfach ist noch die irrige Ansicht verbreitet, daß jede int Felde angetrofsene Taube geschossen werden darf; wir machen deshalb darauf aufmerksam, daß nach dem Reichsschutzgesetz für Brieftauben vom 28. Mai 1894 das Töten oder Festhalten einer Militär-Brieftaube strafrechtlich verfolgt wird. Militär-Brieftauben tragen unter jedem Flügel den Schutzstempel, das Kaiserliche Wappen. Wir wissen sehr wohl, daß ein wahrer Jäger keine Tauben schießt, aber aus Unkenntnis oder aus Uebermut wird doch hin und wieder gesündigt. Die meisten Menschen haben keine Ahnung davon, was eine Brieftaube lostet, welche Opfer an Zeit und Geld sie ihrem Besitzer auferlegt hat, bis sie als .fkriegsbote ausgebildet ist. Wenn nun ein solches Tierchen, das schon seit mehreren Jahren von entfernten Festungen prompt seine Heimat immer wiedergefunden und seinem Besitzer so manche Freude bereitet hat, meuchlings niedergeschossen wird, so ist das ein enormer Verlust: dem Staate aber wird ein wichtiges Werkzeug für den Fall einer Landesverteidigung geraubt. Die Briestaube ist eine feldfliegende Taube, die bei der besten Pflege von selbst das Feld besucht, was auch für ihre Abhärtung und Orientierung vom Besitzer gern gesehen wird. Die vielfach in landwirtschaftlichen Kreisen noch verbreitete Ansicht, daß die feldernden Tauben nur schaden, ist längst wissenschaftlich widerlegt. Es ist festgestellt, daß die Tauben eine Unmenge Unkrautsamen und Schnellen verzehren, und daß von einem geringen Schaden nur allein zur Zeit der Saat die Rede sein kann. Darum ergeht auch an die Landwirte die Bitte: Schützet die Tauben! Zur Zeit der Saat werden die Briestaubenliebhaber ihre Tiere schon vom Felde zurückhalten, aber augenblicklich kann die Taube nicht den geringsten Schaden verursachen. An alle Flurhüter, Gendarmen, Jagdpüchter usw. ergeht die dringende Bitte, darauf zu achten, idaß feldernde Brieftauben nicht geschossen werden, und die, die es aus Mordgier oder aus Uebermut nicht unterlassen können, Brieftauben zu erlegen, zur Anzeige zu bringen.
+ 2) au bring en, 11. Roo. Am SamStag Abend feierten die 1858 Geborenen des Kirchspiels Kirchberg in den Lokalen des Kameraden W. Bingel zu Mainzlar den 50. Geburtstag. Es versammelten sich die Kameraden von Staufenberg, Mainzlar, Daubringen und Ruttershausen, die Lollarer waren abwesend. Von einem Kameraden wurden die Erschienenen begrüßt, der Verstorbenen gedacht und das verflossene Leben in seinen Einzelheiten gestreift; dann wurde der Choral „Run danket alle Gott" gesungen. Hierauf entwickelte sich eine gemütliche Unterhaltung, die durch Klavierspiel und komische Vorträge von zwei Künstlern gewürzt wurde. Bei der guten Bewirtung verflossen die Stunden nur allzu rasch. Vorher wurde noch zu einem allgemeinen Kirchgang am nächsten Sonntag aufgefordert, was auch die Zustimmung der Versammlung fand.
R. Odenhausen (Kreis Gießen», 10. Nov. Am Sonntag wurde unser altes, würdiges Kirchlein, das im Innern völlig neu hergestellt wurde, sowie die neuerbaute Wasserleitung ein geweiht. Die Einwohnerschaft, sowie Schule und Gesangverein hatten sich, als der Zug 1.13 Uhr einlief, beim neuen Schul haus versammelt und zum Zuge aufgestellt. Von Gießen waren erschienen Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert, Regierungsbaumeister Pabst, sowie die Bauführer Pforll)en und Mohr, wovon ersterer die Wasserleitungsarbeiten und letzterer die Arbeiten an der Kirche geleitet batte. Unter Glockenklang bewegte sich der Zug nach der Kirche. Vor ihr spielte eine Abteilung der Gießener Regimentsmusik einen Choral, während dem sich das Kirchlein bis auf den letzten Platz füllte, und noch viele vor der Kirche stehen bleiben mußten. Nachdem Lehrer Schweitzer auf der Orgel den Eingang gespielt, sang der Gesangverein unter der Leitung seines Dirigenten Lehrer Ziegler „Wir glauben all an einen Gott", worauf der Dekanatsvertreter über die Worte „Herr, ich habe lieb die Stätte usw." die Predigt hielt. Hierauf sprach der Ortsgeistliche Pfarrer N ö m - Held in herzlichen Worten zu seiner Gemeinde, der Gesangverein sang „Machet die^Tore weit", auch die Gemeinde sang einige Wieder und mit Segen schloß die Feier. Sodann wurde das in herrlichen Farl>en prangende Gotteshaus besichtigt und man hörte nur Worte des L.bes über das schöne Kunstwerk. Nun wurde vor der Kirche der Zug ausge>tellt, und unter den fröhlichen Klängen der Musik nach dem Wasserwerk marschiert. Dort trugen die Schulkinder ein Lied von der Ouelle sehr schön vor. Lehrer Schweitzer sprach über die beiden Quellen, die wir heute besucht, die geistige oben im Gotteshaus, und die irdische hier am Wasserwerk. Hierauf sprach Regierungsbaumeister Pabst über die Entstehung und Vollendung des dem Orte zur Zierde gereichenden Werkes und überreichte den Schlüssel Bürgermeister Arbeitern im Namen der Gemeinde dankte. Sodann ergriff Ge- Arbeitern im Namen der Gemeinddankte. Sodann ergriff Geheimerat Dr. Breidert das Wort und führte aus, daß die kleine Gemeinde in kurzer Zeit drei herrliche Werke hatte entstehen lassen, vor drei Jahren das Schulhaus, beute die ,\tird)e und die Wasserleitung, ebenso werde an der Feldbereinigung gearbeitet; er beglückwünschte die E^emeinde hierzu und sprach der Gemeindeverwaltung den Dank aus, und wünschte ihr das einzige noll) fehlende, das elektrische Lickt. Lvdann gedachte er mit kernigen Worten unseres geliebten Großherzogs, des kunstsinnigen Fürsten, der alle guten Neuerungen aufs liebevollste unterstützt, ferner gedachte er des ^Geburtstags des Erbgroßherzogs, der auf denselben Tag fiel, und endete mit einem Hoch auf das fürstlillie Haus, in das alle Anwesende mit Begeisterung ein stimm tcn. Nach Besichtigung des Werkes marschierte der Zug zurück in die beiden Wirtschaften, wo bei Musik, Gesang und Gläferklang die Stmtden rasch verflogen..
? Ilsdorf, 11. Nov. Ruht vorläufig der Betrieb der Drahtseilbahn auf den Gruben „Ilsdorf" und .Luise" der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft, so ist dafür der Bau einer neuen Drahtseilbahn für die Gifen ft eingruben „Luhse" und „Hoffnung" einer anderen Bergwerks-Gesellschaft im Bau begriffen. Die neue Drahtseilbahn führt von der seitherigen Wäsche, an der Straße zwischen Groß- Eichen und hier gelegen, nach der Station Stockhausen, wo die Eisensteine auf einem besonderen Geleise direkt zur Verladung gelangen. Damit hört die Beförderung per Achse nach Bahnhof Mücke auf. Der Betrieb der neuen Drahtseilbahn soll am 1. Dezember eröffnet werden.
CÖ Laubach, 11. Nov. Unser Bürgermeister ist jetzt 25 Jahre Oberhaupt unseres Städtchens. Herr Jochem mürbe im Herbst 1883 zum ersten Male gewühlt und übernahm am 6. November die Vürgermeistereige- schäste. Vor sieben Jahren wurde er zum dritten Male gewählt. Da er noch sehr rüstig und tätig ist, so dürfte 1910 jeine vierte Wahl wiederum erfolgen.
x Groß-Eichen, 11. Nov. Die Anlegung einer großen Weidenkultur auf dem Freiherrlich Riedesel'schen Gelände bei der Wadenhauser Mühle, genannt die „Erlen", einem sumpfigen, saueren Boden, hat sich sehr gut bewährt. Die Qualität der Weiden ist vortrefflich. Die 5 Morgen große Weidenkultur liefert Ernten, die Waggons füllen; der Zentner wurde mit 2,70 Mk. bezahlt. Durch die guten Ergebnisse veranlaßt, wird gegenwärtig wieder ein neues Stück von der Größe eines Morgens mit Weiden bepflanzt. Diese Weidenkultur gehört wohl zu den größten OberhessenS.
8. Darmstadt, 11. Nov. Die Beschwerde dcsNechts- anwaltS und 9?otar§ Linck in Dieburg, der wegen Unterschlagung im Amt in der letzten Schwurgerichtsperiode abgeurteilt werden sollte, hat nun den Erfolg gehabt, daß L. iiunmehr vor die Strafkammer geladen wurde, von der seine Aburteilung noch in diesem Monat erfolgt.
— Aus Darmstadt, 11. Nov., wird uns geschrieben: Unsere Hofbühne beging Schillers Geburtstag in eindrucksvoller Weise. Sie veranstaltete eine B o l k s Vorstellung und hatte zu diesem Zwecke „Die Räuber" neu einstudiert. Das Haus war ausverkauft. Die Regie des Herrn Hacker arbeitete überall mit vollem Gelingen im Schillcr>chem Geiste und brachte namentlich die Räuberszenen zu hinreißender Wirkung. Auch die Darstellung war gut. Das Großherzogliche Paar und die zu Besuch hier weilenden Prinz Heinrichschen Herrschaften wohnten oer Vorstellung bei.
Mainz, 11. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde von Oberbürgermeister Dr. Göttelmann eine Resolution gegen die Einführung einer Reichs-Gas -und Elektrizitätssteuer verlesen und einstimmig von der Versammlung gutgeheißen. Die Resolution soll dem Bundesrat, dem Reichstag, der hessischen Regierung und dem deutschen Städtetag unterbreitet werden. Der Vorsitzende hob die großen Nachteile hervor, die eine solche Steuer aus die städtischen Finanzen haben würde.
v. Vetzberg, 10. Nov. Auch auf unserem 300 Meter hohen Bergkegel macht sich ein solch empfindlicher Wassermangel geltend, wie wir ihn fast nur in äußerst trockenen Sommern zu verzeichnen haben. Es wurde daher gestern die einzige Wasserquelle der Gemeinde, der sogenannte „Görsch- Brunnen", unterhalb unserem Dörfchen, an der Straße nach Fellingshausen gelegen, geschlossen. Sein vorzügliches Trink- wassec, das bei anhaltender Trockenheit natürlich auch zur Neige geht, soll für die Folge nur an einer bestimmten Tagesstunde zur Verteilung gelangen. Alles übrige Wasser für Waschen, für die Viehhaltung u. s. f. muß sich eben jede Haushaltung von außerhalb zu beschaffen suchen. Vielfach ivird es in Fässern aus dem Bieberbach angefahren. Nur eine Quellwasserleitung, vielleicht ein gemeinsames Wasserwerk mit Krofdorf-Gleiberg, das durch Pumpwerk das Wasser )ii unseren Höhen treibt, kann diesem wirklich trostlosen Zustande abhelfen.
-(Marburg, 11. Noo. In der heutigen letzten Sitzung der diesmaligen Schwurgerichtsperiode handelte es sich um eine recht raffiniert angelegte B e t r u g s g e s ch i ch t e, die sich der erst kürzlich wegen deS Versuchs, die Feuerversicherungsgesellschast zu prellen, zu 1 Jahr Gefängnis verurteilte Schuhmacher Jakob Löchel aus Wehrda zu Schulden kommen ließ. Ihm wurde zur Last gelegt, die Lederhandlung Losch in Gernsheim in Baden durch eine falsche Bürgschaftsurkunde geschädigt zu haben. Er hatte die Firma unter der Vorspiegelung, eine neue Scheune bauen zu wollen, um ein Darlehen von 1300 Mk. und um Zusendung von Waren, zusammen ein Objekt von 4000 Mk., angegangen.. Die Firma verlangte jedoch die Sicherheit seines Vaters und Schwiegervaters, worauf Löchel auch eines Tages bei einem hiesigen Notar mit zwei Männern, die er als diese vorstellte, erschien. Als ihm wegen anderer Geschichten der Boden zu heiß wurde, verschwand er nach der SAveiz. Jetzt stellte sich auch heraus, daß die beiden Bürgen fremde Landstreicher gewesen waren. Löchel, der ausgeliesert worden war, wurde heule wegen dieser Köpenickiade zu einer Gesamtstrafe von 2 3/4 Jahren Gefängnis verurteilt.
X. Schlüchtern, 10. Nov. Zur Bekämpfung der Güterschlachterei hat der Kreistag den Erlaß einer Steuer auf den unverdienten Wertzuwachs beim Wiederverkauf von Grundstücken beschlossen: die Steuer steigt von 3 auf 15 Proz. der Wertsteigerung, von der jedoch 10 Proz. als fingierte natürliche Wertsteigerung und die nachgewiesenen Aufwendungen zur Verbesserung deS Grundstückes abgezogen werden. Der Erbgang von Aszendenten auf Deszendenten ist in jeder Form steuerfrei, ebenso der Eigentumsübergang bei Enteignungen u. bergl.
h. Frankfurt a. M., 11. Nov. Von dem Basel- Berliner v-Zug Nr. 5, der um 2.34 Uhr nachmittags hier fällig ist, entgleiste um 2.15 Uhr bei Mörfelden der letzte Wagen. Verletzungen von Personen sollen nicht vor- gekommen sein. Vom Hauptbahnhof ist der Hilsszug zur Unfallstelle abgegangen. — Im JügelhanS fand eine Besprechung von Vertretern hiesiger Wohltäligkeitsanstalten und Vereinen statt, um Maßnahmen gegen die hier immer stärker werdende Arbeitslosigkeit zu treffen. Es wurde be- schlossen, einen NotstandSauSschuß zu bilden, der Fühlung mit den Arbeiter-Organisationen und Gewerkschaften nehmen, sowie einen Finanzausschuß, der Sammlungen zum besten der Arbeitslosen veranstalten soll. Konstatiert wurde, daß seitens der Stadt schon vieles geschehen ist, um Arbeitsgelegenheit wczicll für ungelernte Arbeiter zu beschaffen. Man hofft durch diese Maßnahmen die Arbeitslosigkeit wenn nicht zu unterdrücken, doch zu mildern.
** SIevnTWx11eTTiinn'TTt'-<nT5" Hessen und bett' Nachbarstaaten. In Nieder-Ohmen geriet ein Knabe mit der Hand in die Tickwurzmühle. Dabei wurde seine Harb von den Zinken fdyver verletzt. — Aus den Gebirgsgegenden des Siegerlandes werden 16 Grad Celsius Kälte gemeldet. Auf dem Wege bei Katzwinkel ist ein Mann erfroren. — In D ietz hat der neuernannte Kommerzienrat S chäfer infolge der Ernennung, ldem Magistrat 10 000 Mark als Stiftung für arme tfranEe, die im städtischen Armenhaus Aufnahme finden sollen, übergeben. Den gleichen Bettag ftiftete er den Arbeitern seines Weißkalkwerks.
(Serid?tsiaaL
Braunschweig, 12. 'Ju>d. Das Schwurgericht verurteilte die Wäscherin Luise Rauls aus Holzminden, die seit 1901 von ihren sechs unehelichen Kindern drei gleich nach der Geburt getötet hat, zu dy3 Jahren Gefängnis.
London, 12. Nov. Vom hiesigen Zenttal-Kriminal-Go- richt wurde gestern der Generalmajor GuY0 n wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an 11 jährigen Mädchen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.
Luftschiffahrt.
GrafZeppelin und Geheimrat Hergesell kehrten gestern nachmittag 41'2 Uhr von Donaueschingen zurück. Beide waren sehr erfreut über die Liebenswürdigkeit, dis ihnen der Kaiser erwiesen hat. Nach dem Diner zog der Kaiser sich mit dem Grafen und dem Geheimrats Hergesell zu einer längeren Unterredung zurück, in der hauptsächlich technische Fragen in bezug auf das starre System behandelt wurden. Ter Kaiser bekannte sich wiederholt als ganz entschiedener Anhänger des starren Systems, das seine prakttsche Verwendung glänzend bewiesen habe. Insbesondere betonte der Kaiser auch seinen Wunsch, jetzt möglichst schnell und viel Luftschiffe gebaut zu sehen. Spät abends wurden noch kinematographische Aufitahmen des Kronprinzenfluges nach Donaueschingen vorgeführt. — Major Groß fuhr gestern abend 6 Uhr, nachdem er nochmals eine Unterredung mit dem Grafen gehabt hatte, in der die Uebernahms des Luftschiffes durch eine Abteilung des Luftschifferbataillons besprochen wurde, nach Berlin zurück.
Der Militär-Lustkreuzer Groß I. trat gestern tracht mittag vom Tegeler Schießplätze aus um 53/4 Uhr eine Nacht- und Dauerfahrt an. Sein Ziel ist angeblich Hannover und zurück, die Dauer wenn möglich 24 Stunden. Nach Ausführung einiger Manöver in einer Höhe von 100 Metern verschwand das Luftschiff unter der Führung des Majors Sperling bald in der Nacht. Auf dem Schießplätze blieben Nachtposten mit Blinkfeuer zurück, um bei etwa vorzeitiger Rückkehr des Luftschiffes die in Alarmquartier liegende .Versuchskornpagnie zu alarmieren.
Ein Ballon mit mehreren Luftschiffern, an dessen Hülle deutlich der Name „Berlin" zu lesen war und an dessen Gondel eine deutsche Flagge flatterte, flog heute über das französische Dorf Haumont hinweg in der Richtung auf Verdun.
Die russische Regierung hat die Firma Leband^ in Paris mit der Lieferung einesLuftschiffes nadj dem Type der „Republique" beauftragt.
Vermisst«.
* Dierussische Intelligenz ist gewöhnlich sehr wenig intelligent, wenn sie sich in den höchsten Gesellschaftskreisen uni unter allerhöchstem Schutz geltend machen will. Es fehlt ihr eben an Hebung, und so verfällt sie gewöhnlich dem Fluche der Lächerlichkeit. Neuerdings wurde nun der Okkultist Miller, .von den russischen Hoskreiien zur Veranstaltung von Sitzungen an den Zar en Hof berufen. Er soll für das Frühjahr einen Krieg auf dem Balkan und eine Katastrophe zwischen Deutschland und England wegen Persien prophezeit haben.
_ * Andrees Grab. Kapitän Storm von dem dänischen Schooner „I u g a", der sich am 30. September bei Indian! Siele auf Labrador befand, berichtet, daß der Kapitän Schalker deS amerikanischen Schiffes „Pelops" auf einer Wanderung üri nördlichen Teile Labradors unweit der Küste von Kap Mugera ein einfaches Kreuz mit dem Namen Andree aefunben habe. Unter dem Kreuz fand sich in der Erde eine Leiche,' sowie ein Kasten mit Papieren. Der Kapitän entfernte das Kreuz, verweigert aber jede Aufklärung über die Papiere., Die Fundstelle ist völlständig öde und wird selten von CskimoS besucht. Wo die beiden Begleiter Aitdrees geblieben sind, ist! nicht bekannt. Die in dem Kasten enthaltenen Papiere toerben wahrscheinlich Aufschluß geben. (Es wird gut sein, wenn man! diese Nachricht vorläufig mit einer gewissen Zurückhaltung aufa nimmt. D. Red.) '
* Weisheitbcs Brahmincu. Will ein Mann SchuapU so gehe er dahin, wo dieser käuflich ist. Will er Gerechtigkeit, fc muß er dorthin gehen, wo sie nicht käuflich ist!
* Raffiniert. Dienstmädckien: „Jetzt verstehe ich auch warum ich immer niesen muß, wenn ich mal an der Tür horche; da hat die Madame ja Niespulver ins Schlüsselloch 'ueingey streut!*
Kleine Tageschronik.
In Wildbergerhütte (Bez. Arnsberg) überfielen vier Kroaten die Frau eines Schmiedemcisters und versuchten eilt Sittlichkeitsverbrechen zu verüben. Dabei wurden sie von dem Meister überrascht, der zwei mit einem Hämmer' erschlug, die beiden anderen Kroaten schwer verletzte.
Magd e b u r g lag gestern, so weit es elektrisch beleuchtet ist; eit 5 Uhr infolge einer schweren Betriebsstörung im tädtischcn Elektrizitätswerk im Dunkeln. Der Go- chüftsverkehr in den Ladengeschäften und der Setrieb irr den Etablissements mit elektrischer Kraft stockte gänzlich.
Die Strafkammer München I hat nun gegen Professor Büttner, Pfänner zu Thal bas Hauptterfahren wegen Anstiftung zum Meineide und gegen die Privatül Schw erins nger von Innsbruck bas Verfahren wegen Meineides eröffnet und die beiden Angeklagten vor das EonunatM Schwurgericht verwiesen. '
In Brüssel sind gestern zwei Personen erfroren.
Dichter Nebel verursachte in Newhork zahlreiche Bahnunfälle. Zwei Magen der elektrischen Bahn zwischen Newyork und Philadelphia stießen zusammen. Hierbei tour-, den mehrere Personen getötet, viele verletzt. I
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Märkte.
tb. Gießen, 1L Nov. Ter 93 iehmarkt hatte einen Austrieb von etwa TCO^Gtüd Großvieh, löO Stück Jungtieren und Kälbern und 600 Schweinen. Das Geschäft in Milchvieh ging schleppend bei weichenden Preisen selbst <üc gute Waare, die sich bei Dem fallen Weller unvorteilhall präsentierte. Selbst die Kundschaft vom Rhein und Alain, die beste Ware brauchte, legte bessere angemessene Preise nicht an. Jungtiere, die mit Ausnahme einesj Transportes Ostfiiesen (schwarzbunie Tiere) säst nicht am Markte waren, wurden nicht gefragt. Selbst die Oslfriesen, die zu mäßigen Preisen abgingen, tauben nur sehr schwer Unterkommen, weil da3 trockene Weiler und die Kälte die Landwirte beim Einstellen von Vieh vorsichtig machen. Tas wenige Fetloieh ging ebenfalls zü gedrückten Preisen nur schwer ab. Dagegen deckle der Vorrat aii Kälbern lange nicht den Bedarf, so datz die außergewöhnlichenl hohen Kälderpreije des letzten Alarltes auch diesmal bezahlt! wurden. Für die wenigen Paare Ochsen sand sich auch kein Käufers


