Ausgabe 
11.5.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. HO

Montag 11. Mai 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Wirkungsstätte, ist von seinen Freunden mit seiner Büste geschmückt worden. Die im südwestlichen Teile des Darmstädter Grabdenkmals zeigt die hohe Bedeutung

und Verehrern, längst Widmung auf seinem, Friedhofs befindliche^ des seltenen Mannes.,

Die diplomatische Vertretung Frankreichs in Deutschland.

Die sranzösische WochenschriftOpinion" berichtet: Nach dein Frankfurter Vertrag hat Frankreich das Recht, sich in Berlin durch einen Botschafter, in München durch einen (A: sandten und in den anderen deutschen Bundesstaaten durch diplomatische Agenten vertreten zu lassen. Dieses Recht blieb bisher mit Rücksicht auf die Empfindlichkeit außer Anwendung. Als Botschafter Cambon nach Berlin tarn, drückte er den Wunsch aus, sein Beglaubigungs­schreiben außer am Berliner Hofe auch in Dresden zu über­reichen. Der damalige Staatssekretär v. Tschirschky, der sächsischen Ursprungs ist, hatte dagegen nichts einzuwenden. Jetzt hat Cambon auch den Wunsch geäußert, auch in Stuttgart der gleichen Form zu genügen. Diesem Wunsch gegenüber blieb aber die kaiserliche Regierung trotz mehrfacher höflicher Erinnerung taub. Wie das B. T." dazu von unterrichteter Seite erfährt, ist die Voraus­setzung irrig,, daß Frankreich außer der Botsck-aft in Berlin und der Gesandtschaft in München durch den Frankfurter Frieden auch das Recht der diplomatischen Vertretung bei den übrigen deutschen Bundesstaaten zugestanden sei. Es handle sich vielmehr nur um die Berechtigung, in den übrigen deutschen Bundesstaaten Konsuln zu unterhalten. Richtig soll es int übrigen sein, daß Cambon aus seiner Initiative heraus den Vorschlag gemacht hat, das Recht der diplomatischen Vertretung für Frankreich auch auf die übrigen ^deutschen Bundesstaaten zu erstrecken und daß man in Berlin keine Neigung bezeigt, auf diese Anregung einzugehen.

120 Pfd. Pulver geraubt. Der Generalgouverneur ordnete wegen Detf. Ermordung des Chefs des Lehrbezirks von Kietze, Afanasiew, die Schließung der dortigen Schulen mit polnischer Unterrichts­sprache an. Im Warschauer Gefängnis haben 150 politische Häftlinge infolge des Verbotes von Verwandtenbesuchen den Hungerstreik angefangen. Diesem Streik schlossen sich nach­mittags auch andere Gefangene, darunter viele Frauen, an, es streiken" nunmehr etwa 500 Personen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Buch- und StelnbructcrcL R. Lange, Gießen.

Apolitische Tagesschau.

Eine kaiserliche Auszeichnung Dernburgs.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Anläß­lich der Annahme der kolonialen Eisenbahnvorlage im Neichs- lage ging dem Staatssekretär Dernburg folgendes Telegramm »es Kaisers aus Donaueschingen zu: Mit besonderer Genug- luung habe iaj die Meldung von der durch den Reichstag «folgten Annahme der Eisenbahnvorlage, die zum Aufschluß unterer Kolonien in Afrika dienen soll, erhalten. Mit meiner l^ten Gratulation zu diesem verdienten Erfolge verleihe ich Ihnen als Zeichen meiner Anerkennung den Kronenorden Erster Klasse und wünsche Ihnen zugleich glückliche Reise zu Ihrer Reise nach Südwestafrlka. Wilhelm I. R. Staats­sekretär Dernburg, der heute die Reise über London nach Südwestafrika antritt, hatte sich schon am Samstag vom Reichskanzler und von den Beamten des Reichskolonialamtes verabschiedet. Die Leitung im Amte übernimmt Ministerial­direktor Contze bis zur Rückkehr des beurlaubten Unterstaats- sekretärs v. Lindequist.

Huldigung der Armee vor Kaiser Franz Zosef.

Am 30. Mai werden im Schönbrunner Schlosse sämtliche Generale der österreichisch-ungarischen Armee und im Generals­rang stehenden Offiziere der Kriegsmarine dem Kaiser Franz Josef namens der österreichisch-ungarischen Armee gratulieren.

werden mehr als 300 Generale anwesend fein, in deren Manien der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand sprechen wird. Ferner werden voraussichtlich sämtliche ausländische Regimenter, deren Inhaber Kaiser Franz Joses ist, Of f iziers- i eputationen nach Wien entsenden. Kaiser Wilhelm hatte ursprünglich beabsichtigt, die preußischen Regimenter, deren Inhaber Kaiser Franz Josef ist, in ihrer Gesamtheit nach Wien zu senden, bat aber auf Wunsch Kaiser Franz Josefs davon wieder llbstand genommen.

Aeuderung des § 70 des .Handelsgesetzbuches.

Neuerdings sind vielfach Beslrebungeii ini Gange, den Zrihalt des § 70 des Handelsgesetzbuches zu ändern. Während heute das Handelsgesetzbuch im Falle des Kontraklbrnches Prinzipale und Handlungsgehilfen gleich behandelt, indem dem Geschädigten eine Schadenersatzforderung einräumt, wollen die Vertreter dieser Bewegung dem Prinzipal einen neuen Rechtsanspruch auf Zahlung einer Strafe geben, bei dem er erlittenen Schaden nicht nachzuweisen hat. Der hie­sige Kreisverein im Verbände Deutscher Handlungsgehilfen hat nun eine Eingabe an das Reichsamt des Innern gesandt mit der Bitte, den auf Abänderung des § 70 des Handels­gesetzbuches gerichteten Bestrebungen keine Unterstützung zu gewähren.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktisru TLp-Adr^AnzeigerGießen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. Mai 1908.

** Ein Gedenktag. Der 50jährige Todestag von Adolfs Spieß war am vergangenen Samstag. Was Spieß, ein ge­borener Lauterbacher, für die moderne Schulpädagogik auf dem,', Gebiete des Turnens gewesen ist, ist bekannt, vor allem, daß er, der zweiteVater Jahn", zuerst auch das Turnen der Mädchen: eingeführt hat. Seine Grabstätte in Darmstadt, seiner letzten

Ruhe und Würde, die ein solcher Vorwurf verlangt. Wie ver­fehlt es war, jenes Bismarck-Wort einem Denkmal als Leitgedanken zu geben, ersieht man sofort, wenn man sich vorstellt, der Künstler sei nod) ein wenig realistischer ooegegangen und habe Bismarck dargestellt, wie er der ausfitzenden Germania die Steigbügel hält; daß, wie jeder einsieht, eine solche Gruppe rein komisch wirken würde, ist nur ein Beweis, daß die ganze Idee verfehlt ist. Schon das Nebenetnander der allegorischen Gestalt unD der realistischen Bismarck-Figur hindert eine künstlerische Wirkung., Man braucht nur an das Hamburger Bismam-Denkmal zu denken, um zu sehen, w i e viel dem Frankfurter fehlt ....

Frau Eliriede Bayrhammer, die einstige talent­volleSalondame" unseres SlaDtthecckers, deren ungewöhnliche Bühnenbegabung sich jetzt, in erheblich größeren Verhältnissen, voll gu entfalten scheint, ist kürzlich im Kasseler Hoitheater als Nora nutgetreten. Wir lesen darüber in einem Kasseler Blatte:Als 9loro beiand sich Fran Baprhammer auf einem Gebiet, aut dem ihr Talent die reifsten Früchte verspricht. Tie Darstellung kom­plizierter moderner Frauencharaktere scheint mir die eigentliche Auf­gabe für die temperamentvolle Künstlerin. Diesen Eindruck hinter­ließ ihre Nora. Sie erfaßte diesen Charakter mit einem über­raschenden, sympathetischen Verständnis und hatte Momente von beinahe faszinierender Wirkung. Entzückend war das sonnige, leicht­sinnige Weibchen, die kleine pikante Schelnun des ersten Altes; wie ein innerliches Erlebnis wirkte in ihrer Darstellung die iveitere Entwickelung der tanzenden Puppe zuin Weibe; mit hinreißender Steigerung wurden Die nervenzerrüttenden seelischen Kämpfe der Geängstigten geschildert; erschütternd war der Aufschrei der Ge­quälten, die wider Die Barriere eines starren Gesetzes Sturm läuft, erschütternd die Erstarrung der sehend Gewordenen, die sich in ihrer Erwartung desWunderbaren", nämlich des rettenden Opfer­mutes ihres Gatten, getäufcht sieht. Wenn die Gegensätze zwischen der Nora des ersten und des letzten Aktes gleichwohl unüberbrückt bleiben, so liegt es wahrlich nicht an dieser Darstellung."

Kleine Kunstchronik.Bub oder Mädel?", eine neue, Wiener Operette, wurde von Direktor W. Henry Savage für feine Bühnen in Nordamerika angekaufi. Der Komponist, Bruno Granich- städlen, wird die Erstaufführung der Operette inNew-2)ork dirigieren.'

niedergelegt. Als erste traten die Gräfin Wilhelm Bismarck und ihr Sohn an das Denkmal heran; einen blauen Vergißmeinnicht- kranz brachte der Enkel dem Großvater dar. Leider war das Wetter nicht günstig; der Himmel war bewölkt und während der Feier begann es zu regnen.

Anläßlich der Enthüllungsseier fand abends im Festsaale des Kaufmännischen Vereins eine Feier statt. Nach einer Be­grüßungsansprache des Freiherrn v. L a s a u l x brachte der kom­mandierende General v. Eichhorn das Hoch auf den Kaiser aus, woraus Professor Küntzel von der Akademie der Sozial- uud Handelswissenschaften die Festrede hielt.

lieber das Denkmal selbst wird uns aus Frankfurt a. M. unter dem 10. d. M. geschrieben:

Das Bismarck-Denkmal von Prof. Rudolf Sieme- ring, das nach langem Warten heute, geraume Zeit nach dem Tode seines Schöpfers, feierlich enthüllt worden ist, sucht die monumentale Wirkung vor allem durch die ruhigen Dimensionen zu erreichen. Die einzelnen Figuren der Gruppe, die auf einem 3,10 Meter hohen Sockel steht, dürften an Größe die des Berliner Nationaldeukmals noch übertreffen: hat doch die Gestalt Bismarcks auf dem Frankfurter Denkmal die gewaltige Größe von 5,20 Meter! Im übrigen aber kann man kaum sagen, daß ein monumentaler Eindruck von dem Werke ausgeht. Dazu ist es zunächst einmal viel zu unruhig. Man wird sich erinnern, daß dem Künstler als Leitmotiv das Bismarck-Wort vorschwebte:Setzen wir Deutschland nur in den Sattel, reiten wird's schon können!" Simering hat das Bild wörtlich genommen. Er stellt Bismarck bar, wie er neben einer jungen kriegerischen Frauengestalt steht, der er soeben auf das Schlachtroß geholfen hat. Jetzt schrecket das mächtige Tier mit kaum gebändigter Kampflust vorwärts, hinweg über einen gewaltigen Drachen, der sich am Boden sterbend windet, während das junge Weib mit mutig vorgestrecktem, in die Weite spähendem Kopf und mit dem Ausdruck jugendlich- feurigen Selbstvertrauens kampfbereit auf seinem Rücken sitzt, die Fahne über der rechten Schulter und die linke Hand noch eben nach dem Helfer ausgestreckt, der groß und machtvoll, das Antlitz dem Beschauer zugewandt und mit kraftvoller Hand- beioegung nach her Reiterin deutend, seitlich vor dem Pferde steht. Als realistische Gruppe betrachtet, wirkt das Denkmal sehr echt und überzeugend. Es ist lebensvoll bis in die Einzelheiten durch­geführt und maM bei aller Unruhe einen geschlossener Eindruck.

DieEichener ZamiNenblätter** werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Stndentenstreik in Oesterreich.

DieNeue Freie Presse" meldet, daß für nächsten Donnerstag ein Streik der freisinnigen Studentenschaft an allen Universitäten zu gewärtigen ist. Von Innsbruck sind alle Vorkehrungen getroffen, Wien und Graz haben bereits zugesagt, die Löbener Bergakademie hat sich eine Bedenkzeit bis zum Montag ausbedungen, die Prager deutschen Studenten haben dem Rektor eine Eingabe überreicht, welche identisch ist mit der Eingabe der Innsbrucker Studenten. Auch die Studenten der beiden technischen Prager Hochschulen werden sich wahrscheinlich anschließen. Der Wiener Universitäts­rektor erließ eine Warnung an die Studentenschaft, um Störungen der Vorlesungen zu vermeiden.

Wir haben, Gott fei Tank, noch kein Parlament.

Diese Aeußerung hat jüngst der russische Finanzminister in der Reichsdnma gemacht. Die offiziöse Rossija bemerkt nun hierzu: In dem Streit mit dem Parlamentarismus handelt es sich scheinbar um die Worte, doch besteht der Zweck des Streites in dem Bestreben, allmählich das Staatsprinzip durch ein anderes zu ersetzen. Wenn ein Parlament nur eine Versammlung von Volks­vertretern bedeutet, so hat Rußland ebenso em Parlament wie England. Wenn aber unter einem Parlament eine Ver­sammlung der Volksvertreter verstanden wird, die als un­mittelbare Quelle der Gewalt erscheint, so kann man m Ruß­land von einem Parlament nicht sprechen. Das politische Spiel derer, welche alle Anstrengungen machen, in Rußland den Parlamentarismus einzuführen, läuft jetzt darauf hinaus, daß die Duma durch die Tatsache ihres Bestehens und ihrer Befestigung allmählig den Boden für die Beseitigung der Staatsgrundprinzipien vorbereitet. Wir sind der Ansicht, daß ein Parlament im Sinne der Verkörperung des Parlamentaris­mus in Rußland gleichbedeutend mit dem Untergang Rußlands als Staat wäre.

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Die österreichischen Eisenbahnattentate.

Es hat sich nunmehr heraiisgeslellt, daß die gemeldeten Wentate gegen die Züge der Nordwesibahn, mit Denen die tiimbe§für|ten nach Wien fuhren, beide auf Station Wiese "«hl vorbereitet waren. Es wurden in beiden Zügen i)i< durch Steinwürfe zertrümmerten Scheiben und die Steine selbst gefunden. Am Samstag wurde wieder auf einen J^ordwestbahn-Schnellzug, den der Fürst von S ch a u m b u r g- vippe und der Hamburger Bürgermeister Dr. Burchard lmußten, ein Attentat in der Nähe der Station Wiese oer- tot. Durch Steinwürfe wurden die Fensierscheiben des 6<lonwagens zertrümmert. Der Attentäter, em entlassener Oberbauarbeiter, der auch die beiden anderen im Par- tonent zur Sprache gebrachten Attentate ausgeführt hat, wbe diesmal bemerkt und von Streckenwächter und von Stnbarmerie verfolgt.

Das Frankfurter Bismarädenkmal.

Frankfurt a. M., 10. Mai. Am heutigen Jahrestage her toterzeichnung des Frankfurter Friedens erfolgte mittags um Iü2 ll.hr die Enthüllung des Bismarckdenkmals, Uches an der Promenade gegenüber dem neuen Schauspielhause suchtet worden ist. Eine zahlreiche Festbersammlung hatte sich iu der erhebenden Feier auf dem flaggen- und girlandenge- Wüd'ten Festplatze eingefunden. Erschienen waren u. a. Prinz fnedrich Karl von Hessen, Prinz Ernst von Sachsen-Weimar, der oicmandierende General des 18. Armeekorps v. Eichhorn mit . *£i Offizieren der Garnison, Regierungspräsident Dr. v. Meister- os.sbaden, Polizeipräsident Scherenberg, Oberbürgermeister Dr. Dickes, Vertreter sämtlicher staatlichen und städtischen Behörden.

klingendem Spiel rückten die Kriegervereine an; ihre Fahnen Witterten sich zu beiden Seiten des verhüllten Denkmals. Auch üe Schulen hatten Abordnungen unter Führung der Lehrer .ndsandt. Ein glänzender Damenslor füllte die Tribüne. Von ri Familie Bismarck war die Gräfin Wilhelm Bismarck mit

Sohne, dem zwölfjährigen Grafen Nikolaus v. Bismarck,

Varzin gekommen. Mit dem Bisnrarckliede von Paul tosieWer hat das Reich uns aufgebaut", vorgetragen durch vil-Lehrergefangverein unter Begleitung der Kapelle des Artcklerie- ^irnentSFrankfurt", begann die Feier. Sodann bestieg der nofeffor am Goethe-Gymnasium Dr. S ch w e m e r Die Redner- ttoine zur Festrede, in der er ein Bild von Bismarcks Lebenswerk üiollte, dessen Plan hier in Frankfurt in dem Damaligen preu> Wen Gesandten reifte. Der tiefe Haß gegen den Mann, der mffurt das höchste Gut, die politische Selbständigkeit, entrissen ick- hat sich gewandelt in unauslöschliche Dankbarkeit und Liebe A Sem Begründer der deutschen Einheit, von der dieses Denkmal « alle Zeiten Zeugnis oblegen soll. Hierauf fiel Die öülle bit- Dem Denkmal, während die MusikDeutschland, Deutschland der alles" intonierte, welches die Anwesenden entblößten Hauptes titlangen. Oberbürgermeister Dr. Adickes übernahm das Denk- tüC namens der Stadl. Er dankte dem Denkmalskomckee für ße Errichtung und gedachte des dahingeschiedenen Künstlers, sowie Üti der Künstler und Werkleute, die das herrliche Denkmal bUImbet haben, das sich als drittes Denkmal von Deutschlands *ut)cit würdig an schließe Dem Einheitsdenkmal vor Der Pauls- W uno Dem Denkmal Kaiser Wilhelms des Großen. Redner

mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II., in welches Die Fest- »r-mimlung sowie Die zahlreichen Zuschauer in den Fenstern tto auf den Dächern der umliegenden Häuser begeisHrh M

Zweites Blatt 158. Jahrgang r

Giehener Anzeiger

Eenersl-Anzelger für Dberhessen

Sie lauter:Dem Begründer des Deutschen Schulturnens Adolf Spieß. Seine Schüler uiü> Freuiide. 1872 ". Der auf dem; Grabe liegende Stein trägt folgende Angaben:Adolf Spieß, geb. 3. Febr. 1810, gest. 9. Mai 1858. Christus ist mein Leben!" Der Hessische Lehrerturnverein hat am Samstag am Grabe des großen Meisters einen Ki^mz niederlegen lassen. t

" Heitere Künstler-Abende. Im Hotel Groß- Herzog von Hessen gastiert seit Samstag abend eine aus Drei Herren und einer Dame bestehende Künstlertruppe aus Kaffel. Was sie bieten ist ein Kabarettprogramm. Rezitationen wechseln ab mit Gesangs- und Klavieroorträgen. lieber eine ganz phänomenale Tenorstimme verfügt vor allem der Sänger. Auch die Darbietungen des Rezitators stehen hoch über dem Durchschnitt. Was an dieser kleinen Künstlerschar insbesondere zu loben ist: sie verstehen es, Stimmungen zu erzeugen und selbst das steifste und undankbarste Publikum schließlich durch ihren Humor mit fort zu reißen. Ihr Pro­gramm umfaßt die ganze Skala der Stimmungen, von der stillen Wehmut bis zur ausgelassensten Heiterkeit.

** Englische Militärmusik in Gießen. Die Nord» humberland-Military-Band, eine englische Militärkapelle, die Dieser Tage im Kolosseum spielen wird, gab auch im Konzerthaus Ham­burg ein Konzert, über das ein Hamburger Blatt folgendes sagt: Bei dem außerordentlichen Renommee, Dessen sich diese unter Leitung des Leutnants H. G. Amers stehende Kapelle Der Nort- hiimberland-Husaren nicht nur in England erfreut (Die Kapelle: hat schon im Vorjahre verschiedene Gastspiele in Berlin, Leipzig, und Dresden mit Dem größcen Erfolge absolviert-, mußte man auf die Leistungen der Gäste wirklich gespannt sein. Die hohen Erwartungen der Zuhörer, unter Denen sich nicht nur zahlreiche: hiesige Engländer mit ihren Damen, sondern auch kritisch ver­anlagte Sachverständige, betännte Hamburger Musiker, in Menge befanden, wuroen nicht getäuscht. Man war sehr bald darüber einig, daß man ein ausgezeichnetes Orchester vor sich habe. So^ wohl der Dirigent als auch seine vierzig Musiker zeigten sich in. jeder Beziehung des ihnen vorausgegangenen Lobes würdig: Die- einzelnen Instrumente find von technisch vortrefflich durchgebil­deten Leuten besetzt und Da5 Zusammenspiel klappt unter Lecknngk des feinsinnigen jugendlichen Dirigenten tadellos. Auffallend für} Unsere Begriffe ist das starke, Ucberwiegen der Holzbläser im, Orchester körper, was eine eigentümliche, uns zuerst etwas fremd- anmutenbe, aber recht wirkungsvolle tiefsatte Klangfärbung er­gibt. Allgemem bemerkt wiiroe auch die unnachahmlich vornehme, wahrhaft klassische Art und Weise, wie "Xfcutnant Amers seine Band" leitete. Der Herr zeigte eine verblüffende Festigkeck ui der Leitung, jedes Detail fein nuancierend, vollendete Eleganz-: ohne jede Spur von Pofe. Die Zusammenstellung des Programms^ verriet einen guten Geschmack, Takt und Klugheck.

"Einbruch. In der Nacht zum Sonntag wurde im sog.Feldschlößchen" aus der Waschküche mittelst Ein­bruches ein Fahrrad, NtarkePostillon", gestohlen. Außerdem wurden aus dem Keller eine Anzahl Flaschen Wein entwendet.

* Sachbeschädigung und Diebstahl. In Der* stoffener Nacht wurde am Laden des Cafö Amend in der Bahnhofstraße die Erkerscheibe zertrümmert und dabei

Arrslcsnd.

Fürstbischof Cohn. Ein tschechisches Blatt bringt die Meldung, daß die Rehabilitierung des früheren Olmützer Fürst­bischofs Cohn bevorstehe und mit der Verleihung der Kardinal­würde verbunden werden solle. Eine Bestätigung dieser Nachricht von anderer Seite liegt noch nicht vor.

Aus NußLand.

In Kielze wurde in Der Privatschule von Szhdlowski ein Bomben- und Waffen lager entdeckt. Der Hauswächter beging Selbstmord. In Bendzin wurde auf den Dynamitladen der Kohlengrube Johann ein bewaffneter lleberfall ausgeführt. Der Wächter wurde erschossen und 80 Pfund Dynamit sowie

stimmten, worauf die Musik die Nationalhymne spielte. Wäh- Als ein monumentales Symbol der Größe deS nationalen' rcnD sodann die Kapelle konzertierte, wurden zahlreiche Kränze | Heros betrachtet aber erscheint das Denkmal verfehlt. Es fehlt der Gruppe, rein vom plasttschen Gesichtspunkt betrachtet, die