Ausgabe 
9.12.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

.i hörte,

t

unbestrittenen Erfolg verhalfen.

Karl Neurath.

t

schließt. Die Regierung dürste darnach wohl ganz auf einet Regelung dieser Materie verzichten. Sehr iiotwendig er- di eint eine Abün d erung der Bauordnung nach den Anträgen Tr. Glässing-Müller, deren Berechtigung auch die Regierung anerkannte. Bielleicht versteht sich auch die Re- gierung dazu, die so lange erstrebte Revision des Enteig- nungsgesetzes, das besonders bezüglich der Kosten des Verfahrens einer Abänderung bedarf, vor die Kammer zu bringen. t _

So wird die neue Kammer in den kommenden Monaten manche harte Nuß zu knacken haben und wir wollen hoffen, daß jederzeit eine verständige Mehrheit nur solche Be- chlüsse fassen wird, die dem Wohle des Landes dienen?

** Tageskalender für Mittwoch, 9. Dez.: Stadt- Heater.Tie Piccolomini". Anfang 7 Uhr.

G e m e r n d e i r a u e n v e r e i n. 2. Vortrag von Kirchenrat

werven iöinicn.

Dem Jagdgesetzentwurf, der in vielfacher Hin- sicht eine Berbefserung gegenüber dem bestellenden Gesetz oarstellt, hatte der 33. Landtag eilte Form gegeben, welche, lvie die längste Thronrede sagte, eine Vcr^cuwigung aus-

Etat ein, daß es dem Finanzminister nur bei stärkster In­anspruchnahme des Ausgleichsfonds und Anwendung größter Sparsamkeit möglich werden wird,^das Gleichge­wicht zwischen Soll und Haben im neuen Staatshaushalt

D. Schlosser: Aus der Praxis der Armenpslege. Abeiids 8 Uhr im Konfirmaudeuhaus der Johannesgemeinde.

** Eine Sitzung des Provinzial-Au Sschusses indet am Samstag 12. d. Mts., vormittags */, 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Bürgermcisterwahl zu Aulendieb ach. 2. Beigeordnetcnwahl zu Rödgen (Kreis Friedberg). 3. Beschwerde de§ Heinrich Stock zu Rödgen (Kr. Friedberg) gegen den Polizcidiener Fink daselbst.

** Mitteldeutscher Sängerverband. Am Sams- ag mittag traten im Hotel Schäl; die Vorstände der einzelnen Ausschüsse mit dcm gcschäftsführenden Ausschuß zu einer Beratung zusammen, in der die Ziele des Verbandes, sein weiteres Vorgehen und insbesondere die Tätigkeit der einzelnen Ausschüsse eine eingehende Erörterung sanden. Ueber amtliche Gegenstände wurde ein allseitiges Einverständnis erzielt. Es soll nuh im einzelnen eifrig weiter gearbeitet werden und etwa im Februar eine weitere Besprechung statt­finden. Sehr wünschenswert wäre es, wenn die Vereine und Verbände des Verbandsgebiets, die sich dem Verband bisher noch nicht angeschlossen haben, ihren Beitritt recht bald erklären wollten; denn der Erfolg der Tätigkeit des Verbandes beruht wesentlich darauf, daß möglichst alle Vereine an der Er­reichung des Zieles eifrig mitwirken: der Hebung und För­derung des deutschen Volksliedes. DieRichtlinien" des Verbandes werden denmächst in derAllgemeinen Sänger- und Dirigeutenzeilung" (Musik- und Sängerzeitung für Mitteldeutschland) erscheinen; außerdem können sie unentgelt­lich von dem Verbandsschriftführec Lehrer Valentin Müller- Gießen bezogen werden.

** Stadterweiterung und Garten st ad t. Es wird uns geschrieben: Die industrielle Entwicklung des 19. Jahr­hunderts brachte eine Uebcroölke.rung der Städte mit sich, die das moderne Wohnungselend mit all seinen wirtschafllichen, hy­gienischen und kulturellen Folgeerscheinungen zeitigte. Zu den Bestrebungen, die eine gründ bliche Besserung anstreben, ge­hört die Gartcnstadtbewegung. Unter Gartenstadt versteht man nicht jede beliebige Stadt, in der neben den Mietskasernen noch ein Paar Gärten erhalten wurden. Tas Wort bezeichnet eine planmäßige gestaltete Siedelung auf wohlfeilem Gelände, das dauernd ;inr Oocreigentum der Gemeinschaft erhalten wird, der Art, daß jede Bodenspekulation ausgeschlossen ist. In diesen Siedelungen wird also eine weitgehende Regelung der Wohnungs­und Lodenpreise stattsinden. Ter Wertzuwachs, der der Gemein­schaft zu Gute kommt, soll genteinnichigen Zwecken dienern Die deutsche Gesellschaft strebt danach, daß auch bei der Er­weiterung der bestehenden Städte diese Gedanken verwirklicht wer­den. Tie Bewegung bat in England bereits zur Gründung einer Gartenstadt für 30 000 Einwohner geführt und auch in Deutsch­land sind die ersten Siedelnngen bei Karlsruhe, Chemniy, Magde­burg, Nürnberg in Vorbereitung. Tic GarunsttiOt Hellerau bei TreZLen ist im Bau begriffen. Ter Generalsekretär der deutschen Gartenstiad.gesellschaft, .Hans Kampffmeyer, der seit Jahren in der Bewegung tätig ist und durch wiederholte Sliidienveisenl die englischen Gartenstädte genau tennew gelernt hat, wird morgen über das für Gießen sehr zeitgemäße Thema:Stadterweiterung und Gartenstadt" fprechen.

Das Wohltätig keits-Konzcrt de§ Bauer- schcn Gesangocreines hat bei einer Bruttoeinnahme von 'JJtL 740,65 einen Reinertrag von Mk. 600,90 ergeben. Bei dem immerhin geringen Eintrittsgeld wurde das schöne Er­gebnis dadurch erzielt, daß die Behörden durch ihre gütige Empfehlungen das Unternehmen förderten und sich alle Mit- wirkenden in großherzigster Weise daran beteiligten. In erster Linie die geschätzten Solisten, die auf jede Vergütung verzichten, dann die Mitglieder des Banerschen Gesangvereines selbst, die ohne Ausnahmen die Eintrittskarten käuflich entnahmen. Die Theaterbaukommission und Herr Direktor Stcingoetter stellten das Theater bedingungslos zur Verfügung und übernahmen außerdem noch die Beleuchtungs- und Heizungskosten. Das Bühnenpersonal und die Kassiererin lehnten jede Entschädi­gung ab und Herr Ernst Ehallier stand dem Unternehmen wie stets, mit Rat und Tat zur Seite. Ihnen allen sei ge­dankt, sie haben sich um eine gute Sache, jeder nach seiner Llraft, verdient gemacht.

Ein Jubiläum. Gestern waren 25 Jahre ver­flossen, daß Prinzessin Ludwig von D a t t e n b e r g da» Präsidium des Alicen Frauen Vereins für Krankenpflege im Großhcrzogtum. Hessen übernommen hat. Man hatte auf ySt

Z. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Das war ein Gegensah, dieser Sonntag un Opernl)ause und der Sonntag vorher! Damals jene schaurige Gespenster- und KirchhoiSoperLe. Habanera", die unser milöcrgcfinnted Publikum zwar nicht so grob ablehme, wie einige Tage später die Besucher des Berliner Röntg- lichen Opernhauses es taten, die aber trotzdem schon nach zwei Ausführunaeit in den Orlus fiel, und diesmal die harmlos-- fröhliche Stimmung, in der man der Uraufführung einer neuen OperettePrima Ballerina" beiwohnte. Es war durchaus Mainwasser, was bet diesem Ereignis zur Taufe verwendet wurde, beim Text, Musik (und, wie man sich zuflüstert, Instrumentierung) rühren von Mitbürgern her: Mar R e t in a n n, der eine Tex,- veriasser, ist Mitglied des Schauspielhauses und als jugendlicher Komiker sehr beliebt, Dr. Otto Schwartz, der andere Textdichter und zugleich Komponist der Operette lebt gleichfalls tu Frankmrt unb wär schon einmal Bühnenkompaguon Rernuums, und stapell- meistec Neumann, dem die Fama die Mithilfe bei der Jn- firinneutierung zuschreibt, ist Rnpclhnetftec des Opernhauses. Also ists fein Wunder, daß die Taufe sehr vergnügt und festlich verlief. Aber die anspruchslose, liebenswürdige unb sehr geschickt gemachte Operette, ui deren Mittelpunkt diePrima Ballerina" Friedrichs deS Großen, die heißblütige Barberma stehl, wird auch an anderen rrteii wo den Verfassern nicht das landSmannscha'tliche Wohl­wollen zur Seite steht, ganz wohl mit Erfolg die Probe bestehen tonnen. Originalität der Erfindung zelchnei zivar weder das Buch noch die Musik aus. Aber die Berjafjer haben bemafje jede Rolle jo freigebig bedacht, ihre Liedchen und Couplets prägen sich mit ihrer gefälligen Melodie so leicht ein und das Gau-e ist so liebens­würdig - flott gemacht, das; man gern zuhort, gern imllacht und gern tu den Beifall emstimytl, ohne langmiet) vlaui unb n itnbwoher der Fahrt 2" zu trügen. Uebxigeiu> -vinoe auch in.t fröhlichster Laune gespielt vor allein von rpchranun und Wirt und Frl. Doninger.

Deutsches Reich.

Dem Finanzm in t sie r Fr brn. v. Rh'e i n ba ben ist bie Domherrstelle am Tomstist in Merseburg verliehen worden, bie durch den Tod des Ministerialdirektors a. T. Tt. Althoff frei- ftcwvrden war.

Gegen die Wein st euer bat sich eine in L-ews-heun abgehaltene Pwtestversammlung ausgesprochen. Es sprachen die Laick>tags-Abgeordneten Josef Sibel und Franz Buhl. Am -Lchlutz hrurbe folgetche Resolution aitgeiwimnen: Zirka 500 hier versammelte Winzer, Weingutsbesihcr und Angehörige des Wein- chandels protestieren einmütig gegen die geplante Versteuerung sder Flaschenweine, welche unbedingt für den hiesigen Oualitäts- bau den Ruin bleuten würde. .

Für das Schiedsgericht in der Eaiablanca- Frage hat die deutsche Regierung den Wirkt. Geheimen Legativns- rat und Justiziar im Auswärtigen Amte Tr. Kriege und den italienischen Staatsrat Fusinato zu Schiedsrichtern gewählt. Die von der Rutschen und französischen Regierung gewählten Schieds­richter werden gemäß Artikel 2 des Schiedsvertrages vvm 24. November 1908 nunmehr einen Obmann zu wählen haben.

DienächsteGeneralversammtungderdcutschen Katholiken ist auf den 29. August 1909 nach Breslau eni- berufen worden. ~ ..

Zur Boykottbewegunginder Türket. In Berlin ist an Stellen, die davon unterrtchret sein müßten, mchts davon bekannt, daß unter den deutschen Waren, die die Hafenarbeiter in Jaffa ins Wasser geworfen haben, sich das Geschenk des d e u t s ch e n K a i s e r s an das deutsche Krankenhaus in Jeruialcm befunden habe. Insbesondere ist von einer Schadensersatzforderung seitens der deutschen Regierung nichts bekannt.

Ausland.

Die französischeKammer hat sich gestern mit 303 gegen 201 Stimmen für die Beibehaltung der Todesstrafe ausgesprochen. Die Regierung war bekannllich dafür.

Aus Lissabon. Der König ist an Influenza erkrankt und muß das Bett Men. Hier wurde ein italienischer Anarchist verhaftet, unter dem Verdacht, ein Attentat auf den König geplant zu haben. ~ t . ZTs.

Englandfeindliche Bewegung in Indien. Tie Meldungen aus Indien lassen deutlich erkennen, daß die Gärung täglich und stündlich zunimmt. Nachrichten über die Ausdehnung der anti-englischen Bewegung kommen ununterbrochen aus allen Teilen des Landes. Die Behörden find nicht imstande, die Be­wegung einzudämmen. Im Laufe der letzten Tage wurden gegen -100 Versammlungen der Eingeborenen in den verschiedensten Städten abgehalten, um die Lage zu besprechen und die eingeborene 'Bevölkerung gegen das englische Regime aufzustacheln.

Italiens Rüstungen gegen Oesterreich. Dem NeaplerPungolo" zufolge umfaßt die bevorstehende italienische Militärvorlage außer der vollständigen Umwandlung der Feld­artillerie die Anlage von Befestigungswerkcn längs der ö st e r r e i ch i s ch c n Grenze, die Einrichtung von Garni- fonen an den Hauptalpenpässen, die Vermehrung der Kavallerie, die Ausbildung eines neuen Gebirgsartlllericregrments und feiner Geniesabteilungen, die Anlage verschanzter Lager bei der Lagune von Venedig, in Mttelitalien und bei Castrogiovanni (Sizilien?, Beschaffung von guter Munition, bessere Bewafftiung der Land­wehr usw. Auch eine entsprechende Marinevorlage soll einge­bracht werden.

sah der Leistungsfähigkeit aufgebauten Einkommen- und Kapitalrentensteuer als Grundlagen für die Besteuerung die Grund- und Gewerbesteuer an und läßt damit neben dem Grundsatz der persönlichen Leistungsfähigkeit auch den von Leistung und Gegenleistung zur Geltung kommen. Für die Grundsteuer sind int wesentlichen noch, heute die Grund­sätze vom Jahre 1824 über die Vollendung des Jmmobilien- katasters maßgebend, und auch die Gewerbesteuer wird nach dem Gesetz vom Jahre 1884 veranlagt, das in seinen wesent­lichen Bestimmungen auf die Gesetze von 1872 und 1860 zurückgeht; die Kapitalrenten steuer beruht auf den Gesetzen der Jahre 1884 und 1895. Der dem 32. Landtag vorge­legte Eiitwurf, der nach langen Verhandlungen unter mehr­fachen Abänderungen die Zweite Kammer glücklich passiert hatte, fand nicht die Billigung der Ersten Kammer. Der 33. Landtag sah überhaupt keinen Gnnciudeumlagenent- wurf. Der nun vorzulegende Entwurf wird ja bei der Schwierigteit der ganzen Materie eine glatte Erledigung in "beibeii Kammern kaum erwarten lassen. Der nahe bevor­stehende Ablauf der Giltigkeit des derzeitigen Provisoriums sowohl, wie der 1910 bevorstehende Wegfall des Oktrois der Städte verlangen aber dringend die baldige Regelung des

Ans Stadt ititö Land.

Gießen, 9. Dezember 1908.

Der Besuch unserer Landesunivcrfität

hat, wie schon mitgeteilt wurde, gegen das vorjährige Wintersemester abermals zugenommen. Er beträgt im ganzen 1196 Studierende (gegen 1150 hn Wintersemester 1907/08 und 1218 im Sommer- semester 1908', darunter 23 Studentinnen. "Außerdem wurden 9 Hospitantinnen ausgenommen. Mit den weiter noch Vorlesungen besuchenden 69 Hörern und 84 Hörerinnen beträgt somit die Gesamtbesucherzahl unserer Universität 1358. Aus Hessen waren 782 Studenten chavon in der theologischen Fakultät 61, in der juristischen 137, in der medizinischen 126 und in der philosophischen 458), aus anderen deutschen Staaten 334, nämlich 234 aus Preußen, 34 Bayern, 13 Baden, je 11 Sachsen und Oldenburg, 8 Hamburg, je 6 Württemberg und Elsaß-Lothringen, 3 Braun­schweig, je 2 Sachsen-Weimar und Schwarzburg-Sondershausen, je einer aus Sachseu-Kdburg-Gotha, Anhalt, Waldeck und Lippe- Detmold, 80 aus außerdcutschen Staaten, darunter 61 aus Ruß­land, 6 Japan, je 3 Oesterreich-Ungarn und Grobßritannien, zwei Bulgarien nnd je einer aus Frankreich, Schweden, Serbien, Schweiz und Amerika. Der theologischen Fakultät gehörten 70, der juristi­schen 163, der medizinischen 342 und der philosophischen 621 Studierende an. Von den Studierenden der medizinischen Fakultät studierten Medizin 214 (85 Hessen), Tierheilkunde 115 (31) und Zahnheilkunde 13 (10), von denen der philosophischen Fakultät Philosophie 29 (12), Pädagogik 6 (3', Mathematik 99 (79), Natur­wissenschaften 87 (78), Chemie 56 (13), Pharmazie 33 (12), Forstwissenschaft 16 (16), Landwirtschaft 44 (28), Gesclstchte 19 (12), klassische Philologie 64 (53) und neuere Philologie 168 (152). Es kubierten mit Reifezeugnis vom Gymnasium 730 (davon neu imma­trikuliert 151), vom Realgymnasium 236 (24), von der Ober- Realschule 126 (32), mit Zeugnissen für das Fach 71 (19) und mit sonstigen Zeugnissen 33 (4).

Die Ausgaben des 3$. Landtags.

Dem neuen Landtag, der sich am 16. Dezember zur Einleitung der 34. Legislaturperiode konstituieren wird, steht eine große und schwere Arbeitszeit bevor. Er hat sich ja seit Einführung der einjährigen Staatsbudgets natürlich in erster Linie mit der Beratung und Feststellung des §au5-- Paltsetats zu beschäftigen. Aber im 5)inblick auf die vielen Dringenden, der Erledigmtg harrenden anderweitigen parla- ' anentarifchen Aufgaben wird die Zweite Kammer die Etats- Beratung doch so beschleuniben müssen, daß bis zu den lOsterferren auch ttoch ein tüchtiges Stück positiver aesetz- geberischer Arbeit geleistet iverden kann. Tas wird bei allseitigenr gutem Willen auch diesmal unrsv eher mög­lich sein, als der neue Staatsvorairschlag, wie uns versichert wird, keinerlei Ueberraschungcn enthält. Er wird sich strenge an die notwendigett Bedürf­nisse unseres Staats- und Wirtschaftslebens halten und alle Neuanforderungen und Mehrausgaben znrückstellen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich leider in dem , zur Rüste gehenden Jahre nicht so annehmbar gestaltet, wie man noch bei der Etatsberatung im Frühjahr hoffen 311 können glaubte. Zwar wird sich auch diesmal das direkte Steuererträgnis in Hessen nm mehrere Hunderttausend Marl gegen das Vorjahr höher stellen, aber dagegen hat die Er­höhung des Immobiltenstempels auch nicht entfernt das von ihr erwartete materielle Ergebnis gezeitigt. Vor allem aber wirkt der enorme Rückgang in Ertr ägnissen der preuß.- ,hessischen Eisenbahngemeinschaft so ungünstig auf den neuen

sind. Die Mutter gab Grete Höcker sehr gut wieder, be- sonders die Auftritte mit dem Pfarrer, wo ihre Liebe leiden­schaftlich durchglüht ist. Die kleine Rolle der ArmenhäuSlcrin hätte Ada Pauly etwas weniger karikiert und etwas mehr innerlich spielen dürfen. Eine ausgezeichnete Leistung war der Konsistorialrat Hermann Bakofs, der in Spiel und MaSke gleich vortrefllich und tn dem Auftritt nach dem Essen 'geradezu unübertrefflich war.

Auch die Leitung, die das Werk verdiensllicherweise gleich nach der Darmstädter Uraufführung hcrausgcbracht hat, hat sich rühmlich hervorgetan und dem Stück zu einem starken,

hes si sch en Gemein demnla gew es en s.

Eine weitere sehr lvichtige nird schwierige Aufgabe be­steht in der Reform der Verlvaliungsgesetze. Tie Vorlage der sechs verschiedwwn Gesetzentwürfe hat schon wiederholt den früheren Lmidtagen vorgelegen, der Umfang der zu einem Gesetzgebungswerk vertoppelten Entwürfe ist aber so groß, daß sie unser Landtag nicht auf einmal bewältigen kann. Vielleicht zieht der Dtinister des^Jnnewr aus dieser Tatsache die Konsequenz unb setzt den Ständen nur einen Teil der Gesetzentwürfe vor, vierkeicht zunächst die schon im Ausschuß durcyberaten gewesenen Enrwürse über die Städte- und Landordnung, die dann sorgfältig beraten und verabschiedet loerden iöimen. An der Verzögerung größerer Gesetzentwürfe ist grüßtentcils neben den eürjüh- rigen Budgets auch unsere l a n d st ä u d i s ch e G e s ch ä f t s - ordnung schuld, deren Resormbedürftigkeit schon lange auerlannt ist, deren Abänderung jedoch die Regierung von der Verabschiedung des Wahlgesetzes abhängig macht. Von jedem neuen Landtag wird einGeschäftsordnungsaus­schuß" gewählt, ohne daß ein solcher bisher in Funktion ge­treten wäre. Tie Tätraleit des Landtags wird besonders dadurch lahmgelegt, daß er sich viel zu viel mit kleinen, nichts sagenden Trugen befassen muß. Man sollte nach dem Vorgang des ReichsragS die Bestimmung treffen, daß Ein^ gaben und Vorstellungen, beren Unbegründetheit oder Er­folglosigkeit von vornherein zu ersehen ist, kurzer Hwid er­ledigt undzur Beratung Ln Plenum ungeeignet erklärt

herzustellen. Von einer Steuererhöhung man sch . n hier und da mit besorgter Miene rnun wird im kommenden Jahr bestimmt keine Rede fein. Es erscheint dagegen die Möglichkeit nicht ausgeschloften, daß das neue Budget, wie in den Jahren 1905; 0.z, mit einem Fehlbetrag abgeschlossen wird, wenn man nicht den Ausgleichfonds in außerordentlich starkem Maße dafür mit heranziehen will. . .

Tie größte und bedeutendste Aufgabe, deren Lotung der neuen Kammer zu fällt, ist ohne Frage die Einführung ) e s d i r c I te u Landtags Wahlrechts, die nun sc^on eit einer Reihe von Jahren die ganze- parlamentarische Tä­tigkeit im Hessenland beherrscht. Turch die chm vergangenen Frühjahr zwischen den Gesetzaebungsausschüssen beider Ständelammern erfolgte vorläusige Punktierung über die Verfassungsänderung ist nach der Erklärung des Staats­ministers in der Zweiten Kammer die geeignete Grundlage ür eine entgültige Verständigung gefunden worden. Eine neue WahlrechtsVorlage ist auch sicherem Ver­nehmen nach in der Hauptsache bereits im Staatsmini- terhim fertiggestellt und da sieh ja die Gesetzgebungsaus­chüsse der ftchheren Landtage schon jahrelang mit der Vor­beratung der hauptsächlichsten Bestimmungen der Vorlage aufs gründlichste beschäftigt haben, so könnte nach unserem Dafürhalten sehr wohl schon im nächsten Sommer mit der Plenarberatung begonnen werden. Wohlbemerktbe­gonnen", beim die Wahlrechtsberatung in der Zweiten Kammer wird noch so viel Schwierigkeiten zu über.vindeii haben, z. B. in der Fraae der Vermehrung der städtischen Mandate, der Wahltreiseinteilung rc., daß Monate darüber hingehen werden. Es sei bei dieser Gelegenheit gleich da­rauf hingewiesen, daß die Wahlkreiseinteilung, wie sie in dem vorigen Gesetzentwurf von der Regierung in Vorschlag gebracht wurde (nämlich unter Zugrundelegung der AmtsgerichtSbezirkL), wohl kaum jemals zum Gesetz erhoben werden dürfte. Ueber diesen Teil der Wahlrechts­vorlage wird jedenfalls wohl zunächst einmal eine prin­zipielle Verständigung zwischen den verschiedenen Parteien herbeigesührt werden müssen. In der Zweiten Kammer war 1907 durch den Ausschuß eine Wahlkreiseinteilung un­ter Aufteilung der privilegierten Städte angefertigt worden, die aber namentlich in Rheinhessen einen Srurm der Ent­rüstung hervorrief, und die auch von der Ersten Kammer nicht akzeptiert wurde. Gegen die Vermehruikg der städt. Mandate haben sich bisher die Bauernbündler gesträubt, die in der Schlußsitzung des verflossenen Landtags für den Antrag Glüssing sich erklärten. Man darf erwarten, daß die Anhänger dieser Partei ihr Zustimmmigsvotum nicht von dieser Frage abhängig machen werden, wenigstens der größte Teil nicht. Auch der bäuerliche Vertreter in der Kammer muß sich bewußt sein, daß er nicht ein Jnteressen- uertreter, sondern der gewählte Abgeordnete des ganzen Volkes ist, also auch den Interessen der Städte gerecht wer­den muß. Die ganze Entwickelung von Industrie und Han­del und den besonders durch die Eisenbahnen sich ergeben­den gesteigerten Verkehr hat den Städten längst eine erhöhte Bedeutimg gegen früher gegeben, die namentlich in ihrer außerordentlich gesteigerten Steuerkrast zum ^Ausdruck kommt. Tie Berechtigung des Verlangens der Städte au eine stärkere Vertretung im Parlament sollten daher auch die Vertreter der ländlichen Bezirke anerkennen und einer so bescheidenen Erhöhung der städtischen Mandate, wie sie die Regierimgsvorlage vorschlägt, nicht länger widersprechen.

Als eine der ersten Vorlagen wird dem neuen Landtag wohl der Entwurf zu einem Gemeindeumlagenge­setz zugeben. Das bereits zweimal verlängerte Provi­sorium des Gesetzes vom Jahre 1901, das die vor der staat­lichen (Steuerreform des Jahres 1899 maßgebende Besteue­rung bezüglich der Gemeinden aufrecht erhielt, verliert mit dem 31. März 1909 seine Geltungsdauer. Tas zurzeit gel­tende Gemeindesteuerrecht nimmt neben der auf dem Grund-