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09/04/1908 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 85

Donnerstag S. April 1908

G^chttnl tS-llch Ausnahme des Sonntags.

jlarlarnentarslches aus L-efte«.

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Die ^Gießener LamIUenblLtter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das ,e,Krcl$blot1 für -en Ureir Gießen" zweimal wöchentlich. Dierondwirtfchastttchen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

158. Jahrgang

fonimen ist, daß den Bürgermeistern und den mit ihnen im gleichen Haus wohnenden Familienangehörigen der Betrieb einer (Last- oder Lchaukwirsichaft 511 untersagen sei. Nament­lich wenden sie sich gegen einen Be,chluß des Main-Rhein-

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Dieburg richten eine Eingabe an die trotz der m der Güstwlrtezeltung zum gegenteiligen Ansichten lebhaft begrüßt Zelt mit der Beratung des Entwurfs gemeindeordnung besagte Ausschuß zu

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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Gastwirtc-Vcrbandcs, in dem dieser den entgegengesetzten Standpunkt einnimmt.

St^mp elfte uer. Der Zentralverband deutscher Händler, Markt- und Meßreisender bittet in einer Vorstellung, bei der demnächst stattsindenden Beratung der Vorlage, betr. Abänderung des Stcmpelgesetzes, im Interesse der von ihm vertretenen Gewerbetreibenden die im bisherigen Gesetz zutage getretenen Ungleichheiten 511 beseitigen. Das jetzige Gesetz biete den Gemeinden Gelegenheit, die Steuer nach eigener Willkür zur Erhebung zu bringen. Jnsbes. ivird eine stufenweise zrir Erhebung gelangende Steuer, die nach dem Einlagekapital durch Landcsgesetz bemessen ist, verlangt.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigcrGießen.

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Aus Sradt und EcsnS.

Gießen, 9. April 1908.

Die Staatssteuerveranlagung für 1908.

Für das Jahr 1908 sind, ohne Veränderung der in den Steucrgesetzen von 1899 festgesetzten Beträge, insgesamt 14 047 930 (1907: 13 329 757,75) Mk. Staatsstcuern ver- anlagt worden, wovon auf die Vermögenssteuer 3 335 235 (3 271 389,75) Alk. und aus die Einkommensteuer 10 712 695 (10 058 368) Alk. entsallen. In Starkenburg gelangen . 1 284 751,50 Mk. Vermögens- und 4 556 761 Alk. Em» kommenstener, zusammen 5 841 515,50 Mk. zur Erhebung, in Rheinhessen 1 234 470,75 Alk. Vermögens- und 4 228 048,50 Mk. Einkommensteuer, zus. 5 462 519,25 Mk., und in Oberhessen 816 012,75 Mk. Vermögens- und 1 927 885,50 Mk. Einkommensteuer, zus. 2 743 898,25 Alk. Von den einzelnen obechessischen Steuerkomnussaciaten er­heben Gießen 714 609,25 Mk. (157 895,25 u. 556 714 Mk.), Friedberg 704 073,50 Mk. (186 978 und 517 095,50 Mk.), Hungen 185 250,75 Alk. (69 753,75 und 43 078 Alk.), Büdingen 177 538,75 Mk. (60 683,25 und 116 855,50 Alk.), Lauterbach 175 368,75 Alk. (64 224,75 Alk. u. 111 144 Alk.), Nidda 174 878 (58 186,50 und 116 691,50) Mk., Butzbach 163 545 (59 653,50 und 103 891,50) Mk., Alsseld 159 706 (53 328 und 106 378) Alk., Grünberg 140 593,50 (49 023 und 91 570,50) Mk., Schotten 77 928,25 (28 958,25 und 48 970) Alk. und Homberg 70 406,50 (27 328,50 und 43078) Mk.

bei einem orgiastischen Fest Pamphsie, die ihm ganz unbe­kannte Tochter des Smirrines, verführt und seinen Siegel­ring in ihren Händen gelassen. Einige Monate später heiratet er das Mädchen, ohne sie wiederzuerkennen. Nach kurzen F.itterwvchen macht er eine längere Reise, und in seiner Abwesenheit gebiert Pamphile ein Söhnchen, das im Waide ausgesetzt wird. Charisios ist außer sich, als er bei seiner Rückkehr dies erfährt; er beyült zwar die Frau im Hause bet sich, aber er sängt ein wüstes, Schlemmerleben an. Tag für Tag sucht er durch Gastmühler und Zechgelage in Gesellschaft einer Zitherspielerin seinen Kummer zu be­täuben. Schließlich wird durch eine Inlrigue dieser Zither­spielerin, die in der reizenden Mischung von Gutmütigkeit und Berechnung, in ihrer Gewandtheit unb ihrer Freude am Komödiespielen geradezu an Goethes Philine erinnert, Cha­risios mit Hilfe des Ringes auf den Gedanken gebracht, daß sie selbst die in jener Nacht von ihm Verführte ist und daß sie ihm einen Sohn geboren hat; und nun erscheint ihm sein eigenes Verhalten gegen die Gattin in ganz anderem Lichte.Sbas hat er ihr denn vorzuwerfen, das er nicht auch getan? Er hat ein Bastard And jo gut wie sie, und gewiß ist ihre Schuld geringer gewesen als die seine. Seine Reue wird noch verschärft durch die Standhaftigkeit, mit der sie alle Aufforderungen ihres Vaters, den liederlichen, gewiß bald ruinierten Gatten zu verlassen, abgewiesen hat. Die Entschiedenheit, mit der hier, freilich von einem verliebten jungen Mann, die Fehltritte beiöer Geschlechter gleich be­wertet werden, ist vletleicht die grösste lleberrascyitng des ganzen Papyrus. Das Motiv von BjvmsonsHanchchich" bei einem griechischen Dichter des vierten Jahrhunderts v. Chr. ergingen zu hören, hätte sicherlich niemand er- tvartet." Charisios ist völlig verzweifelt und macht sich seinen früheren Tugendstotz bitter zum Vorwurf; damit lst er reif geworden sur das erlösende Wort, das ihm Gattin und Kind zugleich beschert, und dieses Wort wird von der Zitherspielerin ausgesprochen.Es ist eine" enge Welt," so faßt Professor Körte seine Charakteristik zum Schluß zu­sammen,in der Menanders Komödie lebt. Von den großen Zeitbeaebenheiten, den gewaltigen Kämpfen der Diadochen

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger fflr vberhefte«

.volle beschließen, die Jmpsgebühren zr.r Staatskasse emzu- zichen und die Regierung zu ersuchen, die Impsgebühren zur Staatskasse eiuzuzreheu.

Betrieb von Gast- und Schankwirtschaften durch Bürgermeister. Die Gastwirte der Stadt

** Post-Personalnachrichten. Verliehen: der TitclPosti'elrebür" dem Ober-Postassiüenten Wmzel in Alsfeld; der TitelOber-Pvstassistent" den Postassistcnten Dietrich, Kanngießer, Lvp und Vetter in Gießen, Huöer, Jos. Reinhardt und Ludw. Schmidt in Bad-Nau heim, Keßler in Friedberg, Mann und Reidel in Büdiilgen, Reis in Butzback), Ruppel und Lrinkaus in Lauter­bach und Weitzel in Nidda; der TitelOder-Tewgraphenassistent" Den Tclegraphenassistenten Einrich in Alsfeld. Versetzt: Ober- Postinspeiwr 5^agemann von Posen nach Gießen als Telegraphen- b ireiti) r, Lber-Postpraktikant Kleinsteuber vvn Köln nad; Bad- Rauheiln als Postiuspekwr, Obcr-Poitvrakcil'ant Osshaus von Gießen naa- Tüiseldvr,; die PoslseEetäre Geißler von Nidda nach Oiicn- bach, Fleckenstein vvn Schlitz nach Kelsteroach, Lott von Bad- Nauheim nach Deutich-Avr:court, Schade vvn Gießen nach Geln­hausen; Ober-Pvstafslstent Malst) vvn Aiichelftadt nach Schlitz unter Ernennung zum Postverwalter; Lver-Telegraphenassistenr Espenschied vvn Aeainz nach Gießen; die Postassistenten Jos. Arüller Don Eisen (Ruhr- nach Bad-Nauheim, Scheer von Ofien- bad) nach Nidda und Werner von Aad-Nauheim nach Bonndörf (Sayvarzivald); Telegrapyenassistent Gröninger Vvn Essen nach Gießen. Etats mäßig angestellt: als Postsekretare: die charatterisierten Pvstselretäre Rau in Gießen unb Schmidt in Friedberg; als Postassistenten: bie Posianwärter Adolph, in Laut.rvach, Bea in Frudverg, Etting in Butzvach, Horst in Gießen; als Telegraphenasjistenten: Telegraphenanwarter Glesche in Mainz. A n g e n v m m e n : als Postamvärter: Sanitätsseldwebel Schar- mann in Grau berg; als Postgehusen: Oberrealschliler Klemm- rath und Realschjiüer Wmkes in Gießen; als Telegraphengehilsin: Elis. Schuldt in Butzbach; als Postagentcn: die PvsthilsSstellen- iilhaber: Krug in Schwarz, Zinn in Maar, Buchhalter Älöller in H irzenhaül, Lackierer Rieper in Dorheim. Freiwillig a u s- geschieden: Postagent Jsslanb in Torheim. Gestorben: Poitagent Boseck in Hirzenhain.

Die hessische Wahlrechtsvorlage.

.Wenn man nicht tief sich eingeprägt hätte, daß der Arsatz der indlrektcn durch die direkte Wahl der Brennpunkt der politischen Bestrebungen des HesicnlandeL ist, die man inter den Begriff Wahlreform bringt, so könnte man nach 5em bisherigen Verlauf der Kampagne zu der Ansicht kommen, rs handle sich einzig darum, die Kompetenzen zwischen der Volkskammer und der Hcrreustubc neu zu regeln und zwar neu zu regeln in der Richtung einer beträchtlichen Einengung ier Rechte deS Volkes." So charakterisiert die ,Frankfurter Reitling* nicht ganz mit Unrecht die Flick- und Stückarbeit, ße seit etwa einem Jahre getan wird, um eine hessische Wahlresorm zustande zu bringen.

An gutem Willen hat cS die Zweite Kammer bisher ächt fehlen lassen, unb e8 hat für empsindsame Gemüter bei­nahe etwas rührend-hilfloses, wie die Zweite Kammer jetzt gleich mit Doppeloorschlägen den Staudesherren naht. Ge­stüt der Ersten Kammer der eine Vorschlag zum § 67 nicht, rann wird sie vielleicht an der zweiten Fassung, dem Vor­schlag B, Gefallen haben. In wie weit diese neuen Vor- Ichtäge zu den §§ 67 und 75 geeignet sind, daß Reform­werk zu fördern, darüber gehen die Meinungen iveit aus- inonber, unb der bisherige Verlauf der Verhandlungen über lie hessische Wahlreform ist wenig ermutigend gewesen. Als «Srundlage für eine Verständigung können die neuen Vor­schläge sehr wohl dienen, denn sie stellen schon das Aeußerste Bar, roaß von der Zweiten Kammer billigerweise verlangt werben kann, aber daß diese Frage selbst noch in dieser Session erledigt werden könnte, daran ist wohl kaum zu denken 91un kommt es vor allem auf die Erste Kammer an, wie die sich zu den neuen Vorschlägen stellt. DieFrkf. Zig." urteilt in dieser Beziehung recht pessimistisch, namentlich soweit der § 67 in Betracht kommt. Bisher konnte die Erste Kammer das üubget nur im ganzen annehmen ober ablehnen. Rach den neuen Vorschlägen soll diese Frage jetzt so geregelt werden, daß abweichende Beschlüsse der Ersten Kammer der Zweiten Kammer mitzuteilen sind, worauf diese abermals zu beschließen habe. Lehnt die Erste Kammer die Beschlüsse der Zweiten Kammer ab, bann findet eine gemeinsame Beratung unb Be- thlußsassung statt.

Bisher hat die Erste Kammer schon in einigen Fällen ihre Kompetenzen unbeanstandet überschritten, auch über Einzel­heiten beS Budgets diskutiert und ihre abweichenden Beschlüsse dir Zweiten Kammer zur Kenntnis gebracht. Dieses Ver­hüllen der Ersten Kammer sollte durch die Regierungsvorlage legalisiert werben; das Bubgelrccht sollte so umgeändert -rerben, daß die Rechte der Regierung und der Ersten stüimuer bedeutend erweitert würden. Man sicht also, ein Die großes Entgegenkommen die Zweite Kammer in dieser frage bewiesen hat.

Was den neuen Vorschlag zu § 75 anlangt, so liegt die Siche so. Wenn eine Regierungsvorlage von einer der beiden ftanmiern abgelehnt, in der nächsten Tagung in unveränderter Jorin wiederum eingebracht und wieder abgelehnt worden ist, ht bie Regierung das Recht, die Durchstimmung durch beide Muser vorzunehmen, wobei die einfache Mehrheit entscheidet. £ie Regierungsvorlage schlug eine ^--Mehrheit vor, und der oben erwähnte Vorschlag schlägt 2/,-Mehrheit vor. Also auch ;erin ein bedeutendes Entgegenkommen, denn nach dem neuen Vorschläge würbe die Zweite Sammer in Zukunft selbst bei L-lichlossenem Vorgehen von sich aus keine Mehrheit mehr haben. Mehr kann man wirklich nicht verlangen.

Dereitisgefeft und öörsengefttz angenommr»!

Berlin, 8. April.

Acht volle Stunden lang tobte heute noch iin Reichstage ott Kampf um das Vereinsgesetz, bis der Zähigkeit der

Blockparteien, die nun schon eine Reihe von Tagen ihren letzten Mann einsetzten, gelang, in der Gesamtabstimmung das Kompromiß zur Verabscliiediing zu bringen. Acht Stun­den lang führte die Opposition eine Obstruktion mit na­mentlichen Abstimmungen ein aussichtsloser Versuch, der lediglich aus einem kleinlicheil Rachegefühl die Absicht haben konnte, den Mitgliedern der siegreichen Mehrheit die Heim­reise für heute zu vergällen. Beim letzten Hauptpunkte, dem Jugendlichen-Paragraphen 10 a, brach der Widerstand zusammen. Nach beni Begründer derZungen Garde", der sozialdemokratifchen Jugendorgatiisatioii, dem Mann­heimer Frank, nahrn niemand mehr das Wort, mürbe fein Antrag auf namentliche Abstimmung mehr gefrellt, unb zwei Minuten danach war der ganze Rest des Gesetzes erledigt und riefen die Glocken und Sirenen auch die letzten etwa noch außerhalb des Saales weilenden Abgeordneten zur namentlichen Abstimmung über das ganze Gesetz. 26 Stimmen betrug die Mehrheit 19-1 gegen 168. 5 Abgeordnete enthielten sich der Abstim­mung, darunter die Hess. NationalliberalenOsann und Haas. Zmpulsw brach der Beifallsorkan aus, den Aufschrei der Polen, das Zischen deS Zentrums, das Pfui der Sozialdemokraten niederwerfcnd und erstickend.

Die Debatte vorher hatte kurze Ausführurigen der Block­parteien gebracht, die der Genugtuung über das nun glück­lich vollendete Werk Ausdruck gaben, und um so längere Reden von den Parteien des Gegenblocks: einen Protest der Polen, von den Sozialdemokrateli aus dem Munde Hetnes eine mit vieler Ironie und Sarkasmus gewürzte Anrem- pelung des Freisinns. Vo.m Zen.r^it hatee gestern der Abg. Herold die Anklagen, '-öorrouqc und Drohungen gegen die Rechte gerichtet, heute war die Front nach links. Aber die Auswahl des heutigen Herolds zur Verkündung des Angriffs ließ wohl darauf schließen, daß die Zentrums- Partei keinen erheblichen Wert darauf legte, daß von dem, was sie gegen den Freisinn vorbrau.)te, auch die weitere Oefjenttichleit etwas erfahre.

Die Sozialdemolrateit unb das Zentrum hatten sich nicht mit den bündigen Verjicherunge,'. des Staatssekretärs begnügt, der die Erzählung von der rheinisch-westfälischen industriellen Enlstehungsg^fch.chte des Polen-Paragraphen in das Reich der Fabel verwiesen hatte. Er diente ihnen heute mit der gewünschten Erklärung des Reichskanzlers selbst.

Nun wurde rasche Arbeit gemacht. Nur Herr Singer sprach noch zum Börsengesetz, dann stimmte man auch darüber ab, unb ber Beifall ber Blockparteien kündete das vollendete Werk. Das dreifache Veroienst des nationallG. Abg. Dr. Weber, der das Börjentompromiß verfaßt, einen ausgezeichneten und gründlichen Bericht dem Reichstag als Druckschrift übermittelt und dann schließlich als Berichter­statter in der' zweiten Lesung des Plenums durch keine Diebe bie Verhandlung aufgehallen hat, lohnte eine freund­liche Blumengabe, den harmonischen, glücklichen Ausgang ber schweren Kämpfe sh mb 0 lisch anbeutenb.

Zn später Abenbstunde ging man in bie Osterferien.

Kammer, baß sie es Ausdruck gebrachten haben, daß ber zur einer neuen Laud- Oem Beschluß ge-

Lanbe übergeben hat, ohne sich weiter um sie Kinder zu kümmern. Sie sechst heiratet später ihren Verführer Laches, ohne baß die beiden sich erkennen. Später koininen die Kinder zu ihrem unerkannten Vater in oen Dienst, und das herangewachsene Mädchen, soll einem Sklaven zur Frau gegeben werben. Da stellt sich heraus, baß sie bereits von einem vornehmen Jüngling der Nachbarschaft, verführt wor­ben ist, unb um bie Geliebte vor dem Zorn ber Herrin zu schützen, nimmt ber Sklave ritterlich bic Schulb oes Fehl­tritts auf sich. Wie bic oerschiebenen Knoten gelöst lverben, geht aus bent Fragment nicht hervor; aber das Ergebnis ist, oaß Lackes und Myrrine ihre Stinber erkennen unb ber Verführer bas nun ebenbürtige Mädchen gern zur Frau nimmt Wie bei vielen Menanderschen Stücken kann der Inhalt itur mäßiges Interesse erwecken, die rea-t gewagte Voraussetzung, die stark an das Verhältnis des Grasen Schenk zur Fürstin Udasu)lin in FreytagsGraf Waldemar" erinnert, erscheint uns-.stlich, der Ausgang tonoen.conell. Menanderist kein Erfinder von i'lberreicher Phantasie, ge­wisse Voraussetzungen und Verwicklungen kehren so häufig bei ihm wieder, wie etroa ein halb Dutzend Liebt.ngsmotcve in der modernen französischen Posse feine Große liegt ganz überwiegend im Ausgeftalten. Den ziemlich groo- drähtigen Eanevas einer konventionellen Fv.bel mit Ver­führung, Aussetzung, Wiedererkennung bestickt er immer wieder mit neuen prächtigen Bildern von unerschöpflichem Reichtuin der Nuancen und unnachahmlicher Feinheit der Zeichnung. Seine Fabeln gleichen slch, aber seine Stücke nicht" Tas besterhatlene Stück unter bei: Dicren bes neuen Paphrus ist bie zweite Komödie, bi:Epitrepontes", etwa bas Schiedsgericht", bie uns von Menanders Kunst den höchsten Begriff gibc. Ter ganze Verlauf der Handlung ist zu erkennen, und durch einen ungewöhnlichen Gluas- zufall ist uns gerade die im Altertum am meisten gefeierte Szene, in der zwei Bauern den Richtcrspruch eines reichen Herrn heransfordern, lückenlos erhalten. Die Szene stellt wie üblu .tilge Häuser bar, von benen bas eine beni ulicn reichen V rger Smikrines, bas andere seinem jungen 2J . L- gersohn ^lrarisios gehört Dieser hat in ber Trunkcj. ,.:ii

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Lin neuer Klassiker.

Die Bebeutung des großen Fundes von Menander- tf-agmenleii, der iin vorigen Jahre dem französischen Ge- lHrlen Gustav Lefebvre in Aegypten gelungen ist, setzt der Ebener Professor Alfred Körte in einer feinsinnigen ^udie in ein Helles Licht. Die 1300 Verse, bie bie aufge- Mdenen Pastyri enthalten, geben zwar kein ganz erhaltenes b^erk, aber sie ermöglichen cs boch, ben Stil unb die Technik Menanders, der als der Vater unseres m 0 berne n f stspiels unb bürgerlichen Schauspiels unser be- Hrlderes Interesse in Anspruch nimmt, klar zu erkennen. Der Pttb ist nicht wie bei so vielen anberen Schätzen ber Ver- öEngeuheit einem glücklichen Zufall zu verdanken, sondern ist das Ergebnis methodischer Forschung. Seitdem im 4chre 1901 in dem Dorfe .Wm-Jshkaou, dem alten Aphrv- o^-opolis, erhebliche PapyruSmasjen gesunden waren, bie Er größtenteils von ben Feliaä)en vernichtet würben, fEn bie Forscher ben Ort im Dinge behalten, unb als (inbe ein Feilache fein Haus umbauen wollte, nahm Le- le-vre eine genaue Durchsorschimg deS Grundstücks vor, bei er in geringer Tiefe bie Maueraeste eines befcheibenen ^ürömischen Hauses unb in beni letzten Gemach ein mit paphrusrollen angesülltes Tougesäß fand. Die große Masse

Papyri waren Testamente, Kontrakte und Kaufverträge, D-.r obenauf waren zum Schutze die damals wertlosen Mtter eines aus dem Leim gegangenen Buches gestopft

Ne enthielten die Fragmente von Menander! Es sind ^Setten, die höchstens ein Viertel des ganzen, kaum vor ?? >iahre 300 n. Ehr. gcschrielienen Buches enthalten.

etwa 1300 Verse verteilen sich cruf vier Stucke, und zwar ° uon einem über 500, von je zweien etwa 350 und W üierien rund 50 Verse erljaltien mb. In dem ersten, rzesten Fragment ist der Anfa^ig einer KomödieDer 'gegeben, ans dem wir Vomüssetznngen und Verlauf fflSrUacö Eidlich genau erfeimeiy.. Vor langen Jahren ist ^-rrme, eine attijajc Jungfrau, .von einem i.jr nnbekann- IiertäUnß^n8 entehrt worden unr) hat heimlich ein Z il- ^gspaar geboren, das sie einem Sklaven Tibelos ans m

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