Nr. 189 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Donnerstag 13. August 1908
Erscheint täglich mit Ausnahme dcS Sonntags.
Tie „Siehener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejftn
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS - Buch- und Ereindruckerci.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.. AnzeigerGicßen.
Die Monarchenbegegnung in Zschl.
Sinnig Eduard ist gestern vormittag um 10 Uhr in Jsckü anaekomrncn, um dem greisen Kaiser von Oesterreich einen vier- undzwcmzigständigen Besuch abzustatten. Ein offizieller Empsang fand am Bahnhof statt. Als König Eduard seinem 2alomvagc;i entstieg, sah man, daß er die blaue Uniform des österr-cichifck)en Hujarcn-Regirncnts, dessen Ehrenoberst er ist, trug. Kaiser Fran; 3ofef trug d:c Uniform eines englisch.-,! 'Generals. Tie beiden Monarchen bestiegen einen ossenen zweispännigen Wagen und fuhren zmn Hotel Kaiserin Elisabeth, da die l'aiscrlich»- Villa zu wenig tifauin bietet, um den königlichen Gast aufzunelunen.
Bei der ju Ehren des Königs Eduard veranstalteten Gala- täfel brachte Kaiser Fran; Josef folgenden Toast aus: „Ter Besuch, welchen Eure Majestät mir heute, einer nun schon mehrjährigen, mir wahrhaft liebgewordenen Gepflogenheit folgend, hier abzustatlen die Güte haben, erfüllt mich mit aufrichtiger tyreube und wärmster Dankbarkeit. Ich bitte Eure Majestät, den Ausdruck dieser Gefühle zugleich mit meinem herzlichen Will- kommengrnße entgegenzunehmen und überzeugt sein zu wollen, daß ich die mir durch diesen Besuch erwiesene freundschaftliche Aufmerksamkeit um so höher zn schätzen weiß, alS Eure Majestät in diesem Jahre hierher gekommen find, nm mir persönlich Ihre Glückwünsche zu meinem ÄegierungStubiläum -u überbringen. Indem ich in der heutigen Anwesenheit Eurer Majestät einen neuer* lidyen lvertvollen Beweis für die langjährigen und herzlichen Beziehungen erblicke, iwlcfc zwischen unseren Häusern bestehen und welche dem freundsck astlichen Verhältnisse zwischen unseren Lunbcrn entsprechen, erhebe id) mein Glas mit dem Ruse: „König sduard, lebe hoch!"
König Eduard sprach folgenden Toast: „Ich bitte, meinen lufridjligcn Dank Eurer Majestät aussprechen zu dürfen für Ihre so gütigen Worte, die.mich tief gerührt haben. ES ist mir immer eine wahre Freude, Eurer Majestät meinen Besuch abstatten zu können, aber ganz, besonders in diesem Jahre, in welchem Eure '.Viajcftät das sechzigjührige Regierungsjnbiläum feiern. Eure Majestät kennen die Gesinnungen, die ich seit jeher für Eure Majestät gehegt und wissen, daß meine Gratulationen zu dieser ivichtigen Feier aus vollem Herzen kommen. Tie Beziehungen zwisckfen uitseren beiden Ländern sind gvttioo immer die sreund- stl-astlichsten gewesen. Es ist mein inniger Wunsch, daß sie es ebenso in Zukunft bleiben. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Eure Majestät >wch durck) viele Jahre in bester Gesundheit zum Wohle und Heile Ihrer Völker erhalten bleiben. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers und Königs."
Die Begegnung deS Freih. v- Aehrenthal mit dem Unterstaat Ssckretär Sir Charles Hardinge gab Gelegenheit, die allgemeinen Verhältnisse in Europa zu besprechen. Im besonderen haben die beiden Staatsmänner die Zustande in der Türkei, wo seit der Einführung dev Verfassung eine neue Situation besteht, einer Erörterung unterzogen. Bekanntlich sind die Kabinette, unter ihnen das Wiener und das Londoner, entschlossen, diesem Umschwung gegenüber eine sympathisck>e, abzu- ivortcnbe Haltung ,’>u beobachten in der Hoffnung, daß das neue Regime in der Türkei auch diejenige Besserung in der Verwaltung und der Kvnsoliernng der Verhältnisse im allgemeinen herbeisühren will, die von den Mächten in den letzten Jahren angestrebt wird.
In einer Besprechung der heutigen Begegnung in Ischl bemerkt die „Neue Freie Presse": Der Verlauf der gestrigen Begegnung in Friedrichsyof zeigt, daß die Spannung zwischen Deutschland und England in der Milderung begriffen ist. lieber die Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Mächten wird Kaiser Franz Josef gewiß am meisten erfreut sein: auch die Zusammenkunft in Ischl wird das ihrige tun, um die ausge- streiUen Steinte, aus denen Gefahren für Europa hervorgehen könnten, zu beseitigen, wie niemand sich aufrichtiger bemüht, die deutsck)*englisck)ie Verständigung zu erleichtern, als Oesterreich- Ungarn.
In einem Artikel über die Entrevue in Ischl sagt das „Fremdenblatt": „Es >var unzweifelhaft vor dem Eintritt der Umwälzung in der Türkei, eine Spannung in der europäischen Politik vorhanden, ja, es gab ein Moment, wo man an manchen Kreisen an die Möglichkeit scharfer Gegensätze zwischen
den europäischen DünduiSgruvven glaubte und die englisch-russische Annäherung im Sinne eines für den Frieden ungünstig resultierenden Krüitespiels audlcgtc. Man denkt heute schon ruhiger über diesen Punkt und die dankenswerten Kundgebungen d.r englischen Staatsmänner haben in letzter Zeit die freundlichste Perspektive für die Zukunft eröffnet. Nachdem König Eduard mit seinem kaiserlichen Neffen in Eronberg zusammengetrosfen ist, darf man um so eher berechtigt sein, dec öffentlichen Meinung die Rückkehr zu einer normalen Stimmung und einer zuversichtlichen Beurteilung der allgemeinen Lage zu empfehlen. Turch seinen Besuch bei dem ihm befreundeten Doyen der Dreibund- Herrscher zeigt König Eduard, daß er an einer feindlichen Kvntrastierung der europäischen M ä <i) t c g r u p t» c n feinen Gefallen findet und baß er derlei übertreibende Darstellungen und Befürchtungen nnbcrlegctt will. Es ist mit ein Verdienst der zuverlässigen Poliltk des Kaisers Franz Joses, wenn der Dreibund in der ganzen Welt als eine sichere Stütze des Friedens gemürbigt wird und man der Entrevue die Bedeutung eines beruhigenden Ereignisses zuschreibeit darf."
Dreibund und Balkan.
Bet den Begegnungen i.t Eronberg und Ischl durften fraglos die Verhältnisse auf dem Balkan den Hauplgcgen- stand der Besprechungen zwischen den Staatsoberhäuptern und den Leitern der auswärtigen Politik gebildet haben und man darf den Konferenzen um so größere Bedeutung beimessen, als bekanntlich der Standpunkt Englands, der mit dem russischen identisch ist, von dem Deutschlands und Oesterreichs ziemlich abweicht, so daß gerade England dem Projekt der Sandschakbahn den scharfen Widerstand seinerzeit entgegengesetzt hat. Inzwischen haben sich ja die Verhältnisse ziemlich geändert, gleichwohl aber gibt cs doch noch mancherlei, was einer Klärung bedarf, zumal man ja die weitere Entwicklung der Tinge nicht mit vollster Sicherheit zu überschauen vermag. Ein Teil der Jungtürken geht in feinen Forderungen zu weit, so daß ein eventueller Rückschlag nicht gänzlich aus dem Bereich der Möglichkeit liegt und vielleicht die reaktionäre Strömung dadurch wieder Oberwasser erlangt. Deutschland selbst hat zwar in politischer Hinsicht geringere Interessen auf dem Balkan, diese sind bekanntlich hauptsächlich wirtschaftlicher Natur. Gleichwohl könnte Deutschland einer Verschiebung auf dem Balkan kaum glcichgiltig Zusehen, schon int Hinblick auf das verbündete Oesterreich, für das der Einfluß auf dem Balkan geradezu eine Lebensfrage bildet. Es ist darum sehr gut, daß König Eduard sich von Eronberg nach Ischl begeben hat, wodurch er den Standpunkt der Treibundmächte nach eigener Anschauung genau lernten lernen und etwaige Maßnahmen Englands darnach einrichten kann, und es steht zu erwarten, daß durch die gegenseitige Aussprache manche Differenzen beglichen oder zum mindesten gemildert werden fönnen. Oesterreich verwaltet ja Bosnien und die Herzegowina, die noch immer nominell dem Sultan gehören, und es liegt auf der Hand, daß Oesterreich daher auch in den von ihm okkupierten Ländern die staatlichen Einrichtungen den neuen Verhältnissen in der Türkei anpassen muß. Tas Bandenwesen, gegen das sich nicht in letzter Linie die Aktion der Großmächte richten müßte, hat hier infolge des Umschwunges der Dinge nachgelassen, aber die Verhältnisse in der türkischen Armee bedürfen nach wie vor aufmerksamster Beobachtung, wenn man sich nicht unliebsam überraschen lassen» will, wie cs durch die Vorgänge von Monastir mit ihren unbekannten F-olgen geschehen ist. Mau weiß, daß die Begeisterung für die Verfassung in allen Armeekorps die gleiche ist, w daß sich die Reaktion eventuell auf die der Konstitution abgeneigten Heereskürper stützen könnte, wobei ein schwerer Bürgerkrieg kaum ausbleiben würde. Mag auch augenblicklich keine Gefahr vorliegen, so ist e5 doch notwendig, daß die Mächte sich für die Zu-
Aleiner ^euilletorr.
— Heber die letzten Tage und Stunden Prof. Olbrichs werden uns von einem Freunde des Verewigten folgende Mitteilungen aus Darmstadt gemacht: Prof. Olbrich Ivar in der Freitagsnacht (31. Juli) von Dresden nach Düsseldorf gefahren, den Kopf voll neuer Pläne und Ideen. Hatte er dort doch nicht nur die oberste Leitung des Tietzschen Füns-Mil- lioneubaues, sondern auch noch andere Bauten und Projekte in Köln und anderen Städten rheinabwärts zu bearbeiten. Am Samstag schrieb er an seine Gattin nach Dresden einen poesie- vollen und begeisterten Brief, worin er von seiner Freude über die kommenden schönen Tage spricht und ausmatt, welche Füll? von Gluck er nun erwarten dürfe, wenn er demnächst wieder nach Darmstadt komme und in vier liebe glückliche Augen (seiner Gattiit und des in Dresden am 19. Juli geborenen Töcksterckyms) schauen dürfe. Am selben Tage besuchte er dann den Tietzschen Neubau, wo ihm mitunter leichte Schwächeanwandlungen kamen. Am Sonntag fühlte er sich unwohl und matt und pflegte mci)t der Ruhe. Am Montag mar er in feinem ganzen Wesen und Ausseheit so verändert, daß feine Freunde erschraken. Er be- schästigte sich eifrig mit seinen Plänen, aber bisweilen versagte ihm die Sprache, und er griff häufig nach dem Kopf. Ta sich sein Zustand nicht besserte, begab er sich auf den Rat seiner Freunde am Abend ins Krankenhaus, wohin er Skiz-zen, Reiß zeug und Tuschkasten mitnahm. In der Nacht trat eine plötz-' liche Verschlimmerung seines Zustandes ein, so daß die Aerztc am Dienstag niemand zu ihm ließen. Mittwoch mittag wurde den ihm Nahestehenden telephonisch mitgeteilt, daß Olbrich im Sterben liege. Sie fanden ihn schon ohne Sprache; er lag teilnahmlos int Bett, doch vermochte er, als man ihn annci und weckte, noch einem Freunde die Hand zu reichen. seütc sofort benachrichtigte Gattin traf am Donnerstag früh von Dresden bei ihm ein, doch erkannte er sie nicht mehr; daS Bewußtsein war bereits geschwunden. Er lag in stetem schlummer da, ohne Gefühl, ohne Schmerz, bis ihn am Samstag nachmittag ein sanfter Tod erlöste. Der Verewigte war ui den letzten Lebens- tagen entsetzlich abgemagert und nach seinem Tode nahm der Schädel höchst charakteristische, fast napoleonische Züge an. -ter Düsseldorfer Bildhauer Knubel hat eine Totenmaske ange- fertigt. Alaler Schnurr entwars eine Zeichnung von^ der Leiche. — Professor Olbrich zeigte sich bekanntlich oft als si)m- boliler. Er starb also am 8., 8. 8, ein Zahlenoild, das er in der Kunst häufig in den verschiedenartigsten Formen ausdruckte . — S. K. H. der Grobherzog hatte während der Krankheit slbridis täglich telegraphische Erkundigungen über sein Befinden etnge zogen. Nach Eingang der Todesnachricht sandten er und leine Gemahlin der Frau Professor Olbrich längere Beileidstelegramme, worin sie ihrem tiefen Schmerz um den uncrsetzlidfen und erschütternden Verlust in außerordentlich herzlichen Worten Aufdruck gaben. — Von anderer Seite erhallen wir wlgende Mu- teilung: Bei der Beisetzung c-es Professors Joses Mana Olbrich, der katholisch war, siel es aus, daß ein e van - g eli scher Geistlicher den kirchlichen Dienst übernommen hatte.
Wie dieser in seiner Rede erwähnte, hatte er auf Wunsch die kirchliche Handlung gern übernommen. — Olbrichs Witwe lehrte trotz ihres leidenden Zustandes in Begleitung ihrer Schwester und ihres Kindes nach Darmstadt zurück. Als Todesursache ist Leukämie fcstgestellt worden, die zu plötzlichen Neubildungen in den Lymphdrüsen und zu Geschwülsten führte.
— „Darmstadt 1908. Hessische Landesausstellung- Kritische Betrachtungen und Exläuterungen von Max Streese. Verlag der L. E- Wittichschen Hofbuchdruck.'rei." Tas unter diesem Titel erschienene, handliche, etwa 250 Seiten zählende Buch gibt, wie der Untertitel besagt, in kritischer Behandlung ein ausführliches Bild der Hessischen Landesausstellung und bildet für die Besucher eine Ergänzung des vssizictlen Uataloges. In übersichtlicher Weise bel)andelt cs erschöpfend die Vielseitigkeit der Ausstellung und gestattet so dem Schaulustigen, sich jederzeit über nahezu sämtliche Gegenstände eingehend zu unterrichten. Tie Aussätze wollen allesamt in erster Linie das „Verstehen" erleichtern und auf alles Neue und besonders Wichtige aufmerksam machen. Tas mit mehreren Zeichnungen geschmückte Bändchen, auf das wir wohl nod) zurückkommeu werden, dient der Ausstellung und unseren modernen künstlerischen Bestrebungen unseres Hessenlandes, und fei darum uns allen willkommen. -ch.
— Vom Städclschen Institut in Frankfurt. Eine neue Sammlung von Bildwerken der christlichen Epochen wird jetzt der Galerie beS Städelfchen Instituts angegliedert, nachdem durck) den Ankauf der Sammlung Furtwänglers auch der Anfang zu einer städtischen Antiken-Sammlung gemacht wurde. Eine Anzahl von italienischen Stück-Madonnen konnte, dank der Bemühung des Direktors Tr. Swarsenski, dem großen glasierten Terrakottaaltar des Andreoli angereiht werden: zwei von Luca, eine von Andrea della 9tobbia, zwei florentinische aus der ersten und zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Dazu kam ein reizendes Profilbrustbild in Sandstein, ein junger Johannes von Andrea Buggiano (1412—62). Auch die schon vorhandenen deutschen Originalskulpturen wurden in die Galerie übertragen: Die vier Kirchenväter, bemaltes Holz, schiväbisch um 1500 in der Art des Jörg Shrlin, und die große Sandsteinmadonna von Tilman Ricmenschneider, die sich ehemals in der Würzburger Stiftskurie befand, zieren jetzt den Raum, den Cranachs vor zwei Jahren entdeckter Torgarter Fürstenaltar von 1509 beherrscht. Eine gleich glückliche Neuerwerbung ist der große Palma Vecchio im Nenaissaneesaal, zwei ruhende Nymphen am Bach. Als Geschenke kamen in die Galerie die Bildnisstuüie eines Alten von B. B. Tiepolo, ein Vermächtnis des Kommerzienrats fiemme in Odessa, Christus und die Ehebrecherin, ein Werk des niederländischen Stillebenmalers Pieter Acrtscn von 1559, ein aus der Schanbschen Stiftung erworbenes Gelehrtenbildnis des Rem- brandtschülers Ferdinand Bol, und das früher unter dem Namen des Matthias Eorvinus, Königs von Ungarn, gehende Bildnis eines Würdenträgers von Peter Paul Rubens aus der Sammlung N. Kanns.
-r- 2er Kongreß der Deutschen Großloge des neutralen Gut tkÄpterordens findet z. Zt- in Han-
funft vorschcu, damit sie nicht völlig unüorbexeuci da-, stehen und sie mit einem Fait accompli zu rechnen haben. Deutschland und Oesterreich gehen auf dem Balkan völlig einmütig vor, und daS gleiche dürfte auch von Italien gelten. Man hat Italien oft nachgcsagt, daß es auf dem Balkan Sondcrintcresfcn verfolge und cs hat diescrhalb nicht ait Differenzen mit Oesterreich gefehlt, die aber bereits im Vorjahre ihre Erledigung gesunden haben. Demnächst wird nun auch der italienische Minister des Acußercn Tittoni mit dem Baron Aehrenthal zusammcntresfcn, und ihre Begegnung dürfte daher eine wertvolle Ergänzung der Mon- archenbcgcgnungcn von Eronberg und Ischl bilden. Daß man hierbei eine volle Uebercinstimmung erzielen wird, darf man mit Sicherheit Voraussehen, und so bildet die Ballanfrage für die Treibundmächte leinen Grund zu irgendwelcher Beunruhigung, wenngleich man cs nicht unterlassen wird, die weitere Entwicklung mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. _________________________
politische Cagesschcin.
Tie Möglichkeit einer dentsch-englischen Entente.
Tie „Nene Freie Presse" verösscntlicht eine Unter» rcbuug mit dem englischen Schatzkantter Lloud George, in welcher dieser aus die Frage, ob er an bic Möglichkeit einer Entente zwischen Deutschland und England glaube, erklärte, er wolle nichc gerade jagen, daß diese Entente i'dv.ui morgen oder übermorgen abgesck>lossen Ivctdcii wird, aber cs sei seine sestc Ucbcrzcugung, daß cs der einzige Weg sei, um der allgemeinen, noch immer über Europa lagernd-.n Spannung ein Ende zu machen, insbesondere aber der gegenseitigen Furcht, bic beide Staaten zu großen Opfern für ihre Flotte veranlaßte. Warum follte cs, fragte George, nicht zu einer Entente mit Deulsckchand kommen, wenn England Ententen mit Frankreich, Rußland und den Vereinigten Staaten abgcschloisen hat'? Es gibt eigentlich fein Streitobjekt »wische n beiden Staaten. Eine Entente mit Deutschland inüßte einzig und allein die Richtung auf die B e schr ä n k u n g d e § B a u eS v o n neue n Schiffen für die Zukunft halten. Auf die Bemerkung, daß mau England vorwerfe, daß es für die I s o l i e r u n g e n t s ck, - lands konspiriert habe und daß man argwöhne, daß in Reval ein Einvernehmen zwischen Rußtand und England erzielt worden sei, daS weit über jenes hinausgehe und das die asiatische Grcnz- frage in Persien betrifft, erwiderte Llopd George, man könne nicht genug tun und schreiben, um den empörenden Verdacht aus der Welt zu schaffen. ___________________________________
Deutsches Uerch.
Das bayrische B e a in t c n g e s e *: wurde in der von der Abgeordnetenkammer beschlossenen Fassung im Plenum deS Reichsrats einstimmig a n g e u o m m c n. Tamit ist die parlamentarische Behandlung der Beamtcn-Vorlage erledigt.
P o s a d o w s l y als R c i ch s t a g -5 f a n b i b a t Eine in Ludwigshafen abgchalteue nationalliberale Vertrauens männer-Versarnmlung schlug den Grafen Posadoivstv zum Kandidaten für die bevorstehende Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Speyer-Ludwigshafen vor.
Podewils ist amtsinüdc. Wie der,.Bayr. Kur." von parlamentarischer Seite ctfährt, wird der Minisicrprä- sident v. PodewilS int Herbst seinen Abschied nehmen. Damit wird die schon vor einiger Zeit durch die Presse gegangene Nachricht bestätigt.
Tie d i e s j ä h r i gc Her bst para de findet cvht 1. September auf dem Tetnpelhofer Felde statt.
Tie Neuorganisation des amtlichen Ver- kündigungSw c sens in Baden tritt schon am 1. Ott. d. I. in Kraft.
In Sachen der Mäd ch e n s ch ulre fo r m in Preußen
nober statt. Dr. meb. Siebe lElgershausew hielt den ^estvor» trag. Er führte aus: Früher schien cs, als ob für die Nüchtern- heitsbewegung kein Platz vorhanden wäre. Aber David l at dach den Riesen-Goliath „Alkohol" erfolgreich bekmnpst. Außer bet den Studenten haben die Trinkunsitten bei der Turner- schäft Eingang gesunden. Wochenlang vor dem Frank- surter Turnfest haben die Weltfahrer abstinent gelebt, um die Palme deS Sieges zu erringen. Naü) Schluß des Wetturnens wurde der Sieg aber tüchtig gefeiert und eifrig Gainbrinus gehuldigt. Tie meisten Studenten, so meinte Dr- L., wüßten wohl, welche Speisen gut schmecken, sie iennen den Bierkommaiit, aber für hohe Ideale l,litten sie kein Verständnis. Tie Schule müßte sich dem Fortschritt der Zeiten anpassen und den Lehrern sollte es obliegen, durch Vorträge auf die Gefahren des Alkohols hin- zuweiseü. Indessen bringen die Lehrer diesen Bestrebungen zumeist wenig Sympathie entgegen. In humorvoller Weise wies der Redner auf die Verwüstungen hin, die den Trinkgelagen bei Kirmessen und anderen Veranstaltungen, bei denen der Al- tohvl eine Rolle spielt, folgen. Bedauerlich sei es auch, daß verschiedene Li'.ngenheilanstalten Wein und Lier zur Geiundung verabreichen. Alkohol disponiere für Tuberkulose unb erniedrige die Widerstandsfähigkeit der Geivebe gegen Ausnahm. der Tuberkelbazillen. Ein Ausschrvung von Kunst und Wisfenscl-aft sei unter der heutigen Herrschaft des Alkohols nicht möglich. Statt an guter Lektüre finde das Volk Gefallen an sensationellen Tagesereignissen, wie z. B- an der Hinrichtung der Grete Beier, bei der 200 Zuschauer zugegen gewesen feien. Bei den Reichstagswahlen wurde nicht nach sorgfältiger Ucbcrlcgung die stimme abgegeben. Ter B i c r v h i l i ft e r schlage am Stammtisch fvohl mit der geballten Faust auf den Tisch, aber von einem Turckdenken und Turckchringen Der Tinge sei keine Rede. Hilfe müsse unsere Bewegung auch bei den Geistlichen aller Konfessionen finden. Die nwderne Alkoholbcwcgung bedeutet nicht, wie viel Müller oder Schul>e vertragen, welche Wirkung die kleinste Tvs's Alkohol aus oen Organismus ausübt, sondern wie können wir eine Gesundung der Menschheit herbeijiihren und die Schädigungen durch den Alkohol vermindern. „Wir müssen weiter fortfahren, der Nüchternheitsbewegung die Wege zu ebnen, die in den nächsten Jahrhunderten die Welt bcherrsck-en wird."
— Aus dem internationalen Kongreß für historische Wissenschaften zu Berlin sprach u. a- in der Abteilung für die Geschichte des Orients der bekannte hessische Forscher v. Leeoq über Reisen und Arve ne n in chinesisch Turkestan. Er wies daraus hin, daß dort besonders viele Tcinpel- sunde aus dem 9. Jahrhundert zu machen sind- Tort haben Christen, Buddlftsten und Manichäer zur gleichen Zeit gewohnt. Später scheinen sie durch die Ehinesenkriege zu Grunde gegangen hi sein, besonders die. Buddhisten. Tic Landschaft ist troftlos und öde und wechselt stark in der Temperatur. Sehr zahlreiche Handschriften sind dort 'm finden, in chinesischer, türkischer Sprache, Sanskrit usw. Ter Vortrag wurde durch zahlreiv/o Lichcoildcr erläutert.
— Zum Neubau der Berliner Hosoyer erfahrt das „B. T-", daß die Lösung des Problems um ein entscheidendes Stuck


