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BitÜtn 1899. 9 Uür im ißcrcinM mmlung cdllmg: eittW ? Zahlmeisters gntlaftun andes.
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Ter Vorstand. räuber} sich" -M rser Ball r Ättfass 8 Uhr t MN 12 Uhr. Eurfache ’höte im Saal, »ander L6wex*r8e er Güte, tratst “• M belannte Sauer« xntiurt a. M, N Zusicherung prom:
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Ur. 240 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Montag 12. Oktober 1908
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Sletzener KamMenblStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblott für den Kids Stehen" zweimal wöchentlich. Die „eandwlrtschaftltchen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
Rotationsdruck und Verlag der Drühpschen Unwersitäts - Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^O112. Tel.-AdruAnzeigerGießc»
meinen Ansprachen in trefflicher Weise.
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Ncrch zwei Uhr vereinigten sich die Teilnehmer an der demischen Feier int geschmückten kleinen Saal zu einem
Festessen, das Dank dec umsichtigen Vorbereitung und der trefflichen
entwickelt habe, so sei dies nicht zuletzt der zielbewußten Tätigkeit der Gewerbebauk zu verdanken.
Musikvorträge unserer Regimentsmusik umrahmten die ein* en Ansprachen in trefflicher Meise.
oien, Vorlesungen zu halten, durch Lärmen vor den Hör- alen. Ernstere Ruhestörungen sind nicht vorgekommen. Ein Eingreifen der Polizei hat nicht stattgesunden. Außer den Studenten der Universität streiken noch diejenigen des Tech- icologischen Instituts, des Polytechnikums, der medizinischen Mluenhochschule und der Forstakademie, dagegen dauern birt Vorlesungen in der: Instituten der Verkehrsingenieure
politische Tagesschau.
Koloniale Unruhen.
Wie ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg.' meldet, Ist von Gouverneur Dr. Hahl, der in Begleitung von hundert nrlanesischen Soldaten mit dem Regierungsdampfer .Seestern* nach Ponape fuhr, um dort bei den entstandenen Un- :chen helfend einzugreifen, über Jap folgendes Telegramm üiigelaufen: Es ist in Ponape vorerst ruhig, Lage aber ;espannt. Beabsichtige daher, weitere hundert Melanesen als Verstärkung der Polizeitruppe nach Ponape zu senden und jalte für angezeigt, einen Kreuzer vor Penape längere Zeit |it stationieren. — Hierzu heißt es in einem Telegranun der ,flöht. Ztg.": Nach dem Inhalt des Telegrammes ist wohl mzunehmen, daß besondere Ereignisse, wie Angriff auf die ),<gierungsstation und Verwundungen und Ermordungen von Luropäern, bisher in Ponape nicht eingetreten sind. Es hat üaher auch mehr Wahrscheinlichkeit, wie von einer Seite berichtet wird, daß die Unruhen in Streitigkeiten der Eingeborenen -'ihren Grund haben, als daß, wie die „Voss. Ztg.' über San ßranziSko sich melden ließ, Unzufriedenheit und Widerstand gegen die Kopfsteuer vorliegen. Ueber die Absicht, die.Kopfsteuer. in Ponape, wo eine solche bisher nicht bestand, em» jusühren, ist hier nichts bekannt, ebenso liegt über den Grund jii Unruhen amtlich noch kein Bericht vor.
hessischen Unterverbandes der deutschen Erwerbs- und Wirtschafts- genossenschaften, Kommerzienrat Heyligenstaedt als Vertreter des Ortsgewerbevereins, und die Kommerzienräte Koch und Heichelheim als Dertveter der Handelskammer.
Stadtv. L. Petri, dev Vorsitzende des Auffichtsrats, begrüßte mit herzlichen Worten die Ehrengäste uno teilte mit, daß Landgerichtspväsident Güngerich, Genossenschaftsanwalt Crüger, Justizrat Harnier-Kassel, der Vorsitzende des Hess. Unterverbandes, unb Bankdirektor Thorwart-Frantfurt ihr Fernbleiben von der Feier entschuldigt hätten. Er sprach sodann in schlichten Worten den Dank aus, daß die Bank auch fernerhin bleiben und wirken werde wie seither, zum Nutzen für das Gewerbe in unserer Vaterstadt.
Geheimerat Dr. Br ei der t 'teilte dann mit, daß S. K. H. der Großherzog zum heutigen Tage in Anerkennung der gemeinnützigen Tätigkeit der Gewerbebank dem Direktor Loos >as Ritterkreuz 2. Klasse und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Stadtv. Ze tri die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen habe.
Beide Herren dankten fiir die Ordensauszeichnung herzlich, indem sie betonten, daß sie sie als eine Ehrung der Gewerbebank betrachteten.
Der Provinzialdirektor sprach dem Institut in herzlichen Worten bann weiter die Glückwünsche des Kreises und des Kreisamtes Gießen aus mit dem Wunsche, daß es noch viele Jahre weiter blühen möge zum Wohl ihrer, Mitglieder und zum allgemeinen Wohl.
Geh. Justizrat Dr. Gut fleisch hielt dann die Festrede, in der er in lebensvoller Darstellung! an die Geschickte der Bank anknüpfend, die Aufgaben der Schultze-Delitzsch'schen Grundsätze für unser wirtschaftliches und nationales Leben kennzeichnete. Er führtet us, die 50 Jahve des Bestehens der Bank feien, so klein eine solche Spanne Zeit an sich im öffentlichen Leben sei, für die Bank ebenso wie für unser engeres und weiteres Vaterland von ungeheurem Wert gewesen, die große nationale und wirtschaftliche Klväfte entfaltet und vermehrt hätten. Vor allem in politischer Hinsicht. 1867 empfanden die älteren unter uns ben Segen der teilweisen Einigitng des deutschen Volkes und Vatev- landes, der 1870 in naturnotwendiger Entwickelung die weitere Einigung folgte. Die fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war eine Zeit des Strebens in Deutschland, deren Früchte wir uns heute erfreuen. In weiten Steifen herrschte große
Deutsches Reich.
Das Kaiserpaar ist gestern abend, von Westprenßen kommend, auf der Station Wildpark eingetroffen und hat sich nach dem Neuen Palais begeben.
Der liberale Landesverein für Sachsen hielt am 16 anntag seine Landesoersammlung in Freiberg ab. Er forderte die Schaffung einer Neichseinkommensteuer und die 'Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf die direkten Deszendenten. Ferner wurde beschlossen, die Verschmelzung der freisinnigen istolkspartei mit der freisinnigen Vereinigung einzuleiten.
Verbot der Einfuhr von Feuerwaffen. Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht das unter dem 22. Juli 1908 in Brüssel zwischen dem Deutschen Reiche und anderen Staaten vereinbarte Verbot der Einfuhr von Feuerwaffen, Munition und Schießpulver nach einer bestimmten Zone Westafrikas.
wirtung bestens verlief. Ten ersten Trinkspruch brachte in Vertretung des am Nachmittag. dienstlich verhinderten Provinzialdirektors Regierungsrat Weicker aus. Er führte aus, die Gewerbebank sei in ernster und armer Zeit gegründet worden und habe sich allein durch die Intelligenz und Tatkraft ihrer Mitglieder günstig entwickelt. Die zur Feier des Tages herausgegebene Festschrift Hebe ein getreues Spiegelbild der Entwickelung aller Verhältnisse. Erfreulich sei, in einer Zeit, wo so viele alles vom Staat verlangen, daß sie allein auf ihre eigene Kraft vertraut habe, aber dennoch sei auch sie und ihr Gedeihen abhängig vom Staat "unb feiner Verhältnisse gewesen. Deshalb gezieme es sich, auch des Staates unb seines Repräsentanten, S. K. H. des GroßhevzogS, zu gedenken, ^sowie des Kaisers, des Trägers der deutschen Einheit, in deren Schutz die Bank emporgeblüht sei. In das Hoch auf Kaiser unb Großherzog stimmte die Festver- ammlung begeistert ein, worauf die Nationalhymne gesungen: wurde. |
Oberbürgermeister Mecum überbrachte die Glückwünsche der Stadt unb der Bürgerschaft. Er sprach ben tiefgefühlten Dank der Bürgerschaft für die Segnungen aus, die die Bank geschaffen hat. Die Erkenntnis des guten sozialen unb wirtschaftlichen Zweckes der Bank habe sich alsbald in der Bürgerschaft verbreitet und mit» geholfen an der Erreichung ihrer gemeinnützigen Ziele. Zahlengemäß festzustellen sei der Segen ja nicht, den die Geschäftsleute Gießens der Bank zu verdanken haben. Das Glück vieler Familien sei ihrer Hilfe in Fällen unvorhergesehener Schwierigkeiten zu verdanken in einer Fülle, die die Zahlen ihrer Abschlüsse um das hundert- unb tausendfache übertreffe. Mit dem innigen Wunsch, daß sie bis' in die fernste Zukunft iueitcr so segensreich wirken,' möge, trank er auf das Wohl der Gewerbebank.
Stadtv. Eichenauer führte aus, daß man heute sich nur schwer in die wirtschaftliche Lage Deutschlands zurückdenken könne, in der die Bank gegründet wurde, eine Zeit der Armut unb der Verzagtheit. Schulze-Delitzsch führte ans ihr heraus, er verstand die Stunde, sich zum Ruhm unb dem deutschen Volk zum Heile. Schulze ist tot, aber sein Geist lebt, vor allem auch in den Beamten und Angestellten der Bank. In dankbarer Erinnerung an die Großtat des Meisters wirten sie für die Genossenschaft, die auf die Selbsthilfe gegründet ist. Sein Hoch galt dem Vorstand und ben Beamten der Gewerbebank
Direktor Manz betonte in feinem Trinkspruch die angenehmen Beziehungen der Genossenlchaftsabteiluug der Dresdener Bank zur Gewerbebank Gießen. Die Gewerbebank habe sich günstig entwickelt, weil sie stets die Schulze-Delitzschen Grundsätze hochgehalten habe. Die Bedeutung Schplze-Delitzschs fei noch nie bei einer derartigen Feier besser hervorgehoben worden, als durch die glänzende Festrede des verehrten Auffichtsratsmitgliedes Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, durch die die Feier ihm unvergeßlich bleiben werde. Sein Hoch galt dem Auffichtsrat der Bank.
Direktor Loos wies auf die großartige Entwickelung des Genossenschaftsroesens hin. 28 100 Genossenschaften wirken heute nach den Schulze-Delitzschen Grundsätzen für die Volkswohlfahrt. Er hob hervor, daß der erste Fürst, der Schulzes Verdienste um! das deutsche Volk öffentlich anerkannte, unser verstorbener Großherzog Ludwig, IV. war, der aM 3. Mai 1883 einen! Kranz an seinem Grabe niederlegen "ließ. Er dankt« bann den Gästen für ihre Anteilnahme an bet Jubelfeier und, brachte ein Hoch auf sie aus.
Landgerichtsdirektor Bücking sprach den Dank der Gäste für die Einladung aus, gedachte der engen Beziehungen zwischen Genossenschaften und Juristen und betonte Dr. Gutfleischs große Verdienste um die Fortentwickelung der Rechtspflege auf genossenschaftlichem Gebiet. Er wünsche Dr. Gutfleisch als dem ältesten Aüffichtsratsmitglied der Gewerbebank noch lange Jahre segensreicher Tätigkeit im Dienste der Bank und brachte ein Hoch auf ihn aus.
Kaufmann K. Wenzel gab in humorvoller Weise Schil- berungen aus der ersten Zeit der Gewerbebank unb feierte dann Geh. Justizrat Dr. Gulfteisch als ben Schultze-Delitzsch der Bank.
Geh. Justizrat Dr. G u t f l e i s ch lehnte ben Dank für seine Person ab. Wenn es ihm in ben 33 Jahren, die er dem Aufsichtsrat angehöve, vergönnt gewesen sei, im Verein mit ben übrigen Auffichtsraten unb den Vorstandsmitgliebern manches für die Bank zu leisten, fo fyxbe dies nur geschehen können, durch die ihnen aus der Mitte der Bürgerschaft gewordene Unterstützung, die die Einführung von Besserungen stets dadurch gefördert habe, daß sie ben Vorschlägen des Vorstandes und Aufsichtsrats Verständnis entgegengebracht habe. Deshalb wolle er heute der Gießener Bürgerschaft gedenken, die die Grundlage der Bank bilde. Er wohne 44 Jahre in Gießen unb könne nickst alles gutheißen, was geschehen sei, vor allem nicht bie Bierbankvolitik, die sich hie unb da auch in letzter Zeit wieder breit mache. Aber sein Gesamt- urteil Laute, daß die Gießener Bürgerschaft ein ruhiges und sachliches Verständnis dafür besitze für das, was ihrem Wohl zieme. Unb das fei gut fo, beim was helfe alles, wenn es nicht feinen
turb der Zivilingenieure fort.
Nachrichten aus Fez besagen, daß die Bewegung Gunsten Muley Moharneos im Wachsen begriffen ist. Mule^ Hasid hat die Bevölkerung von Fez mit 500000 Pesetas Steuern belegt, angeblich, um Marokko den Franzosen zu cmtreißen. Der spanische Minister des Auswärtigen Allen- bchalazar, der hier eingetroffen ist, sprach fi chdahin aus, daß cc durch seine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Cle- m enceau den Eindruck gewann, die marokkanische Frage sei vollkommen beigelegt.
Vie Jubelfeier unserer Gewerbebank.
Die Feier des fünfzigjährigean Bestehens unserer Gewerbe- bmk, bie am Samstag stattsand, verlief in einer der Bedeutung fe gemeinnützig wirkenden Statuts entsprechenden würdigen Weise. 5He Feier bestand aus einer akademischen Festfeier am Mittag, an bie sich ein Festessen anreihte, sowie einem von den Genossen- sHaftern zahlreich besuchten Festkommers am Abend. Bot letz- '.ner Gelegenheit, sozusagen in breitester Oeffentlichkett die Be- beitung der auf dem Prinzip der Selbsthilfe Gewerbebank darzu- nm, so waren in Ergänzung dazu die beiden ersten Veranstaltungen beftinunt, das Gleiche inbetzug auf die mannigfachen Be- .üchungen zu tun, die bie Anstalt mit den übrigen Faktoren des ößsentlichen und wirtschaftlichen Lebens verbindet. Den Höhe- liintt bet Feier bildete die Festrede des Geh. Justizrats Dr. Wttfleisch, des Mannes, der in Selbstlosigkeit unb treuer Hingebung der Bank seit einem Menschenalter — genau 33 Jahre lomg — als Mitglied des Auffichtsrates seine Hilfe leiht als der „Schultze-Delitzsch" der Gießener Gewerbebank, wie ihn ein an» oeced Mitglied des Auffichtsrats in einer Ansprache beim festlichen Mahl nannte.
Die Feier fand im Steinschen Saalbau statt, der mit Blumen, bet deutschen Fahnen uni» Bannern in würdiger Weise geschmückt torfr. Den Mittelpunkt des Schmuckes bildete beim Festakt Schultzv- D-clitzsch's Büste, so schon äußerlich bekundend, daß die Bank auch fernerhin nach dem großen Grundsätze dies ausgezeichneten Volks- mtmnes geleitet werden soll: „Einer für Alle und .Alle für (üncnr
Der akademischen Feier,
?u bei' Vorstand unb Auffichtsrat vottzühlig erschienen waren, ntahnten ferner u. a. bei als Vertreter der Regierungsbehörde geheimerat Dv. B r e i b e r t unb Regierungsrat Welcker, Land»- aenchtsdivektor Bücking als Vertreter des Landgerichts, Ober» urgermeifter Mecunt als Vertreter der Stabt, Direttor Malz,- träntfurt als Vertreter der Genossenschaftsabteilung der Dresdener tknt, Dr. Bernhard als Vertreter oer hiesigen Reichsbank- ^ckerlaffung, Revisor Dürr von Friedberg als Bertreter des
Stolz auf ihre Tätigkeit zurückblicken könne. Sie habe ihre Aufgaben voll unt> ganz erfüllt und sei, streng an Schulzc-Delitzsch's Grundsätzen feftijaltenb, stets allen an sie gestellten billigen Anordnungen gereckit geworden. Ihre gedeihliche Entwickelung drücke ich in ihren stets steigenden Umsätzen aus. Vor 20 Jahren betrug w 5 Millionen, vor 10 Jahren 11 Millionen und im letzten Ge- chäftsjahr 58 Millionen bei einer Bilanz von 4V» Millionen. Die Bank zählt über 1700 Mitglieder; sie hatte, im letzten Jahr einen Reingewinn von über 100 000 Mk., 450 000 Mk. Reserven und 1000 000 Mk. eigenes Vermögen. So steht bie Bank heute est ba unb er wünsche und hoffe zuversichtlich an ihrem heutigen Lhrentage, baß sie bei fernerem Hochhalten ber Schulze-Delitzsch'- chen Grundsätze weiter blühen werde zum Wohl ihrer Mitglieder und zum Segen der Stabt Gießen.
Kommerzieirvat Koch überbrachte die Glückwünsche ber Han. delskammer Gießen. Die Bank habe ihre günstige Entwickelung dem glücklichen Umstande zu verdanken, daß sie stets eine ver- tänbnisvolle Leitung gehabt hat. Möge dies auch in Zukunft o sein, möge ihr glücklicher! Stern auch in ben kommenden Zeiten ihr treu bleiben, daß sie auch fernerhin als eine bet Ersten unter ihren Genossinnen glänze!
Für ben Ortsgewerbeverein sprach Kommerzienrat Hepli- genftaedt herzliche Glückwünsche aus, zugleich dankend für die tatkräftige Unterstützung beim Ban des Gewerbehauses. Gewerbeverein und Gewerbebank dienen auf verschiedenen Gebieten gleichen Bestrebungen, ersterer, indem er für eine tüchtige Berufsausbildung her Handwerker sorge unb letztere dadurch, daß sie ben’ Gewerbetreibenden mit ber nötigen finanziellen Hilfe versehe, um diese Berufsausbildung erfolgreich betätigen zu können. Er könne nur wünschen, daß diese segensreiche Wechselwirkung auch in Zukunft werter bestehen möge.
Dr. Bernhard beglückwünschte namienS der hiesigen Reichsbanknebenstelle bie Gewerbebank. Sie sei allezeit ihrer Ausgabe gerecht geworden unb habe den Hoffnungen und Erwarttrngen ihrer Mitglieder stets irach besten Kräften entsprochen, lvozu er Direktorium und Auffichtsrat herzlich beglückwünsche. Wenn die hiesige Niederlassung der Reichsbank sich forffchreitend günstig
Unzufriedenheit und viele hätten am liebsten Obevhessen, das dem norddeutschen Bund angehörte, ganz in Preußen aufgehen eben. Eine Anzahl tüchtiger Männer richtete damals eine Petition an Bismarck, in ber sie um die Annexion Oberhessens baten. Diese Petition erreichte ihr Ziel nicht, sie wurde aufgefangen unb ruht wohl noch jetzt in ben Geheimakten bes Ministeriums; es ist bezeichnenb für jene unfertigen unb unbefriedigenden Zustände jener Zeit, in bienen Hessen zwei verschiedenen staatsrechtlichen Verbänden angehörte, daß tüchtige Männer auf diesem an sich älschen Wege bie Urteile ber Einigung erlangen wollten, die >ann auf viel besserem unb naturgemäßerem Wege erreicht worden ind. Was die Einigung Deutschlands bedeutet, hat man an )cr Entwickelung der Bank gesehen, die Hand in Hand ging mit einem Drängen nach Besserung des Rechtszustandes. Damals : herrschte das römische Recht bei uns, das für Gesellschaften schwierig und unsicher war, denn es war für sie weit leichter, Geld auszuleihen, ,a>ls das Geliehene wieder zu beEontmen. Die ausgeliehenen Gelder waren nur klagbar, wenn einzelne Mitglieder des Vorstandes das Geld als von ihnen geliehen in ben Schuld- cheinen verzeichneten und wenn die Bank klagen wollte, mußten amtliche Mitglieder bie Beträge einklagen. Die unter der Herrschaft des 'römischen Rechts bestehende Neigung der Juristen, an ben alten Rechtsformen festzuhalten, wurde durchbrochen burch die Macht bes steigenden Verkehrs, der als naturgemäße Folge der Einigung einsetzte. Dieser steigende Verkehr erforderte andere Grundsätze, die uns ein Mann nahegelegt hat, dem wir heute noch dankbar fein müssen: Schultze-Delitzsch. Der Hauptgrunbsatz den er ausstellte war, daß die Mitglieder zahl einer Genossenschaft oder eines Vereins nicht geschlossen zu sein braucht, sondern nach Zahl unb Zusammensetzung wechseln kann. Weiter stellte er ben Grunbsatz der Teilung der Haftung und ber Beschränkung ber Haftung auf. Seit 40 Jahren besitzen wir das Gesetz über bie (Lrwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, bas auf diesen Grundsätzen beruht. Was wir Schultze-Delitzsch auf diesem Gebiete zu verdanken haben, ist mit Worten nicht auszudrücken. Er vertrat ganz besonders ben Gedanken der Solidarhaft ber einzelnen Mitglieder. Andere Genossenschaftsarten, Genossenschaften mit beschränkter Haftung sind mittlerweile entstanden, aber die Gewerbebank hat mit guten Gründen festgehalten an der solidarischen Haftung aller Mitglieder. Durch diesen Grundsatz wurde bas Maß von Eifer unb Pflichtgefühl in ben Mitgliedern erhalten, das zum Gedeihen der Gewerbebank nötig war. • Aber keiner hat auch eindringlicher vor ben Gefahren ber unbeschränkten Haftung gewarnt, wie Schulze-Delitzsch. Seine Grundsätze bedeuten in dieser Hinsicht bie Wiederaufstellung des altgermanischen Genofsenschafts- grundsatzes der Vertorperung der Einheit durch bie Vielheit, durch die eine Macht entsteht, die der Einzelne niemals erlangen kann. Schulze hat das Genossenschaftswesen herausgehoben aus dem Gefühl, bafj es eine Form der Wohltätigkeit sei. Der einzelne Genosse weiß, daß er ein Recht auf Kredit hat, wenn er den Grundsätzen der Genossenschaft unb ihren statutarischen Bestimmungen nachkommt. Schulze hat uns erzogen zum Grundsatz der Sparsamkeit, zu dem Grundsatz, daß man auch mit Kleinem Erfolge haben kann, ber bei Beharrlichkeit nicht ausbleiben wirb. Er hat ben Arbeitern und Handwerkern bas schöne Wort gesagt: „Wer Euch sagt, daß Ihr Euer Glück machen könnt anders als durch Fleiß und Sparsamkeit, ist ein Lügner!" Er hat uns die Selbsthilfe gelehrt, daß man sich nicht auf Staat und Gemeinde verlassen soll und den -Legen der Selbsthilfe und Selbstverwaltung für unser Volkslebm gepredigt. Diese Grundsätze beherrschen heute segensreich unser ganzes öffentliches Leben. Durch ihr Festhalten an ben Schulze-Delitzfch'schen Grundsätzen hat unsere Gewerbebank ein außerordentliches Anwachsen des Genoffenschaftsvermögens unb der Mitgliederzahl erreicht, ferner die Sickierstellung ihrer Beamten und eine große Anzahl anderer Vorteile. Ihre große Sicherheit wurde geschaffen durch die Korrektheit der Jnstttutton, durch den Grundsatz, daß es mit einem großen Umschlag nicht allein getan ist, sondern vor allem die Solidität gefördert werden muß. Die Selbsthilfe hat das Selbswertrauen der Genossen geschaffen, sie haben ein Recht auf Geld, wenn sie die Bedingungen erfüllen. Ströme finanzieller und geistiger Kraft rollen von ben Genossenschifften in unser Volksleben hinein unb befruchten und stärken bie Volkslraft. Die ganze Entwickelung, bie unser öffentliches Leben genommen hat, wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht durch das Genosseitschaftswesen Selbsthilfe, Kraft unb Selbstvertrauen mitgearbeitet hätten. Auch lvas die Gewerbebank geleistet hat, ist nur diesen Grundsätzen zu verdanken. Am heutigen Tag darf mit Stolz ftstgesteltt werden, daß bie Jahrzehnte ihres Bestehens burch ihre Tättgkeit miterfüUt sind von einer Stärkung bes Vertrauens unb der Volkskraft, daß sie zu ihrem Teil beigetragen hat zur Mehrung des Gedeihens der Nation unb ber Volkskräfte und damit unserem Baterlanbe gedient hat. (Lebhafter Beifall.)
Revisor Dörr brachte bann die Glückwünsche des hessischen Untemrbanbcs unb bes Vorschuß- und Krebitoereins Friedberg. Er kenne durch seine berufliche Tätigkeit die Verhältnisse ber Ge- - werdebank Gießen genau unb könne nut sagen, daß sie mit
Ausland.
Der frühere Botscya>cer Sir Henry Drnm- mond-Wolff ist gestern früh in Brighton gestorben.
Neues dänisches Ministerium: Der bisherige -Minanzminister 9lecrgaarb wird Ministerpräsident und Minister der Verteidigung, Kultusminister Enevold Soeren- sen, Justizminister Hoegoebro; der Verkehrsminister Jensen Loenderruis und der Ackerbauminister Anders Nielsen behalten ihre bisherigen Aemter. Der dänische Gesandte in Lsien Graf Ahlefew-Lauvrig erhält das Portefeuille des Aeußern, Direktor Klaus Berntsen das Portefeuille des Eimern, der österreichisch-uugarische Vizekonsul Johann Hanfes Handel und Schiffahrt, der Regierungspräsident in Aal
borg, Braum, das Portefeuille der Finanzen.
Zum Studenten st reit in St. Petersburg. Die Universität Petersburg wurde gestern wieder eröffnet. Lausende von Studenten versammelten sich im Universitäts- Gebäude. Sie verhinderten die Versuche einzelner Proses-


