Ausgabe 
11.5.1908 Erstes Blatt
 
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nehmen lassen und nachdem heute die Parteien rwchmal« ern- gehend gehört morden luarcu, setzte der Provinzial-Aiisschuß die Entschädigung für das Baugelände auf 1.50 Mk., für das (Vartengclände auf 1 Mk. und für die üvrigen Grundstücke auf 75 Pfg. pro Quadratmeter fest, indem er gleichzeitig erkannte, daß eine Deforrnationsentschädigung nicht zu gewähren sei.

Auch die Mage des Ortsarmenvcrbandes F r a n f f nut a m M a i n gegen den £rUarniciwcrbanb Waller n h a u f c 11 wegen Unterstützung der Elisabeth Dcaumann hatte den Provinzial-Aus- schuß fckion einmal beschäftigt und zwar war damals die Ver­handlung behufs Vornahme weiterer Ermittelungen ausgesetzt wor­den. Die Begründethert der .Silage hängt davon ab, ob die Ehefrau Naumann mit oder ohne Einwilligung ihres Ehemannes von ihm getrennt lebt und ob lic hiernach ihren Unterstützungs- wohnsitz nut ihrem Ehemann teilt oder nicht. Nach Vernehmung des Ehemannes entschied der Provinzial-Ausichuß, daß die Mage kostcnsällig abzuweisen sei.

Landwirtschaft.

= Gießen, 8. Riai. Am Dienstag nachmittag tagten die Vertreter der Groß!). Kreisämter, der Meisveterinärämter und die als Mitglieder der oberhefiifcheir Störtömimntoncii bestellten zerren. Die Suianunenfunft fand statt auf Anregung und Veranlassung des Landwirtschaf tskanuner-Ausschusses für Ober Hessen und das zahlreiche Erscheinen der geladenen Behörden und Personen (un ganzen waren ca. 40 Vertreter anwesend) bewies, daß der Zweck der jufanuncntuiift eine Vereinheitlichung und Ver­einfachung der Körgefchäste herberzuführen, allgemein, gebilligt wurde. Während früher in den einzelnen Kreisen die Körungen für das Herdbuch und den Meis von verschiedenen Kom­missionen vorgenommen wurden und hierdurch die Einheitlichkeit der Arbeit sehr oft gestört wurde, ist eS nach längeren Verhand­lungen zwischen den Kreisämtern und dem Landwirtschaftskammer- Ausschuß erreicht worden, daß in Zukunft in fast allen Kreisen nur eine Kommission tätig i|t und sowohl Aufnahmen für das Herdbuch als auch Körungen für den Meis vornimmt. In der Sitzung verständigte man sich nun über die wichtigsten Grund­sätze, die bei Abwickelung der Körgeschäfte maßgebend sein sollen und faßte folgende Beschlüsse:Die Geschäftsführung bet den Herdbuchkörungen übernehmen die Zuchtverwalter des Land- wirtschaftsfammer-Äusschusses nach Maßgabe der Ihnen behän­digten Instruktion; die Geschäfte der Hauptkörungen (Meis- förungen) führen die beamteten Tierärzte auf Grund des Gesetzes. Letztere haben die Berechtigung auf Kosten des betr. Meises bezw. Staates an den Herdbuchkörungen teilzunehmen, wo ein züchte­risches Interesse für sie vorliegt, der Sekretär des Landwirtschafts­kammer-Aus ,chufies vezw. die Zuchtverwalter haben das Reckst, auf Kosten des Landwirtfchaftskammer-Ausschusses nach Gutdünken den Hauptkörungen beizuwohnen. Die Termine zur Abhaltung von Herdbuch- oder Kreiskörungen sollen nach vorausgegangener Ver­einbarung zwischen Landwirtschaftskammer-Aus,chuß und den KreiSämtern bezw. Meisveterinärämlern festgesetzt werden. Ge­legentlich der Herdbuchkörungen sollen Faseltiere, die den An­forderungen der Herdbuchtiere nicht entsprechen, dagegen zur Verwendung als Zuchttiere geeignet erscheinen, auf Antrag der Befitzer feilens Der Herdbuchkommiision angetöri werden; sie sind mit dem Körzeichen der MeiSkörkommission durch den Geschäfts­führer zu versehen, das Körprotololl ist sofort dem Bureau zwecks Weitergabe an das Meisveterinäramt bezw. MeiSantt vor­zulegen. Umgekehrt sollen gelegentlich der Kreiskörungen Fasel­tiere, die den Anforderungen der Herdbuchtiere entsprechen, von der Kreiskörkommission für das Herdbuch angetört werden dürfen. Sonderkörungen find von dem Mitgliede Der Körkorn- mission vorzunehmen, das dem Standorte des zu besichtigenden Tieres zunächst wohnt: Der beamtete Tierarzt kann jedoch solche Sonderkörungen überall da vornehmen, wo sie sich in Verbindung mit anderen Amtsgeschäften ohne Verteuerung ausführen lassen. Die Herdbuchkörungen sollen im zeitigen Frühjahre, die Meis- torungen im Herbste vorgenommen werden. Die Anforderungen, die hinsichtlich Alter, Abstammung und äußerer Erscheinung der Zuchttiere zu stellen sind, wurden eingehend geprüft. Der Land- wirtjckstlftskammer-AuSfchuß soll die Zuchtziele für die einzelnen Viehgattungen in Wort und Bild den tätigen Kommissionsmtt- gliedern veranschaulichen, so daß eine einheitliche Beurteilung Der Zuchttiere in Der Provinz hierdurch verbürgt wird. Als weiterer wichtiger Beschluß sei noch erwähnt, daß den Gemeinden, die sich auf Grund des KörgesetzeS zur Durchführung der Reinzucht- methode entschlossen haben, auferlegt werden soll, nur solche Fasel­tiere anschaffen zu Dürfen, für die ein amtlicher Nachweis für die reinrassige Abstammung erbracht werden kann. Ferner sollen in Gemeinden mit doppelter Zuchtrichtung Herdbuchkörungen nur für die vorwiegendste und anerkannt berechtigte Viehrasse ab- gehalten werden und Die Gemeinden, in welchen schon Kör- termine für zwei Rassen abgehalten worden sind, sollen sich entscheiden, für welche Rasse künftig .Störtermine abgehalten werden sollen. Als Altersgrenzen bei der Ankörung von Faseltiercn wurden angenommen:

1. bei Simmentaler Bullen 1516 Monat;

2. bei Vogelsberger Bullen 1718 Monat;

3. bei Edelschweinebern 78 Monat;

4. bei Ziegenböcken 67 Monat.

Die Verhandlungen Dauerten bis gegen 5 Uhr und wurden von dem Vorsitzenden des Landwirtschafiskammer-Ausschusses, Herrn Korell-Angenrod geleitet.

V 0 m Schotiener Zuchtvieh markt. Am Mitt­woch, 6. Mai, fand in schotte» eine Beratung über den in Ver­bindung mit dem Sdjonener Prämienmarlte am 3. Pfingstfeier- tage staltsindenden Zuchtvieh markt für Bo g e l s b e r g e r Rindvieh und S a a n e n z i e g e n statt. In Züchterkreisen wurde das Bedürfnis für einen derartigen Markt schon lange empfunden, beim es fehlten seither für Die Vogelsberger Zucht Einrichtungen, die den Absatz von Zuchtvieh erleichterten, eine bessere Verwertung des reingezüchteten Materials ermöglichten und den Käufern eine bequeme und zuverlässige Ankaufsgelegen- heit boten. Namentlich hörte man im Vogelsberger^ Zuchtgebiet häufig Klage darüber führen, daß es mit großer Schwierigkeit verbunden sei, rassereine und gutgebaute Vogelsberger Stühe und Rinder direkt vom Züchter erhallen zu können. Der Schottener Zuchtviehmarkt soll diesem UcbelftanD abhelfen und sowohl den Privatzüchtern den Bezug von weiblichen Zuchtvieh als auch nament­lich deii Gemeinden den Ankauf von reinen Vogelsberger Bullen ermöglichen. Die Sitzung war vom LanDwirtschaftskamuier-Aus- schuß für Lberheffen einberusen. Der auch Den Markt einrichten wird unD zu seiner Durchführung einen Zuschuß in Höhe von 300 Mark bewilligt hat. ES beteiligten sich Daran: Kreisamt­mann Haberkorn als Vertreter DeS Kreisamles schotten, Bürger­meister Stromm und Mitglieder des städtischen Aiarktkömitees als Vertreter Der Stadt Schotten, Die vom Bezirlszuchtverein Schotten ernannte Zuchtviehmarltkommiffion, Regierungsrat Dr. Aierck als Vertreter des Bezirkszuchtvereins Gießen unD einige Vertrauensmänner Der Landivirlschafiskammer: als Vertreter Des Landwirtschaftskammer-AuSschusses für Oberhessen war Sekretär Schwarz-Alsfeld antoefenb. Man verständigte sich über die Markt­ordnung, Die nach längerer Besprechung endgültig festgesetzt wurde; dieselbe soll in Den MreUülättcrn betannt gegeben, werden und das Publikum über den Eharakter des Marktes aufklären. Als wichtigste Bestimmung Derielbcn fei hervorgehoben, daß auf dem Zuchtviehmarkt nur Tiere z-ngelassen werden, Die ui das Herdbuch ausgenommen sind oder von Herdbucheltern abftammen und als eingetragenes Jungvieh gekennzeichnet wird. Die Korscheine bezw. amtlichen Abstammungsnachweife müssen über Herkunft Der Tiere Auskunft geben. Um Die Züchter zur Beschickung des Marktes anzuoegeil, soll den Marttbcichlaern, Die ihr Vieh auf dem Äiarkte nicht abfetzen können, eine Wegvergütung in Hohe von 2 Mark für das Stuck Vieh und Wegestunde ^einfache Entfernung von Schotten gerechnet oder bei Bahnbenutzung Die bezahlte Bahn­fahrt bis zum höchsten Betrag von 6 Mark verwilligt werden. Die Marlliiere müifen bis zum 23. Mai bei Den örtlichen Ver­trauensmännern angemelDei werden, die sie, wend sich lein An­stand ergibt, in eine Liste eingetragen und dem Landwirtschafts- kommer-AuSichuß mitteilen. Aus den Anmeldungen wird ein Marktverzeichnis zusammengestellt, daS an Interessenten versandt und gelegentlich des MarlnS icilgeboien wird. Die Käufer wer­

den sich also schon im Voraus ein Bild über den Auftrieb des Marktes machen und Tiere auS ihnen als gut bekannten Zuchten zum Kaufe vermerken können. Die Stadt Schotten unterstützt das Unternehmen dadurch, das; sie für den Zuchtviehmarkt den oberen cingcyäunten Teil des Marktes reserviert iiiid entsprechend berriditct, sich an Den Vorbereitungen des Marktes beteiligt unD zur Prämiierung von Vogelsberger Zuchtvieh, wie in jscn früheren Jahren, Preise aussetzt. Sache der Vogelsberger Züchter wird es nun sein, durch rege Jnanspruchilahme der geplanten Ver­anstaltung dazu beantragen, daß Der neue Zuchtviehinarkt eine dauernde Einrichtung wird und die Zilchtbestrebungen unserer Pro­vinz fordert.

[] Marb u r g, 9. Mai. Die S t r a i k a m m e r verurteilte den jugendlichen Arbeiter Friedrich S ch e 11 b e r g aus Frankenau, der am Abend des 19. März beim Kaufmann Katzensteut heunlicher Weise sein Nachtquartier unter dem Bette des Dienstmädehens aui- geschlagen halte, wegen Hausfriedensbruchs zu 14 Tagen Gefängnis. Ter Unvorsichtige hatte sich damals dadurch verraten, daß ei- den Schlüsselbund zu den übrigen Schlafzimmern an sich nahm. ___________________________________

Tttrche unS Schule.

Gemeinsame Erziehung i ti H e s s e n. Bei uns in Hessen ist bekanntlich die Zulassung der Aladchen zu den höheren Knabenschulen durch einen Atinisierialerlasz emgeiührt, der Die Mädchen prinzipiell von Schulgeldermäßigungen und Freistellen ausjchloß. Ta die Resultate überaus günstig sind, hofft man, daß die Regierung auch den Aiädchen Freistellen soivie die Ermäßigungen gemähien wird, die für die zweiten und dritten Kinder der gleichen Familie gewährt werden.

Jii dem kürzlich veröffentlichten preußischen Ak i n i st e r i al­ert a ß über Die Eins ü h rung des biologischen Unterrichts begrüßt dieDeutsche Tageszlg." mit Befriedigung die Hervorhebung des Gedantens, daß es sich bei dem in Aussicht genommenen biologischen Unterricht darum handle, Interesse für biologische Betrachtungsweise zu wecken und den Sinn für eigene Beobachtungen in dieser Richtung anzuregen.Tas sollte über» jaupt das Ziel des gesamten naturivisfenschaftlichen Unlerrichts ein. Unsere Schüler sollen in erster Linie sehen und beobachten erneu. Daran fehlt es nach unseren Erfahrungen vielfach im ge- amten naturwissenschaftlichen Unterrichte (ja m unferm Schul­unterricht überhaupt. D. Red.). Die Schüler lernen allerhand Systematisches; aber ihre Augen werden nicht geöffnet für die tatsächlichen Tinge imd Verhätlnisse ui der Natur. Wir haben Schüler kennen gelernt, Die in den Naturwissenschaften nach den Schulzeugnissen Tüchtiges, ja Vorzügliches leisteten, aber nicht recht imstande waren, eine Tanne von einer Fichte oder Den Haier vom Weizen vor der Aehrenbildnng zu unierseheiden. Der Aiimster hat ganz recht, wenn er bei der Einführung des biologischen Unterrichts vor der knöchernen Systematik und vor der Betonung des Gedächtnismäßigen luarm. Ebenso sind wir damit einver­standen, daß der bwlogtsche Unterricht möglichst Dem anderen naturwisfenschafllichen, insbesondere dem chemischen und physika­lischen angegliedert iverben soll. Tie Häufung von Unterrichts- gegensländen ist ein pädagogischer Fehler. Je größer Die Zahl Der Facher wird, um jo näher liegt die Gefahr der Zersplitterung uni) Des Halbwisteus. Gewiß wird Der b iologische Unterricht, wenn er zweckmäßig gestaltet und behandelt mtrD, ferne Vorteile haben; aber diese Vorteile würden ohne Frage uon den Nachteilen über­wogen werden, wenn der Schüler dadurch ivieberunt zersplittert und überbürdet würde, wenn es nicht gelingen sollte, den neuen Unterrichtsgegenstand mit dem Ganzen organisch zu verbinden und ihn lebendig zu machen. Gerade für den biologischen Unterricht gilt in besonderem Maße Die allgemeine Regel, daß es nicht darauf ankomme, den Kopf des Schülers mit allerhand unverdaulichem oder schwerverdaulichen Wissen vollzupfropfen, sondern seine Augen für die eigenen Beobachtungen zu schärfen und sein Verständnis für das Leden der Natur zu wecken."

HttnSel.

Konkurs S i e g m u ti d Friedberg in Berlin. Vor Dem Amtsgericht stand in der Angelegenheit dieses Konkurses ein Prüfungstermin an. Es stehen nach Den vom Konkursverwalter gemachten Alitteilungen anerkannte Fordernngeii von rund 3/2 Mill. Mk. Atnva gegenüber, die die Verteilung einer Dividende von noch nicht 7-//o ermöglichen.

Dynamit Akt. - Ge s. vorin. Alfred Nobel A k t. - G e s. in Hamburg. Tie Gesellschaft beru't ihre ordentliche Haupt­versammlung auf den 25. Mai ein, in der u. a. auch über die Erhöhung des Grundkapitals um 3 Mill. Mk. auf 12 Mill. 9Jlf. Beschluß gefaßt werden soll, durch Ausgabe von 3000 Aktien zu je 100U Mk. und zum Kurse von 185,64" 0 mit Dwidendenberechtigung ab 1. Januar 1908.

Vermischtes.

* D i e neue B a rttracht. DasWiesbadener Tagbl." enchielt dieser Tage folgcnDe Anzeige: Der Kaiser kommt!!! Die Barttracht Sr. sJJiaje|tät ist nicht mehr steil nach oben ge­richtet, sondern mehr seitwärts mit gebogener Spitze. Meine geehrten Herren und Patrioten, wenn Sie diese Barttracht erreichen wollen, kaufen Sie eine Tube Kaiser-Bartkreme für 40 Pfg. bei Hoffriseur W. S. . . . ., B . . . str. 4. Der Preis von vierzig Pfennig für die patriotische Umwandlung der Bart­tracht erscheint und ganz angemessen.

* Der Bieh-König von Australien beim König von England. In Begleitung seiner Frau, seines Sohnes und dreier Töchter kam dieser Tage Sydney Kidman in London an. Kidmau, derVieh-König von Australien", wird' von König Eduard empfangen werden, welchem er vor einiger Zeit wunder­bares australisches Zuchtvieh zum Geschenk gemacht hat. Kidman, der einen Palast in Kapunda, ungefähr 50 Meilen von Adelaide entfernt, bewohnt, verdiente im Alter von 14 Jahren 10 Shilling pro Woche, indem er mit Hilfe seines einzigen Pferdes Lebens­mittel nach der Broken Hill Mine beförderte. Durch unermüd­liche Arbeit hat er es dazu gebracht, der reichste Manu von Australien unD wahrscheinlich einer Der Reichsten des britischen Imperiums überhaupt, zu werden. Au 50 000 englische Quadrat- mcilen Land sind sein Eigentum, und darauf weiden 100 000 Stück Vieh und 10 000 Pferde.

* Auf dem Chicagoer Getreide markt steigt Weizen immer mehr. I. Ogden Armour, der Besitzer der großen Chicagoer Schtachthöfe, hat den Gesamtvorrat an Weizen in Chicago aufgetauft, und da zurzeit kein Weizen auf dem Markte ist, schnellen die Preise unnatür­lich in die Höhe. Das Armour'sche Börsenmanöver wird in Geschäftskreisen stark verurteilt, und man hofft mit Hilfe von Zufuhr aus dem Westen und Unterstützung Ütewyorker Rapitals die Preise bald wieder auf ihren normalen Stand zu bringen.

*DiesreuuDlicheuFluruachbarn. Frau A.:Sie glauben nicht, Frau Inspektor, was unsere Flurnachbarn für liebenswürdige Leute sind. Neulick> erzähle ich ihnen. Daß wir gern ziehen möchten, wenn der Umzug nur nicht eine so kostspielige Sache wär'. UnD Da erboten sie sich sogar. Die Umzugskosten zu tragen."

Offener Vries an Herrn Oberlehrer Vr. Strecker, Vad Nauheim.

Sehr geehrter Herr Doktor!

Gestatten Sie, Daß ich, obwohl schon so lange Zeit verflossen ist, noch einmal auf Ihren Karfreitagsartikel zurückkornme. Mir fehlte bisher schlechterdings die Zeit dazu; aber es scheint mir doch unerläßlich, es zu tun.

Sie haben dort Die Karsreitagsgefchichte eineLegende" ge­nannt, und ihr damit Die geschichtliche Wahrheit abgesprochen.

Hätten Sie sich nicht sagen müssen, Daß Sie mit diesem Ausdruck viele ärgern und in ihren heiligsten Ueberzeugungeu kränken werden, daß Sie damit das vei unglimpsen, was vielen der einzige. Trost und der Halt ihres Lebens ist? Ich bin von Ihnen überzeugt, daß Sie das nicht wollten. Sie haben nur an die gedacht, Die mit Ihnen ungesähr aus demselben Standpunkt stehen, und wollten auch ihnen zu einer Art Karfreitagsstimmuug helfen' Ob Sie Das erreicht haben, weiß ich nicht; Daß aber das Aergeruis von nicht wenigen treuen Seelen stark empfunden worden ist, weiß ich.

Aber noch etwas anderes hat mich befremdet. Ich hätte doch nicht gedacht, daß gerade Sie als Historiker, von dem man eine genaue Kenntnis des Standes der Forschung erwarten darf, das Recht in sich finden würden, die Ungefchichtlicksteit der Kreu­zigung Jesu so einfach als ausgemachte Tatsache vor allem Volk hinzustellen. Sie wissen doch recht gut, daß gerade unsere be­deutendsten Geschichtsforscher darüber anders urteilen als Sie. Sie wissen ebenso gut, daß es überhaupt nicht in erster Linie Ge­schichtsforscher waren, die Die Geschichtlichkeit Der Kreuzigung, und Die Person Jesu überhaupt, bezweiselteu, sondern Denker, Die weniger Durch die Untersuchung Der biblischen Berichte, als durch allgemeine Erwägungen zu ihrem Schluß gesührt wurden. Das Kreuz paßt chnen nicht in die sonstige Weltanschauung also weg damit! Irre ich nicht, wenn ich annehme, daß auch bei Ihnen der Philosoph mit dem Historiker durchgegaugen ist? Ich weiß ja wohl, welche Schwierigkeiten, die biblischen Berichte den Bemühungen, ein einheitliches, klares Bild jener Vorgänge zu gewinnen, bereiten. Die unbefangene Geschichtsforschung hat dennoch daraus keinen Anlaß genommen, den Herrn Jesus und fein Kreuz aus der Reihe der geschichtlichen Erscheinungen zu streichen. Es hätte von den oben berührten Erwägungen ganz abgesehen dieser Sachlage besser entsprochen, wenn Sie mit Ihrem persönlichen Urteil etwas zurückhaltender gewesen wären.

Ich habe nicht die Absicht, mich auf die Frage selbst eiuzulafsen; noch weniger, in eine Erörterung über die Bedeutung des Kreuzes für uns einzutreten. Ich meine aber allerdings, daß ein Monn, der gewohnt ist, mit Tatsachen zu hantieren und sie zu respek­tieren, wie man es von einem Historiker erwarten Darf, die unbestreitbare Tatsache, daß von dem ftreus Christi Ströme des Segens, der Kraft, des Aiutes, der Opferwilligkeit, der Liebe in Millionen und aber Millionen von Herzen ausgegangen sind, auch nicht so ohne weiteres beiseite schieben dürfe. Was die Ge­schichte der Christenheit daran in Wort und Lied und Tat bezeugt, ist viel zu groß und gewaltig, als daß man es so einfach als Aberglaube und Rückständigkeit abtun könnte.

Sehr geehrter Herr Doktor! Ich erwarte keineswegs, daß meine Ausführungen an Ihrer Stellungnahme etwas ändern werden. Aber ich schätze Sie viel zu sehr als einen aufrichtigen und redlich strebenden Menschen, als daß ich nicht hoffte, daß Sie dadurch vielleicht veranlaßt werden, zu prüfen, ob diese Tinge nicht zu ernst und zu tief sind, um eine derartige feuilletonistische Behandlung zu vertragen, und ob nicht eine Derartige Behandlung Die Gefahr bringt, mehr zu sagen, als man eigentlich ver­antworten kann.

In aller Hochachtung ergebens!

Gießen, den 9. Mai 1908. v. Schlosser.

Mai

Weller

1908

HO

Temperatur am 9.

Höchste

Niedrigste

9.

W WNW SSW

15,4

13,6

12,4

746,8

747,3

749,8

4- 15,8 0 C.

+ 11,8" C.

11,0

10,8

9,5

9 CD

Meteorologische Beodtichtttugen

der Station Gießen.

Regen

BeD. Himmel Sonnenschein

bis 10. Mai

M 10. =

FasniUen-Ncrchrichten.

Gestorbene: Frau Elisabetha Möbs, geb. Rolh, in Bad Nauheim. Frau Elise Stier, geb. Müller, m örieDberg. Herr Alexander Kumpi, Herr Heinrich Kalbfleisch IV., beioe m Schlitz. Herr Albert Sorg in Bonbadeu. Herr Johann pne - rlch Bierail m Garbenheim. Frau Marie Eucker, geb. Hena, tn Marburg.

Handel

90.901 Elektriz. Lahmeyer

3-o Portugiesen

111

Berliner Börse, 11. Mai. Anlangskarse.

. 218.00

. 111.90

4^0/0 russ.Staatsanl. 1905 4/2'/o japan. Staatsanleihe 4% Conv. Türken von 1JU3

. 154.80

. 124.00

. 231.20

. 61.40

138.50

20770

23.10

94. jO

3^°/c 3%

3/ä °/c 3% W/t 3^°/c

Harpener Bergwerk Laurahütte i.uinbardeu E. B. Nordd. Lloyd . . l iirkeulose . . .

. 149.20

. 49.05

. 85.00

. 65.50

. 95.50

122.50 109.75 205.00

193.00 109.30 198.40

208.00

95.10 100.50 161.30 124.20

231.20 135.50 174.40 138.25 197.75

81.25

90.85

81.30

90.75

91.50

98.60

99.30

93.35

103.90

60.80

62 40

94.75

86.80

95.00

Canada E. B. .

Darmstädter Bank .

Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: fest.

87.30

178.00

23 25

149.20

Elektriz. Schlickert .

Eschweiler Bergwerk . Gelsenkirchen Bergwerk Hamburg - Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . Laurahütte.....

Nordd. Lloyd . .

Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. .

Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-

EisenLahn ....

Gottbardbahu .... Lombard. Eisenbahn . Uesterr. Staatsbaün . . Pnnce-Heuri-Eisenbahu

Reichsanleihe do.

Konsole . . do.

Hessen . .

Oberhessen

Türkcnlose.....

4% Gricch. Monopol-Anl.

4 % äussere Argentinier öu/0 Mexikaner . .

4>au/0 Chinesen . . .

Aktien:

Bochum Guss ....

Buderus E. W. . . .

1 enden -,: fest.

4% Uesterr. Goldrente. . 4l/6 % Uesterr. Silberrente 4;0 Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . .

3-o Portugiesen Serie I

Telefonäscäie Kursberichte des Giessener Anzeigers, niitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse, 11. Mai, 1.1» Uhr.

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Farbige Crigitmlrnbierungen sranzös. Künstler. Eintritt freu__

Hervorragend bewährte Nahrung.

Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an

Verdauungsstörung.

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