Hinderlich gewesen Ware, sondern HLben diese Interessen nach Mög- lichkcit unterstützt. Daß wir nicht gezögert haben, diese Haltung einzunehmen, betone ich ganz besonders gegenüber dem Abg. Speck. Zu meinem Erstaunen und zu meinem Bedauern hat Abg. Speck vorgestern behauptet, daß wir erst sehr spät und erst nach längerem Zögern unseren Platz an der Seite Lesterreich-Ungarns eingenommen hätten. Wenn ich dem Abg. Speck Einblick in die Akten gewähren würde, in meine Instruktionen und in meine Erlasse, würde er gewiß zugeben, daß dieser Dorwurf unbegründet und ungerecht war. ES war eine natürliche Folge der von uns Oesterreich-Ungarn gegenüber eingenommenen loyalen Haltung, daß ich dem russischen Minister deS Acußeren Herrn Iswolski keinen Zweifel darüber lassen konnte, leinen Zweifel darüber lassen durfte, daß wir uns in der Konferenzfrage nicht von Oesterreich-Ungarn trennen würden. Im übrigen begegneten wir uns, Herr Iswolski und ich, in der Ueberzeugung. daß die deutsche Politik keine Spitze gegen Rußland haben sollte und umgekehrt, daß die alten traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Reichen aufrechterhalten bleiben müßten. (Lebhafter Beifall rechts.) Herr Iswolski hat mir auch bei diesem Anlaß wieder versichert, daß keine weder offene noch geheime russisch-englischen Abmachungen bestünden, die sich gegen die deutschen Interessen richten könnten. (Hört, hört! rechts.) M. H., die ita lien i sch e Politik wird ähnlich wie die deutsche durch ihr eigenes Interesse «zu einer vermittelnden Haltung geführt. Das hat in seiner neulichen Rede der bewährte italienische Minister des Aeußeren Herr Littoni eingehend dargelegt.
Ich habe die Zuversicht, daß es möglich sein wird, den Gegensatz, der sich in jüngster Zeit zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien gezeigt hat, ebenso wieder auszugleichen, wie dies früher in vielen Fallen geschehen ist. Ich sehe nicht ein, warum es nicht möglich sein sollte, die österreichisch-ungarischen und i t a l i e n i s ch e n I n t e r e s s en in Einklang zu bringen. Jedenfalls Bin ist davon überzeugt, daß Italien ein großes Interesse daran hat, Ivie mit Deutschland, so auch mit Oesterreich-Ungarn verbündet zu sein. (Sehr richtig! rechts.) Einer der größten ^Diplomaten, dem ich in meinem politischen Leben begegnet bin, der Graf Nigra, aus der Schule des genialen und großen Cavour, hatte in den sechziger Jahren daS junge Königreich Italien mit Erfolg in Paris vertreten. Er war ein glühender Patriot und sagte mir kurz vor seinem Tode, es mutz im Jahre 1902 oder 1903 gewesen fein: «Italien kann mit Oesterreich entweder, nur verbündet oder verfeindet sein. Ich glaube nicht, daß diejenigen «S gut mit Italien meinen, die ihm zu Abenteuern raten, die die große Zukunft und die erfreuliche Entwicklung des Landes in Frage stellen würden." (Sehr richtig! rechts.)
Auf diese erfreuliche Entwicklung hat vor drei Tagen mein verehrter Freund, der italienische Minister. G i o l i 11 i, hinge- wiesen, der an dieser Entwicklung und an diesem Aufschwung selbst teifgenemmen hat; und mit Recht.
Giolitti hat bei diesem Anlaß auch die segensvolle Wirkung deS Dreibundes hervorgehoben, der den drei durch ihn verbündeten Reichen — und ich füge hinzu — ganz Europa eine lange Periodedes Friedensund deS steigenden Wo hl- sian de S gesichert hat. (Sehr richtig!) M. H., waS unser Verhältnis zu Frankreich angeht, so birgt das marokkanische Problem noch mancherlei Schwierigkeiten in sich. Ich hoffe aber bei dem auf allen Seiten vorhandenen guten Willen, daß es möglich sein wird, wie in der An- erkennungsfrage, so auch bei etwa noch auftauchenden aubcrcuPro- blemen, zu einer Verständigung zu gelangen. Der Zwischenfall mit den Deserteuren in Casablanca ist einem Schiedsgericht überwiesen worden. Bei der Besprechung dieses Zwischenfalles hat gestern der Vertreter der äußersten Linken Angrifse gerichtet gegen unsere Konsularbehörden wegen des Schutzes, den sie den Deserteuren haben zuteil.werden lassen. Damit stellte der Abg. Scheidemann sich auf den Standpunkt, den in Frankreich gerade die nationalistischen und militaristischen Organe eingenommen haben. (Hört, hört!) Wenn c5 sich um deutsche Vorgänge, um deutsche Verhältnisse handelt, so ist der Abg. Scheidemann doch nicht gerade militärfreundlich. Wenn e5 sich aber darum handelt, ' die eigene Politik anzugreifen und der Politik des eigenen Landes Schwierigkeiten zu bereiten, so überkommt ihn ein militärischer Geist, von dem ich nur wünschen kann, daß er ihm auch bei Beratung de§ Militäretats treu bleiben möge. (Heiterkeit und Sehr gut!) lieber die Unterbreitung des Zwischenfalles in Casablanca an daS Schiedsgericht möchte ich Nachstehendes sagen: So lange wir annehmen mutzten — und das will ich zu den Ausführungen des Abg. Wiemer hervorheben —, daß unzweifelhaft Eingriffe der französischen Organe in unsere Konsulargewalt Vorlagen, mutzien wir an der Forderung, daß die französische Regi-rnng ihr Bedauern über die Eingriffe ihrer Organe ansspreche, zur Wahrung unserer Konsulargewalt festhalten und darauf bestehen bleiben, daß eine solche Erklärung der Uebcrweisung an ein Schiedsgericht vorausgehe.
Als aber ein französischer, mit eingehendem Material versehener Bericht ankant, nachdem die für solche Eingriffe in Betracht kommende Tatfrage streitig war, konnte für uns lnlligcrweise kein Grund mehr bleiben, jene französische Erklärung vor Feststellung des Tatbestandes durch ein Schiedsgericht zu verlangen. Worauf es nunmehr ankam, war, den diplomatischen Streit formal in einer der Würde beider Teile entsprechen- den Weise zu erledigen. Das ist durch die von uns gewünschte und vereinbarte Formel geschehen, in der beide Regierungen vorweg ihr Bedauern auSsprechen und die Feststellung dcö Tatbestandes und der weiteren Rechtsfragen einem Schiedsgericht überlassen. Man hat bei diesem Anlaß in der Presse wieder von einer Niederlage der deutschen Politik gesprochen. Ich glaube, daß die verständigen, vernünftigen, friedliebenden Elemente in beiden Ländern nut dieser Regelung zufrieden fein können und sehe in der gefundenen Lösung einen Sieg der Vernunft. (Beifall rechts.) ES macht sich bei unS, wie auch anderswo bei solchen Anlässen eine Heber»
s ch Stzu n g der ,^^-^nren Prestige» Politik geltend. Gerade so wie eS Frauen gibt, die lerne ©djnunte brauchen (Heiterkeit), gibt eS auch Länder, die stark genug sind, um zu ihrem eigenen Vorteil auf eine kleinliche und unfruchtbare Prestige- Politik verzichten zu können. Suchen wir unseren Vorteil, suchen wir unsere Ehtt in der Erhaltung der Fundamente der deutschen Machtstellung und in der Wahrung der Zukunft deS deut- schen Volkes, nicht in Eitelkeiten und Flitter. Als erfreulich betrachte ich eS mit Herrn Bassermann, daß die Entwicklung der orientalischen Frage zwischen der deutschen PolUik und der französischen Politik nicht nur keine Gegensätze hervorgerusen, sondern manche Berührungspunkte geliefert hat. In den Vorbesprechungen, wie bei mehreren diplomatischen Demarchen, haben beide Regierungen die deutsche wie die französische, Verständnis für diesen günstigen Umstand gezeigt. — Heber daS Abkommen, das die bereinigten Staaten und Japan über ihre pacifischen Interessen abgeschlossen haben, will ich daS Nachstehende sagen: „2er Inhalt dieses Abkommens ist uns von den Vertretern der beiden beteiligten Mächte amtlich mitgeteilt worden. Wir haben aus dieser MitteHung ersehen, daß die neue Vereinbarung durchaus im Einklang ist mit den Prinzipien, die der deutschen Politik im fernen Osten zugrunde liegen. Das sind die offene Tür auf wirtschaftlichem Gebiet, der Statusguo in den territorialen Verhältnissen und die Integrität und Unabhängigkeit des chinesischen Reiches. Wir haben keinen Anlaß, ein Abkommen anders als mit Sympathie zu betrachten, das eine neue Stütze dieser Prinzipien und damit eine weitere Garantie der friedlichen Entwicklung im fernen Osten bildet. Gegenüber der Ansicht, als wäre Deutschland durch das japanisch-amerikanische Abkommen unangenehm berührt oder gar auSgeschaltt worden, will ich daran erinnern, daß wir selbst feit langem ein ganz ähnliches Abkommen mit Japan besitzen. Japan ist dem deutsch-englischen Abkommen von 1900, in dem die Grundsätze der Achtung der beiderseitigenVer- Iragsrechte des territorialen Statusquo und der Politik der offenen Tür ausgesprochen sind, ausdrücklich durch Notenaustausch beigetreten. , .... ...
Von unserer Ausschließung ist also in Osta^en so wemg die Rede wie in der Türkei oder anderwärts. Was die bedauerlichen Exzesse in Prag und anderen Orten der österreichisch-ungarischen Monarchie betrifft, so haben unsere Vertreter sogleich die erforderlichen Schritte getan, um festzustellen, ob und inwieweit deutsche Reichsangehörige dabei beteiligt oder zu Schaden gclommen sind, und um sich zu vergewissern, daß diesen deutschen ReichSangehörigen der nötige Schutz in gebührendem Maße zuteil wird. Darüber hinaus un§ in die inneren Vorgänge, Gegensätze und Streitigkeiten eines fremden Landes einzumischen, würde ebenso sehr den deutschen Interessen widersprechen, wie den festen Geleisen, die gerade in dieser Beziehung Fürst Di'marck der deutschen Politik vorgezeichnet hat. Mit Recht hat mein Herr Vorredner darauf bingewicsen, gerade weil wir nicht wünschen und nickst erlauben, daß sich andere in unsere Verhältnisse einmischen, müssen wir auch in dieser Beziehung Zurückhaltung üben und Vorsicht an den Tag legen. (Sehr richtig! rechts.)
Ich komme noch einmal zu dem Ausgangspunkt meiner Ausführungen, zu der Lage im nahen Orient zurück. Wenn sich die englische Politik in neuerer Zeit sehr freundlich zu der Türkei gestellt hat, so sind lvir die ersten, die Grund haben, sich darüber zu freuen. Wir wünschen eine gesunde Türkei. Wenn England dasselbe anstrebt, so kann das den Beziehungen zwischen Deutschland und England nur zugute kommen. Deutschland und England führen in Konstantinopel gar keinen Konkurrenzkampf und brauchen sich dort gegenseitig nicht auszuschließen. Heberhaupt schließe ich mich ganz dem cm, was der englische Premierminister ASquith kürzlich über den Geist gegenseitigen Wohlwollens im Verkehr zwischen Deutschland und England gesagt hat, ich bin auch ganz der Ansicht, die der englische Minister des Aeußern, Sir Edward Grey, ausgesprochen hat, daß eine Konferenz über Balkanfragen ein starkes Beruhigungs. oder ErregungSmittcl sein könnte. Dir wünschen, daß sie als ein VeruhigungSmittel wirken möge und hoffen, daß der europäische Friede nickst gestört werden wird. Diejenigen, die vielleicht Neigung hätten, ihn zu stören, sind zu schwach, und die- jenigen, die eS könnten, haben keinen Grund, es zu wollen. Ich wiederhole: Hnfere Politik i st einfach und klar. Wir werden die deutschen Interessen wahren, unseren Verbündeten und Freunden zur Seite stehen und in Hebereinstimmung mit diesem hohen Hause, in Hebereinstimmung mit dem deutschen Volke, alle auf die Erhaltung und Forderung des Friedens gerichteten Bestrebungen unterstützen. (Beifall.)
Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.)
kann sich in der großen Bewegung, die der Schluß der Rede des Kanzlers im Hause auslöst, anfangs nicht verständlich machen. Er bringt erst allmählich durch, al? das HauS sich nahezu geleert Bat: In de-u Freundschaftsverhältnis zwischen England, Frankreich und Rußland sehen wir keine Gefahr für Dcutschla' S, zumal wenn wir die traditionelle Freundschaft mit Rußland weiter pflegen. In bezug auf Marokko hat sich der Reichskanzler die bewährten D'Smarckschen Grundsätze angeeignet. Auch das Abkommen zwischen Japan und Amerika ist für unS kein Grund zur Sorge, im Gegenteil können wir heraus nur Vorteil ziehen für die Entwicklung unseres Handelsverkehrs mit China. Daß unser Verhältnis zu Oester- reich mit unseren freundschaftlichen Gefühlen für die Türkei in keiner Weise in Widerspruch steht, haben wir mit Befriedigung vernommen. Mit den Erklärungen des Kanzlers über die P r a- gcr Vorgänge sind wir durchaus einverstanden. Vorsicht ist geboten, sonst könnten Verstimmungen entstehen, die unS Nachteil bringen tonnen.
Diesmal wird der Etat besonders gründlich und eingehend geprüft werden müssen. Ich freue mich, daß der K r i e g S - m i n i st e r wieder gesund in unterer Mitte ist und. wir den Etat diesmal in seiner Gegenwart beraten können. Hoffentlich bleibt uns seine Arbeitskraft noch lange erhalten. (Beifall.) Eine Verständigung über prozentuale Abstriche beim Militaretat
wäre nickst sachgemäß; wir müssen im Einzelnen prüfen, wo Ab- striche möglich sind, und erwarten habet die Unterstützung und den Rat des KrieaSministerS. Die P e rif? oin tt r u n8 mt > stände lassen sich in weitem Umfange bcicihgcn. Der Offizier darf in eine Stelle, für die er fick nicht eignet, gar nicht erst hin- einkommen. Man sollte die Entscheidung, über Pcnnonrcrungen nickst den Regimentsinstanzen überlasten, wndern einer unparteiischeren Instanz, etwa dem General- oder ^wisionskommanvo. All die verabschiedeten Offiziere wurden doch bet bet SRobtl- machung zu den Fahnen cinbcrufcn werden! .Man sollte mehr für Zivilstellungen sorgen. Es dürfen nicht so viel Bauten gleichzeitig angefangen merben; welche Vergeudung von Material, Arbcitskrast, Dauzimcn und Bauausitcht! Ist eu nicht möglich, den Etat des KriegsmimsteruimS enchc'tlicher und systematischer zu gestalten? Es wird da? mit der Rleorfla n11. fation beS ganzen R e ch n u n g § w e i e n zusammen hängen. Der Luxus beim Ofsizterkorps gibt doch scbr zu denken. So "soll das im Bau befindliche Genesungsheim m Wtesbaden auf 4 bis 5 Millionen zu stehen kommen — 80 000 bi- 1UU UVt Mark pro Offiziersbett!
In unserem ruhigen Flottenbau wollen wir unS weder durch Gal st er noch durch K e t m beirren lagen. Mögen die Herren erst untereinander den Kampf austragcn, ot> wir zu wenig oder zu viel für Flottenbau verwenden: vorläufig haben wir bcranttoortlidie Organe, und :cki glaube, wir tun gut, ihnen zu folgen. Die großen Werften sollten mdit einen Cm- zier, sondern eine Organisation an her Spitze erha.ten, die die Verantwortlichkeit für Materialbeschaffung und -bearbeitung zu übernehmen hat; da wird manches gebart werden können. Hn- f er e Marincreise hat uns die Uebcryugung gebracht, dast untere Marine in Ingenieur- und Offizierkorps und Mann,chast auf her Hohe steht. (Lebh. Zustimmung.)
Der Marine-Staatssekretär wünscht sich ein eigenes Heim. Ich empfehle den Jnvalidenpark dafür: er soll 30 Millionen wert sein, und ein paar Dutzend Invaliden nehmen ihn fetzt in Anspruch. Heber den Kolonialctat empf nden wir alle^Befriedigung; das ist in erster Linie das Verdienst des Herrn ^ern- bürg, aber auch das der Budgetkommfssion. (etaat^elrctar Dornburg nickt.) 31 volle Tage Baben wir tm vorigen Jahre Daran gesessen. Diesmal werden wir ihn laxer behandeln können. (Staatssekretär Tcrnburg nickt. Heiterkeit.) Die Truppe tn Südwest wird Wohl noch weiter vermindert werden können; Ich freue mich, daß der Staatssekretär nickt (Heiterkeit), da tonnen wir vielleicht die 500 Mann, die yinausgeschickt werden sollen, gleich sparen. Wir mochten aber Auskunft haben über die Hohe deS dauernden Bestandes, wenn friedliche Verhältnisse bort gesichert sind. Auch am militärischen Verwaltimgsapparat kann viel gespart werden, ich ersehe auch da aus dem Nicken des Staatssekretärs seine Zustimmung. (Heiterkeit.) Hnd dann die Vereinfachung des Rechnungswesens; der Staatsiekrctar hat Den guten Willen, aber irrir kommen da leider nicht vorwärts bei Dem Widerstand der preußischen Bureaukratic. Kiautschou ist ein Stützpunkt für deutsche Kultur und Bildung; dann ist aber Day für die maritime Verteidigung bestimmte Geld besser für GJi* ne'enschulen angebracht. Keine neue Ausgaben ohne bic Sicherung der Deckungsmittel! Darauf lassen wir uns nickst , wieder rin. Auf Versprechungen neben wir nichts mehr, Damit wir nicht wieder in die miserable Defizit wirtschaft kommen. Der Redner geht auf die Cparsamkeitefrage näher cm. So habe ich hier eine Hebersicht für den Reichstag, die mit 8300 Mark Kosten für hie 400 Neichstagsmitgliedcr gedruckt merbet^ tollte, und di- doch niemand lieft. (Heiterkeit.) Unter verständiger Bureaudirektor hat sie für 150 Mark in mir 30 Exemplaren Herstellen lasWn. Aber die Beschaffung be? Material? hat doch mm- bestens bas Doppelte der 8300 Mark schon gekostet. Tas tst unnötige Arbeit — usw.
Der Rebner fordert vor allem größere Svarsamkeit bei der Postverwaltung, der er Verschivendungssuckst zum Vorwurf macht. Beim Verkehr muß gespart werden. Der Reicb?- kanzler hat sich sehr wohl gehütet, in seinem SpartamkeitSerlasse darauf hinzuweisen. Er kann das auch nickst tun,, sonit Ware Die ganze Presse sofort über ihn hergefalleu. Ich al? einfacher Privatmann kann es mir erlauben, auch dort Sparsamkeit zu fordern. Wir treiben schon geradezu Verkehrsluxus. Wenn die Seicht ressorts immer neue Forderungen erheben, bann muß ber Reick c- tag sich auf heu Standpunkt stellen: Keine neue Ausgaben ohne sichere Deckung. (Beifall.)
(Während der Red- bc3 Abg. v. Gamp hat Fürst Bülow den Saal verlassen.)
Abg. Saffmamt (Wirtsch. 23g.) :
Die Worte des Reichskanzlers waren vor allem an baS Aus- Tanb gerichtet. Wir freuen un5 über das Fetthalten an her Treue gegenüber Oesterreich. Eine gewisse Vorsicht in der Bcliandlung auswärtiger Fragen ist aber heute geboten. Heber bic Haltung der Sozialdemokraten haben wir unS nicht gewundert. Gowm, Herr Sch ei de mann hat sich gegen die Exzesse in Prag ausgesprochen. Mer kaum war ihm her Satz entfahren, gleich hat er allen möglichen Tratsch gegen das Deutschtum ^zu- sammengetragen. Seit bem Nürnberger Parteitag wird die Sozialdemokratie ja nur noch durch den Haß gegen alle?, uns heilig ist, zusammestgehalten. Auf bic, Diamanten des Staats, sekretärs Dernbura legen lvir kein so großes Gewicht. Lieber Ware es uns, ivenn Kohle ober Eisen gefunben werben. Des JlrbcitS- kammergesehentwurfs freuen wir uns, denn Arbeitgeber und Arbeiter haben viele gemeinsame Interessen. Heber die Notwendigkeit einer Erhöhung her Beamtengehälter besteht feine Meinungsverschiedenheit. Heber Einzelheiten werden wir uns in der Slommtflion unterhalten. Auf jeden Fall muß darauf geachtet werden, baß das Reich gleichen Schritt mit Preußen hält. Damit keine Ungc- rechiigkciten entstehen. Die Grünbe, die bic Regierung für eine Gleichstellung ber Postassistenten mit den Eisenbahnassisteiuen an- führt, sind nicht durchschlagenb. benn selbst bei einer schematichen Gleichstellung würben die Eisenbahnbeamten doch wieder besser daran sein, weil sie allerlei Vorteile genießen: freie Fahrt bei gewissen Gelegenheiten, freie ärztliche Pflege und dergleichen. Heberdies ist ja bei den Postassistenten Die Vorbildung eine bcficre. Die Feststellung der Wcchnungsgcldzuschüsse nur nach den Mieten ist nicht sachgemäß, man hätte auch Die Dualität der Wohnungen berücksichtigen müssen. Redner schließt mit her Aufforderung, eine, gute Asoziale Beamtenpolirik zu treiben. (Beifall rechts.).
Hierauf vertagt sich das HauS.
Mittwoch 1 Hhr: Dritte Lesung ber Gcwcrbenovellc; Fortsetzung her Etatsberatung.
Schluß 6 Hhr.
Landwirtschaft.
Sr. Aus Der oberen S?ctierau, 7. 2ca. lieble Erfahrungen werben manche Landwirte machen, wenn, sie ihren emgemictcicn Tickwurz .nicht bic nötige Aufmerksamkeit zu- wenden. 2er heftige Frost, ber daS p herrliche Hervuwerter ur;W 1,4) ablöste, sand noch eine große Menge Futterrunlcin nnemgeern- xet im Felde und fügte ihnen bedeutende Frostschäden zu. Die zuvor eingefallenen Kartoffeln und Dickwurz hatten bic Keller be- rette gefüllt, und die Landwirte waren also gezwungen,, die noch im Felde sichenden Hackfrüchte so schnell als möglich in sog« Dick- wurzkänten (Miete,i) zu begraben, um sie dem ftteng anfralienbcn Jrosie zu entziehen. Um sie auch hier vollends zu sichern, niuisicn die Sauten bald mit Stroh und Erde gut verpackt werden. Dadurch wurde ba-5 nötige Ansbünsten und Abtroeinen der Futler- runleln verhindert. ba<> Schwitzen derselben jedoch sehr gefordert, so daß sich große Mengen Fcuchngkeil in den Gruben aniammeltc, die das Faulen der begrabenen Früchte ungemein fördern. Kein Lmidwirt sollte deswegen versäumen, bei frostfeiern Wetter Die bauten zu offnen und die Tickwurz soviel als möglich zu v.rfütteru, benn bis zum Frühjahr sind bicselbcn gänzlich verdoroen, da sie schon icbt schwarze Faulsiellen zeigen.
Sport.
— Fußball. 23crgautiv..ai Gvnnlag riet die Entscheidung tU den Meisterschaftsspielen der la Klane im Bezirk. Sen Schluß bildete das Treffen der bc.'xn elften Mannschaften Stegen gegen Nwrburg in Marburg, das mit eurem ^tege
Marburgs von 4:2 Toren endigte Siegen führte bei Halb - l zeit mit 1:0 Toren, fiel ftdoch in der zweiten Hälfte plötzlich ab und verlor so das Spiel. Durch diese Niederlage scheidet auch | Siegen um die cudgilrige Meisterschaft au?. Die erzielte Punktzahl in dieser Saison ist folgende: Gießener F.-C. 1900 = 6 Punkte, Siegener F.-C. Jahn ----- 4 Punkte, Marburger F -C. = 2 Punkte. Tie erste Mannschaft des Gießener Fußbalt-Klubs von 1900 hat somit endgültig die Meisterschaft in dieser Saison errungen. Die Mannschaft ist 3t. in guter Form und wird bet imteron fleißigen Training und Zusammenarbeiten noch, manchen Erfolg erzielen und den Bezirk in den weiteren Meisiersckfaftespielen des Verbandes würdig vertreten können.
jpielplan der vereinigten grantiurtec Stadttheater.
Gpcrnhaus.
Mittwoch den 9. Dez."): Abonnements-Konzert. Donnerstag den 10. Tcz.: „Prima -- Ballerina." Freilag den 11. Dez.: „Tie Zandeislöte." SamSlag den 12. Dez.: „Gavalleria rufticaiia.“ hierauf: ,2er Baiazzo." Sonntag den 13. Dez., nachmittags halb 4 Uhr: «Ein Walzertraum." Abends 7 Uhr: .Der Prophet." 'Rontag,l4.Tcz.,abbS.6Utzr: .Hanselu.Gretel/ Hieran!: .Karneval in Venedig." TienSlag Den 15. Dez.: ,Prima--Ballenna/ Mittwoch den 16. Dez.: .Fidelio."
Schsuspieltz«U5.
Mittwoch den 9. Dez.*): .Der kleine Landpredizer." Domiers- tog den 10. Dvz., abends halb S Uhr: .Ein Sommn-nachlStranm." Freitag den 11. Dez^ abends halb 8 Uhr: .Die Liebe wacht."
Samstag Den 12. Tez.: .Tie Stützen der Gcsellschait." Sonntag Den 13. Tez., nachmittags hold 4 Uhr: „Ter Hüttenbesitzer. Abends 7 Uhr: .IohamnSseuer." Btoittag Den 14. Dez.: ,,-lci kleine Lanbpiebiqer." Dienstag den 15. Tez.: „Der kleine Land- vrediger/ Mittwoch Den 16. Dez.: ^Die Stützen der Gesellschatt. Tomierstag den 17. Tez., abends halb 8 Uhr: .Ein Soniiner- nachtslrmim."
") Anfang, wenn nickt anbcr5 bemerft, abends um 7 Uhr.
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