Ausgabe 
8.12.1908 Zweites Blatt
 
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lttmgsverictzüng und Öchorfamsücrtoeigcrintg in 3 Trollen, darunter V Klle vor versammelter Mannschaft, zu verhitttdeln. Ter Ge­richtshof bestand aus Kriegsqerichtsrat Koch als Verhandlungs­leiter, Major v. Wunsch ass Vorsitzenden und den Hauptleuten Großmann, Butz und Busse als Beisitzern. Kriegsgcrichtsrat Obenan er vertrat die Anklage. Der Angeklagte, der im jjiDtD leben Fuhr knecht war, ist wiederholt vorbestraft, darunter fiebcn- .'mal wegen Körperverletzung und zweimal wegen Tierquälerei, 'er ist geständig und gibt die Vorgänge, die der Anklage zugrunde liegen wie folgt an: Er habe am Sonntag, 25. Oktober bei dem gemeinsamen Kirchgang unterwegs von dem Gefreiten den Befehl erhalten, seinen Helm gerade zu setzen.. Ein Kamerad, ein alter Mann, habe ihm gesagt, sein Helm vaste nickst, er solle ihn umtauschen. Vor der .Kirche habe der Gefrciic ihm wieder gesagt, er solle seinen Helm gerade setzen, sonst haue er ihn in die Fresse, darauf habe er (Saufet) Zorn bekommen und erwidert: Gr, der Gefreite solle dies nur einmal tun. Es sei dann zu einem Wortwechsel gekommen. Ter Sergeant sei dazu gekommen und habe ihm wiederholt )stuhe befohlen. Säufer erklärt, er sei so aufgeregt gewesen, daß er, dem Befehl, den Mund zu halten, nicht nach- yekommen. Als der Sergeant ihm vergeblich Nutze geboten, habe dieser gedroht, er müsse ihn melden, wenn er nicht schweige, Sauser meinte, es sei ihm egal, dabei hat er sich in nicht mili­tärischer Haltung frech vor dem Unteroffizier hingestellt. Ter Angeklagte hat gewußt, daß er dem Befehl des Vor­gesetzten unbedingt hätte nachkommen mirffen. Er fuhrt an, daß er durch die Rede des Gefreiten in Zorn geraten wäre, wenn ihm im Zivilleben chmand gedroht, er schlage ihm in die Fresse, dann hätte er den betreffenden zu Boden geschlagen, so aber hätte er nur drauflos raisoniert. Man habe ihm, ehe er zu Len Soldaten gekommen war, in Mainz gefagt, er solle sich nur nichts gefallen lassen, besonders von den alten Kameraden rücht. In einem anderen Falle hat Lauser mit noch drei Rekruten Sonn­tags nickt ausgehen sollen, weil er sich noch nicht richtig mili- tarisch bewegen konnte. Als der Unteroffizier ihm mitteilte, daß ck in der Kaserne bleiben müsse, erklärte Laufes, er wolle ein­mal sehen, er ginge doch aus, so gut wie die albern und wenn er 14 Tage bekomme. Als ihn darauf der Feldwebel in sein Zimmer kommen ließ und ganz ruhig und vernstnftia vorstellte. Laß et sich doch beim Militär fügen müsse und ifm befahl, sich in militärischer .Haltung vor ihm hinzustellen, fuckLelte Lauser mit »den Händen in der Luft herum und war nickst ?u bewegen, still AU stehen. In einem dritten Fall hat der Angeklagte ebenfalls! eine A chttlngsv er le tzu ng vor versammelter Mannschaft begangen. Hauptmann Stephan, der die Leibkompagnic kommandiert, er- Tlärtc, er habe den Mann wiederholt eingehend ermahnt und darauf aufmerksam gemacht, daß er sich fügen müsse. L. sei als Soldat eigentlich willig gewesen und die Unteroffiziere hätten sich Mühe gegeben, Läufer auf den rechten Weg zu bringen. Man habe den Mann mit .Handschuhen angefaßt, aber alle Mühe sei !umsonst gewesen, Läufer sei überaus leicht reizbar und besitze keinen Begriff von den einfachsten Formen der Höflichkeit. Haupt­mann Stephan ist der Ansicht, daß man es in dem Angeklagten mit einem Menschen zu tun hat, der geistig nicht ganz normal sei, denn eine andere Erklärung könne er nicht dafür finden, daß der Mann sich in die Verhältnisse beim Militär nicht finden kann. Ter Bruder des Angeklagten, ein schlichter Arbeiter aus Mainz, erklärt als Zeuge, der Bruder sei stets die Sorge in der Familie gewesen. Rian strbe es für ein Glück für ihn betrachtet, daß er habe Soldat werden müssen, weil man gedacht habe, dies werde ihn zum ordentlichen Menschen madren. Er hat ihn ganz besonders icrmaDnt, sich bei den Soldaten gut zu führen und sich zu fügen. Saufet sei stets sehr leicht bei jeder Gelegenheit in Jähzorn geraten. Ter Zeuge bekundet, daß in seiner Familie nie jemand geisteskrank gewesen sei, ebensowenig aber sei ihm bekannt, daß der Bruder etwa ein Trinker sei. Stabsarzt Radünz erklärt als Sachverständiger, der Angeklagte fei weder geisteskrank noch mit einer Krankheit behaftet, die ihn strafrechtlich nicht verantwortlich ^erscheinen lasse. Man habe mit einem Menschen jyn tun, der heftig und leicht jähzornig wird. Ob man int Interesse, der Auf­rechter Haltung der militärischen Disziplin den Angeklagten als dienstbrauchbar erklären müsse, unterliege noch bcr_ Feststellung, es sei aber hierzu eine längere Beobachtung des Mannes nötig. Kriegsgerickstsrat Obenauer kennzeichnet den Angeklagten als einen 'jähzornigen rohen Menschen, dec schon von Jugend an sich brutal benommen und nicht gelernt habe, sich zu fügen, der auch nicht »einmal den guten Willen habe, dies zu tun. Er beantragte gegen L. auf 3 Monate Gefängnis zu erkennen, eine Strafe, die er turn' deswillen so milde zu bemessen bitte, weil der Angeklagte noch ein junger Rekrut fei. Hätte der Mann sck>on länger gedient, so Svürde er mehr als die doppelte Strafe beantragt haben. Der Angeklagte erklärte, er wolle zu einem anderen Truppenteil ver­setzt werden, wenn er die Strafe hinter sich hätte. Das Urteil lautete dem Antrag gemäß. Der Angeklagte erklärte, er wolle feie Strafe sofort annehmen.

Getretde-Wochcnbcrtcht

der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats

Das milde Wetter während der zweiten Novemberhälfte hat den Landwirten Gelegenheit geboten, noch einen Teil der rückstän­digen Weizenaussaat zu erledigen. Seit einigen Tagen herrscht aber wieder Frost, der wegen der meist schwach entwickellen Saat umso ernstere Befürchtungen erweckt, als eine Schneedecke zurzeit nicht vorhanden ist. In Nordamerika übten ähnliche Verhält­nisse einen befestigenden Einfluß aus Stimmung und Preise aus. Andererseits hing eine Erhöhung der argentinischen Offerten, von denen England diesmal in stärkerem Maße Gebrauch machte, mit Meldungen zusammen, wonach die im Zuge befindliche. Ernte durch Regen verzögert und geschädigt worden sei. Alle diese Um­stände bewirkten, daß dem mäßigen Weizenangebot an den deutschen Märkten vermehrtes Interesse entgegengebracht wurde, zumal Be­züge vom Auslande nur zu wesentlich höheren Preisen zu be­werkstelligen sind. Im Lieferungsgeschäft standen dem gleich­zeitig hervortretenden Kauf- und Teckungsbedürfnis Abgeber sehr vorsichtig gegenüber; besonderes Interesse bestand für Dezember, der seit der Vorwoche um 4Vs Mk. angezogen hat, während Mai lief eräug einen Fortschritt von 3Va Mk. aufweist. Auch Roggen, dessen Absatz allerdings sowohl im Jnlande, sowie aud) zum

Export zu wünschen übrig läßt, war in den letzten Tagen nicht mehr so stark angeboten, so daß sich die Preise gut zu behaupten ver­mochten. Lieferungen, anfangs durch Begleichungen gedrückt, er­holten sich, als die Andienungen bei Mühlen und Händlern Aus­nahme gesunden hatten. Der Schluß war fest, für Dezember 41/2 Mk., für Mai 3% Mk. höher. Hafer hatte an der allgemein bemerkbaren Festigkeit nur geringen Anteil, da der Absatz immer nock) wenig befriedigt. Beachtung fanden gelegentlich die knapp angebotenen feinen Qualitäten und auch bessere Mittelware, wäh­rend geringe Sachen über Bedarf vorhanden und schwer oerkäuflich sind. Immerhin zeigt Lieferung gegen vorigen Schluß eine Besserung von V2 bis 3i Mk. Das Braugerstengeschäft liegt bei gut behaupteten Preisen für seine Ware still: geringere Qualitäten sind billiger und vernachlässigt. Die Forderungen für russische Futtergerste haben sich wenig verändert. Im Maisgeschäft be­schränkt sich das Interesse auf greifbare Ware; für f pater c Lie­ferung besteht wenig Unternehmungslust.

Es stellten sich die Preise stir inländisches (Betreibe am

letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger () gegenüber der Vorwoche in

Klammern (j beigefüqt ist, wie folgt:

Weizen

Roggen

Hafer

Königsberg

208 ( 2)

165'/, (+ IV,)

152 (- 4)

Danzig

215 (-f- 3)

164V, (+ V?)

164 (+ 4)

Stettin

203 (+ 1)

166 ( 1)

160 ( 1)

Posen

205 (+ 2)

164 (- )

158 (- )

Breslau

204 (-4- 3)

170 (+ 1-

158 ( )

Berlin

211 (+ 4)

170 (4- 2)

175 (+ 1)

Magdeburg

205 (4- 2)

168 (- )

174 (- )

Halle

204 (+ 1)

174 (- )

172 ( )

Leipzig

201 (+ 1)

170 (- 1)

167 ( )

Braunschweig 202 (4- 1)

170 (- )

175 (- )

Rostock

201 (4- 2)

161 (- 4)

158 (- )

Hamburg

208 (+ 6)

169V, (+ Vs)

172 (4- 1)

Kiel

200 (+ 2)

170 (- )

160 (- )

Hannover

205 (+ 2)

168 ( 2)

174 (+ 4)

Düsseldorf

210 (4- 2)

176 (+ 1)

166 (+ 1)

Köln

205 ( + 21/.,)

172V,(- )

172% (- )

Frankfurt a.M. 2061 / (4- 2)

175 (- 5)

172V, (- 2V.)

Mannheim

220 (+ 5)

172V,( )

1721, (+ 2Vo)

Straßburg

215 (- )

182V,(- )

185 (- )

Stuttgart

222V, (H-2V.)

185 ( )

175 (- )

München

221 (4- 2)

174 (- 1)

169 ( 2)

Weltmarktpreise: Weizen : Berlin Dez. 213.00 (-j- 4.50), Mai 216.50 (-j- 3.50). Budapest April 221.95 ( 1.65). Paris Dez. 184.50 (- 0.50). Liverpool Marz 176.45 (-s- 1.45). Chicago Dez. 1^2.80 t-s- 2.80). Roggen: Berlin Tez. 173.50 (+ 4.50), Mai 183.25 ( + 3.75). Hafer: Berlin Dez. 163.75 (-j- 0.75), Mai 167.50 (4- 0.75) Mk. ßaitfrcL

Gewerkschaft Kur - Köln, Gießen. Seit einiger Zeit ist man auf der dieser Gewerkschaft gehörigen GrubeHermanns­zeche", Distriktsfeld Brack)t, bei Aliendorf Kr. Arnsberg, damit be­schäftigt, das dort bekannte bedeutende Brauneisensteinlager zum Abbau vorzurichten. Es sollen bis jetzt 7 Abbaue vorgeriebtet sein, in denen das Lager in einer Mächtigkeit bis zu 5 m ansteht.______

Vermischtes.

* Eine seltsame Erschei n u n g. Auf der Grenze zwischen dem Ragniter und Pillkaller Kreise befinder sich, wie dem M. D." geschrieben wird, ein Hochmoor von etwa 8000 preu­ßischen Morgen, dieftadfdjer Balis" genannt, an dem man je nach den Witterungsvertz -ttnissen eine seltene Erscheinung be- obaduten kann. Die Oberfläche des Moores pflegt sich besonders bei feuchtem Wetter so bedeutend zu heben, daß Gehöfte, Bäume ufto., die bei normalem Zustande zu sehen sind, vollständig ver­deckt werden. Der Wechsel von Hebung und Senkung der Fläche geschieht in einem Zeitraum von mehreren Stunden, hält bisweilen auds einen ganzen Tag an. Nach angestellten Grab- und Bohr- versuchen ist ein fester Gnmd an keiner Stelle des Moores *ui entdecken, weshalb diesem aud) der NameBädugnis", das heißt Ohnegrund, beigetegt worden ist. Wohl einzig und allein darauf ist die seltene Erscheinung zurückzuführen. Der litauischen Volks­sage nach aber treibt eine ZauberinRanana" im Innern des Moores ihr Wesen, durch) bereit Gähnen bei trübem, schläfrigem, Wetter das Heben und Senken des Moores hervorgerufen wird.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Dezember

1908

-Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

7 2

751,2

3,8

5.6

93

SE

4

Bed. Himmel

7. 9

752,2

4,3

6,0

97

NE

2

stiebet

8. 7"

752,2

5,0

6,5

100

SSE

2

Nebel

Höchs

e Teni

1 peratut am

. bis

7. Dez.

4,3 0 C.

Niedrigste

- 6.

7-

= + 1,7 0 C.

Gingescrndt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wenn man den Zustand der hinteren Weser st raße ansteht, kann man denken, deren Einwohner mußten feine Steuern bezahlen. Man könnte an das SchildWeserstraße" den Namen umändern und z. B.Schutthaufenstraße" darauf schreiben lassen. Nicht allein, daß die Straße voll grundlosen Morastes ist, man findet außer diesem noclt schöne zierliche Nipvsachen, tute z. B. alle Lumpen, Eimer, Lochgeschirr, Soffer, Abfall von Gemüse und

noch vieles andere. Wer deshalb etwas nötig hat, oder wer diese schönen Nipvsachen einmal sehen will, dem können wir einen Be­such der Weserslraße emvfehlen. Wenn ein Fremder die Straße vassiert, muß er denken, hier muß Markt abgehalten werden, ober soll es vielleicht auch bloß eine Verschönerung fein. Sollen die Einwohner der Weserslraße die Straße machen lassen ? Sollen die sck)önen Nippsachen zur Zierde bleiben ? Dder kann dieser Zustand den Menschen zum Wohl der Gesundheit dienen? Wir wollen hoffen, daß diese Zeilen zur Verbefferung der Weserstraße helfen werden.

Mehrere Einwohner der Weser st raße.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börse. 8. Dezember, 1.1a Uhr.

3%e/0 Beichsanleihe . . 94.40 3% do. . . 85.1" 31i6/e Konsole .... 94.45 3% do 85.0-1 3^°/e Hessen 93.00 3%6/ Oberhesseu . . 92.00

4% Oesterr Goldrente. 97 90 4VS % Oesterr. Silberrente 98 00 4% Ungar Goldrente . . 92.30 4% Italien. Rente . . . 104.10 3?o Portugiesen Serie I 58 05 Z% Portugiesen n III 58.45 4&°/e russ.Staatsanl. 1905 97 05 4%°/o Japan. Staatsanleihe 92.35 X% Conv. Türken von 1903 92.20

Türkenlose 141 50

4% Griech. Monopol-Anl. . 49 00 4% äussere Argentinier . 85.60 3% Mexikaner . . . 63.50 414°f0 Chinesen .... 97.40

Aktien:

Bochum Quss 217.80

Buderus E. W 110.75

Tendenz schwach.

Elektriz. Lahmeyer . . 116.80

Elektriz. Sclmckert . . . 118.30

Eschweiler Bere'werk . . 188 90

Gelsenkirchen Bergwerk 187.50

Hamburg-Amerik Paket! 110 80

Harpener Bergwerk. . . 192.30

Laurahütte 193.00

Nordd Lloyd . ... 88.50

Obei schles. Eisen-Industrie 96.80

Berliner Handelsges. . . 168 00

Darmstädter Bank . . . 128.10

Deutsche Bank .... 238.60

Deutsch-Asiat. Bank . . 134 00

Diskonto-Kommandit . . 178.40

Dresdner Bank .... 146 75

Kreditaktien .... 194.70

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn 108.10

Gottbardbahn. j

Lombard. Eisenbahn . . 19.50

Oesterr. Staatsbahn . . . 143 60

Prince-Henri-Eisenbahn . 123.00

Berliner Börse, 8. Dezember. Anfangskurse.

Canada E. B 177.00

Darmstädter Bank . . . 128.40

Deutsche Bank .... 238.30 Dortmunder-Union C. . . 59.30 Dresdner Bank . . . 146.80

Tendenz- kaum stetig.

Harpener Bergwerk Laurahütte . .

Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . .

193.10

19 30

88.60

141.50

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