Nr. 28V Zweites Matt
158. Jahrgang
Dienstag 8. Dezember 1908
Grsthetni tL-lich mit NuSnahme de» Sonntag».
Die „Gietzener $amlHenblfitter“ werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, dar „Krclsblatt für bee Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Teil- frage»*' erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Sberhessen
Rotationsdruck und Verlag der Vrübftschea UnwersuätS - Buch- und Srelndruckerei. R. Lange. Gießen.
Redaktion, Erveditton und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: es® 5L Redaktion:S^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGteßen.
Auch das Landgericht teilte auf Befragen mit, daß, so be
Es erhielten Preise in der 2llltierklasie für
15 Aik. gesli'let.
Gericht wies die Forderung mit der (itflünmg ab, daß es
Der frühere Vormund wandte
zwischen dem i reichisch-ungari
Zur Tabalsteuerfrage äußert sich der deiltsche Tabakverein 'olgendermaßen: „Die Mittel und Wege der tabarsleuerirenndtichen Presse zur Gewinnung der öffentlichen Ai'eiiiung für die Vorschläge des Herrn Staatssekretär Lydow sind sonderbar, um iiicht einen schärferen und bezeichnenderen Ausdruck zu gebrauchen. Es wird neuerdings eine bildliche Darstellung der Tabakstcuervorlage verbreitet. Tarin ist die jetzige Tabaksteuer ganz ivnizig mit einer kleinen Zigarre und einer kleinen Zigarette dargestellt und der Betrag dabei aus 25,6 Millionen angegeben, daneben steht die geplante Tabaksteiier mit einer Niesenzigarre und einer Rieienzigareile bezeichnet und der Betrag nut 77 Millionen. Tatsache ist, daß jetzt der Tabak mit 72 Mil- lionen und die Zigarette mit einer Sondersleuer von 15 Millionen, der Tabak zusammen also nut 87 Millionen zu Gunsten der Reichs- ka^e belastet ist."
Ter Sultan im Verkehr mit seinem Minister.
Wie der „Newt-ork.Sxraio" aus iümltantinotol erfahrt, tarn es vor einigen Tugen zwischen dem Sultan und dem Minister Arif Pascha zu einem heftigen Zwischenfall. Der Sultan richtete an den Minister die Frage, weshalb 4 Kriegsschiffe gegenüber dem Palais vor Anker lägen. Der Minister antwortete, dies sei auf ein Befehl des junktüikychen Komitees zurückzuführen. Diese Antwort soll dem Sultan so aufgeregt haben, daß er den Minister mit seinem Stock ins Gesicht geschlagen hat. Am darauffolgenden Tage berief der Sultan den Minister neuerdings zu sich, doch weigerte dieser sich, den Palast zu betreten. Schließlich begleitete Kiamil Pascha dm Minister zum Palais, wo eine Aussöhnung stattfand. Um dem Sultan entgegetrzuLommen, lvurden drei der Kriegsschiffe zu den Flottenmanövern in das Marmarameer ge- fanbi. Alan sieht, die Sitten und Gebräuche im Verkehr ter Monarchen mit ihren Ministern sind recht verschieden.
datierlich es auch sei, die Kosten an dem Vormund hängen blieben, da die Mündel vermögenslos seien. Ter erwähnte § 4 hat demnach nur relativen Wert, da er die Frage offen läßt, au5 welchem Fonds die gemachten Auslagen zu erstatten sind. Tie unatisbleibliche Folge wird die sein, daß Vormünder über mittellose Kinder nur ättßerst schwer zu beschaffen fein werden, da man doch niemandem gumuten kann, für solche auch noch Kostenausivendungen zu machen. Findet sich wider Erivarten dennoch ein Vormund, so ist eS unausbleiblich, daß dann die Interessen der vermögenslosen Kinder nicht genügend gewahrt werden.
•* Po st-Personalnachrichten. Angenommen: als Postagent Landwirt Gustav E n l m ann II. m Aieder-Mockstadt; freiwillig auSgefchieden: Postgehilte B l , t z in Etemfurt, Postagent Gustav (I u l m nun I. in Nieder-Alockstadt.
X Krofdorf, 6. Dez. Vor etwa 8 Tagen verschwand unter Mitnahme von über 20 Mk. die Frau eines hiesigen Landwirts. Sie ist bis heute noch nicht zu ihrer Familie zurückgekehrt. Da die Frau schon verschiedene Male sich oon zu Hanse entfernt hatte, aber immer nach einigen Tagen zurück kam, glagbte man, daß sie auch dieseSmal sich bald wieder emfinben werde. Ter Mann hat deshalb vor einigen Tagen erst Anzeige erstattet und nun lst die Polizei bemüht, ihren Aufenthalt zu ermitteln. Daß sich die Frau irgend ein Leid zugesi'igt hat, glaubt man nicht, da sich bei ihr von Geistesgestörtheit noch nichts wahrnchmen ließ. Die Familie hat eine zahlreiche Kinderschar.
X Krofdorf, 7. Dez. Am 6. und 6. Dezember er. fand im Saale des Gastwirtes Eduard MooS die 8. Geflügel-und K a n i n ch e n - A u s st e 1 l u n g des Geflügel- und Kaninchenzucht- VeremS Krofdorf und Umgegend statt. Aussteller waren nur Mitglieder des Vereins. Tie Ausstellung zeigte Alusterexemplare der Hühnerzucht und war durchweg von sehr gutem Material beichickt, ein Beweis, daß die Bestrebungen des Vereins, Förderung der Geflügelzucht durch Haltung guter, remrafügec Lege- und Fleifch- Hühner, Gänse und Enten, sowie Züchtung reinrassiger Kaninchen, schonen Erfolg haue. Von den Ortsbewohnern und auch oon auswärts war die Ausstellung gut besucht, und wenn sie dazu beiträgt, den volkswirtschaftlichen Bestrebungen des Vereins bei den bisher Fernstehenden Eingang zil verschasten, so ist sie a»lch dem gesamten Dorfe zum Niitzen gewesen. Tie Gemeindeverlretung halte in anerkennenswerter Weise ui Würdigung dieses Umstandes au§ Geineindemiltetn einen Ehrenpreis auf Hühner im Werte von
GerrchLs-aaL.
th. K r i e g-s g e r i ch t L c r 2o. Division. Am Freitag vormittag tag.e in ter alten Kaserne das Kriegsgericht, um gegen teil im CltObcr b. Z. bei der Seiuibnuxrgnie tes 116. Jns.-§lgts eingetretenen Rekruten Jak. Lanfer ton Mainz wegen Ach-
Zur Lage auf dem Balkan.
Der Boykott österreichischer Waren in der Türkei dauert fort. Am 4. bS. Mts. warfen angeblich Hafenarbeiter in Jaffa 24 Post- fäde eines österreichischen Lloyddarnpfers ins Meer. Unter den Postsachen vesand sich unter anderen Wertsachen das Weihnacht s g e s ch e n k d e s K a i s e r s W i l h e l m an das Deutsche Krankenhaus in Jerusalem. Die deutsche Regierung wird 150 000 Mk. Entschädigung beanspruchen.
Gegenüber dieser immer unerträglich n werdenden Boy- kottbewegung erklärt nun ter türkische Großvezier, daß er niüu?t-' los sei. Der Boykott österreichischer Wären werte so lange dauern, bis Oesterreicl>-Ungarn sich mit der Türkei in der bosnischen Frage verständigt habe. Dies fei der Volkswille, gegen den die Regierung rnachrlos fei.
Wie Serbien sich eine solche Verständigung in ter bosnischen Frage vorstellt, läßt eine Aenßerung des serbischen Ministers des Aeußern, Milowanowitsch, erlernten, der einem Journalisten sagte: er habe auf seiner Reife in Berlin, Paris, London und Rom die sichere Ueberzeugung gewonnen, daß die betret'fenten Regierungen die serbischen Forderungen als berechtigt anerkamit haben. Serbien verlange einen Teil ocs bosnischen Grenz- landes, das Serbien mit Montenegro verbindet und die österreicl)iscl)-ungarische Monarchie von dem Sandschak Rovibazar trennt. — Der Reuen Freien Presse zufolge zirkuliert allerdings in diplomatischen Streuen das Gerücht, die serbische Regierung habe angeregt, die Konferenz* falle Serbien die Erhaltung ter Integrität feines Lefitzes verbürgen. In Wien s.i dieser Gedanke nicht unsympathisch ausgenommen worden, voraus- gesetzt, daß Serbien die bosnische Frage als für alle Zeit gelöst anerkennt.
Inzwischen fährt der Präsident des englischen Balkan-KomiteeS, Buxton, fort, zugunsten einer Ballan-Konsöteraiion ü wie zur
sein soll, die in die Herzegowina einsallen, das Land zum Aufstand bringen, die Verkehrsmittel, Telegraphs und Telephon unbrauchbar machen, indbeiontere aber die Zisternen vergiften sollen. Die bosnisch-herzegowinische Regierung hat hiervon Kenntnis genommen und trifft die nötigen Vorkehrungen. Die längst geplante Errichtung eines neuen (16.) ArmeekorpSkommandos für Dalmatien und die Herzegowina mit dem Sir in Zara to;ro von unterrichteter militärischer Seite als bevorstehend angckündigt. Das 16. Armeekorps wird den Kristallisationskern einer Armee für Operationen an ter montenegrinischen Grenze bilden.
Bei seinen Rüstungen gegen die slav.schen Grenztänder wird Oesterreich nun auch die Stimmung seiner eigmen Herren zu berücksichtigen haben. Welcher Art diese Stimmung ist, zeigt folgender Vorfall: Samstag abend haben 227 Rekruten des 36. Infanterieregiments (Jungbunzlau) gemeutert, als sie zu einer Truppe nach dec Herzegowina einrücken sollten. In Bosnischbrod weigerten sie sich den Zug zu besteigen und drohten, sich mit Gewalt der Einwaggonierung zu widersetzen. Wie ter die Abteilung kommandierende Leutnant erzählte, nrurte die Abteilung schon beim Abmarsche aus der Heimat von ter Bcvo fening aufgeforbert, auf die serbischen Brüder nicht zu schießen. Ein aus Slavonisch-Brod herbeigeholtes Bataillon entwaffnete die Meuterer, die unter starker Bedeckung nach Sarajevo gebracht wurden.
deutschen Reiche und der o st arischen Monarchie regeln soll. Eine hier-
Aus Stadt und Land.
Gießen, 8. Dezember 1908.
"Gießener Freie Studentenschaft, Am vergangenen Donnerstag hielt Prof. Dr. Kinkel in der „Freien Studentenschaft* einen Vortrag über das Thema: „Schicksal und Charakter". Redner gab zuerst die historische Entwicklung des Begriffes Schicksal und im weiteren ging er auf die Einwirkung des Schicksals aus den Charakter ein. Rach dem Vortrag entspann sich eine recht lebhafte Diskussion. Den geistreichen und beredten Worten des Redners lauschten wohl über 60 Kommilitonen und Komilitoninnen unserer Ludoviciana. Am Samstag Nachmittag fand eine Führung durch das städtische Elektrizitätswerk statt, die recht belehrend war. Wir sagen auch an dieser Stelle Herrn Betriebsleiter Stolte unseren besten Dank. Am selbigen Slbenö wurde ein Vortrag über Wildenbruch gehalten. Der Redner schilderte mit wenig, aber treffenden Strichen das Leben und Wirken deS Dichters. Alsdann ging er näher auf die bedeutendsten Tramen Wildenbruchs ein. Eine lebhafte Diskussion beschloß diesen Abend. Nächsten Sonntag finbet als letzte Veranstaltung vor den Ferien im Hotel Schütz eine Weihnachtsfeier statt.
** DerSchiklub WandervogelGießen(S. W. G.) beabsichtigt während der Weihnachtsserien einen mehrtägigen 2 chikursus im Vogelsberg abzuhallen, der von I. Lutter aus München geleitet wird. I. Luther, ein geborener Gießener und Mitglied des S. W. G., ist einer der besten deutschen Schiläufer und Inhaber des ersten deutschen Sprungpreises von 190 8. An dem Kursus können sich auch Nichlinitglieber beteiligen, wenn sie sich bis zum 20. Dez. bei dem Schriftführer K. Neurath angemeldet haben. Ter genaue Plan des Kurjus wirb nächstens burch Anzeige bekannt gegeben.
•• Eine Unstimmigkeit in unse rein Vor- munbschaftsrecht Hal ein kürzlich in Darmstadt vor- gcfomniencv Fall zu Tage gefötbert. Ein Herr, dem bie Vormundschaft über mehrere Kinder übertragen war, reichte nach Beendigung der Vormundschaft über feine Portoauslagen Rechnung beim Amtsgericht ein, da laut § der Anweisung
Hühner: für Orpinglon, gelb, K. Krombach-Krofdorf 5. Ehrenpreis, für Ramelsloycr, weiß, L. Schlapp-Krofdorf 2. Preis, für Mmorka, fchwarz, K. F. Römer-Krofdorf 3. Preis; für Einzelliere: iür Mmorka, fchwarz, K. Leib-Kroivorf 1. Preis; Kollektionen: für Wyaudoltes, wem, K. Stork-Krofdorf 1. Ehrenpreis. In der 'lllttiertlaffe für Gänse: für Emdener, weiß, I. E. Teuker-Rod- beiin 6. Ehrenpreis, K. Hofmaim-Ktofdorf 2., Py. Krombach-Krof- dorf 3. Preis. In der Jungnerklasfe für Hühner: Paare: für Wyandolles, weiß, K. Stork-Krofdorf 3. Ehrenpreis, silberfarbig H. Stoik-Launsbach 7. Ehrenpreis, weiß W. Beckithold-Launsbach, 2. Preis, K. Slork-Krofdorf zwei 2. Preise, silberfarbig H. Stork- ' Launsbach 3. Preis, für Brahma, hell, H. Vlehmann-Launsbach 1. Preis, für Orpinglon, gelb, K. Krombach-Krofdorf 1. Preis und Znfchlagspreis, foiute 2. und 3. Preis, für Alechelner H. Loh- Wetzlar 1. Preis, für Ramelsloher, weiß, L. Schlapp-Krofdorf 1. und 3. Preis, für Italiener, rebhf., Dr. Seipp-Krofdorf 2. Ehrenpreis, H. Slork-Launsbach 1. und 2. Preis, Dr. Seipp-Krofdorf 3. Preis, gelb W. Suchan-Krofdorf 4. Ehrenpreis, W. Suchan- Krofdori 1. und 3. Preis, K. Schmidt-Kroidorf, Phil. Krombach- und K. Krombach-Krofdorf je 3. Preis, für Mmorka, fchwarz, J{. Leib-Krü'dorf 1. und 2. Preis, W. 'Möller-Krofdorf 2., K. Läu'er- Krofdorf 3. Preis, für Hamburger Silberlack H. Stork-Launsbach, 1. Preis; für Emzeltiere: Brahma, hell, H. Vlehmann-ltaunsvach 1. Preis, Minolta, jchwarz, K. Reeh-Kroidorf 1. Preis. Kollektionen: In der Jnngtierllasse für Hühner: für Wlinotfa und Gold- Wyandoues E. MooS-Krofdorf 2. Preis. Tauben: für Brieftauben, fchwarz, Z. E. Tenker-Rodheim 1. Preis, blaue H E. Tenker-Rodhenn 3. Preis, Perücken H. Loh-Wetzlar 2. Preis. Für Enten: Peking, weiß, Karl Gerlach-Kroidorf 2. Preis. In der Verkaufsliafse: Kaninchen, Alltierklassc: für Silder- lanincbeii, dunkel, PH. Weber-Krofdorf 1. Preis, hell I. E. Teuker- Robhenn 1., 2. und 3. Piers, Joh. Schmidt-Krofdorf 3. Preis, für belgische Riejen H. Stork-Launsbach Ehrenpreis, F. E. Teuker- Rodhenn 3. Preis, für Holländer, fchwarzweiß, H. Stork-Launsbach 1. Preis; in der Jnngtierklasse: für Silberkanuichen K. Schmidl- Kroiboci 1., I. E. Teukec-Nobheim 2. Preis, für veigiiche äliese» I. E. Teuker-Robheim 3. Preis.
s Marburg, 6. Dez. Nachdem jetzt zur Ausgabe gelangten Verzeichnis der Studierenden beS Wintersemesters wirb unsere Universität von rund 1750 immatri- tcikulicrien Studenten besucht, gegen 1859 im letzten Sommer und 1598 im vorigen Winter. Unter den 1750 Jmrnatri- trikiilierten befinden sich 25 Frauen. Rechnet man noch 77 jum Hören der Vorlesungen Berechtigte (darunter 19 Fraiien) hinzu, so stellt sich die Gesamtzahl der Studenten aus 1827, eine bis jetzt im Winter unerreichte Ziffer. Es studieren 115 Theologie, 420 Jura, 267 Medizin und 921 Philosophie; von den Frauen studiert 1 Jura, 4 Medizin und 22 Philosophie. Der Heimat nach sind 613 Männer und 5 Frauen aus Hessen-Nassau, 747 Männer und 11 Fronen aus den übrigen preußischen Provinzen, 282 Männer und 6 Frauen aus den deutschen Reichsländern (darunter 32 'Männer und 1 Frau aus dein Großherzogtum Hessen). Auf Oeslerreich- llngarn entfallen 17, auf Frankreich 3, auf Griechenland 1, auf Großbritannien und Irland 6, auf die Niederlande 1, auf Rußland 15, auf Schweden 2, auf die Schweiz 13, auf Spanien und die Türkei je 1, auf Amerika 14 und Asien 7. Von den Frauen sind 5 Ausländerinnen, nämlich 1 aus Großbritannien und 4 au8 Amerika. — Der vor 8 Tagen bei Battenberg auf feiner tetzten Fahrt durch bie neue Eisenbahn mit seiner Postkutsche überrannte Postillon Franz Roh- leber aus Braunshausen ist am Freitag abend in dec hic- siegcn Klinik gestorben, nachdem ihm bald dem Unglück ein Bem amputiert worben war. Der Mann hinterläßt eine Frau mit fünf Kmbern.
politische Tagesschau.
Ministerverantwortlichkeit vor der Kommission.
Die Gesck-üftsordilungskomniission tes Reichstages, ter die Anträge auf Einführung eines Minisierverantwortiichkcilsgesetzes und auf ÄendGmng ter Geschäftsvrbnung zu gewiesen und die zu diesem Zwecke auf 28 Mitglieder verstärkt Worten ist trat heute zu einer Vorbesprechung zusammen. Vertreter der ver- bü-nteten Regierungen waren nicht aniueienb. Die Kommission beschloß, iunddift in die Beratung ter aus die Abänderung ter Geschäftsordnung über die Jntccp-llaiion. bezüglichen Anträge ein- ;utreten. Daran soll sich bann bie Beratung ter Berfastungs-' anhxige schließen, yiach eingehenter Erörterung auch über die Heranziehung tes von anberen Verfassungsstaaten vorliegenden Materials vertagte sich die Sivminission auf den 15. Januar n. I.
bet ju kurz gedmmeue Frage, der Ausführungszwang für Erfindungen, wird, nne der national liberale Anioalt Dr. I ä n i' anlünbigt^ bei der Besprechung tes Etats tes Patentamts noch nähere Erörterung finden. Graf Kanitz Ivar ter heutige erst. Redner zum Etat. Es war aber keine Eta webe, wenn man von den kurzen recht kritisch gehaltenen Brmeolüngen zum yZarinectaj «obsehen will. In der Hauptsache war das, was die Slvnser- vativen jdfurch den Mund dieses Redners zu sagen hatten, ein agrarischer Kampfruf und bei seinen Ausführungen über Mühlen- nmsatzstcucr, Flotte utid Silberausprägung summte als leiser Unterton eine alte Melodie, mit: Kein Kaniß, keine Kähne! Zum Schluß »tb auch er ter einigen Geschlossenheit Ausöruck, mit der bas deutsche Volk die Vertretung seinev ausivärligen Politik gegenüber dem Auslände unterstützt. Right or ttnung, ml) country!
Dr. Wiemer übte reichliche Kritik an der inneren Politik deS Reiches. Er bemühte sich, seine Etatrebe äußerlich nach Eugen Rickrter'schem Muster zu gestalten. Anch kleine «scherze wie sie jein größerer Vorgänger einzu streu en liebte, würzten seine auch sonst im allgemeinen nicht trockene Rebe, und man lachte sehr herzlich, als er das berühmte Sparsamkeitsprinzip auch bei den werbenden Anlagen Kameruner Aborte etwas mehr betätigt wünschte. Er zog anch, wie später ausführlicher der Sprecher der wirtschaftlid)en Vereinigung Lattmann, die Be- solduugsvorlagc in seine kritischen Erörterungen und sand all- seitige Zustimmung mit seiner Erwiderung auf die Flauurachevei des Schatzfekretärs gegenüber ben Beamten, und nur das Zentrum spendete [einen Beifall, als er die eigenartige äletiainc, bie oon Zentrunrsabgeorbnelen in Versammlungen ter Beamten für ihre Partei getrieben wird, gebührend kennzeichnete.
Rach Dr. Wiemer nahm der 'Reichskanzler das Wort. Mit 23-ebauern verzeichnete er' die von dem soziald-enwkratischen Redner den ausländischen Treibereien gegen das deutsche Reich geleistete Unterstützung. Seine Bemerkung über die ^-ckpwrrer und Verschwörer nahm er auf und stellte teil Unterschied sest zwischen ter jungtürksichcn Bewegung und ter Arc ter russischen Revolutionäre. Wie die ganze zivilisierte Welt, so bekuute auch die deutsche Regierung dem neuen Regime in ter Türkei Achtung und Sympathie und tonne im eigensten Interesse nur wünscl-en, daß die Türkei politisch und wirtschafnict) gcEwidgc werüc; aber sich in eine führende Stellung drängen zu lassen, liege nicht im deutschen Interesse auf dem Balkan. Allseitiger Beifall begleitete die Erklärung treuen Zusammenhalten» mit dem verbündeten Oesterreich und die Ausf.ihrungen, bie er im Anschluß an bie Debatten in ter italienischen Kammer über den Dreibund machte. Nicht mit Heiterkeit wie damals die Bemerkung über den roten Kopf des Eeheinanncs und Die Extratouren der Gattin, sondern mit zustimmenpem Ernst nahm man den Vergleich auf, den er -wischen geschniinkten Frauen und Staaten zog, die einer Eleinlid^en Prestigepolctck bedürften. Und lauter Beifall erhob sich, als er nach ter Erörterung ter Marokko frage, tes amerikanisch- japanischen Abkommens und der Entente zwischen Rußland, England und Frankreich sowie ter Prager Vorgänge, bei denen die Vertretung des deutschen giftete», ohne Einmischung in bie inneren Verhältnisse tes Laubes, alles Erforderticy..' zum Schutze Reichsdeutscher getan, seine Darlegungen beendete mit dem Ausdruck dec Zuversicht in fcfic Echalcung tes Weltfriedens.
Als Vorsitzender der Budgetkommission befd;ufiigte sich Freiherr v. Gamp sehr eingehend mit dem Etat und machte mancherlei Andeutungen für die Nutzawveudung, die aus feinem Promc- nroria über die Sparsamkeit zu ziehen wäre. Herr Lattmann mackite ten Schluß der heutigen Rednerliste.
Fortsetzung des Boylotts österreichiicher und deutscher Waren zu agitieren. Unter diesen Umständen ist Oesterreich natürlich gc» zwungen, seine Rüstungen für alle Eventualitäten fortzufe^en, > hlerjuc leinen o'onbs besitze.
für Voiinünber ihm seine Unkosten zu ersetzen sind. Das
zumal, wie der „Bester Lloyd" aus Castro meldet, in Montenegro sich nun an den Armevvecbanb, der ihm das Gleiche erklärte, die Bildung von Banden aus 8 bis 10 Mann beschlossen Auch baS Lanbacricht teilte auf Befragen mit, baß, so be-
StlmmungsbUö aus dem Reichstage.
Berlin, 7. Dez. Etatsdebatte.
Im Mittelpunkt der heutigen Sitzung und ter Generaldebatte firm Etat stand die erwartete große Rede tes Fürsten Bülow über die auswärtige Politik des deutschen Reiches. Bemerkungen tes Smccliers ter Freisinnigen Dr. Wiemer über Marokko und den Balkan hatten ihm das Sticl>- toort gegeben. Was der Kanzler zur Informierung über die beutfdje Auffassung und Mitwirkung in dem Völkerkonzert und feinen Anteil an den Disharmonien vortrug, manches in geschäftsmäßigem Tone, einiges mit einbringlidfcnt Ernst und mit sorg- Kiner Abwägung jedes Wortes, konnte Anspruch darauf machen, ß die bcuticte Nation ohne Unterschied ter Parteiungen mit geschlossenem Vertrauen die Leitung ihrer auswärtigen Politik unterstützt. Lauter Beifall zu den einzelnen Erklärungen bekräftigte, daß der Reiäiskanzler ten Reichstag hinter sich hat; und fast wie btc Gewißheit überstandener Sorgen nahm fv sich aus, als er mit erhobener Stimme als Grundsatz ter deutschen Politik verkünbete, daß sie sich auch jeder Schulmeisterei gegenüber anderen Staaten Ku enthalten habe. Die nur burch spontane Beifallsäußerungen und durch gelegentliche Heiterkeit bei ter recht glücklick)en Abfertigung des sozialtemokratifä>eii Ziedners unterbrodjenc Spannung des Hauses löste sich, als Fürst Bülow unter lebhajtem Beifall geschlossen, in allgemeiner Bewegung, bie der Ausnahme der folgenden Rede des Herrn v. G a m p nicht sehr gürlstig war.
In die Etatberatung hatte ter Präsident die Erledigung eines internationalen Abkommens eingeschoben, das die Beziehungen des gewerblichen Rechtsschutzes


