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11.11.1908 Zweites Blatt
 
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Mitimoch 11. November 1008

Zweites Blatt

Nr. 206

Gießener Anzeiger

Erschein» tügllch mit Ausnahme deS bonalag».

General-Anzeiger für Gberhefien

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der vrüdl'schea Unwersuäls Buch- und Eierndruckerei. 9L Lange, Gießen.

Redaktion, Exveditton und Druckerei: Schul- slraße 7. Exvedmon und Verlage 6L Redaktion:^-^113. Tel.-Adr.:AnzeigerGreßen.

DreStehener FamtiiendlSNer- werden dem ^Anzeiger" otcrmol wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatl für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. TieLandwtrlschastllchen Seit» trogen erscheinen monatlich zweimal.

politische Lagessciiau.

Tas deutsch-französtsche Uebereiokommeo.

An bcmielben Tage, da der Deutsche Reichstag in ernster Debatte die jüngsten unerquicklichen Vorfälle behandelte, ist es nun glücklicherweise auch zu einer Verständigung zwisäicn Frank­reich u nd Deutschland gekommen. Der stellvertretende Staats­sekretär v. Kiderlen und .der französisck-e Botschafter Carnbon unterzeichneten im Auswärtigen Amt folgendes Übereinkommen: Die deutsche und die französische Regicruna be­dauern die Ereignisse, die sich am 25. September 1908 in Cajablanca zutrugen und untergeordnete Organe zur Anwendung von Gewalt und zu ärgerlicheir Tätlichkeiten führten. Sie be­schließen, die Gesamtheit der hierbei entstandenen Fragen einem Schiedsgericht zu unterbreiten. In beiderseitigem Einvernehmen verpflichtet sich jede der beiden Regierungen, ihr Bedauern über die Handlungen Ltiefer Organe in der Gemäßheit des Spruches ouszusprecksti», den die Schiedsrichter über den Tatbestand und die Rechtsfrage abgegeben werden."

Jrn französ. Gelbbuche, das demnächst über Marokko heraus- tzegeben wer^u foli, werden, wie es nun heißt, die aus die Deser­teure in Casaolanca bezüglichen Dokumente nicht enthalten sein. Richt ohne Interesse ist das Urteil des TempS über die deutsü)- fvanzösiiche Verständigung:Die französische und die deutsche Negierung bieten, indem sie ihren Streit der Entscheidung eines dritten anheim stellen, der Welt ein Schauspiel, welches nickst ebne Größe ist Wenn man an all das denkt, was bie beiden Lunder in der früheren, wie in der jüngsten Vergangenheit scheidet, wenn man sich ihrer schroffen Streitigkeiten erinnert, dann wird man anerkennen, daß ihre Friedens^cmühung ganz besonders verdienstlich ist. Es wäre kindisch, anzunelMen, daß Frankreich und Deutschland an den verschiedenen Punkten, wo sie mit ein­ander in Berührung sind, in Zukunft keinerlei Schwierigkeiten mtlyr zu regeln hauen werden. _ Die Hauptsache ist, daß sie die Uebcrze'ugring erlangen, daß diese Schwierigkeiten nicht unlösbar sind, unter der Bedingung, daß man dieseloen mit Billigkeit und aus dem Fuße gtegenseitiger Gleichheit behandele."

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Da8 neue Besoldungsgesetz für ReichKbeamte.

Tie ( :währung des Gehalts erfolgt an die etatmäßigen 'Reichsbcamten auf Grund der neuen Besoldungsordnung 1, an die gesandtschaftlichen und die Konsularoeamten auf Grund des ReichshaushaltsetatS, während für die Bewilligung des bei der Bereelmung der Pension zu Grunde zu legenden Gehaltes die Be- soldungsoronung 2 maßgebend ist Für sämtlick-e Offiziere gilt die Besoldungsordnung 3, für alle Unteroffiziere die Aesoldungs- vrdnung 4. Die Besoldungsordnung 1 zerfällt in 69 Klassen, die Besoldungsordnung 2 in 11 Kla,sen, die Besoldungsordnung 3 weist 47, die BesoldungsorLnung 4 29 Dhtmmern auf. Rach der Befoldungsvrdnung 3 belaufen sich die Geholter für Leutnants nrü) Oberleutnants vom ersten bis vierten Jahre auf 1500, bis 6iim achten Jahre auf 1800 und vom neunten Jahre an auf 2100; für Hauptleute bis zum vierten Jahre auf 3400, bis zum achten Jahve auf 4600, vom neunten Jahre ao auf 5100, für Äataillonstommandeure auf 6552, für Regimentskommandeure auf 8772, für Brigadekommandeure auf 10 620, für kommandierende Generale auf 13 980 und 18 000 Mark Dienstzulage. Bei der Marine sind die Gehälter entsprechend, doch erhalten die Sub- alterofjiziere ihre Gehälter nicht nach Jahren, sondern nach Pro- Kentzifsem: 1500 Mark also 30 Prozent, 1800 Mark 30 Prozent, 2100 Mark 40 Prozent, lieber die neuen Wohnungsgeldzuschüsse bestimmt das Gesetz: Die Ortsklassen werden eingeteilt in fünf Klassen a bis c, der Wohnungsgelvzusckmß in seck)s Tarife. Das Gesetz hat rückwirkende Kraft bis 1. April 1908; die gezahlten Teuerungszulagen werden angerechnet. In der Begründung heißt es: Alle Maßnahmen erfordern für 1908 einen Mehrauswano von 75V9 Millionen, für 1909 einen fofdyen von 99/3 Millionen. Sie gehen in ihrem Umfange und in ihren Erfordernissen weil über auc3 hinaus, was bisher im Reiche auf einmal zu Gunsten der Versorgungsberechtigten geidtfben ist Ist es nun gewiß auch mit Freude zu begrüßen, wenn durch die gedachten Auf­wendungen das Einkommen von Hundevttausenden von Ange­stellten erhöht, ihre Lebenshaltung erleichtert und die Arbeits- freubigfeii und die Hingebung an die öffentlichen Jirteressen ge­loben wird, so ist doch anderseits als Kehrseite nicht die schwere finanzielle Belastung zu verkennen, welche dem Reiche daraus erwächst. Bei allem Wohlwollen, das die verbündeten Regie­rungen für ihre Angestellten hegen, war daher eine Beschränkung der Gehaltsaufbesserungen aus das Rtaß des noNvendigen ge­boten und cs mußte üoerall die mittlere Linie zwischen den viel­fach weit gesteckten Ansprüchen und Wünschen und der schuldigen Rücksickst aus bie finanzielle Leistungsfähigkeit des Reiches ge- ttommen werben.

Unrichtige Schatzung des Ertrages der Glühstrumpf Steuer.

In dem vorliegenden (Seleßeniiuuri der Eleltrizitäts» und 65a§« steuer wird der voraussichtliche Remertrag auf rund 50 Millionen Mark geidiäßi. Hiervon treffen nach den r.usiührnngen des Enlwnr'es rund 32 Proz. aiü elehvijcbc Arbeit, 26 Proz. au' Gas, 24 Proz. auf bie Beleucblungsmitlel für Elekiriziiät und 18 Proz. ain Beleuchtungsmutel für (Vas. Als Beleuchtungsnuttei für Gas kommen nur (Slübfirümpie in Frage, die also nach einer Schatzung des Reichsschatzamtes 18 Pro». von 50 Millionen gleich 9 Millionen auibringeu sollen. Ta in dem Entwurf der Glüh- strumvi mit einer Steuer von 10 P'g. bedacht ist, rechnet man mit einer sleuer'ähigen Produktion von 9v Alilliouen Glühkörpern. Tie .AletaUmdustnelte Diundichau" weist mm darauf bin, daß die Ge- fanuvrodultion der deutschen Klühkörver nur ca. 8090 Millionen tücf erreiche, wovon die gute Halile ciußeihalb Teutschlands xlazicrl werde. Da nun nach dem Entwurf der Export von der Steuer frei ift, so beträgt das Steuerobjekt im günstigsten Falle ca. 40 Millionen Stück, die einen Bruttoertrag v 0 u vier 9)1 i 111 0 n e n 9)1 art embringen würden.' Tie Schätzung tu dem Gteuerentiüutf läßt also auch m diesem Falle jede sachmännijche Ju'ormanon vermissen.

Deutsches Neich.

Prinz August Wilhelm, der mit seiner jungen Gattin am 27. November in Potsdam einzieht, wird bei der dortigen Regierung befchäftigt werdens um die Tätigkeit dieser Behörde kennen zu lernen. Die Beschäftigung des Prinzen wird voraussichtlich am 1. Januar 1909 beginnen.

Gegen bie Tabakverb rauch Neu er ist gestern in einer großen Volksversammlung cmflimmig eine Resolution angenommen worden.

Der nächste deutsche Gastmirtstag wird in Kiel stattfinden.___________________________________________

Ausland.

E i n türkisch-servile cs ^-undni-s. Das Belgrader Mali Journal meldet, daß es 9cowaLowi.sch in zvonstannnopel schließlich gelungen sei, ein Bündnis zwischen der Türkei mW Seroien zuststwe zu bringen.

Die Kaiserin-Witwc von China ist schwer eirranlt. Kie Gerüchte, sie sei gestorben, sind falsch.

Der Keifer und Zeppelin.

Der Kaiser hat an dem gestrigen Aufstiege des Grafen Zeppelin nicht teilgcnommen, sondern den Aufstieg nur vom Bord eines Dampfers aus beobachtet.

Tie Nachricht, daß der Kaiser mit dem Zeppelinschen Luftschiff aufgestiegen sei, beruht auf einer Verwechs­lung der Person mit dem Fürsten zu Fürstenberg, der gleichfalls Jagduniform trug.

lieber den Abschluß der heutigen Fahrt berich­tet derSchwäbische Merkur": Unter unbeschreiblicher Be­geisterung kehrte das Zeppelinsche Luftschiff um 3 Uhr nach glänzender Landung wieder in seine Halle zurück. Nach- dem der Graf die Gondel verlassen hatte, trat der Kaiser auf ihn zu, um ihn mit herzlichen Worten zu begrüßen. Nach einer Ansprache, in der der Kaiser den Grasen als den Stolz des Vaterlandes bezeichnet hatte, hing der Kaiser ihm eigenhändig das Band des Schwarzen Adler­ordens um und brachte ein von allen Anwesenden mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf den neuesten Ritter des allerhöchsten preußischen Ordens aus. Es war ein Anblick von höchster Weihe, als der Kaiser den mit dem gelben Bande des Ordens über dem Pelzjackett geschmück­ten alten Herrn voller Herzlichkeit auf beide Wangen küßte, mährend der Fürst von Fürstenberg ein donnerndes Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Dem Grafen standen die hellen Tränen in den Augen, als er, fast wortlos vor Rührung, dem Kaiser dankte. Auch der Fürst von Fürstenberg umarmte den Grafen. Alle Umstehenden waren tief ergriffen. Da­rauf verließ der Kaiser die Werftanlagen unter den nicht endenwollenden Jubelrufen der großen Menge. Kurz vor 4 Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers. Graf Zeppelin hat sich mit dem Kaiser nach Donaueschingen begeben. Als bei der Abfahrt die Menge in endlosen Jubel ausbrach, zog der Kaiser den Grafen vor sich ans F-enster.

Die R e b e , die der Kaiser bei der Uebcrrcichung des Schwarzen Adlerordens an den Grafen Zeppelin hielt, halse folgenden Wort­laut: In meinem Namen und im Namen unseres ganzen deutschen Volkes freue ich mich. Eure Exzellenz zu diesem berriidjen Werke, daS Sie mir heute so schön vorgesührt haben, aus tiesstem Herzen zu beglückwümchen. Unser Vaterland kann stolz sein, einen solchen Sohn 511 besitzen, einen der größten Deutschen des 20. Jahr­hunderts, der durch seine Erfindung uns an einen neuen Ent- w.cklnngSpunkt des Menschengeschlechts geführt hat. Es dürste wohl nickst zu viel gesagt sein, daß wir heute einen der größten Momente in der Entwicklung der menschlichen Kultur erlebt haben. Ich danke Gott mit allen Deutschen, daß er unser Volk für würdig erachtete. Sie den unseren zu nennen^ Möge es uns allen vergönnt sein, dereinst auch, wie Sie, mit Stolz an unserem Lebmsabend sagen zu dürfen, daß es uns gelungen ist, so erfolg­reich unserem teueren Baterlande gedient zu haben. Als Zeichen meiner bewundernden Anerkennung, die gewiß alle Ihre hier versammelten Gäste und unser ganzes deutsches Volk teilen, ver­leihe ich Ihnen hiermit meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler. (Es erfolgte hier sogleich die Investierung durch Se. Majestät und den Oberstmarschall Fürsten zu Fürstenberg.) Nun gestatten Sie mir, mein lieber Gras, daß ich Ihnen jetzt schon inoffiziell die Akkolade erteile (dreimalige Umarmung). Se. Exz. Gras Zeppelin, der Bezwinger der Lüste! Hurra! Die Zeugen des wahrhaft erhebenden Aktes stimmten gerührt und begeistert in daS dreimalige Hurra ein.

Aus SLadt ussS Lcrnv.

Gießen, 11. November 1908.

Hessische Politik. Am letzten Sonntag wurde in Frankfurt a. M. em Landesverband jitngliberaler Vereine des Großherzogtums Hessen gegründet. In den Dorlänfigcn Vorstand wählte man Finanzamlmann Bangel (Vorsitzender), Lehrer Germann (Schrifis.), beide aus Darm- 1 nabt, sowie die 1. Vorsitzenden der angeschlossenen Vereine. Die erste ordentliche Verlreterversammlung findet voraus- sichll'ch Januar 1909 in Offenbach a. M. statt. Durch die Wahl deS Justizrats Tr. Schmitt zum Landtagsabgeord- neten für Mainz-Stadt mußte er fein LandlagSmandat für Maiuz-Land niederlegen. Bei der am Dienstag nachmittag erfolgten Wahl wurde für Mainz-Land Rechtsanwall Tr. Zuckm eyer-Mamz gewählt.

* Eine deutsche Prinzessin in Amerika. Bis­her wählten sich reiche 2lmenkanerinnen trotz böser Er- jahrungen mit Vorliebe europäische Aristokraten zum Gatten. Jetzt ist aber der umgekehrte Fall eingetreten. Ein reicher Amerikaner Holle sich aus der alten Welt eine Prinzessin zur Frau. Diit dem Dampfer .K.ronprinzessin Cecilie' ift dieser Tage die Prinzessin Mana zu Pfenburg und- dingen aus Wächtersbach in New-Port eingetroffen. Dre 27 Jahre alte Prinzessin ist bie erste deutsche Prinzessin, die einem reichen Erber» aus dem Dollarlande die Hand zürn Lebensbunde reicht. Auf Schloß Gettenbach lernte sie bei einer Verwandten, der verwitweten Erbgrasin zu Psenburg und Dleerho!;, den 22jährigen, mit irdischen Glr'rcksgütern reich gesegneten Admor Robinsohn aus Baltimore kennen. Admor ist der Stiefsohn des bekannten 2lsiyriologen Hilprecht, Professors an der Universität Baltmrore. Hilprecht liegt vier Monate im Jahre seinen Studien m Abu-Habba, El-Nirn- rud oder Chorlabad ob, währenddessen Frau und Stiefsohn Reisen unternehmen. Auf einer dieser Reisen in Italien lernten beide die Erbgräfin kennen. Diese veranlaßte bie Amerikaner, sich in der Oiahe ihres Wilwensitzes in Hailer bet Gelnhausen anzukcmfen, und seitdeur verbrachten Nirs. Hilprecht und Mr. Robinsohn alljährlich mehrere Wochen in ihrer Villa in dec Kmzigniederung. Bei den Besuchen aui Schloß Gettenbach lernten sich Prinzessin Niaria »mb Mister Robunohn kennen und lieben. Fürst zu Psenburg und Bü­dingen m Wächtersbach, der erst von dieser ^^iesallianz^ nichts wissen wollte, gab schließlich doch feine Zustimmung zu der Verlobung, und mit ihrem Zukünftigen i|t bie Prin­zessin jetzt über den Ozean gezogen.

* Lebensretter. Ter Badebiener Franz Schmidt zu Gießen hat am 26. Juni einen Knaben von» Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm

von S. K. G. dem Großherzog eine Geldprämie ver­liehen worden.

- WohltätigkeitSfest. Man schreibt nns: Die am Montag im GesellschaftSvereinsha»is tagende Versammlung der am 21. d. M. bei der Veranstaltung zum Besten der hiesigen Schwestern Mltwirkenden bot ein erfreu» liches Bild deS Zusammenarbeitens Aller für den guten Zweck. Frauen und Rküdchen wetHfcrn mit einander in dem Bestreben, ein möglichst schönes sinanzielles Resultat zu er* Feien, das, wie noch einmal hervorgehoben werden soll, den hiesigen Schiveftern beider Konfessionen in gleichen Teiler» zu- iällt. Es werben neben der Aufstellung kalter Buffets und dem Verkaufe kleiner Ktinstgegensiände, Postkarten, Blumen und Zigarren in geringem Maße keine Beckaufsstände ge­schahen,' um der» Geschäftsleuten, die die allgemeine Wirt- schasi-lage schon hinreichend empfmden, im Weihnaeytsgeschaft in keiner Werse zu nahe z»r treten. Mit Rücksicht auf da» am nächsten Tage stattfindende Totenfest soll der Festabend pünktlich um 11 Uhr zu Ende sein und hat man deshalb öen Ansang eine Stunde früher, also auf 6 Uhr, gelegt, (rin Prolog kommt z»r Beginn des Konzertes zum Vortrag. Geldipender bittet man an Fabrikant Klingspor, Nroltkeslc. 8, gelangen zu lassen.

Der Evangek. Arbeiterverein hielt am letzten Sonntag im oberen Saale der Herberge seinen zweiten Vortragsabend ab, bei welcher Gelegenheit Lehrer Le»l- Klein-Linden über die Lehrerfahrt nach der Wasser­kante sprach. Die Reiseschilderunger» des Referenten, die durch Zirkulation von Bildern 2c. bie Schönheiten einer sol­chen Fahrt deutlich erkennen ließen, ernteten reichen Beifall. Leider »var der Besuch nicht so zahlreich wie bei dem ersten Vortragsabend. Ter nächste Vortragsabend wird am 29. l. Mts. statlfinden und zivar wird voraussichtlich an tiefen» Abend Stadtbanmeister Braubach über seine Reise nach den Kolonien sprechen. Ter Kinberchor deS Ver­eins, der im vergangene»» Jahre nahez»» 100 Kmber zahlte, beginnt jetzt wieder unter Leitung des Dirigenten Ntusik- lehrer Gernhardt seine Proben, um bei der Weihnachtsfeier, öic in Steins Garten flatlfinbet, mitwirken zu können.

"In Amerika verstorbene Hessen. Wilhelm! P. K. Schlatter aus Gießen, 64 Jahre alt, in Brooklyn, Pastor Nikolaus Weiß aus Hering, 72 Jahre alt, in Otew-York. Heinrich Zior aus Darmstadt, 55 Jahre alt, in Jersey City, Heigts, N. I.

Großen-Linden, 10. Nov. Am 23. d. MiS. werden es 2 5 Jahre, daß unser jetziger Bürgermeister Landlagsabg. Le »in zum ersten Male als Ortsoberhanpt gewählt wurde. In seine Amtstätigkeit fällt ein bedeutender Aufschwung unseres Ortes, zahlreiche llreuerungen und fort* schrilttiche Einrichtungen wurden getroffen, bie dem Städtchen und seinen Einwohnern zum Segen gereichen. 1886 wurde an der Main - Weserbahn die Station Großen - Linden er­richtet und schot» em Jahr darauf eine Güterverladestelle mit ihr verbunden. Vor jetzt 10 Jahren entstand das Acetylen- GaSwerk, bann wurde eine Aerztewohnung und eine Apotheke errichtet, sowie eine Kleinkinderichule erbaut. Im vorigen Jahre kamen die Wasserleitung und ein großes Gemeinde­haus, das zugleich als Wasserturm dient, zur Ausführung. Die im Sommer erfolgte Neueinweihung unserer alten Kirche ist noch in frischer Erinnerung. Ihre Renovierung kollete der Gemeinde etwa 40000 Mark.

-v Friedberg, 10. Nov. In einer gestern hier ab­gehaltenen Vertreterversammlung der hessischen Molkerei­genossenschaften wurde deren Zusammenschluß be- schlosien zu dem Zweck, für ihre Geschäftsbetriebe gemeinsam eine Schutzmarke eintragen zu lassen. Diese Ntaßnahme beziveckt, bie Ntolkerei-Erzeugnisse für die Abnehmer deutlich erkennbar zu machen, und die Lieferung guter Qualitäten der öffentlichen Beurteilung zu untecfteUci».

th. Wetzlar, 10. Nov. Die nach Plänen des Architekten Hamann (Gießen) erbaute, von der Firma H. Schafisraedt (Gießen) eingerichtete städtische Badeanstalt, bie außer einem ge­räumigen Schwimmbassin Brause-, Wannen- und Heilbäder ent­hält, ist bis auf Kleinigkeiten fertiggestellt. Das Bad wird am 26. b. Mts. durch einen würdigen Festakt seiner Benutzung über­geben werden. Der architektonisch prächtig wirkende Bau, der exponiert zwischen bet Lahn und der BahnlMstraße gelagert: ist, bildet eine malerische Zierde unserer alten Stadt und wird zwei.ellos für unsere Bevölkerung eine Annehmlichkeit bieten, deren gesmidl^eitlicher Wert leider heute noch vielfach verkannt wird.

)( Marburg, 10. Nov. Dem Direktor der Landes-Heil­anstalt, Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Tuezek, der im vorigen Jahre Rektor der Universität war, bringt die Studentenschaft am Donnerstag einen Fackelzug. Pros. Dr. lheol. Her­mann wurde zum, Konsistorialrat ernannt.

tihcucner Strafkammer.

)( Gießen, 10. Nov.

Erfolglose Berufung.

Auf Privatklage des Lanvwirts L. W. in Alren-Buseck wurde der Ziaarrenrnncher H. S. wegen Körperverletzung zu 15 Mark Gelchtrafe verurteilt. St. hatte dem 12 jährigen Sohn des W. mehrfach ins Gesicht geschlagen. Ter Angeklagte erhob Bewusung und behauptete, das Verfahren sei nichtig, da die Klage nickst als Vertreter des Verzctzten von dem Antragsteller, sortdern im eigenen Namen erhoben worden ist. Aus der Klage geht aber bercor, daß der Kläger sich nicht selbst verletzt fühlt, vielmehr als gesetzlicher Vertreter seines Sohnes Strafantrag stellt, tonnten die Einwenoungen des Ängettagten (eine Perückjich.igung finden, was die Bestätigung des Urteils zur Folge hatte.

Keine Beleidiguug.

Der Landwirt I. V. aas u r 1a <. 0 -3 f e t b e n hatte einem Vorgesetzten des Straßenwärters Fr. W. die Mitteilung gemacht, es seien bei einem Straßenbau Unregelmäßigkesten vorgewmmen, W. haoe Kies, deo auf die Straße gehörte, zum Bau seines Haujcs verwendet. Das Sst-öffengericht verurt.üte B. auf Privatkiage des W. wegen Beleioigung zu 40 Mark Geldstrafe. Ter Ange­klagte focht das Urteil an und bestritt jede oeleioigende 2ll),icht. Die BerufungsverHandlung ergab auch, daß der Angeklagte diw Ansickjt war, es seien tatsächlia) Unterfchleifen oorgekommen; er bat dieses einem Vorgesetzten des Klägers mitgcteiU und dabei feine beleidigende Form gebraucht. Unter diesen Umständen ge-