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11.7.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 161

Zweites Blatt

Samstag 11. Juli 1908

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oderheffen

158. Jahrgang

DieEtehener Zamilienblätter- werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts - Buch- und SteinörudereL R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: S^ll^.Tel.-AdruAnzeigerGießen.

vom Aottenverein.

Die entscheidende Vorstandsitzung im Flottenverein ist 'gewesen. Großadmiral v. Koester hat, wie wir bereits gestern meldeten, die Wahl zum Nachfolger des Fürsten Salm angenommen. Die Lösung, die man von vorn­herein in Danzig im Auge gehabt hatte, ist also nun perfekt geworden. Die Hysterischen werden nun von neuem die Schleusen ihrer lauten Beredsamkeit öffnen. Mögen sie! Mit den Entrüstungsstürmen ist es wie mit dem Regen: wenn es genug geregnet hat, dann hört es wieder auf. Auch drese aufgeregten Wasser werden sich verlaufen, und hinter­her wird man finden, daß der Lärm umsonst war.

Vorläufig erfährt man immer noch von neuen Massen­austritten aus dem Verein. So hat die Ortsgruppe Mül- heirn a. d. Ruhr, die 800 Mitglieder zählt, ihren Austrüt erklärt,weil sie das Vertrauen zu einer friedlichen Weiterentwicklung verloren habe." In der Hauptversamm­lung des westfälischen P r o v in zia l v e r b a n d e s legte der Vorstand seine Aemter nieder. Die Hauptversamm­lung billigte die Gründe. Und der evangelische Arbeiterverein zu Barmen richtete an den Vor­sitzenden des Gesamtverbandes evangelischer Arbeitervereine, oen Pfarrer Lic. Weber in München-Gladbach, das Gesuch, ihn von der Lifte derjenigen evangelischen Arbeitervereine, welche dem Flottenverein als Mitglied angehören, sofort zu streichen. Schließlich hat eine große Reihe würt- tembergischer und badischer Ortsgruppen den zuständigen Präsidien die Absicht der Mehrheit ihrer Mitglieder kundgegeben, aus dem Verbände zu treten. Mir zweifeln indes nicht, daß alle diese gckräntten Leberwürste sich bald wieder zu dembesagten Hammel" zurückfinden werden.

Die erste Kundgebung des neuen Präsidiums lautet im wesentlichen:

Das Präsidium erklärt, daß es selbstverständlich die volle Unabhängigkeit des Vereins zu ivahren ent­schlossen ist. Ebenso selbstverständlich wird es sich streng au die Satzungen des'Vereins halten. Als Richtschnur für sein Vorgeben wird es die aus der Danziger Tagung mit überwiegenoer Mehrheit gefaßte Resolution ansehen. Es fordert die Verbände auf, mit allen Mitteln daran zu ar­beiten, unserem großen nationalen Verein die in den Kämpfen der letzten Monate erschütterte Einigkeit wiederzugeben und alle in ihm schlumernden Kräfte nur der einen großen Aufgabe: dem Werben und Eintreten für die Verstärkung unserer Flotte zu widmen. "

Unterschrieben ist das Zirkular im Auftrage des Prä­sidiums von Admiral Weber, deut geschäftsführenden Vor­sitzenden des Vereins. Tas, was da gesagt wird, scheint uns ganz im Interesse des Vereins zu liegen. Ein Flotten- verein nach dem Herzen der jetzt Äturrenden wäre kein Flottenverein, sondern der Alldeutsche Verband.

Großadmiral v. Koester hat der Kaiser!. Marine seit 47 Jahren angehört. Er wurde 1841 zu Schwerin in Meck­lenburg geboren und machte 1878 bis 1880 au Bord des Prinz Adalbert", auf dem auch Prinz Heinrich eingeschifst war, eine Reise um die Erde. 1889 wurde er Direktor im Marinerninisteriuut, 1892 Vizeadmiral, 1893 Chef des Manövcrgeschwaders, 1896 Chef der Marinestation der Ost­see, 1897 Admiral, 1899 Generalinspekteur der Marine mit dem Range eines kommandierenden Generals, 1903 Chef der aktiven Schlachtflotte. Der Kaiser verlieh ihm 1900 den erblichen Adel und 1902 den Schwarzen Adlerorden; im Jahre 1905 berief er ihn nach Ernennung zum Groß­admiral ins preußische Herrenhaus.

Apolitische Tagesschau.

Auf dem amerikanischen Demolraten-Konveut zu Denver erfolgte die Nominierung Bryans zum Prä- fidentschafts - Kandidaten unter ungeheurem En­thusiasmus. Bryan erhielt 892^ Stimmen, Gray 59^ und Johnson 46 Stimmen. Es folgte eine Demonstration, welche 72 Minuten dauerte. Die Delegierten brachten Heilrufe aus und schwangen ihre Banner; Musikkorps spielen. Der Kon­greß nahm eine Resolutian an, in welcher Bryans Ansichten über die Tarifreform, die Ersparnisse in der Verwaltung, die Zulassung gemischtstaatlicher Korporationen, sowie über die Sicherstellung der Bankeinlagen bei allen Banken, die unter Aussicht der Regierung stehen, kurz skizziert wurden. Hin­sichtlich der Tarisresorm spricht sich die Resolution für eine sofortige Revision durch Ermäßigung der Einfuhr­zölle aus und erklärt, Artikel, die mit den Erzeugnissen der unter Aufsicht stehenden Trusts konkurrieren, sollten auf die Freiliste gesetzt werden. Die zum Lebensunter­halt notwendigen Erzeugnisse sollten eine wesentliche P r e i s r e d u k t i o n erfahren, besonders die Artikel, die mit den amerikanischen Erzeugnissen konkurrieren, die im Auslande billiger als in den Bereinigten Staaten verkauft werden.

Ter Konvent hat dann John M. Kern (Indianapolis) zum Vizepräsidentschaftskandidaten nominiert.

Deutsches Reich.

Ein Telegramm aus O d d e in Norwegen vom 10. Juli meldet: Der Kaiser unternahm heute eine Fuß­tour nach dem Skajaeggedal bei 2Vs Stunde Anstieg bis zum See und eine halbstündige Fahrt mit dem Motor­boot zu mehreren Wasserfällen, die an Stärke und Schön­heit alles überragen, was. bisher in Norwegen gesehen wurde.

Bei dem Gegenbesuch, den der Kaiser Anfang August dem König von Schweden abstatten wird, wird diesem ein Bild des Kaisers überreicht werden. Das Bild stellt den Kaiser in Lebensgröße in der Uniform der Gardes du Corps dar.

Der Kaiser richtete an die Witwe des verstorbenen Aeneralfeldmarschalls Freiherrn von Los folgendes Bei­leidstelegramm :

»Ich spreche Ihnen und den Ihrigen meine wärmste Teilnahme an dem Tode Ihres von mir hochverehrten Mannes aus. Was

der vereivigte Feldmarschall meinem Großvater, meinem Vater, mir und der Armee in Krieg und Frieden, in den verschiedensten Stellungen geiucfen ist, wird in der Geschichte des preuß. Heeres und meinem Hause unvergessen bleiben. Er war das Muster des pflichttreuen, unermüdlich tätigen Offiziers, ein letichtendes Vorbild für seine Untergebenen. Wilhelm, L K.

Aus Olde u bürg wird geschrieben: Vor geraumer Zeit entstand im Oldenburger Kriegerbund, der unter dem Protektorat des Großherzogs steht, eine Spaltung. Dies geschah wegen der sogen.H u t a b - G e s ch i ch t c". Die K^iegervereine sollen während des Vorbeimarsches an dem Großherzog auf dem Bundeskriegerfest auf Kommando die Kopfbedeckung abnehmen. Hiemit waren mehrere Ver­eine nicht zufrieden. Sie traten aus dem Bund aus, sofern sie nicht schon ausgeschlossen waren. Diese Vereine haben jetzt einen Bmrd geschlossen, welcher den Namen führt Verband der Kriegervereine, die dem Oldenburger Krieger­bund nicht augehören".

Die Errichtung von Jugendgerichtshöfen in Bayern steht unmittelbar bevor.

DerBayr. Kur." erfährt aus Augsburg, daß der Verband der Metallindustriellen jetzt daran gehe, vorläufig wenigstens alle Vorstandsmitglie­der der Angestelltenverbände auf die Straße zu setzen. Vier Angestellten der Augsburger Maschinen­fabrik, die schon jahrelang dort beschäftigt sind, habe man bereits gekündigt. Ihr ganzesVerbrechen" bestehe darin, daß sie nicht aus ihrem Verbände austreten!!

JnWürzburg nahm eine liberal-demokratische Ver­sammlung nach Referaten Assessor Müller und Rechtsanwalt Kohl über die Einschränkung der ft a a L s b ü r a e r - liehen Freiheit eine Resolution an, die im Falle Beyhl das Verhalten des Kultusministers für staats- gefährdend und eines bayerischen Ministers unwürdig erklärt.

2hts Stadt riird Land.

Gießen, 11. Jrili 1908.

** Auszeichnungen zum Genossenschafts­jubiläum. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben aus An­laß der Feier des 25 jährigen Jubiläums des Reichsverban­des der deutschen landw. Genossenschaften verliehen: den Charakter alsGeheimerat" dem Generalanwalt des Reichsverbandes- Geh. Regierungsrat Haas zu Darm­stadt; den Charakter alsKommerzienrat" dem ersten Di­rektor der Reichsgenossenschaftsbank Rechnungsrat Ihrig zu Darmstadt; das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen mit der Krone den Ver­bandsdirektoren des Reichsverbändes: Landesökonomie­rat Dr. Haven st ein zu Bonn, Landrat z. D. v. Brock- hausen zu Stettin, das Ritterkreuz 1. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen dem ersten Stell­vertreter des Generalanwalts Verbandsdirektor Johann- ßen zu Hannover, den Verbandsdirektoren Rechtsanwalt B a n g r a tz zu Landau in der Pfalz und Hofrat B a ch zu Dresden, dem stellv. Direktor des Verbandes der hessi­schen landw. Genossenschaften Oekonomierat D e 11 w e i l e r zu Laubenheim, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone dem Bureau- vorsteher Verwaltungssekretär Schneider zu Darmstadt.

* Erledigte Lehverstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evaug. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenschlirf. Mit dec Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer 31t besetzende Lehrecstelle an dec Gemeindeschule zu Fleschen­bach. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrecstelle an der Gemeindeschule zu Heisters; mit der Stelle ist Organisten- und Vorlesedienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrecstelle an der Gemeindeschule zu Ilbeshausen; mit der Stelle ist Organistendienst ver­bunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Sickendorf.

** Gewerbeschulpersonalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den mit dem 9hnt eines Hauptlehrers an der Gewerbeschule zu Alzey probeweise beauftragten Archi­tekten Paul Lndw. Hch. Lindemann zum Hauptlehrer ernannt.

Landw. Ausbildungskurs für Volksschul­lehrer. Ter am 8. April unter Leitung des Professors Dr. Gisevius begonnene 3. Kursus in landwirtschaftlicher Naturkunde für Fortbildungsschullehrer geht mit dem heutigen Samstag zu Ende. Es nahmen insgesamt 21 Lehrer, da­runter 5 Herren aus Oesterreich, an dem Kursus teil. 9lb und zu wies dec Kursus aber auch noch andere Interessenten auf, so Seminardirektor a. D. Quentell, Präparanden- vorsteher Lorenß-Lich und Kreisschulinspektor Eck aus Alsfeld. Nachdem am Dienstag die Versuchsfelder des Landwirtschaft­lichen Instituts der Landesuniversität am Trieb, im Lahntal und am Hardthof unter Führung des Prof. Dr. Gisevius und Dr. Böhmer besichtigt, wohnten die Kursusteilnehmer am gestrigen Freitag dem Unterricht der Fortbildungsschule in Grüninge n unter Lehrec Mornbecger bei. Auch die Herren Geheimerat Provinzialdirektor Dr. Breidert, Schulrat Kleinschmidt und Schulinspektor Eck waren bei dieser In­spektion zugegen. Geheimerat Provinzialdirektor Dr. Breidett sprach den 15 erschienenen Schülern für ihre rege Aufmerk, samkeit seinen Dank aus.

Die Einweihung des neuen Gewerbe­hauses in der Kirch st raße findet am Sonntag, 26. Juli, vormittags 10% Uhr statt. An die eigentliche Einweihungs- feier schließt sich eine Besichtigung des stattlichen Neubaues an, während am Nachmittag ein Festessen und ein Gartenfest in Steins Garten vorgesehen ist.

* Von den Erfolg en des Ob erhessischen Aus- st ell u n gsh au ses auf der Darmstädter Ausstellung erfahren

mir, daß die Für st in-Mutter v. S tolberg-Roßla, geb. Prinzessin v. Isenburg-Büdingen, den jungen Gießener Architekten Burg, von dein bekanntlich die Entwürfe mehrerer Zimmer stammen, hat zu sich kommen lasten und ihm ver- schiedene größere Aufträge erteilt hat. Herr Burg hat den Schreinermeister Meurer in Ortenbcrg wieder mit der Aus­führung der von der Fürstin gewünschten Möbel betraut. Ferner erfahren wir, daß Speisezimmer-, Schlafzimmer- und Kuchen-Einrichtung bereits wiederholt verkauft, bezw. in Be­stellung gegeben worden sind.

National liberale Partei. Sonntag 12. Juli, nachmittags 3 Uhr findet im Hotel Gcoßherzog von Hessen wieder eine 11 a t i 0 n a 11 i b e r a l e Vertrete rversamm - lung der 7 benachbarten Ncichstagswahlkreise statt. Dis Landtagsabgeordneten vom Nath-Wetzlac und Dr. Lohmann- Dillenburg werden über die preußischen Landtagswahlen sprechen. Parteifreunde sind willkommen.

Aus dem Bureau des Stadttheater §. Wegen Verhinderung der Musikkapelle muß die Aufführung von .Walzertraum" verschoben werden. Die Anf- führung ist nun definitiv auf Dienstag 21. Juli festgesetzt? Die Vorbestellungen behalten Giltigkeit. Es ist der Di­rektion gelungen, als Ersatz für die ausgefallene Operetten­vorstellung der nächsten Woche ein hochinteressantes exotisches Gastspiel abzuschließen. Am Donnerstag 16. Juli wird Madame Hanako, die berühmte japanische Schallspielerin mit ihrer Gesellschaft einmal gastieren. Zur Aufführung gelangen zivei Stücke aus dem japanischen Volks­leben von Loi Fu:Im Techause" undOlafe*. Eine Inhaltsangabe der Stücke wird noch bekannt gegeben. Billets zu dieser Vorstellung sind täglich von 11 1 Uhr an der Theaterkasse erhältlich.

* Kun st verein. Die gegenwärtige Ausstellung der Kollektionen Corrodi-Rom, I. G. Mohr-Frankfuct und der ,Smiplicissimus*-Zeichnungen bleiben nur noch vier Tage, bis zuln Mittivoch, 15. d. M ausgestellt. Alif allgemeinen Wunsch und wegen des fortgesetzt regen Besliches ist die AuSstellllngsdalier dieser Kollektionen so lange verlängert worden.

(Sin Schüler prüfungskonzert des Kruse- schen Musikinstituts findet morgen nachmittag in Steins Saalbau statt, das dllrch die Söhne des Herrn Kruse, die Kgl. Kammennusiker H. und W. Kruse, verschönert werden soll.

X Hochelheim, 10. Juli. Wie gefährlich es ist, sich bei einem Gewitter unter einen Bamn zu stellen, beweist wieder folgender Fall. Ein junger Mann von hier mar gestern vormittag während eines Gewitters mit Kirschen­pflücken beschäftigt. Als es heftig zu regnen ansing, flieg er von dein Kicschbauin herunter und suchte Schutz unter einem in der Nähe stehenden Apfelbaum. Kaum hier an­gekommen, fuhr ein Blitzstrahl an dem Baum heclinter und tötete ihn.

Bad-Nauheim, 3. Juli. Bis zum 11. Juli sind 16 5 2 2 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6938 anwesend waren. Bäder wlirden bis 511m 9. Juli 184 684 abgegeben.

yl. Ulfa, 10. Juli. Ein Brandunglück richtete hier am Donnerstag cm Gewitter an, das sich kurz vor 2 Uhr iib^r unserer Gegend entlud. Em Blitzstrahl schlug in die mit Heu und Stroh gefüllte Scheuer des Landwirts Roth auf dec Landwehr. Obwohl die Feuerwehr in kürzester Zeit auf der Brandstätte war, konnte sie die Scheuer, die aligenblicklich in hellen Flammen aufgelodert war, nicht retten. Sie mußte sich baranf beschränken, das Feuer von dem Wohn­haus und den Nachbacgebäuden fernzuhalten, was ihr bei größter 9(n|"irengung auch gelang. Nach zwei Stunden an­gestrengter Tätigkeit war alle Gefahr beseitigt. Leider ist dec Abgebrannte nicht versichert.

X. Offenbach a. M., 9. Juli. Die heutige Sitzling der Stadverocdneten-Versammlung beschäftigte sich u. a. auch mit dem Schmerzenskind dec Stadt, dem neuen Gaswerke. Die ursprünglich vorgesehene Bausumme von rund zwei Millionen Mark ist infolge dec vielen Veränder­ungen und Eriveitecungen des Projektes um 750 000 Mk. überschritten worden, so daß nunmehr eine Vorlage auf Nach- bcioilligung dieser Summe erscheinen mußte. In der Debatte über diese Vorlage wurde betont, daß allerdings die Stadt- verordneten-Versammlung vor einer vollendeten Tatsache stehe und deshalb wohl oder übel die Nachbewilligung gegeben werden müsse, doch stehe ivohl auch fest, daß eine gründliche Vorprüfung des Voranschlags nicht erfolgt sei, weiterhin der bauleitende, freiwillig aus dem Leben geschiedene Gaswerts­direktor König, deut die vorherige Stadtverordnetenmehrheit iveitgehendes Vertrauen entgegengebracht, vielfach auf eigene Faust gearbeitet, weder Verwaltung, noch Ausschuß und Stadtverordneten-Versammlung gefragt habe. Die im Sitzungs­saals ausgehängten Pläne zeigten, daß das Gaswerk gegen­über dem ursprünglichen Projekt jetzt eine ganz andere Form erhalten hab. Die Nachbewilligung von 750 000 Mk. wurde beschloffen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der am 22. Juni von Beverungen verschwundene Getreidegroßhändler Löwenstein hat 270000 Mark Schulden hinterlassen, außerdem für 80 000 Mark Wechsel auf Landwirte und Mühlenbesitzer gefälscht. In B ö 11 ft a ö t bei Assenheim wurden dr e i Scheuern des Besitzers Wagner und des Händlers Müller in der gestrigen Nacht bei einem nieder­gehenden Gewitter vom Blitz getroffen und in Brand gesetzt. Die Scheuern brannten bis zum Grund nieder. In Offenbach wuwe dec Schweinehändler Johann Mahl ivcgcn Fälschung von 40 Wechseln verhaftet. Im Mainzer Kre marvrium fan­den im 2. Quartal 73 Einäscherungen statt. Von diesen waren 26 aus Wiesbaden und 12 aus Mainz.