Ausgabe 
9.5.1908 Zweites Blatt
 
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Die rückständige Stemvelabgabe für Fahr­räder kann noch bis zum 15. Mai kostenlos bezahlt werden.

Für Bad Salzhausen. Friedrich Schmitt aus Nidda wurde zum Kunstwärter und Untererheber bei der Bade­anstalt Bad Salzhausen ernannt.

* Eine Schülerherberge im Vogelsberg. Die Louristenbewegung, die die weitesten Kreise ergriffen hat, hat, wie man uns aus Lauterbach schreibt, auch in unserem Vogelsberg mehr und mehr Boden gefaßt. Es liegt nun auch die Absicht vor, der wandernden Jugend eine Stätte zu geben, wo sie ohne große Kosten bte Schönheit von Berg und Tal genießen kann. Es soll in Hochwald- Hausen eine Schüler- und Studentenherberge geschaffen werden, nahe dem Oberwald über dem vulkanischen Boden der Vorzeit, und nahe wieder an den stillen Tälern des Vogelsbergs und den alten Städtchen, wie Lauterbach und Schlitz, wo sich ein eigenes Leben seit vielen Jahrhunderten entfaltet hat und noch immer bewährt. Das Gelände wird kostenlos gestellt; ein Ausschuß ist schon gebildet unter dem Vorsitz des Kreisrat von Bechtold in Lauterbach. Man hofft in baldiger Zeit, den Bau, dessen Skizze viel verspricht, dem Verkehr übergeben zu können, als schöne Raststätte für unsere Jugend. Es handelt sich jetzt freilich um Aufbringung der Mittel. Man gedenkt, durch einen Aufruf die Stadt­verwaltungen, Stiftungen und sonstige Organisationen, die auf sozialem Gebiete tätig sind, zu interessieren, möge er Erfolg haben.

Vom BüdingerHofirat". Der Zustand des HoftatS Rothschild, der schon bei seiner Einlieferung in das hiesige Untersuchungsgefängnis sehr leidend war, hat sich so verschlimmert, daß Herr Rothschild gestern in die medizinische Klinik verbracht werden mußte. Dadurch ist es fraglich geworden, ob der Fall Rothschild schonin der Junitagung des Schwurgerichts zur Verhandlung gelangt, wie bis jetzt be­absichtigt war.

Heuchelheim, 7. Mai. Gestern abend passierte aus dem Felde heimkehrenden hiesigen Landleuten ein Un­glück. Als sie nämlich beim Heimfahren vor dem Dorfe, auf einem nach der Seite geneigten Wege sitzend, einem geladenen Wagen ausweichen wollten, fiel der Wagen um. Zum Teil fiel er auf die Insassen. Einer jungen Frau wurde das eine Bein zerschmettert, und auch die anderen trugen mehr oder minder gefährliche Verletzungen davon. Durch herbeieilende Leute wurde die schwer verletzte Frau heim­gebracht.

§ Burkhards, 7. Mai. Gestern ertränkte sich in der Nidder an einer tiefen Stelle der hiesige Landwirt Johannes Haas VIII. Lieber die Ursache des Selbstmords werden verschiedene Vermutungen laut.

X Göbelnrod, 8. Mai. Die namentlich von den hiesigen Arbeitern schon lange gewünschte Personen­haltestelle wird schon in allernächster Zeit eröffnet werden.

Darmstadt, 9. Mai. Gestern mittag starb nach langem Leiden Bauunternehmer Ludwig Vogt, der schon seit längerer Zeit der Stadtverordneten-Versammlung ange­hörte und ein sehr tätiges Mitglied der freisinnigen Partei war. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 50 Jahren.

X. Kinzenbach, 8. Mai. Der Krieger- und Militärverein Kinzenbach, einer der jüngsten Vereine des Kreises Wetzlar, war bis jetzt nicht im Besitze einer Vereins­

fahne. Der Verein wurde am 22. März 1897, dem hundert­jährigen Geburtstage Kaiser Wilhelm I., gegründet und zählt 30 Mitglieder. Inzwischen wurden die Mittel für eine Vereinsfahne beschafft und der Bonner Fahnenfabrik die die Lieferung übertragen. Um die Zahl der Feste zu ver­mindern, soll die Fahne am 2. Pfingsttage ihre Weihe er­halten. Zahlreiche Nachbarvereine haben ihr Erscheinen zu dem Feste zugesagt. Die Festnmsik stellt die Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regiments zu Gießen.

§ Wetzlar, 9. Mai. Als freisinniger Landtagskandidat für den Wahlkreis Wetzlar wurde Ingenieur Dr. Kollmann in Ems ausgestellt, dec der freisinnigen Volkspartei angehört.

/^Hochelheim, 7. Mai. Mit der Beginn der besseren Jahreszeit macht sich auch überall in den Dörfern des Hütten- berger Landes wieder eine rege Bautätigkeit bemerkbar. Mlt wenigen Ausnahmen sind hierzulande alle älteren Häuser im Fachmerkstil gebaut. Nur die wenigsten haben jedoch ihr ursprüngliches Aussehen beibehalten. Viele sind übertüncht, daß man die hübschen Holzschnitzarbeiten (Blumenornamente, Genien, Fruchtschnüre, Köpfe und dergl.) leider nicht mehr wahrnehmen kann. Recht schön repräsentiert sich folgender an einem Hauptbalken eingeschnitzter Spruch: ,Wer seine Zung* nicht zügeln kann, und übet red't von jedermann, derselbe wiss' zu jeder Frist, daß ihm mein Haus verboten ist".

h Frankfurt a. M., 8. Mai. Die Frankfurter Handelskammer beging heute das Fest ihres hundert­jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß fand im großem Böcsensaal ein akademischer Festakt statt. Geh. Kommerzien- Jean Andreae-Passavant hieß im Auftrage der Handels- kaminer die Vertreter der Behörden, der ausländischen Handels­städte, der deutschen Handelskammern und des deutschen Handelstages, sowie alle die Gäste willkommen, die ou§ allen Teilen des deutschen Landes herbeigeeilt waren. Die Festrede hielt Syndikus Or. Trump le r. Glückwünsche überbrachten der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Sydow im Auftrage des Reichskanzlers und Finanzmimster Freiherr von Rhein­baben, der die Grüße des preußischen Staatsministeriums darbrächte. Die Handelskanimer errichtete eine Stiftung von 100 000 Mk. für hilfsbedürftige Kaufleute, deren Angehörige und Hinterbliebene. Beim Verbrennen von Totenkränzen stürzte der Tagelöhner Klock, von einem plötzlichen Unwohl­sein befallen, in die lodernden Flammen und konnte nur fast verkohlt heroorgezogen werden. Der Unglückliche starb kurze Zeit darauf.

<Serid?ts5aaL

Breslau, 8. Mai. Die Slraikammer verurteilte den Agenten Wilhelm Weiß wegen verursachter Erpressung und Unterschlagung, verübt an d e rn Kardinal Kopp, zil vier­jährigem Gesang nis und öjährigem Ehrverlust, den Dekorateur Max Zimmermann wegen versuchter Ölötignng und Beleidigung des Kardinals zu 4monatigem Geiängnis und 300 Alk. Geldstrafe uni> den Installateur Richard Wolff wegen Beleidigung zu 300 Alk. Geldstrafe.

Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. In München ist am 8. Mai der Forschungsreisende und Orientalist Ed. Glaser gestorben. Gl. war geboren am 15. März 1855 tn einem böhmischen Oertchen. Im Jahre 1882 ist er aui einer Arabtenreise in Sara fast ein Jahr interniert gewesen. In Marib entdeckte er später tausende wertvolle Inschriften, die in Wiener, Berliner und Londoner Museen untergebracht sind. Er­lebte seit 1896 in München. In Paris ist am 8. Mai der Schriftsteller Ludovie Halevy, Mitglied der Akademie, gestorben.

I Er ist der Verfasser Zahlreicher Textbücher zu Operetten Offenvack^ I u. a., mehrerer Lustspiele unb Vaudevilles, sowie des Pariser | SittendramasFrousrou". Er war geborer am 1. Juli 1834 zu Paris.

Kleine Tageschronik.

In der Nachmittagsziehung der Preußischen Klassen­lotterie am 8. d. M. fiel der Hauptgewinn im Betrage von 500 000 Mark auf Nummer 132 829.

In Straßburg wurde die 13 jäiyrtgc Tochter eines Kan­tinenwirtes von Zwillingen entbunden. Sie erklärt, von einem Unbekannten vergewaltigt worden zu fein. In der Angelegen­heit wurden ein Unteroffizier des 13. Infanterie-Regiments, der Bruder des Ndadchcns und ein Matrose verhaftet.

In S a ch r a n g (Chiemgau) wurde der vom Polterabend mit seiner Braut heimkehrende junge Bauer Grundier von dem früheren Liebhaber des Mädchens, dem 20jährigen Bauernburschen Buchauer überfallen. Der Unhold schlug mit einem Prügel der Braut den Schädel ein und st ach den Bräutigam nieder. Der Täter ist flüchtig.

In P i t t s b u r g verübte der Kassierer der Alleghen-National- Bank, Montegomery, Unterschlagungen, die sich auf ungefähr 1 Million Dollars belaufen.

Der Verkauf des R e n n st a l l e s des kürzlich verstorbenen Herzogs von Deoonshire hat 416000 Mark ergeben. Das Pferd Acclaim, Gewinner des New Makrei-Rennens vor 4 Jahren, wurde für 74 800 Mk. verkauft.

Die Anklagekammer zu Paris gab der von dem Finanz­spekulanten Rochette erhobenen Beschwerde gegen seine weitere Jnhafthaltung Folge und beschloß, Rochette gegen eine Bürgschaft von 200 000 Francs in vorläufige Freiheit zu setzen.

Eingesandt.

Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Lollar. Die Trinkwasser Verhältnisse auf unserem Bahnhof grenzen an das Unglaubliche. Es ist eine sonderbare Zumutung, daß man den Bewohnern des Bahnhofs und den Passagieren eine solche Flüssigkeit zum Genießen vorzusehen wagt. Alle Maßnahmen der Verwaltung sind durchaus unzureichend. Bei der letzten Reinigung des Brunnens und des Reservoirs wurden Unmassen von Schlamm und Schmutz zu Tage gefördert und es verbreitete sich ein pestilenzartiger Gestank. Rach der Neu- anstreichung des-Reservoirs mußten auf dem Bahnhof die Speisen ziim Teil weggefchüttel werden, da das Wasser intensiv nach Karbol roch. Allen diesen Mißständen hätte die Verwaltung leicht abhelsen können, wenn sie sich zu dem Anschluß an die Lollarer Wasser­leitung entschlossen hätte, die ein vorzügliches Trinkwafser liefert. Es wird demnach wieder einmal am unrechten Platze gespart auf Kosten der Gesundheit der Passagiere, des Personals und der Be­wohner des Bahnhofs.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Sonntag den 10. Mai: Teilweise heiler, warm. Nachmittags Gewitterregen. Südliche Winde.

Griginal-Drahtniel-ungen.

Wien, 9. Mai. Die ,Neue Freie Presse^ bestätigt die Gerüchte, daß in der Nähe von Jglau gegen den Zug, in welchem sich der König von Sachsen auf der Huldigungsfahrt nach Wien befand, ein Stein geworfen wurde, durch den ein Coupö-Fenster zertrümmert wurde. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet worden.

Wien, 9. Mai. Der König von Dänemark trifft nächste Woche zu mehrtägigem Aufenthalt in strengstem Inkognito in Wien ein.

Sofia, 9. Mai. Der Fürst und d i e F ü r st i n werden nach Beendigung der Skuptschina-Wahlen Ende Juni eine offi­zielle Reise nach Petersburg, Berlin und Wien antreten.

Für Itinber [j

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Lehrlinge: 1 Buchbinder gegen Vergütung, 1 Tapezierer gegen Vergütung, 1 Glaser, 1 Stukkateur, 1 Spengler, 1 Schreiner.

b. bei auswärtigen Arbeitgebern:

1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Kutscher, 3 Weber, 2 Maler, 1 jüngerer Schneider, 1 Näherin, 1 Dienstmädchen, 1 Haus- hälterm.

Lehrlinge: 1 Schreiner, 1 Schlosser, 1 Schmied.

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Bilanz am 31. Dezember 1907

B. Passiva

Aufg. Kapitalien 444003.81

Mitgliederguthaben 20192.55

8579.60

Gegen gerichtl.

Obligationen 143733.10

Geg. Schuldsch. 201944.10 , Güter-

kaufschilling 67864.80 1908 und 1909

werden weiter fällig 4351.98 Kaffenvorratu.Ausst. 57840.90 Mobilien nach 2%

Abschreibung 256.09 475990.97

Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1906 . . . I89 In 1907 gingen zu....... . 11

200

r , , ab.........._J!

Daher Stand der Mitglieder Ende 1907 . . . 191

Der Direktor: Der Rechner: Der Kontrolleur:

W. Becker I I. Becker XII G. Amend

General-Versammlung

Sonntag den 17. Mai 1908 findet die erste ordentliche Generalverfammlung auf dem Gemeindehause nachmittags 3 Uhr statt, wozu alle Mitglieder freundlichst eingeladen werden.

Tages-Ordnung:

1. Abhör der Rechnung pro 1907.

2. Beschlußfassung über Dividcndenverteilung.

3. Antrag des Vorstandes um Gehaltserhöhung.

4. Verschiedenes.

Die Rechnung liegt acht Tage lang vom 11. bis 16. d. Mts. zur Einsicht auf dein Bureau des Rechners osten.

Der Aufsichtsratsoorsitzende

W. Dapper.