Nr. LOS
Zweites Blatt
Samstag 9. Mai 1908
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Sberheften
158. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der vrühlftchen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei. 9t Lange, Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion ’ t-? 2Ll.^ldr^AnzeigerDießen.
Die „Gietzener Samtltenblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblati für öen 'Kreis Stehen" zwennal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Der Taler redivivus.
Von Professor Dr. M. Biermer.
Der deutsche Reichstag hat gestern unmittelbar vor Toresschluß dir neue Münznovelle verabschiedet, die Quote des Stlbermünzenumlaufs pro Stopf der Bevölkerung von 15 bis zu 20 Mk. erhöht und gegen den hartnäckigen Widerstand der Reichsregierung mit großer Mehrheit die Ausprägung eines Dreimarkstücks beschlossen. In namentlicher Abstimmung und großer, bei dieser rein münztechnischen Frage mcht recht begreiflichen, Erregung wurde der Antrag mit 178 gegen 94 Stimmen angenommen. Die Konservativen und das Zentrum gaben den Ausschlag, die Linke unterlag und der Block fiel diesmal auseinander. Eine weitere politische Bedeutung hat dieser Vorgang indessen kaum, aber immerhin ist diese neue Parteikonstellation eine Lehre für die Linke, was ihr bei der Reichsfinanzreform blühen kann, wenn sie sich iveiterhin gegen die Bewilligung indirekter Steuern sträuben sollte. In wirtschaftspolitischer und finanzpolitischer Beziehung ist eben das Zentrum immer noch auf dem Plane und bildet das Zünglein in der Wage.
Ich begrüße den gestrigen Beschluß, wenngleich es genügt hätte, den Silberumlauf auf 18 Mk. statt auf 20 zu erhöhen, mit unverhohlener Freude. Ja ich empfinde über diesen Ausgang eines langwierigen Kampfes eine unmittelbar persönliche Genugtuung. In dem Kampfe stand ich als National- ökononi im Vordergrund der Streiter, bin aber fast ganz isoliert geblieben. Seit acht Jahren trete ich in Wort und Schrift für die Dreimarkstücke ein. In vier Broschüren, in Vorträgen auf der Frankfurter Handelshochschule, in Worms und in Mainz, sowie in verschiedenen Zeitungs- aussätzen in einem Darmstädter Blatte habe ich die Fünfmarkstücke als zu groß, zu plump und unbequem bekämpft und habe für den „Taler redivivus“ Stimmung zu machen gesucht. Die deutschen Handelskammern, darunter sämtliche hessische, haben sich indessen gegen die Einführung des Dreimarkstücks ausgesprochen, nur 16 Handelskammern von 135 waren für die neue Münze. In der Minorität befanden sich folgende größere Gremien: Köln, Braunschweig, Elberfeld und Essen. Bemerkenswert für die zer-^ fahrene Haltung der Handelskammern dürfte die Tatsache sein, daß Köln und Elberfeld für das Dreimarkstück, Düsseldorf und Barmen dagegen waren. Die deutschen Handwerkskammern waren geteilt, die bayrischen, sächsischen und württembergischen waren geschlossen gegen den neuen Taler, die badischen zur Hälfte, die preußischen zu zwei Drittel für ihn. Was die Landwirtschaft anbetrifft, so nahm die norddeutsche eine dem Dreimarkstück überwiegend günstige Stellung ein, ebenso Sachsen, Baden und Hessen. Die bayrischen und württembergischen Landwirte schlossen sich in ihrer Ablehnung der dortigen Handels- und Jndustrievertre- tung an.
Die Reichsregierung hat alle diese Kundgebungen in einer umfangreichen Denkschrift, die dem Reichstage vor zwei Jahren zuging, gesammelt, aber die Ansichten der Theoretiker, unter denen ich, wie gesagt, eine exponierte Stellung einnahm, in die-Denkschrift gar nicht ausgenommen. Natürlich bin ich auch von Hessen, das alle sachverständigen Stellen zu Worte kommen liest, nicht gefragt worden. Die jetzige Abteilung III des Ministeriums des Innern hält sich in solchen Fragen stets an die offizielle wirtschaftspolitische Interessenvertretung: Andere werden nicht gehört. Tas sieht man am besten an der Auswahl der hessischen Gutachter für die kürzlich zusammengetretene Geld- und Bankenquete. Tas ist indessen ziemlich gleichgültig, denn die ganze Sache wird voraussichtlich auslaufen, wie das Hornberger Schießen.
Was 1 nun die Folgen des gestrigen Reichstagsbe- fchlusses anbetrifft, so genügt es wohl, wenn ich aus einer von mir vor drei Jahren herausgegebenen Broschüre einiges wiederhole: Die Gegner arbeiteten in erster Linie mit der Behauptung, daß das Dreimarkstück eine „gefährliche Durch- üechung unseres Münz- und Dezimalsystems" sei. Darauf habe ich mit folgenden Ausführungen repliziert:
„Tas ist eine arge Ucbertreibung und ein „Rückfall in die Siedehitze der früheren Währungskämpfe". Man findet diese Durchbrechung des Systems darin, daß ein 3-Markstück nicht in das Te-imalfyftem, das einzig richtige Rechnungssystem, hineinpasse. Ss ist dies der wichtigste Gegengrund der Reichsregierung, der ueichstagsnrinorität und jetzt auch der überragenden Mehrheit der pmidelstämmern, von denen doch viele ohne weiteres zugeben, die 5-Markstücke recht unbequem seien. Ich kann diesem »artnäckigen Hinweis auf das Dezimalsystem kein allzu großes 'Gewicht beilegen, ich, als Theoretiker, finde ihn vielmehr leraüezu theoretisch schrullenhaft. Hat doch mit vollem Recht ^raf Oosadowsky-Wehncv selbst gesagt: „Wir prägen unsere Mün- ien nicht für Mathematiker, sondern für das Deutsche Volk!" Natürlich paßt ein 3-Markftück nicht ebenso gut in das Dezimal- ystem, wie ein 1- oder 2-Markstück. Selbstverständlich kann nan aus 3-Markstücken allein weder 20 Mk., noch 10 Mk., üe Grundmünzen unserer Währung, darstellen, noch damit Hundert- oder Zweihunüert-Markrollen wickeln. Das ist aber auch ar nicht unbedingt notwendig. Man kann ja statt dessen Rollen ult 150, 300 und 600 Mk. machen. Tas sind ganz brauchbare ^aylungseinheiten für den Kaffen verkehr. Die Huuder t fünfzig-Mar l- 'Dlle findet ihre Ergänzung durch Fünfzig-Markrollen, die Trei- Amdert-Marrrollen durch solche zu 200 Mk. usw. Bei großen Zahlungen und Umwcchselungen ist es ja gerade von Vorteil, ^enn man Rollen verschiedener Sorten miteinander kombinieren muß. Unt) kommt es denn inaner nur auf Rollen an? Man «bettet doch auch mit Kasten inü> Säckchen, und man hat schon Dinge Zahlbretter im Gebrauch, die die verschiedenen Münzsorten rruppieren und automatisch zahlen. Außerdem hat doch jeder- riann sein Portemonnaie, und im Portemonnaie trägt mau keine Zollen, ebensowenig ist das in den Gesächern der Tageskassen, wie sie allenthalben üblich sind, der Fall. Sind denn an den Portemonnaies und Tageskassen nur die „obersten Zehntausend" wteref fiert und nicht vielmehr die Gefamtheit des Publikums? kknterscheiden sich denn in der Größe die Geldbeutel der besitzenden Slassen so wesentlich von denen des kleinen Viannes? Immer nieder wird der Arbeiter als Derjenige bezeichnet, der für die Swßen 5-Markstücke eine Vorliebe habe. Ich glaube, diese Vorrede ist ihm einfach angedichtct ivorden. Jedenfalls hat man Ehwerlich die Arbeiterschaft umfassend und zuverlässig über diese wackre gehört. Die Unternehmer und hinter ihnen stehend ihre -assierer, oic sich das Lohnzahlungsgeschäft vereinfachen wollen, naben erzählt, die Lohnarbeiter möck>ten die 5-Markstücke besonders Swn, und diese fvenig glaubl-afte Bemerkung nimmt man plüz- Ach als bare Münze. Ich will ja gern glauben, daß ein schweres Portemonnaie die Hosentaschee des Arbeiters weniger drückt, als üe des verwöhnten Bourgeois, der neben seinem Portemonnaie
noch ein Dutzend -Sächelchen, die möglichst fvenig drücken und auftragen sollen, bei sich führt. Aber hat denn der Arbeiter mehr Zahlungen zu machen im Betrage von 5 Mark, als der Besitzende? Ich glaube nicht. Die Zahl drei ist nun einmal eine der wenigen niedrigen Primzahlen. Diese elementare Tat- sache kann man nicht aus der Welt schaffen. Mtt Primzahlen lassen sich aber andere Zahlen leicht zusammensetzen, und beim Vorhandensein von 1-, 2- und 3-Martstücken kommt man bei Zahlungen von 1—9 Mk. eben so gut dreimal mit einem Stück aus, als mit 1-, 2- und 5-Marlstücken. Dreimal braucht man nur zwei Stücke und dreimal drei Stücke. Das Verhältnis ist, wenn das 5-Markstück statt des 3-Markstückes vorhanden ist, eine Kleinigkeit besser, denn hier braucht man viermal nur zwei Stücke und zweimal drei Stücke. Es fragt sich aber nur, ob im Kleinhandel die Zahl drei oder fünf häufiger ist. Ich glaube, als runde Zahl ist das bei der Zahl drei der Fall. Außerdem hat bekanntlich die Zahl drtt für rechnerische Operationen noch mancherlei Vorzüge. So lange es also nicht gelingt, die 5-Markstücke kleiner zu machen, und ich wüßte nicht recht, fvie man das bei ihrer kolossalen Unterwertigkeit bewerkstelligen sollte — auf Vorschläge mit einem Verjückie der antiken Elektronmischung gehe ich lieber nicht ein — bleibt die Prägung des 3-Markstückes das einzige Abhttfernittel, es sei denn, daß man meint, daß man sowohl das 5-Markstück als das den Talev ersetzende 3-Mark- stück im Zahlungsverkehr entbehren könne. Ich glaube das nicht, denn damit tvürden die Zahlungsoperationen erheblich komplizierter werden. Bei den Zahlungen von 1—9 würde man nur zweimal mit einer Münze, zweimal mit zwei Münzen auskommen, dagegen in fünf iövitcren Fällen drei und mehr Münzen brauchen.
Von dem Wiederaufleben der Talec in 3-Marksorm befürchten manche endlich eine Stärkung der in Norddeutschland bekanntlich vorhandenen „partikularistischen" Neigung, immer noch nach Talern zu rechnen. Ich gebe zu, daß diese Neigung in Kreisen, die den Reichsgedanken besonders zu pflegen behaupteten, etwas Komisches an sich hat. Jedenfalls beweist sie, daß Gewohnheiten so stark sind, daß sie einen mühsam erkämpften Gesetzeszustand jahrzehntelang zu überdauern imstande sind. Wahrend es z. B. nicht gelungen ist, die offiziellen Münznamen „Kronen" und „Toppelkwnen" einzubürgern, und es wahrscheinlich ebensowenig gelingen würde, den ganz erträglichen Atomen „halbe Klone" für die 5-Markstücke einzuführen, ist die Berechnung von Talern in ganz Wrddeutschland auffallend ein- gewurzett. Ich kenne viele, sonst ganz modern gerichtete, Menschen, die jeden größeren Markbetrag rasch durch drei dividieren, um erst zu einem wirklichen, ihnen geläufigen Wertbegriff zu kommen, ebenso wie andere stets nur in Brüchen und nicht in den unter Umständen genaueren Dezimalstellen im Kopfe rechnen. Die Macht der Gewohnheit feiert hier im Geldwesen dieselben Triumphe, wie das beim Maß- und Gewichtswesen der Fall ist. Ob aber die alten Blaße überhaupt noch vorhanden sttid oder nicht, ist ziemlich gleichgültig. Es muß immer erst eine weitere Generation hevanwachsen, die in der Schule von den alten Eintettungen gar nichts mehr gehört haben. Tie Talerrechnung l)ängt jedenfalls nicht yon dem wirklichen Vorhandensein von Talern ab, und sollten die gewünschten 3-Markstucke — diesmal wider den Willen des Gesetzgebers — den gangbaren Namen „Taler"" behalten, so ist dies gewiß fein nationales Unglück.
Die ganze Talerfrage kann meines Erachtens viel real- politischer behandelt werden, als dies jetzt so oft geschieht. Es ist eine Angelegenheit der reimten Verkehrstechnik, und wenn man sie nicht gleichgültig entscheiden will, so wäre eventuell auch schon mit einem Versuche, den man dann recht gewissenhaft nach allen Setten hin prüft, manches gewonnen.""
Ich habe diesen Ausführungen, die längst vor der Denkschrift der Reichsregierung und vor der Münzgesetznovelle veröffentlicht worden sind, kein Wort hinzuzufügen. Wir bekommen jetzt den „neuen Taler"" und er wird sich als durchaus zweckmäßig erweisen. An unserm Münzsystem wird damit nicht das mindeste geändert, und hoffentlich entschließt man sich recht bald,' die massiven Fünfmarkstücke dahin zu schicken, wohin sie gehören, nämlich in den Orkus.
politische Tagesschau.
Der Kaiser in Donaueschingen.
Der kaiserliche Sonderzug ist gestern um 2 Uhr in Donaueschingen eingetroffen. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinz August Wilhelm rouröeu am Bahnhof vom Fürsten, der Fürstin und dem Erbprinzen von Fürstenberg empfangen. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich die Herrschaften in Wagen nach dem Jagdbrunnen, den sie besichtigten. Die fürstlichen Hofbeamten hatten sich in Galauniform dort aufgestellt; ein Sängerchor trug einige Lieder vor. An dem Wege vom Bahnhof zum Schloß hatten Schulen und Vereine und Gruppen von Mädchen in Landestracht Aufstellung genommen. Die Stadt ist reich geschmückt. Das Publikum bereitete den Majestäten einen begeisterten Empfang. Nach der Besichtigung des vor dem Schloß zur Erinnerung an den Aufenthalt der Majestäten im Jahre 19U4 ausgestellten Jagdbrunnens vom Bildhauer Spuer nahmen die Majestäten im Schloß den Tee. Die Kaiserin ist nach kurzem Aufenthalt in Donaueschingen mit dem Prinzen August Wilhelm, vom Fürstenpaar von Fürstenberg zur Bahn begleitet, nach Straßburg abgereift.
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Die Sympathiekundgebung des deutscheu Reichstages.
Die „Nordd. Mlg. Ztg."" meldet: Auf Grund der vom Reichstage erteilten Ermächtigung richtete der Präsident Graf zu Stolberg an den Kaiser das folgende Telegramm nach Schloß Schönbrunn: „Die Vertretung des deutschen Volkes, das ohne Unterschied der Partei freundschaftlick)e und vertrauensvolle Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und der österreichifch- nngarifchen Monarchie, sowie das mitteleuropäische Bündnis als ein Unterpfand des Friedens und der Wohlfahrt der Völker betrachtet, vereinigt ihre Würrfche mit denjeittgen, die Eure Majestät Seiner Majestät dem Kaiser Franz Josef barbringen.'' — Gestern nachmittag ging folgendes Antworttelegramm des Kaisers ein: „Eurer Exzellenz danke ich für Ihre Mitteilung über die Kundgebung des Reichstages, die bezeugt, daß der Reichstag und das deutsche Volk mit ihren Wünschen für Seine Majestät den Kaiser und König Franz Jofef hinter den Fürsten stehen." *
Die Abgeordneten Mulay Hafids.
Die für Berlin bestimmten Abgesandten ALulay Hafids sind gestern in Hamburg eingetroffen. Es kann als entschieden betrachtet werden, daß sie im Auswärtigen Amt empfangen werden. Sie werden nicht als Beauftragte eines Souverains, sondern als Privatleute behandelt werden. Von der Natur ihrer Eröffnungen wird es abfjängen, ob darüber weiter der französischen Regierung berichtet werden wird. Von dieser sind übrigens keinerlei Schritte geschehen, nm den Empfang der Gesandten in Berlin zu verhindern.
Deutsches Aeicl).
Das sächsische Wahlrechtskompromiß ist gestern fertig geworden. Die national. Fraktion stimmte bis auf einige Mitglieder zu mit der Abänderung, daß eine Jntegralerneuerung der zweiten Kammer stattsindet, eine Pluralstimme fchon für das 45. Lebensjahr gegeben und die Wahlkreiseinteilung gesetzlich festgelegt wird. Die Konservativen sind voraussichmch bereit, diese Konzession zu machen.
Der Regierungsentwurf über die Arbeits-i k a m m e r n befindet sich zur Zeit beim Bundesrat. Die beteiligten! Bundesratsausschüsse werden jedenfalls noch vor der Sommerpause in die Beratung des Entwurfs eines Arbeitskammergesetzes eintreten und nach Sichtung und Würdigung des sehr reichlich vorliegenden kritischen Materials die Grundlagen des Gesetzes so weit ausarbeiten, daß alsdann die endgültige Feststellung des Entwurfes erfolgen kann. Es ist daher mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Gesetzesvorlage dem Reichstage bald nach {einem Wiederzusammentritt zugehen wird.
Eine deutschfeindliche Kundgebung in Prag.» Nach der Leichenfeier Herolds veranstalteten die in Prag wettendär Abgeordneten aller nichtdentschen Parteien ein Solidaritätsbankettt an dem außer den slavischen Führern auch Abgeordneter Conet (Italiener) die Tscheclfen der Sympathien aller Nichtdentschen ver-- ficherte. Ter Ruthenenführer, Abg. Okuniewski nannte die Feier eine Kundgebung der Slaven gegen die panger-, mani st ische Kundgebung derBundessürsten in Wien.. Auch der deutsche christlich-soziale Kienzl hielt eine Bankettrede/ in der er sagte, die Tiroler ehrten jede 'Jiation.
— Tas bedeut) ame Beglück wünschungs-Tele^ gramm des Königs Viktor Emanuel an Kaiser Franz Josef 'wird von der Presse als eine zweckmäßige und hochpolitische Kundgebung gewürdigt.
— Der Generalrat des Bezirks Belfort forderte die Regierung auf, gegen die geplante Bahnverbindung Bus-, fang-Wesserling Stellung zu nehmen und sobald wie möglich den Durchstich durch den Elsässer Belchen in die Wege zu leiten, um dadurch den Lötschbergtunnel, der für dieKon-i kurven- in Deutschland von Vortett sein werde, auch fltt; die französischen Interessen nutzbar zu machen.
Der serbifche Kronprinz. Die Meldung, Kron-, Prinz Georg habe im Zorn einen Soldaten der königlichen Leibgarde erschlagen, ist unbegründet; ebenso ist die Nachricht, der Kronprinz habe einem Soldaten die Zig«" rette aus dem Mund zu schießen versucht und ihn hierbei verwundet, eine aus derselben Quelle stammende Erfindung,
— Dir portugiesische Expeditionskolonne von Guinea hat einen heftigen Angriff der Papeis zurückgewiesen. die mit Repetiergewehren bewaffnet waren. Der Kamps dauerte neun Stunden; die Eingeborenen erlitten große Verluste unt» ihr Lager wurde zerstört. Die Portugiesen hatten zwei SLote, darunter einen Offizier, und mehrere Verwundete.
Zur Lage in Indien, flach den letzten Untersuchungen über die Bvmbenverschwörung in Kalcutta existierte -dort eine richtige Hochschule für Bomben morde, auf welche zwei: Männer aus jedem Distrikt in Indien geschickt iverden sollten^ um die Bombenfabrikation zu erlernen. Die Polizei entdeckt^ Pläne zu einer allgemeinen Revolution ui großen^ Stile. Gestern waren Palakate an den Straßenecken angeschlagen mtt Aufrufen an die Pairioten Bengalens, sich zu erheben; und Lord Kitchenerund den Vize königzuermordenu Ter wahre dttrme des Mörders von Mouzzafsarpur soll Prvfulla Chaki fein. Sein abgeschntttener Köpf wurde gestern in Kal-, cutta öffentlich ausgestellt behufs Rekognoszierung. In der AKar-I chisten^ihle in der Harrison Road wurde ein halbes Dutzend gex füllte Bomben gefunden, welche die Polizei mü erheblicher Gc» fahr öffnete.
Aus StaSt rind
Gießen, 9. Mai 1908.
Tageskalender. Kolosseum: Jeden Abend Vor- stell'.tng; Sonntags auch nachmittags.
51inematographen-Theater: Programmwechsel.
Heitere Künstler-Abende im Hotel ^Großherzog^ Samstag, Sonntag und Montag.
Konzert der Regimentsmusik Sonntag nachmittag 4 Uhr) im Philosophenwald.
Anlagemusik (Volkskonzert) Sonntag vormittags, halb 12 Uhr in der Sud-Anlage. Spielplan: 1. Ouvertüre z. Op. ,Fra Diaoolo" von Auber; 2. Amoureuse! Valse von Berger; 3. Fantasie a. d. Op. ^Mignon" von Thomas; 4. Jubiläums-Marsch von Krauße.
Aus dem Büreau des Stadttheaters. Taffo-Aufführung am Donnerstag, den 14. Mai. Da die Gestaltung -des winterlichen Spielplanes Goethe nicht zu Worte . kommen ließ, veranstaltet Direktor Steingoetter am obigen Tage eine Gastaufführnng von des Dichters' ^Torquato Tas so"' mit auswärtigen Künstlern. Mit^ wirkende sind die Herren Kirch und Bayrhammer, sowie die Damen Wulf und Urban vom Schauspielhause in Frankfurt a. M. und Herr Albert Friedrich vom Hoftheater iw Kassel. Tas Ensemble hat in dieser Zusammensetzung- bereitS großen künstlerischen Erfolg erzielt und auch hiev durfte sich lebhaftes Interesse kundgeben, zumal unter dem Gästen verschiedene von bestem Ruf sich befinden, die denr^ Gießener Publikum noch unbekannt sind. Die Preise sind die gewöhnlichen. Ermäßigungen gelten für die Studierenden^ sowie für Schüler und Schülerinnen. Der Vorverkauf findet,i vom Montag ab im Büreau des Stadttheaters statt.
*’ Englische Militärmusik m Gießen. The. British Northumberland Military-Band aus Newcastle-- on-Tyne, die am nächsten Mittwoch, 13. d. Mts., unter/ Leitung ihres Dirigenten, des Leutnants H. G. Amers, int Kolosseum konzertiert und die als die beste Militärkapelle des vereinigten Königreichs gilt, wird speziell englische Musik zu Gehör bringen.
- Kunstverein. Die Gemäldeausstellung am Branb hat diese Woche wieder eine teilweise Aenderung erfahren^ Anstelle der Kollektion A. Lüdecke, die von morgen an in, Frankfurt aiisgestellt wird, ist eine Anzahl neuer Bilder zur Ausstellung gelangt, so daß die Ausstellung jetzt über! 100 Gemälde aufzuweisen hat. Es sei aber darauf hingewiesen, daß eine Anzahl Bilder am Montag wieder zuv Weitersendung gelangen muß, worunter auch die von E. Proch-I Worpswede, die also nur noch morgen Sonntag zu besichtigen find. Die Ausstellung ist täglich, mit Ausnahme de§ Samstags, geöffnet.
" Heitere Künstler-Abende veranstalten heute,; morgen und Montag einige Kasseler Künstler im ,Hotel^ Großherzog von Hessens Rach uns vorliegenden Rezensionew auswärtiger Zeitungen wird öen Besuchern in der Tat eins genußreicher Abend geboten werden.


